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Das Umfeld meines Freundes

Ich (28) bin noch nicht sehr lange mit meinem Freund (30) zusammen. Für uns beide ist klar, dass es etwas Ernstes ist. Wir sind sehr verliebt ineinander und möchten beide eine längerfristige Partnerschaft mit Zukunft aufbauen.

Jetzt gibt es aber eine Sache, die mir Sorgen bereitet. Wir kommen aus unterschiedlichen Familienverhältnissen. Meine Eltern sind einfache Arbeiter, die Ende der 70er von Kroatien nach Deutschland gekommen sind. Seine Familie ist sehr wohlhabend. Der Vater besitzt drei Apotheken und arbeitet in einer davon, die Mutter ist Hausfrau. Von irgendwelchen Verwandten hat sie sehr viel Geld geerbt. Mich interessiert das Vermögen meines Partners grundsätzlich nicht. Ich habe ein Studium abgeschlossen und verdiene genug, um mir ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Darum geht es nicht.

Ich habe meinen Freund schon mehrmals zu meinen Eltern mitgenommen. Sie haben ihn auf Anhieb als Mann an meiner Seite akzeptiert und behandeln ihn wie einen eigenen Sohn. In Kürze steht der erste Besuch bei seinen Eltern an. Mein Freund hat mir einige Regeln genannt, die ich im Haus seiner Familie befolgen sollte. Z. B. würde seine Mutter erwarten, dass ich auch Lebensmittel esse, die mir absolut nicht schmecken. Und ich muss sie für das Essen ganz arg loben, da sie nicht täglich kocht und das in ihren Augen etwas Besonderes ist. Ich bin sicher nicht wählerisch beim Essen, aber das sehe ich absolut nicht ein. Obwohl meine Mutter immer berufstätig war, hat sie jeden Tag gekocht und macht das bis heute so. Wenn meine Eltern Gäste bekommen, richtet sie sich beim Kochen auch nach dem Besuch. Sie möchte, dass unsere Gäste sich bei uns wohl fühlen.

Dann meinte er noch, dass sein Vater gerne und viel redet und immer Recht haben will. Ich solle ihm dieses Vergnügen lassen und keinesfalls widersprechen, auch wenn seine Ansichten manchmal äußerst gewöhnungsbedürftig sind. Ich bin allerdings eine Person, die immer offen ihre Meinung vertritt und sich nicht zurückhält, nur weil jemand anders meint, er wäre was Besseres und würde immer Zustimmung verdienen.

Schon in meiner Schulzeit hatte ich Probleme in "reichen Häusern", weil ich nie so sein konnte wie ich war und ständig das Gefühl hatte, mich bei den Leuten verstellen zu müssen. Die meisten dieser Mitschüler durften mich nach der ersten Geburtstagsfeier von den Eltern aus nicht mehr zu sich einladen. Damals war ich aber noch ein Kind, heute bin ich eine erwachsene Frau und lasse mir den Mund noch weniger verbieten. Wie komme ich zu einer akzeptablen Lösung für alle?
 
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Ganz einfach, indem du erwachsen wirst und Toleranz ausübst und vorallen Respekt den Älteren! Da ist dann nämlich die Herkunft egal. Ich hoffe das wurde Dir als Kind beigebracht und natürlich ist es etwas Besonderes, wenn sich jemand wegen Dir hinstellt und kocht, der das selten macht. Seine Mutter erweißt dir bereits Respekt und Gastfreundschaft, also nimm es an und weise sie nicht zurück.

w34
 
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Liebe FS,

ich denke, es ist etwas ungeschickt von Ihrem Freund, dass er Dich so auf die erste Begegnung mit den Eltern"vorbereitet". So hast Du die Unbefangenheit verloren und wirst Dich von Anfang an unsicher fühlen.

An Deiner Stelle würde ich bei dem ersten Besuch versuchen nett und offen zu sein. Es geht jetzt erstmal darum, die Schwingungen zwischen den Menschen zu spüren, zu beobachten, Vertrauen her zu stellen. Bei dem ersten Besuch würde ich nicht auf der eigenen Meinung beharren, sondern bei kniffligen Themen lieber ablenken, einen Scherz machen oder so.

Und es ist wichtig, dass die Eltern spüren, dass der Sohn glücklich ist und zu Dir steht. Für Eltern ist es das wichtigste, dass das Kind glücklich ist. So werden sie sicherlich jetzt auch sehr positiv auf Dich zukommen.

Das mit dem Essen finde ich wirklich schwierig. Ich esse normal vegetarisch, aber bei solchen Gelegenheiten bestehe ich nicht darauf. Dann esse ich ein kleines bisschen Fleisch und dafür mehr von den Beilagen ... Das fällt nicht so auf.

Viel Glück und sei voll positiver Erwartung!
 
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Liebe FS,

wenn du mit diesem Mann eine Zukunft aufbauen willst, kommst du um die Eltern nicht rum und sie gleich zu verprellen macht gar keinen Sinn.

D.h., schau sie dir doch erst einmal an, vielleicht ist ja alles halb so schlimm.
Dein Freund scheint vorzubauen, weil er dich kennt und seine Eltern und mögliche Konfrontationspunkte voraussieht. D.h. du bist wenig diplomatisch, sehr direkt. Ihm gefällt das - oder er erträgt das, weil schon daheim trainiert - , für den Umgang mit einigen Menschen kann das Konflikte bedeuten und er schätzt seine Eltern als solche ein.
Nun versucht er, dem vorzubeugen und du bist schon in der Opposition.

Wenn deine Mutter täglich kocht hat das doch nichts damit zu tun, dass seine Mutter das nicht tut. Vermutlich gehen sie öfter Essen oder haben eine Hauswirtschafterin, die kocht. Was du von daheim gewöhnt bist, ist doch nicht das Maß der Dinge. Sei doch einfach neugierig und offen. Du musst dich nicht verstellen, aber wenn man weiß, dass jemand etwas nicht regelmäßig tut und dann extra, weil du mitkommst, so fällt dir doch kein Zacken aus der Krone, das zu würdigen. . Dein Freund kann deiner Mutter einen Hinweis darauf geben, was du nicht magst, oder eben besonders gerne.

Gerne- und Vielredner, die immer recht haben, gibt es in allen Schichten. Das findest du am Stammtisch in Prolform bis zum Professor. Weder du noch dein Freund kann seinen Vater ändern. Mit sowas muss man immer umgehen, egal, wo es einem begegnet. Und dein Freund hat recht. Lass ihm das Vergnügen. Willst du einen Streit vom Zaun brechen? Soll sein Vater sich deinetwegen ändern? Sowohl die Mutter, als auch dein Freund haben gelernt, damit umzugehen. Von dir hier die Kampfansage: Ich nicht!!!!

Wenn man mit Menschen umgeht, deren Verhalten einem nicht wirklich liegt, dann kann man auf Konfrontationskurs gehen oder mit Diplomatie und Freundlichkeit über Macken hinwegsehen. Du musst dich entscheiden, welchen Weg du einschlagen willst. Wenn du auf der Schiene fährst "ich weiche keinen Zentimeter zurück, weil ich bin ich, ich bin erwachsen, ich habe meine Meinung und die ist genauso wichtig - pardon natürlich richtiger usw. " dann wirst du den Karrn mit den Eltern an die Wand fahren. Ob du deinem Freund das antun willst, steht ganz bei dir.

Man muss sich keineswegs verstellen um mit anderen Menschen gut auszukommen. Wenn dein Charakter jedoch Kampfansage und "mit mir nicht" ist, dann scheint von dir vielleicht tatsächlich eine Vorstellung verlangt zu werden. In dem Fall solltest du mal überlegen, dein Verhaltensrepertoir authentisch zu erweitern.

Als Alternative kann dein Freund seinen Eltern ja sagen, dass du am Essen mäkeln wirst und deutlich machen wirst, dass es nicht so schmeckt und bei dir daheim sowieso die Gastfreundschaft viel besser ist und seinem Vater kann er sagen, dass du ihm widersprechen wirst und ihm das Gefühl geben wirst, er ist ein Vollidiot.. Dann können seine Eltern sich ja auf dich einstellen...

w
 
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oh je, der Mann ist 30 und hat sich nicht abgenabelt. Ich würde nichts essen, was ich nicht essen will! Wenn jemand nun gelobt werden muss, weil er sonst nie kocht, bin ich für den Hinweis dankbar und mach das auch, aber ich erwarte, dass man mich fragt, was ich gern mag, und nicht was kocht und dann sauer wird, wenn ich das nicht essen will.

Was die Rechthaberei angeht, würde ich gucken, wie es läuft. Es ist ja was anderes, wenn eine Frau mit einem alten Mann diskutiert, als wenn der Sohn recht hat. Streiterei würde ich jetzt schon vermeiden wollen, da wär mir das egal, es sei denn, es geht um sehr unhumane Ansichten oder mir geht die Ansicht generell gegen den Strich.

Jedenfalls kllingt es gruselig, wie sich Dein Freund verbiegt und nun Dich auch mitbiegen will, wenn es um die Eltern geht. Du stehst für Dich selbst, also bleibt Dir überlassen, ob Du isst oder Dich streitest. Allerdings muss Dir klar sein, dass Dein Freund nicht auf Deiner Seite sein wird, wenn es Stress gibt.
 
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Mein Freund hat mir einige Regeln genannt, die ich im Haus seiner Familie befolgen sollte. Z. B. würde seine Mutter erwarten, dass ich auch Lebensmittel esse, die mir absolut nicht schmecken. Und ich muss sie für das Essen ganz arg loben, da sie nicht täglich kocht und das in ihren Augen etwas Besonderes ist.

Dann meinte er noch, dass sein Vater gerne und viel redet und immer Recht haben will. Ich solle ihm dieses Vergnügen lassen und keinesfalls widersprechen, auch wenn seine Ansichten manchmal äußerst gewöhnungsbedürftig sind. Ich bin allerdings eine Person, die immer offen ihre Meinung vertritt und sich nicht zurückhält, nur weil jemand anders meint, er wäre was Besseres und würde immer Zustimmung verdienen.

Der Besuch bei seinen Eltern ist eine wirklich gute Gelegenheit, sein Umfeld und auch ihn genauer kennenzulernen. Wenn er das Gefühl hat, er müsse Dir sagen, wie Du Dich benehmen solltest, spricht das nicht für ihn und nicht dafür, dass er Dich so akzeptiert wie Du bist. Das ist für mich in einer Beziehung aber essenziell.

Es ist natürlich höflich, Essen zu loben und keine Diskussionen anzufangen. Übertreiben solltest Du es aber nicht, zumindest nicht auf Dauer. Ich mag bestimmte Sachen nicht, die esse ich auch nicht. Da geht es nicht um die Kochkunst der Hausfrau, sondern um generelle Abneigungen Deinerseits. Die könnte Dein Freund ja seiner Mutter vorher mitteilen, dann ist das geklärt, sie wird kaum Spaß daran haben, Fisch zu kochen, den Du nicht magst. Andererseits kann man manche Dinge probieren, wenn man sie nicht kennt und eben nicht großartig nachschöpfen, das wird Dir beruflich auch manchmal so gehen (ich habe das regelmäßig bei meinen Chinabesuchen...)
Redet Dein Freund auch gerne viel und hat gerne Recht? Dann solltest Du Dir den Vater intensiv anschauen, denn Kinder schlagen nicht ohne Grund manchmal nach ihren Eltern.

Der Besuch bei den "Schwiegereltern" ist nach meinem Verständnis wie ein
Bewerbungsgespräch. Beide Seiten sehen, ob sie miteinander können. Letztlich hängt auch für seine Eltern davon ab, ob sie eine Schwiegertochter gewinnen oder einen Sohn verlieren (wenn die Beziehung überhaupt hält). Bleibe locker, bleibe Du selbst.

Du hast selbst studiert und stehst auf eigenen Beinen, auch ohne aus wohlhabenden Verhältnissen zu kommen, das ist Deine Leistung. Du hast es nicht nötig, zu "kuschen". Bleib höflich, aber sieh das Kennenlernen beidseitig und sage das Deinem Freund auch. Er kann ja seinem Vater auch vorher sagen, er solle Dich nicht mit seinen schrägen Ansichten belästigen, weil Du ihm wichtig bist.

m, 46
 
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Liebe FS,
Du kommst mit der Souveränität einer erwachsenenund gebildeten Frau zu einer befriedigenden Loesung. Du bist doch keine trotzige Jugendliche mehr, die pubertätsgeschuettelt Situationen entgleisen lassen muss.
In solchem Umfeld verhalte ich mich wie im Jobumfeld - mit professioneller Routine. Ich bin ebenfalls ein Arbeiterkind, habe studiert und lebe jetzt in einem akademischen Umfeld mit vielen Weiterbildungen, Kongressen, halbprivaten Jobevents. Da brauchst Du eine gewisse soziale Anpassungsfähigkeit, sonst bringst Du es trotz Studium beruflich nicht weit.

Bei solchen Events gibt es öfter mal was zu essen, was nicht zu meinen Leibgerichten zählt. Sofern es nicht auf der absoluten Ekelliste bei mir steht (rohe Meeresfruechte, Innereien, Sauerkraut), esse ich kommentarlos ein wenig davon (Schweinefleisch) und mehr von den Beilagen, die ich wirklich mag. Wenn man mich allerdings fragt, sage ich, dass es nicht zu meinen Lieblingsgerichten zählt, kann aber im Gegenzug dann ein anderes Gericht loben (Suppe, Nachtisch), das mir wirklich geschmeckt habt.

Ebenso routiniert und distanziert kann ich mit Menschen umgehen, die extreme Positionen in Gesprächen einnehmen. Es gehört sich einfach nicht, bei gesellschaftlichen Anlässen in absurde politische Grabenkaempfe auszubrechen. Ich kann sowas Hoeflichkeit halber irgnorieren, selbst wenn man mich stark provoziert. Du kannst seinem Vater durch Nichtstun durchaus beweisen, dass Du Dich besser benehmen kannst als er.
Diese durch Unkenntnis geprägte Großkotzigkeit kenne ich viel von wohlhabenden Menschen, die diesen Wohlstand nicht aus eigenen Kräften erarbeitet haben. Sie wissen eigentlich, dass sie geistige Zwerge sind und muessen das durch Grosssprech kompensieren. Da steh ich drüber und meide solche Situationen im privaten Umfeld. Wer mir wirklich blöd kommt oder die gesamte Tischrunde durch idiotisches Verhalten sprengt, wird von mir mit maximal 2 Saetzen zum Schweigen gebracht - die notwendige Intelligenz und Redegewandtheit habe ich.

Du solltest seine Hausfrauenmutter nicht dafür besonders loben, dass sie ihren Standardjob macht, ein selbstgekochtes Essen auftischt und Dir das nicht der Rede wert ist, Dich aber bedanken. Das sollest Du Deinem Freund auch so sagen. Da muss er sich ein wenig vom Elternhaus emanzipieren, denn auch er ist erwachsen.
Und Du solltest die Gewohnheiten eines suedost-europäischen Arbeiterhaushaltes nicht mit der deutschen Upperclass vergleichen und bewerten. Ich koche z.B. auch nicht immer die Lieblingsgerichte meiner Gäste, sondern das, was ich kochen will sowie etwas, wovon ich einen gewissen Konsenz für alle Gäste annehme und was ggfs. deren Allergien berücksichtigt.
w, 50
 
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Ich schreibe dir jetzt mal aus der anderen Perspektive: Freund aus "einfacher" (ich mag das Wort nicht wirklich) Arbeiterfamilie, ich aus gut situiertem Akademikeraushalt. Er ist auch sehr gerade heraus, lässt ungern mit seiner Meinung hinter dem Berg, eckt damit auch das eine oder andere mal an. Ich weiß diese offene Art durchaus zu schätzen, aber manchmal schießt er über das Ziel hinaus. Es gibt schlichtweg bestimmte Verhaltensweisen, die mit Höflichkeit zu tun haben. Da habe ich ihm vor dem ersten Besuch bei meinen Eltern - die sicherlich nicht arrogant oder unherzlich sind - auch gebrieft. ch rede hier natürlich nicht davon, dass er ungehobelt und ausfällig wird, und das ist sicherlich bei dir auch nicht der Fall.

Ich denke zum einen, dass dein Freund sehr aufgeregt sein wird, wenn er dich das erste Mal seiner Familie vorstellt. Er möchte, dass du seinen Eltern gefällst, sicher aber auch, dass du mit deinen Eltern gut klarkommst. Deswegen gibt er dir vorher ein paar Hinweise auf den Weg. Klar, kann man darüber streiten, ob seine Mutter nicht vorher fragen sollte, was du gerne isst und dementsprechend kochen sollte. Seine Mutter scheint da aber speziell zu sein und ich weiß nicht, warum du darauf ein Problem machen musst und du es "nicht einsiehst". Das klingt patzig und nicht sehr erwachsen von dir.

Dass dein Freund dir davon abrät, deinem Vater zu widersprechen, wird seinen Grund haben. Zum einen kennt er sicher seinen Vater gut, zum anderen dich und er sieht da die Gefahr, dass es in Diskussionen ausarten könnte. Und so etwas mus echt nicht beim ersten Treffen sein. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum du das alles gleich darauf beziehst, dass dein Freund aus "reichem Haus" kommt. Das klingt sehr vorurteilsverhaftet. Auch in weniger reichen Häusern gibt es Menschen, die am liebsten immer Recht haben und denen man besser nicht widersprechen sollte, wenn man nicht auf Streitgespräche aus ist. Wenn du aber nun schon so negativ an das erste Treffen rangehst und die Eltern deines Freundes von vornherein als arrogante reiche Leute abstempelst, sehe ich schwarz. Wie soll das auf Dauer mit deinem Freund funktionieren? Ich finde es schon krass, wenn du dich früher auf Kindergeburstagen anscheinend so daneben benommen hast, dass du nicht mehr eingeladen wurdest. Ein bisschen Anpassung muss manchmal sein, ob man will oder nicht. Und gerade, wenn es um die Person geht, die man anscheinend liebt und mit der man eine Zukunft aufbauen will.

w30
 
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Fakt ist, Du kommst aus dem Proletariat und bist Aufsteigerin. Wenn Du in der Liga mitspielen willst, die Deinem Status entspricht - Studium und Freund aus großbürgerlichem Elternhaus - dann vergiss so kindlich trotzige, anarchische Gebilde wie: nur das Herz und immer die Wahrheit sagen zählt.
Das ist ein übertünchen der Herkunft und die Faulheit, neues Verhalten zu lernen.
Welches ?
Die FORM wahren. In gehobenen Kreisen ist das sehr wichtig und an dieser mangelnden Einsicht
scheitern die meisten Aufsteiger und geben sich damit zu erkennen: Ich verbiege mich nicht, das sehe ich nicht ein. Deshalb hängen sie dann immer irgendwo zwischen den Welten - nicht unten und nicht oben.
Vereinfacht ausgedrückt: Pokerface aufsetzen und sich seinen Teil denken bezüglich Mamas Essen
und Papas Geschwätz. Gesellschaftlich richtiges Verhalten ist eine Kunst, ein schmaler Grat zwischen
Heuchelei und Höflichkeit. Wer das im Elternhaus nicht trainieren, sich abschauen konnte muss das
später nachholen. Beobachte diese Leute, höre zu.
w
 
oh je, der Mann ist 30 und hat sich nicht abgenabelt.

Jedenfalls kllingt es gruselig, wie sich Dein Freund verbiegt und nun Dich auch mitbiegen will, wenn es um die Eltern geht.

Das sehe ich anders. Ich denke, der Mann kennt einfach beide Seiten sehr gut und malt sich schon diverse Horroszenarien aus. Ist es nicht ein legitimer Wunsch jedes Kindes (und Kinder der Eltern bleiben wir, man kann sie sich auch nicht aussuchen), dass sich die eigenen Eltern gut mit der Partnerin vertragen und umgekehrt? Dieses erste Treffen wird die Basis für die Zukunft legen. Und welcher Mann hat schon das Bedürfnis zwischen beiden Parteien zu vermitteln, irgendwann nur noch der "Gegenseite" die Verhaltensweisen zu erklären? Das Ansinnen des Mannes, einen harmonischen Tag zu verbringen ist also durchaus menschlich.

Die Fragestellerin klingt danach, partout nicht diplomatisch sein zu wollen - aus Prinzip.
Liebe FS, tu es für deinen Freund. Mach ihm das Leben nicht schwer. Zeige deine beste Seite. Nimms mit Humor und einem Augenzwinkern :)
 
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Hier die FS: Natürlich möchte die Eltern meines Freundes gerne kennenlernen. Wenn ich mit einem Menschen zusammen bin, interessiere ich mich auch für seine Familie und Freunde. Ich bin wie gesagt beim Essen nicht wählerisch. Es gibt nur wenige Sachen, die ich nicht mag. Bei den Eltern meines Freundes gibt es oftmals Fertiggerichte, auch damit hätte ich kein Problem. Selbstverständlich bin ich ein höflicher Mensch und bedanke mich für die Einladung, das ist doch klar. Ich habe keine schlechten Manieren, Knigge ist für mich kein Fremdwort. Ich würde auch niemals die Kochkünste einer anderen Person kritisieren. Aber manche Leute sind schon eingeschnappt, wenn man nur ein einziges Lebensmittel ablehnt, welches sie auf den Tisch bringen.

Was das Thema Rechthaberei angeht: Ich habe große Probleme mit Menschen, die keine andere Meinung akzeptieren als ihre eigene und Personen erniedrigen, die ihnen widersprechen. Leider muss ich gestehen, dass es in meiner jetzigen Beziehung schon zwei derartige Vorfälle gab: Ich kenne die Clique meines Freundes schon seit einer Weile und fand die Leute anfangs wirklich nett. Eines Abends unterhielten wir uns in einer Kneipe über Fußball (kenne mich als Frau sehr gut aus), und einer seiner Freunde wurde mir gegenüber plötzlich sehr verletzend. Als ich später meinen Freund bei mir in der Wohnung fragte ob sein Kumpel schlecht gelaunt war, sagte er zu mir: „Du, der X hat in unserer Clique das Sagen. Widersprich´ ihm bloß nicht mehr, sonst haben wir beide ein Problem.“ D. h. einerseits muss ich mit psychischer Erniedrigung rechnen, und auf der anderen Seite muss er den Ausschluss aus der Clique befürchten. Ich finde das schlimm. In meinem Freundeskreis gibt es keinen Anführer, vor dem alle kuschen. Bei uns sind alle Leute gleichberechtigt.

Ein anderes Mal haben wir nach einer Feier beim Bruder meines Freundes übernachtet. Ich war vorher noch nie in seiner Wohnung und war beim Anblick dieser Messie-Bude total entsetzt. Das Schlimmste war, dass wir auf dem Fußboden nächtigen sollten. Der hätte kaum dreckiger sein können, als er es war. Als ich seinen Bruder im höflichen Ton fragte, ob er keine Zeit hatte um vor unserem Besuch wenigstens ein bisschen sauber zu machen, wurde mein Freund ärgerlich und sagte: „Du, das hier ist die Wohnung meines Bruders! Was fällt dir eigentlich ein, ihm Vorschriften zu machen? Sei froh, dass du überhaupt hier schlafen kannst.“

Ich bin sehr verliebt in diesen Mann. Aber ich muss doch nicht alles supertoll finden, was seine Familie und Freunde sagen und tun. Dann käme ich mir gar nicht mehr authentisch vor. Ist das wirklich so normal, sich dermaßen zu verbiegen?
 
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Wenn Dein Freund derart angepasst gegenüber seinen Eltern agiert solltest Du das erst einmal als Zeichen nehmen, ihn neu einzuschätzen. Wie steht es denn generell mit seiner Selbstbestimmung? Oder hängt er finanziell am Nabel der Familie?

Wenn er in der Familie eine angepasste Rolle spielt, wirst auch Du in Zukunft nicht darum kommen. Möchtest Du das?

Du musst das erste Treffen nicht bewusst gegen die Wand fahren, ich rate, wie oben genannt zu einer professionellen Distanz. Man muss ja nicht viel essen. Und man kann ja auch Schweigen. Beobachte und sortiere danach Deine Ansichten neu.

Vielleicht ist es nicht so schlimm, wie es Dein Freund darstellt. Vielleicht kuscht er selbst aus Gewohnheit zu sehr. Vielleicht ist es auch so schlimm, wie es sich anhört. Aber nicht in allen Beziehungen muss man viel mit den "Schwiegereltern" zu tun haben.

Also: gib Deinem Freund etwas, indem Du vorsichtig agierst. Lass Dir aber von ihm auch nichts vorwerfen. Falls er meint, Du hättest Dich falsch verhalten, halt dagegen. Sein Verhalten gegenüber seinen Eltern ist seine Sache, Dein Verhalten ist Deine.
 
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Ich finde es auch, dass es eine Frage der Gastfreundlichkeit ist, nicht ins Blaue etwas zu kochen und es ist sch...egal, ob die Gäste das mögen oder nicht. So etwas finde ich schlichtweg unhöflich. Damit zeige ich meinen Gästen, dass sie mir nicht wichtig sind. Nach dem Motto friss oder stirb. Unmöglich sowas. Zumindest erkundige ich mich danach, ob jemand etwas gar nicht mag. Und wenn ich nicht nachfrage dann muss ich als erwachsener Mensch damit umgehen können, dass die Gäste auch nicht etwas essen, das sie nicht mögen. Gutes Benehmen ist nämlich keine Einbahnstraße. Als Gast bricht mir auch kein Zacken aus der Krone wenn ich ein Essen lobe, bei dem ich nicht vor lauter Entzücken aus den Latschen kippe. Aber "ganz doll" muss ich das auch nicht machen. Sagen, dass es sehr lecker ist, vielen Dank, das schadet niemandem und der Gastgeber freut sich, gerade wenn er nicht oft kocht. Auch das ist eine Frage des guten Benehmens und der Höflichkeit. Wegen so einer Lappalie würde ich es mir doch nicht beim ersten Besuch mit den Eltern meines Partners verderben. Man kann zu seiner Meinung stehen, das kann man dann in wirklich wichtigen Dingen tun, aber nicht wegen so etwas Profanem unnötige Bad Vibrations provozieren. Jede Familie ist anders und niemand ist perfekt und wenn du möchtest, dass er deine Familie gut findet kann er auch von dir erwarten, dass du dich auch bemühst. Man muss nicht unnötig und aus irgendwelchen Vorurteilen heraus direkt etwas ablehnen. Sonst kommt auch keine Annäherung zustande. Gehe erstmal hin, sei normal und gib dir Mühe. Wenn die dann wirklich doof sind, dann kannst du immer noch weiter sehen, wie du mit der Situation umgehst.
Wenn du aber von vornherein etwas ablehnst, weil es anders ist, als du es kennst dann bist du selbst nicht besser als diejenigen, die dich ablehnen, ohne dich zu kennen.
Sagt auch eine Kroatin, die aber mit verschiedenen Lebensphilosophien leben kann, ohne die eigene aufzugeben.
W43
 
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Pass auf und guck Dir an, was Du für einen Menschen an Deiner Seite hast.

Das ist ein Bückling, der sich nicht traut, eine eigene Meinung zu haben, wenn er nicht mal weiß, dass NIEMAND was essen muss, was ihm nicht schmeckt. Beim ureigensten Recht, dass man sich nichts in den Mund stecken muss, was man nicht will, wird Dir hier reingequatscht, es doch zu tun, damit irgendwer keine schlechte Laune kriegt.

Ja, es gibt Diplomatie. Ich bin auch jemand, der lieber Harmonie hat. Aber in Deinem Fall mit diesem Mann, geht es ja bei Dingen los, die jeder normale Mensch einsehen muss. Ich würde NIE von jemandem verlangen, dass er was isst, was er nicht will.

Und Dein Freund zeigt durch sein Verhalten auch, dass er sich für Dich fremdschämen wird, wenn seine Autoritätspersonen Dich nicht akzeptieren, obwohl Du Dich normal verhältst.

Du hast einen Mann an Deiner Seite, der Dich für eine Art dritten Arm hält, der nach Normen funktionieren soll, die schwachsinnig sind. ER kann sich ja dran halten, aber DU darfst selber entscheiden, was Du tust.

Z. B. würde seine Mutter erwarten, dass ich auch Lebensmittel esse, die mir absolut nicht schmecken.
Und ich muss sie für das Essen ganz arg loben, da sie nicht täglich kocht und das in ihren Augen etwas Besonderes ist. Ich bin sicher nicht wählerisch beim Essen, aber das sehe ich absolut nicht ein.

Genau. Und ich seh auch nicht, dass sich eine alte Frau wie ein kleines Kind verhalten muss, dass man sie lobt, wenn sie mal gekocht hat. Ich würde immer Komplimente machen, wenn es schmeckt. Aber ich bin keine Therapeutin, dass ich meine echten Abneigungen verleugne für Egostreichelei einer anderen Person. Wer sowas macht, ist ein Charakter ohne Rückgrat.

Wenn meine Eltern Gäste bekommen, richtet sie sich beim Kochen auch nach dem Besuch. Sie möchte, dass unsere Gäste sich bei uns wohl fühlen.

Das ist das Normale.

Ich bin allerdings eine Person, die immer offen ihre Meinung vertritt und sich nicht zurückhält, nur weil jemand anders meint, er wäre was Besseres und würde immer Zustimmung verdienen

Eigene Meinung vertreten finde ich gut. Aber bei Dir ist ein Zungenschlag darin, dass Du meinst, der würde sich für was besseres halten. Möglicherweise tust Du es nur, weil Du einen Minderwertigkeitskomplex mit Dir rumschleppst.

heute bin ich eine erwachsene Frau und lasse mir den Mund noch weniger verbieten

Seh ich auch so.
Dein Freund versucht, Dich zu einem Kind zu machen. Denn er ist auch noch eins, weil er sich nicht traut, für seine Bedürfnisse einzutreten.

Wie komme ich zu einer akzeptablen Lösung für alle?

Gar nicht. Ich bin sicher, dass Du Dir nach der Begegnung Bemerkungen anhören darfst, wo Du Dich überall falsch verhalten hast. Oder Du machst "Männchen" und fühlst Dich selber danach sch***, weil man sowas schwer ertragen kann, sich für irgendwas zu verbiegen, was man idiotisch findet.
 
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Es geht nicht um Sich-Verbiegen, das Stichwort heisst Diplomatie.
Wie du schreibst, bist du schon früher häufig angeeckt.

Dass man dem Gastgeber nicht groß widerspricht, sondern eine eventuell abweichende Meinung sehr vorsichtig und höflich äußert, versteht sich doch eigentlich von selbst, oder? Einfach schweigen und lächeln finde ich nicht verkehrt, in so einem Fall.
Wenn du irgendetwas überhaupt nicht isst (Fleisch/Schweinefleisch/Fisch/Meeresfrüchte ...) sollte dein Freund das seiner Mutter sagen, falls sie nicht sowieso fragt, ihn oder dich. Ich tue das zum Beispiel, wenn jemand zum allerersten Mal bei mir isst. Nein, du musst nichts essen, was du absolut ablehnst, aber du wirst doch ganz sicher was finden, was dir richtig gut schmeckt, und das lobst du dann eben.

Mir scheint, dass deine Umgangsformen etwas, sagen wir, ... ungeschliffen sind. Kann das sein?
Freundlich, höflich, diplomatisch zu sein ist doch nicht so schwer, oder? Nein, man muss nicht überall seine Meinung gleich hinausposaunen, schon gar nicht bei Leuten, die man zum ersten Mal sieht und deren Gastfreundschaft man genießt (!?).

Dein Freund scheint zu befürchten, dass du dich vielleicht danebenbenimmst. Er möchte verständlicherweise, dass du einen guten Eindruck machst und seine Eltern dich mögen. Möglicherweise ist es eine eher einfache Herkunft, die bewirkt, dass bei der Erziehung weniger Wert auf Höflichkeit gelegt wird und Direktheit gutgeheißen wird. Die gehört aber in den allerengsten Freundes- und Familienkreis, wenn überhaupt.

Versuch einfach, ein bisschen charmant und besonders nett zu sein.
Das wird dir auch im Beruf, bei der Karriere, helfen.
Lass dich nicht verrückt machen. Denk einfach daran, dass du eine Frau bist, die angenehm im Umgang ist, die man gern um sich hat.
 
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FS, als ich die Überschrift gelesen habe, lief bei mir (wie sicher bei den meisten) ein Film im Kopf ab - also das was ich hinter so einer Aussage für mich vermute.

Ich habe eher daran gedacht, dass er aus den einfachen Verhältnissen kommt und durch das Umfeld immer wieder abstürzt oder sehr ungehobelt ist. Aber so wie es aussieht, bist eher Du, die ungehobelte in Eurer Beziehung ist. Es ist auch bestimmt ein Charakterzug, den Dein Freund an Dir mag und schätzt ABER seine Eltern sind seine Eltern.

Du hast zwei Möglichkeiten - Du bleibst, wie Du bist oder Du hörst auf ihn und achtest etwas auf Dein Verhalten.

Ich denke, Du hast eine Antipathie gegen besser gestellte Menschen, vor allem gegen die, die mit einem Silberlöffel im Mund geboren wurden und sich nicht selber hoch gearbeitet haben - Du möchtest sie erziehen. Naja... hmmm... die lassen sich genauso ungerne erziehen, wie Du das auch tust.

Wenn man eingeladen ist, sollte man auch höflich sein und dem Gastgeber entgegen kommen. Wenn man Gäste einlädt, dann sollte man zu ihnen nett sein und um ihr Wohlbefinden bemüht sein. Dein Freund möchte, dass Du und seine Eltern euch mögt. Ich kann es mir gut vorstellen, dass sie schon so ein paar Vorbehalte gegen Dich haben - wenn er ihnen Deinen Hintergrund erzählt. Ihm sind seine Elter und deren Meinung sicher wichtig. Bring ihn nicht in die Situation, zwischen Dir und ihnen sich entscheiden zu müssen. Ich vermute, Du würdest verlieren. Ist Dir die Sache das Wert, dann ziehe die Sache auf Deine Art und Weise durch.

Ich komme, wie Du auch aus einer Arbeiterfamilie, bin 10 aus der ehemaligen UDSSR nach Deutschland gekommen - bewege mich jetzt auch sehr viel im akademischer Bereich aber ohne ein Studium (Humanmedizin/ Forschung). Die Menschen finden meine offene direkte Art oft erfrischen aber diese Art wird nur bis zu einer bestimmten Grenze toleriert und gewünscht, wenn ich sie überschreite, dann ist es vorbei. Wenn Du dich weiter in solchen Kreisen bewegen willst, in ihnen arbeiten willst, dann musst Du auch etwas von Deiner direkten Art zurückschrauben oder Du gehst da unter wie ein Stein.

Ich bin w35
 
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Ich würde meinen Freund vorher dezent darauf hinweisen, dass mir von Essen, das ich partout nicht mag, schlecht wird. Wenn mir zur Zeit jemand einen großen Teller Kürbissuppe aufnötigen wollen würde, hätte er Pech gehabt, das Leben ist zu kurz, um sich aus reiner Höflichkeit hinterher mit ein paar Stunden Übelkeit rumzuschlagen.

Ansonsten würde ich das Ganze entspannt angehen und als Übungsfeld benutzen, nicht immer und zu allem eine Meinung zu haben und diese auch kundzutun. Du bist eine erwachsene Frau und könntest mit Ende 20 mal dein bisheriges Verhalten "in reichen Häusern" reflektieren und musst nicht dort bis ans Ende deiner Tage anecken. Falls du irgendwann feststellst, dass dein Freund vor seinen Eltern kuscht, kannst du immer noch den Mund aufmachen.

w Ü45
 
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Ganz ehrlich liebe FS, du klingst als wärst du Don Krawallo.

Die meisten dieser Mitschüler durften mich nach der ersten Geburtstagsfeier von den Eltern aus nicht mehr zu sich einladen.

Ich weiß nicht wie man sich als Kind bei einer Geburtstagsfeier von einem Mitschüler aufführen muss, dass man quasi Haus- und Umgangsverbot bekommt. Besonders harmlos wird das dann wohl nicht sein und da frage ich mich wie du von deinen Eltern erzogen wurdest. Augenscheinlich garnicht, wenn du nichtmal als Gast Respekt vor den Eltern deiner Mitschüler hast.

Dass dein Freund dann schon im vornherein Schadensbegrenzung betreiben will und dir sagt dass du dich zurückhalten sollst, kann ich irgendwie verstehen. Gerade wie schon Vorschreiber sagten ist ein Streit oder eine böse Diskussion alles andere als vorteilhaft. Vor allem wenns um die Schwiegereltern geht, da kann man mit einem Fehltritt das ganze zukünftige Verhältnis ruinieren.

Also hör auf deinen Freund wenn du halbwegs wert auf ein gutes Verhältnis und mach was er sagt, er wird schon seinen Grund haben. Ansonsten werden wir hier wohl bald einen Thread mit dem Titel "Meine Schwiegereltern hassen mich und schließen mich aus!" von dir lesen dürfen.

w25
 
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Das erste Mal bei seinen Eltern würde ich mich auch zurückhalten. Wie wenn man in eine neue Firma kommt. Da tritt man ja uach nicht als Platzhirsch auf. Vielleicht ist es ja nicht so schlimm. Vielleicht seid ihr ja sogar öfters einer Meinung?
 
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Bei den ersten Kontakten auf jeden Fall die Ratschläge deines Freundes befolgen. Er meint es doch nur gut, damit du dich in der Situation wohl fühlst und seine Eltern auch. Wenn man eingeladen wird, muss man den Knigge des Gastgebers akzeptieren.
 
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Ich (29) bin auch Kroatin und kann dich verstehen. Das Problem ist aber nicht unbedingt der Wohlstand seiner Familie, sondern die Einstellung bzgl. des Verhaltens. Bei den meisten Leuten vom Balkan werden die Partner und Freunde der Kinder von Anfang an als Teil der Familie akzeptiert und auch so behandelt. Hier in Deutschland ist das manchmal auch so, aber eben nicht immer. Du darfst niemals selbstverständlich davon ausgehen. Viele Leute vertreten die Ansicht, dass man sich seinen Platz in einer Gemeinschaft erst "verdienen" muss. Für mich war das auch immer normal, dass Familie, Partner und Freunde für mich da waren, wenn ich sie mal brauchte. Im Gegenzug konnten sie sich auch jederzeit auf mich verlassen. Hier gibt es viele Menschen mit der Einstellung: "Du musst selbst schauen, wo du bleibst." Das ist sehr gewöhnungsbedürftig, wenn man anders erzogen wurde.

Als ich mit 16 meinen ersten Freund (damals 17) hatte, gingen wir öfters am Samstag in die 20-Uhr-Vorstellung ins Kino. Der letzte Bus fuhr um 22 Uhr. Wenn der Film mal länger dauerte und wir es nicht auf den Bus schafften, wurden wir immer von meinen Eltern abgeholt und nach Hause gefahren. Die Eltern meines damaligen Freundes holten uns nie ab. Sie vertraten die Meinung, dass ihr Sohn für sich selbst verantwortlich war. Meinen Eltern war es lieber, 2 km hin und zurück zu fahren als uns per Anhalter fahren zu lassen. Unsere Sicherheit war ihnen wichtiger als ihre eigene Bequemlichkeit.

Meine Schwester (25) hat sich vor kurzem nach über 2 Jahren Beziehung von ihrem Freund getrennt. Der Hauptgrund war das unterkühlte Verhältnis zu seinen Eltern. Nach über 2 Jahren war sie in seiner Familie immer noch ein Gast und kein vollwertiges Mitglied. Sie wurde weder an Weihnachten noch zu den Geburtstagen seiner Eltern eingeladen, während er bei unseren Eltern an solchen Festtagen immer willkommen war. Wenn meine Schwester bei seinen Eltern war, kam es oftmals vor, dass seine Mutter ihn fragte ob er Hunger oder Durst hatte und ihr gar nichts angeboten wurde. Sie war immer höflich und respektvoll zu seinen Eltern und hatte viel Geduld. Doch irgendwann hielt sie es nicht mehr aus, ständig ausgeschlossen zu werden. Als sie ihren Ex fragte, warum er sich bei seinen Eltern nie für sie einsetzte, meinte er: "Meine Eltern tun was für andere, wenn sie das wollen und sonst nicht." Damit kam sie nicht klar und beendete die Beziehung.

Überlege dir sehr genau, ob du so etwas aushalten könntest. Könntest du damit leben, wenn die Eltern deines Freundes viel weniger für dich tun als deine für ihn, aber trotzdem weitaus mehr Dankbarkeit von dir erwarten als deine Familie von deinem Partner?
 
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<mod>

Ich finde jegliche Art von Vorurteilen schlecht, erst einmal die Leute kennenlernen dann kann man immer noch gucken, ob man mit denen weiter enger zu tun haben möchte oder nicht. Und man kann auch dem Partner zuliebe auch mal Fünfer gerade sein lassen. man kann schließlich nichts für seine Eltern. Ich hatte ein furchtbares Elternhaus und meinen Vater einem Partner zumuten hätte ich nie gewollt. Er hatte seine feste Vorstellung, mit wem ich alles nicht zusammen sein soll. Die Auswahl wäre echt klein geworden.

Es ist doch sehr schön, dass die FS eingeladen wird. Das ist mal ein Zeichen, dass man bereit ist, sie willkommen zu heißen. Sie muss nicht jeden Kampf da auskämpfen, man kann auch mal stillschweigend die Meinungen anderer Menschen akzeptieren und fertig. Oder auch vorsichtig seine eigene kundtun, ohne den anderen vor den Kopf zu stoßen, das möchte man umgekehrt auch nicht. Und leben muss ich schließlich mit meinem Partner. Wenn er da die Grenze ziehen kann dann passt doch alles. Was interessiert mich dann, ob sie mich lieben, solange er mich liebt. Schließlich ist man gerade hier nicht dazu gezwungen, Kontakt zu pflegen wenn man das nicht möchten. Ich würde auch nicht wegen meiner Eltern abgelehnt werden wollen.
 
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Ich würde mich nicht wegen der Tipps verrückt machen lassen. Es ist doch eigentlich klar, dass man bei einem Kennenlerntreffen mit den Eltern erst einmal zurückhaltend und nett ist, und nicht aus irgendwelchen Gründen Konfrontation sucht. Man lächelt viel und ist sehr höflich - das hat aber nichts mit Wohlstand oder Klassenunterschieden oder Ähnlichem zu tun. Danach würde ich mich einfach natürlich geben.
 
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Es gibt einen Unterschied zwischen Diplomatie und Selbstverleugnung, möchte ich nur mal anmerken.

Ich würde mich auch nicht mit Rechthabern streiten, sollen sie meinetwegen denken, ihre Weltsicht ist die einzig wahre. Aber etwas essen, das ich nicht mag, und generell die Arschkriecherei des Freundes vor allen, die eine große Klappe haben, würde ich nicht für mich akzeptieren.

Man wird in einer Beziehung nicht ein funktionierendes Organ des Mannes, dass man so funktionieren muss, wie er es in seiner Welt auf absurde Weise für richtig hält.

Sicher will er, dass alle seine Freundin, die FS, mögen. Wenn jemand wirklich auf Krawall aus ist, ist er anstrengend. Aber auch dann kann ich ihm als Partner keine Vorschriften machen, da er ein erwachsener Mensch ist und selber entscheidet, an welche Regeln er sich hält.

Als ich später meinen Freund bei mir in der Wohnung fragte ob sein Kumpel schlecht gelaunt war, sagte er zu mir: „Du, der X hat in unserer Clique das Sagen. Widersprich´ ihm bloß nicht mehr, sonst haben wir beide ein Problem.“

Was soll man mit solchen Freunden?

Hoppala
Ist es nicht ein legitimer Wunsch jedes Kindes (und Kinder der Eltern bleiben wir, man kann sie sich auch nicht aussuchen), dass sich die eigenen Eltern gut mit der Partnerin vertragen und umgekehrt? Dieses erste Treffen wird die Basis für die Zukunft legen.

Eben. Deswegen sollten eigentlich die Eltern dafür sorgen, dass sich die Freundin wohlfühlt. Damit sie ihren Sohn nicht verlässt und er unglücklich wird. Sicher ist es der Wunsch eines jeden, dass die Eltern und der Partner sich mögen/vertragen. Aber es gibt Grenzen. Tipps mit dem rechthaberischen Vater sind ok, aber eigentlich sollte der Freund nicht verlangen, dass sich dir Freundin anpasst, sondern sie nur warnen, dass es ungemütlich werden könnte, wenn sie es denn entscheidet, sich auf eine Diskussion einzulassen. Das ist ein Unterschied, ob ich sage "meine Eltern sind stressig, so kämst du am besten weg" oder "pass dich bloß diesen Macken an, ich will mich nicht für dich schämen".

Die Dynamik dieser Beziehung ist übrigens, dass er sich so eine Partnerin gewählt hat, um endlich mal zu lernen, wie man "Arsch in der Hose" kriegt. Und sie muss lernen, wann Diplomatie angebracht ist.
 
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Ihr seid beide extrem in Eurem Verhalten. Der eine krümmt sich und die andere boxt sich durch.
Sich gepflegt durchsetzen lernt ihr nicht voneinander. Vorschlag wäre mal gemeinsam entsprechende Seminare zu besuchen, das bringt Euch beide weiter im Leben.
w
 
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Leider muss ich gestehen, dass es in meiner jetzigen Beziehung schon zwei derartige Vorfälle gab: Ich kenne die Clique meines Freundes schon seit einer Weile und fand die Leute anfangs wirklich nett. Eines Abends unterhielten wir uns in einer Kneipe über Fußball (kenne mich als Frau sehr gut aus), und einer seiner Freunde wurde mir gegenüber plötzlich sehr verletzend. Als ich später meinen Freund bei mir in der Wohnung fragte ob sein Kumpel schlecht gelaunt war, sagte er zu mir: „Du, der X hat in unserer Clique das Sagen. Widersprich´ ihm bloß nicht mehr, sonst haben wir beide ein Problem.“ D. h. einerseits muss ich mit psychischer Erniedrigung rechnen, und auf der anderen Seite muss er den Ausschluss aus der Clique befürchten. Ich finde das schlimm. In meinem Freundeskreis gibt es keinen Anführer, vor dem alle kuschen. Bei uns sind alle Leute gleichberechtigt.

Ein anderes Mal haben wir nach einer Feier beim Bruder meines Freundes übernachtet. Ich war vorher noch nie in seiner Wohnung und war beim Anblick dieser Messie-Bude total entsetzt. Das Schlimmste war, dass wir auf dem Fußboden nächtigen sollten. Der hätte kaum dreckiger sein können, als er es war. Als ich seinen Bruder im höflichen Ton fragte, ob er keine Zeit hatte um vor unserem Besuch wenigstens ein bisschen sauber zu machen, wurde mein Freund ärgerlich und sagte: „Du, das hier ist die Wohnung meines Bruders! Was fällt dir eigentlich ein, ihm Vorschriften zu machen? Sei froh, dass du überhaupt hier schlafen kannst.“
Das Umfeld deines Freundes scheint sehr hierarchisch strukturiert zu sein, Macht und Einfluss zu haben ist wichtig, Gleichberechtigung und "auf Augenhöhe zu sein" ist hier ein Fremdwort. Du stehst in der Familie weit unterhalb seiner Eltern und auch unterhalb seines Bruders, dein Freund und du steht unter dem Anführer seiner Clique. Und wenn dein Freund dich so von oben herab behandelt wie bei seinem Bruder passiert, dann stehst du wohl auch unterhalb deines Freundes, und er hält sich für was besseres.
Die Frage ist, ob du auf Dauer damit leben kannst oder es schaffen könntest, diese total eingefahrenen Strukturen etwas aufzuweichen, auf jeden Fall bist du die Rebellin unter diesen Leuten und kannst für etwas Aufruhr sorgen.... was für ein Problem hättet ihr beide denn eigentlich, wenn du dem Anführer der Clique widersprechen würdest? Vielleicht wird es mal Zeit für eine Rebellin wie dich....

Übrigens hier noch mein Geheimtipp für den Umgang mit einem schwierigen Menschen: BEWUNDERUNG. Finde etwas, was du ehrlichen Herzens an ihm bewundern kannst (also keine unechte Schmeichelei), und er wird dir sofort wohlgesonnen sein. Falls dir das Essen der Mutter deines Freundes nicht schmeckt, kannst du vielleicht ihre Kücheneinrichtung oder geschmackvolle Kleidung oder ihre Blumen toll finden und das auch erwähnen, und schon hast du sie auf deiner Seite. Probier das ruhig mal aus, es wirkt!

w 50
 
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Liebe FS,
Dein Freund hat einfach kein Rückgrat. Das ist ein identitätsloser Mitläufer, der vor jedem kuscht, nur um dabeisein zu dürfen und er will aus Dir genaus so einen Mitläufer machen, damit er weiterhin mitspielen darf.
Vor so einem Mickermännchen hätte ich keinerlei Achtung und deswegen könnte ich ihn auch nicht lieben.
 
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Das Umfeld deines Freundes scheint sehr hierarchisch strukturiert zu sein, Macht und Einfluss zu haben ist wichtig, Gleichberechtigung und "auf Augenhöhe zu sein" ist hier ein Fremdwort.

Genau diese Befürchtung habe ich (FS) auch, und davor habe ich Angst. Ich komme mit Menschen, die nach dem Prinzip Macht und Unterwerfung leben, gar nicht klar und fühle mich in ihrer Gegenwart total unwohl.

Und wenn dein Freund dich so von oben herab behandelt wie bei seinem Bruder passiert, dann stehst du wohl auch unterhalb deines Freundes, und er hält sich für was besseres.

Das kann ich mir kaum vorstellen. Falls das hier so rüberkommt, als ob ich mich auf die Beziehung wegen des Wohlstands meines Freundes (bzw. seiner Familie) eingelassen hätte: Das ist definitiv nicht der Fall. Er besitzt weder ein teures Auto, noch trägt er Markenklamotten und legt allgemein kaum Wert auf sein äußeres Erscheinungsbild. Ich war sehr überrascht als er mir erzählte, dass seine Familie so wohlhabend ist. Das hätte ich bei ihm nicht vermutet. Er verdient auch weniger Geld als ich. Für mich zählt die Persönlichkeit und nicht Geld, Status, usw.

was für ein Problem hättet ihr beide denn eigentlich, wenn du dem Anführer der Clique widersprechen würdest?

Ich bin (noch) kein Mitglied dieser Clique und werde auch keins werden, wenn ich dem Anführer erneut widerspreche. Ein anderer Mann wurde aus der Gruppe ausgeschlossen, nachdem er in einem Gespräch mit dem Anführer seine Meinung vertreten hatte. Die anderen Mitglieder haben schon noch Kontakt mit ihm, aber an den "offiziellen" Gruppenaktivitäten wie z. B. Silvester, Geburtstagsfeiern, usw. darf er nicht mehr teilnehmen. Ich müsste bei "Fehlverhalten" mit verbalen Erniedrigungen rechnen. Und wenn ich mich dann wehre, könnte mein Freund aus der Gruppe verbannt werden.

Übrigens hier noch mein Geheimtipp für den Umgang mit einem schwierigen Menschen: BEWUNDERUNG.

Ich habe kein Problem damit, anderen Menschen Bewunderung entgegen zu bringen. Leider habe ich damit bisher nur schlechte Erfahrungen gemacht. Solche Leute wollen meiner Erfahrung nach, dass sich alles in erster Linie nur um sie dreht. Von mir wurde in solchen Fällen immer erwartet, brav im Hintergrund zu bleiben und meine Bedürfnisse zu verleugnen. Und dafür bin ich absolut nicht der Typ Frau, also habe ich mich dann zurückgezogen. Zu meinem jetzigen Freund passt das aber nicht wirklich.
 
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Wie willst Du mit dem Umfeld Deines Freundes dauerhaft zurecht kommen? Passt ja nicht wirklich. Er hat dort den Status angepasster Mitläufer und Du bist seine Freundin. Da ist die Rangfolge im Familien- und Freundeskreis auch für Dich klar, dort werdet ihr ja als Paar wahrgenommen. Wenn Du Dich dort mit aller Macht als dominantes Einzelwesen einbringen willst, werden die anderen das nicht akzeptieren, denn vorrangig ist es die Clique und Familie Deines Freundes und Dein Verhalten entspricht nicht seinem untergeordneten Status dort. Deshalb sitzt der eben auch in der Zwickmühle.
Wenn Du Dich selbst verleugnest, wird das auch nicht gut gehen. Auf Dauer gesehen müsste Dein Freund den Mut aufbringen, Dich gewähren zu lassen und seine Feigheit ablegen. Da stehen die Chancen 50:50. Immerhin wäre es für ihn mit seine defensiven Art einfacher, Dich machen zu lassen.
Deine offensive Art wirst Du wohl nicht dauerhaft klein halten können. Gönn Dir halt das Experiment und "hau in die Suppe". Du kannst verlieren (Deinen Freund) oder gewinnen (den Respekt seiner Umgebung). Wer als Gastarbeiterkind Studium geschafft hat, gehört eben nicht zu den Verzagten.
Viel Glück
w
 
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