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Gast

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  • #1

Angst vor dem Zusammenziehen

Hallo!

Ich bin 28, alleinerziehend, selbstständig. Und bereits seit mehreren Jahren glücklich in einer Fernbeziehung (über 500km). Mein Partner (ebenfalls 28) hat sich allerdings schon länger wieder mehr räumliche Nähe gewünscht und so haben wir uns schließlich entschieden, die Entfernung zwischen uns zu verkürzen (auch, weil er eigentlich aus dem Nachbarlandkreis kommt und so auch näher an seiner Familie und seinen Freunden ist - ich bin also nicht der einzige Grund). Eigentlich hatten wir nur so unverbindlich darüber gesprochen, aber kurz darauf hatte er ein Stellenangebot und schwupp-di-wupp die Zusage und jetzt - nur zwei Monate nach der Idee - packen wir bereits Umzugskartons. Zwei getrennte Wohnungen wären wirtschaftlich und praktisch gesehen Blödsinn, außerdem muss ich ohnehin demnächst Wohnung wechseln (Eigenbedarf des Vermieters) - also ziehen wir zusammen.

Sollte eigentlich alles gar kein Problem sein, zwischen uns läuft es gut, wir sind glücklich, mit meinem Sohn versteht er sich auch super. Und trotzdem steigt bei mir die Panik hoch. Ich habe auch schon mit ihm darüber gesprochen, aber er meint nur, ich soll mich nicht verrückt machen, alles wird gut gehen. Trotzdem... Davor hatte ich eine sehr schlimme Beziehung, die von massiver Gewalt geprägt war und auch wenn ich weiß, dass er mich nie schlagen würde, schnürt sich mir der Hals zu bei der Vorstellung, wieder einem Mann "ausgeliefert" zu sein. Ich weiß, dass es irrational ist und bin auch bereits seit längerem in therapeutischer Behandlung wegen des erlittenen Traumas durch den gewalttätigen Ex. Trotzdem bleibt die Angst. Was, wenn alles schiefgeht? Was, wenn unsere Beziehung nur auf die Ferne glücklich sein kann? Was, wenn der Grund, warum die letzte Beziehung so brutal ausgeartet ist, doch meine Schuld war? Es gibt keinerlei greifbare Anhaltspunkte für meine Ängste und doch hört das Rad in meinem Kopf nicht auf sich zu drehen. Tatsächlich glaube ich, dass er Recht hat und das mit uns beiden gut läuft, schließlich sind wir uns in Bezug auf Zukunftsgestaltung, Einrichtung, Kindererziehung, Freizeitgestaltung, Umgang mit Geld und eigentlich allen anderen fürs Zusammenleben wichtigen Dingen einig. Und trotzdem bohrt die Angst.

Wie kriege ich die Angst in den Griff, bis wir den Umzug über die Bühne gebracht haben?
 
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Gast

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  • #2
FS, indem Du Dir sagst, Du hast so eine schlimme Situation bereits einmal durchgestanden und bist gut herauskommen - also gelingt Dir das auch ein zweites Mal. Beim nächsten Mal würdest Du mit der Trennung nicht so lange warten, stimmts? Also genieße es, dass Du nun die Möglichkeit hast mit einem netten Mann zu leben. Und krieg nicht immer gleich Panik wenn es mal einen Streit gibt, auch das ist normal und wird beim Zusammenleben nicht ausbleiben. Aber Du weißt, dass Du auf alles eine souveräne Antwort hast. Frau, 49
 
  • #3
Mach Dir zwei Dinge klar:
1. Du hast hier eine wunderbare Chance, eine glückliche Partnerschaft zu leben.
2. Falls es schiefgeht, dann weißt Du, wie man aus einer solchen Situation wieder herauskommt, Du wirst gehen. Du bist ihm eben nicht ausgeliefert.
Das ist die Antwort auf Deine Fragen "was, wenn".
 
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  • #4
Ich kann Dich beruhigen ... deine Panik ist nicht ungewöhnlich - Du bist nicht die Einzige ... meine Partnerin ist vor vier Tagen zu mir gezogen und hat das gleiche Verhalten und bedenken wie Du !

Es gibt keinen Grund dafür ausser die Zeit wird es bringen ob es hält und wie es hält dies muß sich einfach entwickeln und jeder muß seine Eigenheiten mit dem des anderen abgleichen und dann wird es irgendwann eine Einheit !

Hab Mut und Vertrauen und vor allem Geduld mit Dir aber auch Geduld mit Deinem Partner ... sprecht über die Ängste , wenn Sie hochkommen und redet darüber damit er Dich verstehen kann und auch den Beweis erhält , dass es nicht an ihm liegt sondern an der Vergangenheit ...

m-46
 
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  • #5
Da sieht man mal wieder die seelischen Auswirkungen von häuslicher Gewalt! Was du durchmachen musstest, tut mir sehr Leid. Deine Ängste finde ich nach so einer traumatischen Erfahrung durchaus nachvollziehbar. Sie sind wahrscheinlich Teil deiner posttraumatischen Belastungsstörung. Gut, dass du in Behandlung bist und auch offen mit deinem Partner darüber reden kannst.

Für mich hört es sich nicht so an, als ginge eine reale Gefahr von ihm aus. Aber das hast du ja von deinem Ex-Partner sicher auch nicht angenommen, und trotzdem ist es passiert. Daher finde ich die gedanklichen "Rettungsanker", die dir meine Vorrednerinnen mitgaben, wirklich sehr wertvoll. Du musst dir einfach selbst sagen, dass du dir so etwas NIE WIEDER gefallen lässt, auch nicht die geringsten Anflüge von Gewalt dir gegenüber. Sag deinem Partner, dass er dich im Streit niemals anschreien soll und erst recht jegliche Form verbaler oder körperlicher Drohgebärde unterlassen soll. Ihm muss klar sein, dass er es mit einer schwer traumatisierten Frau zu tun hat, deren Vertrauen nach wie vor auf wackligen Füßen steht.

Bei den meisten Opfern häuslicher Gewalt sind sie selbst ihr größter Feind. Sie kehren zu schlagenden, missbrauchenden und sie erniedrigenden Partnern immer wieder zurück und setzen sich so erneut der Gefahr aus, ernsthaft verletzt zu werden. Diesen inneren Feind musst du besiegen. Wenn du das geschafft hast, brauchst du keine Angst mehr zu haben. Dann würdest du im Notfall immer wieder einen Weg nach draußen finden. Glaub mir!
 
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