• #1

35+ - lauter schwangere Freundinnen. Und nun?

Psst, ich verrate Ihnen mal was: Heute ist mein 35. Geburtstag. Und den feiern knapp doppelt so viele Menschen wie sonst - denn fast alle meine Freundinnen schieben einen Babybauch oder Kinderwagen vor sich her.
Da tickt die biologische Uhr mit einem Mal besonders laut. Ich ahne schon, was mich erwartet - und das lesen Sie hier. Kennen Sie diese Situation? Und haben Sie einen Tipp, wie ich damit umgehen soll?


Ihr Fräulein Wunder
 
  • #2
Sehr schön und unterhaltsam geschrieben, größtenteils irgendwie auch treffend... ;-)

Es geht ja letztlich um zwei verschiedene Themen, nämlich einerseits was passiert mit dem eigenen Freundenkreis, wenn nach und nach alle von der Single- über die Paar- in die Elternphase übergehen, und andererseits wie sehr dies die eigene biologische Uhr ticken lässt.

Zum zweiten Aspekt muss ich sagen, dass ich meine Uhr nicht so ticken höre, nicht verkrampft oder verzweifelt daran denke und irgendwie seltsam entspannt bin.

Zum ersteren Thema aber muss ich zugeben, dass ich schon etwas leide. Mit Paaren hat man manchmal schon etwas weniger gemeinsam und ist in einigen Fällen mal das fünfte Rad am Wagen, aber mit Eltern verbindet einen nach kurzer Zeit rein gar nichts mehr. Engste Freundinnen verändern sich komplett, wenn sie Mutter werden. Man telefoniert, fragt wie es ihr denn geht, und hört nur "Lukas hat Verstopfung." Sie kann sich nicht im Ansatz vorstellen, dass ich wirklich wissen wollte, wie es ihr persönlich so geht, also ohne Berufstätigkeit, mit all dem Haushalt, dem Baby und so weiter. Sie kann sich noch weniger vorstellen, dass mich die Verdauungstätigkeit ihres Nachwuchses tatsächlich so gar nicht interessiert.

Gesprächsthemen der Mütter sind Kinderwagen, Babykleidung, Kita-Plätze, Impfungen, Krankheiten und was die Gesellschaft alles für Eltern tun müsste. Sozial ist, wenn andere es zahlen. Sorry, ich finde einfach keine gemeinsamen Themen mehr. Alles kreist ums Baby oder aber wegen des Babys ist irgendwas nicht möglich oder nicht gewünscht.

Ja, wenn man nicht mitmacht in diesem Kinderreigen, dann gehört man nicht mehr dazu. Sechs Freundinnen, von denen eine ein Baby hat, war lustig. Wir waren an den Neuigkeiten tatsächlich noch interessiert, die Themen waren von den fünf kinderlosen Frauen bestimmt und damit wie immer, und ein paar Storys zu Kita und Impfung waren völlig in Ordnung und haben uns sogar irgendwie interessiert. Aber jetzt mit vier Freundinnen mit Kind hat man sich einfach nichts mehr zu sagen, wenn die vier zu gefühlten 95% nur noch über Kinder sprechen und für keinerlei Unternehmungen mehr spontan Zeit haben.

Elternschaft verändert grundlegend. Das ist an sich nichts schlechtes, sondern ja gewiss biologisch und sozial so gewollt. Die meisten Eltern kümmern sich gerne um ihre Kinder und ihre Gedanken kreisen nun einmal um den Nachwuchs. Alles in Ordnung. Aber der Freundeskreis geht irgendwo verloren und wird ausgetauscht.

Genau an dieser Stelle sei eine Querbemerkung zu anderen Threads erlaubt: Genau deswegen klappt Patchwork mit kinderlosen Singles auch so extrem selten: Weil sie diese fundamentale Veränderung nicht mitgemacht haben. Weil Gedanken eben nicht um fremde Kinder kreisen. Weil Kinder das Leben wahnsinng verändern, bereichern, zum Teil aber natürlich auch einschränken. Weil Eltern und Kinderlose einfach anders denken und andere Prioritäten setzen.
 
G

Gast

Gast
  • #3
Die Frage ist ehrlich gesagt einfach, ob du denn Kinder haben willst? Du bist erst 35 - herzlichen Glückwunsch übrigens!!!!

Da hast du noch locker 6 Jahre Zeit für ein Kind! Bei mir und vielen Freundinnen tickte die Uhr auch schon ab Anfang 30, alle heirateten und ich hatte nicht mal nen Freund, war in eine neue Stadt gezogen, hatte kaum Freunde da und habe 24h nonstop gearbeitet. Ich weiß, wie man sich fühlt, auch wenn ich nun mit 38 2 Kinder habe - allerdings eine in den Sand gesetzte Ehe.

Viele deiner jetzt schwangeren Freundinnen sind möglicherweise aber Anfang 40 schon wieder getrennt.Kinder sind der Beziehungskiller schlechthin. Ich sehe das hier in meinem Umfeld überall.
Wenn du sehr dringend Kinder willst, dann such dir einen gut verdienenden Mann dazu, da ist das Risiko nicht so hoch, falls ihr euch trennt.

Ist pragmatisch und unromantisch und ich weiß, dass z.B. Frederika ganz klar sagt, dass für sie nur ein für sie perfekter Mann Vater ihrer Kinder wird. Da hat sie sicher auch recht, falls sie den findet.
Ich für meinen teil muss aber sagen, dass ich froh bin, 2 Kinder auch ohne Mann zu haben, denn ich habe viele Freundinnen um die 39, die jetzt immer noch keinen Mann finden und es langsam eng wird. Die beneiden meine getrennten Freundinnen schon wieder, weil sie ihre Kinder haben. ich weiß, dass das kein Ideal ist, vielleicht sogar erschreckt. Ich wollte 2 Kinder und habe noch ein zweites bekommen , obwohl unsere ehe schon am Ende war. Vielleicht war es auch ein Rettungsversuch, aber ich wollte unbedingt 2 Kinder - und denen geht es trotz Trennung bestens. Mein Ex und ich verstehen uns.

Aber ich kann jetzt ganz entspannt mit Exmann, der ja trotzdem seine Vaterpflichten wahrnimmt, meinem Beruf nachgehen und bin frisch verliebt. Finanziell bin ich auch abgesichert.
Habe 2 Freundinnen, die eben nie Kinder haben werden, obwohl sie super Mütter geworden wären.
Andererseits sind Kinder nicht das Glücksmittel für jeden. Ich weiß, dass mein Statement jetzt sicher einige schockt, aber so wie mir geht es zig Frauen. Bin froh, dass es so ist und nicht anders.

Schönen Geburtstag!

w,38
 
G

Gast

Gast
  • #4
Glückwunsch zum 35.! Ich bin auch 35 und gerade erst auf einem Klassentreffen gewesen. Kinder haben/bekommen/nicht bekommen war an dem Abend ein ganz wichtiges Thema. Die Männer haben es verständlicherweise noch sehr locker gesehen, aber bei einigen Frauen konnte ich die biologische Uhr ganz schön laut ticken hören... Gerade die beruflich sehr erfolgreichen Damen haben bei mir interessiert nachgefragt, wie ich das mit meinem Kind und dem Job so regle. War sehr erstaunt, dass ich regelrecht um meinen Sohn "beneidet" wurde. Ich dagegen habe sehnsüchtig ihren Geschichten aus dem Geschäftsalltag gelauscht und mir ausgemalt, wie anders (schöner?) mein Leben ohne Kind verlaufen wäre. Das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner. Kind hin oder her.

In meinem Freundeskreis war ich die 1. mit Kind - und kam mir oft sehr deplatziert vor. Jetzt geht es meiner besten Freundin ähnlich, die mittlerweile die einzige ohne Nachwuchs ist. Da kann man nur versuchen locker und verständnisvoll zu bleiben, bis die nächste Lebensphase eingeläutet wird - oder sich neue Freunde suchen ;-)


Genau an dieser Stelle sei eine Querbemerkung zu anderen Threads erlaubt: Genau deswegen klappt Patchwork mit kinderlosen Singles auch so extrem selten: Weil sie diese fundamentale Veränderung nicht mitgemacht haben. Weil Gedanken eben nicht um fremde Kinder kreisen. Weil Kinder das Leben wahnsinng verändern, bereichern, zum Teil aber natürlich auch einschränken. Weil Eltern und Kinderlose einfach anders denken und andere Prioritäten setzen.

Klar, ein Kind ist eine fundamentale Veränderung. Ich merke aber an mir selbst, dass ich mich als Person dadurch nicht fundamental verändert habe. Ich bin immer noch ich und nur zusätzlich noch Mutter. In der Babyphase sind sicher die meisten Mütter kindfixiert und ein wenig "betriebsblind", was andere Themen anbelangt. Je älter mein Kind wurde, desto mehr habe ich mich wieder für meine alten Hobbies und Freunde interessiert. Das war dann der Zeitpunkt, an dem ein kinderloser Mann in mein Leben treten konnte, der sich nicht ausgeschlossen fühlen musste, weil auch meine Gedanken nicht mehr ausschließlich ums Kind kreisten. Ich glaube, dass Patchwork in der Konstellation sogar besonders gut klappen kann. Vielleicht habe ich aber auch nur einen besonders tollen Mann.
 
V

Vicky

Gast
  • #5
Engste Freundinnen verändern sich komplett, wenn sie Mutter werden. Man telefoniert, fragt wie es ihr denn geht, und hört nur "Lukas hat Verstopfung."

Ich muss zugeben, dass ich auf diese Frage auch mal geantwortet habe: "Mir geht's gut, die Kleine schläft immer durch." Und das, obwohl ich z.B. durch solche und ähnliche Threads hier eigentlich sensibilisiert war und mir vorgenommen hatte, nicht eine solche Antwort zu geben. Andererseits hängt das eigene Wohlergehen eben doch sehr davon ab, wie es dem Kind geht. Muss es 5 Mal pro Nacht gestillt werden, dann geht's einem eben nach mehreren Monaten meist nicht mehr so gut.

Gesprächsthemen der Mütter sind Kinderwagen, Babykleidung, Kita-Plätze, Impfungen, Krankheiten und was die Gesellschaft alles für Eltern tun müsste. Sozial ist, wenn andere es zahlen.

Ein Kind ist teuer. Was man anfangs alles braucht und was das alles kostet, davon macht man sich als Kinderloser echt keine Vorstellung. Da der Staat von zukünftigen Steuerzahlern profitiert und wir Kindermangel haben (wenn wir über normale Leute reden und nicht über die, die in 3. Generation vom Staat leben), muss er eben auch Familien unterstützen, was ganz klar zu wenig getan wird. Ich habe mal eine Statistik gelesen, die sagte, dass die Eltern 2/3 und der Staat 1/3 der Kosten tragen. Das könnte hinkommen und das IST einfach eine große finanzielle Belastung, vor allem, wenn ein Gehalt ausfällt. Ansonsten müssen eben noch mehr Kitas entstehen. Aber zu diskutieren, würde uferlos werden.

Aber jetzt mit vier Freundinnen mit Kind hat man sich einfach nichts mehr zu sagen, wenn die vier zu gefühlten 95% nur noch über Kinder sprechen und für keinerlei Unternehmungen mehr spontan Zeit haben.

Spontaneität ist nach meiner Erfahrung in der Tat mit Kind nur schwer möglich. Aber dafür kann man eben etwas mit ein paar Tagen Vorlauf vereinbaren. Ich bemühe mich aktiv, im Beisein von kinderlosen Frauen, Paaren usw. eben nicht dauernd über Babythemen zu reden,sondern nur, wenn ich darauf angesprochen werde und dann auch nicht uferlos. Fällt mir auch gar nicht schwer, weil ich froh bin, auch mal wieder über andere Themen reden zu können.

Genau deswegen klappt Patchwork mit kinderlosen Singles auch so extrem selten: Weil sie diese fundamentale Veränderung nicht mitgemacht haben. Weil Gedanken eben nicht um fremde Kinder kreisen.

Das sehe ich genauso. Das habe ich mir bei besagtem Thread auch gedacht. Auch Eltern streiten darüber, wie man mit einem Baby umgeht. Aber es sind halt beide Vater und Mutter und letzten Endes doch sehr stark zu enormen Einschränkungen bereit. Natürlich gibt es auch Kinderlose, die großes Verständnis für fremde Kinder aufbringen - aber ich denke, dass das eher wenige sind.
 
V

Vicky

Gast
  • #6
Klar, ein Kind ist eine fundamentale Veränderung. Ich merke aber an mir selbst, dass ich mich als Person dadurch nicht fundamental verändert habe. Ich bin immer noch ich und nur zusätzlich noch Mutter.

Das geht mir ähnlich wie Dir. Mein Lebensgefühl und meine Selbstwahrnehmung sind nun nicht besonders anders als in Vor-Schwangerschaftszeiten. Auch meinen Freund betrachte ich so, wie vorher und er mich auch. Wir sind jetzt eben AUCH Eltern. Aber ich glaube, es gibt schon recht viele Eltern und da vor allem Mütter, die sich enorm verändern.

Da gibt es die Karrierefrau, für die die Karriere nun gar nicht mehr wichtig ist, die nun die Energie, mit der sie vorher beruflich Projekte gestemmt haben, nun das "Projekt Kind" angehen. Da gibt es Leute, denen man vorher nie zugetraut hätte, dass sie mal mit einem "Sophia fährt mit"-Aufkleber durch die Gegend gurken würden. Ganz besonders schlimm finde ich es, wenn alle Anwesenden dauernd das, was das Kind macht, begutachten, bewundern und kommentieren müssen.

Ich habe es wie folgt am liebsten bei kinderlosem Besuch: Der Besuch darf (und soll natürlich auch ;)) das Kind ein bißchen begutachten und toll finden, man spricht etwas darüber und dann setzt man sich an den Tisch, ißt und trinkt und redet über andere Themen. Ich habe auf jeden Fall schon Lob dafür bekommen, dass ich auch noch über andere Themen rede und mein Kind nicht dauernd in den Mittelpunkt zerre.

Das war dann der Zeitpunkt, an dem ein kinderloser Mann in mein Leben treten konnte, der sich nicht ausgeschlossen fühlen musste, weil auch meine Gedanken nicht mehr ausschließlich ums Kind kreisten. Ich glaube, dass Patchwork in der Konstellation sogar besonders gut klappen kann. Vielleicht habe ich aber auch nur einen besonders tollen Mann.

Ich persönlich glaube, dass Du einfach nur sehr viel Glück hattest und dies nicht der Normalfall ist. Hier im Forum liest man oft von Patchworkproblemen und alle Patchworker, die ich kenne, haben mehr oder minder große Probleme. Was ich auch nicht erstaunlich finde, schließlich weiß man ja als neu hinzukommender Partner nicht, ob man für die Kinder nur der neue Partner sein soll oder ob man so agieren soll wie ein Stiefelternteil usw. Und versucht man dies, so können die Kinder einem jederzeit entgegenschleudern, dass man ja nicht Vater / Mutter ist.

Aber sehr schön, wenn es auch mal gut klappt. So etwas würde ich mir natürlich auch wünschen wenn ich jemals in eine solche Situation kommen sollte. Momentan bin aber sehr froh und dankbar, dass mein Freund der Vater meiner Tochter ist und wir bisher ohne Streit und Diskussion alles hinbekommen haben und es sowohl unserer Tochter wie uns dabei gut geht.
 
  • #7
Dankeschön für die Glückwünsche und den Einblick in eure Erfahrungen... Ich habe mich auch schon fast an das Ticken gewöhnt ;-) Im Ernst: Ich bin einerseits sehr gespannt auf die Änderungen, die sich in meinem Freundeskreis mit den vielen Kindern ergeben werden - welche Freundin bleibt mir tatsächlich mit offenen Ohren auch für meine Probleme erhalten, welche mutiert zum Muttertier? Ehrlich gesagt: Ich könnte Wetten abschließen, es zeichnet sich jetzt schon ab. Frederika hat es ja auch schon erlebt.

@ #2: Danke auch für deinen Bericht, das macht Mut! Ich fürchte nämlich auch, dass einige Freundinnen dazu neigen, mit ihrem großen Anspruch die Chance auf ein Kind zu verpassen. Man muss sich sowieso darauf einstellen, eines Tages alleinerziehend zu sein. Nur das mit dem gut verdienenden Vater wird bei mir nichts... Ich habe einen Schöngeist an meiner Seite, keinen Karrieremann. Aber in Herzensbildung ist er top, und das ist mir viel wichtiger. Das Geld werde sowieso ich verdienen, aber genau das möchte ich auch. Ich freue mich hingegen, wenn sich mein Schöngeist mit seiner sozialen Ader und seiner vielen Zeit dem Familienthema verstärkt widmet.

Fräulein Wunder
 
  • #8
Auch als Frau - trotzdem cool bleiben. Denn ohne passenden Partner dafür, (und längst nicht nur als Samenspender und Begatter) wäre das Kinder kriegen und aufziehen "zuviel" Stress pur.

@Frauen mit Kinderwunsch: Bietet Euren Freundinnen an, deren Babies zu betreuen = Babysitter. Oder die Babies beim nächsten Plausch mitzubringen.
Und dann nehmt Euren "auserwählten Schatz" dazu. Als Test, wie Euer Partner mit Babies umgehen kann, und zurecht kommt.
Tests bestanden = als Vater fähig und vorstellbar ?

Denn weibliche Sturheit = "erst mal schwanger werden - der Rest klappt schon irgendwie" - geht meistens schief.
Ist frau aber erst mal schwanger, gibt es kein zurück. Und dessen Kindsvater, kann sie auch nicht nachträglich "umtauschen".

Ich hatte schon zwei Partnerinnen, die sich von mir Kinder wünschten. Aber sie waren für mich nicht die passenden Partnerinnen, für gemeinsame Kinder.
Ich staune immer wieder, wenn ich erlebe, wie leichtfertig manche Frauen mit ihrem Kinderwunsch, und ihrer Auswahl des Kindsvaters (bei anderen Männern) umgehen.

Einen Schöngeist könnte ich mir schon als guten Vater vorstellen. Wenn ihm klar ist, daß Kinder = tägliche Arbeit und Tagesstruktur bedeuten. Und daß m.o.w. die ersten 20 Jahre lang.
Und er selber - nur an dritter Stelle. Hinter Kind und Frau. Denn hinter einer erfolgreichen Frau, steht ein starker Mann - oder ihr Team. Aber auch Omas sollte man nicht überstrapazieren.
 
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