• #1

Alles stimmt nur nicht der Zeitpunkt

Hallo liebe Leser,

vor wenigen Wochen habe ich (w, 25) einen wahnsinnig tollen Mann (30) kennengelernt und es hat gefunkt. Wir verstehen uns sehr gut, alles passt. Er bemüht sich um mich und alles deutet auf eine Beziehungsanbahnung hin. Und jetzt kommt das große Aber. Ich befinde mich gerade in einer sehr anstrengenden Phase und fühle mich dauerhaft gestresst und unter Druck. Besserung ist erst in etwas mehr als einem Jahr in Sicht. Ich habe Jura studiert und bin seit einem halben Jahr im Referendariat. Der Gedanke an das zweite Staatsexamen belastet mich sehr und ich bin nicht gerade glücklich mit der Situation. Das Wort unzufrieden beschreibt meinen Zustand ziemlich gut.

Freunde und Familie kommen schon jetzt zu kurz, ständig muss ich Verabredungen absagen oder verschieben. Der Stress macht mich unausgeglichen und überemotional. Bei der kleinsten Kleinigkeit breche ich in Tränen aus, weil ich mich mit allem überfordert fühle. So mag ich mich selbst nicht und ich kann mir nicht vorstellen, dass das eine gute Voraussetzung für eine Beziehung ist.

Ich habe tolle Eltern, die immer für mich da sind, aber leider weit weg wohnen und Freunde, auf die ich auch immer zählen kann. Dass ich für sie so wenig Zeit habe, belastet mich zusätzlich und ich habe Angst davor noch jemanden in mein Leben zu lassen, den ich dann enttäusche, weil ich ihm nicht gerecht werden kann. Ich stelle große Erwartungen an mich selbst, möchte am liebsten alles richtig machen und mache mir damit manchmal selbst das Leben schwer. Und ich fürchte, gerade kann ich in einer Beziehung nicht die Freundin für ihn sein, die ich gerne wäre.

Ich bin hin- und hergerissen, ein Teil von mir glaubt nicht daran, dass unter diesen Bedingungen eine ernste Beziehung entstehen und halten kann. Und ein gescheiterter Versuch würde mich wohl ziemlich aus der Bahn werfen und vielleicht auch den Abschluss kosten. Die große Karriere als Jurist ist definitiv nicht mein Lebenstraum, aber ein passables Examen würde ich mir schon wünschen, nachdem meine Eltern mir das Studium finanziert haben. Tja und andererseits habe ich mich richtig verliebt und Angst davor, den Mann zu vertreiben, der vielleicht der Richtige ist, mit dem ich mir eine Zukunft vorstellen kann, ein Häuschen und Kinder.

Würdet ihr euch für oder gegen eine Beziehung entscheiden? Wie viel Verständnis könntet ihr in einer frischen Beziehung für ein Nervenbündel wie mich aufbringen? Eine Einschätzung von euch würde mich sehr freuen!
 
  • #3
Liebe Laluna. Du wirst in Deinem Leben vermutlich noch sehr oft feststellen müssen, dass es weder planbar ist noch dass die Dinge immer dann passieren, wenn wir gerade Zeit für sie haben.

Eine Hospiz-Krankenschwester schrieb ein Buch über sterbende Menschen, was sie am meisten am Ende ihres Lebens bereuen. Sie bereuen am meisten die Dinge, die sie nicht getan haben.
 
P

Papillon

Gast
  • #4
Ich wäre für die Beziehung, mit Sinn und Verstand wird er deine Siuation akzeptieren und mit etwas Glück unterstützt er dich sogar. Es wird Zeiten geben, da wird er Deine Unterstützung benötigen. Wenn nicht, war er dann doch nicht der Richtige. Manchmal muss man Risiken eingehen um etwas zu erreichen, auch in der Liebe.
 
  • #5
Spreche offen mit ihm, über deine Gefühle, deine aktuelle Situation, das du aktuell nicht die Zeit mit ihm verbringen kannst wie du es dir wünschst.

Ein verständnisvoller Mann wird darauf Rücksicht nehmen und trotzdem bei dir bleiben wenn er die Hintergründe kennt. Ein nicht verständnisvoller Mann wäre sowieso der Falsche für dich. Lass ihn die Entscheidung treffen ob er dich so nimmt wie du bist oder ob er es sein lässt.
 
  • #6
Liebe FS,

ich würde mich immer für die Liebe entscheiden, denn die fällt nicht immer so selbstversändlich vor die Füsse. Das Leben hat seine eigenen Regeln und nicht umsonst purzelt genau in diesem Moment ein Mann in dein Leben, wo dein Kopf dafür nicht frei ist. Es ist nicht nur eine Chance zu wachsen, sondern auch eine Bereicherung. Kommuniziere das mit deinem Liebsten, denn das gehört auch mit zu einer Beziehungsanbahnung. Gebündelte Nerven können sich dann ganz entspannt entwirren, wenn du einen Menschen an deiner Seite hast, der dich mit Verständnis begleitet..... Viel Glück!
 
  • #7
Liebe Laluna,

ja, entscheide dich für eine Beziehung mit diesem Mann.

Durch deine hohen Ansprüche an dich selber und den Wunsch allen gerecht zu werden, verschenkst du ggf. wertvolle Zeit deines Lebens und riskierst deine Gesundheit.

Dieser tolle Mann wird dich verstehen und Rücksicht auf deine momentanen Gefühlsschwankungen nehmen, wenn er dich liebt.
Es hört sich so an, als ob du kurz vor einem Burnout stehst. Nimm dich emotional etwas zurück (ich weiß, das ist leicht gesagt) und suche die Ruhe in dir selber. Mach in deiner freien Zeit nur das, was du auch wirklich gerne tust.
Lass die Familie (Eltern) mal Familie sein und denk nur an deine Gesundheit und deine eigenen Bedürfnisse. Auch deine Freunde, denen du oft absagen musst, werden dich verstehen.
Ansonsten landest du womöglich durch die Überforderung in einer Depression.
In einer harmonischen Beziehung kannst du Kraft tanken und musst dich nicht immer beweisen oder erklären.
Da du keine große Karriere nach deinem Examen anstrebst und dein Wunsch nach einer eigenen Familie mit Kindern und einem Häuschen im Grünen vorrangig ist, machst du alles richtig, wenn du diesem Mann jetzt "keinen Korb " gibst.

Ich wünsche dir viel Glück beim Examen und ein schönes Leben.

LG
Santosha
 
  • #8
Liebe FS, Du schreibst, Du kannst Dich derzeit selbst nicht leiden und bist unzufrieden.
Du fühlst Dich Deinen Eltern verpflichtet, die Dir dieses Jura-Studium finanzieren. Wolltest Du jemals Jura studieren oder ist das der Traum Deiner Eltern?? Ich vermute, Letzteres. Nun tust Du Dich schwer mit dem Studium und fühlst Dich ausgelaugt. Wäre Jura Dein großer Wunsch, wäre dem nicht so. Meine Vermutung: Dein Körper und Deine Psyche wehren sich. Du musst aufpassen, nicht in einen Burnout zu rutschen. So wenig Belastbarkeit ist mit 25 Jahren, meiner Meinung nach, nicht normal.
Nimm Dir Zeit und Ruhe, über Deine Gegenwart und Zukunft nachzudenken. Wo stehst Du gerade? Wo willst Du wirklich hin? Beruflich UND privat? Wenn Du beruflich unglücklich werden solltest, wird sich das auch auf Dein Privatleben auswirken. Vielleicht solltest Du auch ein Gespräch mit Deinen Eltern führen und ihnen mal ehrlich sagen, wie es Dir wirklich geht und wie überfordert Du Dich fühlst.
Deinen Perfektionismus solltest Du mit einer Verhaltenstherapie angehen. Du brauchst Hilfe und Verständnis für Deine Situation. Das Du bei jeder Gelegenheit in Tränen ausbrichst zeigt, wie angespannt Du bist und das etwas gewaltig im Argen liegt. Alles Gute!
 
  • #9
Ich würde mich für die Beziehung entscheiden. Das kann richtig Kraft geben, so dass dir auch die Arbeit leichter fällt. Aber ich würde ihm das vorher sagen, dass du im Moment dich auf deine Arbeit konzentrieren musst.

Eltern und Freunde würde ich in dem Moment "vernachlässigen". Alles geht nun mal nicht. Und richtige Eltern und Freunde haben dafür auch Verständnis. Du musst lernen, Prioritäten setzen zu dürfen, wenn nicht alles geht. Der passende Mann begegnet einem sooooo selten! Die Prioritäten, die du dir selbst wünscht, hast du oben bereits geschrieben: das Examen und der Mann.
 
  • #10
Ich würde mich für die Liebe entscheiden, liebe Laluna. Unabhängig davon würde ich an deiner Stelle unbedingt an meinem Perfektionismus arbeite. Such dir eine professionelle Begleitung (Therapeut, Coach, Seelsorger...), die mit dir mal die Schwerpunkte deines Lebens überdenkt. Willst du den Beruf wirklich? Wo willst du hin im Leben? Wie willst du leben? Was ist dir wichtig? Deine Eltern, Freunde, Partner zufrieden zu stellen oder dein Eigenes zu leben?
Dem Mann kannst du ja sagen, dass du im Moment in einer anstrengenden Umbruchsphase bist und dran arbeitest, dass du da wieder raus kommst und dass er ein bisschen Geduld mit dir haben muss, wenn er mit dir zusammen sein will.
 
  • #11
Ich staune, das du nach "wenigen Wochen" schon an Beziehung und sogar den "Richtigen" ihn in siehts und das Haus mit Kindern , vor dein inneres Auge führst. In deiner Phantasie greifst du vor und packst bereits ein Geschenk aus, das du noch gar nicht bekommen hast. Sprich erst einmal mit ihm. Frage ihn, wo er euch eigentlich sieht. Wo sieht er euch beide in den nächsten zwei Jahren ? Kommst du dann noch in seiner Phantasie vor ? Frage ihn nach seinen Plänen und dann triff die Entscheidung mit der es dir gut geht.
 
  • #12
Würdet ihr euch für oder gegen eine Beziehung entscheiden? Wie viel Verständnis könntet ihr in einer frischen Beziehung für ein Nervenbündel wie mich aufbringen? Eine Einschätzung von euch würde mich sehr freuen!
Sieh es doch mal andersrum: vielleicht ist der scheinbar falsche Zeitpunkt genau der richtige Zeitpunkt. Vielleicht ist es gerade dieser Mann, der dir helfen kann, wieder etwas ruhiger zu werden und ausgeglichener zu sein. Vielleicht ist es gerade der Mensch, der dir hilft den Druck besser auszuhalten oder gerade nicht mehr so zu spüren. Sprich mit ihm darüber, ich drück die Daumen.
 
  • #13
Ich bin Juristin und kann Dir sagen wie wichtig in diesem Beruf ein Prädikstsexamen ist. Ich würde an deiner Stelle den Versuch wagen, Beziehung und Studium zu bewältigen. Bei Problemen würde ich die Beziehung hintenanstellen. Der perfekte Partner würde dies verstehen, wenn nicht...naja die halbe Weltbevölkerung ist männlich.
Viel Erfolg und kollegiale Grüße
 
  • #14
Bei Problemen würde ich die Beziehung hintenanstellen. Der perfekte Partner würde dies verstehen, wenn nicht...naja die halbe Weltbevölkerung ist männlich.
Bester Vorschlag hier-auch wenn er in deinen Ohren etwas "kalt" klingen mag. DU bist die wichtigste Person in deinem Leben-
es klingt so, als würdest du mit diesem Mann die Flucht aus einem ungeliebten Leben antreten wollen, Heim, Kind, Familie...
Stelle dich selber auf eine gute Grundlage.
Die wenigsten Männer vernachlässigen wegen einer Frau ihr Studium. Auch klingt es allgemein so, als könntest du dich wenig abgrenzen, alle haben Erwartungen, Familie, Freunde...
 
  • #15
Was auch immer du tust bezüglich des Mannes, vernachlässige nicht dein Praktikum.
Nicht am Montag krankmelden, weil du am WE kaum geschlafen hast.
Nicht früher heimgehen, weil der Mann auf dich wartet.
Nicht auf's Lernen verzichten, weil die Sonne lacht und du lieber mit ihm spazieren gehen willst.

Kann sein, dass du später nicht als Juristin arbeitest, aber versau es dir jetzt nicht auf der Zielgeraden. Nimm das Examen unbedingt mit, wer weiß, ob du es nicht doch mal brauchst.
Um einen Fuß in die Tür zu kriegen.
Weil du sonst nicht die Journalistenstelle oder die Beraterstelle kriegst, auch wenn diese Tätigkeiten gar kein Studium gebraucht hätten.

Du hast viele Jahre investiert und dabei auf vieles verzichtet, was du hättest haben können, wenn du einfach nichts gemacht hättest, außer zu gammeln und in einer Kneipe zu arbeiten.
Wenn du es jetzt versaust, hast du nicht mehr, als wenn du die letzten 6 oder 7 Jahre nur gekellnert hättest.

Wer weiß, ob das mit dem Mann hält, dein Abschluß aber bleibt.

w 49
 
  • #16
Mensch, Mädchen, mach deinen Abschluss, und mach ihn gut! Wie es schon in der Bibel steht: Ein Jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde. Jetzt ist die Zeit für deinen Abschluss. Er wird dir dein Leben gewaltig erleichtern, völlig unabhängig davon, ob du nun "Karriere" als Juristin machst oder etwas völlig anderes.

Dein Traum von Häuschen und Kindern in Ehren, aber es soll angeblich Ehen geben, die scheitern, und wie ziehst du dann deine Kinder gross? Du hast die Wahl zwischen einer gut bezahlten Teilzeitstelle oder einer Aushilfsstelle, für die du schuften musst.

Wenn dein Freund dich während dieses Jahres erträgt, wäre das toll. Wenn nicht, geht die Welt davon nicht unter.

Frau 50
 
  • #17
Stelle dich selber auf eine gute Grundlage.
Die wenigsten Männer vernachlässigen wegen einer Frau ihr Studium.
Auch meine Ansicht. Das Studium ist allein für dich und etwas, das dir niemals jemand wegnehmen kann.

Heute bist du 25 und wünschst dir eher ein Haus und Kinder als eine steile Karriere.
In diesem Alter dachten wir alle, die Welt läge uns zu Füßen und wir könnten frei wählen.
Das Leben läuft aber nicht immer nach Plan, und es könnte sein, dass du in 10 oder 20 Jahren andere Pläne hast oder gezwungen wirst, umzudisponieren. Dann hast du dir ggf. die Chance dafür verbaut.

Lerne diesen Mann doch ruhig erst einmal näher kennen. Du musst jetzt keine Entweder-Oder-Entscheidung treffen. Bis du ihn wirklich kennst und sicher sein kannst, mit ihm deinen Traum leben zu können, ist dein Examen längst vorbei. Wenn er kein Verständnis dafür hat, dass du an der Absicherung deiner Zukunft arbeitest, war er auch nie der Mann für's Leben.

Wie @Pfauenauge schon anmerkte: einem Mann würde es gar nicht einfallen, seine beruflichen Chancen wegen einer Frau zu minimieren.
 
  • #18
Ich denke auch, dass der Abschluss oberste Priorität hat, das sage ich aus Erfahrung heraus, im Leben einige Fehlentscheidungen getroffen zu haben.
Meiner Ansicht nach solltest du das mit ihm besprechen und Absprachen treffen, die dann aber auch eingehalten werden. Ich glaube nicht, dass du ihn sausen lassen solltest. Es wird einen Mittelweg geben, wenn ihr euch beide wirklich wollt. Und aus der Rückblende betrachet: ein Jahr ist schnell vorüber...
 
  • #19
Die große Karriere als Jurist ist definitiv nicht mein Lebenstraum, aber ein passables Examen würde ich mir schon wünschen, nachdem meine Eltern mir das Studium finanziert haben.

Dann mach das. Und wirf deine moralischen Bedenken bzgl. "großer Liebe" a la Hollywood über Bord und führe die "Beziehung" so, wie es für dich passt. Ich glaube nicht, dass du 24/7 nur lernst. Jeder braucht mal Pausen oder muss Essen oder ausgehen. Und dann machst du das halt mit diesem überaus symphatischen Typen. Und ob du den heiratest oder er dich, das weiss man derzeit nicht. Dennoch kann man zusammen durchs Leben gehen und sich gegenseitig unterstützen. Vielleicht eine Zeit lang, vielleicht für immer.
 
  • #20
Ich wünschte, ich hätte mich in jungen Jahren nicht so sehr für Beziehungen aufgeopfert dann wäre ich heute beruflich woanders. Leider war ich sehr naiv mit Anfang/Mitte 20 und habe auf die Meinung anderer Leute mehr vertraut wie auf meine eigene.

Moderne Beziehungen sind heute größtenteils unbefriedigend, unverbindlich und vieles bleibt unerfüllt. Ich glaube, du wirst, wie die meisten Menschen glücklicher werden, wenn du deinen beruflichen Träumen folgst, und Beziehungen nicht wirklich mehr brauchst.

Rate mal, warum ältere Frauen wie wir alle geblieben sind oder wieder alleine sind? Beziehungen geben uns nichts mehr. Verbindlichkeit, Ehe oder Kinder kann man von Männern nichts mehr einfordern. Es lohnt sich nicht mehr, irgendwas aufzubauen in einer Beziehung.
 
  • #21
Vielen lieben Dank euch allen für eure Meinungen und die netten Worte! Eure Antworten haben mir ein gutes Stück weitergeholfen!

Ich werde offen und ehrlich mit ihm über all das sprechen, was mich gerade beschäftigt und auf sein Verständnis hoffen. Er ist selbst frischgebackener Jurist in einem Unternehmen und weiß, wie stressig die Zeit vor dem zweiten Examen sein kann. Wenn er mit mir zusammen sein möchte, wird er es auch aushalten, wenn ich nicht nur gut gelaunt bin und mich auch einmal bei ihm ausheule – da habt ihr Recht! Ich werde versuchen, ein bisschen lockerer mit mir selbst umzugehen und mir bewusst auch Zeit nur für mich nehmen.

Ganz so dramatisch wie das Ganze vielleicht bei einigen angekommen ist, ist die Situation dann aber auch nicht. Ich habe mich nach dem Abi für Jura entschieden, ganz freiwillig, ohne dass mir irgendjemand dazwischen gequatscht hat. Klar macht es nicht nur Spaß, aber es war auch keine falsche Entscheidung. So wie ich das bei anderen Referendaren mitbekomme, geht es uns allen ähnlich – wenig Zeit, Selbstzweifel und jede Menge Stress und Druck, ein Prädikatsexamen zu erreichen.

Ich möchte nicht aus meinem Leben ausbrechen und denke auch nicht: „Ach, hätte ich bloß was anderes studiert“. Ich denke eher manchmal: „Ach, wenn ich die Zeit doch vorspulen könnte und das zweite Examen schon in der Tasche hätte“. Jetzt alles hinzuschmeißen, steht für mich überhaupt nicht zur Debatte. Mein erstes Examen lief ordentlich und deswegen möchte ich auch das Zweite nicht „versauen“. Ob ich später mal in einem klassischen juristischen Beruf arbeiten werde oder nicht, das wird sich zeigen. Für mich steht nur schon fest, dass ich mir einen Job mit Work-Life-Balance wünsche, wie man heute so schön sagt, weil ich ein Familienmensch bin.

Den Satz, dass ich mir mit ihm Haus und Kinder vorstellen kann, hätte ich zur Vermeidung von Missverständnissen besser weggelassen. Das hat noch ein paar Jahre Zeit und natürlich weiß ich, dass sich alles erst einmal entwickeln muss und der Mann im Idealfall das gleiche Ziel haben sollte. Was ich damit eigentlich sagen wollte, ist, dass er ganz anders ist als seine Vorgänger, ein Mann, bei dem auch die inneren Werte überzeugen. Dass Frau sich da schon mal ausmalt, wie er sich so als Papa machen würde, ist doch verständlich ;)

Noch einmal ein herzliches Danke für eure Antworten!
 
  • #22
Je älter du wirst, desto stressiger wird dein Leben, desto voller dein Terminplan, desto größer deine Verpflichtungen und desto mehr Aufgaben kommen auf dich zu, die sehr unbequem sind. Lerne am besten ganz schnell, vieles zur gleichen Zeit zu erledigen!

Mit 25 und Studium hast du massenweise Zeit für eine Beziehung. Z.B. wenn du 35 bist, kannst du schon allmählich an die Pflege deiner Eltern denken. Eventuell musst du nebenbei dann noch deine eigene kleine Familie (Kind, Mann) managen, tanzt also sozusagen auf zwei Familien gleichzeitig. Das wäre nicht ungewöhnlich. Oder ein Mann bringt auch noch seine Familie mit.

Eigentlich lebst du jetzt gerade die paar wenigen besten und stressfreiesten Jahre deines Lebens, auch mit Studium und komplizierter Berufsorientierung/Einstieg.
 
  • #23
Eigentlich lebst du jetzt gerade die paar wenigen besten und stressfreiesten Jahre deines Lebens, auch mit Studium und komplizierter Berufsorientierung/Einstieg.
Ja, kann ich bestätigen.
Klar ist die Zeit direkt vor einem Examen stressig, aber das hast du später auch immer, das ist dann die Zeit vor der Abgabe eines Projekts.
Und auch da geht es immer um wirklich viel. Nicht nur um Geld ( das brauchst du aber auch ), sondern um Prestige. Du willst dir einen Namen machen.
Als ich von der Uni kam, war ich eine Null.
Und genauso wie ich das nicht checkte und dachte, die Welt wartet auf mich, denken das wohl viele Frischakademiker.
Ich erlebe das auch bei uns. Die Neuen brauchen Monate oder ein Jahr, bis man mit ihnen was anfangen kann und in dieser Zeit müssen sie hart schuften.

Ich kann sagen, dass bei mir die Zeit zwischen Ende 20 und Ende 40 immer anstrengender und ausgefüllter wurde. Jetzt, denke ich, kommt langsam ein Plateau und ab 60 oder so werde ich wahrscheinlich / vielleicht überlegen, etwas kürzerzutreten.
Vielleicht auch nicht. Ich habe mit drei Ingenieuren zu tun, die Mitte 70 sind und voll einsatzfähig. Sie machen es gerne und sie sind gut.

In den Jahren als meine Tochter klein war und ich in Vollzeit arbeitete und dazu zwei weitere Studien durchzog, später noch weitere Qualifikationen erwarb, machte ich gar nichts außer arbeiten / studieren, Kind und ein wenig Haushalt.
Ich hatte viele Jahre keinen Partner und kaum private soziale Kontakte.

Ich denke, du darfst nicht davon ausgehen, dass du nach deinem Studium mehr Zeit haben wirst.
Genieße deine Zeit jetzt und vor allem, tue dir nicht leid.
Allen Leuten, die etwas erreichen wollen, geht es wie dir.
Heulen muß man deswegen aber nicht.

w 49
 
  • #24
Liebe Laluna,

Es gibt nie den richtigen Zeitpunkt. Leben mit allem findet jetzt statt.
Du wirst auch später Zeit bzw. keine Zeit haben, je nachdem wie Du Dein Leben gestaltest.
Es wird nur irgendwann in der Rückschau evtl., hoffentlich nicht, die Liste an verpassten Gelegenheiten geben. Oder Du hast den Mut und wagst es einfach.
Was ist Dein Risiko? Wenn es nicht klappt, kannst Du immer nach beenden, aber So Landau Dir hinterher sagen, So hat es zumindest versucht.

Das andere - Du könntest versuchen, wie Du besser mit Stress umgehen kannst.
Straffere Strukturen, konsequente Arbeitseinheiten, die gut bewältigbar sind (für mich ist dies 1,5h absolut konzentriertes Arbeiten, früher Lernen), angemessene strikte Pausen, guter Ausgleich wie Bewegung / Sport, positives. Meine To Do Listen - zur Übersicht wie als Erfolgserlebnis.
Bei meiner Diplomarbeit legte ich einen Zeitrahmen über die Gliederung, verteilte mit Pufferzeiten die Gesamtzeit über die gesamte Arbeit - das mache ich immer noch bei größeren Vorhaben.
Vernachlässigt werden immer die notwendigen Pausen, nur leidet auf Dauer die Produktivität, die Fehlerquote steigt, wenn man nicht ausreichend für Ausgleich sorgt.

Pass da auf Dich auf, und genieße die junge Liebe, erlaube es Dir.
Es gibt keine größere Energiequelle.
 
  • #25
Arbeitseinheiten, die gut bewältigbar sind (für mich ist dies 1,5h absolut konzentriertes Arbeiten ...)
Auch hier stimme ich zu.
1,5 Stunden sind auch genau meine Einheiten lang.
Danach hat es keinen Sinn mehr.
Alle meine Ortsbegehungen begrenze ich exakt auf diese Zeit, denn danach werde ich blind.
Andere Leute schaffen auch zwei Stunden, aber ich kenne niemanden, der es länger aushält, ohne nachzulassen.
Vielleicht sind Schulstunden auch deswegen 1,5 Stunden lang, bzw. bei jüngeren Schülern die Hälfte davon.

Nach der konzentrierten Einheit mache ich immer etwas völlig anderes. Entweder einen Kaffee holen, auf's Klo gehen, kleine kurze Dinge erledigen, die kein Hirn erfordern oder eben in dieses Forum gucken.
Dies hier ist jetzt meine erste Pause, ich habe um sieben zu arbeiten angefangen, mich erst mal mit Routinedingen aufgewärmt und dann was richtiges gemacht.
Übrigens gucke ich dabei natürlich nicht auch die Uhr. Die 1,5-Stunden-Einheiten ergeben sich inzwischen von selbst.
Vernachlässigt werden immer die notwendigen Pausen, nur leidet auf Dauer die Produktivität, die Fehlerquote steigt, wenn man nicht ausreichend für Ausgleich sorgt.
Genau. Kann ich absolut bestätigen.
Und diese Pausen werden eben dann vernachlässigt, wenn man zu schlecht organisiert ist, z.B. viel zu spät anfängt mit dem Projekt, dann wird's am Ende eng.

Meine Schwiegertochter hat dieses Problem auch.
Da steht eine Klausur an, das weiß sie schon am Anfang des Semesters. Sie lernt aber nicht regelmäßig, z.B. immer direkt nach der Vorlesung.
Dann rückt der Klausurtermin näher, sie weiß, es sind noch sechs Wochen. Sagt sich, das schaffe ich auch in drei Wochen, folglich fängt sie drei Wochen vorher an.
Dann kommt was dazwischen, sie wird krank oder hat irgendwelchen Ärger und plötzlich ist es nur noch eine Woche.
Sie arbeitet dann wie verrückt rund um die Uhr.
Checkt aber nach 1,5 Stunden nix mehr. Muss aber weitermachen, was völlig sinnlos ist.
Dann kommt auch bei ihr das Heulen.

Liebe FS, könnte das, was Lionne sagt, dein Problem sein ?

w 49
 
  • #26
Du hast das hier im Text so toll erklärt, warum sagst oder schreibst du es ihm nicht auch so in der Art? Das versteht er vermutlich. Wenn man jemanden nicht oft sehen kann, aber man kennt die - extrem wichtigen - Gründe dafür und man weiß, das wird in 1 Jahr vorbei sein, dann sollte einen das nicht abschrecken. Ebenso die Sache dass du umständehalber zurzeit emotional/ nervlich instabil bist.
 
  • #27
Hallo, hier nochmal die Fragestellerin.

Ich habe am Wochenende einen passenden Moment genutzt und das Thema mit ihm besprochen. Und es stimmt – Reden hilft! Er hat besser reagiert als ich es mir gewünscht hätte, mir zugehört und mir das Gefühl gegeben, dass er mich und die Situation ernst nimmt. Und wir haben uns entschieden, zusammen einen Versuch zu wagen.
Danke euch für den Schubs in die richtige Richtung!

@frei Mein Problem sehe ich eher darin, dass ich nur schwer abschalten und entspannen kann. Ich glaube, ohne für sich einen Weg gefunden zu haben, strukturiert und effektiv zu lernen, kommt man in Jura nicht sehr weit. Im Referendariat bleibt aber leider auch weniger Zeit, um sich hinzusetzen und zu lernen, weil man nicht mehr „nur“ Vorlesungen hat wie an der Uni. Die Woche ist gut gefüllt mit Terminen beim Ausbilder in der Praxis, Übungsklausuren und Unterricht. Und so habe ich ständig im Hinterkopf: „Du müsstest noch dies machen und jenes steht auch noch an“. Ich muss leider auch noch gut 1,5h pendeln und entsprechend früh aufstehen. Und sobald ich gestresst bin, kann ich auch schlecht schlafen, liege wach und kann den Kopf nicht ausschalten. In übermüdetem Zustand liegen die Nerven dann natürlich sowieso blank. Ich habe mir jetzt einen Yoga-Kurs gesucht und werde mal ausprobieren, ob mir das hilft. Meine Mama hat mich außerdem mit einer Relaxation CD versorgt, dieses stundenlange wach liegen und Gedanken machen kennt sie nur zu gut. Und ein Versuch kann ja nicht schaden!
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #28
Für mich klingt das wie ein bequemer Weg aus dem ungeliebten Studium. Heiraten, Haus, Kinder und Hund. Ohne das jetzt werten zu wollen: Frauen können das so machen. Da läßt man das "durchgehen". In Bezug auf ein Posting vorher: Männer müssen Ihr Studium durchziehen, "was werden", sonst sieht es mit Chancen bei der Frauenwelt duster aus. Soviel zum Thema "Männer würden nie ein Studium für die Liebe hinwerfen". Nein, denn das wäre der größte Fehler den sie machen könnten (Stichwort Versager).

Ich würde ihm Deine Situation erklären und dann sehen was er daraus macht.
 
  • #29
Die FS hat mit keinem Wort geschrieben, dass sie einen Studienabbruch auch nur in Erwägung zieht! In der Fragestellung geht es darum, ob sie einen Beziehungsstart riskieren kann unter den durchs Lernen erschwerten Umständen, die sie so unter Druck setzen, dass dies nicht nur für sie selbst problematisch ist. Ich hoffe, zum Textverständnis beigetragen zu haben, lieber Fragenfilter.
Für mich klingt das wie ein bequemer Weg aus dem ungeliebten Studium. Heiraten, Haus, Kinder und Hund. Ohne das jetzt werten zu wollen: Frauen können das so machen. Da läßt man das "durchgehen". In Bezug auf ein Posting vorher: Männer müssen Ihr Studium durchziehen, "was werden", sonst sieht es mit Chancen bei der Frauenwelt duster aus. Soviel zum Thema "Männer würden nie ein Studium für die Liebe hinwerfen". Nein, denn das wäre der größte Fehler den sie machen könnten (Stichwort Versager).

Ich würde ihm Deine Situation erklären und dann sehen was er daraus macht.
 
  • #30
Liebe Laluna,

Dir ganz viel Glück, prima.

Und was den Stress angeht, genau so kenne ich es auch.
Die Aufgabe ist es tatsächlich, zu lernen Pausen zu machen, Erholung, Abschalten. Genauso strukturiert, wie für Arbeiten, Lernen die Erholungszeit planen.
Und sehr konsequent Nein sagen, Grenzen ziehen - Prioliste. Wenn viel zu tun ist, geht eben nicht alles.
Es dürfen nicht die Erholungszeiten auf dieser Liste ganz nach unten wandern.

Yoga, Sport, etc, sind gut.

Etwas, was mir hilft, ich mache Pausen mit Wecker.
Beispiel - ich habe gerade 2 h Zeit mit jemandem, oder alleine, Wunsch das zu tun, wonach mir ist.
Dann stelle ich mir den Handywecker entsprechend und vergesse die Zeit.
Weiß aber, dass wenn der Wecker läutet, ich genug Zeit habe, gut und entspannt meinen Termin wahrzunehmen, mich wieder an die Arbeit zu machen. Das gibt Sicherheit und entspannt mich, gibt mir die Möglichkeit, die Zeit vollständig zu vergessen.

Dir alles Gute.
 
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