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Nordlicht444

Gast
  • #1

Anvertrautes weiter erzählen

Liebe Foristen,

das ist jetzt eine allgemeine Frage, aber falls jemand Lust hat sich zu äußern, fände ich es schön. Jeder hat schonmal die Erfahrung gemacht, dass er über etwas mit Person A redet, was Person B ihm vorher mitgeteilt hat.
Wie entscheidet ihr, wo die Grenzen liegen bei den Inhalten, die ihr weitergebt? Ich denke, die meisten Menschen, die "tratschen" merken es überhaupt nicht und reden es sich schön.
Viele Dinge bespricht man unter 4 Augen und erwartet, dass der andere sie nicht weitergibt, auch wenn man nicht explizit sagt, dass es sich um ein Geheimnis handelt.
Zum Partner bzw. zur Partnerin hat man ja oft ein sehr vertrauensvolles Verhältnis. Wenn ihr von einem Freund bzw. einer Freundin etwas erfahrt: Gebt ihr es dem Partner/der Partnerin weiter, weil ihr euch ja "alles sagen könnt"? Oder achtet ihr auch darauf, dass der Freund mitunter nicht wollen würde, dass auch euer Partner es erfährt?
Frohe Weihnachten! w, 35
 
  • #2
Ich achte darauf. Ich mag Tratschen gar nicht. Bei mir in der Firma gibt es eine männliche Tratschtante. Alles was ich je erzählt habe wussten am gleichen, allerspätestens am nächsten Tag schon ein paar weitere Leute. Er macht sich dadurch wichtig.

In einer Beziehung achte ich auch darauf. Meiner besten Freundin, die kenne ich seit bald 10 Jahren, erzähle ich sehr sehr viel. Auch Details. Aber sie ist die einzige Person. Ansonsten erzähle ich sowieso nur wenig weiter und natürlich würde ich auch ihr, der Freundin, etwas von meinem Freund verschweigen, wenn er dies denn wirklich so will.
 
  • #3
Wenn mir jemand im Vertrauen etwas erzählt, erzähl ich das niemand weiter, egal was passiert.
Ich hab auch ein paar Geheimnisse für mich behalten in auseinandergegangenen Freundschaften, die ich eigentlich mal gerne weitererzählt hätte, nur um die Person mal bei seinem Umfeld ins Rechte zu rücken.
Kleine Geheimnisse erzähl ich meiner Freundin aber schon.
 
  • #4
Es kommt darauf an, ob es Geheimnisse sind, die man nicht weitergeben soll oder ob man grundsätzlich nichts weiter erzählen soll, was man gehört hat. Bzw. oft denken manche nicht daran, dass es im Vertrauen gesagt wurd.

Die Mutter meines Freundes erzählt grundsätzlich sehr viel. Ich weiß recht intime Sachen über Freunde meines Freundes, die ich von der Mutter meines Freundes erfahren habe. Sie hat sie wiederum von den Müttern dieser Freunde gehört. Auch erzählt sie über uns weiter, zum Teil Unwahrheiten, so dass andere Menschen ein schlechtes Bild von mir haben. IRRSINN!
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #5
Hm.. Es kommt immer auf das erzähltes an, es gibt bei mir keine Richtlinie.. allgemeine Infos wie neuer Job, Umzug, man ist jetzt mit jemandem zusammen, da sehe ich kein Staatsgegeiheimnis daran. Erzählen tue ich grundsätzlich nicht, wer wem über die andere Person gesagt hat - da kotzen sich z. B. zwei Freundinen übereinander bei mir, die werden es nicht erfahren. Aber ich sage grundsätzlich dazu, was ich über jeweilige Situation denke.
Intime Details werden natürlich auch nicht weiter erzählt und auch wenn die Person mich explizit darum bietet, bestimmte Infos für sich zu behalten. Erzählen würde ich wahrscheinlich Infos, die für die jeweilige Person wichtig wären, z. B. Ihr Freund geht fremd oder ihre Freundin redet schlecht über sie etc.
 
  • #8
Das Schlimmste sind ja Menschen, die von sich behaupten und wohl auch selbst glauben, schweigen zu können wie ein Grab aber alles und jedes weitererzählen, weil sie sonst nichts zu reden haben.

Selbst wenn man sagt, dass es nicht interessiert und ich es nicht hören will, hören sie nicht auf zu reden.

Von daher sollte man sich genau überlegen was man anderen erzählt oder besser lässt.
 
  • #10
Wenn ein guter Freund mir im Vertrauen was sagt dann würde ich den Teufel tun das jemand anderem weiter zu geben. Da sage ich auch meiner Frau nicht weiter. Genauso wenig würde ich erwarten mir zu sagen, was sie mit ihren Freundinnen spricht. Wenn ich mit meine Frau spreche geht das genauso wenig andere was an. Man muss meiner Meinung nach auch nicht sagen, dass es nicht weiter geben werden soll. Das sagt doch schon der gesunde Menschenverstand.
 
  • #13
Ein bekanntes Phänomen. Man möchte es loswerden kommunizieren, dafür sind komplett fremde Menschen ideal. Man wird sie nie wieder sehen, alles bleibt anonym. Völlig verständlich.
Trotzdem würde ich demjenigen nie mehr was anvertrauen. Sorry @HollyGolightly. Selbst wenn es komplett fremde Menschen sind würde ich es nicht machen. Mir bedeutet Freundschaft sehr viel. Dazu gehört auch, dass man sich aufeinander verlassen kann und nicht alles weiter getrascht wird.
 
  • #14
Trotzdem würde ich demjenigen nie mehr was anvertrauen. Sorry @HollyGolightly. Selbst wenn es komplett fremde Menschen sind würde ich es nicht machen. Mir bedeutet Freundschaft sehr viel. Dazu gehört auch, dass man sich aufeinander verlassen kann und nicht alles weiter getrascht wird.
Das schöne daran ist, dass du das niemals erfahren wirst. Das ist ja der Sinn dahinter. Jedem ist genüge getan. Manches möchte raus.
 
  • #16
Ein bekanntes Phänomen. Man möchte es loswerden kommunizieren, dafür sind komplett fremde Menschen ideal. Man wird sie nie wieder sehen, alles bleibt anonym. Völlig verständlich.
Ich wollte gerade schreiben, genau dafür war früher die Beichte ideal: Dinge anonym loswerden, sich aussprechen und davon befreien. Aber dem Priester in der Kirche erzählt man wohl eher keine banalen Klatschgeschichten.

Mein profaner Standard-Tipp für all diese Bedürfnisse ist und bleibt Tagebuchschreiben.
w27
 
  • #18
Ich kann da nur mich selber als Maßstab nehmen: Möchte ich, dass das gesagte weitererzählt wird, wenn es mich betreffen würde? Nein? Dann lass´ ich es.
ErwinM, 52
Das werde ich auch annehmen.

Mir passiert es leider, dass ich explizit gesagt bekomme "das bleibt unter uns", und mir kommt manchmal das "Geheimnis" extrem menschlich und normal vor, sodass ich im Gespräch mit einer anderen Freundin mich nicht mehr erinnere, welcher Teil jetzt wirklich "geheim" war o_O aber der anderen Person scheint es ja sehr wichtig zu sein.

Ansonsten versuche ich generell über Dinge und Sachverhalte anstatt über Menschen zu reden, denn über andere reden = Tratsch = doof.
Andererseits interessieren mich die dahinterstehenden Antriebe und Gedankenmuster der Menschen, weswegen ich dann versuche, ohne Namensnennung das Verhalten zu schildern und zu analysieren, so nach dem Motto: Eine Bekannte tut X, ich mache das eher anders, wie machst du das, und warum?

W u40
 
  • #19
Sorry das ist jetzt wie Äpfel und Birnen zu vergleichen. Das ist natürlich was völlig anderes wenn man was dem Priester erzählt.
Das verstehe ich jetzt nicht. Das ist ein ebenso völlig fremder, der kein Wort jemandem erzählen kann, den du kennst. Ich sehe da null Unterschied. Bis auf die Rosenkränze, die du zur Buße beten musst. Das musst du nicht bei Fremden in der Bahn.
 
  • #20
Das verstehe ich jetzt nicht. Das ist ein ebenso völlig fremder, der kein Wort jemandem erzählen kann, den du kennst. Ich sehe da null Unterschied. Bis auf die Rosenkränze, die du zur Buße beten musst. Das musst du nicht bei Fremden in der Bahn.
Er darf ja auch gar nichts weiter sagen. Ich denke wenn er das machen würde hätte er wahrscheinlich seinen Job los. Ein fremder kann allerdings trotzdem immer was weiter tratschen. Allerdings würde ich persönlich auch nie im Leben was einem Priester anvertrauen.
 
  • #21
Ich unterliege ja der Verschwiegenheitspflicht - unsere heiklen Aufgaben werden über den Umweg Rechtsanwalt beauftragt. Und bin es daher seit vielen Jahren gewohnt, die Klappe zu halten.
Ich persönliche halte es so - sobald die Person, die das Geheimnis erzählt oder angesprochen hat dies selbst öffentlich macht, bin ich kein Geheimnisträger mehr und darf darüber reden.
 
  • #22
Als Schülerin habe ich mich immer gefragt, ob Lehrer eigentlich zu Hause über ihre Schüler tratschen und lästern. Jetzt, wo ich selbst mit Lehrern und angehenden Lehrern bekannt bin, hat sich bestätigt, was ich immer vermutet hatte: Natürlich erzählen sie daheim oder ihren Freunden von den Situationen, die sie erleben, und lästern auch manchmal über ihre Schüler, teilweise so ganz banal über Aussehen und Mode und Verhalten und Ticks, erzählen von deren Problemen und Geschichten, von Fehlern und Noten. Aber schon in gewisser Weise anonym, eben nach dem Motto: "Eine Schülerin von mir...." oder "Manche meiner Schüler ...". Ich könnte wetten, dass einige Ärzte oder Therapeuten oder Juristen oder selbst Priester das auch manchmal machen, sie nennen dann nicht den Namen und konkrete Details, aber sprechen trotzdem über das eine oder andere. Ich glaube, das ist ganz menschlich.
w27
 
  • #23
Ich könnte wetten, dass einige Ärzte oder Therapeuten oder Juristen oder selbst Priester das auch manchmal machen, sie nennen dann nicht den Namen und konkrete Details, aber sprechen trotzdem über das eine oder andere. Ich glaube, das ist ganz menschlich.
Ja, menschlich und natürlich.
Bei Lehrern ist es etwas schwieriger, weil der Zirkel der in Frage kommenden Schüler oft überschaubar ist und eine ID manchmal ziemlich einfach möglich sein dürfte.
Bei Ärzten, Therapeuten, Juristen etc. mit oft tausenden bunt gestreuten Patienten und Klienten ist die Gefahr, jemanden identifizieren zu können, nahezu null. Ganz Null ist sie aber nie, blöde Zufälle kann es immer geben.
ErwinM, 52
 
  • #24
Ich könnte wetten, dass einige Ärzte oder Therapeuten oder Juristen
Da ist dann der Vorteil, dass im Rahmen der Behandlung oder innerhalb der Kanzlei gesprochen werden kann.
Bei den Priestern ist es so, dass diese selbst beichten und im Rahmen der Beichte ihr Gewissen erleichtern.

Bitterböse natürlich, wenn so manche Herrschaften aus Politik und Staatsanwaltschaft (was nicht immer klar zu trennen ist) versuchen, illegal abzuhören oder Verräter zu finden .......
 
  • #25
Es gibt doch Dinge, die einfach ein informatives Geheimnis beinhalten...da muss ich mit niemandem drüber sprechen.
Sexuelle Ausrichtung etc etc...

Aber es gab auch schon Anvertrautes, was mir Sorgen bereitet hat zb Sorgen über die Person an sich oder das Gefühl von Handlungsbedarf.
Da habe ich auch schon mal den Joker eines Fremden gezogen um eine andere Meinung zu hören.

Heute würde ich wohl wenn, hier im Forum fragen.

Beispiel: meine gute Freundin lebt bdsm
Das mittlerweile aber völlig offen..kann ich also drüber reden unabhängig das man sowas allgemein nicht streut.
Als sie mir damals aber erzählte, dass sie sowas ausprobieren möchte, habe ich mir schon Sorgen gemacht.
Immerhin kann da ein erstes schlechtes Ergebnis, einschneidend sein.
Gut darüber gab's genug zu lesen und ich konnte mit ihr über Bedenken reden.

Aber vor Google und Co, hätte ich mir ggf was einfallen lassen müssen um an solche Informationen zu kommen.
Vielleicht Fremde fragen...also mit Dritten reden.
 
  • #26
Besonders merkwürdig fand ich es wenn man mir etwas erzählt hat mit dem Hinweis, dass soll ich für mich behalten und dann diese Geschichte 2 Tage später in der Kantine besprochen wurde. Mal mit der Ursprungsperson und auch mal ohne.
Ansonsten sage ich, wenn es vorangekündigt wird, gerne mal, ich möchte es nicht wissen, ich bin kein guter Geheimnisträger.
In allen anderen Fällen kann ich schweigen wie ein Hünengrab.
 
  • #27
Es kommt meiner Meinung nach schon sehr darauf an um was es geht. Wenn mir jemand irgendwas total belangloses erzählt wo für mich auch nicht erkenntlich ist, dass es etwas intimes oder geheimes ist, dann sehe ich vermutlich keinen Grund das für mich zu behalten und es könnte sein das ich es jemand erzähle.
Wenn mir allerdings jemand etwas sehr privates erzählt wie z.B. von einer Krankheit oder einem Problem das er/sie hat, dann erzähle ich das niemand weiter.
 
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