A

Arcturus

Gast
  • #1

50-50-Anteil an der Trennung?

Eigentlich alle Paartherapeuten sagen, daß am Scheitern einer Beziehung JEDER der Partner einen Anteil trägt und in der überwiegenden Zahl sind die Anteile jeweils ungefähr gleich.

Nun habe ich im kürzlichen Gespräch mit einer guten Freundin eine (hoffentlich) interessante Erkenntnis gewonnen, als wir uns über unsere jeweiligen Anteile an vorhergegangenen Trennungen austauschten.

Mich würde nun interessieren, wo ihr Forendiskutanten eure Anteile an eurer/n vorherigen Trennung/en seht und ob ihr der/die Verlassene oder Verlassende gewesen seid.

Interessant in diesem Zusammenhang ist natürlich auch Alter und Sexus.

Ich werde gleich meine Anteile benennen, damit der Anfang nicht so schwer fällt:
Ich wurde verlassen.
In meiner Ehe habe ich zunehmend meine Frau nicht mehr „gesehen“, d.h. ihre Bedürfnisse wahrgenommen in Bezug auf unsere Beziehung. Ich hatte mich aufgrund ihrer lang andauernden psychischen Erkrankung auf meine (Erwerbs-)Arbeit, die Kinderbetreuung und den Haushalt und das Funktionieren des physischen Familienlebens konzentriert und dabei (teilweise auch aus Absicht wegen des Gefühls der Überforderung und Vernachlässigung) sie nicht beachtet nach dem Motto „Tut mir leid, aber ich muß noch die Kinder ins Bett bringen, wir können danach reden…“ und später „Du ich bin zu müde, laß uns doch morgen schauen…“ Ich habe immer wieder (sicher vorhandene aber manchmal auch zweitrangige) Gründe gefunden, um meine Ruhe zu haben und nicht auszugehen oder auch mal ein Nur-Ehepartnerwochenende mit zu tragen. Ich habe ihre Vorschläge zu gemeinsamen Unternehmungen überwiegend abgelehnt aber selber kaum welche unterbreitet und wenn, dann haben wir überwiegend das gemacht, was mir Spaß machte.
Men Anteil also schlicht: gewollte und ungewollte Vernachlässigung der Beziehungsbedürfnisse meiner Partnerin in seelischer, kultureller und emotionaler Hinsicht.

Also wo seht ihr als Verlassende/r bzw. Verlassene/r euren Anteil am Scheitern eurer Beziehung?

M46

PS: Besonders interessieren mich auch die Äußerungen der „großen“ Diskutanten hier, wie Herakles, Vikky, Valmont, Bernd50, Inspirationmaster, Kaktus, frei, Terzia, Ars_Vivendi, wahlmünchner etc.
 
  • #2
Das ist eine interessante Frage, die ich jedoch schnell beantworten kann. Ich (w, 38) war in der Vergangenheit immer diejenige, die die Beziehungen beendet hat.

Erklären lässt sich das aus meiner Sicht ganz einfach (und sehr "typisch"). Ich habe von jeher nach einem "ebenbürtigen" Partner gesucht und deshalb (vermeintliche) Alphamänner als Partner gewählt. Im Laufe der Jahre habe ich dann jedoch festgestellt, dass der vermeintlich starke Mann immer mehr zum Pantoffelhelden (Beta) mutierte und mich dann letztendlich langweilte, mit der Konsequenz, dass die Liebe abnahm und ich die Beziehung dann irgendwann beendete.

Meinen Anteil am scheitern sehe ich darin, dass ich (unbewusst) die vermeintliche Stärke der Männer getestet habe (sicherlich auch durch Machtspielchen, gerade in jüngeren Jahren) und dadurch die Beziehungen in ein Ungleichgewicht gerutscht sind. Hätte ich diese unbewussten Machtspielchen sein lassen, wären meine Beziehungen mit Sicherheit sehr viel harmonischer und gleichberechtigter verlaufen!
 
  • #3
Eigentlich alle Paartherapeuten sagen, daß am Scheitern einer Beziehung JEDER der Partner einen Anteil trägt und in der überwiegenden Zahl sind die Anteile jeweils ungefähr gleich.

Lieber Arcturus, zunächst mal würde ich sagen, dass dies eine Arbeitshypothese von Paartherapeuten ist, die einige Vorteile bietet. Der Therapeut hat die Möglichkeit beide Sichtweisen zu hören, da die Wahrscheinlichkeit, dass überhaupt beide zu ihm kommen, höher ist, wenn unterstellt wird, der Anteil sei beidseitig. Daran ist auch zunächst nichts auszusetzen. Natürlich muss ein Therapeut gewillt und fähig sein, eine vorurteilsfreie und wertschätzende Haltung seinen Klienten ggü. einzunehmen. Das ist eine der wichtigen Grundvoraussetzungen professioneller Arbeit mit Menschen.

Als Privatperson hingegen muss ich (wie das Wort schon sagt) nicht professionell sein. Ich kann zwar als Mensch den berechtigten Anspruch an mich haben, fair und gerecht zu sein, aber das hat auch Grenzen. Denn was nutzt es, wenn ich am Ende den ersten Preis in Humanität gewinne, aber ich mich dann wegen einer Depression einweisen lassen muss?

Also: für die persönliche Entwicklung ist es notwendig sich in Fremdverstehen zu üben und die eigenen Anteile aufzuarbeiten. Aber: es geht auch um das eigene Fortkommen. Irgendwann muss Schluss sein mit Analysieren und Selbstvorwürfen. Und es ist durchaus berechtigt zum Schluss zu kommen, dass der eine einen größeren Anteil/Schuld trägt (das kann ich auch selbst sein!). Schuld meine ich natürlich nur im moralischen/privaten Sinne (ich gehöre nicht zu den Wirrköpfen, die 2015 noch ein Schuldscheidungsrecht herbeiphantasieren wollen). Ich halte überhaupt nichts davon, die Unterschiede zwischen Opfer und Täter, zwischen Verursacher und Erdulder zu nivellieren. Denn teilweise gibt es diese Tendenz selbst die krassesten Verhaltensweisen durch Verstehenwollen gleichzeitig auch zu egalisieren. Davon versuche ich mich zu befreien (ist aber schwer, wenn man von frühester Jugend an und durch den Beruf davon geprägt ist).
 
  • #4
Ich hatte mich aufgrund ihrer lang andauernden psychischen Erkrankung auf meine (Erwerbs-)Arbeit, die Kinderbetreuung und den Haushalt und das Funktionieren des physischen Familienlebens konzentriert...

Aus meiner Sicht gehst Du zu hart mit Dir in´s Gericht, in Deinem Fall handelt es sich eher um eine Ausnahmesituation als ein "normales" Beziehungsleben. Das Familienleben am Laufen zu halten, den fehlenden anderen Part zu übernehmen, Aufwendung und Pflege für den erkrankten Partner und die Erwerbstätigkeit standen auf der Prioritätenliste als existenziell ganz weit oben. Ging das über einen längeren Zeitraum bleibt verständlicherweise nicht mehr viel Energie für Beziehungsarbeit. Hier etwas in einer Prozentzahl festzulegen, wäre in meinen Augen vollkommen verfehlt.

Wie auch immer, mein persönliches Kompliment für diesen Kraftakt an Dich!
 
A

ak18

Gast
  • #5
Wer ist die / der Verlassene?

Ist es derjenige der bleibt währende der andere Auszieht ( also physikalisch) oder ist es derjenige, bei dem der Partner in der Entwicklung stehen bleibt, oder andere Wege geht?

Man kann zusammen sein und sich trotzdem verlassen fühlen.

Wenn es nicht mehr passt, weil man sich zu sehr auseinander gelebt hat; unterschiedliche Lebenswege eingeschlagen hat sehe ich eine 50 - 50 Situation. Wichtig ist dann für mich immer, ob es sich um ein temporäres Problem handelt (z.B. einen Durchhänger, Krise,...), oder ob es etwas grundsätzliches ist (ich will Kinder - du nicht)

Wenn beide die Partnerschaft aber eigentlich wollen und nur einer drum kämpft, ist der der verlassene. Und der Verlassene wird sich wohl maralisch immer weniger Schuldanteile anrechnen lasen wollen
 
  • #6
Guten Morgen,
es ist müssig darüber nachzudenken, welchen Anteil man wo und wann an einer gescheiterten Beziehung hat. Denn alles ist abhängig von der Schwingungsresonanz in einer Beziehung. Du hättest vielleicht in einer anderen Beziehungskonstellation, in der du diesen Belastungen nicht ausgesetzt wärst, anders agiert und reagiert.
In deinem Fall sehe ich dein Verhalten einfach als eine notwendige Reaktion deiner selbst, die dir dein Überleben ermöglichte. Das Zusammenleben mit einem psychisch kranken Menschen und die daraus hervorgehende enorme Belastung ist gewiss nicht zu unterschätzen.
Die Seele hat ihre eigenen Wege, um sich zu schützen, die meistens der Norm und den Wertevorstellungen, die wir haben, nicht entsprechen.
 
G

Gast

Gast
  • #7
Ich wurde auch verlassen. Es finden sich zwei Menschen zu einem Paar zusammen, geben sich eine Weile was, erwarten, hoffen, lieben und entdecken vielleicht, dass es nicht passt. Dann kommt, dass man lieber seine Ruhe haben will, so wie bei Dir. Der andere merkt das ja auch, dass er auf taube Ohren stößt, also wenn er dann den Schlussstrich zieht, macht er eigentlich das, was der erste schon die ganze Zeit will und sich nur nicht getraut hat.

Beide sind immer schuld, ist leicht gesagt. Es stimmt. Man hat sich ja DIESEN Partner gewählt, und wenn er sich als unpassend oder betrügerisch rausstellt, hat man diesen Charakterzug am anderen nicht sehen können oder wollen. Insofern ist man einfach durch seine Wahl dieses Partners schon 50% daran beteiligt, dass es irgendwann scheitert, wenn es scheitert.
Ich halte nichts davon, sich zu sagen, das sei der Partner des Lebens gewesen und man hätte es verbockt. Das hätte man ja nicht getan, wenn es nicht richtig in diesem Moment gewesen wäre, sich zurückzuziehen oder was auch immer man gemacht hat.
Also wenn es sich für Dich richtig angefühlt hat, ihre Paar-WE-Vorschläge abzulehnen, dann war es das auch für Dich.

Anteile würde ich auch nicht aufrechnen. Dann könnte ich mir auch 100% die Schuld geben, weil: Ich hätte ja alles so machen können, wie mein Ex es gewollt hat, dann wären wir noch zusammen. Ich WOLLTE es aber nicht so machen, weil es sich für mein Leben falsch angefühlt hat. Und auch meine Bedürfnisse müssen beachtet werden in einer Beziehung. Wenn das das Bedürfnis nach mehr Abstand ist oder einem eigenen Lebensweg, der seiner Vorstellung von Beziehung nicht entspricht, dann ist es eben das.

w, 45
 
  • #8
Besonders interessieren mich auch die Äußerungen der „großen“ Diskutanten hier, wie ... frei, ....
Merci *knicks*

Hier meine Geschichte, bzw. die meiner Eltern, die sich 1970 getrennt haben.

Geheiratet 1962, Vater war noch Student und hat daher mit dem Coitus interruptus verhütet, was offenbar geklappt hat, denn mein Bruder ist erst 1966 geboren worden, ein Jahr später ich. Meine Mutter dachte bis dahin, sie sei unfruchtbar.
Meine Mutter hatte dann also zwei Babies und mein Vater sein neues Büro.
Er war sehr ehrgeizig und dann auch schnell erfolgreich und arbeitete jeden Tag von morgens bis spät in die Nacht.
Auch am WE.
Und ließ meine Mutter komplett mit allem, praktisch und emotional allein.
Sie hat mir viel erzählt und es passt alles zu dem Vater, den ich kenne, der kalt und distanziert war.
Auch die vielen Demütigungen, von denen sie erzählte, passen, denn die habe ich später auch abgekriegt, als ich bei ihm aufwuchs.

Er bot ihr die Sicherheit der Ehe, ein tolles Haus, und genug Geld.
Und wenn er um Mitternacht mit der Arbeit fertig war, rutschte er noch über sie rüber, auch wenn sie schon geschlafen hatte und obwohl er nach dem Rotwein und den Zigarren stank, die er den ganzen Abend genossen hatte.

Sie verliebte sich dann in einen Mitarbeiter meines Vaters, der ihr nichts bieten konnte außer Zuneigung.

Und sie trennte sich von meinem Vater, obwohl sie dadurch alles verlor, auch das Sorgerecht für die Kinder.
Denn damals gab es das Schuldprinzip und wer am Scheitern der Ehe schuld war, war für den Scheidungsrichter eindeutig.

Aus heutiger Sicht bewerten wir das völlig anders, nicht ?
Oder liegt es daran, dass ich eine Frau bin ?

Ich sehe bei meiner Mutter kein Quentchen Anteil und verschone euch mit Details, die das untermauern könnten.
Und für die Poster, die jetzt wieder sagen werden, dass meiner Mutter Anteil darin lag, dass sie alt und fett geworden sei, lasst mich schon mal vorab sagen, dass sie 30 Jahre alt, schlank und ziemlich attraktiv war.
Und eine hardcore-Spitzenhausfrau und null Ambitionen hatte, ihn intellektuell zu toppen, was die Männer hier ja gerne in die Defensive ( getarnt als Aggression ) treibt.


Und der Verlassene wird sich wohl maralisch immer weniger Schuldanteile anrechnen lasen wollen
Genau !

w 48
 
A

Ars_Vivendi

Gast
  • #9
Mich würde nun interessieren, wo ihr Forendiskutanten eure Anteile an eurer/n vorherigen Trennung/en seht und ob ihr der/die Verlassene oder Verlassende gewesen seid.

Ich war in meinen Beziehungen immer der Verlassende. Für eine Prozentzahl fehlt mir eine "Messgröße". Mein Anteil am Scheitern einer Beziehung ist aber immer mindestens genauso groß wie der der Partnerin.
Ursachen bzw. meine Anteile waren in erster Näherung z. B.:

- zu wenig darauf geachtet, dass die Beziehung sich auch nach Jahren noch weiterentwickelt und "lebendig" bleibt.

- Lebensvorstellungen und -ziele zu wenig abgeglichen.
- zu wenig darauf geschaut, dass die Partnerin in Bezug auf Bildung "auf Augenhöhe" ist.
- bei der Auswahl der Partnerin zu wenig darauf geachtet, dass sie wirklich meinen "Ansprüchen" entspricht. Im Kern eher die Partnerinnen genommen, die sich "gerade anboten".
Wenn ich es jetzt so lese, ist meine mangelhafte "Auswahl" sicher mein Kernproblem. Diesen Fehler korrigiere ich dann irgendwann...

- keine Kompromissbereitschaft bei Aspekten, die mir wirklich wichtig sind. Auch bei anderen Aspekten gebe ich manchmal wenig nach, insbesondere, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle.
 
G

Gast

Gast
  • #10
So einfach kann man das nicht sagen, dass Paartherapeuten automatisch von einem 50-50 Anteil ausgehen, das stimmt so absolut nicht. Ich finde es krass, dass hier Sachen behauptet werden als Ausgang einer Diskussion, die so definitiv nicht stimmen.

Man kann es natürlich so sehen, dass immer zwei dazu gehören, einer der sich beziehungsfeindlich verhält und einer der sich das gefallen läßt. Aber so einfach ist das nicht.

Ein Partner, der ständig fremdgeht, säuft, schlägt u.ä. kann sich beim Richter, wenn er wegen Körperverletzung angeklagt ist, auch nicht damit rausreden, dass sein Anteil an der Tat nur 50% sei, weil seine Frau ihn so provoziert habe oder weil sie dies oder jenes getan hat.

Wieso fragt sich der FS nach seinem Anteil, wenn er eine psychisch kranke Frau hatte, zusätzlich noch die Kinder und den Haushalt betreut hat? Dann hatte er noch die Pflicht sie und ihre Bedürfnisse zu sehen? Kein Partner hat die Pflicht ein Übermensch zu sein. Was soll das werden? Selbstzerfleischung? Wozu soll das gut sein? Will er sich zukünftig wieder eine psychisch kranke Frau suchen, wo alles auf seinen Schultern lastet? Will er dann alles besser machen und sich noch mehr kümmern?!?
 
G

Gast

Gast
  • #11
Ich sehe folgenden Anteil bei mir:

- ich habe mich zu wenig geöffnet und war zu unsicher, habe ihm zu wenig gezeigt, dass ich ihn will und liebe (obwohl es absolut so war)
- ich habe zu wenig meine Bedürfnisse eingefordert und mich zu sehr angepasst
- ich habe dinge toleriert bzw verdrängt, die mich eigentlich extrem gestört, verletzt und irritiert haben
 
  • #12
Du hast "Schuld" mit dem großen Löffel eingetrichtert bekommen. Hör nicht auf den Quatsch.

Ackerst du zu viel im Haushalt, ignorierst du sie, ackerst du zu wenig, ist sie überfordert.

Gehst du fremd, bist du ein Schwein.
Geht sie fremd, hast du sie in die Arme des anderen getrieben. Merkst du was?

Man nennt das Catch 22 oder Zwickmühle. Egal wie man es macht, es ist falsch. Frauen sind Meister im übertragen
von Schuld auf den Mann. (der weibliche Teil des Forums wird deine Schuld schon finden)

Du klingst wie ein anständiger (Beta-)Mann. Ich hab schon beruflich viele kennengelernt, die sich den Hintern für ihre Familie aufgerissen haben. 50 Stunden Woche, Kinderbetreuung und Haushalt übernommen, weil Frau "krank" war. Wer will schon die Leiden einer "Kranken"
in Frage stellen, zumal es sich auch noch um eine Frau handelt (Opferrolle).

Lass dir bloß nichts einreden. Am Ende zur Scheidung steht sie fein da, schließlich hat sie nur passiv auf dein "Fehlverhalten" reagieren können und letztendlich warst du der "Böse". Trink ja nicht aus der Schuldkultflasche. Es zerstört einen, vernebelt die Sicht und man ist ständig der Schuldige, auch wenn man keinen Deut falsch gemacht hat.
 
A

Arcturus

Gast
  • #13
Bis hierhin schon ganz gut. ;-)
Danke, für das Mitgefühl an meiner Trennung. Aber das ist es nicht, was ich mir mit meiner Frage erhofft hatte. Das ist meine Baustelle, mit der ich zwischenzeitlich ganz gut klarkomme, was die Einsicht in Unausweichlichkeiten betrifft.
Ich wollte aber einfach die Bandbreite aller erfolgten Selbstreflektionen erfragen, meine Erkenntnis sollte nur als Beispiel und Hemmungslöser dienen.

Danke auch Terzia und ak18 für Eure Zeilen, die ich in dieser Tonlage von euch erwartet hatte.
Ich frage jedoch nicht nach der theoretischen bzw. philosophisch-moralischen Basis für eine solche Fragestellung sondern um eine ganz persönliche Äußerung zu einen persönlichen Scheitern. Nicht um philosophischen Betrachtungen ob nun der Verlassene oder der Gehende der Verlassene ist und auch nicht um größere oder kleinere Schuld (wer soll das schließlich beurteilen) ging es mir?

Ich denke, es geht mit der Erkenntnis der eigenen Anteile am Scheitern einer Beziehung nicht darum, eine Mehr- oder Minder-"schuld" festzustellen, sondern in der kommenden Beziehung solche Fehler frühreitig zu erkennen und fehlerhafte Beziehungsmuster gar nicht erst einzuführen. Und um die Fähigkeit diese überhaupt erkennen und vor sich selber benennen zu können. Da wir hier anonym sind, ist dieses Bekenntnis im Forum ja auch irgendwie nur vor sich selbst - so eine Art Beichte.

Daß in anderer Situation anders gehandelt hätte, ist klar aber das "Hätte-Wenn" steht nie real zur Debatte, weil wir uns in der Zeit nur in eine Richtung bewegen können.

Die Überschrift als These (50/50) sei mir verziehen, denn sie stammt so von den Moderatoren, nicht von mir.
 
  • #14
Eigentlich alle Paartherapeuten sagen, daß am Scheitern einer Beziehung JEDER der Partner einen Anteil trägt und in der überwiegenden Zahl sind die Anteile jeweils ungefähr gleich.
Blödsinn !!!
Es gibt auch Beziehungen, wo nur Eine/r allen Anteil daran trägt = 100 %. Der es so weit treibt, bis es für keinen Partner/in auszuhalten ist.

Ich (m) nenne es nicht -scheitern- sondern -beenden-
Weil keine Forsetzung möglich.

Genauso platt wie der Spruch: Man müsse zuerst sich selber lieben, bevor man Andere lieben könne. Und hängt dann an Kleinigkeiten auf, dass man sich selber nicht lieben würde.

Ich vermute, dass diese "Therapeuten" selber nicht an ihre Sprüche glauben. Und als ich erfuhr, wie hierzulande Psychotherapeuten "ausgebildet" werden, schwand mein Vertrauen.

Ich war 30, sie 21. Gemeinsame Wohnung bezogen, aber sechs Wochen später gab sie ihren Job auf, ohne mit mir abzusprechen = ich mußte nun fast Alles zahlen.

Das Wohnzimmer war kaum noch zu benutzen, weil sie dort ungefragt bis zu 13 Wellensittiche in großen Käfigen hielt. (...und deren Geräuschkulisse). Aber sie ließ das nächtliche abdecken der Käfige nicht zu. Licht an oder Fernseher an = 13 Wellensittiche wurden munter.

Später erwartete sie ein eigenes Auto von mir. Und das ich ihr neues "Hobby" = drei Liebhaber neben mir - akzeptieren solle, denn das sei ihr Recht, weil nicht verheiratet mit mir.

Sie trennte sich von mir, weil ich nicht alles kaufte/bezahlte, was sie sich wünschte. (Gleichzeitig wollte ich mich von ihr trennen)

Ich 46, sie 39, Kind 5: Sie ließ schließlich jede Nacht ihr Kind zu uns ins Bett = kein durchschlafen für mich möglich. Aber sie bestand darauf, weil das Kind es bräuchte, nach ihrer Ansicht.

Aber ich kann das nicht auf Dauer durchstehen und meinen Job riskieren, wenn ich mich jeden Tag todmüde zur Arbeit schleppe. Also trennte ich mich von ihnen. (Keine andere Lösung möglich). Auch heute noch ist es schwierig mit ihr, im Bezug auf ihren Sohn.

Aber aus Sicht dieser Frauen sei Alles normal gewesen - und ich am scheitern/Ende der Beziehung ganz alleine schuld.

Die Leute behaupten, dass es was Schönes sei, ein Paar zu sein. Und das es sogar dabei Liebe gäbe. Meinen die das zynisch ?
 
  • #15
Hallo lieber Arcturus,
Ich bin da vollkommen anderer Meinung, habe genügend Erfahrungen und Bestätigungen:
Bei 50:50 gäbe es ja keine Scheidungsdifferenzen und diese Fälle sind sehr, sehr gering!. In den meisten Fällen sind es die Frauen, die die Scheidung einreichen, überwiegend geht es doch immer und immer wieder um dieselbe Ursache: sich auseinandergelebt zu haben! Sich voneinander entfernt fühlen. Verkrampfte Gespräche, wenn überhaupt über Nichtigkeiten. Einer fühlt sich mehr betroffen, als der andere und der andere kriegt meist das alles nicht so recht mit und würde am Liebsten weiter so machen. So richtig haben sie sich nichts mehr zu sagen!
Immer wieder spürt der eine das auseinandergelebte Verhalten mehr wie der andere und kommt nicht mehr richtig ran an den anderen. Es ist nicht mehr wie früher. Sie leben noch nebeneinander her, jeder macht sein Ding und braucht ein solcher Partner nicht mehr, keine Gemeinsamkeiten, keine innere Berührung, keine innere Verbindung. Darüber sprechen? Aber wie? Frauen sagen dann: er sagte ja auch nichts. Später vielleicht.

Ja, sie sind sehr unterschiedlich geworden im Laufe der Zeit, vielleicht hat sie der Alltag eingeholt, die Liebe ging zurück, ja sogar ganz weg! Hatte sich jeder anders entwickelt als ob er Single wäre. Und eben dabei auseinandergelebt. Sie waren wesentlich verschiedener noch als vor Jahren.

Dem Verlassenen tut es meist leid. Er möchte das so nicht. Aber was verbindet die Beiden noch? Die Schuldzuweisung: "Du bist so extrem anders geworden.“ "Der, der den Partner verlässt will so nicht mehr weitermachen, mit Recht, das Leben ist viel zu kurz, statt sich nur zu ärgern und einmalige und kostbare Energie abziehen zu lassen!“
Auch kommt noch hinzu, dass Derjenige, der verlässt schon meist viel vorher schon einen neuen Lover hat, um die Trennung mutiger, schneller und konsequenter durchzuführen!
Es gibt ein schönes Sprichwort hier bei uns: "Reisende soll und kann man nicht aufhalten!" Wer gehen möchte soll gehen, jedes Festhalten motiviert noch wesentlich mehr zu gehen!
Alles Gute für dich!
(IM m)
 
G

Gast

Gast
  • #16
Ich denke, es geht mit der Erkenntnis der eigenen Anteile am Scheitern einer Beziehung nicht darum, eine Mehr- oder Minder-"schuld" festzustellen, sondern in der kommenden Beziehung solche Fehler frühreitig zu erkennen

Wenn Du Deine Fehler erkennen willst, damit es nicht nochmal passiert, musst Du tief graben. Meine Fragen waren:

- Wie kam es zu dieser Beziehung, wer, dh. welche Eigenschaften vom Partner/von mir haben sich genau den anderen gewählt und warum.

- Wer wollte diese Beziehung mehr, wer hat sich mehr angepasst.

- Was hatte man aus dieser Beziehung Positives gezogen, und hierbei nicht beschönigen, dh. z.B. wenn man Angst hat, dass man verlassen werden könnte, hat man sich auch einen Partner gewählt, der abhängig war. Wer sich selber unwert findet, mal platt gesagt: glücklich zu sein, sucht sich einen, der ihn quält. Das tut man, weil man in einer Beziehung zu anderen immer was lernen will. Projektionen, Abhängigkeiten, Machtgefühlestillen, all das sind Motive, sich einen Partner zu wählen, und das unter der Oberfläche, verliebt zu sein. Da ist natürlich auch Gutes in der Beziehung, aber da das problemlos ist, muss man sich damit ja nicht viel befassen bei Selbstreflexion.

- Warum war Schluss, hat man es provoziert? Wieso hat man nicht selber Schluss gemacht, als sichtbar wurde, dass es nicht funktioniert?

Wenn man sich weiter einreden wollte, dass man das arme Opfer sei, macht man genau das gleiche noch mal. Jeder wählt sich seinen Partner selber, je eher man sich und seine Motivationen durchschaut, umso besser passt er.

#6
 
  • #17
Ja es sind immer zwei.
Mich nerven hier all die verlassenen Gutmenschen, die sich im Kreise drehen und sich selbst beweihräuchern ihres guten Charakters und hier jede Menge wohl auch Verlassener finden, die im Chor mitsingen, wir waren immer lieb, nett und fürsorglich - aber er ist das Charakterschwein - Amen!

Wenn es doch immer so einfach wäre, all die Mißerfolge meines Lebens anderen in die Schuhe zu schieben.

Bleiben wir bei den allseits lieben und netten, die dennoch betrogen wurden. Nun warum?
Eben genau darum, sie waren so lieb und nett, dass es in der Beziehung schon öde, todlangweilig wie ein Leben am Fließband wurde. Der liebe, Nette hatte keine eigene Meinung, war ein Ja-Sager, im Grunde ein Kontrolleur ohne Selbstwert, ein Klammeraffe und vor allem ein Mensch ohne Persönlichkeit.

Gerade vor denen wird geflüchtet - sie engen einen ein, kesseln einen ein mit ihrer Fürsorge und erdrückenden Liebe.
Nur sie merken es nicht, weil sie im Grunde Egomanen sind, sie glauben, je mehr ich zu allem Ja und Amen sage, je mehr liebt er mich, aber die Realität ist das Gegenteil.

Frauen und Männer, die frech sind, die auch in der Beziehung "ihr Ding" machen, die Stop sagen können, die "nein" sagen können, die "das machst Du nicht mit mir" sagen können, die eigene Netzwerke haben, separaten Freundeskreis, die ihre Persönlichkeit, ihre Eigenheit und ihre indiv. Freiheit nicht verloren haben, werden geliebt, begehrt und nie betrogen, weil sie immer wieder für den Partner eine Herausforderung darstellen.

Wir alle kennen die Hausdrachen, welche die besten Ehepartner haben, also lieber mal Hausdrachen als Mauerblümchen sein.
 
  • #18
Wenn ich meine letzte Beziehung betrachte, so fällt es mir schwer, von Schuld zu sprechen. Zu Beginn der Beziehung waren wir noch sehr jung und in den sieben gemeinsam verbrachten Jahren hat sich für uns viel verändert. Und so haben auch wir uns verändert, nicht unbedingt immer zum Positiven. Wir haben Fehler gemacht, wir gingen miteinander nicht mehr so sorgfältig um, wie es nötig gewesen wäre, wir konnten den Stress aus anderen Quellen nicht mehr aus der Beziehung heraushalten und stritten immer öfter. Am Ende kamen wir zu dem Schluss, dass es besser ist, die Beziehung zu beenden und die schönen Jahre in Ehren zu halten, als die ganze Sache komplett gegen die Wand zu fahren und darüber bitter zu werden.
Es ist nicht so, als wäre es zu Betrug oder zu Gewalt oder ähnlichen Dingen gekommen. Wir haben als Paar einfach trotz vorhandener Gefühle nicht mehr funktioniert, und in einem solchen Fall möchte ich nicht von Schuld reden. Wenn es aber um die Frage geht, wer mehr zu dieser Veränderungen beigetragen hat, die ein Leben als Paar auf Dauer unmöglich machten, so würde ich die Hauptverantwortung bei mir sehen. Zugegebenermaßen stand ich durch die Umstände auch unter einem stärkeren Druck als er, aber welche Gründe ich hatte, mein Verhalten war einfach destruktiver als das seine.

27, w
 
S

Stierchen

Gast
  • #19
Wie Bend50 spreche ich auch vom Ende einer Beziehung und nicht vom Scheitern. Meine Erfahrungen ist, dass im Nachhinein das jeweilige Beziehungsende richtig war - auch wenn ich verlassen wurde und es in dem Moment eine Katastrophe war. Die Gründe für das Ende der Beziehungen lagen entweder daran, dass ich von vornherein den für mich 'nicht richtigen' Mann gesucht und gefunden habe oder dass wir uns in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben.

Also: für die persönliche Entwicklung ist es notwendig sich in Fremdverstehen zu üben und die eigenen Anteile aufzuarbeiten. Aber: es geht auch um das eigene Fortkommen. I

Dies musste ich tun und sehe meine Erfahrungen heute als Geschenk, da sie mir erlaubten auch einen Blick in mein Seelenleben zu gewinnen und daraus zu lernen.

Alle Beziehungen, ob gut oder weniger gut, waren wichtig für mich und meine Entwicklung. Jede zur ihrer Zeit. Und da ich dies in meinem Fall so verstehe, spreche ich nicht vom Scheitern sondern vom Ende der Beziehung.

Ich habe vor 2 Jahren einen Ex nach vielen Jahren wieder getroffen. Er hatte sich kaum verändert. Frappierend war, wie weit ich mich entfernt hatte.
 
  • #20
Meine Ehe ist schlicht daran gescheitert, dass wir nicht zusammen gepasst haben - also an (beiderseitig) falscher Partnerwahl.

Ich habe einige seiner Eigenschaften in den ersten beiden Jahren nicht wahrgenommen. Das lag vor allem an meiner rosaroten Brille und an seinem mir gegenüber besonderem (sehr werbenden) Verhalten. Ich werfe mir vor, dass ich die Augen davor verschlossen habe, wie er generell mit anderen Menschen umgeht und dass das früher oder später auch mir blühen würde. Das hat mich nach der Eheschließung böse eingeholt.

Danach hatte ich zwei Handlungsoptionen: entweder ich funktioniere genau nach seinen Vorstellungen und unterstütze ihn in allen seinen Belangen (umgekehrt undenkbar) oder wir leben getrennte Leben - er macht sein Ding und ich störe ihn nicht dabei. Wirklich gemeinsame Entscheidungen gab es nicht, es zählten nur seine Vorstellungen. Dass ich der Hauptverdiener wurde und er dadurch erhebliche Probleme mit seinem Selbstbild bekam, hat das deutlich verschärft.

Ich bin in der Ehe extrem auf ihn eingegangen und habe meine Bedürfnisse zurück gestellt, in der Hoffnung auf Harmonie und "bessere Zeiten".

Irgendwann wurde mir klar, dass diese besseren Zeiten nicht kommen werden. Dann habe ich ihn vor die Entscheidung gestellt, entweder mit mir an der Ehe zu arbeiten (gern mit professioneller Unterstützung) oder sie zu beenden. Für ihn kam beides nicht in Frage, er hatte ja kein Problem. Also habe ich die Ehe beendet.

Letztlich haben wir uns beide ineinander getäuscht: Ich glaubte, dass er ein "wir" anstelle eines "ich+Deko" leben könnte. Er dagegen glaubte, er könne mich dauerhaft nach seinen Wünschen hinbiegen.
Die Ehe war nicht zu retten. Wir wären miteinander nur unglücklich geworden.
 
  • #21
Lieber FS,
aber gern äußere ich mich zu dem Thema, wenn Du Wert drauf legst.

Ich habe nach 20 Jahren meinen Exmann verlassen und die Scheidung eingereicht. Wesentlicher Grund war, dass er mich wiederholt betrogen hat - das letzte Mal war es zu heftig und zwar nicht, weil es so viel anderes war als vorher, sondern weil meine Persönlichkeit sich entwickelt hat und das die Dinge veränderte, meine Sicht und meinen Umgang damit.

Natürlich bin ich genauso Schuld an seinem Fremdgehen wie er, weil ich nicht offen war und ihm von vornherien klarmachte, dass das mit mir als Ehefrau keine Option ist. Da muss er sich eine andere suchen.

Beispiel:
1. Mein Mann versuchte mich zu schlagen. Der Vorfall war eine sichere Bank für mich, weil ich wegen massiver Misshandlungen in der Kindheit eine festgefügte Meinung hatte: nie wieder schlägt ein Mensch mich. Demzufolge habe ich so zurückgeschlagen, dass mein Mann fast umfiel und ihm gesagt "wag' das nie wieder". Das war für ihn eine erkennbare Grenze. Den nächsten Versuch hätte er mit seinem Leben bezahlt.
2. Mein Mann setzte seinen Job aufs Spiel wegen Streitsucht. Ich sagte ihm, dass ich im Traum nicht daran denke, ihn durchzufüttern wenn er nicht in einer Notlage ist und dasser dann eben bei Aldi Regale einräumen muss, um Geld zu haben. Die Message hat er auch verstanden, ich kann prosafrei sein.

Beim Fremdgehen war das anders. Das hat mich tief verunsichert, in meiner Rolle als Frau. Ich wollte modern und aufgeschlosssen sein, bin es in diesen Dingen aber garnicht und verstand es nicht als mein persönliches Recht, antiquierte Werte zu haben.
Ich wollte ihn verstehen, zerfleischte mich, ob ich zu unattraktiv bin, nicht leibenswert usw.
In meiner Unsicherheit zeigte ich keine Grenzen und Folgen auf, sorgte nicht für Klarheit wie bei den anderen beiden Beispielen.
Deswegen war der Prozess lange und zersetzend für uns beide: ich entwickelte eine innere Abneigung gegen ihn, die ich nicht zeigte, sondern gab weiter die Ehefrau, die alles rockt: Job, Haus, Garten, für den Mann jede Menge Freilauf.

Die Gründe, warum ich mich so verhielt liegen in meiner Kindheit und Jugend - dafür kann mein Exmann nichts. Ich auch nicht, aber ich muss sie trotzdem als meinen "Schuldanteil" in die Rechnung nehmen.
 
  • #22
Vor meiner Ehe hatte ich nicht viele Beziehungen - bis auf eine gingen alle Trennungen von mir aus und zwar nach dem gleichen Muster: falsche Partnerwahl meinerseits und eigentlich nur Partnerwahl aufgrund von Druck von außen. Als attraktive Studentin wurde frau früher sozial isoliert, wenn sie Single war. Ich hätte mich zwar durch die Gegend vögeln können, aber keinen Freundeskreis gehabt - daher lieber einen Mann, der mir nicht wirklich wichtig war.

Von Seiten der Männer war anfangs mehr vorhanden, aber ich denke sie haben es gespürt und wurden nachlässiger, was mir den Grund zur Trennung lieferte. Trennungsgrund war das Verhalten des Mannes, aber beteiligt war ich selber dran, weil ich mich nicht genug einbringen konnte, mangels Gefühlen. Insoweit 50:50-Schuldanteil.

Ein Mann trennte sich von mir weil er sich in eine andere verliebte. Ich war zu jung, nicht forsch genug für ihn und er konnte nicht dauerhaft mit nur einer Frau, brauchte die schnellen Wechsel. Auch 50% jeweils Eigenanteil oder jeweils zu 100% falsche Passung.

Eine Beziehung nach meiner Ehe beendete ich, weil es eine Fernbeziehung war und ich Nähe brauche, wenn ich den Mann wirklich liebe. Die Liebe war gegenseitig und stark. Er wollte die Trennung nicht, ich ja auch nicht, aber ich musste, weil es mir schlecht mit der FB ging. Da kann man von Schuld nicht reden, weil keine echte Trennungsentscheidung sondern Sachzwang (ungeeignete Umstände).
 
A

Ars_Vivendi

Gast
  • #23
So einfach kann man das nicht sagen, dass Paartherapeuten automatisch von einem 50-50 Anteil ausgehen, das stimmt so absolut nicht. Ich finde es krass, dass hier Sachen behauptet werden als Ausgang einer Diskussion, die so definitiv nicht stimmen.

Nun ja. In der Überschrift steht ein Fragezeichen, im Text "in der überwiegenden" Zahl der Fälle trage jeder einen ungefähr gleich großen Anteil. Was ist daran jetzt genau zu bemängeln?

Menschen, die an den Erfolgen einer Ehe zu 100% beteiligt sind, am Scheitern zu 0%, sind mir suspekt. Ich denke auch, dass Paartherapeuten, unabhängig davon, was man von ihnen hält, einen guten Überblick haben.

Auch in Fällen wie die, die von Bernd beschrieben wurden, muss ich mir zuschreiben lassen, dass ich mir so eine Partnerin aussuche und entsprechende Handlungen zulasse. Ich bin frei, mir meine Partnerin auszusuchen, sie zu heiraten oder mich zu trennen.
Wenn ich nicht an meinem Verhalten etwas reflektiere, als falsch ansehe oder änderungswürdig, tappe ich immer in die gleichen Fallen.
Für mich geht es da weder um Selbstvorwürfe, noch um die exakte Zuordnung von Anteilen. Selbstreflexion erfordert schlicht, zu analysieren, was ich künftig anders mache.

Vielleicht ist das Wort "schuld" in dem Fall die Ursache, dass manche das reflexartig von sich weisen. Für mich ist das ein "Anteil" und natürlich ist keiner von beiden strenggenommen "schuld", wenn man sich auseinanderlebt oder feststellt, dass man schlicht nicht zusammenpasst (bis hin zu dem Punkt, wo man merkt, dass ein anderer Partner besser passt).
 
  • #24
Lieber FS,

genau das ist meine Erfahrung, Erkenntnis und sind meine Beobachtungen immer wieder gewesen. Wenn die Schwingungsfrequenz zwischen zwei Menschen nicht mehr stimmig ist, zerbricht die Beziehung. Es spielt somit keine Rolle, ob man reflektiert und generalüberholt mit neuen Erkenntnissen in eine neue Beziehung geht. Wenn der andere Part nicht mitschwingt, werden sich auch wieder Probleme ergeben, vielleicht nur andere.
Ich sehe es nicht als scheitern, vielmehr als Erfahrung und Entwicklungsmöglichkeit. Scheitern ist gleichzusetzen mit Versagen und das sehe ich so nicht. Auch macht es für mich keinen Unterschied, ob ich verlassen wurde, oder verlassen habe.
 
G

Gast

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  • #25
Ich versuche, in erster Linie auf deine Frage zu antworten.
Meine Erfahrung:
Die Beziehung war 11 Monat alt und immer wieder von Spannungen geprägt, die ich (36) schrecklich fand, meine Freundin (36) aber nach eigener Aussage "brauchte". Sie wurde schwanger, meldete sich nicht mehr bei mir, irgendwann fand Kommunikation nur noch per Mail statt und sie hatte (vorübergehend) die Stadt verlassen und beleidigte mich auf verschiedenste Weise per Mail und machte mich runter. Auf Nachfrage erklärte sie, dass wir jetzt getrennt seien (später bestritt sie ausdrücklich, dass sie sich getrennt hätte, sagte aber auch nicht, dass ich sie verlassen hätte). In einer Schwangerenkonfliktberatung, zu der wir beide gingen, zeigte sie, wie sehr sie unter der trennung litt, ich wollte aber über die Trennung (Beziehung) nicht mehr reden (hätte in meinen Augen nichts gebracht), sondern mich interessierte jetzt, wie man die kommende Elternschaft angeht. Darüber wollte/konnte sie nicht reden. Einmal platzte es aus mir heraus. Sinngemäß sagte ich: Wir könnten uns wieder annähern, aber ohne ihre Beleidigungen, Demütigungen, Launen, ohne ihr "Sex-gegen-Streit". Auf diesem Standpunkt blieb ich konsequent, egal ob sie drohte, beleidigte, bat, , weinte, schmeichelte... Sie äußerte sich aber nie zu meiner Auffassung.

Es kam zu keiner Annäherung.

Jatzt sag Du mir, lieber Fragesteller: habe ich einen Anteil an der Trennung?? Und wenn ja, wie groß ist er ungefähr?

Mein Fazit ist dass die Frage nach dem "Anteil" nicht weiter hilft, sondern die Frage nach der "moralischen Schuld" eher helfen könnte.
 
G

Gast

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  • #26
Mich würde nun interessieren, wo ihr Forendiskutanten eure Anteile an eurer/n vorherigen Trennung/en seht und ob ihr der/die Verlassene oder Verlassende gewesen seid.

Mein Anteil am Scheitern meiner Ehe war meine Naivität, weil ich noch sehr jung war. Er war der erste Mann, mit dem ich intim und dann auch gleich schwanger war. Natürlich musste geheiratet werden, worauf unsere Eltern bestanden, was hätten die Nachbarn sonst gesagt. Wir lebten die klassische Rollenverteilung, er war erwerbstätig, ich Hausfrau. Als ich wieder arbeiten wollte, begannen die ersten Schwierigkeiten, denn das war nicht in seinem Sinne. Er wollte mich daheim und unter Kontrolle haben.
Wie es bei Vikky geschehen ist, machte er einmal den Versuch mich zu schlagen. Obwohl ich in meiner Kindheit keine Misshandlung erfahren hatte, schlug ich ihn (aus Reflex) so stark zurück, dass er zu Boden ging und mich danach nie wieder anrührte, auch sexuell nicht. Von da an ging er nur noch fremd, um mich zu bestrafen. Das war nicht meine Vorstellung von einer Ehe, weil sexuelle Treue mir wichtig ist. Ich suchte mir ohne sein Wissen einen Job und eine Wohnung. Er hätte nie damit gerechnet, dass ich tatsächlich ausziehen würde und war entsprechend überrascht, als eines Tages die Möbelpacker im Haus standen und die Hälfte aller Sachen mitnahmen.
Danach lebte ich zwölf Jahre alleinerziehend, weil ich eine Abneigung entwickelt hatte, wieder mit einem Mann zusammen wohnen zu wollen, bzw. mich überhaupt von einem Mann anfassen zu lassen. Inzwischen leben meine Kinder ihr eigenes Leben, aber das Alleinsein macht mir nichts aus. Ich war nie auf der Suche, doch auf einem Seminar, ca. 600 Kilometer entfernt, lernte ich die Liebe meines Lebens kennen, eine ganz neue Erfahrung für mich. Seit neun Jahren führe ich eine wunderbare Fernbeziehung mit diesem Mann, der mich so liebt wie ich bin und der mein Bedürfnis nach Nähe und Distanz teilt. Vielleicht bin ich eines Tages soweit wieder mehr Nähe zuzulassen. Aber im Moment ist es genau richtig so wie es ist.

w47
 
  • #27
Schön wäre es aber es sind eben nicht immer beide am Scheitern schuldig oder verantwortlich und es gibt tatsächlich immer einer, der die grössere Verantwortung trägt.

Nun, wenn eine Frau sich in einen Mann verliebt, weil er zuvorkommend und nett ist, sich um sie bemüht, sie das Gefühl bekommt bei ihm Geborgenheit, Zweisamkeit, ausgewogenes Geben und Nehmen zu bekommen, Verlässlichkeit und Partnerschaftlichkeit zu erfahren, wer kann es dann der Frau verübeln, wenn sie vielleicht nach einem Jahr oder später feststellt, dass der Mann massive Selbstwertprobleme und ein Suchtproblem hat?

Der eigentlich um die Frau zum eigenen Nutzen geworben hat und sich ins beste Licht gestellt hat, damit die Frau ihn toll findet und so beeindruckt ist und sich auf ihn einlässt? Dann sitzt die Maus in der Falle und plötzlich ändert sich alles. Er wurde gewählt und fühlt sich sicher, weil er die Frau gesichert hat - und hat aber vergessen, dass die Frau doch keine Maus in der Fälle ist auch jederzeit wieder gehen kann.

Würde der Mann sich zu Beginn von seiner wahren und schlechten Seite zeigen wird er doch nie gewählt und insbesondere nicht, wenn die Frau wüsste, dass dieser Mann psychische Probleme und Alkoholprobleme hat.

Oder auch anders gesagt: ein Mann, welcher vielleicht seine Frau psychisch und körperlich misshandelt hätte und verlassen würde, wird er doch der nächsten Kandidatin niemals davon erzählen! Im Gegenteil: er würde sich die größte Mühe geben die nächste zu beeindrucken, damit er wieder gewählt wird.

Der Anteil der Frauen in solchen Konstellationen wäre von Anfang an, die Antenne zu schärfen und ihn viel länger zu treffen, auf kleine Irritationen und auf ihr Bauchgefühl zu achten, ihre Intuition zu schulen und drauf zu vertrauen, dass das Bauchgefüll stimmt. Ihm besser kennen zu lernen, noch bevor sie sich auf ihn einlässt!

Aber später, ihr ihre Versäumnisse vorzuwerfen, ist unsinnig. Sie hat kaum Anteil in der entstandenen Beziehung, was sie tun kann ist sie nur zu beenden, weil sie eben vielleicht die Warnzeichen übersehen hat oder sie nicht wahrhaben wollte/konnte - wegen der rosaroten Brille.

Jeder verliebte Mensch achtet nicht auf Zeichen, die auf eine schlechte Beziehung hindeuten. Wären die Menschen nicht vernebelt vor Verliebtheit, so würde es nie zu einer dauerhaften Partnerschaft kommen!
 
G

Gast

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  • #28
Ich glaube, wenn jemand/etwas „Schuld“ hat bzw. einen „Anteil“ an Trennungen hat, dann ist das in erster Linie die biologisch-hormonelle rosa Brille, die es uns einfach unmöglich macht, gerade in der eigentlich wichtigen ersten Zeit einer (sich anbahnenden) Beziehung klar und objektiv zu erkennen, wer dieser andere Mensch wirklich ist, ob er zu einem passt etc.

Und als zweiten Anteil sehe ich fehlende eigene Reflexionsfähigkeit: Sich vor Anbahnung einer Beziehung über das, was man sich wünscht, was man braucht von einem Partner bewusst und klar zu sein/werden. Das setzt jedoch einen gewissen Erfahrungswert mit Beziehungen voraus.

Wie andere bereits geschrieben haben, finde auch ich das Wort „Schuld“ sehr schwierig, denn es macht aus den Beteiligten immer einen Täter und ein Opfer. Sich als Opfer zu fühlen, wenn der andere stark verletzende Dinge getan hat, ist zwar nachvollziehbar, psychologisch gesehen allerdings eine ziemliche Katastrophe.
 
  • #29
Eine nette, aber unrealistische Theorie, dass sich die Schuld bei Trennungen oder sonstigen Scheitern von menschlichen Beziehungen zu gleichen Hälften verteilen soll. Das kann schon so vorkommen. Aber meist ist es doch so, dass Menschen nicht ganau das gleiche Interesse haben und somit nicht den gleichen Einsatz bringen. Meist ist einem die Beziehung viel wichtiger als dem anderen. Und damit auch der erbrachte Einsatz. Mein bisheriger Eindruck ist, dass es meist einen "Hauptschuldigen" gibt und einen, der eben seinen Beitrag mit dazu geleistet hat, in Form zu langer Duldung, nicht vehement genug aufgetreten zu sein usw. Dabei denk ich noch nicht einmal an die vielen Soziopathen auf Seiten beider Geschlechter, Trinker, Gewalttätige und und und.
In einer Paartherapie mag das ja als Anfangshypothese durchaus passen, im Sinne von "es gilt die Unschuldsvermutung" und ich als Therapeut bin einmal neutral. Am Ende wird sich das meist veschoben haben.
 
  • #30
Meines Erachtens werden hier in einigen Posts ein paar Dinge vermischt.

Wenn es um den Anteil an der Trennung geht, dann kann ich resümieren, dass ich als Mann eventuell sogar einen größeren Anteil daran habe, als meine EX Frau die mich belogen und betrogen hat.

Ich habe sie einfach nie richtig geliebt, zumindest nicht so wie sie mich. Ich konnte ihre Erwartungen nicht erfüllen und wir haben uns ganz gut verstanden. Jedoch habe ich mir meine Glücksmomente woanders gesucht. In der Arbeit, beim Sport, der Weiterbildung etc., da sie mir die Bestätigung und das Glück was ich gebraucht hätte nicht geben konnte. Wahrscheinlich habe ich ihre Bedürfnisse und Sehnsüchte auch nicht erfüllt, erfüllen wollen, erfüllen können und sie hat sich die Bestätigung durch andere Kontakte, auch durch die Kinder und Unternehmungen mit anderen Müttern gesucht.

So haben wir gemeinsam existiert und ich hätte dies auch weiter durchgezogen da ich den Kontakt zu den Kindern nie verlieren wollte. Die Kinder sind und waren mir wichtiger als meine Ex-Frau.

Dann kommt die Fairness und der Umgang miteinander ins Spiel und da sieht dann die Schuldfrage ganz anders aus. Wenn ich merke, dass ich nicht mehr zufrieden bin, mir etwas anderes wünsche und so nicht mehr gemeinsam weiterleben möchte, dann sollte man fair miteinander reden.
Als ich dies merkte habe ich eine Paartherapie eingeleitet und wollte etwas verbessern. Selbst dort hat sie gelogen, aber ich habe es zum Glück herausgefunden, dass sie mich hochschwanger über Monate belogen und betrogen hat und das alles nachdem sie die Hochzeit erpresst hatte, da sie unbedingt heiraten wollte.
Dann war es natürlich kurz vor der Geburt unserer Kleinen vorbei.

Also meinen Anteil habe ich an der Trennung, ohne Zweifel. Ich habe jedoch niemanden belogen und betrogen, höchstens mich selbst da ich meine Gefühle und Bedürfnisse nicht ausgelebt habe.
Selbst meine Scheidungsanwältin hat mir gesagt, dass das Schuldprinzip manchmal wirklich angebracht wäre.
Denn wer belügt und betrügt und kann den anderen neben den psychischen Konesquenzen auch noch finanziell ausnehmen.

Das es zu der Trennung kam, daran haben wir beide unseren Anteil. Aber die Frage ist dann das "Wie" kam es zu der Trennung und da sehe ich eindeutig die Schuld auf ihrer Seite, da sie nicht bereit war zu kämpfen, zu reden bzw. sich ehrlich zu trennen.
 
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