• #1

Austausch zum Thema Fernbeziehung - wie geht Ihr mit der Sehnsucht um?

Hallo,

ich m/38 habe mich im letzten Jahr von meiner Frau getrennt, wir haben eine gemeinsame Tochter (10).
Seit 2 Monaten habe ich nun eine neue Partnerin, sie lebt gerade selbst in Scheidung....Das "Problem" an der Sache ist, dass sie über 500 km von mir weg wohnt und wir uns aufgrund meiner Tochter auch nicht jede Woche sehen können. Da ich letzte Woche beruflich an ihrem Wohnort zu tun hatte, hatten wir das Glück, eine ganze Woche miteinander verbringen zu können. Das war auch wunderschön, wir sind beide sehr verliebt und haben viele Gemeinsamkeiten.
Nur der Abschied am Sonntag war für uns beide der blanke Horror...es ist nicht auszuhalten, sie erst nächste Woche wieder zu sehen....
Gestern hatte ich dann auch einen total deprimierten Tag, das macht mich echt wahnsinnig...

Wäre schön, wenn man sich hier etwas zum Thema Fernbeziehung austauschen könnte und Tipps bekommt, wie man das ganze besser überstehen kann.
Danke.

LG
 
G

Gast

  • #2
Ich hatte auch eine Fernbeziehung über die selbe Distanz und über mehrere Jahre. Da wir beide von zu Hause arbeiten konnten, funktionierte das, dass man längere Zeit beim anderen sein konnte.
Trotzdem war die Fahrerei bald stressig und teuer.
Sehnsucht hatte ich damals nicht so schlimm, ich hab mich einfach drauf gefreut, dass wir bald wieder zusammen sind. Aber mein Ex war anders, ihn hat die Situation nach eigenen Angaben kaputt gemacht.
Ich könnte mir heute vorstellen, dass mich das auch kaputt machen würde, wenn man sich richtig nach einer Beziehung sehnt. Von daher ist eure Situation in meinen Augen schwierig.
Ihr könnt euch kaum so gut kennenlernen, dass einer von euch zum anderen ziehen will, jedes Treffen wird eine Art Ausnahmesituation, denn richtigen Alltag wird es nicht geben. Das bedeutet, dass man überrascht wird von der nicht so passenden Seite, wenn man sich dann wirklich zusammentun sollte. Diese Alltagsseite oder die Art, mit Konflikten umzugehen ist dann vielleicht so, dass man mit dem anderen gar nicht mehr zusammensein will.
Einen Tipp zum Überstehen kann ich leider nur in Richtung einer muss hinziehen geben. Der gibt aber dann alles auf und geht ein großes Risiko ein.
Ihr seid nun erst 2 Monate zusammen. Ich würde so bald wie möglich einen gemeinsamen Urlaub machen. Das ist zwar auch noch nicht das Alltagsleben, aber je mehr Zeit man miteinander verbringt, umso besser kann man einschätzen, ob es nur oberflächliche Verliebtheit und Projektion ist, oder ob eine Basis entsteht.
 
N

nachdenkliche

  • #3
Hallo! Hier hast du mir aus der Seele geschrieben. Ich habe gerade eine Fernbeziehung nach mehr als 8 Jahren beendet..oder mein expartner,wer weiß. Wir lebten 900 km auseinander und waren so sehr verliebt. Mir ging es am Anfang wie dir..ich habe das Abschiednehmen nicht vertragen,habe geweint und brauchte einige Tage ehe ich mich wieder erholt habe. Wir konnten uns natürlich auch nur alle paar Wochen oder monate sehen..jedenfalls war es für mich eine latente Sehnsucht und Traurigkeit bei aller Freude wenn wir uns wieder sahen. Es ging auseinander,weil ich entdeckt habe,dass er heimlich im Internet nach anderen Frauen gesucht hatte. Was sehr sehr wichtig ist,macht bald gemeinsame pläne bzgl zusammen ziehen!! Über eine so lange Zeit ist das eine Tortur..ich könnte das jetzt nicht mehr. Und vertrauen ist das wichtigste überhaupt! Ich wünsche euch beiden viel Glück.
 
  • #4
Mein Mann und ich haben 2,5 Jahre lang eine Fernbeziehung über 650km geführt, deshalb kann ich deine Gefühle nachvollziehen! Aufgrund der Entfernung haben wir uns nur jedes zweite Wochenende gesehen, zusätzlich an Feiertagen und in unseren Urlauben. Jeder Abschied tat weh - und es wurde im Laufe der Zeit immer schlimmer.

Nach ca. 6 Monaten war ich an dem Punkt, an dem ich diese ständige Sehnsucht nicht mehr ertragen konnte, ohne eine Perspektive zu haben. Wir haben dann beschlossen, zwei Jahre später zusammenzuziehen. Nach diesem Entschluss konnte ich (und auch mein Mann) besser mit der Situation umgehen. Ich glaube, hätten wir uns nicht darauf verständigt, hätte ich die Beziehung früher oder später beendet, weil ich dieses Gefühlschaos (Freude beim wiedersehen, Trauer beim Abschied, zwischendurch die Sehnsucht...) ohne konkretes "Licht am Ende des Tunnels" nicht ewig ausgehalten hätte.

Dennoch war es eine schwierige Zeit, die wir nur durchgestanden haben, weil wir zwischen unseren Treffen ausnahmslos jeden Abend einige Stunden telefoniert und uns u.a. detailliert von unserem Tag erzählt haben. So hatten wir das Gefühl (gedanklich) den Alltag zu teilen und die Abende gemeinsam zu verbringen - wenn auch nur am Telefon.

Nach zwei Jahren hat er mir dann einen Antrag gemacht, der hat die restliche "Wartezeit" auch nochmal erleichtert. Natürlich ist es immer ein Risiko, aus einer Fern- eine Nahbeziehung zu machen, aber bei uns hat es wunderbar funktioniert und wir sind nach wie vor sehr glücklich miteinander! Fazit: durchhalten lohnt sich, aber nur, wenn es ein konkretes Ziel gibt, auf das man gemeinsam hinfiebert.
 
  • #5
Boah, 900 km ist schon heftig...8 Jahre habt ihr das durchgehalten - RESPEKT!

Das Thema zusammenziehen haben wir schon mal kurz andiskutiert, aber es ist alles sehr kompliziert:
- sie arbeitet seit 2 Jahren in der gleichen Firma wie ich und liebt ihren Job
- sie lebt in Scheidung und will dieses Kapitel erst mal abschließen
- sie ist ein Familienmensch und braucht ihre Familie um sich

- ich würde gerne in Ihrer Stadt leben (wollte ich auch schon, bevor ich sie kennen gelernt habe), dort gibt es für mich aber nicht den Job, den ich jetzt habe
- mich hält hier nichts, außer meiner Tochter und ich weiß nicht, wie ich ihr erklären soll, dass Papa 500 km wegzieht

Klar sind wir erst 2 Monate zusammen und ich kenne auch schon ihre Familie und langsam auch ihre Freunde....aber ich weiß auch, dass ich das auf Dauer nicht aushalte!

Gemeinsamen Urlaub haben wir auch schon geplant, nen Kurztrip im März und ne Woche im Mai....
 
  • #6
Da scheinst Du der flexiblere Part zu sein, was das wegziehen angeht, abgesehen von der Tatsache, dass Du eine zehnjährige Tochter hast. Von daher wäre es eigentlich Deine Freundin, die mal gucken könnte, ob sie nicht zu Dir zieht.
Dass sie erst ihre Scheidung durchbringen will, ist verständlich. Dass sie ihren Job liebt, kann ich auch verstehen.
Das ist ne sehr blöde Situation, wenn beide nicht wegziehen können. Du hast Gründe, sie hat Gründe.
 
N

nachdenkliche

  • #7
Malunm,ganz am Anfang haben wir,also eher mein Partner ganz schnell vom zusammenziehen gesprochen. Er wollte in meine Stadt kommen.dann haben wir wieder eine Weile nicht darüber geredet,dann wollte ich eher zu ihm ziehen,wollte aber noch warten,bis mein Sohn selbstständig für sich sorgen kann usw usw,bis wir das Thema vermieden haben. Ich hatte zumindest den Eindruck,wir haben es verdrängt. Jetzt weiß ich natürlich nicht,ob wir überhaupt so lange zusammen geblieben wären,wenn wir gleich zusammen gezogen wären..vielleicht war ja die Entfernung das Geheimnis? Wir haben es einfach verpasst. Wir hatten eine wunderschöne Zeit,dafür bin ich dankbar so traurig ich auch bin jetzt. Ich rate euch wirklich,macht konkrete pläne für die Zukunft. Einer muss Abstriche machen. Ich wünsche euch viel Glück.
 
  • #8
Ich war nie von Fernbeziehungen überzeugt, habe es aber dennoch versucht, als ich einen netten Mann traf. Wobei Fernbeziehung fast etwas übertrieben ist, uns trennten 100 km / 1 h Fahrzeit auf der Autobahn.

Ich fand alles schwierig und kompliziert, man ist so den Umständen unterworfen.

Für mich steht fest, dass ich mich nicht nochmal auf sowas einlassen werde.
 
G

Gast

  • #9
Seit vier Jahren eine Fernbeziehung mit einer Jamaikanerin. Wir sehen uns zwei Mal im Jahr für 1 bis 2 Monate (Manchmal länger bzw. häufiger). Habe sie dort an der UWI (University of the West Indies) kennengelernt.

Jeder mit dem ich damals sprach sagte, dass es unmöglich sei als Paar so zu überleben.

Natürlich ist das brutal. Man vermisst sich so krass, dass man zwischendurch verzweifelt. Aber der Gedanke sich zu trennen, nur weil man nicht als klassisches Paar leben kann, weil es nicht leicht ist oder weil man sich vermisst, war viel schlimmer für uns, als der Schmerz und die Sehnsucht selbst.

Wir haben häufig darüber gesprochen und, ja, sich zu vermissen ist übel. Aber wenn wir zurückblicken, haben wir eigentlich nur schöne Erinnerungen.

Ich hatte ein paar Freundinnen in meinem Leben. Die habe ich auch sehr geliebt. Aber ich hatte noch nie so starke Gefühle für eine Frau. Keine Frau hat mich je so zum lachen gebracht, hat mich so leidenschaftlich geliebt.

So kitschig all das auch klingt, ich war noch nie so verliebt bzw. habe so geliebt. Und das mit 34 und nach einigen Beziehungen.

Ich wusste vorher gar nicht, dass man so intensive Gefühle haben kann.

Ich war früher stets derjenige der allen erklärte 'Beziehungen halten eine begrenzte Zeit, danach lernt man neue Frauen/Männer kennen.'

Sie war die erste Frau, mit der ich mir all das vorstellen konnte. Zusammen alt werden z.B. Bei anderen Frauen hat mir der Gedanke kinder zu kriegen meist Angst gemacht. Bei ihr muss ich grinsen, wenn ich daran denke.

Es ist eine Kombination aus verschiedenen Dingen. Sie ist sehr lustig. Sie ist - jedenfalls für mich - unglaublich attraktiv und hat einen verspielten, leidenschaftlichen und herzlichen Charakter. Ich hatte auch noch nie so guten Sex. Was wahrscheinlich daran liegt, dass ich sie so liebe.

Wir konnten teilweise den ganzen Tag im Bett liegen und alle zwei Stunden miteinander schlafen. Bis wir nicht mehr laufen konnten und uns dann den ganzen Abend angrinsen mussten. Wenn bei mir jemals die Chemie stimmte, dann bei und mit dieser Frau.

Ich würde auch 5 Jahre auf sie warten.

Daher: Ja, Fernbeziehungen sind einfach nur schei**e. Aber manchmal ist man zur richtigen Zeit am falschen Ort und lernt jmd. kennen, den man nicht so ohne weiteres aufgibt. Vielleicht werde ich nie wieder jmd. kennenlernen, der mich so glücklich macht. Und selbst wenn mir das jmd versichern könnte, würde ich sie niemals einfach so abschreiben.