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  • #1

Beziehung nur noch zu dritt?

Seit ca. einen ½ Jahr hängt bei uns jedes Wochenende der Bruder meiner Freundin herum.
Wenn man wie gestern etwas alleine unternehmen will, dann nur wenn es auch den Bruder interessiert. Schließlich soll er ja auch mitkommen.

Wenn ich meine Freundin darauf anspreche, dass ich auch etwas mit ihr alleine unternehmen will, dann kommt gleich immer der Einwand, dass dies nicht ginge. Schließlich lebt ja ihr Bruder seit einem ½ Jahr auf Entzug und er bräuchte nun einmal ihre Hilfe und ich soll das nun einmal verstehen.

Ich habe zwar Verständnis für sein Problem, aber irgendwie platzt mir bald die Hutschnur.
Ich weiß nicht wie lange ich dies noch so mitmache.
Hat irgendjemand ähnliche Erfahrungen hier im Forum oder einen Tipp für mich?

M,44
 
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  • #2
Ich (w) muss dir leider sagen, dass du nur zwei Möglichkeiten hast: Entweder du akzeptierst die Situation wie sie ist oder du trennst dich. Mein Ex war auch total abhängig von seinem Bruder und konnte nichts ohne ihn unternehmen. Wir führten 4 Monate eine Fernbeziehung und sahen uns jedes WE. Meistens war ich bei ihm, weil er keinen Führerschein hatte und das Geld für die Bahnfahrten manchmal nicht ausreichte. In den ersten Wochen hielt sich die Präsenz des Bruders noch in Grenzen, aber im Laufe der Zeit wurde das immer extremer. Der Bruder wohnte 2 Straßenbahn-Haltestellen von meinem Ex entfernt, verbrachte aber fast seine ganze Freizeit bei ihm. Das artete wirklich aus, wir konnten nichts mehr zu zweit als Paar unternehmen: Beim Stadtbummel, beim Spaziergang, in der Pizzeria, abends in der Kneipe oder im Café, in seiner Bude beim Essen oder Fernsehen - der Bruder war immer dabei.

Das war so heftig, er klingelte schon früh morgens an der Haustür und fuhr erst nachts wieder nach Hause. Wir waren nur noch nachts im Bett alleine. Wenn wir unter der Woche nach Feierabend telefonierten, saß immer der Bruder neben ihm und gab irgendwelche dummen Kommentare von sich. Ich war so genervt, dass ich seine Stimme kaum noch ertragen konnte. Am Ende war es so krass, dass der Bruder ständig bei meinem Ex im Wohnzimmer auf dem Sofa übernachtete. Das ging mir dann zu weit, und ich redete Klartext. Mein Ex reagierte sehr gekränkt, machte mir Vorwürfe ich würde mich zwischen ihn und seinen Bruder drängen wollen und trennte sich auf der Stelle von mir. Der Bruder hatte damals weder eine Partnerin noch irgendwelche Freunde in seinem Wohnort. Trotzdem ist das kein Grund, um sich rund um die Uhr an ein Paar zu hängen.

Ich habe auch ein enges Verhältnis zu meiner Familie, aber das geht wirklich gar nicht. Heute würde ich mir einen Mann etwas länger im Alltag anschauen, bevor ich mich wieder auf eine feste Beziehung einlasse. Wer rechnet schon mit sowas? Ändern kannst du jedoch nur dich selbst und keinen anderen Menschen. Deine Freundin scheint mir ziemlich uneinsichtig sein, also kannst du nicht damit rechnen, dass der Bruder in der nächsten Zeit seltener präsent ist.
 
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  • #3
Lieber FS,
Du wirst nichts ändern, wenn Du an den Symptomen rumkurierst. Wenn der Bruder nicht allein leben kann, weil akut gefährdet, dann muss er eben ins betreute Wohnen.

Ich würde klare Vorgaben machen, mit denen Du leben kannst, andernfalls riskiert sie die Trennung:
- er kann zu Besuch kommen, wenn ihr nichts anderes vorhabt, zeitlich begrenzt auf 2-3 Stunden.Ddanach gehört Eure Wohnung Euch als Paar für den Restd es Wochenendes.
- dass er an Euren Unternehmungen teilnimmt, ist die Ausnahme, nicht die Regel
- dass Eure Unternehmungen nach seinen Interessen bestimmt werden, gibt es zukünftig garnicht mehr
- wenn er kommt, gehst Du und machst Deine eigenen Dinge oder stellst lautstark und demonstrativ den Fernseher an (Formel1 bietet die richtige Geräuschkulisse). Alternative: setz Dich vor den PC und froder ein, dass sie leise reden udn Dich nicht stören.

Drogenabhängige sind schwer gestört, kennen nur sich und haben keinerlei Probleme damit, ihre destruktiven Neigungen in ihr Umfeld zu streuen und dort alles in Trümmer zu legen. Das interessiert sie nicht, weil sie niemand wirklich interessiert. Sie interessieren sich nur für sich selbst.

Ich habe es bei dem Sohn einer Freundin gesehen - der hat sie in ihrer Mutterrolle für sich instrumentalisiert. Sie lebt seit Jahren in einem furchtbaren Scheidungskrieg. Bis es soweit war, hatte sie schwerste Depressionen, ist erwerbsunfähig geworden und muss jetzt mit ihrem Mann ums Geld kämpfen, was garnicht ihre Art ist. Ihr bleibt aus wirtschaftlicher Not nichts anderes übrig. So hat sie nicht nur zusätzlich einen Scheidungskrieg am Hals, mit gruseliger Anwaltkommunikation mit ihrem Ehemann. Auch das Verhältnis zu Tochter und deren Familie leidet - der zieht sich klugerweise zurück und will nicht, dass der soziale Infekt auf seine Familie überspringt.
Der einzige, dem es in der Situation gut geht, ist der Drogi - der säuft und kifft weiter, um seine Machtsituation aufrecht zu erhalten. Und ab und an, wenn es zu kippen droht, macht er einen halbherzigen Entzug, sichert sich damit seine Position.

Mittlerweile haben sich viele aus dem Freundeskreis abgewendet, weil man soviel Elend über 15 Jahre einfach nicht ertragen kann. Igrendwann reicht es allen.
 
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  • #4
Eine Beziehung zu dritt funktioniert dauerhaft nicht. Ich kann absolut verstehen, dass Dich die Situation sehr belastet. Offensichtlich stößt Du auf taube Ohren, was ich sehr traurig finde. Es spricht ja nichts dagegen, wenn man ein gutes Verhältnis zur Familie hat, aber das geht zu weit. Wie meine Vorschreiberin schon anmerkte: Entweder, Du aktzepierst die Situation oder Du trennst Dich.

Vielleicht fühlt sie sich irgendwie verantwortlich für Ihren Bruder, aber das darf nicht zu Lasten Eurer Beziehung gehen.

w
 
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  • #5
sprich mit ihr und sag ihr klipp und klar, dass Du verstehen kannst, dass man ihrem Bruder helfen muss - dass er bei euch wohnen darf und alle Unterstützung braucht und auch bekommt.

ABER: Ihr habt eine Partnerschaft ! Und da gehört dazu, dass man auch gemeinsam OHNE Bruder was unternimmt - und dass sie sich bitte auch Zeit für EUCH eure Partnerschaft nehmen soll. Das muss ja nicht dauernd sein - ich würde jedoch eine feste Zeit - anfangs einmal die Woche vorschlagen (das kann ja dann erhöht werden) aber so wird es wenigstens verpflichtend was mit dem Partner zu unternehmen.

Wenn ihr das nicht auf die Reihe bekommt, werdet ihr euch früher oder später trennen.

Sag ihr, dass du SIE vermisst, dass du die Zweisamkeit vermisst und du komplett ohne das nicht leben kannst und auch nicht willst. Nochmal - ihr helft dem Bruder aber das kann nicht 365 Tage 24 Stunden lang so sein !

m37
 
  • #6
Dieser Bruder wird seine Schwester etc. immer ausnutzen - weil es für ihn so bequem ist.

Der Bruder erpresst seine ganze Umwelt: Ihr müßt mir helfen, sonst werde ich rückfällig.
Das sagt er auch in einem Jahr ... in zwei Jahren .... in 20 Jahren ?

Hier im Landkreis gibt es eine Suchtklinik mit Wohnbereich.
Dort würde ich so Jemand hin schicken. Da ist er in fachlichen Händen, und wird rundum betreut.
Aber dort hat er es mit geschulten und erfahrenen Leuten zu tun.
Die er nicht "um den Finger wickeln" kann, wie seine Schwester = nicht emotional abhängig sind.
 
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