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Gast

  • #1

Beziehung und Ängste

Ich bin ein ängstlicher Mensch. Jedoch bin ich sehr aktiv und mache auch fast alles mit. Ich weiß auch nicht warum mir einige Sachen v.a. wenn sie mir neu sind, so Angst machen, z.B. erster Urlaub, erster Langstreckenflug, Skikurs, Jobwechsel, Schiffsfahrt etc. Als Kind habe ich wenig erlebt und hole das nach. Mein Freund bringt das alles immer so auf die Palme, z.B. traut man sich nicht mitten auf den See hinaus zu schwimmen, bin ich keine tolle Freundin. Dabei weiß er, dass ich nicht so ein ausdauernder Schwimmer bin. Er ist immer mega spontan, macht erst, denkt dann später. Ich wäre gern mutiger und ich weiß nicht, warum mich Dinge ängstigen. Wir streiten in letzter Zeit oft deswegen. Ich fühle mich wie ein Versager, weil ich mich schnell ängstige.

Bin ich echt so schlimm in euren Augen?
 
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Gast

  • #2
Hallo FS,

Das ist schon ein guter Anfang, dass du beschlossen hast, mutiger zu werden. Mach es aber nicht wegen deinem Freund, sondern nur weil du es dir wert bist. Ich kenne deine Kindheit nicht, wahrscheinlich ist ein Teil deiner Ängstlichkeit darauf zurück zu führen, wie du als Kind deine Umwelt wahrgenommen hast. Es gibt tausende von Wegen, dein Selbstbewusstsein zu stärken. Suche im Internet und setze etwas von dem um, was dir am besten zusagt.

Deinem Freund erklärst du bei Gelegenheit, dass du seine Unterstützung brauchst und es dir nichts bringt, wenn er dich schlecht macht und mit dir streitet. Wenn er nicht damit aufhört, dann machst du eben Schluss mit ihm. Sag ihm das so - für sich selbst einstehen stärkt dein Selbstbewusstsein.

Stelle dich deinen Ängsten, dazu gibt es auch gute Bücher. Fang heute noch an, dir einen Plan zurecht zu legen, wie du ein mutiger Mensch werden kannst. Alles Gute, ich bin sicher, du schaffst es!
 
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Gast

  • #3
Du bist überhaupt nicht schlimm! Du bist umsichtig und vorsichtig! Lass Dich von Deinem Freund nicht verunsichern. Es passieren so viele Unfälle auf der Welt mit teilweise irreparablen Folgen, weil Leute erst tun und dann denken. Auf die lange Sicht kommt ein umsichtiger Mensch weiter als ein Draufgänger. Und dass Dein Freund es nötig hat, sein Ego auf Deine Kosten aufzupolieren, was er tut, wenn er sich über Deine Vorsichtigkeit mokiert, zeigt, dass er so unreif ist wie ein Teenager. Ihr könntet Euch eigentlich toll ergänzen, aber weil er Dich gerne als Spiegelbild seiner selbst hätte, anstatt Deine Umsicht als perfekte Ergänzung zu seiner Spontaneität zu begreifen, hat er Dich in einen Negativ-Wettbewerb gezogen. Gesteh Dir selbst die Zeit zu, die Du brauchst, um die neuen Dinge für Dich zu entdecken. Lass Dich nicht hetzen und lass Dich nicht zu Dingen überreden, die Du nicht tun willst.
Lies auch mal Schillers Ballade "Der Handschuh". Da geht es darum, ob man eine Mutprobe als Liebesbeweis vom Anderen fordern darf.
 
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Gast

  • #4
Liebe FS,
mich würde interessieren, wie alt Du bist.

Abgesehen davon: In meinen Augen bist Du ganz normal. Aus meiner Sicht finde ich einen Menschen, der sich nicht hirnlos und ohne Nachdenken in alles reinstürzt, wesentlich angenehmer und entspannter.
Es ist spannend, dass Dein freund gerade diese Eigenschaften hat, die Du (noch) nicht hast.
Mein Vorschlag an Dich:
Lasse Deine Ängste zu, sieh sie als ganz normal, gehe dennoch jede einzelne Situation, die Dir neu ist, bewusst an.
Und danach reflektiere, wie Du Dich fühlst: Stolz? Selbstbewusst? Dass Du über Deine Ängste gestiegen bist?
Schreib Dir mal auf, was Du alles an Neuheiten schon erlebt hast, du gemeistert hast und dann klopf Dir auf die Schulter und gratuliere Dir.
Und: vergleich Dich nicht mit anderen. Sowas geht niemals gut aus.
Alle Gute!
w/45
 
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Gast

  • #5
Du bist aktiv und machst fast alles mit, ich finde, du bist wirklich eine tolle Freundin! Das, was du beschreibst, diese "Angst" vor neuen Sachen, kenne ich auch. Ich bin dann nervös, ich weiss nicht, was auf mich zukommt, bin unsicher, ob alles gut geht, aber ich nenne diesen Zustand NICHT Angst, sondern Aufregung und kommuniziere das auch so!

FS, schau zurück. Du hast bereits jedemenge "neue" Sachen geschafft. Und es ging doch immer gut, oder? Danach warst du zufrieden und stolz. Du hast keinen Grund, Angst zu haben. Du hast aber alle Gründe, aufgeregt zu sein und dich auf eine neue Erfahrung zu freuen.

Versuche doch deine starken Gefühle etwas mehr zu kanalisieren. Zeig ruhig deine Aufregung, lache, spring herum, frag ruhig deinen Freund so unsinnige Sachen wie "und was ist, wenn ich in das falsche Flugzeug einsteige?" ABER mach es auf die lustige Tour! Verbanne das Wort Angst aus deinem Vokabular. Jetzt bist du "aufgeregt und gespannt".

Eine Freundin von mir hat vor allem Mögliche Angst, sie sagt es so, sie sieht auch so aus, das ist sehr anstrengend. Ich kann deinen Freund verstehen.

Allerdings, wenn du nicht weit schwimmen willst, dann willst du es nicht und Punkt. Sag nicht, dass du Angst davor hast, sondern, dass du das nicht magst. Schwimm so weit du kannst und sag dann, dass es dir reicht. Trainiere dein Vokabular und deine Körpersprache, denk an all dem, was dir bis jetzt gut gelungen ist.

W50
 
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Gast

  • #6
Die FS

Vielen Dank für die netten Antworten. Ja, bin ich sehr umsichtig und vorsichtig und habe auch kein gutes Gefühl, wenn ich bei Dingen, die Kontrolle verliere. Vielleicht sollte ich auch wirklich anders meine Ängste kommunizieren. Danke für den Tipp.

Das Üben von neuen Situationen fällt mir immer schwerer, weil er einen Erwartungsdruck aufbaut. Ich habe immer Angst zu Versagen. Manchmal weiß ich gar nicht mehr, was ich will und blocke dann alles ab und bin dann total gestresst und fühle mich der Sache nicht mehr gewachsen, z.B. Jemand wollte mich abwerben (in eine andere Stadt) und ich tat mir so schwer wegen diesem Abenteuer, weil der Job einfach nicht so meins war. Am Ende gabs dann nur Streit, weil er das als ein tolles Abentuer gesehen hat. Das wir dann getrennt wären, hatte ihn nicht gestört, denn er wäre nach gekommen. Eigentlich müsste man sich ja solch einen Freund wünschen.....Aber ich erhalte so nur ein schlechtes Gewissen....
 
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Gast

  • #7
Liebe FS, in meinen Augen bist Du überhaupt nicht schlimm.

Die einen sind mutiger, die anderen eher vorsichtig und ängstlich. Ist halt so. Hat beides seine Vor- und Nachteile.

Es ist übrigens auch sehr mutig, offen zu sagen, dass man ängstlich ist - das schafft nicht jeder!

So wie ich das verstehe, machst Du doch auch sehr viele Dinge mit und stellst Dich somit vielen Deiner Ängste. Das ist doch toll!

Wenn Du aber z.B. Angst hast, in einem See weiter raus zu schwimmen als Dein Freund, dann ist das halt so! Punkt. Andere Frauen (gerade erst wieder am See beobachtet) gehen überhaupt nicht ins Wasser (zu kalt, zu nass usw.).

Ich halte Deinen Freund dahingegend für ziemlich unsensibel und evtl. passt Ihr diesbezgl. nicht so richtig zusammen. Ich lese auch nirgends, dass er Dich unterstützt und versucht, Dir Deine Ängste zu nehmen, sondern lese nur Gemecker über Deine Ängste. Damit ist aber sicher keinem geholfen.

Meiner Meinung solltest Du Dich durchaus weiter Deinen Ängsten stellen, was Du aber ja auch tust. Vor allen Dingen sollte Dein Freund aber auch mehr Verständnis für Deine Ängste aufbringen und Dich unterstützen. Und nicht zuletzt: Du bist seine Freundin und nicht sein "Buddy".

m, 33
 
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Gast

  • #8
Liebe FS,
wenn Deine Ängste zunehmen, weil Dein Freund sich so rücksichtslos verhält, ist es an der Zeit, nachzudenken, ob das der richtige Mann für Dich ist. Ich finde es klug von Dir, dass Du Deine Ängste siehst und auch deren Ursache, sowie, dass Du was dagegen tust. Es ist gut, einen Job, von dem Du nicht überzeugt bist und der gravierende Änderungen bringt, nicht anzunehmen. Hör in solchen Dingen auf Dein Gefühl, nicht auf Deinen Freund.
 
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Gast

  • #9
Zunächst mal bist Du vollkommen normal und Dein Freund ziemlich unsensibel.

Ich war früher auch sehr ängstlich und übervorsichtig und traute mir kaum etwas zu, das lag aber auch daran, dass ich als Kind fast nichts durfte und meine Eltern ständig in Sorge lebten, mir könnte etwas zustossen. Meine Ängste waren so gross, dass sie fast mein ganzes Leben beherrschten, das ist natürlich kontraproduktiv. So nach und nach habe ich mich meinen Ängsten gestellt und sie in vielen Punkten überwunden und konnte somit mein Selbstwertgefühl stärken. Mein Mann hat mich immer wieder ermutigt und mich bestärkt, mal über meinen Schatten zu springen, ohne Druck auf mich auszüben, so sollte es eigentlich sein.

Eine Draufgängerin wirst Du sicherlich niemals werden, allerdings lohnt es sich, an den Ängsten zu arbeiten, lass Dich von Deinem Freund aber keinesfalls unter Druck setzen. Notfalls solltest Du dich trennen.
 
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Gast

  • #10
Ich finde es völlig richtig, erst zu denken und dann (vielleicht) zu handeln. Wichtig ist mir nicht, ob mein Freund oder sonst irgendjemand es toll oder blöd findet, wie mutig oder feige ich bin, sondern ob ich mich wohlfühle mit der jeweiligen Menge an Mut oder Vorsicht.
Ich gehe zum Beispiel gar nicht in den See schwimmen, weil ich keine Lust habe, mir Scherben in den Fuß zu treten. Ich kenne leider keinen See, der nicht zugemüllt ist. Nun ist Schwimmen aber auch nicht mein Hobby, deshalb empfinde ich diese Vorsicht auch nicht als Einschränkung.
Außerdem gehe ich nicht auf Silvesterpartys, denn keine Party ist es wert, durch sinnlose Knallerei seine Gesundheit zu riskieren.
Riskieren muss man doch nur etwas, wenn man einen Zugewinn an Lebensfreude davon hat, sonst ist es nur sinnlose Waghalsigkeit.
 
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Gast

  • #11
Hallo FS,

ich würde mal sagen du bist so Anfang-Mitte 20? Deinen Freund halte ich für einen, mit Verlaub, Heckenp*nner, daß er so wenig auf dich eingeht und dermaßen über dich und deine (erstmal total berechtigten, weil es eben deine sind) Gefühle rüberbügelt.

Mein Rat wäre, hänge dich nicht an einen Spontan-Aktivisten, für den alles immer nur ein Spaß ist (sein soll?), sondern suche dir einen, der zu dir paßt und der dich vor allem so respektiert und erst nimmt /annimmt, wie du bist, dann wird dein Leben auch entspannter und du fühlst dich am Ende mehr bei dir selbst, wodurch du automatisch mehr aus dir rauskommen wirst.

Daß du einen Freund hast, der da immer auf 'toller Hecht' macht und ihn dafür evtl. auch noch anhimmelst und dich selbst dadurch noch kleiner machst, halte ich persönlich für kontraproduktiv. Liebe sollte vor allem heißen, den anderen so zu nehmen wie er ist und ihn genau dafür zu lieben, nicht aber, ihn unter Druck zu setzen und sich auf seine Kosten zu produzieren. Geht nach meiner Ansicht gar nicht... :-((

Ich wünsche dir diesbezüglich mehr Erkenntnis UND VOR ALLEM KONSEQUENZ.

m
 
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Gast

  • #12
Liebe FS,
ich feinde dein Freund / Partner ist gar keiner. Ich zeichne das, was du geschrieben hast mal weiter
Er der gute Schwimmer sagt zu dir der schlechten Schwimmerin "Du liebst mich nicht wenn du nicht mitten auf den See hinaus schwimmst." Erstens - damit fordert er etwas von dir was zu, was du vernünftigerweise nicht tun darfst. Frag die Rettungsschwimmer, wie oft sie Menschen, die sich überschätzt haben aus dem Wasser gezogen haben ! Diese Forderung ist keine Kleinigkeit, das grenzt schon - jetzt nochmals übertrieben - an die Aufforderung einen Unfall zu bauen! Es gibt Menschen, die sind supergute Schwimmer, es gibt Menschen die sind weniger gute Schwimmer.
Weisst du wie ein Schwimmtrainer mit dir umgehen würde? Also ein professioneller Schwimmlehrer:
"Nur soweit du dich sicher fühlst. Es ist in Ordnung, wenn du nur am Rande bleibst. Ich bin da und passe auf die ganze Gruppe auf. Langsam. Wasser kennen lernen. Übungen wie Seestern, Tauchübungen und und und." Ich habe mal mit so einem gearbeitet, weil ich kraulen lernen wollte.
-Richtig gut kraulen.
Zweitens - er sagt, deine vernünftige Haltung sein dooff, irre, unmöglich und eine Beweis dafür, dass du ihn nicht liebst. "Also - wenn du mich wirklich lieben würdest, dann würdest du gerne Fleisch essen," sagt der Fleischesser zum Vegetarier. Der sogenannte Freund/ Partner manipuliert dich und wertet dich ab auf eine sehr fiese Weise.
Schwimm soweit du willst und wo du willst und setzt diesem sogenannten Freund / Partner klare Grenzen und rede mal Klartext mit ihm! W
 
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Gast

  • #13
DIE FS.

Vielen Dank für die Beiträge, vor allem die von Männern. Es ist schön, auch mal männliche Ansichten zu bekommen. Kam mir schon vor als ob ich untauglich als Freundin wäre (und ja, ich gehe gerne ins Wasser, tauche ab und liege nicht nur zum Sonnen am Strand).

Oh, wie hat der eine Gastbeitrag doch so Recht. Mir wurde als Kind auch alles verboten, die Eltern waren hyper ängstlich. Zum Glück bin ich aus diesem Gefägnis. Vielelicht treffe ich irgendwann im Leben den richtigen Partner, der mir zur Seite steht und mich unterstützt. Ihr habt schon Recht. Es passt einfach nicht mehr so....
 
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Gast

  • #14
Deine Angst ist Deine Lebensversicherung.

Stelle Dir vor jeder hat einen unsichtbaren Kreis um sich, nur vertaute Leute können ihn ohne Schutzabwehr betreten, bis zum 2. unsichtbaren Kreis. Am 2. Schutzkreis wird es Dir ungemütlich.

So ist es auch mit den Gedanken. Andere denken 1 Tag im Vorraus und 1 Tag zurück. Andere wollen wissen was man vor 3 Tagen gegessen hat.

Dein Freund sollte erstmal restlos akzeptieren das Du andere Maßstäbe ansetzt. Ich würde Euch empfehlen entweder das Thema totschweigen oder ihr findet heraus wo Deine Genzen liegen, damt er nicht verlangt das Du sie überschreiten sollst. Wenn er Deine Grenzen kennt, kann er sie leichter akzeptieren.

Erst wenn der Druck weg ist, erst dann können sich Deine Grenzen verändern - wenn Du das willst. Ich habe mir als Motto gesetzt: Druck erzeugt Gegendruck und das bedeutet Stillstand.
 
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Gast

  • #15
Ich finde es normal und reif, vorsichtig zu sein. Das hat auch etwas mit der persönlichen Sensibilität zu tun. Wer besonders sensibel ist, hat ein feineres Gespür für Risiken und Gefahren. Das ist etwas Positives! Stell dir mal vor, wo die Menschheit heute ohne ihren natürlichen Flucht- und Schutzinstinkt wäre. Das Eingehen unnötiger Risiken ist viel bescheuerter. Was meinst du, wie viele Leute zum Beispiel jährlich beim Skifahren verletzt oder sogar getötet werden?

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