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Gast

  • #1

Als Mutter wieder Vollzeit arbeiten - wie organisiert Ihr das?

Ich habe eine 7 Monate alte Tochter, die ein Wunschkind war, auf das wir leider sehr sehr lange warten mussten. Mein Mann und ich waren uns einig, dass ich 3 Jahre zu Hause bleiben würde. Nun hat mein Mann leider seinen Job verloren und versucht eine Selbstständigkeit in seiner Heimatstadt aufzubauen, wo er gut vernetzt ist. Er pendelt jetzt und es belastet ihn natürlich sehr, dass er die Kleine nur an den WE sieht. Sobald wir kein Elterngeld mehr bekommen, also wenn die Kleine ein Jahr alt ist, muss ich wieder Vollzeit arbeiten, damit wir finanziell über die Runden kommen. Durch irres Glück haben wir einen Kitaplatz in einer sehr guten Kita mit wirklich liebevollen Betreuerinnen bekommen. Mein Problem: Ich habe Angst davor, Vollzeit zu arbeiten und das Kind kaum noch zu sehen. Ich habe zwar einen tollen Job, aber eben keinen, der in 40 Stunden zu machen wäre. Ich habe schon mit meinem Arbeitgeber über home office etc. gesprochen, ich werde wohl so viel Hilfe bekommen, wie ich brauche. Das ändert aber natürlich nichts am tatsächlichen Zeitaufwand. Darüber hinaus werde ich unter der Woche alleine sein, da mein Mann ja nicht da ist, so dass ich mich um alles alleine kümmern muss. Meine Frage an alle arbeitenden Mütter (und natürlich Väter) ist nun: was habt ihr für Tipps? Wie richtet ihr es ein, möglichst viel Zeit mit den Kindern zu verbringen und trotzdem den Job nicht zu vernachlässigen? Ich bin mir zwar sicher, dass ich das irgendwie hinkriegen werde, würde mich aber über aufmunternde Erfahrungsberichte freuen. w 40
 
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Gast

  • #2
Homeoffice ist gut - ich habe mich selbständig gemacht, da war mein Kind gerade vier Monate alt. Gearbeitet habe ich früh morgens, in der Zeit, wenn das Kind geschlafen hat und abends. Zudem mindestens zwei volle Tage, wenn das Kind bei der Oma war. Damals gab es Ganztagskitaplätze erst ab 3, Hort wäre möglich gewesen. Ich habe oft auch am WE gearbeitet - hier brauchst du natürlich auch die Tolerenz deines Partners. Auswärtes-Termine habe ich auf die Oma-Tage gelegt. Ab dem 3. Lebensjahr war dann Ganztagskita dran, ab diesem Zeitpunkt habe ich Vollzeit gearbeitet und noch eine Weiterbildung (vierzehntägig am WE) absolviert. Ich fand es gut, immer arbeiten zu können, mir wäre die Decke auf den Kopf gefallen. Doch genau die derzeitigen Studienergebnisse habe ich live erleben müssen: In Westdeutschland geht man als Mutter nicht Vollzeit arbeiten... Zum Ko.zen, sag ich dir, diese Anfeindungen der Mütter, die faul zuhause waren. Ich hoffe sehr, dass sich die Einstellung nun endlich ändert, ich kann daher verstehen, wenn gut ausgebildete Frauen keine Kinder mehr bekommen. Du bist ja auch reichlich spät dran mit 40. Heute, mit 43 bin ich schon wieder am durchstarten, mein Kind ist 12 und sehr selbständig. Nach der Ganztagskita kam die Ganztagsgrundschule, zum Glück gab es hier eine. Jetzt im Gymnasium wollte mein Kind mittags nachhause kommen - wir haben darüber gesprochen und es funktioniert gut.

Um die wenigen Zeiten mit deinem Kind zu nutzen, verlege einige Hausarbeiten entweder auf eine Putzfrau oder auf die Abendstunden, wenn dein Kind schläft. Fenster faulen nicht, wenn sie nicht geputzt sind - was Nachbarn oder Verwandte sagen - lass es an dir abprallen, du und dein Kind seid wichtiger als ein Hochglanzwohnzimmer. Nimm dir feste Zeiten vor direkt nach dem Nachhausekommen vor zum Vorlesen, Spielen, Spazierengehen. Nimm dein Kind mit zum Einkaufen - da lernt es etwas und du sparst Zeit. Koche ggf. für mehrere Tage vor, damit du dann nur aufwärmen musst. Spart auch Zeit. Vergiss die Perfektionistin, Job und Kind sind wichtig - und es ist zu schaffen. Top und Pulli mit Hosenanzug gehen auch, muss keine gebügelte Bluse sein. Kopf hoch - ich bin froh, heute ein so selbständiges Kind zu haben und gearbeitet zu haben! Das hat uns beiden gut getan. w/43 ...mein jetzt Exmann und Vater des Kindes ist morgens um 6 aus dem Haus und abends um 19 Uhr nachhause gekommen - also auch keine wahnsinnige Hilfe. Seit sechs Jahren bin ich alleinerziehend, seit einem Jahr praktizieren wir das Wechselmodell, doch mit zunehmendem Alter des Kinder und einer entsprechenden Erziehung ist es auch insgesamt einfacher.
 
  • #3
Klipp und klar: mehr als vierzig Stunden pro Woche? Dann wirst Du Dein Kind nur noch schlafend zu sehen bekommen. Und ich sage Dir auch gleich: ohne externe Unterstützung wirst Du es unter der Woche nicht schaffen.
Als erstes organisierst Du Dir eine Putzfee, damit die wenige freie Zeit nicht noch mit Großputz draufgeht. Zweitens brauchst du jemanden, auf den Du im Notfall (z.B. akutes Fieber des Kindes) zurückgreifen kannst wenn die Arbeit dringend ruft. Rechne damit, daß Dein Kind ein paar übliche Kinderkrankheiten und 1-2 mal Fieber pro Jahr bekommt und jeweils ein paar Tage zuhause bleiben muß.
Mir war immer wichtig, daß ich mit meinem Kind gemeinsam frühstücke und zu Abend esse. Sozusagen als Minimalversion.
Du mußt extrem gut organisiert sein und auf Kommando funktionieren können - lange Anlaufphasen oder Morgenmüffeligkeit kannst Du Dir nicht mehr leisten. Aber davon abgesehen ist mußt Du Dir dringend Dein Arbeitspensum überlegen - und beruflich und privat einiges weglassen, anderes delegieren und für den Rest Prioritäten setzen. Denkbar ist, die Woche so zu strukturieren, daß Du zum Beispiel den einen Tag kürzer arbeitest und dafür einen anderen Tag länger. Diese Zeit könnte gezielt mit Kind genutzt werden und muß auch stets freigehalten werden. Aber wie gesagt: ohne Oma oder Tante wird das schwer zu wuppen sein.
Ich bin selbständig (freiberuflich), alleinerziehend (Vater depressiv und H4) und wäre ohne Oma aufgeschmissen gewesen.
 
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Gast

  • #4
Hallo liebe FS,
wir haben unseren Kleinen mit einem Jahr in die Kita gegeben. Wir arbeiten beide Vollzeit und der Kleine wurde 40h die Woche betreut. Man hat zunächst große Angst davor. Aber es pegelt sich ein. Am Anfang ist es am Schwierigsten loszulassen. Aber das gibt sich mit der Zeit.
Und es gibt viele Eltern, denen es so geht.
Sieh es mal so: Dein Kind kann mit vielen Kindern spielen und wird auch sehr gefordert, lernt viel und bekommt neue Sozialkontakte. Es erhält also sehr viel Input, welches du ihm zuhause gar nicht geben kannst, was aber für seine Entwicklung sehr wichtig ist.
Am Anfang wird es zwar noch viel krank sein, da es mit vielen Erregern in Kontakt kommt. Dann ist es aber mit zwei oder drei Jahren auch viel widerstandsfähiger und robuster.
Wichtig ist, dass du versuchst deine Ängste nicht auf dein Kind zu übertragen. Dann wird es auch für die Kleine leichter. Du kannst dich auch jederzeit an die Erzieher wenden, die dir deine Sorgen bestimmt nehmen können. Wir haben durchweg gute Erfahrungen gemacht.
 
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  • #5
@3 Hier geht es nicht um Ängste der Fragestellerin ihr Kind in eine Kindereinrichtung zu geben, es loszulassen, sondern ihr berechtigtes Bedürfnis, an der Entwicklung ihres Kindes teilhaben zu wollen. Ein ziemlich natürlicher Wunsch.

Eben dies kann man nicht, wenn man sein Kind Vollzeit fremdbetreuen läßt, selbst, wenn das Kind dort auch mit anderen spielen kann!

Von zu Hause arbeiten ist eine gute Idee, wenn Du, wie #2 schreibt, Dich gut selbst organisieren kannst und keine großen Anlaufzeiten brauchst.
Es gibt, wenn Großeltern nicht in der Nähe wohnen, gibt es viele ältere Menschen, die gerne für ein paar Stunden nach einem Kind schauen, Stichwort: Leihgroßeltern. Vielleicht ist so etwas in der Gegend, in der Du wohnst möglich?

Persönlich habe ich damit gute Erfahrungen gemacht und trotzdem an der Entwicklung meines Kindes aktiv teilnehmen können, eine Zeit, die ich nicht missen will!
 
  • #6
Liebe FS

Klar, geplant wars anders aber Du hast ja dennoch grosses Glück weil Du eine Kita hast plus eben diesen wirklich sehr kooperativen Arbeitgeber.

Und damit wirst Du Dein Kind sehr viel mehr sehen als 95% der traditionell versorgenden Väter. Angst brauchst Du also wirklich keine zu haben, es geht.

Aber eines muss Dir natürlich auch klar sein: Einfach wirds nicht.

- Hol Dir Hilfe! Eine Putzfee ist unumgänglich
- Auch der Vater muss im Rahmen dessen was möglich ist mitarbeiten (also WE´s, alles was Bank, Ämter etc. betrifft was man auch in einer anderen Stadt machen kann)
- Und ja- keine Perfektion im Haushalt! Kochen kann man auch flott, schmackhaft und gesund. Die aufwändigen 4-Gänge Menüs müssen eben ein paar Jahre warten.
- Alles muss so pflegeleicht als möglich gestaltet werden. Bügelfreies etc.
- Prios setzen: Das Kind, DU, die Partnerschaft, die Jobs... und dann erst der Rest.
 
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  • #7
Mein Tag damals sah konkret so aus:
5.00 Uhr aufstehen, Bad usw.
bis 6.30 Haushalt (Wäsche, Geschirrspüler usw.)
6.30 Uhr Kind wecken, anziehen usw., dann Frühstück
7.30 Uhr sind wir losgefahren, 8.30 Uhr war ich im Büro bis 16.30 Uhr.
Von 17.00 Uhr bis 19.00 Uhr war ich ausschließlich für mein Kind da, wobei er schon immer unheimlich gern mit einkaufen gegangen ist und das Kochen bzw. irgendwelche Küchenschnippelarbeiten auch zu unseren gemeinsamen Sachen gehörten. Da war auch noch Zeit für eine Gute-Nacht-Geschichte und bisschen Kuscheln.
Von ca. 20.00 Uhr bis 22.00 Uhr hab ich dann nochmal am Rechner gesessen, oft dienstlich, hab paar Kleinigkeiten erledigt, dann ins Bett. So ca. 2x pro Woche hab ich "Fernseh-Sport" gemacht, also zu DVD-Anleitung Pilates oder so.

Was weggefallen ist in dieser Zeit? Fernsehen. Lesen. Klavier spielen. Joggen und/oder Inlineskaten.
Letzteres hab ich dann später wieder mit Kind gemacht, als er Roller und dann Fahrrad fahren konnte.

Also, liebe Fragestellerin: Es geht, erfordert aber Disziplin. Aber es sind auch nur paar Jahre so richtig heftig. Sobald ihr es euch finanziell erlauben könnt, solltest du dir einen Babysitter gönnen, so dass du mal einen freien Abend hast.
 
  • #8
Wenn dein Mann in einer anderen Stadt eine Selbstständigkeit aufbaut, dann führt doch kein weg daran vorbei mit ihm dort hin zu ziehen. Da ihr dann wieder zu zweit seit, erledigen sich deine Probleme
 
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Gast

  • #9
Das schlechte Gewissen wird immer bleiben.
Du wirst das Gefühl nie los, Dein Kind zu vernachlässigen.
Du wirst diesen Spagat zwischen Familie und Beruf ständig erleben.
Aber:
Du wirst die wenige Zeit viel intensiver mit Deinem Kind verbringen.
Dein Kind wird viel selbständiger werden.
Die Hausfrauen und Teilzeitjober werden Dich wegen Deines Organisationstalentes beneiden.
DU WIRST GENÜGEND ZEIT FÜR DEIN KIND HABEN.
Mach Dir da mal keine Sorgen.
Alles wird gut.
w/45, 2 Kinder, 40-50-Stunden-Woche, aber keine 365 Tage (Urlaub, Wochenende, Feiertage)
 
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  • #10
Ich bin es nochmal, w/45
Ich schaue kein Fernsehen mehr, das verschafft mir enorm viel Zeit.
Tageszeitung dauert auch zu lange, Ausgehen nur 1x im Monat.
 
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  • #11
Man sollte spätestens nach einem Jahr wieder Vollzeit arbeiten gehen, dieses 50er-Jahre-Mutterbild in Westdeutschland ist echt schlimm und wird von vielen anderen Europäern total belächelt.
Und man weiß ja, wohin das "Zurückstecken der Kinder wegen" bei vielen Frauen führt: niedrige Gehälter, niedrige Rentenbeiträge, Altersarmut - falls die Ehe scheitert, was ja immer häufiger der Fall ist.
 
  • #12
@ 10
man sollte gar nichts! Wer sagt das? Wenn ich mir bei allem Gedanken darüber mache, ob irgendjemand über mich lächelt, bin ich im Dauerstress.
Bitte das Wohlergehen der Kinder in den Mittelpunkt setzen. Und da hat doch jede Frau, jeder Mann, jede Familie ihr eigenes Konzept. Je nach Möglichkeiten.

@ FS
Es ist machbar. Und es wird stressig. Und so richtig gut wird es sich selten anfühlen.
Ich finde wichtig, dass du dich möglichst nur noch um Arbeit und Kind kümmern musst. Gib alles andere in fremde Hände - wenn irgend möglich - oder eben vieles an deinen Mann am Wochenende ab. Neige nicht auch noch zu der Idee unter der Woche alles erledigen zu wollen, damit am Wochenende, wenn der Mann wieder da ist, alles schön ist. Teilen!
Und einmal im Monat hast du samstags einen reinen Wellnesstag :)
 
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Gast

  • #13
Hier die FS: Vielen lieben Dank für all die aufmunternden Antworten, die Mut machen. Es hilft zu sehen, wie viele das bereits geschafft haben.
An Susanne HH: Deine Antwort verstehe ich leider nicht. Wenn wir es uns leisten könnten, auf meinen Job zu verzichten bzw. wenn ich in der anderen Stadt einen Job gefunden hätte, dann wären wir schon selbst auf die Idee gekommen, dass ich mitziehe. Meinst Du nicht? Aber so ist es halt leider nicht.
 
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  • #14
Liebe FS,

trotzdem gebe ich SusanneHH in gewisser Sicht Recht.
Auf Dauer ist das kein Zustand.
Es wird schwer werden und ihr solltet immer das Ziel haben, als Familie zusammen zu leben.
Vielleicht ab und zu mal alles aus einem anderen Blickwinkel betrachten.
w/45
 
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  • #15
Man sollte spätestens nach einem Jahr wieder Vollzeit arbeiten gehen, dieses 50er-Jahre-Mutterbild in Westdeutschland ist echt schlimm und wird von vielen anderen Europäern total belächelt.
Kinder bauen ab 1 Jahr soziale Netze auf und das mit anderen Kindern und nicht mit den eigenen Eltern! Es ist ein deutlicher Unterschied zu merken zwischen Kindern, die in eine Kita gegangen sind und Kindern, die bis zum Schuleintritt an Mamis Rockzipfel hingen. Die Kita-Kinder sind eindeutig sozial verträglicher, während die Rockzipfel-Kinder sich häufig asozial verhalten.

Andere Europäer lachen also berechtigter Weise!
 
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  • #16
Also ich hab als Ärztin anfangs auch Vollzeit wieder gearbeitet, als der Kleine 14 Monate war.
Irgendwann hat es mir aber leid getan, dass er als der Kleinste immer am längsten in der Kita war.
Ich habe zur Kita dazu zusätzlich noch eine Babysitterin gehabt, die den Kleinen dann um 16 Uhr abholte und mit nach Hause nahm, mit ihm das Abendessen machte und ihn zur Ruhe kommen ließ.
Bei mehr als 40h die Woche musst du unbedingt noch eine Nanny, ein Au Pair oder ein bis zwei Babysitter haben - auch neben einer Oma, die ich leider nicht in der Stadt hatte.
Gibt es denn Tage, an denen dein Mann das Kind abholen kann?
Das Problem ist nicht, dass Euer Kind die Kita nicht verkraftet, den meisten Kindern tut die Kita sehr gut und sie lieben es, mit anderen Kindern zusammen zu sein.
Aber Du wirst eben selber leiden, dass Du Dein Kind so wenig siehst. Ist es denn möglich, nach 2-3 Monaten und wenn Dein Mann sich wieder etwas beruflich gefangen hat in Teilzeit zu gehen??
Wenn Du Home Office machen kannst, ist das zwar gut, aber gemacht werden muss es neben Wäsche und Haushalt ja auch. Also braucht ihr auch jemanden, der putzt und die Wäsche macht.
Zu schaffen ist es, aber Du musst es gut organisieren, weil du dich sonst nur noch mit Deinem Mann streitest.
Mehr als 40h schaffst du nur mit Hilfe der Kita nicht! Und ein einjähriges Kind verkraftet auch keine 10-Stundentage in der Krippe. Das ist zu lang - 6-8h maximal. Deshalb zusätzlich ne Nanny.
Es muss hier nicht wieder die Krippe oder Vollzeitmama-Diskussion aufgebracht werden. Ich finde Krippen für Kinder toll, aber nicht tagtäglich 8-10 Stunden. Das geht einfach nicht und auch in anderen Ländern haben die Kinder zusätzlich ein Kindermädchen.

w,40 - 2 Kinder
 
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  • #17
Zu allem Übel kommt, wenn Job und Kind soviel verlangen, geht die Partnerschaft ganz bestimmt kaputt! Pass auf! Pflegt sie gut, d.h. regelmäßig Qualitätszeit für den Partner!, sonst wird es nur schlimmer!
 
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Gast

  • #18
Ich habe eine Tochter. Ich habe 8 Wochen nach der Entbindung wieder angefangen, Vollzeit zu arbeiten, da ich selbständig bin und das Geschäft das ich aufgebaut habe sonst nicht überlebt hätte und wir unser zu Hause verloren hätten, das an das Geschäft gebunden ist. Ich arbeite normalerweise zwischen 45 und 55 Stunden/Woche, je nach Bedarf. Um kundenorientiert zu sein, muss ich natürlich auch abends bis 22 Uhr und am Wochenende arbeiten, aber das schafft freie Zeit während der Woche, in der ich meine Tochter sehen kann und Hausarbeit erledigen kann. Ich hole sie immer um 17.30 ab und gehe erst wieder um 19.20 aus dem Haus, und ich habe Zeit, morgens mit ihr zu frühstücken und sie in die Kita zu bringen. Als meine Tochter klein war, hat mein Mann auch in einer anderen Stadt gearbeitet und dort gewohnt, aber zum Glueck hat er nach einen halben Jahr einen Job in einer Nachbarstadt gefunden. Er sieht die Kleine am Morgen nicht, weil er um 6.30 aus dem Haus muss, aber er versucht um 19:30 zu Hause zu sein wenn ich weg muss, und bringt die Kleine dann ins Bett. Aber mehr als 40 Stunden geht mit Kita alleine meiner Erfahrung nach aber nicht - vor allem da kleine Kinder ja auch mal krank werden. Wir hatten führ das erste Jahr ein Kindermädchen, und danach Kita plus Au Pair und Putzfrau. Das erste Jahr war sehr schwer, vor allem weil auch noch die schlaflosen Nächte dazukommen und man keine Zeit führ einen Mittagsschlaf hat, aber jetzt habe wir uns eingependelt und wir sind wirklich sehr glücklich! Was hilft, wenn beide Partner 40-60 Stunden/Woche arbeiten, ist sich die Arbeitszeit über 7 Tage/Woche und 24 Stunden aufzuteilen (es hilft, selbständig oder in einer sehr hohen Führungsposition zu sein, so dass man nicht von seinem Boss abhängig ist), so dass das Kind wenigstens 4 bis 5 Stunden am Tag die volle Aufmerksamkeit von beiden Elternteilen bekommt - und natürlich eine liebe Kinderfrau oder wenigstens eine sehr engagierte Oma oder Opa.
 
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Gast

  • #19
Uns geht es ähnlich, mein Mann und ich arbeiten beide Vollzeit und wir haben eine kleine Tochter (2 Jahre alt). Ich habe nach 1 Jahr wieder angefangen zu arbeiten, auch aus finanziellen Gründen und wir haben uns ein Au Pair geholt. Ich wollte lieber ein neues Familienmitglied integrieren als einfach nur eine Tagesmutter, zumal ich selbst als Au Pair gearbeitet habe und das gerne auch einem jungen Menschen ermöglichen wollten. Wenn man nicht über eine Agentur sucht, ist das Ganze auch nicht so teuer, es gibt einige zuverlässige Online-Portale, wo man sehr gute Aupairs finden kann. Unsere kommt aus Frankreich und ist einfach super (auch wenn sie manchmal recht merkwürdige Sachen kocht). Die Kleine kommt sehr gut mit ihr klar und sie nimmt mir auch einiges im Haushalt ab. Geldmässig ist es fast genau so teuer wie eine Tagesmutter (400 Euro im Monat). Kann dir das definitiv empfehlen. Wenn du nicht eine Agentur beauftragen willst, sind die Online-Portale von aupairworld ganz gut und wir haben unsere bei aupair-village gefunden. Mein Tipp, mach dich nicht verrückt, dass du nicht den ganzen Tag über beim Kind bist, glaub mir, es tut der Kleinen wirklich gut, auch jemand anderes um sich zu haben und am Abend haben wir dann auch wirklich ENTSPANNT ein paar Stunden zusammen.
 
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Gast

  • #20
Kinder bauen ab 1 Jahr soziale Netze auf und das mit anderen Kindern und nicht mit den eigenen Eltern! Es ist ein deutlicher Unterschied zu merken zwischen Kindern, die in eine Kita gegangen sind und Kindern, die bis zum Schuleintritt an Mamis Rockzipfel hingen. Die Kita-Kinder sind eindeutig sozial verträglicher, während die Rockzipfel-Kinder sich häufig asozial verhalten.

Andere Europäer lachen also berechtigter Weise!

Es ist aber ein Unterschied, ob das Kind so 5-6 Stunden pro TAg eine Kita besucht oder 10 Stunden pro Tag (und so ist das bei Vollzeit) fremdbetreut wird. Das ist für ein 1jähriges Kind einfach zu viel.
Wer war denn von Euch schon mal 8 Stunden in einer Kita? Ich bin ja nach 10min schon k.o. - der Lärmpegel, das Neonlicht... und dabei haben wir noch eine sehr sehr schöne und professionelle Kita.
dann müssen die Mäuse bei Wind und Wetter raus, auch wenn es Minusgrade hat, meine Kinder sind immer krank geworden.
Und glaub mal nicht, dass die Eltern in Frankreich glücklich sind über die zustände, ihr Kind jeden Tag für so lange Zeit abgeben zu müssen.
Kita ja, aber Vollzeit schadet den Kindern auf dauer einfach. Auch größere Kinder in Schule und Gymnasium brauchen noch Eltern, die auch mal mittags da sind, die nach ihnen schauen, sich um sie kümmern. Nannys bespaßen die Kinder zwar, aber Erziehung findet da kaum statt, schon gar keine individuelle.
Meine Kinder gehen auch in eine Ganztagsschule, aber ich finde es wichtig, dass sie 1-2 Tage die Woche früh nach Hause kommen können, dass sie sich mal verabreden können mit Freunden außerhalb der lauten Schule.
Und 1-2jährige sind sicherlich NICHT gerne bis 17 oder 18 Uhr in einer Kita von morgens 7 oder 8 ab!
Vielleicht von 9-15/16Uhr mag einigermaßen verträglich sein, aber auch das ist viel verlangt für so einen kleinen Zwerg.
Ich bin keine Verfechterin von Müttern zuhause und auch nicht davon, dass das Kind nur bei der Mutter sei soll, nein - soziale Kontakte SIND gut, aber alles mit Maß und Ziel!
Vollzeit finde ich traurig für die Kinder. Ich habs selber probiert und festgestellt, dass es meinen Kindern NICHT guttut.
Mag sein, dass es mit einem Au Pair geht, aber dazu haben wir leider nicht die Räumlichkeiten, aber mit Kita plus Babysitter geht es nicht! Zumindest nicht gut!

w,40
 
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Gast

  • #21
Liebe FS,
Das wird nicht einfach, ist aber machbar. Ich bin Vollzeit zurück in den Job, als meine Kleine 1 Jahr alt war. In der Krippe blieb sie im ersten Jahr nicht länger als 6 h. Ich habe den Nachmittag über Blackberry abgedeckt und abends den Rechner wieder hochgefahren. Das setzt zumindest Erleichterungen in Form von Haushaltshilfe etc voraus. Ohne externe Hilfe im Notfall bist Du aufgeschmissen. Gerade im ersten Krippenjahr sind die Kinder viel krank, zahnen etc.
Wichtig war mir immer, vor allem als meine Tochter älter wurde, dass ich sie nicht spüren ließ, dass ich abends wieder gearbeitet habe - ich wollte nicht, dass sie später einmal sagt, "meine Mutter musste immer nur arbeiten". Ich habe immer erklärt, dass auch eine Mama abends mal "Mamazeit" für sich braucht.
Das Privatleben ist sicher auf der Strecke geblieben in den ersten Jahren, aber für mehr als Kind und Job war einfach keine Zeit. Heute ist sie 5, ein glückliches und fröhliches Kind, und auch für mich ist es wichtig, meinen Beruf und (ja) auch meine Karriere nicht aufgegeben zu haben.
Alles Gute!
W39
 
G

Gast

  • #22
Ganz ehrlich: Wenn Du das ganze Geld zusammenzählst, was Du für Putzfee, Auto und Kindermädchen und Krippe benötigst, kannst Du auch gleich Teilzeit arbeiten, Dein Kind hat etwas von seiner Mutter und Du wirst die ersten Schrittchen erleben, die Dein Baby macht.

Es ist nicht machbar, ich sehe es täglich bei Kolleginnen, die sich selbst bei Vollzeit mit kleinen Kindern an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen und an Überlastung zusammenklappen. Wenn die Elternzeit vorbei ist, wirst Du mindestens 1000 Euro für Betreuung und Putzen, Auto und Benzin ausgeben. Dein Kind wächst derweil heran und diese Zeit kommt nie wieder, das gibt Dir kein Job zurück. Das Rad der Zeit wird sich so schnell drehen, dass Du selbst kaum mitbekommst, wie Dein Kind sich verändert und wächst. Meine Freundin hat auch so schnell wieder Vollzeit gearbeitet, und kommt heute damit nicht klar, dass das Mädchen inzwischen 21 Jahre alt ist und ihre eigenen Wege geht, die Zeit ist wie im Flug vergangen, und meine Freundin bereut heute bitterlich ihren Vollzeitjob - und dass sie nicht kürzer getreten ist, nach Abzug aller Betreuungskosten hätte sie sich locker eine Teilzeitstelle leisten können. Der Zug ist jetzt abgefahren, das Mädchen ist groß und irgendwie "so nebenbei groß geworden" - entsprechend ist das Verhältnis, es ist entfremdet - worunter meine Freundin heute sehr leidet. Überlege Dir das gut...
 
G

Gast

  • #23
zu Gast #8:
Mein Tag damals sah konkret so aus:
5.00 Uhr aufstehen, Bad usw.
bis 6.30 Haushalt (Wäsche, Geschirrspüler usw.)
6.30 Uhr Kind wecken, anziehen usw., dann Frühstück
7.30 Uhr sind wir losgefahren, 8.30 Uhr war ich im Büro bis 16.30 Uhr.
(...)
Von ca. 20.00 Uhr bis 22.00 Uhr hab ich dann nochmal am Rechner gesessen, oft dienstlich, hab paar Kleinigkeiten erledigt, dann ins Bett. (...)

Also, liebe Fragestellerin: Es geht, erfordert aber Disziplin. (...)
Lieber Gast Nr. 8:
Ich glaube dir, das es bei dir so funktioniert hat. Du kannst sehr dankbar sein, dass du so eine gute Kondition hast und ich freue mich für dich. Es gibt da eine große Bandbreite und man muss sich selbst gut beobachten, was man sich zumuten kann. Ich selbst musste, wenn ich um 5 aufgestanden bin, um 20 Uhr zu Bett gehen. Das war für mich mit Kleinkind das absolute Maximum an Wachzeit.

Letztlich, liebe Fragestellerin, gibt es 2 Stellschrauben:
1. die äußere Infrastruktur
2. die innere Infrastruktur (was kann ich leisten [wieviel Schlaf brauche ich etc.], was kann ich ertragen [welche Ansprüche habe ich an eine Betreuung etc.].
Das weiß man oft vorher nicht. Will heißen: plane vorher, was du planen möchtest, ändere hinterher, was du ändern musst. Viel Glück und alles Gute!
 
G

Gast

  • #24
Ich bin auch nicht der Verfechter der "Nur-Hausfrau" und das vielleicht noch bis die Kinder 18 sind.
Aber bei dem, was hier einige Frauen schreiben, stellen sich mir die Nackenhaare auf.

Unsere Zeit wird immer kurzlebiger, stressiger, geplanter und hektischer. Und Kinder lernen das nun schon vom ersten Lebensjahr an.
Wenn ich lese, dass die Mütter ihre Kinder mit 1 Jahre von 7:30 bis 16:30 in die Kita bringen, dann (selbst völlig abgespannt) werden sie abgeholt und haben grad mal 2 oder 3 Stunden Zeit mit Papa und Mama, die doch eigentlich die wichtigsten Bezugspersonen sein sollten. Aber da wird dann nicht gespielt, gelacht und gekuschelt, da muss ja noch eingekauft und gekocht werden (oder gibts dann Dosenfutter).
Die Eltern haben ebenfalls kaum noch Zeit. Alles muss durchgeplant werden und alles ist straff organisiert.
Aus meiner Kindheit erinnere ich mich aber noch an andere Dinge, schöne Zeiten, als ich mal als Kind Langeweile haben durfte. Im Gartenteich den Fröschen zuschauen oder Löcher im Boden buddeln. Wir hatten noch Muse und das ist der Nährboden für Kreativität.
Als Mutter war ich dann 1 Jahr zuhause, dann habe ich TZ gearbeitet, weil meine Schwiegermutter in der Nähe gewohnt hat und das Kind am Vormittag betreut hat. Mit 3 ist er dann in den Kinderganten gekommen und ich habe ihn nach der Arbeit um 13 Uhr abgeholt. Wir haben viel zusammen unternommen und sowohl mein Kind als auch ich hatten freie Zeit, die wir sehr spontan und sehr flexibel genutzt haben.
Mir wird Angst, wenn ich sehe, wie Kinder heute großgezogen werden. Ich möchte das nicht für meine Enkelkinder und mein Sohn sieht das heute als erwachsener Mann auch so.

Wenn man unbedingt Vollzeit arbeiten möchte, dann sollte man sich überlegen, wie man das für das Kind möglichst stressfrei machen kann. Wenn keine Oma da ist, dann vielleicht eine Kinderfrau, die ins Haus kommt. Eine Familie, in der beide Partner Vollzeit arbeiten, wird sich das doch leisten können und eine Putzhilfe wird man ja sowieso brauchen. Dann doch lieber für ein paar Euro mehr eine Hauswirtschafterin oder Kinderfrau.
 
G

Gast

  • #25
Ich kann nur nochmal betonen, dass es definitiv recht straffer Organisation benötigt, um Qualitätszeit mit den Kindern verbringen zu können.
Wie gesagt, wir haben ein Au Pair. Für mich ist das deswegen so hilfreich, weil ich weiss, mein Kind ist nicht irgendwo fremdbetreut, sondern in der gewohnten Umgebung zu Hause mit einer Bezugsperson, einem anderen Familienmitglied. Sie nimmt mir auch z.B. das Kochen am Mittag ab, sodass wir abends und auch morgens schon einige Stunden Zeit mit unserer Kleinen verbringen können und dann natürlich am WE. Ich muss dazu sagen, dass es in meinem Beruf keine Option gibt halbtags zu arbeiten bzw. ist man dann ganz schnell weg vom Fenster und so komm ich aber auch nicht gestresst nach Hause, sondern eben in dem Wissen, dass die Kurze gut betreut ist. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir sie vernachlässigen bzw. ihre Entwicklung an uns vorbei geht. Aber vielleicht muss man dafür auch der Typ sein ... für uns funktioniert es so jedenfalls ganz gut.
 
  • #26
Wenn ich lese, dass die Mütter ihre Kinder mit 1 Jahre von 7:30 bis 16:30 in die Kita bringen, dann (selbst völlig abgespannt) werden sie abgeholt und haben grad mal 2 oder 3 Stunden Zeit mit Papa und Mama, die doch eigentlich die wichtigsten Bezugspersonen sein sollten. Aber da wird dann nicht gespielt, gelacht und gekuschelt, da muss ja noch eingekauft und gekocht werden
Hmmm, Also ich hatte eine Vollzeit-Mutter. Mit etlichen Geschwistern. Länger als 2-3 Stunden am Tag hab ich meine Eltern auch nicht gesehen. Und wollte es auch nicht. Hausaufgaben macht man besser selbst (sonst lernt man nix), spielen macht mit den Geschwistern und gleichaltrigen Freunden auch mehr Spass. Ich finde es eher Grenzwertig wenn Mamma oder Papa ständig über einem kreisen. Ätzend solche Helikoptereltern. Wie soll das Kind eigene Erfahrungen machen?

Ich kenne das so, Heimkommen vom Kindergarten, später Schule, was Essen, Hausaufgaben (wenn unvermeidbar) und dann raus zum bolzen. Vor 18h war ICH nie zuhause. Wär mir nicht weiter aufgefallen wenn Sie bis 16h gearbeitet hätte.

Glaubt denn wirklich irgend jemand dass es längere Phasen der Menschheit gegeben hat in denen Eltern 2-3h am Tag mit den Kindern gekuschelt haben?

Der Rest ist eben eine Frage der Organisation! Einkaufen muss man nicht jeden Tag und auch nicht Abends (geht auch auf dem Weg von/zur Arbeit, Wochenende etc.) und kochen geht wunderbar als Gemeinschaftsaufgabe.
 
G

Gast

  • #27
Liebe FS,

als Mutter eines Kleinkindes Vollzeit zu arbeiten ist ganz schwer zu verkraften. Dazu kommt, dass dein Mann während der Woche nicht da ist.

Ich empfehle, das Leben anders zu organisieren.

- Umzug in die Heimatstadt des Mannes
- dort Halbtagsstelle suchen
- wenn das Kind älter ist und die wichtigsten Kinderkrankheiten hinter sich hat, evtl. auf 3/4 Stelle gehen.

Das hat viele Vorteile.
- Die Familie bleibt zusammen.
Dadurch hat der Vater mehr von seinem Kind und er kann die Mutter besser unterstützen.

- In der Heimatstadt des Mannes sind vielleicht Familienmitglieder oder Freunde, die das Kind ab und zu mit betreuen können.
"Für die Erziehung eines Kindes braucht man ein ganzes Dorf". Das habe ich irgendwo mal gelesen und fand ich völlig richtig.

- Die Chance ein Liebespaar zu bleiben ist so wesentlich größer. Die Kleinkindphase ist sowieso eine schwierige Zeit - das als Liebespaar zu verkraften ist nicht einfach. Bereicherung durch das Kind hin oder her - es ist doch wichtig, dass genug Zeit als Paar bleibt.

- Das Leben sollte nicht nur aus Arbeit, Kind, Haushalt, Ehepartner bestehen.
Es sind auch eigene Freunde und Hobbys notwendig. Das ist bei dieser Variante möglich für Vater und die Mutter.

- Finanziell rechnet sich ein Vollzeitjob nicht, wenn davon zwei Haushalte, zwei Autos und Putzfrau, Kinderfrau etc. bezahlt werden muss.
Bei dieser Variante bleibt sicherlich zum Schluss genauso viel zum Leben übrig wie mit Vollzeitjob, Trennung der Familie und Hilfskräften.

Für die Übergangszeit kannst Du Arbeitslosengeld beantragen. Wenn Du vorher gut verdient hast, kann damit der Umzug und die Stellensuche finanziert werden.

Ich spreche aus Erfahrung. Da ich nur Halbtags gearbeitet habe, wurde meine Tochter nur 4 Std. täglich von einer Kinderfrau betreut. Das hat sie gut verkraftet. Und am Nachmittag hatte ich Zeit und Ruhe für mein Töchterchen und Haushalt, dazu noch Zeit für soziale Kontakte und Hobby. Wir haben uns finanziell etwas eingeschränkt. Das hat uns nichts ausgemacht.
Die Zeit mit meiner Tochter war wunderschön. Sie ist jetzt 17 Jahre alt und wir haben ein sehr inniges Verhältnis zueinander. Es hat sich gelohnt.

Beruflich: ein paar Projekte habe ich weniger bearbeitet. Das fehlt mich nicht!

Vielleicht könntest Du die Situation zusammen mit DEinem Mann nmochmal neu überdenken. Viel Glück!
 
G

Gast

  • #28
Liebe FS,

nach der Geburt wolltest Du ursprünglich 3 Jahre zuhause bleiben. So war es mit Deinem Mann abgesprochen.
Nun hat sich die Situation verändert: Dein Mann ist arbeitslos, Du aber könntest nach der Elternzeit wieder voll in den Beruf einsteigen.

Warum will dann ausgerechnet jetzt Dein Mann in einer anderen Stadt eine Selbständigkeit aufbauen? Dich allein mir Vollzeit-Stelle und Kleinstkind lassen. Das ist nicht zu schaffen.

Es bietet sich an, dass Dein Mann zuhause bleibt. Er könnte ja schon langsam die Fühler ausstrecken und sich dann selbständig machen, wenn die Kleine in den Kindergarten kommt. Dann könnte er halbtags selbständig sein. Wahrscheinlich ist es mit einer längeren Anlaufzeit auch möglich, die Selbständigkeit dort zu starten, wo Ihr jetzt lebt.

Meine Erfahrung ist und das wird hier auch öfters beschrieben:
Sobald ein Kind da ist, ist eine Vollzeit-Tätigkeit von beiden Partnern nicht mehr zu schaffen. Am besten ist es, wenn beide reduzieren. Mindestens einer sollte aber Ruhe und Zeit und Energie für das Kind und Haushalt haben.
Es geht ja nicht nur um das Kind. Wenn jemand voll arbeitet, braucht auch er/sie Unterstützung! Wenn beide Partner gestresst sind, ist diese eigentlich wunderschöne Zeit mit Kind eine zu große Belastung und man bekommt sein Kind kaum mit. Diese nicht genutzte Zeit mit dem Kind ist unwiederbringlich. Viele meiner Freundinnen haben diese Jahre nur im Stress erlebt und nicht genossen.

Euch beiden wünsche ich viel Glück und bleibt zusammen an einem Ort!
 
G

Gast

  • #29
Liebe FS ,
Ich würde mir nicht zu viele Sorgen machen. Natürlich wirst Du am Leben deines Kindes teilhaben.
Ich finde heutzutage wird soviel mit Angstbildern operiert, was gut oder schlecht ist für die Entwicklung eines Kindes. Weder Wissenschaften noch Studien sind unfehlbar, im Gegenteil sie unterliegen ebenso einem Trend. Ich kenne Frankreich und viele französische Mütter und die geben ihre Kinder auch nicht ohne ein weinendes Auge im die Kita, wenn es denn nicht anders geht, bzw. Bleiben zuhause, wenn es geht. Diese Mär von den ganz anderen Müttern im Rest Europas ist nämlich genauso ein Trend und oft der schlechteren wirtschaftlichen Lage geschuldet. Man sollte das ganze vielleicht mal wieder entideologisieren: aus Kindersicht ist es sicher am schönsten Mama ist zuhause, aber wenn es nicht geht, nehmen Kinder auch keinen Schaden und Teil am Leben des Kindes hat man immer , so man es denn will. Das wichtigste, was man machen muss, ist, Kindern seine Liebe zu zeigen und ihnen die Sachzwänge zu erklären und eine positive Lebenseinstellung zu vermitteln. Der Rest ergibt sich dann von selbst. Es ist so ein Quatsch irgendeine spätere Fähigkeit mit gezielter Förderung eines Einjährigen zu verbinden. Weder steht der Englischunterricht mit 18 Monaten für beruflichen Erfolg, noch die Kita mit einem Jahr für soziale Kompetenz, weder ist das Vollzeitmutterkind zwangsläufig unselbständig(er), noch das Früh fremd betreute Kind zwangsläufig verhaltensauffällig. Weniger Ideologie, dafür Gefühl und Sachverstand täten der Thematik gut.
 
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Gast

  • #30
Allein mit 40 h finde ich happig. Ich habe 2 Tage die Woche einen Mann, der Kind total übernimmt (Aufstehen, Kita, Abholen, Spielplatz, Essenkochen). Die restlichen Tage bin ich allein mit Kind und komme da nie auf meine 8 Arbeitsstunden, es sei denn, ich setze mich abends noch mal hin.

Ansonsten: Es geht. Prioritäten setzen. Arbeit und Kind. Haushalt kann nebenbei gemacht werden, auch mit Kind. Einkaufen und Erledigungen möglichst gesammelt am Stück einmal die Woche, sonst verliert man damit zu viel Zeit.

Und natürlich bekommt man auch bei einer 40 h-Woche noch viel vom Kind mit und ist die Hauptbezugsperson. Was fehlt ist Zeit für sich selbst.

P.S.: Wir haben noch eine Großmutter, die bei Abendterminen und Krankheit eine große Stütze ist! Wenn so etwas fehlt und das Kind häufiger krank ist, würde ich unbedingt eine stabile Bezugsperson aufbauen, bei der das Kind in solchen Fällen bleiben kann.