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Gast

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  • #31
Damit einher geht für mich, daß ich Hilfe anzunehmen als Schwäche ansehe. ... Obwohl mir das klar ist, werde ich daran nichts ändern, einfach weil ich mich so mag wie ich bin und nicht ändern will.

Bei der letzten Aussage will ich Dir nicht reinquatschen.
Ich denke allerdings, Du nimmst sehr wohl auch Hilfe an oder brauchst sie, wertest sie aber nicht als solche, damit Dein Selbstbild der "Nicht-Schwäche" erhalten bleibt.

Selbst wenn Du das alles selber kannst, was Dir jemand an Gefallen tut, hilft er Dir trotzdem, weil Du Deine Zeit damit nicht verbringen musst. Das sind Dinge, die Dir nicht auffallen, weil Du sie nicht "hoch" einschätzt und Dir das Können unerstrebenswert erscheint. Wenn Du, sagen wir mal, nicht kochen könntest, aber meinst, das könne man schnell leicht lernen. Dann ist das für Dich keine Schwäche, dass Du es nicht kannst, also ist ein Meister auf dem Gebiet für Dich irrelevant. Trotzdem isst Du es gern, ohne dem Können den Respekt zu zollen, den Du in Deinen "überlegenen" Tätigkeiten vom anderen haben möchtest.

Wenn Hilfe für Dich als Schwäche gilt, vermittelst Du einer Frau genau das: Du hältst sie für schwach. Das wäre auch für jeden Mann ein Problem und hat nichts mit Beschützerinstinkt zu tun. Es geht auch nicht, dass man Verhaltensweisen nur bei sich schlecht findet, das macht man automatisch auch bei anderen, auch wenn man das nicht so sehen kann.

Dieses Hochgefühl schreibe ich eher Deinem Überlegenheitsgefühl zu, das Du dann hast. Das heißt für mich, Du hast Angst, Schwächen zu zeigen, weil Du meinst, dann nicht mehr als Person bzw. begehrenswerter Mann bestehen zu können.

Man darf das meiner Ansicht nach nicht vermischen, also Beschützerinstinkt und Ego-Aufbau (auf Kosten anderer auch noch in diesem Fall).
Klar gibt es ein gutes Gefühl, wenn man jemanden beschützen kann, allerdings auf einer ganz anderen Ebene als sich überlegen zu fühlen. Das ist eher, sich gebraucht zu fühlen und dem anderen was Gutes zu tun, also die Vertiefung der gefühlsmäßigen Verknüpfung. Ein Überlegenheitsgefühl entfernt da eher.
Es ist auch langweilig, mit einem Partner zusammen zu sein, der nur auf den Gebieten ansprechbar ist, auf denen er überlegen ist, und alles stark negiert, worin er Hilfe bräuchte und schwach sein könnte.

Ich denke, Du nimmst Dir mit dieser Ansicht eine Menge, was zwischen zwei Menschen sein kann. Sowas kommt irgendwann hintenrum als Krise, weil man unbewusst nicht mehr einsieht, warum man nicht einfach als ganzer Mensch mit Schwächen geliebt werden kann.

(sagt Dir eine Frau, die lieber gibt und Hilfe annehmen auch sehr schwer findet - vermutlich habe ich das unbewusst auch früher als Schwäche gesehen. Außerdem habe ich echte Probleme damit, andere mit meinem Kram zu belästigen. Aber ich habe gemerkt, wie gern mir manchmal Leute helfen, dadurch auch gesehen, dass die mich mögen. Und sie schätzen mich trotzdem noch wie vorher, auch wenn ich mal Hilfe brauchte)

(#4)
 
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Gast

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  • #32
...
Ich denke allerdings, Du nimmst sehr wohl auch Hilfe an oder brauchst sie, wertest sie aber nicht als solche, damit Dein Selbstbild der "Nicht-Schwäche" erhalten bleibt.
...
(#4)

Ich bin mir nicht sicher ob wir die gleichen Dinge meinen, wahrscheinlich weil ich mich unklar ausgedrückt habe. Dein zweiter Absatz trifft m.M.n nicht im auf mich zu. Ich würde meine Profession nie mit anderen vergleichen oder andere gar geringschätzen. Ich nutze z.B. liebend gerne die Dienste eines Koches, respektiere die Leistung Alleinerziehender oder interessiere mich für die Hobbies anderer. Wenn ich etwas interessant finde und lernen möchte, nehme ich natürlich die Hilfe z.B. eines Lehrers in Anspruch. Nur was hat das mit Beschützerinstinkt zu tun?

Ich möchte dir gerne zwei konkrete Beispiele geben was ich darunter verstehe. Vor einigen Jahren konnte ich einem Familienmitglied helfen sich aus einer kaputten Partnerschaft zu befreien. Ich an deren Stelle hätte mir nicht helfen lassen und wäre daran zerbrochen, oder hätte mich selbst befreit.
Das zweite Beispiel ist eine körperliche Auseinandersetzung gewesen. Wäre ich an ihrer Stelle gewesen, hätte mich die Hilfe eher wütend darüber gemacht daß ich mir nicht habe selber helfen können(Wenn du an dieser Stelle den Kopf schüttelst, verstehe ich das vollkommen).

Das verstehe ich unter beschützen. Ich bin einfach so aufgewachsen(altmodische wesentlich ältere Eltern). Beschütze deine Familie, habe keine Schwäche, und wenn doch dann zeige sie nicht. Ein Überlegenheitsgefühl sehe/habe ich da nicht. Und wie gesagt, ich empfinde solche Dinge nur bei mir selbst als Schwäche, nicht bei anderen.

Für eine Beziehung ist das sicher kontraproduktiv, aber als Freund, Kollege und vor allem für meine Familie funktioniert das sehr gut.

Vielleicht ändert sich das noch, so wie bei dir, ich kann es mir allerdings bisher eher nicht vorstellen.

Gruß
m(37)
 
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Gast

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  • #33
#4 nochmal an #31

Ich habe Dich wirklich anders verstanden. Ich hatte den Eindruck, weil Du geschrieben hattest, dass es Schwäche für Dich bedeutet, dass Du ein Schwarz-Weiß-Bild im Kopf hast für Egoaufbau.

Wenn du an dieser Stelle den Kopf schüttelst, verstehe ich das vollkommen

Nein, ich bin genau wie Du XD
Mein Exfreund hatte einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. Mir war das unangenehm, weil ich das Gefühl hatte, es nimmt mir Autonomie, macht mich unselbständig. "Ich regel das allein oder sterbe in einer Ecke."
Er hat mir immer gesagt, dass er sich für mich prügeln würde, ich hab immer gedacht, ich würde mich vor ihn stellen bei Gefahr. Komischerweise hat mein Ex Frauen gehasst, die diese Wimpern-Klimper-Masche abzogen und seinen Beschützerinstinkt wecken wollte.

Ich versteh jetzt besser, was Du meinst.
Vielleicht ist es für Menschen wie Du und mich auch wichtig, diese Krisen wie die Deines Familienmitglieds allein durchzustehen, um zu merken, wie man innere Stärke gewinnt. Bei körperlichen Auseinandersetzungen würde ich wohl recht schnell merken, dass ich (nie Kampfsport gemacht) nicht weit kommen kann. Aber ich würde mich trotzdem nicht hinter dem Mann verstecken.


Es kam auch erst in den letzten Monaten, dass ich wirklich mal um Hilfe bat, weil ich nicht weiterkam. Obwohl das weder so eine Krise war noch eine körperliche Auseinandersetzung (es war beruflich), habe ich doch gemerkt, wie gern mir diese beiden Männer geholfen haben. Und ich habe dabei auch einen Beschützerinstinkt gespürt, der sich unterschied von dem, wenn man stark sein muss für jemanden.

Vielleicht muss man das Wort "Beschützerinstinkt" ausdehnen, also die Bandbreite, wie sich das äußern kann. Es muss doch als Frau auch möglich sein, dem Mann solche Fürsorge zukommen zu lassen, weil ich - wie hier auch schon jemand schrieb - denke, dass es in beiden Geschlechtern vorhanden ist.
Ich hab drüber nachgedacht, ob es sowas ist wie: Mann hat Stress irgendwo hat (Eltern, Beruf), Frau tut irgendwas wie Telefonanrufe abwimmeln oder der nervigen Mutter sagen, dass sie mal Ruhe geben soll, weil ihr Sohn die gerade braucht. (und er sonst Schuldgefühle hätte, wenn er die Mutter abwimmeln müsste)

Ich bin sicher, Deine Leute würden Dir das auch gern mal zurückgeben, wenn Du es wirklich mal bräuchtest. Aber ich denke auch, solange man allein klarkommt, wäre alles andere wirklich mit einem Gefühl der Schwäche verbunden.
Interessant wäre mal eine Studie zu Menschen, die das älteste Kind sind und noch jüngere Geschwister haben. Ich möchte wetten, dass bei denen der Beschützerinstinkt ausgeprägter ist als bei Nesthäkchen

Wo ich das Problem sehe, ist, dass man leicht ausgenutzt oder manipuliert werden könnte nach dem Motto "der macht das schon, der funktioniert". Ein ausgeprägter Beschützerinstinkt zieht möglicherweise Leute an, an denen der Beschützer sich "abarbeiten" kann.

Gruß zurück
 
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