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  • #1

Besteht ein Anrecht auf Sex in einer langjährigen Ehe?

Sachverhalt:
Nahezu 30 jährige Ehe, fünf erwachsene Kinder, er beruflich erfolgreich, sie führt klassisch den Haushalt. Kein Sex mehr seit Jahren. Er leidet darunter erheblich, ist weiterhin treu, wünschst sich aber dringend körperliche Nähe. Sie sieht wohl keinen Handlungsbedarf und es findet sich ihrerseits kein Problembewusstsein. Bei ihr besteht keinerlei Bedürfniss nach körperlicher Nähe. Keine Änderung auch nach wiederholten Gesprächsversuchen. Sie will und kann wohl auch nicht über die gemeinsame Situation offen sprechen.
Er würde gerne am Eheversprechen festhalten.
Darf ich als sein Freund (wir sind Schulfreunde seit dem 16. Lebensjahr, Trauzeuge und Patenonkel) zur Trennung raten?
Welche andere Lösung seht Ihr?
 
M

moobesa

Gast
  • #2
Selbstverständlich solltest du deinem Freund zur Trennung raten. Willst du, dass er immer unglücklicher wird?
 
  • #3
Darf ich als sein Freund zur Trennung raten?
Welche andere Lösung seht Ihr?
Wozu? Hat er dich gefragt?
Das brauchst du ihm nicht raten, das ist so naheliegend, dass er selbst darauf kommen kann, wenn er will.

Es hilft halt alles nix, wenn die beiden nicht miteinander reden (können). Nicht nur der Mann sondern auch die Frau hat Bedürfnisse, die offensichtlich nicht erfüllt werden. Andernfalls wäre es gar nicht zu dieser Schieflage gekommen. Übersieh das nicht, das ist der Schlüssel dazu.
Dein Kumpel soll mal drüber nachdenken, woran es ihr fehlen könnte.

Warum beschäftigt das DICH eigentlich so, dass du hier eine Frage stellst - hast du kein eigenes Leben?
 
  • #4
Bei ihr besteht keinerlei Bedürfniss nach körperlicher Nähe.
Er würde gerne am Eheversprechen festhalten.

Eine Trennung ist dann ja keine Lösung. Sie hat dann zwar weiterhin keinen Sex, aber er kann nicht an der Ehe festhalten. Ich denke auch nicht, dass Du als Trauzeuge dafür zuständig bist, zur Trennung zu raten.

Aus meiner Sicht besteht in der Ehe die Pflicht, sich gegenseitig zu unterstützen und natürlich auch dafür zu sorgen, dass jeder seine Bedürfnisse in der Ehe erfüllt bekommt, das ist ja auch Kern des Eheversprechens.

Rein juristisch besteht kein "Anspruch" auf Sex, keiner auf Hausarbeit, keiner auf Treue. Einer auf finanziellen Unterhalt schon, dafür hat der Staat ja die Ehe passend strukturiert und das ist der eigentliche rechtliche Rahmen für die Ehe: finanzielle Absicherung, dafür ein paar Steuervorteile, bei denen man besser nicht genau nachrechnet, und ein paar andere rechtliche Regelungen, die den Alltag vereinfachen.

Rein praktisch besteht im Grundsatz selbstverständlich ein "Anspruch" auf Sex als "Gegenleistung" für Treue. So, wie eben die Frau in Deinem Beispiel die Hausarbeit und er die Berufsarbeit übernimmt, wenn das die Absprache ist. Sind beide in einem Bereich ernsthaft und dauerhaft unzufrieden, wird die Ehe auf Dauer eher scheitern. Es muss nur die passende Frau auftauchen.

Das Versprechen von "Treue" gibt heute wohl niemand (na ja, vielleicht kaum jemand) im Sinne von "Ich habe nur noch Sex, wenn Du welchen haben möchtest und wenn Du nicht mehr willst, dann habe ich eben auch keinen mehr.". Das gibt es nur in irgendwelchen kruden 24/7-Beziehungen im SM-Bereich.

Als Trauzeuge bist Du aber hier nicht für eine Empfehlung zuständig.
 
  • #5
Lieber FS
Aus deinem Post scheint mir, dass du dich ein wenig zu sehr in die Ehe anderer Leute einmischst. Bloss, weil du den Eindruck bekommst, dass er leidet und sie kein Problembewusstsein hat, heisst das noch lange nicht, dass das die ganze Wahrheit ist. Paare haben eine komplexe Beziehungsdynamik, die Aussenstehende oft nur ausschnittartig wahrnehmen. Und wenn man helfen will, macht man es manchmal nur schlimmer, weil man eigene Probleme in die anderen hineinprojiziert.
Aber erstmal zur Titelfrage:
1) Aus meiner Sicht besteht kein "Recht" auf Sex in der Ehe, in dem Sinne dass man den anderen zum Sex nötigen dürfte. Die Ehe bedeutet für mich aber auch, dass man sich gegenseitig verspricht, einander so gut wie möglich zu lieben und glücklich zu machen. Wenn ein Partner die sexuellen Bedürfnisse des anderen komplett ignoriert, finde ich das auf den ersten Blick lieblos und es passt für mich nicht zu einer guten Ehe.
2)
Darf ich als sein Freund (wir sind Schulfreunde seit dem 16. Lebensjahr, Trauzeuge und Patenonkel) zur Trennung raten?
Das darfst du schon, bloss ist die Frage, ob du ihm und dir damit einen Gefallen tust. Offensichtlich will dein Freund sich ja nicht von seiner Frau trennen, er scheint andere Prioritäten zu haben als du. Es kann sein, dass unter dem Strich ein sexloses Leben für ihn erträglicher ist als ein Leben ohne Frau und intaktem Familienleben. Ausserdem kannst du ihm ja nicht garantieren, dass er ein besseres Sexualleben hätte, wenn er sich nach fast 30 Jahren Ehe trennen würde. Vielleicht ist er nicht gut darin, Frauen zu erobern und weiss das. Da hat er lieber eine Ehe ohne Sex als ein Singleleben ohne Sex.
Also du kannst sicher nicht die Lösung für das Problem deines Freundes herbeizaubern. Du kannst einfach für ihn da sein, ihm zuhören, was für Lösungsvorschläge er sich ausgedacht hat und ihm zustimmen, wenn du einen davon besonders gut findest. Wenn ich nun doch noch meinen Senf dazu geben sollte, würde ich ihm empfehlen, einen Körperkontakt zu suchen, der nicht unter "Ehebruch" fällt, wie z.B. eine wohltuende Massage.
 
  • #6
Raten kann man ja viel, letztendlich muss der Betroffene das tun, was er richtig findet, denn er trägt allein die Verantwortung für seine Entscheidung. Trennung wird ihm ja schon mal in den Sinn gekommen sein, auch wenn er es vielleicht gleich wieder verworfen hat. Ich denke, Du kannst nur ein offenes Ohr für Deinen Freund haben und ihm sagen, was Du tun würdest. Es gibt ja auch nur eine begrenzte Anzahl von Optionen.

- Trennung und passende Partnerin suchen
- so weiterleben bis zum Tod
- offene Beziehung vorschlagen und wenn sie nicht will, dann was?
- Betrug

Der Betrug ist das gängigste. Aber manche können trotzdem noch in den Spiegel gucken, vielleicht weil sie dem Partner die Schuld daran geben, dass sie fremdgehen "müssen" oder denken "machen ja alle so".
 
  • #7
Bei ihr besteht keinerlei Bedürfniss nach körperlicher Nähe.
Ich möchte ergänzen: .... mit ihm." ! - Vielleicht hätte sie bei einem anderen Mann sehr wohl nochmal ein solches Bedürfnis.
nach wiederholten Gesprächsversuchen. Sie will und kann wohl auch nicht über die gemeinsame Situation offen sprechen.
Das ist ein unhaltbarer Zustand und es ist unfair dem Partner gegenüber. Wenn es alleine nicht geht, dann gemeinsam bei einer Paarberatungsstelle.
Du kannst deinem Freund raten, dass er sich trennen sollte, wenn alles nichts hilft. Drängen solltest du ihn nicht. Hast du deinen Rat einmal gegeben und er entscheidet sich gegen eine Trennung, dann solltest du das Thema nicht mehr anschneiden. Auch wenn er dir Leid tut, es ist sein Leben.
Meine Meinung ist, einerseits sollte niemand zum Sex gedrängt werden, der/die es nicht (mehr) will - andererseits kann der Partner, der keine Lust mehr hat, dem anderen nicht einfach ein Zölibat aufzwingen. Erstens: Es MUSS Kommunikation in ehrlicher und fairer Weise stattfinden - evtl. in einem moderierten Beratungsgespräch. Zweitens: Es muss eine Lösung her. Da ihre Lust nicht wieder kommen wird, entweder a) Trennung oder b) zunächst mal geöffnete Beziehung.
 
  • #8
Das ist wohl der Grund, warum in den Internetplattformen so viele gebundene Männer unterwegs sind. Ich kann die Männer nicht mehr zählen, die mir im Laufe der Jahre begegnet sind, weil so viele Frauen mit der Geburt des letzten Kindes ihre Sexualität in den Keller tragen.

Warum viele Frauen eine Last mit der Lust haben, hängt oft mit erlebter Gewalt zusammen. Ich kenne durchaus einige Paare, die dennoch wunderbar glücklich ihren Alltag leben, aber die Frauen den Männern dann den Freiraum zugestehen den Hauthunger anderswo zu stillen. Tantra ist eine Option, die sinnliche Erfahrungen ermöglicht ohne Betrug und jenseits einer Affaire. Es eröffnet auch eine persönliche Weiterentwicklung, die durchaus auch mit nach Hause genommen werden kann. Es gelingt so manchem Mann mit Geduld und Einfühlungsvermögen die Frau in den Reich der Sinnlichkeit mitzunehmen, zum Beispiel indem er massieren lernt.

Ich finde es keine Einmischung mit dem besten Freund einfach zu reden und die verschiedenen Möglichkeiten durch zu sprechen. Eine Ich-Botschaft ist immer legitim zu formulieren, wie: Ich würde..., ich könnte..., es wäre eine Möglichkeit..... Das macht auch eine Freundschaft aus.

Eine gute Ehe / Bindung basiert auf Kommunikation, Gefühl und gutem Sex. Das lässt sich lernen, wie das Kochen. Aber dazu muss Mann auch mal ein Kochbuch zur Hand nehmen und da reicht es nicht 30 Jahre lang ein Ei in die Pfanne zu hauen. Das macht auf Dauer nicht satt.
 
  • #9
Bin 30, er 47. Wir sind seit 5 Jahren verheiratet und hatten seit 4 Jahren keinen Sex. Er will/kann nicht. Von daher... Anrecht? Inwiefern?
 
  • #10
Naja, ich denke, das mit dem Recht auf Sex meinst du nicht wörtlich.
Ganz sicher denkst du auch nicht, dass dein Freund Wert darauf legen würde, einmal pro Woche auf und in seiner Frau zu masturbieren, wissend, dass sie hofft, dass er möglichst schnell fertig ist und sie zum angenehmen Teil des Abends übergehen kann.

Ich verstehe deine Frage eher so, ob wir uns vorstellen können, dass die Frau deinen Freund noch liebt und dass sie eine schöne Beziehung haben, obwohl es keinen Sex mehr gibt, richtig ?
Frage hier zehn Leute und du bekommst zehn Antworten.
Meine: ja, beides ist sehr gut möglich.

Du fragst, ob du deinem Freund zur Trennung raten sollst.
Meine Antwort: Äußere dich zu dem Thema, falls es dich fragt, sonst nicht, denn es geht dich nichts an. Zur Trennung raten würde ich und empfehle ich dir, falls dein Freund unglücklich ist.
Er hat nur ein Leben und er hat das Recht darauf, glücklich zu sein.
Ich denke, ihr seid etwa 60, da wird es sehr schwer, eine neue Partnerin zu finden, außer, er ist sehr vermögend.
Aber auch wenn er wahrscheinlich nach der Trennung auch keinen ( regelmäßigen ) Sex haben wird, er hat immerhin die Chance darauf.
Und die sollte er nutzen, wenn er Sex für sehr wichtig hält.

Empfehle ihm ein Gedankenspiel. Im Dunklen, mit geschlossenen Augen und viel Zeit.
Er soll sich die Trennung vorstellen, die Gespräche, die Tränen, die Verletzungen.
Dann seinen Auszug, den Verkauf des Hauses, die Teilung des Hausrats.
Dann, wie er in der neuen Zweizimmerwohnung allein lebt, wie er sich Pizza bestellt und seine Wäsche selbst macht und das Klo putzt.
Wie er an Sonntagen allein ist und an Weihnachten und wie er vielleicht nicht eingeladen wird, wenn seine Kinder oder Enkel Geburtstag haben, weil die zu der verlassenen Mutter halten.

Und ja, er soll sich auch seine Suche nach einer neuen Frau vorstellen.
Seine vielen Misserfolge, weil ihn keine will. Oder dass er keine will, weil ihm die 60-jährigen Frauen nicht gefallen.
Oder wenn er doch eine hat, welche Macken sie haben könnte, immerhin sind sie nicht zusammen 'groß' geworden und sie handhabt sicher ganz vieles ganz anders, als er es kennt und schätzt.

Und dann soll er entscheiden, ob das alles ein bißchen Sex wert ist.
Wie ich es entscheiden würde, ist sicher erkennbar, aber dein Freund ist nicht ich. Für ihn kann es das alles wert sein.
Und dann sollte es es unbedingt versuchen.

Viele Affairen oder ONS wird er in diesem Alter ganz sicher nicht haben, aber er kann sich natürlich jederzeit professionelle Hilfe holen.

Übrigens ist vecchio zwar die neutrale Übersetzung für 'alt' oder 'der Alte', aber einfach ungebräuchlich. Bei Menschen sagt man 'anziano'. Falls du Italiener bist, vergiß es, denn dann weißt du das und willst etwas spezielles ausdrücken, das ich nicht verstehe.
Übrigens II: falls du der Freund bist, was ich annehme, ersetze einfach 'er' durch 'du'.

w 49
 
  • #11
Ich finde, als langjähriger Freund hast du sogar die Pflicht mit ihm zu reden, denn es muss für ihn ja ein sehr schwer auszuhaltender Zustand sein.
Ich empfinde es nicht als Einmischung, wenn du dich nach seinem Befinden erkundigst und sich daraus ein Gespräch entwickelt, welches auch das Thema Trennung anschneidet.

Man kann als Freund immer äußern wie man persönlich die Dinge wahrnimmt und sieht, aber man darf natürlich nicht erwarten, dass dieses Gespräch etwas ändert.

Wenn dein Freund an der Ehe festhalten will, dann ist sein Leidensdruck noch nicht groß genug!

Es besteht kein Rechtsanspruch auf Sex, aber wenn seine Frau nicht zu einem Gespräch bereit ist und auch keine Lust auf Sex (mit ihm!) verspürt, dann sollte er mal offen mit ihr über eine Trennung sprechen. Könnte ja auch sein, dass sie auch schon darüber nach gedacht hat und selbst wenn nicht, dann könnte die angesprochene Trennung Anstoß sein, eine andere Lösung zu finden (zB. Öffnung der Ehe).

Ermutige deinen Freund nochmal das Gespräch mit seiner Frau zu suchen und das Thema Trennung anzusprechen, um die Schwere des Problems zu verdeutlichen! Vielleicht kommt dann eine Lösung zustande, ohne das eine Trennung wirklich vollzogen werden muss!

Das wäre mein Rat an dich! Gib ihm eine Möglichkeit an die Hand um eine Lösung zu finden mit der beide glücklich werden, ohne dass eine Trennung vollzogen werden muss!

In einer solchen Situation auszuharren wie es dein Freund tut, ist jedenfalls der falsche Weg und ich könnte mir das als Freund auch nicht einfach seelenruhig anschauen!
 
F

Frau43

Gast
  • #12
Anrecht klingt furchtbar aber wenn mein Partner nicht mehr mit mir schlafen wollte dann würde ich mich so abgelehnt fühlen dass ich Schluss machen würde als letzte Konsequenz.
Er (du?) soll nochmals mit ihr reden und ihr sagen dass er es sich woanders holt und sich trennt, sie dazu zwingen bringt ja nichts und kommt einer Vergewaltigung gleich.
Hatte es denn vorher mehr Sex? Oder war es schon immer nur zum schwanger werden? Ich kenne das aus meinem Bekanntenkreis, Sex nur an den günstigen Tagen und seit Kinder da sind, ist der offen aus. Der Depp hat seinen Zweck erfüllt und soll nun schauen, wo er bleibt - am liebsten im Büro, dann gibts eventuell mehr Kohle.

Ich könnte niemals ohne Sex leben aber wenn ich hier lese dass manche „wegen dem bisschen Sex“ nicht verstehen, was das Problem ist, dann ist alles klar.
Für mich gehört diese Nähe dazu und die erreiche ich nicht beim gemeinsamen Abendessen.
 
  • #13
Guten Morgen lieber FS,

ein Anrecht auf Sex hat man nicht, aber darauf, klare Aussagen zu bekommen.
Bei deinem Freund scheint die Ehe nur noch aus Zweckdienlichkeiten zu bestehen, aus einem organisierten Alltag. Die sexuelle Komponente, die auch Berührungen beinhaltet und eine vernünftige Kommunikation, fehlen. Dein Freund steht sozusagen im Regen. Das finde ich nicht fair, auch wenn dein Freund sicher seinen Teil dazu beigetragen hat, dass es so ist, wie es gerade ist.
Du solltest ihn nicht zu einer Trennung raten. Zuhören und ihn gegebenenfalls motivieren, das reicht. Auf die Lösung muss dein Freund selber kommen, es muss seine Lösung sein.

Ganz schlecht wäre, Schmarzmalerei zu betreiben und auf Einschränkungen aufgrund seine Alters hinzuweisen. Seine hoffnungslose Situation deckelt ihn genug und es wäre förderlicher, wenn du den Part des Hoffnungsträgers übernehmen könntest. Chancen auf ein glückliches Leben hat jeder, egal wie alt. Es gibt für beide Fälle immer die richtige Lösung für ihn allein, oder für ihn und seine Ehefrau. Es wäre in seinem Fall sehr ungesund, Enscheidungen zu treffen, die durch Angst und Versagen gefärbt sind.
Ich denke, du hast als guter Freund einen besseren Einblick, als wir hier in seine Ehe und kannst dementsprechend Impulse geben.

Falls dein Freund du sein solltest, ist das in Ordnung. Denn du bist ja auch gleichzeitig dein Freund, der alle Möglichkeiten in sich trägt, um ein erfolgreiches und glückliches Leben führen zu können.
Alles Liebe und Gute!
 
  • #14
Wenn er dich um Rat fragt, dann kannst du deine Sichtweise gerne kund tun: aber einfach so zur Trennung raten? Fände ich absolut übergriffig. Der Mann ist um die 60 - da braucht er keine ungebetenen Tipps.

Wenn er unglücklich ist, sollte er sich trennen. Aber dabei bedenken, dass ihm auch nach eienr Trennung keine Horden von Frauen, die Sex mit ihm wollen, vor die Füße springen. Trennung ja, aber ohne Hoffnung auf wildes Sexleben sondern mit Hoffnung auf Eigenständigkeit.

Eins bedenkst auch du nicht: keine Frau stellt die sexuellen Aktivitäten ein, wenn sie erfüllenden Sex hat und auf ihre Kosten kommt. Vielleicht (!) ist dein Freund ein miserabler und egoistischer Liebhaber und seine Frau möchte sich das Drama nicht mehr antun. Ich habe da gerade Horroszenarien vor Augen, die ich im Gespräch von Bekannten meiner Mutter (in eurem Alter) mal gehört habe, wie sich deren Männer Vorspiel vorstellen etc. Gerade die Tatsache, dass es gar keine Zärtlichkeiten gibt, klingt für mich genau danach: Zärrlichkeiten gibt es nur als Sexanbahnung und deswegen geht ihnen die Frau aus dem Weg. Dann wird sicher auch keine andere Frau mehr als ein Mal mit ihm intim werden.
 
  • #15
Vielleicht (!) ist dein Freund ein miserabler und egoistischer Liebhaber und seine Frau möchte sich das Drama nicht mehr antun. Ich habe da gerade Horroszenarien vor Augen, die ich im Gespräch von Bekannten meiner Mutter (in eurem Alter) mal gehört habe, wie sich deren Männer Vorspiel vorstellen etc.

...wenn es so einfach wäre. Die Gründe können so vielfältig sein, darüber können wir uns hier keine Beurteilung erlauben. Es gehören aber immer zwei dazu, der agierende und der reagierende Part. Schweigen und verschweigen ist auch ein Beitrag, der eine Situation nicht verbessert. Auch eine Frau ist für ihre Kommunikation zuständig und verantwortlich. Auch wenn sie es aus verschiedenen Gründen nicht kann, so ist sie dennoch mit verantwortlich für die Schieflage. Wenn sie sich das Drama nicht mehr antun will, dann muss sie sich mit darum kümmern, dass es anders wird, oder gehen. Dann muss man nicht selbstverständlich alle anderen Annehmlichkeiten in Anspruch nehmen und den anderen seine Freiheit einschränken, indem man sich entzieht. Dann spricht man klare Sätze *ich liebe dich nicht mehr, oder der Sex mit dir ist mir nicht genehm*, fertig. Das ist man einem Partner, mit dem man verbandelt ist, schuldig und sich selber auch.
Förderlich wäre es auch, wenn Frauen sich klar darüber wären, dass ihre Männer nicht unbedingt deswegen schlechte Liebhaber sind, weil sie egoistisch nur ihr Ziel verfolgen, sondern aus Unkenntnis und falsch konditioniert. Wenn eine Frau ! rechtzeitig ! den Mund aufmacht, kann es Korrekturen schon im Ansatz geben. Wenn sie schweigt und sich ihre Ekelpakete züchtet, dann kann das nichts werden. Ebenso der Mann, der das so hin nimmt und sich seine Pakete erschafft. Mangelnde und falsche Kommunikation ist zu einem ganz großen Teil die Ursache vieler Übel in einer Beziehung. Damit ist die tägliche Kommunikation gemeint und nicht erst, wenn eine Schräglage eingetreten ist. Eine Kommunikation, die sich auf die jeweilige Person bezieht und nicht die, die vollgestopft ist mit weltlichen Widrigkeiten und damit, wie und wann man die nächste Anschaffung, den Urlaub plant und den Alltag organisiert. Das ist Beiwerk, was hinten an gehört.
 
  • #16
Selbstverständlich solltest du deinem Freund zur Trennung raten. Willst du, dass er immer unglücklicher wird?

Sehe ich, Frau, ganz genauso. Er leidet, die Beziehung ist nicht mehr erfüllt. Warum bleiben? Der Kinder wegen? Der Fassade wegen? Sie wird ihre guten Gründe ihrerseits haben, aber von einem Partner auf Dauer Sexverzicht zu erwarten, spricht nicht für eine herzliche Beziehung. Die einzige Alternative wäre, dass Dein Freund sich -mit ihrem Wissen- in Affären oder käufliche Liebe stürzt - das ist aber tatsächlich auch nicht jedermanns Sache. Zu vermuten steht, dass manches andere in dieser Ehe eben auch nicht mehr stimmt, und das nicht erst seit gestern.
 
  • #17
Kein Sex mehr seit Jahren. Er leidet darunter erheblich....
Darf ich als sein Freund (wir sind Schulfreunde seit dem 16. Lebensjahr, Trauzeuge und Patenonkel) zur Trennung raten??

Lieber FS,
Du darfst raten, was Du willst - ich bezweifel' nur, dass es was nützt. Ihr redet offensichtlich seit längerem drüber und er will ihr die Treue halten, trotz hohem Leidensdruck. Was willst du ihm da zum Thema Trennung erzählen, wenn das nicht sein eigener Wunsch ist?
Wäre Trennung sein Wunsch wäre, wüsstest Du davon, d.h. Du willst ihm wohl diesen Wunsch einreden.

Ihr seid alle mindestens in den 50ern. Die Kinder werden aus dem Haus sein. Weißt Du was nach 30 Jahren Ehe mit einer Hausfrau finanziell auf ihn zukommt für den Rest seines Lebens? Willst Du ihn wirklich da reinsteuern, wenn er selber nicht dahin strebt?

Welchen Benefit hast Du davon und erzähl' mir hier bitte keinen von Freundschaft, denn diese Trennung wäre für ihn wirtschaftlich ein Brocken?
- Bist Du selber betroffen, also nicht der angebliche Freund?
- Bist Du eine Frau in den Startlöchern, die ihn sich diesen unglücklichen Vogel greifen will, der so ohne Leibe in seiner Ehe verharrt? Ob Du Dich da mal nicht irrst und das nicht einmal mehr die Story für die Affärenfrau ist?


Er ist ein erwachsener Mann, fähig, sein Leben selber zu lenken. Es ist total respektlos jemanden in diesem Alter zu erzählen, was er zu tun und zu lassen hat. Das weiß er selber, weil er alle Parameter seines Lebens am besten kennt.

Wenn Du wirklich der bist, als der Du Dich ausgibst (bester lebenslanger Freund): Halt Dich aus seinem Leben raus und steuer' ihn in nichts, was er nicht selber will. Unterstütz' ihn, seinen Weg zu finden:
- in dem Dilemma emotional zu überleben oder
- sich zu trennen
 
  • #18
Hallo Vecchio,
ich finde es grundsätzlich schön, dass du dich auf menschlicher Ebene für deinen langjährigen Freund interessierst und dir sein Wohlergehen wichtig ist.

Ich denke aber nicht, dass du ihm zur Trennung raten solltest. Erstens ist dies seine eigene Entscheidung. Zweitens könnte er sich von dir gedrängt oder ermutigt fühlen, es im Kern aber nicht wollen. Rate mal, wer dann Schuldvorwürfe bekommt, wenn er noch unglücklicher ist als zuvor und es später als einen Fehler erachtet. Die Frauenwelt liegt einem Mann in seinem Alter nicht eben zu Füßen.

Du solltest ihm ein Ohr leihen und die Pros und Cons mit ihm sachlich und ohne ihn zu beeinflussen erörtern. Ihm vielleicht auch helfen, seine Eigenanteile an der Misere zu erkennen und daran zu arbeiten. Es gibt so viele mögliche Gründe, warum seine Frau keinen Sex mehr mit ihm haben möchte. Vielleicht lässt er sich körperlich gehen oder sie fühlt sich von ihm nicht mehr wertgeschätzt. Womöglich fehlt generall das Leben in der Ehe, oder die Wärme, oder die Romantik etc. Eventuell kommt er über solche oder ähnliche Erkenntnisse wieder in Kommunikation mit der Frau, und sie können ihre Differenzen - gleich mit welchem Ausgang - für sich klären.
 
  • #19
Darf ich als sein Freund (wir sind Schulfreunde seit dem 16. Lebensjahr, Trauzeuge und Patenonkel) zur Trennung raten?
Welche andere Lösung seht Ihr?
Nach 30-jähriger Ehe zur Trennung raten?

Was würde sich ändern? - doch nur, daß beide irgendwann je eine eigene Wohnung bewohnen würden. Ansonsten wären da Unterhalts- und Versorgungsansprüche von über 30 Jahren aufgelaufen udn die gehen nicht mehr weg.

Mein Rat: Seit Reform des Scheidungsrechtes 1978 gibt es keine Schuldfrage der Scheidung mehr. Es ist also unerheblich, ob Dein Freund vor seiner Scheidung eine/mehrere Affären hat, um seine eigenen Bedürfnisse zu erfüllen oder nicht.
Aber hat er Affären (mit oder ohne Wissen/Billigung seiner Frau) ohne sich scheiden zu lassen, wird er sich finanziell nicht ruinieren.
Kommt es durch die Affären zur Scheidung, weil seine Frau zwar Sex verweigert ihm aber außerehelichen Sex nicht zugesteht (das sog. Ehegefängnis mit ihr als Aufseherin), so steht er dann trotzdem nicht schlechter da, als wenn er sich vor der Affäre scheiden ließe - er müßte in beiden Fällen gleich viel Unterhalt und Versorgungausgleich bluten.

Die beste Lösung wäre also:
1. Problem bei der Ehefrau ansprechen mit Angebot sich eine Affäre zu suchen
2. lehnt sie beides ab: trotzdem Affäre suchen und mit dem Risiko der Entdeckung und Scheidung leben oder eben keine Affäre haben und den verlorenen Cojones hinterhertrauern
3. Falls mit Cojones oder mit Zustimmung der Frau: Affäre suchen und haben, jedoch ohne Scheidungsnotwendigkeit.

Der entscheidende Punkt: Eheversprechen werden heute überbewertet, das haben mir meine Exfrau durch ihr Verhalten und auch viele Frauen hier im Forum durch ihre Ansichten klargemacht. Dein Freund sollte also den Realitäten ins Auge sehen und nicht mehr versuchen ein totes Pferd (Eheversprechen) zu reiten, sondern absteigen und neue Wege suchen.
 
  • #20
Wenn der Mann jünger wäre, würden wohl alle zur Scheidung raten. In seinem Alter rate ich dagegen nicht zur Trennung vom Eheversprechen, sondern zu einer Änderung der ehelichen Treue. Seine Frau muss einfach wissen, was andauernde eheliche Abstinenz für den Mann bedeutet. Kann es sein, das sie stillschweigend damit einverstanden wäre, wenn sich der Mann seine Höhepunkte bei einer soliden Dienstleisterin organisiert; es gibt ja sehr ansprechende Saunaclubs. Getreu der Devise "Don't ask, don't tell" sind beide Seiten hochzufrieden, und die Frau muss nicht immer Njet in den Raum werfen.
 
  • #21
Kommt es durch die Affären zur Scheidung, weil seine Frau zwar Sex verweigert ihm aber außerehelichen Sex nicht zugesteht (das sog. Ehegefängnis mit ihr als Aufseherin), so steht er dann trotzdem nicht schlechter da, als wenn er sich vor der Affäre scheiden ließe - er müßte in beiden Fällen gleich viel Unterhalt und Versorgungausgleich bluten.

Stimmt. Die Affäre oder die Dienstleisterin sind eine pragmatische Lösung. Es ist selbstverständlich legitim, keinen Sex mehr haben zu wollen. Genauso legitim ist es, dann nicht mehr treu zu sein. Im Grunde entsteht dadurch kein Schaden. Eine Trennung führt bei beiden vermutlich im nicht mehr allzu weit entfernten Alter zu einer wirtschaftlich desaströsen Situation.

Hat seine Frau mit ihm besprochen, keinen Sex mehr haben zu wollen und ihm angeboten, sich zu trennen oder eine Affäre anzufangen? Nein, sie hat einfach gehandelt. Das auch zu tun, ist sicher ein Ausweg aus der Situation. Entweder beide kommen dann mit einer Ehe ohne Sex weiter klar oder es erfolgt eben eine Trennung.

Im Grunde ist die Ehe als sexuelle Beziehung am Ende, wenn beide keinen Sex mehr haben. Egal, ob wegen der hier von Frauenseite oft zu Recht bemängelten fehlenden Romantik oder aus anderen Gründen. Egal, ob einer von beiden "schuld" ist oder ob das Begehren einfach "einschläft". Warum dann nicht die bewährte Partnerschaft weiterführen, wenn fehlender Sex das einzige Problem ist? Welcher Schaden entsteht für die Frau, wenn er mit anderen den Sex hat, den sie sowieso nicht mehr haben möchte?

Historisch gesehen war das Eheversprechen sinnvoll. Versorgung gegen das Großziehen von 5 Kindern, so wie auch in dieser Ehe.
Eigentlich sollte man das Eheversprechen entsprechend abwandeln und Treue ehrlicherweise an ehelichen Sex koppeln oder gar nicht mehr versprechen. Fremdgehen hat sicher in den meisten Fällen etwas damit zu tun, dass es in der Ehe keinen Sex mehr gibt.
 
  • #22
Hallo
Ich denke dass das Leben zu kurz ist um unglücklich zu sein.
Sex ist ein Liebesparameter in einer Beziehung und wenn der nicht mehr vorhanden ist, ist es ganz klar! Das sich die beiden noch Lieben auf einer ganz anderen Ebee wird schon sein oder ist es Gewohnheit? Doch wie ein Geschwisterpaar nebenher leben .... dazu ist das Lenen und Sex viel zu schön! Ich weiß wovon ich rede, hatte das selbe!
Wenn du als Freund erkennst das er sehr unglücklich ist, kannst du ihm sehrwohl den Rat geben. Entscheiden und durchführen muss er ja selbst!
Wegen den finanziellen Verpflichtungen die angesprochen wurden, wird es wohl nicht so schlimm sein wenn die Kinder groß und außer Haus sind. Zumindest ist es in Österr so. Jedoch kann die Frau, wenn sie es drauf anlegt, den Mann immer finanziell herrichten. Da würde ich mich bei einem Rechtssnwalt vorab erkundigen!
Alles gute deinen Freund
 
  • #23
Es ist selbstverständlich legitim, keinen Sex mehr haben zu wollen. Genauso legitim ist es, dann nicht mehr treu zu sein. Im Grunde entsteht dadurch kein Schaden. Eine Trennung führt bei beiden vermutlich im nicht mehr allzu weit entfernten Alter zu einer wirtschaftlich desaströsen Situation.
Also, ich könnte mir so eine Lösung gut vorstellen.

Nehmen wir mal an, dass die beiden sich gut verstehen, ein eingespieltes Team sind, die Frau sehr gut den Haushalt führt, sie zusammen in Urlaub fahren und die Feiertage miteinander verbringen.
Wahrscheinlich sehen sie sogar zusammen fern und sitzen im Sommer zusammen auf der Terrasse.
Vielleicht reden sie sogar noch miteinander.
Und sie erfreuen sich an ihren Kindern und Enkeln.

Warum das alles aufgeben ?
Wegen den finanziellen Verpflichtungen die angesprochen wurden, wird es wohl nicht so schlimm sein wenn die Kinder groß und außer Haus sind.
Naja, was ist schon schlimm ?
Immerhin wird er bis an sein Lebensende für die Frau Unterhalt bezahlen müssen. Bzw. der Staat springt ein, versucht dann aber, es sich bei ihm zurückzuholen. Ich weiß das, das hat man auch bei mir versucht. Es geht um Fälle, in denen der Exehepartner nicht arbeitsfähig ist. Ich hatte Glück, denn ich war nicht verheiratet, sonst würde ich bis heute bezahlen.
Die Frau ist am Arbeitsmarkt nicht mehr vermittelbar, daher auch arbeitsunfähig.
Er muss das, was er in den vergangenen 30 Jahren an Rente erwirtschaftet hat, mit ihr teilen müssen.
Und falls sie ein Haus, aber keine anderen Werte haben, werden sie das Haus verkaufen und teilen.
Na, das würden sie sicher ohnehin, denn warum sollte ein Single in einem Haus wohnen ?
Das Leben würde sich für beide massiv ändern, ich würde mal sagen, verschlechtern.
Warum sollte man sich das antun ?

Wenn ich die Frau wäre, könnte ich es mir sehr gut vorstellen, dass er zu Prostituierten geht oder auch versucht, ohne Geld an Sex zu kommen.
Dann hat er keine schlechte Laune mehr und macht mir keine Vorwürfe.
Und ich muss kein schlechtes Gewissen mehr haben.
Allerdings würde ich eher nicht wollen, dass eine Frau zu uns kommt. Aber wer weiß ? Sowas hatte ich noch nie...
Vielleicht ist sie nett und ich bekomme auch eine Freundin.
Vorausgesetzt ich bin nicht eifersüchtig ( ich bin's nicht ) und ich will nix mehr von meinem Mann.

w 49
 
  • #24
Wenn ich die Frau wäre, könnte ich es mir sehr gut vorstellen, dass er zu Prostituierten geht oder auch versucht, ohne Geld an Sex zu kommen.

...das wäre durchaus machbar und leichter, wenn man es gleich von Anfang an lebt, so wie du. Aber im Nachhinein so komplett ein anderes Beziehungsmodell zu führen, wird schwieriger sein. Dazu bedarf es einer offenen und ehrlichen Einvernehmlichkeit und Absprache. Wenn einer von beiden aber noch ein Restbegehren in sich trägt, wird das verflixt schwierig werden. Wenn einer von den beiden faulen Kompromissen zustimmt, ebenso. Notlösungen verlagern das Problem und es wird neue geben, Zähne zusammenbeissen bedeutet Zahnverlust und Zahnersatz ist teuer. Gesünder wäre dann immer noch die saubere Trennung. Ansonsten schreddert jeder komplett am Leben vorbei, verscherbelt seine Seele und ist Gefangener seiner selbst.
 
  • #25
Danke für die zahlreichen Antworten.
Ich bin der "gute Freund", muss mich nicht verstecken und bin, wie gesagt, für jede Anregung, Idee und Sichtweise eines anderen dankbar.
Ich werde mit ihm das Gespräch suchen und vor allem in Erfahrung bringen, was mit ihr passiert ist. Auch werde ich ihn fragen wie viel Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen vorhanden ist.
 
  • #26
Als Historikerin kräuseln sich bei dem Titel der Fragestellung sowie bei einigen Antworten die Zehennägel. Da ist es den Frauen (übrigens parteiübergreifend) 1997 nach 25 Jahren Debatten endlich gelungen, unfreiwilligen Sex in der Ehe als Straftatbestand zu verankern und nach 20 Jahren nach diesem Ereignis wird gefragt, ob ein Anrecht besteht? Antwort: ganz klar nein.

Worauf natürlich jeder individuell einen Anspruch hat (der allerdings nicht justitiabel ist), ist in seiner Beziehung glücklich zu sein. Passen die gegenseitigen Vorstellungen nicht mehr überein, darf man sich trennen, übrigens schon seit 40 Jahren ohne die Schuldfrage beantworten zu müssen.

Jeder Mensch hat das Recht auf ein (sexuell) selbst bestimmtes Leben, ganz gleich welcher sexuellen Orientierung und welche Rechtsform für die Beziehung gewählt wurde. Punkt!

Es ist also Sache der beteiligten Partner hier zu einer Übereinkunft zu kommen. Etwas stutzig macht mich auch die Tatsache, dass du in deinem Post schreibst, dass dein Freund sich mehr körperliche Nähe wünscht. Dies gleichbedeutend mit Sex zu setzen, finde ich anmaßend. Jeder gesunde Mann und jede gesunde Frau verfügen über hinreichliche Möglichkeiten, ihren Sexualtrieb selbst ausleben zu können. Körperliche Nähe, wie von dir beschrieben, ist viel mehr als Sex.

Sollten jedoch Grundbedürfnisse in einer Partnerschaft nicht mehr erfüllt werden können, aber nach wie vor ein starkes Interesse am Fortbestand dieser Beziehung geben, hat sich a) m.E. kein Dritter ungefragt einzumischen, führt b) eine Diskussion mit einem Paartherapeuten (m/w) deutlich weiter, als irgendwelche gutgemeinten Ratschlägen von Freunden (ein guter Paartherapeut (m/w) würde auch nie die Fragestellung hinsichtlich Sex eingrenzen, sondern immer ermitteln, was hält das Paar zusammen und wo gibt es Handlungsbedarf und dabei ergebnisoffen grundsätzlich auch eine Trennung diskutieren (und dabei helfen).

Wenn du deinem Freund helfen willst, dann rate zu gar nichts, sondern sei einfach der Zuhörer, der ihn versteht. Was die beste Lösung in seiner Situation ist, das kann nur er ggf. mit prof. Hilfe, beantworten.

Wenn du deinem Freund helfen willst
 
  • #27
...unfreiwilligen Sex in der Ehe als Straftatbestand zu verankern und nach 20 Jahren nach diesem Ereignis wird gefragt, ob ein Anrecht besteht? Antwort: ganz klar nein.
Worauf natürlich jeder individuell einen Anspruch hat (der allerdings nicht justitiabel ist), ist in seiner Beziehung glücklich zu sein.

Du beschreibst die beiden Fakten, die hier eine Rolle spielen, klar und deutlich. Rein rechtlich besteht selbstverständlich kein "Anspruch". Unfreiwillig schon mal gar nicht.

Rein praktisch gehört Sex für mich zu einer Beziehung. Gibt es keinen mehr, ist unglücklich, wer noch welchen möchte, egal ob weiblich oder männlich. Und damit besteht schon ein "Anspruch", natürlich in keiner Form rechtlich oder erst Recht nicht mit Gewalt durchsetzbar. Wer Sex in einer Beziehung nicht mehr möchte, muss damit rechnen, dass Partner oder Partnerin sich den Sex woanders holen. Also sollte man sich gut überlegen, rechtlich zu argumentieren. Sex gegen Treue ist wohl eher der wechselseitig Anspruch der (natürlich nicht rechtlich) besteht. Wenn eine Frau längerfristig keinen Sex mit mir möchte, fühle ich mich nicht mehr zu Treue verpflichtet. Und diese "Pflicht" ist genausowenig rechtlich oder mit Gewalt durchzusetzen.
Wer in einer Beziehung keinen Sex mehr möchte, sollte schlicht von der Partnerin keine Treue mehr verlangen.
 
  • #28
Moin,

ja, logisch. Daselbe wie "Recht auf Gespräche" oder "Recht auf Nettigkeit". Natürlich nicht. Den anderen zum Sprechen zwingen? Natürlich nicht.

Die eigentlich interessante Frage wäre, ob man sich selbst zu Gesprächen, Nettigkeit und Sex zwingen soll, auch wenn man mal keine besondere Lust darauf hat, einfach, damit die Partnerschaft weiterkommt, weiterlebt, noch eine Chance bekommt etc. ... Die mehrheitliche Antwort hier wird wahrscheinlich sein "Zu Gesprächen kann man sich selbst zwingen, zu Sex nicht". Meine Einschätzung dazu ist, dass viele dazu neigen, Sex zu viel Bedeutung beizumessen, etwas fast Religiöses darin zu sehen, das man auf keinen Fall pragmatisch, kommunikativ oder auch humorvoll angehen soll und darf, wie man das z.B. bei Sport oder anderen Hobbys machen würde. Ich tendiere da eher zu einer anderen Sichtweise.

manchmal
 
  • #29
"Zu Gesprächen kann man sich selbst zwingen, zu Sex nicht".

So ist es. Sprechen kann ich, wenn ich es will. Lust haben kann ich leider nicht, wenn ich es will. Somit auch keine Lubrikation und keine entspannte Muskulatur haben - ergo geht GV rein technisch nicht (vor allem wenn der Partner gut ausgestattet ist). Ich weiß nicht wie andere das machen, die dem Partner zuliebe ohne Lust einfach nur “hinhalten“. Da hätte ich heftige Schmerzen (schon mal ansatzweise probiert), auch mit Gleitcreme. Soviel ich weiß, kann auch niemand Erektionen mit dem Willen herbeiführen (weder von Penis noch von Klitoris). Finde ich auch alles sehr schade. Aber niemand sollte sich selbst Schmerzen zufügen müssen, um dem Partner einen Gefallen zu tun, das ist zu viel verlangt.
 
  • #30
Niemand hat ein Anrecht auf Sex, weder in Beziehungen, noch als Single. Denn wem gegenüber wollte man ein solches Recht durchsetzen?
Aber vermutlich ist hier mit "Anrecht" auch eher gemeint, ob der besagte Ehemann sich einfach so seinem Schicksal ergeben muss. Ich finde nicht, dass er das muss. Allerdings ist das seine Entscheidung und er sollte bei aller Überlegung, ob er von dem Vorhandensein von Sex in seiner Ehe den Fortbestand dieser abhängig machen wollte, bedenken, dass eine Ehe so viel mehr als nur Sex ist. Zudem ist es ja nicht so, dass er nur durch Aufgeben der Ehe Sex haben könnte. Gerade ältere Männer kommen nur sehr schwer an Sex. Deshalb würde ich als Freund (allerdings auch nicht ungefragt) professionelle Dienstleistungen empfehlen.
 
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