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Gast

  • #1

Beziehungsarbeit oder lieber serielle Mono- bzw. Polygamie?

Vom Typ her war und bin ich ein Beziehungsarbeiter. Ergebnis: Ich habe gearbeitet, die Mädels haben sich mehr oder weniger bedienen lassen. Ich bin bei EP gelandet. Heute frage ich mich, ob es überhaupt Sinn macht, Beziehungsarbeit zu leisten? Wozu soll das letztlich gut sein? Es kostet Zeit und Mühe und am Ende steht man entkräftet doch wieder alleine da. Und hat bis dahin viele schöne aushäusige Möglichkeiten verpasst? Jetzt, wo es Partnerbörsen gibt, ist es doch ein Leichtes, an interessante und abwechslungsreiche Partnerinnen zu kommen. Ich frage mich ernsthaft: Kann es da überhaupt noch Sinn machen, sich für EINE Beziehung abzustrampeln? Also: Ist es nicht sinnvoller, es laufen zu lassen, so lange es gut läuft und ggf. eben umzuswitchen und Neues zu genießen, anstatt die Energie in Beziehungsarbeit zu versenken? M 45
 
  • #2
Sorry, Du erscheinst einfach verdammt verbittert, daher fasse ich mich betont kurz:

1. WENN es für dich so einfach ist, über das Internet neue Partnerinnen zu finden, dann mache das und schaue, ob Du glücklich wirst. Mir scheint, dass die meisten Menschen hier doch etliche Monate oder gar Jahre in die Partnersuche investieren und eben nicht "einfach mal so" nebenbei eine neue Partnerin finden.

2. Beziehungsarbeit kostet Mühe und Zeit. Natürlich. Such Dir eine Partnerin, die bereit ist, diese Arbeit zu teilen. Bezweifel nicht den Sinn der Beziehungsarbeit, nur weil Du einmal gescheitert bist. Das ist doch bei allen Aufgaben und Herausforderungen im Leben das gleiche: Man darf nicht aus dem Scheitern schließen, dass es prinzipiell nicht geht oder keinen Zweck hat.

3. Beziehungsarbeit ist notwendig und eine dauerhafte, stabile Beziehung ist langfristig auf jeden Fall günstiger als viele aufeinanderfolgende, vergleichsweise oberflächliche Beziehungen.
 
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Gast

  • #3
Richtig, Frederika.
Was du in 1.3 schreibst, kann ich nur unterstreichen.
Zu wechseln, wenn es mal nicht mehr so gut läuft, ist schon der eigenen Entwicklung nicht besonders förderlich; auch in der nächsten Partnerschaft wird es irgendwann Probleme geben. Und was dann? Wieder den Nächsten, die Nächste probieren? Bis auch da wieder ... und so weiter. Erfüllung stelle ich mir anders vor.

FS, lass dich nicht entmutigen; du hast bisher vielleicht nur Pech gehabt. Viele Frauen sind bereit, mitzuziehen und an einer Beziehung, einer Partnerschaft, zu arbeiten - nach meiner Erfahrung mehr als Männer.
 
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Gast

  • #4
@1

Nun ja: Hier bei EP sind meines Wissens um die 1 Mio Mitglieder (darunter auch Frederica sowie der Fragesteller) registriert und auf der Suche. Hinzu kommen einige Millionen bei anderen Partnerbörsen. Plus die Dunkelziffer derer, die im realen Leben suchen.

Der Fragesteller ist also kein "besonders verbitterter" Einzelfall.

Sollte sich Beziehungsarbeit lohnen, dürften sich doch mindestens die Hälfte der Suchenden in glücklichen Beziehungen befinden und ihre Zeit dort statt im Netz verbringen und eine solche Heerschar Gescheiterter (ich setze voraus, das die überwältigende Mehrheit der im Netz Suchenden bereits Beziehungserfahrung hat, Scheidungsquote 50%) überhaupt nicht auf der Suche sein?

So "notwendig" (DAS ist die Frage...) Beziehungsarbeit auch zu sein schein mag - offensichtlich schlägt sie häufig fehl? Oder wird einfach nicht oder nur einseitig geleistet?

Bliebe allenfalls die Hintertür, sich den Begriff "langfristige Beziehung" schönzureden = "langfristig" so zu definieren, dass es einem dann doch in den (seriellen) Kram passt.
 
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Gast

  • #5
Hm, schade, dass du als Beziehungsarbeiter Frauen als Mädels betitelst.

Ich denke als Frau, dass sich auf jeden Fall Beziehungsarbeit lohnt, schon für mich persönlich alleine, um mit dem Mann an meiner Seite "wachsen" zu dürfen und dann leider doch feststellen zu müssen, dass die Augenhöhe nicht mehr stimmt oder der Mann halt kein Beziehungsarbeiter ist.

Leider scheint es so zu sein, dass die richtigen Männer sich die falschen Frauen "suchen" und anders rum auch, und dies so zur Ergänzung einfach gesetzmäßig von der Natur vorgegeben ist, aber letztendlich an der Realität doch scheitert bzw. scheitern muss.

Vielleicht muss Mann/Frau sich hinterfragen, was Beziehungsarbeit in seinen/ihren Augen wirklich ist?

Beziehungsarbeit fängt m.E. auch in erster Linie erstmal bei sich selber an.

Wenn man sich für eine Beziehung abstrampelt, ist irgendwas nicht in Ordnung und da muss Frau/Mann schauen, warum es erst dazu kam, dass Frau/Mann sich abstrampeln musste und ob man das nicht früher hätte erkennen können.

Ich habe persönlich mein Lehrgeld zahlen müssen und bin heute viel klüger und sehe inzwischen sehr schnell, ob es sich "lohnt" Zeit und Kraft in eine beginnende Beziehung, zu wem auch immer, zu investieren.

w, 46
 
  • #6
Ne bin auch Beziehungsarbeiter. Wenn du das kannst von einer zur nächsten zu hüpfen, dann machs.
Um eine Frau die ich liebe, werde ich auch kämpfen solange es für mich Sinn macht.
Wegen Lapalien werde ich nicht gleich den Kopf in den Sand stecken.
 
  • #7
Ein sehr guter Beitrag Frederika
Ich bin auch eher der Beziehungsarbeiter, wenn ich in einer Beziehung bin, dann kämpfe ich und liebe den Partner solange es für mich Sinn macht. Natürlich kämpfe ich mit dem Partner zusammen- wenn ich merke, dass es für ihn ist schon längst Schluss ist, dann bin ich weg. Wegen kleinen Krisen oder großen Krisen verlasse ich keinen Mann- nur wenn es für ihn aus ist oder für mich, oder wenn ich merke, dass er nicht mit mir glücklich ist oder ich nicht mit ihm glücklich bin und es nicht werde, oder er untreu ist.
 
  • #8
@#3: Nein, Dein Beitrag entbehrt jeglicher Logik und ist eher ein Beispiel für die Absurdität falscher Umkehrschlüsse.

Deine Argumentation folgt etwa dieser hier: "Warum Verkehrsregeln beachten und vorsichtig Autofahren, wenn es doch täglich zu 1000 Unfällen kommt?"

+ Ohne Beziehungsarbeit würden quasi 100% der Beziehungen scheitern
+ Mit Beziehungsarbeit scheitert ein bedeutend geringerer Teil der Beziehungen
> also lohnt sich Beziehungsarbeit

Selbst wenn eine Beziehung scheitert, könnte man noch argumentieren:
+ Ohne Beziehungsarbeit würden Beziehungen nach kurzer Zeit scheitern
+ Mit Beziehungsarbeit halten Beziehungen deutlich länger
> also lohnt sich Beziehungsarbeit

Und man kann auch noch mit der Qualität argumentieren:
+ Ohne Beziehungsarbeit sind Beziehungen unharmonisch, streitbar, nicht lebenswert
+ Mit Beziehungsarbeit sind Beziehungen harmonischer, glücklicher, erfüllender
> also lohnt sich Beziehungsarbeit

Insgesamt bin ich sicher, dass aktive Beziehungsarbeit, also
+ Rücksicht
+ Kompromissfähigkeit
+ gute Kommunikation
+ Fähigkeit und Willen zum Verzeihen
+ die Bereitschaft, dem anderen einen Gefallen zu tun
+ die Bereitschaft, die Hobbys des anderen kennenzulernen, auszuprobieren, mitzumachen
+ die Bereitschaft, viel gemeinsame Unternehmungen, Abenteuer, Urlaube, Freizeit zu erleben
eine Partnerschaft überhaupt erst lebenswert, erfüllend und glücklich werden lässt und eine Beziehung ganz substantiell stabilisiert.

All dies ist aber leider eben keine HINREICHENDE Bedinungung für eine funktionierende Beziehung, sondern nur eine NOTWENDIGE Bedingung. Wie immer bei notwendigen Bedingungen, gilt natürlich: Nur weil man sie einhält, gelingt es noch lange nicht. Aber er sich nicht dran hält, dem misslingt es fast mit Sicherheit.
 
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Gast

  • #9
Lieber FS: Ich verstehe Deine Argumentation sehr gut und mir fallen dazu einige Dinge ein, die wohl manchem hier nicht so ganz genehm sind.

Scheinbar ist eine Beziehung sorgfältig zu pflegen, alles soll kompatibel sein. Nun gut. Aber hier im Forum sind so viele Spezialistinnen und Spezialisten, dass ich mich wundere, warum hier so viele Theorien aufgestellt werden? Ginge es nach dem Wissensstand vieler Beiträge hier - im Sinne theoretischer Partnerschaftskompetenz-, alle dürften gar keine Zeit haben, sich hier auseinander zu setzen, sondern müssten eigentlich "unter der Haube" sein.
Ich habe noch nie so viele wenn auch durchaus interessante und hilfreiche Beiträge gelesen, deren Muster zu beherrschen mir sofort eine eine Partnerschaft ermöglichen müsste, die, bis dass der Tod uns scheidet, in aller Glückseeligkeit läuft...
Trotz hilfreicher Psychologie etc. lassen sich Gefühle nun mal nicht mit der Wissenschaft erklären. Gefühle schwinden aber auch oft aus unerklärlichen Gründen. Beziehungsarbeit ist immer Ego, da geht es nur zum Teil um den anderen, der gerade eine Herausbewegung macht und der einen bitte bitte nicht verlassen soll...
Ich verstehe auch das Kämpfen nicht, das könnt Ihr im Boxring - meine Güte. Ich habe vor einiger Zeit meine Partnerin verlassen, sie wurde mir ohne ersichtlichen Grund von heute auf morgen zu viel. Eine Woche später habe ich ihre SMS und Mails weggedrückt, dann neue Sim Karte und neue Mailadresse, ohne das kleinste Interesse an ihr.
Andersherum bin ich schon zweimal verlassen und verletzt worden, habe an Abschiedsbriefen gefeilt, die wiederum meinen Partnerinnen so egal wie nur irgendwas waren. Sind Gefühle auf 0, dann hilft nichts mehr. Talfahrten, die weniger steil sind und länger dauern, bringen m. E. sehr wenig. Ich wirke wahrscheinlich arrogant, aber die deutsche Literatur allein kann diese Gefühlskiste viel kunstvoller behandeln, als die Negation über Altlasten, Kampf für die Beziehung e.V. & Co KG.
 
  • #10
ich bin schon wieder einer meinung mit fredrika...allmählich gibt mir das zu denken..;-)
frederika hat das gut dargestellt.

was einem bei der beziehungsarbeit aber einen strich durch die rechnung machen kann ist, wenn der partner nicht mitzieht.
wenn einer, bei problemen an der beziehung arbeitet, versucht die probleme zu lösen, und der andere nicht mitzieht, dann zieht es dem beziehungsarbeiter den boden unter den füssen weg.
es müssen eben beide an der bziehung arbeiten.
ich kenne aus eigener erfahrung die situation, selbst noch mit der lösung der probleme beschäftigt zu sein, während madam schon auf dem weg zu neuen ufern ist.

die frage ist nicht, ob man an beziehungen arbeiten soll, es ist ein muss!
 
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Gast

  • #11
ich habe nach wunschgemäßer Auszeit viele Dinge nach dem Wunsch meiner damaligen Freundin verändert. Dabei ging es um schnell änderbare Wohnsachen etc..

Als ich freudestrahlend nach Verabredung ihr Auto auf meinen Hof biegen sah, habe ich echt geschluckt als sie nur kam, um ihre Sachen zu holen, im Auto wartete der neue Liebhaber schon auf dem Beifahrersitz...
Eins muss mal klar sein: Wie MadMax schreibt, wenn die liebevolle Partnerin ihre Gefühle eben nicht mehr hat, dann hat sie die gleichen Emotionen zu Dir, wie Du zu Deinem Steuerberater - nämlich gar keine - und bei manchen Frauen mag das sehr soft ablaufen, ich glaube Männer sind da schneller, anders, keinesfalls besser, aber eben ein bisschen mehr "Hund" als "Katze"
 
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Gast

  • #12
@8

Ja, ist es nicht erstaunlich, wie (immer wieder) aus Begeisterung (auf einer Seite) plötzlich oder schleichend völlige Gleichgültigkeit oder gar Hass wird?

Ich fürchte auch, die ganze Beziehungsarbeiterei (die vor allem das Gegenüber am Gehen hindern soll) kann man sich sparen? Liebe, Begeisterung und Begehren kommen und gehen eben.

Und wer sich von diesem Strom mitreißen lässt, darf sich eben nicht wundern, wenn er/sie irgendwann irgendwo angespült wird und schmerzhaft strandet (oder stranden lässt)? (Wer in den Fluss steigt, wird eben nass...)

Und kommt es nicht zur Trennung, dann oft eben zur faden Gewohnheit mangels besserer Gelegenheiten oder in der Hochzeit selbst geschaffenen materiellen oder familiären Sachzwängen?

Wichtiger als Beziehungsarbeit scheint in in diesem Szenario die Fähigkeit, Trennungen gut verkraften zu können und sich nicht zu stark einzulassen bzw. möglichst bei sich zu bleiben und sich nicht zu verlieren und eben nicht auf das Gegenüber zu verlassen?

Eine Garantie gibt es eben nicht. Auch mit noch soviel Arbeit nicht. Siehe #10.

Ich denke, eine Halbwertszeit von mehr als 5 Jahren sollte heute niemand mehr erwarten. Ergo machen Familiengründung und gemeinsamer Immobilienerwerb aus meiner Sicht kaum Sinn.
 
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  • #13
Gratuliere Frederika - ein wunderbar durchdachter Beitrag! Toll das zu lesen!
 
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Gast

  • #14
ein sehrgutesthema. ich, m 46, gehe auch eher mit#@8 und #@11, wo wirklich realitätssinn draus hervorgeht, aber auch ein gutteil verbitterung, den die damenwelt verursacht hat.klingt aber auch ein bißchen like american psycho(von wegen nach 1 woche sms löschen und neue simcard, so geht man mit menschen, wenn vermeidbar, nicht um; der verlässt, hat verantwortung, finde ich)andererseits sind die abstrahierten und windungsreichen thesen von @frederika auch nicht völlig verkehrt, erinnern aber zu sehr an das theoretische ideal. aber man muss indeed sich fragen, warum theorie theorie ist und bleibt, von der hier einige meinen, experten zu sein.wie läuft denn eure beziehung oder suche dadurch, da in praxi andere regeln gelten.

wenn man als attraktiver, gut situierter mittvierziger endlich das stadium überwunden hat, nicht (mehr!) alleine sein zu können, mit der partnerin an der seite eine variable füllen zu müssen, um einsamkeit (die immer zuerst aus einem selbst heraus kommt!) zu vermeiden, kann das singleleben auch reichen, gibt ja andere möglichkeiten zuhauf.wenn man dann schon nicht mehr sucht, klappts dann.aber das man irgendwann mal davor die schnauze voll hat, wen wunderts.nennt es verbitterung, aber sie kommt zum teil - ja auch durch andere dinge, wie den verlust durch plötzlichen oder qualvollen tod geliebter menschen, da die einschläge näherkommen.

allegemein gilt, dass dann, wenn man es als autodidakt in der liebe es nicht zur wahren meisterschaft bringt, auch theoretische fachwerke nichts helfen, leider.
 
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Gast

  • #15
der tod geliebter menschen ist natürlich sehr einschneidend, vor allem, wenn man sich sehr um ihn gekümmert hat. trotzdem bin ich (w) der meinung: beziehungsarbeit sollte immer von einem selbst ausgehen. stark und "arbeitswillig" ist der mensch, der sagen kann "wirst sehen, in einem halben jahr lachen wir gemeinsam darüber, dass wir uns so kindisch angestellt haben." das! ist für mich wahrer! beziehungsarbeitswille. das setzt natürlich voraus, dass beide gesprächsbereit sind. nie läuft immer alles rund. immer rund ist nur der fußball ;-)

wenn der andere das dann immer noch nicht versteht, ist er eben kein! beziehungsarbeiter und dann resigniert der partner zwangsläufig. alles gute.