• #1

Bleiben? Trennen? Bindungsangst? Gefühlschaos!

Hallo,
ich (31) lese hier hin und wieder mit und bin immer wieder positiv überrascht, welche wertvollen Tipps und Weisheiten den Fragestellern mit auf den Weg gegeben werden. Nun möchte ich selbst mal etwas loswerden und hoffe, dass ich dadurch vielleicht bald etwas klarer sehen kann…
Ich bin seit 10 Jahren mit meinem Freund zusammen. Er ist ein toller Mann, einfühlsam, verständnisvoll, lustig, romantisch, gutaussehend, verantwortungsbewusst,… Er tut alles für uns und unsere Beziehung und wünscht sich eine eigene Familie.
Eigentlich wünsche ich mir das auch. Eigentlich bin ich ja sehr glücklich. Wenn da nur bloß dieser kleine Zweifel, der leider schon lange tief im Bauch sitzt, nicht wäre… Dieser Zweifel macht mich sehr traurig und lässt mich verzweifeln, da ich schon lange auf der Suche nach der Ursache bin.

1. Hat er etwas mit meinem Freund zu tun? Wir verstehen uns super, vertrauen uns blind und lieben uns. Trotzdem spüren mein Freund und ich, dass wir an einigen Stellen sehr unterschiedlich sind. Wir sind mit ganz anderen Werten groß geworden. Es ist manchmal anstrengend, weil wir über viele Dinge diskutieren müssen. Ich würde behaupten, dass wir in einigen Bereichen nicht auf einer Wellenlänge schwimmen.
2. Habe ich Bindungsängste? Ich habe als Kind keine funktionierende Ehe erlebt. Dadurch bin ich früh selbstständig und freiheitsliebend geworden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mir die Beziehung zu meinem Freund "extra" schlecht rede, ich nach Problemen suche, um mich nicht ganz festlegen zu müssen. Auf der anderen Seite war es auch immer mein größter Wunsch eine Familie zu gründen…

Ich weiß, dass ich mich in naher Zukunft ganz auf die Beziehung einlassen (Hochzeit, Kinder,…) oder sie beenden sollte. Dieser Zustand, in dem wir uns schon lange befinden, nimmt uns die Chance uns weiterzuentwickeln und neue Erfahrungen zu sammeln. Mein Freund weiß über meine Gedanken Bescheid und versucht, mir zu helfen. Leider habe ich ihn durch meine ambivalenten Gefühle schon häufig verletzt.

Ich erwarte keine Lösung, aber über Anregungen wäre ich sehr dankbar!
 
  • #2
Vielleicht helfen Dir Antworten auf folgende Fragen:

- Würdest Du Dich erleichtert fühlen, wenn Du jetzt Single werden könntest?

- Würde es Dir Herzschmerz bereiten, wenn Dein Freund eine andere Frau lieben würde, oder wärst Du nur traurig, aber könntest es akzeptieren?

- Wenn Du jetzt allein wärst und ihn dann mit einer anderen Frau sehen würdest, könntest Du Dir vorstellen, dass Du es bereust, gegangen zu sein, oder wärst Du nur neidisch/traurig?

Diskussionen und Werteunterschiede gibt es in jeder Beziehung. Ich nehme mal an, ihr diskutiert immer wieder über dasselbe? Das wäre dann ermüdend.
Wenn die Unterschiede nicht elementar sind (z.B. einer will die Kinder streng religiös erziehen, der andere auf keinen Fall ODER überhaupt die Frage: Willst Du Kinder? Wenn Du freiheitsliebend bist und zweifelst, vermute ich mal, dass Dir dieses Thema Bauchschmerzen bereitet.)

Gut finde ich, dass ihr nach 10 Jahren immer noch diskutiert. Es sei denn, es ist immer wieder dasselbe und dann wie oben erwähnt, was Elementares, das nicht zu lösen ist und zu sehr eingreift ins Leben des anderen.
Ich weiß, dass ich mich in naher Zukunft ganz auf die Beziehung einlassen (Hochzeit, Kinder,…) oder sie beenden sollte.
Ihr seid zehn Jahre zusammen und Du hast Dich nicht ganz eingelassen?
Kann es sein, dass Du denkst, es gäbe noch was anderes? Ich meine, zehn Jahre sind eine lange Zeit und die Zwanziger sind bei vielen eine Sturm und Drang Phase, die ihr nun nicht hattet. Aber ich denke, es ist ein Irrtum zu denken, dass die Dinge, die Du jetzt störend findest, wie dieses nicht auf der gleichen Wellenlänge sein, nicht auch mit dem nächsten Mann auftreten werden. Also insofern musst Du Dir überlegen, ob es wirklich nur das Altbekannte ist, dessen Du überdrüssig bist, oder aber ob der Mann wirklich nicht passt zu Deiner Entwicklung. Willst Du beruflich mehr, unabhängiger sein, Zukunft noch offen haben? Schreckt Dich der Familiengedanke? Dann mach es nicht.
 
  • #3
Ambivalenz macht den Menschen zum Menschen! Und wenn das offen gesagt werden kann wie bei euch ist das schon sehr gut....
Die Tatsache, daß ihr nicht in allem auf einer Wellenlänge seid, finde
Ich normal, meine Alarmglocken klingeln eher bei sog. Perfekter
gemeinsamer Wellenlänge,weil" Menschen sind unterschiedlich".
Eine Frage noch: du SOLLTEST dich auf die Beziehung einlassen wie du schreibst? WILLST du dich weiterhin einlassen?Zehn Jahre positiver gemeinsamer Zeit sind doch
schon eine gute Basis für das Projekt Familiengründung! Ein WAGNISanteil gehört zum Leben dazu und zweifeln auch....
w50+
 
  • #4
Es könnte schon sein, dass du Bindungsängste hast, die dir nicht bewusst sind und du vermeidest es den letzten Schritt Richtung Ehe zu tun.

Andererseits warst du 21 Jahren als ihr zusammen gekommen seid und es kann sogar sein, dass du im Grunde genommen spürst, dass es noch viel mehr im Leben zu erleben gibt. Kann es sein, dass du Angst hast so vieles zu verpassen, wenn du eine Familie gegründet hast? Was gäbe es denn zu verpassen, was du nicht mit deinem Freund bis jetzt erlebt hattest ausser natürlich andere Männer? Alles andere konntest du mit ihm unternehmen - denke ich.

Beschreibe deine ambivalenten Gefühle und wie denkst du ihn verletzt zu haben mit deinem Verhalten. Kannst du uns noch konkret beschreiben in welchen Bereichen ihr anders denkt oder eine andere Einstellung habt? Und warum müsst ihr beide immer der gleichen Meinung oder Einstellung sein? Wäre nicht gerade das langweilig und der Tod der Beziehung, wenn alles zu harmonisch liefe ohne auf und ab? Ihr seid ohnehin zwei unterschiedliche Individuenund könnt niemals die kongruente Weltanschaung und Einstellung zum Leben haben: du bist nicht er; er ist nicht du.

Oder lese dazu am besten das Buch: "Jein!" von Stefanie Stahl und schaue, ob du dich darin selbst wieder findest. Darin beschreibt sie, wie sich die Bindungsängste im Verhalten konkret zeigen.
 
  • #5
Hi entsche,

Deine vorn dir beschriebene Ambivalenz kenne ich gut. Ich schreib mal was zu mir, wie es war und wie ich jetzt fühle. Meine Frau und ich waren 11 Jahre zusammen. Wir haben uns halbwegs einvernehmlich getrennt. Die Gründe waren andere - aber im Grunde verstanden wir uns richtig gut und tun das heute noch. Es gab aber drei Bereiche in denen wir nicht kompatibel, bzw. zu wenig kompromissbereit waren.
Aber ich dachte was verpasst zu haben (Frauen). Ich fühlte mich nicht mehr frei genug (zu viel Beziehung?). Fand ich sie noch anziehend? Mir fehlten die Vergleiche. War es das beim Sex???
Mit meiner Freiheit fühle ich mich wohl ja. Aber das was ich vermisse lebe ich nicht aus. Ich hatte Phasen, da dachte ich jetzt müssen ONS / Affären her, damit ich mich ausleben kann. Diese Phasen waren zum Glück sehr kurz, weil sie mich stark belasteten. Seit der Trennung hatte ich nichts mit einer anderen Frau. Und siehe da, jetzt
in dem Moment in dem ich theoretisch alles ausleben kann, was ich in unserer Beziehung vermisst habe, will ich es gar nicht mehr und sehne mich nach einer Beziehung. Nach nicht mehr und nicht nach weniger. Wir neigen doch dazu immer das zu wollen, was wir nicht haben können. Und können wir es haben, wollen wir es nicht mehr. Wir haben auch darüber geredet. Aber keine Lösung gefunden. Ich schlug eine Trennung auf Probe bzw. Pause vor. Das lehnte sie ab - sie ging. In dieser Pause wollte ich zu mir selbst finden. Das ist mir einigermaßen gelungen. Stand heute will ich in eine Beziehung zurück. Meine vorherige Ambivalenz und die jetzigen Folgen sind alles andere als schön. Heute ist mir klar, dass ich mehr verpasse, wenn ich als Single durch die Welt gehe und all den Dingen die da draußen warten nur theoretisch nachgehe, als in einer Beziehung praktisch auf einiges verzichte.
Das schwierige für Dich ist aber nun herauszufinden, was wichtiger ist. Die Fragen von void sind sicherlich hilfreich - aber es ist blanke Theorie. Vom Schreibtisch aus lassen sich diese leicht beantworten. Setzt Du sie um schaut es anders aus. Ich glaube letztendlich lässt sich das nur in einer Beziehungspause herausfinden (mehrere Wochen / Monate) ohne oder mit nur sehr sehr wenig Kontakt herausfinden.

Ich wünsche Dir / Euch ganz viel Glück. Arbeitet daran.

Und vllt. antwortest du mal auf Mondolines Fragen
 
  • #6
Ich denk du siehst Probleme wo keine sind ..... Stell Dir vor Du gehst in die Sauna. Alle sagen "es ist heiß hier drin" - dann ist es erst richtig heiß. Oder Du nießt und schnupfst etwas rum und Du sagst Deinen Freunden "Oh ich bin schwer erkältet" - dann bist erst richtig krank.

Natürlich gibts keine Gewähr dafür, daß Du, wenn Du einen Marathon laufen willst, auch im Ziel ankommst, bloß hast Du die Fähigkeit und den richtigen Mann dafür, den Marathon des Lebens überhaupt zu laufen.

Aber das Hauptproblem ist doch daß die Angst die Angst nährt. Wenn Du eine schwere Prüfung (Berufsexamen) vor Dir hast, dann kannst natürlich zusammen mit den andern Kandidaten sagen "Oh es ist alles so schwer, es ist so viel, es ist so komplex und überhaupt - die wollen einen nur durchfallen lassen" aber dann fehlt Dir die Kraft und der Mut und das Selbstbewußtsein, das "Problem Prüfung" kleinzukriegen, weil Du innerlich davor Schiß hastwenn nicht sogar kapitulierst.

Und genau den Fehler macht Ihr in Euerer Beziehung. Nicht über Sinn und Zweck diskutieren sondern den nächsten Schritt (Zusammenziehen ? Ehe ?) einfach wagen, denn egal wie lang Du zauderst, dieser Weg ist irgendwann dran und wenn Du jemand andern findest (es ist nicht leicht jemand zu finden) dann steht auch dieser Schritt irgendwann an. Du kennst Deinen Freund und er Dich; sicher hakt es irgendwo, aber ihr müßt eben den letzten Schritt tun: Euch nehmen wie ihr seit und lernen damit umzugehen.
 
  • #7
Ich denke, man kann es ganz einfach zusammenfassen: "Das kann doch noch nicht alles gewesen sein."
Du bist deine gesamten formativen Jahre als Frau mit einem Mann zusammen. Du willst dich nicht festlegen, weil der Rest deines Lebens dann bereits in deinem Kopf so klar vorgezeichnet ist, daß dir übel wird vor Langeweile.
Kenn ich. Sorry für meine Direktheitheit, aber wenn dir auch beim Thema Sex der Gedanke kommt, nur noch mit diesem Mann und das in alle Ewigkeit, dann lass es bleiben.
Insgesamt klingt es für mich so: es reicht einfach nicht. Du willst noch was erleben. Mach das.
 
  • #8
Wieder mal ein gutes Beispiel dafür, dass eine monogame Beziehung selbst unter den optimalsten Voraussetzungen Unsinn ist.

Also hier, höre nun den Rat des Forums den dir unsere Berufsemanzen sowieso gegeben hätten: Trenn dich von ihm, alles ist seine Schuld.
Leb dein Leben aus, geh mit jedem ins Bett der dich noch nicht für zu alt hält und heul dich dann ins 5 Jahren hier im Forum aus, dass du alleine bist und doch so gerne Kinder hättest aber sich kein Mann mehr auf eine Beziehung festlegen will.
 
  • #9
Ich denke, das Problem ist nicht mit unterschiedlichen Werten erzogen zu werden oder nicht in allen Bereichen auf einer Wellenlänge zu schwimmen sondern der Umgang damit ist das Problem, die fehlende Toleranz für einen Zustand der mit dem eigenen Weltbild nicht konform geht.
Offenbar geht es darum dich endgültig niederzulassen und festzulegen, heiraten, Kinder, das ist eine große Entscheidung. Da kann ich verstehen wenn man vielleicht Torschlusspanik bekommt, sich mit dem eigenen Elternhaus wieder konfrontiert sieht. Vielleicht vermischt sich das auch bei dir, dass du das Scheitern der Ehe deiner Eltern auf dich projezierst und dich schon scheitern siehst obwohl das mit der Realität doch gar nichts zu tun hat. Ich denke, es wäre keine Lösung eine funktionierende Beziehung aufzugeben sondern glaube, dass du - egal mit welchem Partner - immer wieder vor demselben Problem stehen würdest wenn es hart auf hart kommt. Ich würde versuchen, vielleicht auch mit fachlicher Unterstützung, deinen Ängsten auf den Grund zu gehen und die zu bearbeiten. Von alleine wird sich nichts verändern.
 
G

Ga_ui

  • #10
Was für Bereiche sind das denn KONKRET, auf denen ihr nicht auf einer Wellenlänge seid?

Ich meine, es ist eher zu verkraften, wenn man unterschiedliches Essen, Filme oder Musik mag (solange es von Seitens des Partners nicht immer abwertende Seitenbemerkungen gibt) oder ob es um recht relevante Meinungsverschiedenheiten geht, wie Zukunftsvorstellungen, sexuelle Vorlieben oder eben Dinge, worunter man selber stark leidet, sich einschränken muss und seine Identität verliert!

Warum die Zweifel? Vielleicht lässt du dir zu viel gefallen und sagst zu selten nein?

Heirat? Auf gar keinen Fall! Viele langjährige Paare trennen sich dann plötzlich nach 10 Jahren, wenn sie anfangen zu heiraten. Bei euch läuft es doch ganz "gut", warum in diesen gutlaufende System hineinpfuschen?

Wie immer: ohne sich hinzusetzen und gemeinsam darüber diskutieren zu wollen, kann man kein Verhältnis verbessern oder verändern!
ei euch läuft es doch einigermaßen gut, undB
 
  • #11
Hallo,

Bei mir kommt viel Positives an, was Du schreibst.
Ein Partner, den Du schätzst, eine Beziehung, die positiv ist...
Eine Beziehung, die sich schon über 10 Jahre bewährt hat, toll.
Ihr habt einen unterschiedlichen Background, das haben aber wohl die meisten, wenn man es nicht nur auf den reine sozialen Aspekt bezieht, sondern auf alles, was Kindheit so prägt. Ihr könnt aber darüber reden und Kompromisse finden, Brücken schlagen. Ist manchmal anstrengend, ermüdend, aber stell Dir mal vor, Ihr wärt in allen Bereichen identisch - . Also ihr habt eine gute Kommunikationsstruktur entwickelt.

Jetzt kommen Zweifel, war es das, ist es wirklich gut...
Vielleicht normal?
Ich war 32, wie mein älterer Sohn eingeschult würde, und registrierte auf einmal in dieser Horde Eltern, jetzt hast Du ein Schulkind, endgültig ganz und gar erwachsen, war ein sehr seltsames Gefühl.
Vielleicht ist da für Dich eine Analogie - man hat die ganze Zeit unbeschwert, frei mehr oder weniger sein Ding gemacht - und jetzt soll es ernster werden, seriös, verpflichtend. Ehe, Kinder - Verantwortung nicht nur für sich. Das kann massiv beängstigend sein, der Gedanke überhaupt Angst auslösen.

Dem Gedanken mit der Bindungsangst würde ich mal nachfühlen, auch mal schauen, ob Du Dir Literatur dazu besorgen magst (Bindungsangst, Bindungsformen Kind / Erwachsene). Gibt auch im Netz einiges sehr informatives dazu zu lesen.
Negative Erfahrungen prägen einen definitiv, und dass Menschen, die in der Kindheit keine / kaum positive Beziehungen erleben durften, zwischen den Eltern und / oder zu den Eltern, ein schwierigeres Bindungsverhalten entwickeln, ist bekannt.
Ich habe auch früher oft und unbewusst alles mögliche dafür getan, damit eine Beziehung nicht auf Dauer funktionieren konnte - fing schon mit der Partnerwahl an.

Aber wenn man sich der Hintergründe bewusst wird und sich eingesteht, dass man da Ängste und negative Muster hat, ist es veränderbar, ggf. mit professioneller Hilfe.

Wäre doch schade, eine gute Partnerschaft zu verlieren und einen Partner, den man wertschätzt und mit dem man sich eigentlich wohl fühlt.
Das ist nämlich m.E. etwas sehr Schönes, und leider seltenes.

Viel Glück,
Lionne, w46
 
  • #12
Wenn du selbst nicht weißt, wie es um deine Gefühle bestellt ist - wie sollen wir, Fremde aus einem Online-Forum, es dann wissen?

Ich kenne dein Dilemma, wenn auch in abgewandelter Form. Ich bin Single, und bei JEDEM Mann, dem ich einen Korb geben will, frage ich mich: passt der wirklich nicht oder sind das nur wieder meine Bindungsängste? Dass ich ein Problem mit Bindungen habe, wurde mir von psychologischer Seite bestätigt; ist also keine zusammengegoogelte Selbstdiagnose. Doch das heißt nicht, dass ich die Angst immer klar als solche benennen kann. Oft maskiert sie sich mit einem Gefühl latenter Unzufriedenheit oder Beklemmung - oder auch mit völliger Gefühllosigkeit dem betreffenden Mann gegenüber. Das macht es so verdammt schwierig, klarzusehen.

Allerdings hatte ich einen spontanen Gedanken zu deiner Geschichte, nämlich: ich kann mir kaum vorstellen, dass ein wirklich bindungsängstlicher Mensch ganze 10 Jahre in einer Beziehung aushält. In einer so langen, ernsthaften Partnerschaft geschieht doch i.d.R. schon lange vor konkret aufkommenden Hochzeitsplänen vieles, was einem Menschen mit Bindungsschwierigkeiten eine Heidenangst einjagen würde: gemeinsame Urlaube, Vorstellung bei Familie und Freunden, Zusammenziehen(!) - oder habt ihr noch getrennte Wohnungen?

Auf der anderen Seite wird es wohl auch bei Bindungsangst unterschiedliche Ausprägungen geben; du leidest vielleicht an einer leichten Form. Ich finde es aber kaum möglich, hier aufgrund einer einzigen geschilderten Beziehung eine Ferndiagnose zu stellen. Es kann auch sein, dass er einfach nicht der Mann deines Lebens ist.

Vielleicht siehst du etwas klarer, wenn du den Wunsch nach Familie mal gedanklich von deinem Freund trennst. Momentan ist das in deinem Kopf vermutlich untrennbar verknüpft und jeder Versuch, dir eine Zukunft ohne ihn vorzustellen; in dich hineinzuhorchen, wie sich das anfühlt, löst einen Abwehrreflex aus. Wenn du es schaffst, dir diesen Gedanken - wirklich erstmal nur den Gedanken - zu erlauben, was geht dann in dir vor?

Vielleicht wäre professionelle Unterstützung hilfreich - Stichpunkt Paartherapie.
 
  • #13
Liebe FS,

du hast etwas sehr schönes von dem viele hier nur träumen können. Eine soweit intakte Beziehung und einen Freund mit dem du anscheinend über alles reden kannst. Zudem wohl eins, der heutzutage angeblich so seltenen Exemplare, der heiraten und Kinder will.
Vllt kommt diese Unsicherheit einfach daher, dass jetzt bald der nächste große Schritt ansteht? Oder gibt es im Bekanntenkreis viele Hochzeiten?
Geh in dich und überlege gut, auch was du alles aufgibst nur weil du momentan vielleicht das Gefühl hast etwas zu verpassen. Man kann auch ohne zig verschiedener Männer im Bett gehabt zu haben sexuell glücklich und zufrieden sein. Das Leben wird auch nicht zwangsweise aufregender, nur weil man jetzt nochmal alles nachholen kann.
Wenn du dir aber sicher bist das dir deine Beziehung nicht reichen wird, dann trenn dich fair von deinem Freund. Dann habt ihr beide vielleicht noch die Chance auf eine Beziehung.
 
  • #14
Bitte, liebe FS, Du bist seit 10 Jahren in einer konventionellen Beziehung (also kein on/off, keine offene Beziehung, kein LAT o.ä.) mit Deinem Freund? - seit 10 Jahren - und denkst trotzdem, Du wärst beziehungs- oder bindungsunfähig?

Nee, das Gefühl hat nichts mit Bindungsfähigkeit zu tun!

Es ist krank und illusorisch, zu glauben, dass ein Paar immer auf einer Längenwelle schwimmen oder in zweisamer Glückseligkeit in einander aufgehen muss, damit es passt.

Nee, von meinem Bauchgefühl her schätze ich, Du hast ein anderes "Problem". Eine Art von Midlife Crisis.
Mit 30 fängt bei vielen Frauen ein neuer Lebensabschnitt an. Jugendzeit ist vorbei!! Erste Fältchen werden sichtbar. Als Frau bist Du für Lothar Matthäus schon zu alt. In den nächsten Jahren wird es ganz konkret Zeit für Familie, so frau eigene Kinder will. Beruflich ist frau langsam angekommen, mit Aus- und Fortbildung fertig. Für manche beruflichen Dinge ist es jetzt auch schon zuspät (Du wirst z.B. keine Astronautin oder Star-Geigerin oder Spitzensportlerin mehr werden). Deine Möglichkeiten werden weniger. Jede Entscheidung für eine Richtung schränkt die weiteren Möglichkeiten weiter ein.

Es ist Zeit Bilanz zu ziehen und zu überlegen, wie es mit Deinem Leben weitergeht. Das ist gut, weil Du noch regulieren kannst, was in die falsche Richtung geht. Du bist auch jung genug, nochmal von Vorne anzufangen.

Es geht auch nicht um Trennung oder Beziehung. Es geht darum, dass Du Dir überlegst, was Du in Deinem Leben sehen und erreichen willst (z.B. Kinder, neuer Job, Umzug in eine andere Stadt, Jahr im Ausland, neues Hobby). Dann schaust Du, ob und wie Du Dein Ziel mit Deinem Partner verwirklichen kannst.

Angenommen Du hast die verrückte Idee, dass Du jetzt in einer entfernten Stadt nochmal studieren/arbeiten willst, dann überlege, ob diese Idee tatsächlich verrückt ist, oder ob Du Dir einen sehnlichen Traum erfüllen kannst, nicht weil Du Deinen Partner verlassen willst, sondern weil Du einen Deiner Träume verwirklichen willst.

Es liegt in Deiner Verantwortung, 1. Deine Wünsche und Ziele zu definieren und 2. umzusetzen. Das musst Du selbst machen. Das ist nicht Aufgabe Deines Partners oder Deiner Beziehung. Das kann auch kein Partner auf der ganzen Welt leisten.
 
  • #15
Ich bin auch sicher, dass eine Beziehung daran wächst, wenn ihr merkt, dass ihr in der Beziehung nicht artig auf Spur bleiben müsst, sondern ihr Euch gegenseitig die Möglichkeit gebt, dass jeder auch selbst als Person einzeln wachsen kann.

Manchmal merken Frauen in langen Beziehungen auch erst, wenn es ernst mit Kindern wird, dass sie mit diesem Partner sicher keine Kinder haben wollen, weil sie von diesem Menschen mit Kind als Mutter nicht abhängig sein wollen. Dann ist im Alter mit um die 30 auch eine Entscheidung fällig.
 
P

Provence

  • #16
…trotzdem spüren mein Freund und ich, dass wir an einigen Stellen sehr unterschiedlich sind. Wir sind mit ganz anderen Werten groß geworden. Es ist manchmal anstrengend, weil wir über viele Dinge diskutieren müssen. Ich würde behaupten, dass wir in einigen Bereichen nicht auf einer Wellenlänge schwimmen.
Genau DAS würde ich reizvoll finden. Ein Partner, der immer mit mir d’accord ist (oder ich mit ihm), wäre mir auf Dauer zu langweilig. Ihr habt Diskussionsstoff und, noch besser, ihr greift ihn auf.

Überprüfe, ob du eure »Unterschiedlichkeiten« eher dazu heranziehst, einen Grund zur Trennung zu haben? Weil du meinst, etwas versäumt zu haben? @Cho Oyu beschreibt unter #4 sehr gut, was er für sich herausgefunden hat, wobei ich selbst von »einer Trennung auf Zeit«, die er gerne gewollt aber nicht bekommen hat, nicht viel halte. Hier kenne ich keinen Fall, in dem das Paar danach wieder glücklich zusammen gefunden hätte.

Ich finde »Zweifel« an der eigenen Beziehung, die immerhin schon 10 Jahre gehalten hat, als normal und gesund. Es ist besser, immer mal wieder (gemeinsam) zu reflektieren, als einfach so in den Tag hinein zu leben und dann irgendwann mit Defiziten aufzuwachen.

In meiner eigenen Partnerschaft habe ich zeitweilig das Gefühl, dass wir (fast) aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen. Da ich diesen Mann liebe, empfinde ich sein »Anderssein« an einigen Stellen ausgesprochen spannend. Es regt mich mehr an (manchmal auch positiv auf), als ununterbrochenes, einvernehmliches Kopfnicken.
 
  • #17
Deine Gedanken und Gefühle gehen in die richtige Richtung: Was Du beschreibst IST klassische Bindungsangst.
Und natürlich hat sie was damit zu tun, was Dich als junger Mensch geprägt hat!
Es ist nun Deine Aufgabe, das für dich richtig zu verarbneiten. Das musst du nicht alleine tun, dazu darfst und solltest Du psychologische Beratung in Anspruch nehmen. Jeder, auch Du, kannst lernen, mit seinen Ängsten so umzugehen, dass sie nicht den Alltag oder eine gute Beziehung beeinträchtigen.
Dein Freund kann Dich insgesamt unterstützen und dafür ein offenes Ohr haben, wenn Du es brauchst. Aber weder er noch seine Liebe oder seine Zuneigung oders eine Geduld können dein Problem, sie können es nur sozusagen begleiten.
 
  • #18
Lieben Dank für die vielen Antworten, die mich zum Nachdenken angeregt haben!

Ich kann die Vermutung nachvollziehen, dass ich mich nach so vielen Jahren Beziehung vielleicht mal wieder nach etwas aufregendem, neuem, anderen Männern sehne. Das ist bei mir jedoch nicht der Fall! Ich habe mich in den Jahren unserer Beziehung nie ernsthaft für andere Männer interessiert. Sexuell läuft es bei uns gut! Das Single-Dasein hat sicherlich auch gute Seiten, jedoch sehne ich mich absolut nicht nach diesem Zustand. Es wäre ein Zustand, in den ich fallen würde, weil ich nicht in der Lage war, ein klares Ja zu einer Zukunft mit meinem Partner zu geben. Es würde mir nicht gut gehen, ich würde versuchen, irgendwie weiter zu machen und müsste halt schauen, was das Leben noch so bringt.
Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich in meinem Leben eine „wilde Phase“ nachholen müsste. Ich habe eine unbeschwerte Jugend gehabt, viel gefeiert, geflirtet und andere Freunde gehabt. Jetzt würde ich mich wirklich bald über eine eigene Familie freuen! Ob diese Einstellung zu einem bindungsscheuen Menschen passt?

Die Unterschiede zwischen meinem Freund und mir beziehen sich auf Bereiche wie Bildung, Interessen, Religion. Als wir uns in einander verliebt haben, hatten wir das Gefühl, dass wir nicht zueinander passen. Wir haben uns aber stark zueinander hingezogen gefühlt und gespürt, dass sich unser „tiefstes Innenleben“ ganz schön ähnelt. Wir haben viel geredet, Werte (welche natürlich stark von der eigenen Herkunftsfamilie abhängen) hinterfragt, zum Teil neu bestimmt und uns angenähert. Diese gemeinsame Entwicklung war und ist toll und hat uns immer enger zusammen geschweißt. Wir sind uns heute einig darüber, wie wir als Familie leben möchten. Trotzdem kam in den Jahren immer wieder die Frage auf, ob es sich lohnt? Ob es wohl einfacher wäre, einen von Grund auf „ähnlicheren“ Partner zu haben?

Der Aspekt „Probleme sehen, wo keine sind“ passt dazu wohl ganz gut! Die Gedanken bestimmen wohl unsere Gefühle. Wenn ich ständig an Dinge denke, die uns unterscheiden oder uns stören, werde ich weiter zweifeln. Wenn ich aber das sehe, was uns verbindet und wir schon erreicht haben, werden sicher weitere tolle Dinge passieren. Es fällt mir nur oftmals schwer, Zweifel einfach zur Seite zu schieben und etwas trotzdem zu tun, da diese, wie gesagt, im Bauch wohnen. Ich habe einfach das große Bedürfnis, die Ursache zu erforschen, um eine Entscheidung zu treffen, die sich absolut richtig anfühlt.
 
  • #19
Ich habe einfach das große Bedürfnis, die Ursache zu erforschen, um eine Entscheidung zu treffen, die sich absolut richtig anfühlt.
Nein, jetzt zerdenkst du das ganze. 100% ige Sicherheit gibts im Leben eben nicht.
Nach deinem letzten Post empfehle ich einen Riesensprung ins kalte Wasser. Vielleicht mußt du nur ein wenig von deinem Sicherheitsbedürfnis aufgeben und mehr auf den Fluss des Lebens vertrauen.
Autsch, bin ich gerade schuldig des Floskelschleuderns? Egal, hat sich gut angefühlt.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #20
Hallo Entsche,
Ich habe deine Antwort gerade gelesen.
Wenn du dich selbst besser kennenlernen willst, dein Repertoire an Verhaltensweisen bei bestimmten Situationen erweitern willst und denen Dingen mal auf den Grund gehen willst, dann empfehle ich dir ein paar Gespräche mit einem Psychologen zum persönlichen Coaching.
Ich bin sicher, dass er oder sie dir innerhalb kurzer Zeit sagen kann, welche Systeme da ablaufen und wie du darauf unterschiedlich reagieren kannst.
Viel Erfolg.