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Gast

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  • #31
Bei uns werden die Kinder in der Grundschule von der Englischlehrerin beauftragt, zu Hause auf einer Englisch-CD ein Lied zu lernen - die Kinder, bei denen die Eltern nicht helfen bzw. die kein Abspielgerät haben, können also in die Röhre gucken. Ich als extrem bildungsnaher Mensch aus reichem Elternhaus finde es eine absolute Frechheit, was heutzutage (aus Hilflosigkeit?) alles schon in der Schule einfach so für selbstverständlich genommen wird. Die Schule befördert hier ein völlig von Werten befreites Denken.

Ich kenne keinen Haushalt mit Kindern die keinen CD_Player haben, außer sehr bildungsnahe Ökos, die sowas prinzipiell ablehnen - die habe ich in der eigenen Familie.
Selbst im Hartz IV-Haushalt würde ich eher als Problem befürchten, dass die CD nicht abgespielt werden kann, weil der CD-Player durch ein Blue-Ray-Gerät mit Dolby-Sourround ersetzt wurde, dass leider inkompatibel mit der Schul-CD ist, weil zu neu.
Die beschreibene Art von Armut gibt es nicht in Deutschland, nicht, wenn die Eltern sich bemühen. Ich muster' mein technisches Equipement alle ca. 2 Jahre aus - es landet als Sachspende im Sozialkaufhaus. Ich gehe dorthin und sehe, was da für ganz wenig Geld rumsteht, d.h. ich treffe keine sozialromantischen Annahmen.
In Deutschland gibt es bei Familien mit Kindern keine unerträgliche Armut, die von der Teilhabe im Leben auschließt - sie können nicht an jeder hochpreisigen Freizeitaktivität teilnehmen, aber darum geht es hier nicht. Es gibt reichlich Hilfeangebote, die helfen, die Potenziale zu erschließen und wahrzunehmen. Es gibt aber reichlich Armut im Geist, die verhindert, die Möglichkeiten zu nutzen.

Wenn mal wieder Bastelmaterial mitgebracht werden soll, gebe ich meinen Kindern immer extra das Doppelte / Dreifache mit, weil sonst niemand an die vernachlässigten Heimkinder und Kinder aus sozial prekären Verhäntnissen denkt, die natürlich nichts mitbringen (können). Unsere Gesellschaft ist wirklich absurd.

Du bist wirklich eine Sozialromatikerin. Ich kenne aus meinem Ehrenamt reichlich Heimkinder, aber keine vernachlässigten. Sie haben alles, was sie brauchen und wenn sie Bastelmaterial brauchen, bekommen sie es, bzw. das Geld, es zu kaufen. Wenn sie kein Bastelmaterial mitbringen, dann aus einem Grund: sie haben sich nicht gekümmert, nichts gesagt. Heimkinder haben keine überbehütenden Gluckenmütter, sie müssen sich früh Selbstständigkeit erlernen, weil sie mit 18 erwachsen sein müssen. Dazu bekommen sie die Chance, Fehler zu machen und daraus zu lernen.

Es ist trotzdem nett, dass Du für andere mitsorgst. Das sind nicht immer diejenigen, denen es am Geld mangelt, das Material zu besorgen, sondern denen es an Liebe und Fürsorge für ihre Kinder mangelt, sich um diese Belange zu kümmern.
 
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  • #32
Was mir persönlich bei stark behüteten Kinder aufgefallen ist, ist die enorme Anspruchshaltung an sein Gegenüber, ohne selbst etwas dazu beizutragen und, dass es oft sehr anstrengenden, egomane Zeitgenossen sind!

w

Meinst Du mit stark behütet materiell verwöhnt? Da sehe ich nämlich keinen kausalen Zusammenhang. Ich glaube, dieses Überbehütet- Werden ist etwas, das in allen Familien, egal ob arm oder reich oder was auch immer vorkommt. Kinder brauchen viel Liebe, das ist kein Thema, viel wichtiger sind aber Grenzen und eine konsequente Haltung der Eltern. Überhaupt sollten sich Eltern ihrer Vorbildrolle immer wieder bewusst werden.
 
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