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Gast

  • #1

Beziehung trotz chronischer Erkrankung möglich?

Könntet ihr euch vorstellen, eine Beziehung mit jemanden zu führen, der durch eine chronische Schmerzerkrankung eingeschränkt leben muss?

Ich bin selbst Betroffene und frage mich, ob ich mich überhaupt jemanden zumuten kann?

Bin zwar Vollzeit berufstätig, dies aber nur unter größter Kraftanstrengung. In meiner Freizeit habe ich einfach nicht mehr genug Energie, um etwas zu unternehmen.

Bisher hatte ich mir bewusst bindungsunfähige und freiheitsliebende Männer gesucht. Die waren immer froh, wenn sie noch weiterhin alleine ihren Hobbies nachgehen konnten, ohne dass ich sie davon abgehalten habe. In der Zeit hatte ich die Möglichkeit, mich von den Schmerzen zu erholen. Auch könnte ich mit meinem Partner keine Reisen unternehmen.

Sollte ich bei diesen Einschränkungen lieber auf eine Beziehung verzichten?

w 40
 
  • #2
Liebe FS,

ich bin schon grundsätzlich der Ansicht, dass man sich generell auch in einen kranken Menschen verlieben kann und den Wunsch haben kann, sein Leben mit ihm zu teilen. Die hier bisweilen geäußerten NoGo's schon bei Petitessen kann ich oft nicht nachvollziehen.
Was mich an Deiner Frage mehr beschäftigt: Einerseits finde es imponierend, wie "tapfer" Du bist. Du arbeitest Vollzeit, liesst Deinen bisherigen Männern Freiraum und hast wahrscheinlich auch versucht, sie so wenig wie möglich mit Deiner Problematik zu "belästigen"... Dem einerseits folgt selbstverständlich ein andererseits :)
Was ist andererseits mit Deinen Bedürfnissen? Ist es wirklich notwendig, dass eine so kranke Frau wie Du Vollzeit arbeitet? Gäbe es da nicht auch andere Möglichkeiten? Vielleicht nicht für immer, aber für eine gewisse Zeit, bis Du vielleicht medikamentös besser eingestellt bist? Gibt es da noch Möglichkeiten?
Und: mute Dich durchaus Deinen Partnern zu. Natürlich sollst Du sie nicht extremistisch mit Deiner Erkrankung belästigen, aber sie ist ein Teil von Dir. Ein Mann, der Dich wirklich liebt, wird mit Deiner Schwäche umgehen wollen und Dir Dein Leben erleichtern wollen! Der will Dich nicht nur in den Momenten, in den Du gerade wieder "fit" bist!
 
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Gast

  • #3
Liebe terzia,
danke für deine einfühlsame Antwort.

In der Tat spiele ich mit dem Gedanken, meine Arbeitsstunden zu reduzieren. Dann hätte ich vielleicht etwas mehr Energie für eine Beziehung.
Aber ich mache mir nichts vor; es wird sicher nie eine normale Beziehung. Die meisten Menschen wollen in ihrer Freizeit viel unternehmen. Da kann ich leider nicht mithalten.

Es stimmt, dass ich mich bei meinen Partnern nie über die Schmerzen ausgejammert habe. Es macht sich eher so bemerkbar, dass ich dann introvertierter wirke.

Schmerztherapeutisch bin ich schon lange in Behandlung. Leider erfolglos. Eine Änderung der Situation ist erstmal nicht absehbar.

Die FS
 
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Gast

  • #4
Ja natürlich geht das. Eine Bekannte von mir ist in jungen Jahren chronisch erkrankt und in einer stabilen Beziehung mit einem sogar jüngerem Mann.

Laßt Euch bitte nicht so schnell entmutigen, nur weil viele in allem möglichen Probleme sehen. Wenn der richtige Euch liebt, dann bringen diese "Probleme" erst als gemeinsame Herausforderungen eine Verbundenheit, die zusätzlich die Liebe festigt.
 
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Gast

  • #5
Ich halte das für persönlich sehr schwer, weil chronische Erkrankungen oft psychische Nebenerkrankungen hervorrufen. Dann müsste der chronisch Erkrankte parallel auch eine Therapie machen um die psychischen Belastungen zu kompensieren, und dann fehlt letztendlich viel Kraft für den Aufbau und die Pflege einer Beziehung.

Das sind sich viele chronisch Erkrankte nicht bewusst. Der Wunsch nach Nähe und Beziehung ist verständlich, aber das erfordert einen Partner der ständig an zweiter Stelle steht, ein Helfersyndrom hat, oder selbst gewisse hemmende Bedingungen mitbringt, die ihn froh machen, überhaupt eine Frau/Mann an der Seite haben zu können.

w 49
 
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Gast

  • #6
Hallo FS,

ich halte es für schwierig eine Beziehung mit einem kaum leistungsfähigen Partner zu führen. Ich persönlich würde mich da sicher nicht drauf einlassen. Ein Partner, mit dem man nicht verreisen kann, ist für mich undenkbar.

Mich wundert sehr die Konstellation, dass Du Vollzeit arbeiten kannst, in der Freizeit aber überhaupt nicht leistungsfähig bist und z.B. nicht reisen kannst. Das passt nicht zusammen. Du wirst scheinbar von Kranken- und Rentenversicherung als uneingeschränkt arbeitsfähig eingestuft, wenn Du Vollzeit arbeitest? Was ist das denn für eine Erkrankung in Deinem jungen Alter? Und warum kannst Du nicht reisen? Ausser Fibromyalgie fällt mir da jetzt nichts ein, was mit 40 zu solchen Beschwerden führt, aber keine Berentung zur Folge hat. Vielleicht verrätst Du ja mal mehr?

w, 51
 
  • #7
Liebe FS,
ich hatte hier bei EP einen mehrfach chronisch kranken und auch nicht ganz schmerzfreien Mann kennengelernt und mich verliebt. In seinem Profil stand, dass er im Gegensatz zu mir wenig Sport treiben würde, die schwerwiegendste Erkrankung hat er mir gleich in der ersten Mail offenbart und die nächsten im ersten Telefonat. Damit lag die Entscheidung, ob so etwas für mich annehmbar wäre oder nicht, ganz allein und fairerweise frühzeitigst bei mir.
Es gibt genügend Menschen, die, meist selbst introvertiert, andere Kriterien deutlich höher ansetzen.
Natürlich darfst Du jemanden suchen! Natürlich gibt es auch für Dich jemanden, den Du mit Deiner Liebe sehr glücklich machen würdest!
Ob es dann passt, wird ebenfalls eher, wie bei uns, von anderen Faktoren abhängen, auch das Scheitern einer solchen Verliebtheit solltest Du nicht Deiner Krankheit zuschreiben.
So wenig Grund es für mich war, ihn wegen seiner Erkrankung nicht in Erwägung zu ziehen, sowenig Verpflichtung leitete ich daraus ab, die Beziehung aufrechtzuerhalten, als es trotz mehrerer Versuche so gar nicht harmonierte... aber es ist mir schon bewusst, dass das einen kranken Menschen mehr trifft.
 
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Gast

  • #8
Habe selbst seit Anfang 30 eine chronische Herzerkrankung - eine dauerhafte Beziehung zu einer Frau mit Kinderwunsch war damit für mich schon frühzeitig nicht mehr möglich. Zwei damalige Freundinnen hat sich unter anderem auch deshalb von mir getrennt - ihren Kinderwunsch hat sie dann übrigens beide doch nicht mehr realisiert (die eine Beamtin, die andere steile Karriere in einem Dax-Unternehmen). Heute mit beinahe Mitte 40 lerne ich zwar öfter Frauen kennen als vor 10 oder 15 Jahren - nach dem Hinweis auf meine Krankheit, die sich durch die mitlerweile vorhandene Herz-OP-Narbe auch nicht verbergen lässt - verflüchtigen sich Beziehungsaussichten aber sehr schnell. Auch Frauen, die selbst nicht mehr kerngesund sind (weil das das Leben eben mit fortschreitendem Alter mit sich bringt) wollen einen kerngesunden Partner. Es ist möglich - aber nur dann, wenn Frauen nicht mehr in der Kinderwunschphase sind. Wer glaubt dass Krankheiten im Alltag keine Rolle mehr spielen macht sich was vor. Beruflich bin ich eingeschränkt und beim letzten Anstieg auf einen Alpenhügel war ich nach über 20 km Fußmarsch mehrere Tage ziemlich kaputt. Nur empfehlenswert wenn auch der Partner nicht mehr kerngesund ist !
 
  • #9
Nur empfehlenswert wenn auch der Partner nicht mehr kerngesund ist
Was mich einmal etwas unangenehm berührt hat, war die Bemerkung des in#6 erwähnten Mannes, dass er sich bei seinem vorhergehenden Beziehungsversuch mit einer ebenfalls kranken Frau gefragt hätte, ob es "Sinn machen" würde, wenn sich zwei Kranke zusammentäten. Sobald sich so pragmatische Überlegungen in den Vordergrund drängen, kann aus meiner Sicht die Begeisterung für den Anderen nicht groß genug für Liebe sein... oder derjenige ist von vornherein, von seinem Charakter her, anders gewickelt... ich empfinde Zuneigung unter solchen Gesichtspunkten als entwertet.
 
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  • #10
Sobald sich so pragmatische Überlegungen in den Vordergrund drängen, kann aus meiner Sicht die Begeisterung für den Anderen nicht groß genug für Liebe sein...
Manchmal ist es vorausschauend sehr klug, pragmatisch zu sein. Liebe allein hilft zwei Kranken in einer Beziehung nicht. Das ist für mich sehr naiv gedacht. Der Alltag ist oft sehr rau und Kräfte zerrehnd und wenn beide dann noch krank sind, wer soll sich dann um den Anderen kümmern?

Ich habe in den letzten Jahren mich mühsam als Single-Mama aus nicht guten Verhältnissen heraus gearbeitet, mein Kind ist fast volljährig. Jetzt will ich endlich besser leben, mir geht es in vielerlei Hinsicht ganz gut und warum soll ich mir dann einen kranken Mann ans Bein binden? Aus Liebe? Ach, wir sind hier nicht bei den Brüder Grimm und ich bin nicht Mutter Theresa.

Mit einem Mann an meiner Seite muss es mir mindestens so gut gehen wie jetzt, oder sogar noch besser. Ist dem nicht so, dann bleibe ich lieber Single.

w 49
 
  • #11
Allein geblieben, müssten viele eingeschränkt Belastbare bestimmte Aufgaben delegieren. Sich einen Partner unter dem Gesichtspunkt zu suchen, ob und dass er in der Lage wäre, den eigenen Alltag mitzuorganisieren, ist zumindest nicht idealistisch gedacht.
So wie ich den Eingangstext der FS lese, hat sie im Gegenteil sogar generelle Hemmungen, "sich" jemandem zuzumuten. Und das ist unbegründet! Da wird es Menschen geben, bei denen man dafür aussortiert wird, wie für 100 andere Oberflächlichkeiten auch, und andere, für die das wenig bis nicht relevant ist. Es stößt mir zwar auf, wenn Leute Liebe auf Komfort reduzieren, aber umgekehrt hätte ich keine Probleme damit, von meinem Komfort abzugeben, wenn ich jemanden liebe... und vielleicht auch bewundere, weil er so ...xyz... ist.
 
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  • #12
Ich muß mich sehr wundern. In einer kürzlichen Statistik in der A... Umschau stand, daß im Alter der FS bereits 20% chronisch krank seien. Entweder ist das falsch oder viele verschweigen ihre eigenen Makel. Warum soll ein Mann sich nicht auf eine Frau mit einer Krankheit einlassen? Der Statistik folgend müssen das auch ca. 20%, um nicht allein zu bleiben. Ehrlich gesagt, halte ich die Vorgehensweise, der Mann verzieht sich in den Hobbykeller, die Frau kann sich erholen als gar nicht so abwegig. Auch bei völlig gesunden Paaren ist es nicht empfehlenswert, dauernd aufeinander zu hängen. Und große Reisen unternehmen will auch nicht jeder, viele können es schon gar nicht, weil ihnen die finanziellen Mittel fehlen. Ich hätte keine Probleme mit einer angeschlagenen Frau, wenn sie mir sonst gefiele und ich mich verlieben würde.

PS.: Es gibt sicherlich noch viel mehr Krankheiten außer Fibromyalgie, bei denen man zwar arbeiten geht, aber auch an chronischer Erschöpfung - Fatigue leidet (z. B. durch Entzündungen oder Medikamente).

m, 40
 
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Gast

  • #13
ich habe vor 1,5 jahren in einem cafe einen tollen mann kennengelernt. er sprach mich an, wir sahen uns wieder und er war gleich superverliebt. ich fand ihn nett, aber es ging mir alles zu schnell. ausserdem hatte ich angst. angst zu verlieren was noch garnicht angefangen war.
ich habe schon ewig morbus bechterew und vor 2 jahren gesellte sich eine chronische darmerkrankung dazu. ganz toll.

was also tun. das war dieser traumhaft gutaussehende und tolle mann und dann ich, ein wrack (wie ich fand). ich habe ihm eine lange mail geschrieben und aufgedröselt wieso ich meiner meinung nach, nicht gut für ihn bin.

tja, und er? ihm war alles vollkommen egal. er liebt mich und ist glücklich. wenn es mir nicht gut geht leidet er mehr wie ich selber.

ich habe mir vollkommen umsonst sorgen gemacht. er ist bei mir geblieben und hat mir einen heiratsantrag gemacht.

w54