• #1

Beziehungsfähigkeit von ehemaligen Scheidungskindern

Hallo liebes Forum,

ich bin selbst Scheidungs"kind" (damals 7, heute 27) und würde gerne wissen wie es mit der Beziehungsfähigkeit von jungen Erwachsenen aussieht, die ebenfalls als Kinder eine Trennung mitgemacht haben.
In meinem Fall ist es so, dass mein Vater damals eine junge Geliebte hatte, für die er mich und meine Mutter damals verlassen hat. Das ganze war relativ unschön, mit viel Hass auf beiden Seiten. Mit meinem Vater hatte ich bis zu meinem 18. Geburtstag einen regelmäßigen aber distanzierten Kontakt. Danach hat er den Kontakt zu mir strikt abgebrochen. Warum genau weiß ich bis heute nicht aber er wechselt sogar die Straßenseite wenn er mich sieht. Er hat mit seiner damaligen Geliebten ein Kind das heute 8 Jahre alt ist.
Meine Mutter hatte nach 3 Jahren einen neuen Freund, der mich abgelehnt hat und teilweise auch mir gegenüber gewalttätig geworden ist. Sie hat aus Angst vor dem alleinsein immer Stellung zu ihrem Freund bezogen, ich war das schwarze Schaf. Der Kontakt zu ihr ist regelmäßig und relativ freundlich aber sehr sachlich und emotionslos. Ihr Freund ist nach wie vor da.
Inzwischen ist es so, dass ich durch meinen eigenen Freund - fast 2 Jahre Beziehung, kein SK, liebevolle Familie - merke, was in meinem Leben eigentlich schief gelaufen ist. Obwohl ich seine Familie sehr liebe sind gemeinsame Feiern für mich manchmal schwer zu ertragen und ich verfange mich in einem Netz aus Freiheitsdrang und Verlustängsten. Wenn ich sehe wie herzlich und liebevoll seine Mutter mit der jüngsten Schwester (20) umgeht spüre ich Stiche im Herzen und wenn die andere Schwester mit Mann und Baby vorbeikommt, werde ich traurig. Im ganzen Haus sind viele Fotos von allen Familienmitgliedern und deren Partnern, bei mir zuhause existieren nicht mal welche. Die letzten sind von meiner Kommunion.
Auch wenn ich meinen Freund nicht involviere (er versteht das mangels Erfahrung kaum) wird das ganze immer mehr zum Problem für mich, da ich mir auch Sorgen um meine Zukunft mache. Ich habe Angst nie diese emotionale Wärme innerhalb einer eigenen Familie aufbringen zu können und selbst alles falsch zu machen. Ich habe Angst meinen Mann und eventuelle Kinder abzulehnen. Ich dachte ich hätte mit meiner Kindheit abgeschlossen aber nun kommt alles langsam wieder hoch.

Kennt das jemand und kann mir Tipps geben oder soll ich direkt einen Termin beim Psychotherapeuten machen? Bin ich langfristig beziehungsunfähig?
 
  • #2
Dass du die gleichen Fehler bei deinen eigenen Kindern nicht machen wirst, erkennst du daran, daß dir die Fehler bewußt sind.
Darüber mach dir keine Sorgen.
Die traumatisierenden Kindheitserfahrungen aufzuarbeiten, ist in jedem Fall lohnenswert, aber - fertig wird man damit nie. Es bleibt immer Work in Progress, ganz läßt sich die Vergangenheit und das nie vorhandene Urvertrauen nicht mehr aufholen.
Aber das macht nichts - es ist eben deine Geschichte.
In der Familie deines Freundes siehst du eben jetzt, wie anders es sein kann. Kein Wunder, daß das auch schmerzt, weil du es nie gehabt hast.
Alles gut, keine Angst!
 
  • #3
Liebe FS, ich kenne persönlich viele Scheidungskinder ...

In meiner ehemaligen Schulklasse haben fast alle Scheidungskinder (15) 20 Jahre nach ihrem Schulabschluss stabile Beziehungen und Kinder (eine!! Ausnahme, männlich).

Die anderen Mitschüler aus intakten Familien sind nach 20 Jahren zu 60 % geschieden.

Natürlich ist das nicht repräsentativ. Was ich damit sagen will ist: Scheidungskind sein heißt nicht beziehungsunfähig sein.

Du solltest dir dessen bewusst werden: du bist nicht mehr das kleine Mädchen, das hilflos ausgeliefert ist!
Ein Beispiel: Du hast wenige Bilder aus deiner Kinderzeit - die Vergangenheit lässt sich aber nunmal nicht ändern - bleibe nicht drin stecken, mache jetzt aktiv selbst Bilder von dir/deiner Umgebung/Menschen, die du magst.

Ich (w) bin Scheidungskind, meine erste Beziehung (Ehe) endete durch den Tod meines Mannes, nun seit Jahren bin ich wieder in einer glücklichen Beziehung (inkl. Kinder). Selbst habe ich ein so liebevolles Verhältnis zu meinen Kindern, wie du es von der Mutter deines Freundes beschreibst. Ich habe akzeptiert, dass das Verhältnis zu meiner Mutter so nie sein wird. Es ist so und ich trauere Vergangenem nicht nach.

Mach einen Termin bei einem Psychotherapeuten, der dir helfen kann, Erlebtes richtig einzuordnen/zu verarbeiten.
Viel Glück!
 
  • #4
Nur mal langsam mit dem Psychotherapeuten. Hast Du das Ganze mal in einem wirklich ruhigen Moment mit Deinem Freund thematisiert? Klar, nach allem, was Du schilderst, bist Du ein Beispiel dafür, dass die Erfahrungen mit Familie in der Kindheit stark prägend sein können... aber das ist doch kein Determinismus und auch nicht gleich eine Therapieindikation!
 
G

Ga_ui

  • #5
Ich denke, es fällt schwer, hier Rat zu geben. Du bist relativ jung und gehörst vermutlich zur ersten Generation, deren Eltern sich alle regulär scheiden ließen. Hier wächst eine ganze Generation als Scheidungskinder auf. Vermutlich kann man die Lanzeitschäden erst in einigen Jahrzzehnten feststellen.

Dein Vater meint das sicher nicht böse, wenn er die Straßenseite wechselt. Er macht das aus Selbstschutz, um keine emotionale Nähe aufzubauen, um sich selber nicht zu zerstören. Er muss eine andere Familie versorgen. Und meist ist es dort genauso schlimm wie in der alten Familie. Es gibt kein Entrinnen vor den Problemen der Welt.

Du sagst: "Hass auf beiden" Seiten. Frauen/Mütter sind da nicht unschuldig, wenn es zum Zwist kommt, wenn ich mir so die meisten biestigen Ehefrauen ansehe und wie herablassend sie mit ihren Ehemännern umspringen. Dein Vater hat damals für sich richtig gehandelt. Im Gegenzug ist es genauso schlimm, wenn Väter bleiben und eine heile Welt vorspielen, die es nicht gibt. Kinder sehen, wenn es keine Liebe zwischen den Eltern gibt. Das ist genauso schädlich.

Du kannst nur das beste für dich draus machen und deine Eltern als schlechtes Beispiel nehmen, wie man es nicht macht. Du bist aber nicht deine Eltern. Wie du deine Beziehungen führst, liegt allein in deiner Hand und Verantwortung.
 
  • #6
Liebe FS,

das schaffst du, da bin ich sicher. Ich kann dich sehr gut verstehen und nachfühlen, wie du dich fühlst.
Du kannst eine Entscheidung für dich treffen und dich an dem Zugewinn *Familie* erfreuen. Du kannst dir selber ein Herz, was zur Liebe fähig ist, schaffen. Lege dein Augenmerk auf das, was alles gut ist, Angst ist ab heute nicht mehr dein Begleiter. Du erschaffst dir deine eigene Welt und bist nicht mehr auf deine Eltern angewiesen, die es leider nicht besser konnten. Hege und pflege Freundschaften mit Menschen, die dir nahe stehen, dann schaffst du dir eine eigene Welt, in der du dich wohl fühlst und kannst gleichzeitig deine Vergangenheit und die daraus hervorgehenden negativen Gefühle meistern. Glieder dich und bringe dich liebevoll mit in die Familie ein, dann hängst auch du bald mit unter den vielen Bildern und bist ein dazugehöriges Familienmitglied. Es wird dir gut tun. Viel Glück und nur Mut !
 
  • #7
Liebe FS,
Du bist weder langfristig beziehungsunfähig noch solltest Du einen dringenden Termin beim Therapeuten machen. Das Wesentliche ist bie Dir doch schon passiert: Du bist aufmerksam auf das Problem geworden, merkst, dass die Scheidung Deiner Eltern und wie sie danach mit Dir umgegangen sind, noch heute erhebliche Auswirkungen auf Dich hat, insbesondere auf Deinen Umgang mit Deinen Gefühlen.
Du merkst, dass Du massives Unbehagen empfindest, wenn Du auf eine heile Familie triffst und einen offenen, emotionalen, freundlichen Umgang miteinander erlebst.

Mit der Erkenntnis, dass das was mit Dir gemacht hat, was heute noch täglich nachwirkt, bist Du den meisten anderen mit ähnlichem Erlebnishintergrund weit voraus. Du weißt, was da ist und somit kannst Du damit umgehen lernen. Darum zu wissen und aktiv damit umzugehen (bitte keine Opferhaltung), läutet für mich bereits das Ende der aus dem Scheidungserlebnis gestörten Fähigkeit zur Bindung, Beziehungspflege etc ein.
Ob Du dafür professionelle Hilfe brauchst oder ob es reicht, ein paar Bücher zur Hand zu nehmen, musst Du selber entscheiden. Letzteres langt vermutlich, denn Du bist ja bereits auf dem Weg. Die meisten verweigern ja jede Einsicht in die Folgen des eigenen Verhaltens und sind Experten darin, anderen die Schuld an Trennungen zuzuschustern.

Man wird hier hart dafür angegangen, wenn man den vielen Geschiedenen und Alleinerziehenden die Folgen ihres destruktiven Lebensstils für ihre Kinder aufzeigt. Die wenigsten wollen das sehen und auch dafür die Verantwortung übernehmen. Also mach Dich auf Gegenwind gefasst.
Aus meinen Beobachtungen kann ich Deine Wahrnehmung bestätigen und sage immer denjenigen, die wissen wollen, wie sie einen guten Beziehungskandidaten erkennen: schau auf seine Familie und seinen Freundeskreis, dem Umgang miteinander in der Familie und wie Dein Partner darin agiert. Wenn das familienfreundlich ist, dann hast Du einen Kandidaten für eine Langzeitbeziehung gefunden.
Siehst Du den "sachlich-emotionslosen" Umgang und die "Familienlosigkeit" (keine Fotos) wie in Deiner Familie, dann kann es nicht funktionieren, wenn beide den gleichen Hintergrund haben und sich dessen nicht bewusst sind, ergo nichts ändern können.
 
M

Mooseba

  • #8
Ich bin jetzt seit drei Jahren Scheidungskind. Bin ich nun beziehungsunfähig?

(m,33)
 
  • #9
Hallo Lynnea,

ich bin auch ein Scheidungskind (damals 12, heute 49) und meine Ehe ist auch zerbrochen. Ich würde daraus aber nicht schließen, dass ich "beziehungsunfähig" bin. Das ist ein hartes Urteil.

Noch bedenklicher als die Scheidung an sich (die auch schon eine sehr harte Sache für Kinder ist, ohne Zweifel!) finde ich aber die Gewalt und die Lieblosigkeit, die dir widerfahren ist. Ich habe zum Beispiel zu beiden Eltern (heute beide um die 80 Jahre alt) weiterhin ein liebevolles Verhältnis. Auch die neue Frau meines Vaters (die aber nicht der Scheidungsgrund war!) pflegt ein gutes Verhältnis zu mir. Auch meine Tochter hat zu ihrem Papa bis heute ein sehr gutes Verhältnis- klar, alles Ambivalente ist hier mit einbezogen.
Scheidung und extreme Lieblosigkeit bis hin zu Gewaltausbrüchen und müssen also nicht immer zusammenhängen.

Aber: Wenn Dir die alten Dämonen Angst machen und Dich daran hindern, eine eigene Familie aufzubauen, dann such dir Hilfe! Ich habe das -aus anderen Gründen - auch getan und würde heute sagen, dass mir dieses Aufarbeiten (nicht nur das der Scheidungen...) eine gute Stabilität gebracht hat und einen realistischen Blick auf mich und meine Umwelt. Es tut weh und ist viel Arbeit - aber es lohnt.
 
  • #10
Oh je, mir geht es ähnlich. Auch ich bin ein Scheidungskind. Vermutlich bin ich auch deshalb eher negativ eingestellt was Beziehungen angeht. Auch Familienfeiern mag ich nicht, ich kenne das einfach nicht und es macht mir Angst.
Ob eine Therapie das ändern kann, kann ich nicht sagen da ich denke, dass es Teil meiner Persönlichkeit ist. Vermutlich auch einer der Gründe warum ich Frauen generell misstraue. Es ist für mich sehr schwer mich in einer Beziehung fallen zu lassen, vor allem da meine erste lange Beziehung so unangenehm gescheitert ist.
Daher bleibe ich lieber unverbindlich bei ONS und Affären. Damit tue ich keinem weh und bewahre mir meine Unabhängigkeit, vor allem da ich auch kein Interesse habe die überzogenen Ansprüche von Frauen zu erfüllen.
 
  • #11
Das klingt sehr traurig. Ich denke aber überhaupt nicht, dass es daran liegt, dass Du Scheidungskind bist, sondern an Deinen unreifen Eltern und ihrer Art, mit Dir umzugehen. Denn ansonsten müsste es ja korrelieren, dass alle Scheidungskinder Probleme haben bzw. gute Beziehungsfähigkeit daran liegt, dass die Eltern sich nicht trennten.

Ich denke, dass durch eine Scheidung ein Stück Sicherheit weggeht für das Kind, weil es nicht weiß, wie die Zukunft wird, aber immer davon ausging, dass die Welt seine beiden Elternteile sind, die zusammengehören und immer da sein werden. Allerdings ist durch ein Zusammenbleiben der Eltern auch keinesfalls gegeben, dass das Kind keine Beziehungsprobleme bekommt, u.a. genau das, was Du beschreibst - Angst vor Bindung, Angst vor Familie, mitunter kein Bezug zu Kindern. Wenn die Mutter meint, sie müsse sich das, was sie in der Beziehung emotional vermisst, vom Kind holen, kehrt sich die Situation um und das Kind beginnt, emotional für den Elternteil zu sorgen. Dadurch hat es nie das Gefühl, dass es umsorgt wird. Das bewirkt später, dass man zwar alles bemuttern will (mitunter Kumpelfalle), aber nie so nah an sich ranlassen möchte, dass Verpflichtungen entstehen, ergo will frau kein Kind, sondern selber endlich mal Kind sein dürfen in einer Beziehung insofern, dass die emotionalen Bedürfnisse ohne Gegenwert erfüllt werden sollen.
Auch hier gibt es große Bindungsängste, weil die Eltern vorgelebt haben, dass man in emotional frustrierenden Situationen bleiben MUSS, statt sich zu trennen und wie Erwachsene zu reagieren, dh. sich dann gesondert darum zu kümmern, dass die Kinder wissen, auch nach der Trennung sind beide Elternteile da und nicht etwa so wie bei Dir, dass der Vater die Straßenseite wechselt oder die Mutter das Kind nicht verteidigt gegen einen neuen Partner.

Jeder schleppt seins mit sich rum, je unreflektierter und unreifer die Eltern sind, umso schlimmer die folgenden Beziehungsschwierigkeiten für das Kind.
Da Du schon viel erkannt hast und es Dir bewusst ist, dass Fehler passieren können, denke ich, dass Du gut damit umgehen wirst. Alle Eltern machen Fehler, wichtig ist nur, dass man sich bewusst wird, wenn man eigenes überträgt oder Fehler der Eltern wiederholt. Dazu ist Selbstreflexion nötig - etwas, was viele gar nicht betreiben und sich im hohen Alter emotional noch wie Teenager benehmen.
 
  • #12
Als Scheidungskind hat mich nicht die Scheidung "geschädigt" (da war ich über 30), aber ich habe als Kind keine liebevolle Beziehung meiner Eltern erlebt. Da man sein eigenes Verhalten sicher auch wesentlich am Vorbild lernt, fehlt mir schlicht (wenn auch nicht komplett) die "Ahnung", wie man eine liebevolle Beziehung führt.

Hat hier jemand Erfahrung, wie man damit umgeht? Therapie? Bücher lesen?
 
  • #13
Ich denke nicht, dass das Problem an deiner Eigenschaft als Scheidungskind liegt. Scheidungskinder gibt es seit Generationen und daran liegt es nicht. Ich kenne sehr viele Menschen, deren Eltern sich haben scheiden lassen, es aber auf die Reihe bekommen haben, sich kooperativ um ihre Kinder zu kümmern.
Mit ihrem Krieg haben deine Eltern dir ganz schön was angetan, du hattest leider Pech, an solche Eltern zu geraten. Dies in einer Therapie aufzuarbeiten kann helfen, dir deine Ängste zu nehmen. Ob du das machst, ist deine Entscheidung. Es kann
dir helfen, deiner Vergangenheit zu akzeptieren und dich aber davon abzugrenzen. Und zu merken, dass du nicht deine Eltern bist.
 
  • #14
Also ich finde das Erlebte schon recht heftig. Und zwar nicht so sehr wegen der Scheidung, das dürfte dann in Ordnung sein, wenn das Kind weiterhin einen guten Platz bei den Eltern behält und die sichere Bindung bleibt.
Das ist aber hier nicht der Fall, da dein Vater dich quasi verstoßen hat und deine Mutter ihrem neuen Freund den Vorzug gegeben hat, der dazu auch noch dir gegenüber gewalttätig war, also auch ein Verrat von der Mutter.
Das heisst aber nicht, dass du beziehungsunfähig bist, aber das Erlebte ist halt noch nicht verarbeitet.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es in der heilen Familienwelt deines Freundes wieder hochkommt. Kennt dein Freund deine Mutter und ihren neuen Partner? Ich finde es schon wichtig, dass er euren Umgang erlebt. Ist dein Freund ein extremer Familienmensch, dh wohnt ihr zusammen, gibt es ständig Familientreffen? Dh ist er abgelöst und ihr habt ein gemeinsames Paarleben oder geht sehr viel über die Familie?
 
  • #15
Liebe Lynnea,

Ich bin kein Scheidungskind, dafür aber in einer nur nach außen funktionierenden Familie (beide Lehrer) aufgewachsen, destruktive bzw. zumindest schädliche, ungünstige Bindungsmuster gibt es also auch in den klassischen Familien.

Aber es muss sich nicht zwangsläufig wiederholen. Was ich immerhin sagen kann, ich konnte meinen Kindern Liebe, Geborgenheit, Urvertrauen geben - obwohl ich das nicht selbst erfahren hatte.
Ich wusste zumindest, wie ich es garantiert nicht machen wollte - man kann auch aus den negativen Beispielen lernen.

Ganz positiv, Du bemerkst Deine Problematik.
Du willst es anders machen, bei Dir, bei den künftigen Kindern.
Du reflektierst, denkst nach, analysiert - das können nicht viele.
Du siehst positive Beispiele.
Du hast die ersten Schritte in eine neue Richtung gemacht, Du wirst es anders machen als Deine Eltern.

Du kannst Dich intensiver mit dem Thema über Bücher auseinander setzen - Thema Bindung, aber auch Inneres Kind, etc.
Dir auch weiterhin Deine Gedanken machen, reflektieren und selbst verändern.
Du kannst Dir die Hilfen holen, die Du benötigst.

Ich habe, nicht nur aus diesem Grund, aber überwiegend, professionelle therapeutische Hilfe mit der entsprechenden Orientierung in Anspruch genommen.
Sehr schmerzhaft, intensiv, aber für mich der einzige sinnvolle Weg.
Habe immens viel gelernt, viel verändern können, neue Einsichten gewonnen, insgesamt sehr viel Qualitäten entdecken und entwickeln können. (und alte Gespenster verabschiedet)
Es hat sich gelohnt.

Ganz abschließen geht nie, es hat einen einfach geprägt, es kommt nur darauf an, was man daraus macht und wie man damit umgeht.

Ob Dein Partner das verstehen kann, evtl. schwierig, wer die Facetten destruktiver Elternhäuser nicht kennt, hat damit sehr oft Schwierigkeiten. Dafür bringt er den positiven Erlebnisanteil mit - das ist ja auch eine Chance.
Rede mit ihm, erkläre es ihm. Dann hat er die Möglichkeit, Dich, Dein Verhalten, Deine Gefühle, Deine Ängste zu verstehen. Da solltest Du wirklich offen sein, und ihm und Eurer Beziehung vertrauen.

Dir den Mut und viel Glück.
Alles liebe.
 
  • #16
Du hast kein Problem damit das du ein scheidungskind bist, sondern das deine Eltern daraus einen Krieg gemacht haben. Das führt zu den Verlusten. Nicht die Trennung an sich. Ich glaube auch nicht, dass du zur Beziehungsunfähigkeit verdammt bist oder Angst davor haben musst eine schlechte Mutter zu werden. Vorraussetzungen dafür wäre allerdings, dass du das Geschehene verarbeitest und deinen Frieden damit machst und deinen Eltern verzeihst, was sie dir angetan haben. Ob du das alleine schaffst kannst nur du wissen. Die jetzige Beziehung zu deinen Eltern spricht aber eher dazu, dass es alleine schwierig wird. Vor allem auch, weil du wohl nicht mal mit deinem Partner darüber reden kannst. Ich bin auch Scheidungskind, meine Mutter hat mir den Umgang quasi verboten, mich von meinem Vater entfremdet. also ähnlich wie bei dir. Ich denke ohne Hilfe wäre es mir nicht gelungen Frieden damit zu machen und mit mir in Reine zu kommen. Aber es lohnt sich. Kann ich dir versprechen. Mein Sohn ist der Meinung, ich bin eine super Mutter, er vertraut mir voll, spricht über alles mit mir. Das ist ein steiniger Weg, aber es lohnt sich
 
  • #17
Hm kann ich nicht bestätigen. Ich bin auch ein Scheidungskind. Aber wollte es immer besser als meine Eltern. Erste Ehe 25 Jahre. Glücklich geschieden. Gut ein Jahr Besinnung. Jetzt seit über zweieinhalb Jahre wieder glücklich leiert. Also ist mein beziehungs leben gar nicht so übel.
M45
 
  • #18
Habe nur ich den Eindruck, dass sich hier überproportional viele Scheidungs- oder sonstwie vom Elternhaus geschädigte Kinder treffen? Oder zumindest: schreiben? Hm...
 
  • #19
Hi Lebens_Lust,
ich habe als Kind keine liebevolle Beziehung meiner Eltern erlebt. Da man sein eigenes Verhalten sicher auch wesentlich am Vorbild lernt, fehlt mir schlicht (wenn auch nicht komplett) die "Ahnung", wie man eine liebevolle Beziehung führt.
Hat hier jemand Erfahrung, wie man damit umgeht? Therapie? Bücher lesen?
Meine Eltern haben gar keine Beziehung geführt (meine Mutter hat mich von Anbeginn komplett allein großgezogen und dabei auch keinen neuen Partner gehabt); mir fehlt diese Vorbildwirkung also auch.
Inzwischen sehe ich es so, dass man gerade auf dieser Strecke aufpassen muss, nicht zu viel zu analysieren und zuviel Angst zu haben. Weder Therapien noch Bücher können dich einen liebevollen Umgang lehren; sie können allenfalls Achtsamkeit schulen und das eine oder andere Werkzeug in die Hand geben. Die Achtsamkeit hast du bereits (sie beizubehalten ist freilich kein Selbstläufer) und allein, dass du dir diese Fragen stellst und dir das als mögliches Problem bewusst ist, sollte dir signalisieren, dass du sehr wohl befähigt dazu bist - auch ganz ohne Bücher (ich habe übrigens dutzende Selbshilfebücher aller Art, gelesene und ungelesene im Regal). Es mag abgedroschen und esotherisch klingen, ist aber trotzdem wahr: Vertrau dir und deinem Herzen; deine Selbstzweifel sind der weitaus schlimmere Feind als der eine oder andere "Fehler", den du vielleicht machen könntest. Richte deine Aufmerksamkeit auf das, was du gerne als Ergebnis möchtest - nicht auf das, was du vermeiden willst oder befürchtest.
Was dir widerfahren ist, beeinflusst dein Schicksal - aber es bestimmt es nicht. Einen Therapeuten würde ich übrigens nur aufsuchen für ein ganz konkretes Anliegen, das sich z.B. innerhalb einer Beziehung zeigt, aber nicht für "wie führe ich eine gute Beziehung?"...

m/43
 
  • #20
Kann man lieben lernen? Die Frage kam auf.
Kann man lernen zu vertrauen?
Ich denke, man kann das. Der erste Schritt ist doch schon die Erkenntnis, dass es (noch) nicht so gut geht, weil man diese und jene Erlebnisse hatte. Ein Kind bezieht alles auf sich, und denkt es sei nicht liebenswert , wenn doch Vater und Mutter es so behandeln.
Doch sind es eher die eigenen Defizite der Eltern, die dazu führten.
Denn welches Verbrechen hat in diesem Fall das kleine Mädchen begangen? Doch wohl keines, es war halt da, gezeugt von ihren Eltern. Also kann ein möglicher Schritt sein, das innere Kind zu entdecken und anzunehmen, das quasi nachzuholen, was gefehlt hat.
Dann können auch die so beliebten Projektionen auf das andere Geschlecht, Männer sind so und so, Frauen kann man nicht vertrauen etc., aufhören. Man sieht, was man selber mitbringt, dass es nicht rundläuft in Beziehungen und muss nicht mehr alles auf den anderen schieben.
 
  • #21
Hier mal ein Fall aus meiner Verwandschaft:
Mädchen ist 15 Jahre alt, als die Eltern sich endgültig trennen. Vorher ist der Vater regelmäßig fremdgegangen.
Sie war schon immer ein äußerlich hochattraktives Mädchen, später auch als Frau. Sie hatte dann sehr früh ersten Freund und Sex, aber nichts hielt.
Als sie Mitte 20 ist, verändert sich ihr Charakter immer mehr, sie nimmt erst Drogen, muss dann in psychische Behandlung.

Kommt bis heute nicht aus dem Teufelskreis ihrer Erkrankung heraus ; hat erst noch ein paar ganz kleine Affären, aber irgendwann wird jedes Date zum Desaster, seit 10 Jahren gar keine Männer mehr, ist einsam, zurückgezogen, gefüchtet und hasst die Welt.

Der Vater hat bis heute zwar Schuldgefühle, geändert hat er sich deswegen aber nie. Ein zerstörtes Leben.
 
N

nachdenkliche

  • #22
Habe nur ich den Eindruck, dass sich hier überproportional viele Scheidungs- oder sonstwie vom Elternhaus geschädigte Kinder treffen? Oder zumindest: schreiben? Hm...
Nö! Ich selber bin kein Scheidungskind und bin über aber geschieden und nicht gerade eine, die insgesamt gute Beziehungen geführt hat , bzw eher schlechte Erfahrungen gesammelt hat. Ob meine Eltern bis zum Schluss glücklich waren, das glaube ich eher nicht. Ich denke, dass man aus dieser Tatsache nichts ableiten sollte.
 
  • #23
Ich bin auch ein Scheidungskind ( damals 3, heute 48, ich blieb beim Vater, besuchte meine Mutter aber jedes WE ) und in einer sehr lieblosen Umgebung aufgewachsen, bei beiden.
DAS ist mein Problem, nicht dass meine Eltern geschieden waren.
Wenn sie zusammen geblieben wären, hätten sie sich mir gegenüber sicher nicht anders verhalten.

Als ich meinen ersten Freund mit 16 hatte, erlebte ich, wie Familienleben sein kann.
Mein Freund drückte seine Mutter andauernd, sie wuschelte seine Haare durch und sie saß auch schon mal auf seinem Schoß, wenn es nicht genügend Stühle gab.
Ich war sehr neidisch.
Ich berührte meinen Vater genau dreimal pro Jahr. Wir gaben uns an seinem und meinem Geburtstag sowie an Weihnachten die Hand.
Heute ist er schwer dement und will mich andauernd berühren, aber das kann ich nicht. NULL !

Als ich ein Baby bekam, war mir sehr bewußt, dass ich das anders machen will und so zwang ich mich, mein Kind sehr oft zu knuddeln, auf den Arm zu nehmen usw.
Nach einem Jahr hatte ich mich daran gewöhnt und konnte das, ohne mich zu ermahnen.
Aber ich hatte es nie wirklich gern, wenn es auf meinem Schoß sitzen wollte. Ich kann körperliche Nähe nicht gut aushalten.
Es wollte sehr viel und oft, quasi unaufhörlich an mir sein, wahrscheinlich ist das kein Zufall. Kinder haben feine Antennen.

Inzwischen ist meine Tochter 21 und ich habe es sehr gerne, wenn wir Hand in Hand laufen.
Aber immer noch kommt sie viel öfter an als ich, will mich umarmen, legt ihren Kopf an meine Schulter.
Und selbstverständlich gebe ich ihr das.
Aber mir selbst ist nicht danach.

Ich glaube nicht, dass man so lange verinnerlichte Verhaltensmuster ablegen kann.
Jedenfalls nicht das Gefühl dazu. Die Tätigkeit schon. Wenn man es möchte. Ich möchte es, denn lieben tue ich meine Tochter über alles.

Was ich sagen will, du kannst sicher eine schöne Beziehung haben, aber du wirst das aktiv betreiben müssen, nicht als Selbstläufer.
Es ist, als ob du eine Fremdsprache lernst, es ist nicht so leicht und selbstverständlich wie eine Muttersprache.


w 48
 
  • #24
Die Frage ist nicht, ob Scheidungskinder später beziehungsunfähig sind, sondern ob Kinder später beziehungsunfähig sind, die von ihren Eltern wenig Liebe und Zuwendung erfuhren. Hier ein klares Ja. Nur diese Kinder gibt es unter getrennten wie nicht getrennten Eltern.

Also du bist vielleicht tatsächlich ein Fall für einen Psychotherapeuten (salopp gesprochen), aber nicht weil du Scheidungskind bist. Sondern weil dein Vater distanziert war, deine Mutter schwach, weil du Gewalt erfahren hast und dich niemand beschützt und in den Arm genommen hat.
Es gibt Scheidungskinder, die weiterhin von ihren Eltern geliebt und gehegt werden und zu starken und stabilen Persönlichkeiten heranreifen.

Im übrigen ähnelt meine Geschichte deiner. Ich selber wurde nur durch eine mehrjährige Therapie, die ich in meinen Zwanzigern machte, beziehungs- und liebesfähig. Viel Glück.
 
  • #25
Hmm...

Meine Mutter war drei Mal verheiratet; mein Bruder und ich haben verschiedene Väter. Aus heute erklärbaren (aber unverzeihlichen) Gründen erfuhr ich viel körperliche Gewalt von Mutter und den Partnern dazu. Freundliche Berührungen waren so selten, dass ich mich nicht explizit daran erinnern kann.

Meine ernstzunehmenden Beziehungen fangen das Muster meiner Mutter auf - zwar nicht verheiratet (wollte aber zwei Mal), aber zwei Kinder von zwei verschiedenen Vätern. Körperliche Gewalt dagegen gibt es nicht. Bei mir zu Hause nicht. Und wenn ich draußen auf der Straße Kinder sehe, denen verbale oder körperliche Gewalt angetan wird, gehe ich ohne Zögern dazwischen. Da ist mir der Grund für die elterliche Entgleisung auch egal.

Bei meinem großes Kind musste ich auch lernen, Berührungen zuzulassen, was aber nicht an meiner Kindheitserfahrung lag, sondern an unserer eigenen Geschichte - ich verlor ihre Zwillingsschwester und der Schmerz über den Verlust war so riesig, dass ich wirklich Atemnot bekam, sobald sie mich umarmt hat. Mein kleines Kind dagegen ist ein riesiger Knuddler und will immer und überall auf meinen Schoß und mich drücken und herzen und mir sagen, wie lieb es mich hat.

Und während mir die Knuddelattacken meines Kleinkindes ans Herz gehen und ich denke "oje... bald wird das vorbei sein", so sind die Momente, in denen mein großes Kind und ich heute kuscheln, so viel näher an meinem Herzen, als ich es jemals hätte denken können.

Was ich damit sagen will, ist: Jeder schreibt die Geschichte seines Lebens selbst.

Das, was Dir Deine Eltern beigebracht haben, ist nur EIN Weg, den Du beschreiten könntest. Du hast das Recht, Dich für alles zu entscheiden, was Du nur machen möchtest.

Und in Bezug auf Mann und Kind bedeutet das, dass Du traurig, enttäuscht, wütend, sein kannst, wenn Du die Herzlichkeit in der Familie Deines Freundes siehst. Du kannst Dein Herz aber auch aufmachen und dem kleinen Mädchen in Dir, das nur deshalb traurig/ wütend/ enttäuscht ist, weil es eifersüchtig ist auf das, was es selbst nicht erleben durfte, erlauben, dieses Zärtlichkeit endlich zu genießen.

Die Familie Deines Freundes hat so viel Liebe zu geben, dass für DICH genug dabei ist.

Vielleicht wendest Du Dich an die Mutter Deines Freundes und sagst ihr, dass es Dich gleichzeitig traurig und glücklich macht, diese Herzlichkeit in deren Familie zu sehen. Ich glaube fest daran, dass sie Dich in den Arm nehmen und sagen würde "Für DICH hab ich auch Liebe".
 
  • #26
Zwar bin ich kein Scheidungskind liebe Fragestellerin, aber ich komme aus einer Familie, die mir zu einem ambivalent unsicheren Bindungsstil verholfen hat. Bei mir äussert sich das in starken Verlustängsten, die ich leider nur äusserlich im Griff habe.

Meine ganze Kindheit und Jugend hindurch habe ich für die Zeit gelebt, in der ich ein liebevolles schönes Leben mit einem Partner leben kann. Nach zwei Fehlgriffen ist es nun soweit. Mit 50 Jahren lebe ich nun in einer äusserst glücklichen Beziehung mit einem Partner, der wie Deiner aus einer phantastischen Familie kommt. Geradezu eine Bilderbuchfamilie.

Und entsprechend psychsich gesund ist er auch. Ich kann da leider nur äusserlich mithalten. Ich habe mal mehr mal weniger meine liebe Not, da ungezwungen dabei zu sein, obwohl es mir dort immer viel Freude macht. Aber traurig eben auch. Nur lässt sich eben die Vergangenheit nicht ungeschehen machen.

So bleibt uns doch eigentlich nur, dass wir nun das geniessen, was wir haben und nach vorne blicken. Aber verstehen kann ich Dich voll und ganz. Sei dankbar, dass sich das Blatt für Dich nun gewendet hat. Alles Gute.
 
  • #27
Wenn es dir im Hier und Jetzt gut geht, kannst du Vergangenes auch ruhen lassen. Mir ist aber nicht ganz klar geworden, wie groß dein heutiger Leidensdruck nun wirklich ist. Hast du JETZT das Gefühl, dich auf deinen Freund nicht richtig einlassen zu können? Nimmst du an dir selbst Anwandlungen zur Selbst-/Beziehungssabotage war? Oder ist es bislang nur eine Angst davor, dass es mal so kommen könnte? Vermischt mit einer Melancholie darüber, dass du keine schönen Kindheitserinnerungen hast?

In deinem Fall ist natürlich wesentlich mehr vorgefallen als "nur" eine Scheidung. Dass solche Erlebnisse nachhaltig prägen können, denke ich schon. Allerdings - komplett beziehungsunfähig kannst du nicht sein, sonst wärest du jetzt nicht in einer Beziehung. Du bist immerhin in der Lage, eine Beziehung anzubahnen und aufzubauen. Das ist mehr, als viele Andere - meine Wenigkeit z.B. - hinbekommen.

Ich bin übrigens kein Scheidungskind - meine Eltern sind nach wie vor zusammen (ich bin 2 Jahre älter als du). Sie haben sich aber häufig und sehr heftig gestritten, als ich noch zu Hause wohnte. Meine Kindheit war überschattet von ständiger Angst, dass die Eltern sich trennen könnten. Mindestens einmal wurde eine Scheidung auch konkret angedroht von Seiten meines Vaters, was aber aus mir unbekannten Gründen wieder zurückgenommen wurde. Das von mir über lange Zeit befürchtete Ereignis - Trennung, Auseinanderbrechen der Familie - ist also nie eingetreten.

Ich denke, sowas ist auch ziemlich destruktiv. Das ist ja ständiger Stress, dem man in so einer Situation ausgesetzt ist. Außerdem konnte ich so nicht die Erfahrung machen, dass eine Trennung nicht das Ende der Welt bedeutet. Genausowenig wie die Erfahrung, dass man eine unbefriedigende Beziehung auch beenden kann.

Die Konsequenz, die ich - unterbewusst - wohl gezogen habe: ich gehe erst gar keine enge Beziehung ein. Vom Kopf her will ich zwar. Ich verliebe mich auch, aber nur in Männer, die ich nicht haben kann. Und ich selbst habe scheinbar etwas an mir, was verhindert, dass Männer sich in mich verlieben. Selbst die, die eine Beziehung mit mir eingegangen wären, hatten keine richtigen Gefühle für mich.

Ich denke, ich habe mir unbewusste Verhaltensweisen angeeignet, die Männer auf Distanz halten.

Entscheidend ist wohl, welchen Umgang mit Beziehung - und ggf. Trennung - die Eltern vorleben. Erlebt das Kind die Beziehung selbst oder ihr Ende als "Krieg", kann das viel kaputtmachen.
 
  • #28
Zwischen Deinem Beziehungsverhalten und dem Deiner Eltern besteht kein Zusammenhang. Als erwachsener Mensch trägt man nur selbst Verantwortung für die Güte seiner Beziehung. Dein Vater hat das getan. Da es viel Hass zwischen Deinen Eltern gab, dürfte Dich das schon geprägt haben, das wäre aber sicher noch viel schlimmer gewesen, wenn Du den Hass jahrelang zuhause erlebt hättest. Menschen, die sich nicht trauen, eine kaputte Ehe zu beerdigen, gehen nicht gerade liebevoll miteinander um und die Kinder, die das täglich mit erleben müssen, können einem leid tun.
 
  • #29
Hi Lynnea,
mein Mitgefühl; du hast da ein schweres Schicksal zu tragen. Das bedeutet aber nicht, dass es dir vorbestimmt ist, bis an dein Lebensende darunter zu leiden. Im Nachbarthread lese ich etwas über dein Verhalten als Kind und dass sich unter der oberflächlichen "Freundlichkeit"/"Emotionslosigkeit" ein tiefer Groll und Verletzung gegenüber deiner Mutter regen. Das ist völlig normal und in Ordnung. Du warst ihr damals treu, wie Kinder nunmal fast immer sind gegenüber den Eltern und du hast versucht, es ihr möglichst leicht zu machen. Du hast gelitten, sie aber damit nicht behelligt, damit sie ihre Beziehung weiter leben kann mit dem Stiefvater. Zugleich hast du dich aber auch verloren und verlassen gefühlt von ihr, denn sie hat dich nicht geschützt, wie es ihre Aufgabe und Verantwortung als Mutter gewesen wäre.
Ein Therapeut kann dir helfen - wenn es ein guter ist. Ich halte allerdings inzwischen aus meinen Beobachtungen heraus nur noch wenig von jahrelangen Gesprächstherapien in der minutiös die Kindheit und Jugend durchgekaut wird. Das hilft bei ganz tiefen Verletzungen, wie den deinen, oftmals nicht, weil es meist nur an der intellektuellen und auch emotionalen Oberfläche kratzen kann. Was dir evtl. schneller und nachhaltiger helfen könnte, wäre ein guter, erfahrener (das ist sehr wichtig!) systemisch arbeitender Therapeut. Bei dir gibt es offensichtlich sehr schwere, heftige Dynamiken sowohl zur Mutter als auch zum Vater und die lassen sich mit Reden und intellektuellem Analysieren weder erkennen noch lösen. Eine Familienaufstellung könnte da sehr viel besser die Dinge ans Licht bringen. Ich belass es bei dieser Anregung. Ich kann nur sagen, mir hat es sehr geholfen. Aber tue es nur, wenn du dich innerlich bereit fühlst dafür; du merkst es von ganz allein, wenn/ob der Zeitpunkt/Wunsch dazu da ist.
Alles gute dir! m/43