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  • #1

Beziehungsende: Nach einem Monat einen Neuen suchen normal?

Hallo liebe Leser/innen!

Ausgangslage: 4-jährige Beziehung. Beziehungsende von beiden im Zustand großer Resignation/Erschöpfung einvernehmlich ausgesprochen. Grund: Große Reibungen, weil der eine Partner eher philosophierlustig-politisch-pessimistisch-grüblerisch-reflektierend war, der andere hingegen eher smalltalklustig-unpolitisch-optimistisch-pragmatisch-unreflektierend (starke Wesens-, bzw. Einstellungsunterschiede). Trotzdem war auf eine gewisse Art tiefe Verbundenheit da. Gemeinsame Hoffnung und Rettungsversuche bis kurz vor endgültigem Schluss.

Findet ihr es seelisch / moralisch normal, wenn nun einer der Ex-Partner nach dem Ende dieser 4-jährigen, intensiven Beziehung (gemeinsame Wohnung, große Vertrautheit und Zuneigung), nach einem Monat gezielt Kontakt zu einem neuen Menschen herstellt und mit diesem schließlich nach einem weiteren Monat eine neue Beziehung eingeht, während der andere noch stark um die gescheiterte Beziehung trauert?
 
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  • #2
Ja, das finde ich ganz normal.
Der Partner (oder besser: Ex-Partner), der das tut, hat die Trennung innerlich schon längst vollzogen.

Warum soll er oder sie nicht daten und einfach mal sehen, ob sich was ergibt?
Ich (w) würde das genauso machen.
 
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  • #3
Klar ist das legitim, und so wie #1 schreibt, nämlich, dass der eine Partner die Trennung bereits längst vollzogen hat, und zudem das Glück hat, dass ihm ein neues passender Partner gleich "über den Weg läuft". Da es passende Partner nicht an jeder Strassenecke gibt, oder auch weil er für die Verarbeitung der Trennung längere Zeit braucht, bleibt der andere eben länger oder lange alleine.
 
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  • #4
Ex ist Ex und getrennt ist getrennt.

Der Fehler ist Deinerseits, Dir Gedanken über den Ex zu machen. Zurück kriegst und willst ihn nicht mehr - wozu dann die alten Probleme wieder und wieder durcharbeiten ? Eine Lösung gibts eh nicht - und wenn doch, dann interessiert die Lösung eh keinen mehr irgendwann. Es geht auch nicht drum, wer irgendwie recht hat.

Such Dir nen andern, geh raus, wo Dich Männer nackt sehen (z. B. in eine Sauna - Arena) - das hilft.
 
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  • #5
Vielleicht hat der Partner die Beziehung schon längst abgeschlossen (vor der Trennung), deswegen kann er relativ schnell eine neue anfangen.
Oder der Partner sucht Ablenkung bei der/dem Nächsten.
 
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  • #6
Nein, ich finde das definitiv nicht normal oder wünschenswert. Aber das ist anscheinend häufig so, dass häufig ein Partner schnell wieder in die nächste Beziehung geht.

Meine Beziehung ist jetzt seit 3 Monaten vorbei, aus ähnlichen Gründen wie bei Dir und obwohl ich weiss, es ist richtig so, fehlt er mir und ich bin vom Herzen noch bei ihm. Ich könnte mich gerade überhaupt nicht für einen anderen Menschen öffnen.

Er sucht schon seit dem ersten Tag intensivst nach einer anderen, weil er auch sagt, er kann nicht allein sein und er braucht Sex. Tja, da weiss man dann, was das wichtigste war.

Mich macht das auch traurig, aber ändern kann man da nix. Meist ist so etwas eher eine Übergangsbeziehung. Egal, aber es macht klar, dass es wirklich vorbei ist. Und das ist einerseits gut, andererseits sehr traurig, weil man nicht fassen kann wie schnell man egal wird für den anderen.
 
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  • #7
Kann es sein, dass:

der "philosophielustig-politisch-pessimistisch-grüblerisch-reflektierende" Mensch eher den Weg der Reflexion und Verarbeitung zuerst mal alleine wählt? Also sich der Trauer hingibt?

Und der "smalltalklustige-unpolitische-optimistische-pragmatische-unreflektierende" Mensch den Weg der oberflächlichen Ablenkung sucht? Also eine/n neuen Partner?

Dann ist es aus meiner Sicht eben genau so wie ein Mensch tickt

Für mich gibt's da kein richtig oder falsch. Das Ergebnis muss passen. Nämlich der Prozess des Verabschiedens, Loslassens und dem Neu Orientieren im eigenen Leben.

Ich persönlich weiss, dass nach so kurzer Zeit nach der Trennung ein neuer Partner nicht für lange währt
Deshalb wähle ich den Weg der natürlichen Trauer und da passt kein neuer Mensch rein

Also: Jeder Mensch ist anders, zu wissen was für sich selbst am besten ist, ist für mich das wichtigste
Egal, wie es andere machen

w/42
 
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  • #8
Liebe FS

schlecht für den Neuen/die Neue. Die /der ist Trostpflaster für gerissene seelische Wunden.
Ich habe gerade sowas hinter mich gebracht als unerfahrene Dritte zwischen zwei Kampfhähnen die sich um die Kindererziehung noch austauschen müssen. Mein Fazit : nie wieder auf jemanden einlassen der sich gerade "frisch getrennt" hatte. Du wirst unweigerlich thrapuetische Maßnahme zur Gesundung des anderen.

Wenn ich mich trennen musste habe ich rund 1,5 bis 4 Jahre gebraucht um wieder mit Überzeugung eine neue Bindung einzugehen. Eher war das nicht möglich.
 
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  • #9
Findet ihr es seelisch / moralisch normal, wenn nun einer der Ex-Partner nach dem Ende dieser 4-jährigen, intensiven Beziehung (gemeinsame Wohnung, große Vertrautheit und Zuneigung), nach einem Monat gezielt Kontakt zu einem neuen Menschen herstellt und mit diesem schließlich nach einem weiteren Monat eine neue Beziehung eingeht, während der andere noch stark um die gescheiterte Beziehung trauert?

Ja. Moralische Ansprüche enden zu dem Zeitpunkt, zu dem die Beziehung endet. Wechselseitige andere Ansprüche ebenfalls.

m, 46
 
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  • #10
Im Studium gab es eine Kommilitonin, die hatte schon in den 80ern zig "Beziehungen" - ging eine auseinander (was öfter mal vorkam), hatte sie typischerweise in weniger als einer Woche schon wieder einen neuen Stecher (ja, richtig gelesen). Ab und zu hört man bis heute noch was von ihr: sie ist AE von drei psychisch auffälligen (= therapiebedürftigen) Kindern; trotz Ehe und Familiengründung ist sie ihren Mustern treu geblieben. Auch eine Form der "Treue"... ob sie glücklich ist? Keine Ahnung, ich bezweifle es.
 
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  • #11
@ #9 immer diese Extremnegativbeispiele, bringt das was?

Im Normalfall gibt es nur zwei Varianten:

- Die Beziehung war nicht schon nach 4 Jahren sondern 3 Jahren zu Ende, bloss kommunziert wurde es noch nicht um es irgendwie noch zu retten. Dein Partner hatte schon innerlich abgeschlossen.

- Die neue Beziehung ist eine Art Trostspender, um das Selbstwertgefühl zu erhalten.

Unnormal würde ich es nicht bezeichnen, nur als unschön.
 
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  • #12
Als FS erstmal vielen Dank an alle für Eure Antworten!

Scheinbar gibt es da drei Beurteilungstendenzen: 1. Ist eher normal/nachvollziehbar. 2. Ist eher nicht normal/nicht nachvollziehbar. 3. Von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Hinzuzufügen: Die Beziehung in diesem Fall war keine, die bereits seit Monaten/Jahren innerlich beendet war, sondern war bei beiden Partnern bis kurz vor Schluss von Hoffnung/Kampf um Gelingen geprägt.

Außerdem hinzuzufügen: Es handelte sich um kein zufälliges „sich über den Weg laufen“ (kein sich Finden), sondern um eine gezielte Kontaktaufnahme/-intensivierung (also ein Suchen).

An #5: Ich wünsche Dir viel Kraft. Vielleicht brauchen manche Menschen gleich eine neue Beziehung, weil sie ihren Trennungsschmerz nicht ertragen können. Leider schmerzt es für den alten Partner dann umso mehr (egal wie man es sich erklärt, selbst wenn man dem anderen einfach nur die Schwäche zuschreibt, nicht richtig trauern zu können).

An #6: Ja, finde auch das ist eine interessante Frage, ob das von der Einstellung her abhängt. Du schreibst, das Wichtigste sei der Prozess „des Verabschiedens, Loslassens und neu Orientierens“.
Aus dem Bauch heraus (fachlich bewandert bin ich da nicht) würde ich sagen, dass man nach einem Monat noch nicht viel verarbeitet haben kann. Bei gleichzeitiger Anbahnung einer neuen Beziehung, bleibt da überhaupt noch Zeit für die Verarbeitung der alten Gefühle?

An #7: Danke für Deinen Erfahrungswert, ich brauche denke ich auch etwas länger.

Euch allen viel Glück!
 
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  • #13
während der andere noch stark um die gescheiterte Beziehung trauert?

Das kommt auf den Verlauf der Beziehung an. Meistens trauert ja nur einer, nämlich derjenige, der das Faß beim anderen zum Überlaufen gebracht hat. Wenn ich nun aber derjenige bin, der den Schlußstrich gezogen hat, warum sollte ich dann solidarisch mit dem Ex-Partner trauern? Dessen Trauer ist ja hausgemacht. Nein, das Thema ist für mich mit erfolgter Trennung durch, so daß ich praktisch sofort offen für eine neue Partnerschaft bin. (m)
 
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  • #14
Ja, ich kann das. Ich bin niemand der der Vergangenheit lange nachtrauert. Ich denke nach der Trennung sehr intensiv nach was schief gelaufen ist. Dann nehme ich neuen Anlauf. Warum soll ich monatelang etwas nachtrauern, was nicht funktioniert hat? Wozu?

W33
 
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  • #15
Als FS danke für die weiteren Antworten!

An #10: Dann muss es hier der zweite Fall sein. Um sich Trost zu spenden und sein Selbstwertgefühl zu bewahren, wird eine neue Beziehung gebraucht. Das hat sich in der Vergangenheit in diesem Fall schon einmal gezeigt (ich selbst war ein "Warmwechsel", woran ich auch eine Weile zu knabbern hatte, jedoch war die Beziehung vor mir bereits lange "tot", zählte also zu #10's Fall Nr. 1).

Ich mache mir sogar Sorgen, das ein Mensch, der eine intensive, langjährige Liebesbeziehung einfach durch eine neue ersetzt, irgendwann gar nicht mehr ohne einen Partner kann, weil das Trauergefühlt/der Schmerz unverarbeitet ins Unterbewusste verdrängt werden, mit Hilfe der neuen Beziehung.

Nochmals Danke für Eure Sicht der Dinge
 
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  • #16
Moral ist für Menschen, die sich selber einschränken. Das Leben ist zu kurz, um verklemmt zu leben! Wenn der Partner sich gleich eine neue sucht, dann hat er sich schon viele Monate oder Jahre emotional vom Partner/von dir getrennt, ohne, dass du es gemerkt hast!

Übertrage außerdem deine Sichtweise nicht auf andere Menschen. Jeder geht mit Trauer und Abschied anders um. Vor 20 jahren bin ich mit Trennungen auch noch ganz anders umgegangen als heute. Heute macht es mir fast gar nichts mehr aus. Realistisch betrachtet müssen mir alles im Leben eines Tages loslassen, unserern Partner, unsere Familie, unser Hab und Gut. Wir können nichts mitnehmen und nichts bleibt für die Ewigkeit bei uns bestehen. Je früher man sich angewöhnt, dass alles mal aus dem Leben scheidet, und man nichts festhalten kann und das auch gar nicht nötig ist, desto besser.

Ja, eine Trennung ist doof und schmerzhaft, aber die Beziehung war wohl längst vor der Trennung nicht mehr so dufte, wenn du mal drüber nachdenkst. Stürz dich ins Leben und lerne jemand neues kennen. Die alte Geschichte ist dann bald vergessen und du lachst wieder drüber.
 
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  • #17
Liebe FS,

ich bin #6 und ja, genau so habe ich es gemeint.
Nun wollte Dir noch was senden, als Ergänzung.

Ich habe einmal einen Mann gekannt, der vor Jahrzehnten eine sehr heftige Scheidung erleben musste.
Er hat sich ab da sofort in eine neue Beziehung gestürzt, die natürlich nicht hielt. (Die neue war 20 Jahre jünger)

Statt sich zu besinnen und das ganze gut und im entsprechenden Tempo zu verarbeiten, startete er gleich danach eine unglaubliche Menge an neuen Beziehungen. Die eine ging, da "schnappte" er sich schon am nächsten Tag die nächste.

Viele Menschen, die ihn kennen, schütteln nur mehr den Kopf.
Er behauptet stolz von sich, dass er alles verarbeitet hat und mittlerweile ist er bald 50 und heute tut er mir mittlerweile leid.

Aus meiner Sicht sind das Menschen, die nicht mit sich alleine sein können. Ständig auf der Suche nach Anerkennung. Für mich wäre das Stress.

Aber jeder geht anders mit diesem Thema um
 
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  • #18
'...Wenn der Partner sich gleich eine neue sucht, dann hat er sich schon viele Monate oder Jahre emotional vom Partner/von dir getrennt, ohne, dass du es gemerkt hast! ::::'

Falsch! Erfahrung aus der Arbeit in der Paarberatung: dieser Mensch rennt immer wieder mit Volldampf gegen die Wand, weil er nicht über das nachdenken will oder kann, was falsch gelaufen ist
UND
Er/sie kann nichts mit sich selbst anfangen/nicht allein sein - die Menschen an der Seite sind austauschbar, wichtig ist nur: es ist jemand da.

'.. Das Leben ist zu kurz, um verklemmt zu leben!...'
Falsch! Das Leben ist zu wertvoll, um einfach drauf los zu leben, ohne sich mal Gedanken zu machen.

'..Stürz dich ins Leben und lerne jemand neues kennen...'
Eklig - und missbrauche den neuen Partner als Tröster, als Ersatz. Er als Mensch ist gar nicht wichtig, wer so denkt, kann mit sich selbst nichts anfangen.
Diese Haltung ist die beste Garantie, immer wieder dieselben Fehler zu machen UND anderen Menschen völlig unnötig weh zu tun.
 
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