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Gast

  • #1

Ab wann outen, dass man schwerbehindert ist?

Es hilft ja nichts es zu leugnen: Durch meine Schwerbehinderung ist mein Leben nun mal anders, als es ohne wäre. Manche Dinge sind für mich nur schwer zu händeln und viele Dinge meide ich auch aus den Grund. Da meine Behinderung aber nur guten Beobachtern direkt auffällt, es bei manchen Leuten sogar Wochen dauert, steht es mir ja theoretisch frei, bis mindestens zum ersten Date zu warten. Aber für klug halte ich das nicht, so mal ja auch Missverständnisse auftreten können. Aber direkt bei der ersten Kontaktaufnahme wäre es auch etwas verfrüht. Also wann? Irgendwelche Ideen, wie man das geschickt anspricht? Ich will ja weder Mitleid noch direkt einen Korb, aber mein Partner muss nun mal damit leben können, denn wegzaubern kann man den Fakt ja nicht. Und die Behinderung ist ja nun schon mal recht einschneidend in meinen Lebenswandel. Ich find das Thema bei der Partnersuche generell schwierig...
 
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Gast

  • #2
Ich bin bei dem Thema für Ehrlichkeit und Offenheit. Auch ich habe eine Scherbehinderung, die man zunächst nicht sieht. Nach einer Krebserkrankung wurde mir eine Brust entfernt, aber durch ein Implantat wieder aufgebaut. Ich halte es schon für äußerst wichtig, das Thema relativ schnell anzusprechen, da ein potenzieller Partner entscheiden muss, ob er damit umgehen kann.. Allerdings gebe ich uns immer die Chance, uns wenigstens 1 x getroffen zu haben, um zu erkennen, ob da mehr ist als nur reine Sympathie. Der eine kommt damit zurecht (leider ist die Beziehung aus einem anderen Grund auseinander gegangen), der andere eben nicht. Damit muss man aber leben (obwohl ich das in einem Fall sehr bedauert habe weil sonst alles "gepaßt" hat und ich sicher bin, dass es eine sehr gute Partnerschaft hätte werden könne, wenn da mein "Handicap" nicht wäre). Wenn Du zu lange wartest, um offen über Deine Schwerbehinderung zu sprechen, wäre das in meinen Augen unfair. Ich wünsche Dir viel Glück!
 
  • #3
Ganz ehrlich: Ich befürchte, wenn Du Deine Behinderung vor dem ersten Treffen ansprichst, dann wird es nie was.

Viele haben so viel Niveau, eine Behinderung zu akzeptieren, wenn ihnen die Person sehr sympathisch ist, man den Charakter, die Mimik, Gestik, die inneren Werte entdeckt hat. Aber solange es nur auf Mails beruht, sieht man die Fakten, nicht die Person dahinter. Genau deswegen ist ja generell ein persönliches Treffen auch so wichtig.

Ich denke, wenn Du bis zum zweiten Treffen wartest, dann ist das fair. Deine Behinderung geht ja auch nur diejenigen etwas an, die wirklich Interesse an Dir haben -- nicht jeden, den Du einmal triffst. Sobald aber das gegenseitige Interesse und die Sympathie bekundet wurden, mußt du auch mit offenen Karten spielen, um Dir nicht vorwerfen lassen zu müssen, Du hättest etwas verheimlicht.

Wenn dem anderen aber schon selbst von alleine etwas auffällt, dann sollte man nicht länger damit hinter den Berg halten, selbst wenn es das erste Treffen ist. Ehrlichkeit geht dann auf jeden Fall vor.

Bei offen sichtbaren Behinderungen, die jedem Fremden auch einfach so auffallen, zum Beispiel Rollstuhlfahrer, würde ich dagegen dringend empfehlen, schon im Foto oder im Mailkontakt Klartext zu reden. Niemand mag bei einem Treffen in einem Cafe so etwas überrascht werden.

Letztlich gilt da für mich die alte Regel, dass Onlinedating ungefähr so ablaufen sollte, wie reales Dating: Das, was man auch im Alltag sofort sieht, darf auch online nicht verheimlicht werden. Aber das, was man im Alltag auch erst gesagt bekommen müßte, darf einem auch online erst zu passender Stunde gesagt werden. Das ist geradlinig und pragmatisch und entspricht eben auch dem wirklichen Leben.

Viel Erfolg!
 
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Gast

  • #4
Danke für die Antworten!

Nun ja, es ist so, dass ich stark schwerhörig bin. Vielleicht hilft diese Information, um das besser einordnen zu können. Je nach Situation stört das die Kommunikation kaum, aber in einer Disko habe ich nichts zu suchen z.B.... jedenfalls nicht, wenn ich mich irgendwie noch unterhalten will an diesen Abend. Aus diesen Grund mag ich Telefongespräche auch nicht wirklich. Natürlich telefoniere ich berufsbedingt auch öfters, aber ich vermeide es.

Und ich hab auch Skrupel, jemanden hunderte Kilometer fahren zu lassen, damit er es erst dann erfährt.

Ach verflixt. Nun gut, ich werde sowieso erstmal noch weiter schreiben aber über kurz oder lang wird sich zumindest telefonieren schwerlich vermeiden lassen, sonst ist es ja auch sinnlos.
 
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Gast

  • #5
@Nr. 3. Ich finde, so etwas solltest du sagen. Ich hatte schon ein Date mit jemandem, der im Sehfeld stark eingeschränkt war, und ich hatte kein Problem damit. So etwas sollte man vorher sagen.


@Nr. 1
Erwähnst du das gleich beim 2. Treffen? Und wie reagieren die Männer? Ich habe Hemmungen, das Thema anzusprechen, denn ich denke, ein Mann stellt sich das dann bildlich vor Augen vor und denkt gleich an Sex.
Bisher hatte ich einige Dates mit Männern, die mich dann sowieso nicht ausreichend interessierten. Dann war es auch egal, ob sie wußten, welche "bauliche Veränderung" ich an meinem Oberkörper habe.

Bei meinen letzten 2 Beziehungen haben die Männer das erst im Bett gemerkt, und dann war es egal. Ich sagte "ich wußte nicht, wie ich das vorher zur Sprache bringen sollte", und sie meinten beide, daß sie das verstehen und daß es kein Problem ist.
 
  • #6
@#3: Du wrist erstaunt sein, dass ich so gut wie nie vor einem Treffen telefoniere. Ich mag persönliche Treffen einfach wesentlich lieber und finde mich selbst am Telefon auch nicht so gut. Das war bisher nie ein Problem, ganz im Gegenteil waren die Männer immer glücklich, wenn ich ein Treffen vorgeschlagen habe. Ich möchte mit Treffen auch nicht ewig warten. Wenn sich per Nachrichten viele Gemeinsamkeiten ergeben haben und das Niveau der Nachrichten paßt -- und das Foto paßt -- dann steht einem Treffen doch nichts im Wege.

Ich finde Schwerhörigkeit ist jetzt aber auch nicht unbedingt eine Behinderung, die eine besonders große Hürde für glückliche Beziehungen ist. Immerhin kann man fast alle Hobbies und Ausflüge genauso machen wie jeder andere, oder?

Meines Erachtens darfst Du ein gutes Gewissen dabei haben, wenn Du von Deiner Schwerhörigkeit erst erzählst, falls der andere positive Signale nach einem ersten Treffen gibt. Sieh es mal realistisch: Ganz viele persönliche Treffen enden mit einer Absage von Dir oder dem anderen, da die Chance, dass man sich wirklich mag halt leider gering ist. In all diesen Fällen wäre die Information der Behinderung gar nicht wichtig, Absage ist Absage. Und Du kannst Dir in den Fällen dann auch nicht einreden, dass es an der Behinderung lag. Das halte ich auch für wichtig, denn jeder sucht nach "Gründen" und Du solltest das nicht darauf abschieben. Jeder von uns erhält viele Absagen.
 
  • #7
Ich finde es zunächst mal schön, dass du dir überhaupt darüber Gedanken machst, wie sich deine Schwerhörigkeit auf die Kontaktanbahnung hier bei EP auswirken könnte. Insbesondere, dass du über die Problematik von Fernkontakten nachdenkst. Ich würde mir mehr Mitglieder mit so viel Einfühlsamkeit hier wünschen.

Versuche mal herauszufinden, wie Personen, mit denen du oft zu tun hast und mit denen du aber kein so intensives Verhältnis hast - das könnten zum Beispiel Arbeitskollegen sein -, auf deine Behinderung reagieren. Musst du in Alltagssituationen oft nachfragen? Fühlen sie sich "genervt" durch das häufige Nachfragen? Bekommst du Witze mit? (Witze zu wiederholen macht meistens keinen Sinn, weil die Pointe eben nur beim ersten Mal wirkt.) Wenn du diese Fragen in deinem positiven Sinn beantwortest, dann kannst es meiner Meinung nach ruhig zum ersten Date kommen lassen.

Kannst du eigentlich mit einem Headset gut hören? Wenn ja, dann würde ich dir bei Fernkontakten dazu raten, vor einem Treffen ein paar Mal zu skypen. Die Sprachqualität ist viel besser als beim Telefon, und gleichzeitig kannst du auch gleich noch Aussehen und Gestik gut abchecken.

In jedem Fall solltest du jeden Kontakt gut abklopfen, ob bzgl. Behinderung grundsätzlich Vorbehalte vorhanden sind und ob er irgendwie besonders empathisch rüberkommt. Das ist sicherlich nicht einfach, aber wahrscheinlich hast du schon Übung darin.
 
  • #8
Kleine Korrektur zu meinem eigenen Posting #6: Du kannst natürlich den normalen Lautsprecher deines PCs zum Hören benutzen, nicht unbedingt den Kopfhörer des Headsets. Sorry, hab ich gestern irgendwie nicht gepeilt.

Und was das Abchecken von Äußerlichkeiten angeht, da hab ich jetzt ne Webcam vorausgesetzt (die allerdings auch fast nichts kostet).
 
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Gast

  • #9
An @ 4: Nein, ich habe das 1. Treffen abgewartet und wenn dann ganz klar war, dass wir uns beide mochten und wir uns auf jeden Fall weiterhin treffen wollten, habe ich das nach dem Treffen am Telefon oder per mail zum Thema gemacht, damit der Andere selbst die Entscheidung treffen konnte, ob er damit umgehen kann und will.
 
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Gast

  • #10
Nun, ich habe mich mal geoutet bei einen Typen. Bevor der hunderte Kilometer fährt... Ich denke, wenn der Typ aus einen Umkreis von sagen wir mal, eins, zwei Stunden Fahrt stammt, dann sag ichs nicht. Aber in den Fall war es schon das andere Ende von Deutschland.

Letztlich ist es vielleicht sogar besser: Noch habe ich emotional fast nichts investiert.