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Gast

  • #1

Beziehungsunfähig wegen langjähriger Vorbeziehung?

Hier wird öfter die Meinung vertreten, dass Langzeitsingles und Menschen, die nur kurze Beziehungen hatten, nicht beziehungsfähig seien, weil sie es nicht gewohnt sind, sich auf andere Menschen einzustellen. Im Gegensatz dazu seien diejenigen, die schon lange Beziehungen hinter sich haben, beziehungsfähiger, weil sie durch ihre Beziehungserfahrung Eigenschaften wie Kompromissbereitschaft und Anpassungsfähigkeit gelernt und bewiesen haben.

Ich habe das Gegenteil erlebt. Mein Ex war vor mir 20 Jahre mit seiner Frau zusammen. Die einzige, die Kompromisse gemacht hat, war ich. Er wollte, dass alles so läuft, wie er es von der vorigen Beziehung gewohnt war: der Tagesablauf, die Freizeitgestaltung am Wochenende, die Arbeitsaufteilung im Haushalt, die gemeinsamen Hobbys usw.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen oder bin ich an ein besonderes Exemplar geraten? Ich vertrete inzwischen die These, dass langjährige Beziehungen auch zu einer Art Beziehungsunfähigkeit führen können.
 
  • #2
Das halte ich eher für eine Charaktersache. Ich war mit einem Mann zusammen, der nach seiner Scheidung schon lange Jahre allein lebte. Trotzdem lief alles noch so wie in seiner Ehe. Er hat nämlich alles bestimmt und das wollte er auch wieder mit mir so tun. Das funktionierte aber nur bedingt.
Es gibt halt ausgeprägte Gewohnheitstiere, ob sie nun allein leben oder zu Paaren.
Die Beziehungsunfähigkeit von Langezeitssingles würde ich eher auf mangelnde Übung und sehr spezielle Macken sowie Bindungs- und Näheängste zurückführen. Sie haben nicht umsonst vorher niemanden gefunden.
 
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Gast

  • #3
Ich finde, es liegt an jedem Menschen selbst. Wer in seiner langjährigen Beziehung kompromissbereit war, wird es sicher in der neuen Beziehung wieder sein. Es kommt jeweils auf den Charakter des Partners an. Natürlich wirken noch teilweise alte Muster der bisherigen Beziehung mit, diese lösen sich aber in einer neuen funktionierenden Partnerschaft wieder auf.
 
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Gast

  • #4
Menschen, die nur kurze Beziehungen hatten, nicht beziehungsfähig seien, weil sie es nicht gewohnt sind, sich auf andere Menschen einzustellen.

Ich denke, es ist genau umgekehrt: Menschen, die öfters mal den Partner wechseln, kommen leichter damit zurecht, daß jede Person anders auf gewisse Umstände reagiert, während man aus einer langjährigen Partnerschaft heraus auf ein ganz bestimmtes Verhalten eingestellt ist.

Zum Beispiel, wenn es um das Interesse an Sex geht. Die langjährige Freundin hatte eine ganz bestimmte Art zu zeigen, daß sie heute nicht zum Sex aufgelegt ist. Die neue Flamme gibt, ohne es zu wollen, genau dasselbe Signal. Unausweichliche Folge: Mann akzeptiert es, fühlt sich auch gut dabei, Frau ist enttäuscht ("warum macht er denn nicht weiter, bin ich ihm nicht attraktiv genug?"), und schon haben die beiden ein Problem.

Einem Routinier passiert so etwas ganz bestimmt nicht.
 
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Gast

  • #5
Es kommt auch immer darauf an wie man das Erlebte verarbeitet hat.
Bei meiner es war es so, obwohl sie bereits 2 getrennt war nach 12 Jahre Beziehung, hat sie immer wieder das Erlebte nicht in der Vergangenheit gelassen. Ihr Ex war Alkoholiker und Arbeitslos und lag ihr sozusagen immer auf der Tasche.
Da ich weder Rauche noch trinke und auch nie einen Pfennig von ihr wollte, wurde immer wieder ein Vergleich mit ihm angestellt. Des Öfteren hat sie mich sogar mit seinen Namen angesprochen.
Irgendwann habe ich dann nach 9 Monaten Beziehung die Reißleine gezogen, da ich nicht mehr wollte oder konnte. Leider ist es bei mir nur so, dass ich sie immer noch liebe, aber diese Gefühl wird Gott sei Dank Tag für Tag weniger.
Und eins habe ich auch gelernt. Von Frauen die eine schlimme Beziehung hinter sich haben, lasse ich in Zukunft die Finger.m,48
 
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Gast

  • #6
Mein Frisch-Ex hatte vor mir eine unausgeglichene fast-2-Jahresbeziehung und war davor 20 Jahre mit der Mutter seiner Kinder.zusammen (Jungs jetzt 10+13).
Ich erwartete daher einen beziehungsfähigen, fürsorglichen und kompromissbereiten Mann.
Er selbst beschreibt sich auch so.
Ja, er meinte er hätte bei der Trennung aus der Langzeitbeziehung und den Sorgerechtsstreitigkeiten gelitten und sortiert sich erst langsam.

Es stellte sich heraus, dass die Beziehung zwischen meiner Vorgängerin und ihm "ihm geht es schlecht und sie macht und tut" war.
Er war nicht verliebt, aber sie wollte ihn unbedingt und sie hat alles getan damit es ihm möglichst gut geht und er bei ihr bleibt. Und er war völlig hinüber nach der Scheidung.
Er hat sich nicht abgestimmt und gemacht was er wollte, sie hat es hingenommen, ist aber geblieben und hat ihm alles durchgehen lassen. Er hat sich gemeldet oder nicht, seine Stimmungsschwankungen an ihr ausgelassen, sie unfair zusammengeschnauzt und ist aufgetaucht wenn er wollte oder eben nicht.
Sie hat sich komplett nach ihm gerichtet.
(Wie zuvor seine Eltern und die Mutter seiner Kinder. Das ist mir erst sehr spät klar geworden.)
Er trennte sich als es ihm besser ging, weil er sie ausnutzt und nicht in sie verliebt war/ist, sondern sie eben lieb und da ist und das keine Basis sei.

Wir waren zwei Jahre zusammen, es begann als sie ca. 2 Monate getrennt waren.
Meine Vorgängerin war geschockt, da er sofort total in mich verliebt war und mit mir zusammen sein wollte und sich auch zunächst anstrengte.
Dann kamen Probleme wegen Kinderrechtsstreitigkeiten.
Eine lange Zeit war ich rücksichtsvoll wegen seiner "schwieriger Rahmenbedingungen" als Wochenendpapa (plus halbe Schulferien) mit hohem Zeitbedarf für die WE-Touren (4Std Fahrtzeit je Richtung) und hoher finanzieller Belastung.
Immerhin hat er gelernt eine SMS zu schicken oder anzurufen, wennn es später wird oder er doch spontan zum Sport geht oä.
Und er hat dann auch oft den Tisch gedeckt während ich kochte und abräumen geholfen. (Erstmals in seinem Leben!!!)
Seine Launen ließ er auch nicht an mir aus, sondern wurde dann ruhig und/oder wir sahen uns den Tag nicht.
Das war es dann auch schon.
Seine Befindlichkeiten und seine Wünsche gehen immer vor.

Es sind nicht die Rahmenbedingungen, sondern sein Charakter. Und er wird sich nicht ändern.
Lange habe ich gebraucht um dies zu erkennen.

Er versuchte mich zurückzugewinnen, aber es hat sich so gut wie nichts verbessert und ich will das so nicht.
Eine Beziehung sollte ausgeglichen Geben und Nehmen sein.

Vier Wochen nach der Trennung tröstet ihn inzwischen wieder seine Ex.
Armselig für ihn, dass er sie egoistisch wieder willentlich ausnutzt.
Traurig für sie, dass sie sofort wieder bereit steht. Nach über zwei Jahren!

Er wird sich nicht ändern.
Änderbar sind nur kleine Verhaltensweisen im Alltag.
(w,42)
 
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