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  • #1

Alle Jahre wieder...

...steht Weihnachten vor der Tür. Ich (28) habe bislang auch immer meinen festen Freund auf Familienfeiern dabei gehabt. Nun sieht es so aus, dass ich mit einem Türken zusammen bin, der mit Weihnachten nichts anfangen kann. Einerseits lebt er seine Religion nicht aus,d.h. er feiert keine muslimischen Feste, betet nicht, fastet nicht und verzehrt Alkohol und Schweinefleisch. Er glaubt aber an Gott. Nun haben meine Eltern uns zu sich eingeladen und er sagt es wäre nicht sein Fest und er könne nichts damit anfangen. Wir führen seit 3 Jahren eine sehr schöne Beziehung. Religion war nie ein Thema. Die letzten beide Weihnachten war er nicht da, da es für mich damit zu früh war. Ich war sehr traurig über seine Reaktion und bin seit Tagen fertig. Es ist mir wirklich wichtig, dass er bei diesem Fest dabei ist, wieso kann er mir nicht diesen kleinen Gefallen tun? (Er sagt, für seine Kinder wird er Weihnachten feiern, aber nur, damit sie nicht traurig sind).
 
  • #2
Gerade gestern hatte ich ein Gespräch mit einem Bekannten über Weihnachten, der Muslim ist und aus Tunesien stammt. Er ist (mit einer Chinesin) verheiratet und hat ein Kind und lebt schon seit vielen Jahren in Deutschland. Wir sprachen über Termine, und er erwähnte dabei, dass der kommende Freitag ja der "Heilige Tag" wäre - womit er den Heiligabend meinte. Ich fragte ihn im Laufe des Gespräches dann, ob er denn auch den Heiligabend mit seiner Familie feiert, da ich auch von anderen Muslimen hier in Frankfurt weiß, dass sie an Heiligabend einen Weihnachtsbaum aufstellen und schmücken und die Kinder beschenken. Darauf antwortete er überraschend differenziert: Nein, feiern würde die Familie dieses Fest nicht, da er Muslim sei und seine Frau einer wiederum anderen Religion angehört. Aber "mitmachen" würden sie schon: Also gibt es Adventskranz und anderen Weihnachtsschmuck bereits in der Vorweihnachtszeit und an Weihnachten selbst "natürlich einen Baum und Geschenke" für alle.

Da er das so humorvoll erzählt hat, habe ich zum einen schmunzeln müssen, zum anderen bewundere ich ihn für seine Offenheit der Kultur in Deutschland. Er erzählte dann von einer deutschen Freundin, die in Amerika lebt, und dort Thanksgiving mitfeiert - obwohl das ebenfalls nicht "ihr" Fest ist. Aber sie ist eben auch offen für die Traditionen des Landes, in dem sie lebt.

Diese Art mit den Traditionen umzugehen finde ich sehr schön und sympathisch. Man kann sicher in seinem Herzen ein Muslim sein und bleiben (oder auch einer anderen Religion angehören), und dennoch einen Brauchtum sich aneignen - ggf. den eigenen Kindern zuliebe, die sowieso im Kindergarten oder in der Schule mit Weihnachten vertraut gemacht werden - oder eben auch der Partnerin zuliebe.

Vielleicht fehlt ihm auch Interesse Deinerseits an seinem Glauben? Dein Interesse würde ihm möglicherweise Deine Wertschätzung für seinen kulturellen/religiösen Hintergrund zeigen und vieles am jetzigen Konflikt abmildern?

Ich wünsche Euch, dass Ihr eine gute Lösung für Euren Heiligabend und den Umgang mit Euren Religionen findet!
 
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  • #3
Dazu gab es schon vor einigen Tagen einen anderen Thread.....

Das wichtigste ist: akzeptiere die Haltung deines Freundes. Er will damit ja nichts gegen dich tun, sondern steht zu sich und seinen Positionen. Das solltest du ihm hoch anrechnen. Das beste ist, wenn du die Bedeutung von Weihnachten ein Stück weit runter fährst. Wunderbar, wenn du und deine Eltern Freude daran haben, zusammen zu feiern. Aber betrachte es nicht als Affront, wenn dein Freund das eben nicht mag. Geh Heiligabend zu deinen Eltern, wenn dir das wichtig ist. Und versuche, deinen Freund dafür zu gewinnen, am 25. oder 26.12. auch noch einmal mitzukommen, zu einem gemeinsamen Mittagessen oder Kaffeetrinken. Das wäre ein schöner Kompromiss - für alle Beteiligten.

Viel Glück

PS Wenn du dich einmal genauer umhörst, wirst du merken, dass viele Familien sehr unterschiedliche Weihnachtstraditionen entwickelt haben, aus welchen Gründen auch immer: unterschiedliche religiöse Vorstellungen, Patchwork-Familien, Kinder haben inzwischen eigene Kinder und wollen Heiligabend zu Hause verbringen, weite Entfernungen.... alle Traditionen sind auf ihre Art und Weise schön. Versuch doch dir einmal vorzustellen, dass du jetzt auch beginnst, eine eigene Tradition, eine neue Tradition zu begründen
 
  • #4
Wenn seine Kinder nicht traurig sein sollen, warum dann Du? Das ist inkonsequent von ihm gedacht.

Erkläre ihm, dass Weihnachten in aller erster Linie in Deutschland ein Fest der Liebe und Familie ist und kein wirklich als religiös empfundenes Fest mehr. Es geht um Schenken, Liebe, Familie, Geborgenheit und Vergnügen. Um Kinder und strahlende Augen.

Sage ihm, dass ihr einfach zusammen essen und feiern und Spaß haben werdet und er es nicht als religiöses Fest, sondern als wichtige, tief empfundene Familienfeier sehen soll. Mache ihm klar, dass Weihnachten auch für Dich nicht primär religiös behaftet ist.

Alles in allem: Bitte ihn einfach darum, auch Dir diesen Gefallen zu tun, wie er ihn auch seinen Kindern tun würde.

Was mich noch interessieren würde: Wenn Ihr seit drei Jahren zusammen seid, wie habt Ihr das denn die letzten beiden Jahre gemacht?
 
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  • #5
Also ich muss kein Moslem sein um mit Weihnachten nichts anfangen zu können.
Besonders schrecklich ist Weihnachten mit kleinen Kindern und Omas / Tanten.
Oma erzählt wie es in den fünfzigern war, die Kinder stürzen sich auf die verpackten Geschenke und machen ein Wettaufreissen. Es gibt zu süssen Wein und die Kinder wollen wieder kein Weihnachtslied singen und Oma ist wieder enttäuscht, dass Sie nicht singen.
Ich muss den Playmobil-Kram zusammenbauen und Oma fängt schon mal an zu kochen.
Bei den Kinder plärrt nun schon das neue DS-Spiel.
Richtig nett wird es erst wenn sich dann gegen 23 Uhr die alten Freunde bei Enno treffen und wir uns mit Feuerzangenbowle abschiessen.
Vielleicht sollte ich Moslem werden !
PS1 - ich bin Christ, sogr noch in der Kirche,
PS2 - Ich mag meinen Neffen und meine Nichte (nur nicht an Weihnachten)
PS3 - Ich trinke sonst fast nie Alkohol.
 
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  • #6
Ich verstehe auch nicht ganz, warum Dein Freund Dir diesen Gefallen nicht tun will. Darum meine Frage an Dich: Hat er vielleicht keine Lust, weil Du die Weihnachtslatte sehr hoch hängst? Denn eine Möglichkeit wäre ja, dass er das Ganze wie eine normale Einladung im Familienkreis betrachtet.
Vielleicht musst Du Dich mit seiner Haltung abfinden, was ich zwar nicht so toll finde, aber doch erträglich, da Du ja sonst sehr glücklich mit ihm bist. Übrigens würde ich Deinem Freund jetzt gern einen Satz sagen: Man kann auch mal etwas machen, was einem nicht so viel bedeutet.
 
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  • #7
@4
Ein Fest ist so schön, wie man es sich macht!

Es gibt sogar Familien in denen Weihnachten so richtig schön, freudvoll und lustig ist, in denen es weder Stress, noch ein wettaufreissen von Geschenken gibt (Erziehungssache!), noch zu süßen Wein gibt ... Warum? Weil man selbst es gestaltet, wue #3 schon schreibt, eigene Traditionen begründet.

@Fragestellerin
Stimmt schon - Dein Partner ist inkonsequent - was er für evtl. Kinder machen würde, sollte er erstrecht für die zukünftige Mutter derselben tun!
Weihnachten ist ein Fest der Familie - das ist Fakt, jenseits aller Glaubensfragen. Das sollte zu akzeptieren sein.

Ein Rat abseits Deiner Frage:
Bitte keinen Nachwuchs planen, solange solche Dinge nicht feststehen.

Liebe Fragestellerin:
Dein Partner wäre nicht der erste Türke, der die Zeit bis zur Eheschließung mit einer Landsmännin mit der Beziehung zu einer deutschen Frau überbrückt! Selbst in Fällen, in denen die Religion im Alltag keine Rolle spielte, kommt dies vor. (Ja, es gibt Ausnahmen - das sind aber wirklich Ausnahmen!)
Ihr habt seit 3 Jahren eine Beziehung??
Normalerweise achten Männer aus diesem Kulturkreis sehr auf die Ehre ihrer zukünftigen Frau und würden ihr nicht drei Jahre in einem Zustand der Unverbindlichkeit zumuten!!
In diesem Kulturkreis sind Frauen, die sich vor der Ehe einem Mann hingeben von Männern nicht sehr geachtet - auch nicht von den meisten Frauen, die diesem Kulturkreis angehören.
Du bist 28 Jahre jung - bitte achte darauf, dass Du Deine Zeit nicht mit Warten vertust.
Nach drei Jahren Beziehung darf man voraussetzen, dass Du schon in seine Familie integriert bist und er auch in Deiner Familie schon als Dein Partner dazugehört.
 
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  • #8
Ich bin Alevitin, hier geboren, aufgewachsen. Meine Eltern sind auch Aleviten und gläubig. Sie waren schon immer der Meinung: "Wir nehmen jedes heilige Fest mit, egal welcher Religion. Solange es unser Terminplan es zulässt." Für uns Kinder bedeutet es seither, jedes Jahr: Weihnachtsbaum, türkisches oder deutsches (je nach Lust und Laune) Festmahl an Heiligabend, kleine Geschenke, gemütliches Beisammensein und vor allem Besinnlichkeit. Weihnachtslieder anstimmen, gibts bei uns allerdings nicht, stattdessen gibts spannende Geschichten und "Märchen" von Eltern und Verwandten über früher. Ich mag die Weihnachtszeit.
 
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  • #9
FS: Danke für Eure Antworten. Darüber dass mein Freund Türke ist, mache ich mir keine Sorgen. Seine Familie hat Abneigungen über Familien, wie in #6 beschrieben wurde. Seine Eltern sind wirklich sehr "modern" und raten ihm sogar keine Türkin zu heiraten, weil viele angeblich eine an der Klatsche haben.
Wir haben uns heute darauf geeinigt, dass er mitfeiert, obwohl er keine Lust darauf hat. Ich hab genug Verstand um zu wissen, dass es keine Lösung ist, da ich niemanden zwingen will. Ich kann mich ja schlecht wegen der einen Sache von ihm trennen, obwohl mir das schon große Sorgen bereitet.
 
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  • #10
Weihnachten ist auch nichts für mich ... außer 3 geplante Friede-Freude-Eierkuchen-Kommerztage!
Wie #6 es schon sagt.
Ob nun die Kinder gesittet ihre Geschenke auspacken oder ungebremst aufreißen, es ist doch immer dasselbe: teurer, besser usw..
Die Werbung suggeriert, dass sich sogar Mutti zu Weihnachten hübsch aufbrezeln kann, Papi Zeit hat und wenn ich die lieben Kleinen da mit Krawatte und Rüschenkleidchen sehe, bleibt mir alles im Halse stecken.
Und einhellig ist der Tenor: Wo sind die Geschenke?!
Na ja, ihr habt Euch geeinigt, das ist die Hauptsache.
Sich wegen solch banaler Dinge zu trennen wäre m.E. grober Unfug!
 
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  • #11
Ich kannte und kenne viele Menschen in meinem Umfeld, incl. mir selbst, die Weihnachten einfach nur nervig finden und der traditionellen Familienfeier entfliehen, wenn es nur irgend geht - und alle sind Deutsche, einige sogar mit christlichem Familienhintergrund!

In deinem Fall, liebe FS, liegt es vielleicht auch nur daran, dass dein Freund mit religiösen und traditionellen Festen generell nichts am Hut hat, und nicht daran, dass er Türke ist. Wahrscheinlich würde er ein entsprechendes Fest in der Türkei genau so ablehnen?!

w42
 
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  • #12
Generell zum Thema:

Ich sehe es ähnlich wie #9 und es wird auch bei uns in der Familie so gehandhabt.

Weihnachten ist, wenn überhaupt ein Familienfest und ist zunächstmal unabhängig vom Partner zu betrachten. Jeder feiert das mit seiner jeweiligen Familie oder ohne die Familie zusammen oder beides.

Manche wollen nunmal nichts mit der Familie des anderen zu tun haben und das muß man akzeptieren.
 
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