• #1

Depressiver Mann - Ich weiss nicht mehr weiter

Hallo Ihr Lieben,
ich bin neu hier und würde mich über hilfreiche und auch ehrliche Antworten von euch freuen!
Mein momentaner Status ist verheiratet , 1 Sohn (5) und mein Mann ist seit 3 Wochen in einer psychiatrischen Einrichtung wegen seiner schweren Depression.

Wenn ich zurück blicke auf die letzten 5 Jahre, seit mein Sohn auf der Welt ist, ist alles anders. Mein Mann zog sich immer mehr zurück, an Sex war nicht mehr zu denken, er hat sich nur noch auf seine Arbeit konzentriert.
Ich habe gedacht, das er sich wegen mir zurück zieht, das Selbstwertgefühl wurde immer schlechter.
Seit letztem Jahr ist unsere Ehe eher wie ein Bruder Schwester Verhältnis.
Kein Sex, Küssen nur wenns unbedingt sein muss, auf der Gefühlsebene funzt so gar nix mehr!
Ich habe ich ihm die Pistole auf die Brust gesetzt und ihn gebeten sich bitte untersuchen zu lassen, das was nicht stimmen kann und das ich so nicht mehr weiter leben kann!
Ein Neurologe hat dann die Diagnose schwerst Depressiv gestellt und ihn Medikamentös "eingestellt" , die nächsten Monate waren etwas entspannter, aber vielleicht auch nur weil ich dachte es würde nun besser. Wurde es aber nicht.
In diesem Sommer hat mein Körper mir dann eindeutig gezeigt , das es so nicht mehr weiter geht und mit Migräne alle 2 Tage, Magen Schleimhaut Entzündungen, Gallenkoliken mit anschließender Gallen OP geantwortet.

Fakt war, so geht es nicht weiter und mein Mann hat sich dann vor einigen Wochen dazu überreden lassen in eine stationäre Therapie zu gehen.
Ich habe die letzten 3 Wochen sehr viel nachdenken können, und ich merke , das alles irgendwie super funktioniert. Mit meinem Sohn, der Haushalt, meine Freizeit, das Leben...
Mein Mann fehlt mir nicht, vermisse ihn nicht, ich weiß nicht ob ich das weiter mit ihm schaffe kräftemäßig, habe langsam das Gefühl das sich das ganze kämpfen nicht mehr lohnt und ich es nur mache um wenigstens alles versucht zu haben und mir hinterher keine Vorwürfe aus irgendwelchen Reihen anhören zu müssen..."hättest du ...besser wäre das und das..warum hast du nicht mal..."

Ich weiß einfach nicht mehr ob ich so weiter leben will, so weiter leben kann, ob ich mich selbst dabei nicht verliere...und irgendwie kann mir auch keiner helfen den richtigen Weg zu gehen. Ist das denn soooo schwer eine Entscheidung für sich zu treffen?

LG Ivy
 
  • #2
Alles was du beschreibst, der Rückzug, kein küssen, keine Sexualität, ein Bruder-Schwester-Verhältnis ist normal im Rahmen einer psychischen Erkrankung. Es geht auch mit Sicherheit nicht darum, dass er dich als seine Frau ablehnt oder nichts mehr empfindet sondern selbst so belastet ist, dass das alle anderen Emotionen erstickt. Er befindet sich selbst in einem Ausnahmezustand. Psychopharmaka können im besten Fall Symptome lindern aber therapieren nicht die Ursache einer Depression. Dafür benötigt dein Mann in jedem Fall - auch nach dem stationären Aufenthalt - begleitend eine Psychotherapie.
Es ist oft ein langer Prozess bis man sich therapieren lässt, sich ärztliche Hilfe sucht und sich dann eingesteht eine Erkrankung zu haben. Er wird aus einem - für sich - funktionierenden Alltag gerissen und findet sich wieder als Patient in der Psychiatrie. Das ist in erster Linie für ihn eine große Belastung und in weiterer Folge natürlich auch für die Angehörigen. Ich kann nicht beurteilen wo ihr in eurer Ehe steht das kannst du nur für dich selbst entscheiden. Wenn du vor hast ihn zu verlassen würde ich diesen Schritt dann machen solange er den therapeutischen Rahmen hat, ansonsten würde ich erstmal über eine Eheberatung nachdenken bevor du endgültig das Handtuch wirfst.
 
  • #3
Liebe Ivy,

ich kann Dich sehr gut verstehen, ich habe mich vor drei Jahren von meinem schwer depressiven Freund getrennt, als ich merkte, dass es einfach keinen Zweck mehr hatte. Sein Zustand hat sich dann nachfolgend zwar stabilisiert, jedoch ist er bis heute nicht wieder so "hergestellt", dass ein normales Leben mit "normalen" Emotionen möglich wäre.

Wenn Du kannst und vielleicht in einer größeren Stadt lebst, könntest Du Dir Beratung suchen. Das hilft einem sehr - gerade weil bei Euch noch Euer Kind mit im Bunde ist und weil Du dann eine unparteiische Zuhörerin oder Zuhörer hättest. So was hilft bei Entscheidlungen sehr.

Viele werden Dir sagen, dass Du jetzt an Dich denken sollst und es einfach durchziehen sollst - aber ich denke, ich kann ganz gut ahnen, wie es Dir mit all den Zweifeln und Schuldgefühlen geht. Dein Körper sagt Dir zwar großartig klar, was geht und was nicht mehr geht - aber die Sache liegt kompliziert!

Ich weiß nicht, ob es hilft: Als ich es meinem Freund damals "beichtete", schien er sogar erleichtert. Er meinte zu mir, er hätte sowieso kaum mehr Gefühle und es wäre ihm schwergefallen, zu wissen, dass ich da vor mich hin vegetiere und "warte", dass es ihm besser ginge. So, mit der emotionalen Trennung, ginge es ihm besser. VIelleicht geht das ja bei Dir auch in diese Richtung?

Ich wünsch Dir alles Gute!
 
  • #4
Find ich wieder mal Symptomatisch. Eigentlich heißt heiraten ja in "guten wie in schlechten Zeiten". Das ist natürlich Blödsinn, da heutzutage keiner mehr die schlechten Zeiten mitmacht.
Insofern bin ich froh, dass ich für mich die Entscheidung getroffen habe niemals zu heiraten. Es gibt einfach keinen Grund mehr das zu machen.

Ach so und als Antwort auf deine Frage: Trenn dich von dem Typen, ist ja vermutlich eh das was dein Bauchgefühl dir sagt. Die Bestätigung und Absolution hast du hiermit auch bekommen.
 
  • #5
Klar kannst Du Dich trennen. Du merkst ja scheinbar, dass es Dir gerade alleine etwas besser geht (Klar eigentlich , wenn man den kranken Partner los ist) .

Ganz ausser Acht solltest darfst Du allerdings auch Deine wirtschatliche Situation nicht lassen.

Wer er auszieht und Dir nurmehr den Kinderunterhalt zahlt (zur mehr wird er infolge seiner Erkrankung auch nicht in der Lage sein); bist Du auf Dich allein gestellt.

Kann er, auch wer er (alleine) krank ist, Kinderbetreuungsaufgaben übernehmen, so dass Du selbst mehr arbeiten kannst ?
Ich wünsche Dir, dass Du das irgendwie schaffst.
 
  • #6
Liebe Ivy
Das ist offensichtlich eine sehr schwere Situation, in der du steckst. Positiv finde ich, dass dein Mann endlich eingewilligt hat, sich helfen zu lassen und in die stationäre Behandlung ging. Ob er jetzt noch in der Klinik ist, schreibst du nicht, auch nicht, wie oft du ihn siehst und ob du eine positive Veränderung schon feststellen konntest (wenn auch nur ne kleine...).
Wie das weitergeht mit deinem Mann, kann natürlich niemand sagen. Insofern kann dir niemand eine Entscheidung abnehmen, was du tun musst. Wenn man in so einer Situation drinsteckt, sind Entscheidungen manchmal sehr schwierig, zumal es ja nicht nur um dich sondern auch um deinen Sohn geht. Ich denke aber, dass du jemand brauchst, der dich unterstützt. Ich würde dir empfehlen, einen guten Coach oder Psychologen zu konsultieren, der dir fachkundigen Rat und Unterstützung geben kann. Du wirst dann bestimmt herausfinden, was der beste Weg für dich und deine Familie ist bzw. Kraft und Mut bekommen, diese schwierige Situation zu meistern.
 
  • #7
Hey Ivy

Wenn du dir deinen Text nochmal ganz in Ruhe durchliest, dann wirst du sehen das du die Antwort schon längst kennst und dir selbst gegeben hast. Dir fehlt dein Mann nicht du fühlst dich befreit und besser und bekommst alles auch alleine auf die Reihe. Das ist doch schonmal eine gute Erfahrung. Natürlich ist da dann noch dein Kind. Aber im prinzip weisst du schon was zu tun ist.
Liebe Grüße.
 
  • #8
Liebe Ivy,
wenn Du bereits merkst, dass Du Dich von Deinem Mann losgelöst hast, Du merkst, dass es Dir so viel besser geht, dann musst Du den Mut fassen und Dich trennen.
Mit Deinen vermutlich Mitte/Ende 30 Jahren kommt noch so viel Leben, das Du für Dich noch in eine glückliche Bahn schieben kannst.
In gewisser Weise ist mir Deine Lage nicht unbekannt. Du fragst Dich sicher nach Verantwortungen ggü. Deinem Mann etc. Gut, dass Du aber auch Deine Zukunft mit Eurem Sohn nachgedacht hast. Jetzt leben wir doch in einer Zeit, mit der wir uns nicht mehr mit dem Trauschein ein Leben klang binden müssen und uns mit einer Trennung nicht mehr gesellschaftlich ins Abseits stellen.
Also nimm es wahr und trenne Dich - bleibe dennoch Deinem Mann und Vater Deines Kindes verbunden. Die eigentliche Trennungsphase wird besonders schwer - für Euch beide. Und solange Dein Mann jetzt noch in psychiatrischer Betreuung ist gibt es keinen besseren Zeitpunkt, um ihm (D-)einen Entschluss mitzuteilen.
Denke an Dich, an Dein weiteres Leben! Und habe keine Gewissensbisse ggü. Deinem Mann, fühle Dich nicht verantwortlich für seine Situation. Lebe wieder bzw. finde Deinen neuen Weg!

Dieser Text spiegelt jetzt nur meine Meinung wider für ein komplexes Thema, welches Du mit inhaltskurzer Situationsbeschreibung skizziert hast. Und es ist nur eine, meine persönliche Meinung - und kein Rat!

LG Werner
 
A

aufgewacht

Gast
  • #9
Meines Erachtens gibt es nur einen Grund zusammen zu bleiben: Weil man zusammen bleiben will. Gründe dafür gibt es viele.... und genauso viele Gründe gibt es dagegen.
Jetzt da du allein bist, hast du die Gelegenheit ganz nüchtern darüber nach zudenken, aber auch ganz tief in dich hineinzuspüren.
(Ich habe mich damals mit einem kalten Ofen verglichen, den ich auf der Suche nach einem letzten Stückchen Glut ausgeputzt habe. Ich hätte gern noch eins gefunden, um die Liebe neu anzublasen... aber da war nichts mehr.)
Du hast grad eine unheimlich schwierige Zeit und eigentlich bräuchtest du wahrscheinlich auch professionelle Hilfe. Vielleicht hast du die Chance eine Mutter Kind Kur zu bekommen.
Der nächste Schritt steht dir noch bevor. Es kann nämlich sein, dass du für dich / euch mit dir um die Beziehung ringst, dein Mann aber nach der Therapie nach Hause kommt, sein Ego leben will und sich von dir trennt. So etwas habe ich bereits im Umfeld erlebt.
Momentan sieht es danach aus, als ginge es dir ohne ihn besser. Aber vielleicht gibt es ein Zurück zu den Tagen vor dem Kind, in dem ihr wohl doch ein normales Paarleben gehabt habt. Vielleicht kann seine Therapie als Familientherapie weitergeführt werden...
Sicher ist aber auch, dass dem Kind mit starkem Vater und starker Mutter besser geholfen ist als mit einem kaputten Elternpaar.
 
  • #10
Ja es heisst, in guten wie in schlechten Zeiten!
Allerdings ist der Ehemann nicht plötzlich von heute auf morgen krank geworden und die FS wirft nicht sofort diesen kranken Mann weg.

Partner haben oft einfach keine Lobby und keine Hilfe!
Er hat Therapien und Kuren, Gesprächspartner, Hilfe und die FS.
Kann nicht im Bekanntenkreis reden, muss ggf durchhalten,das wird schon wieder etc.

Ich bin noch nicht in der Situation der FS gewesen, eher auf der des Mannes, wobei ich eine kurze situative Depression nach der Trennung hatte= als langjährige Partnerin eines damals netten Mannes, der nur ein "bisschen" schlecht mit Geld umgehen kann.
dabei hat er eine spezielle Form der Sucht.

Wie lange hat es gedauert, dass anerkannt wurde, wie schlecht es zb Partner von Alkoholikern geht?!

Bleiben oder trennen liebe FS, wird Dir so erstmal nut teilweise etwas bringen, weil Du keine Hilfe hattest.
Du wirst so im Notfall Schuldgefühle haben und auch werden diese von aussen herangetragen.

Such Dir Hilfe, der Dir hilft zu Dir zu kommen...
 
  • #11
Liebe FS,
ich
bin in Sachen Ehe der Meinung, es gilt "in guten wie in schlechten Zeiten" - bis zu einer Belastungsgrenze. Deine Belastungsgrenze definierst Du.

Es dauert Jahre bis ein Mensch in eine schwere Depression rutscht. Dein Mann wurde krank und Du hast es nicht gemerkt, warst mit Bauchnabelschau befasst - dass er keinen Sex wollte, beschädigte Dein Selbstwertgefühl. Dass er immer mehr Lebensqualität verlor, weil er die Prioritäten so setzte, dass er das Wichtigste noch schaffte: die Familie ernähren, während Du Dich um Euer Kind kümmern konntest, hast Du garnicht gemerkt. Er hat einen hohen Preis dafür gezahlt und der hat ihn in die Klapse gebracht.
Länger als das Rutschen in die Depression dauert das wieder rauskommen.

Dein Mann hat sich in Behandlung begeben, nimmt Medikamente, die oft schwere Nebenwirkungen machen, hat in der Psychiatrie grad einen unbequemeren Tag als Du. Wenn er raus kommt, wird er vermutlich noch lange nicht arbeitsfähig sein.
Ich habe jedes Verständnis der Welt, wenn ein Partner sich nach langen Jahren unglücklicher Beziehung trennt, weil der Partner krankheitsuneinsichtig ist und die Behandlung verweigert. Das sehe ich bei Deinem Mann nicht, sondern das Gegenteil - er tut, was möglich ist und geht dabei den schwersten Weg in der Psychiatrie.

Ich bin der Ansicht, dass ein Partner, der unverschuldet in so eine Krankheit und dann in eine schwere Ausprägung rutscht, der alles tut, was notwendig und möglich ist, eine faire Chance auf einen Neustart in der Ehe hat.
Wie Du schreibst: Du erholst Dich bestens in der Zeit, in der er weg ist. Dann solltest Du die Gelegenheit nutzen, selber ein bisschen Stressresistenz zu lernen, denn Deine Reaktion mit Krankheit zeigt, dass Du auch nicht belastbar bist.

Zu guter Letzt: ihr seid verheiratet, d.h Du bist Deinem Mann gegenüber unterhaltspflichtig, wenn er nicht mehr arbeiten kann und Du bleibst es auch nach der Scheidung, wenn er gesundheitsbedingt auf Dauer nicht mehr für sich selber sorgen kann. Psychische Erkrankungen haben die höchste Frühverrentungsquote.
Bedenke diese Folgen, wenn Du an die Trennung denkst, ohne ihm eine faire Chance gegeben zu haben. Es kann sein, dass die Trennung ihn endgültig umreisst und Du einen Versorgungsfall hast.

Die Kliniken bieten Paargespraeche an, wenn es für den Patienten geht. Da kann man Euch helfen, zu einem für beide heilsamen Umgang miteinander zu kommen, denn Kommunikationsprobleme hast Du auch.
 
G

Ga_ui

Gast
  • #12
Ich würde mich trennen. Warum? Weil du eine Frau bist und es Schwachsinn ist, einen Mann und seine Beweggründe erforschen zu wollen. Er lehnt dich ab. Du machst dich krank. Ihn kümmert das nicht. Selbstverständlich kannst du so weiter machen, nur höre bitte auf zu glauben, er bekennt sich nochmal zu dir. Das wird nicht passieren!
 
  • #13
Hallo FS,
der Mann ist eine reine Belastung für Dich geworden, und Du vermisst ihn nicht mehr. Bieten kann er Dir nichts mehr.
Verlasse ihn. Würde ich mit einer kranken Frau umgekehrt genauso machen.
 
  • #14
Manche Menschen scheinen einfach nicht zu begreifen, dass der Partner eines derart Erkrankten unter solchen Umständen "co-krank" wird und sich manchmal trennen muss, schon aus Selbstschutz. Das ist nicht wesentlich anders als bei Suchtkranken, die wachen erstens häufig erst auf, wenn die Trennung droht und zweitens wartet der Partner damit oft so lange, dass die Trennung unausweichlich ist.

Ich hatte selbst schon depressive Episoden (und wenn ich jetzt zurückschaue, weiß ich, dass sich das wohl schon durch mein ganzes Leben zieht) und wenn ich meinen Mann damit derart belasten würde, wie das in diesem Thread oder auch im Nachbar-Thread mit der Burnout-Diagnose deutlich wird, hätte er absolut meinen Segen, sich von mir zu trennen. Das ist in der Form einfach nicht zumutbar, erst recht nicht, wenn das jahrelang so läuft.

Der Kranke ist und bleibt für sich selbst verantwortlich, er darf nicht einfach vor sich hin leben und den Partner mit hinunterziehen, weil der gefälligst für ihn dazusein hat. Erst recht, wenn auch noch Kinder im Spiel sind.
 
  • #16
Liebe Ivy,

Es ist absolut verständlich, dass du deinen Mann im Moment nicht vermisst und dass jetzt erstmal keine romantischen Gefühle mehr da sind, nachdem dein Mann so lange keine Zärtlichkeiten geben konnte und keine Liebe. Und es ist klar, dass du dich von allem erholen musst.

Ich würde dir weder zur Trennung noch zum Zusammenbleiben raten, das ist etwas, was ich doch von meinem Laptop aus nicht beurteilen kann. Es ist jedoch wichtig, wie der Prozess läuft, den man macht, um zu so einem Entschluss zu gelangen.

Trage dich noch ein wenig mit den Gedanken und Gefühlen, die dafür und dagegen sprechen. Warte auch ab, wie er sich zur Beziehung äussert, wenn seine Behandlung ein wenig Besserung gebracht hat. Denn ich nehme an, dass die privaten und beruflichen Anforderungen zu seiner Erkrankung beigetragen haben. Vielleicht war eure Beziehungsdynamik weder für ihn noch für dich immer hilfreich, und er ist einfach derjenige, der etwas offensichtlicher erkrankte und litt.

Ich empfehle Paartherapie, es klingt schrecklich und unangenehm, aber oftmals kommen dort endlich Wahrheiten auf den Tisch, die man schon lang hätte ansprechen sollen. Oder man sieht Dinge vielleicht in einem neuen Licht und findet kreative Lösungen, wo zuvor alles grau und verzweifelt schien.

Auch wenn ihr euch trennt, wäre es wichtig, sich gemeinsam damit auseinanderzusetzen. Denn durch euer Kind werdet ihr so oder so für den Rest eures Lebens in Kontakt bleiben (müssen). Es wäre doch schön, man könnte dann einen freundschaftlichen Umgang pflegen.
 
  • #17
Weil du eine Frau bist und es Schwachsinn ist, einen Mann und seine Beweggründe erforschen zu wollen. Er lehnt dich ab. Du machst dich krank. Ihn kümmert das nicht.
Wer so über einen erkrankten Partner denkt, sollte wohl besser erst gar keine Ehe eingehen.

Möglicherweise ist die Depression sogar aus der familiären Situation heraus entstanden, wir wissen ja nicht, welcher Arbeit der Mann nachging, und inwiefern Frau und Kind ihn möglicherweise in der Ausübung eingeschränkt haben, so daß es zu einem Teufelskreis kam: mehr Druck, dadurch weniger Einkommen, dadurch noch mehr Druck usw. usw.: spätestens wenn ein Projekt nach dem anderen scheitert, weil zu oft und zu viel Privates dazwischen gefunkt wird, und es dann aber Vorwürfe wegen des Scheiterns hagelt („deine Kunden müssen halt Rücksicht auf deine Familie nehmen”), ist der Weg zuerst in die Abschottung (wie eingangs beschrieben) und bei weiter fortgesetztem Druck in die Depression oder den Burnout vorgebahnt.

Sei’s drum. Habemus endiviem – wir haben nun den Salat. Wenn der Mann arbeitsunfähig ist, muß die Fragestellerin Unterhalt leisten, eine Trennung oder gar Scheidung würde daran nichts ändern. Ich halte es daher für besser, sich mit der Situation zu arrangieren, eventuelle familiäre Ursachen der Erkrankung anzugehen und auf diese Weise zumindest für die mittelfristige Zukunft eine Perspektive zu schaffen.
 
  • #18
Manche Menschen scheinen einfach nicht zu begreifen, dass der Partner eines derart Erkrankten unter solchen Umständen "co-krank" wird und sich manchmal trennen muss, schon aus Selbstschutz. Das ist nicht wesentlich anders als bei Suchtkranken, die wachen erstens häufig erst auf, wenn die Trennung droht und zweitens wartet der Partner damit oft so lange, dass die Trennung unausweichlich ist.

Ich hatte selbst schon depressive Episoden (und wenn ich jetzt zurückschaue, weiß ich, dass sich das wohl schon durch mein ganzes Leben zieht) und wenn ich meinen Mann damit derart belasten würde, wie das in diesem Thread oder auch im Nachbar-Thread mit der Burnout-Diagnose deutlich wird, hätte er absolut meinen Segen, sich von mir zu trennen. Das ist in der Form einfach nicht zumutbar, erst recht nicht, wenn das jahrelang so läuft.

Der Kranke ist und bleibt für sich selbst verantwortlich, er darf nicht einfach vor sich hin leben und den Partner mit hinunterziehen, weil der gefälligst für ihn dazusein hat. Erst recht, wenn auch noch Kinder im Spiel sind.

Und wenn der/die Partnerin ein Teil des Problems (geworden) und zu borniert ist, dass zu erkennen und auch(!) an sich zu arbeiten? Darf dann der/die kranke Partner/in diesen Teil auch noch mit übernehmen?

Es hilft keinem eigenes Erleben und Erfahrungen, was ich leider auch hin und wieder tue, zu verallgemeinern und andern, was ich hoffentlich nicht tue, überzustülpen. Auch nicht der FS.
 
  • #19
Und wenn der/die Partnerin ein Teil des Problems (geworden) und zu borniert ist, dass zu erkennen und auch(!) an sich zu arbeiten? Darf dann der/die kranke Partner/in diesen Teil auch noch mit übernehmen?

Habe ich das irgendwo behauptet?

Wie in einem anderen Thread ausgiebigst diskutiert, trennen sich doch ohnehin nicht gerade wenige Menschen nach einer Behandlung von ihrem Partner, der eventuell (oder auch nicht) Teil des Problems (geworden) ist.
 
  • #20
Liebe FS, du bist keine Therapeutin, du bist keine Ärztin also konntest du deinem Mann in den vergangenen Jahren auch nicht helfen und musst dir deshalb keine Vorwürfe machen. Dein Mann hat seinen Anteil daran, dass er erst so spät Hilfe gesucht hat - und dieser Anteil ist nicht klein. Ich habe das GEfühl, dein Körper sagt dir deutlich was du nicht sehen willst: Dass du einfach nicht mehr kannst.
Dass du dich aufgerieben hast. Dass es dir nicht mehr öglich ist weiter in der belastenden Nicht-Beziehung mit deinem Mann zu leben. Er ist im Moment gut versorgt, wird therapiert - medizinisch und hoffentlich aus anders. Kannst du als erstes mal eine Mutter-Kind-Kur für dich und deinen Sohn beantragen ? Eine Zeitlang raus aus der bisherigen Umgebung. Dies als Einstieg. Und in der Zeit kannst du die nächste Entscheidung angehen - willst du für dich mal 6 Monate ohne Kontakt mit deinem Mann leben ? Das Recht dazu hast du, und du kannst das einem der Psychologen mitteilen, die deinen Mann behandeln. Die haben sich beruflich verpflichtet für ihre Patienten dazusein, aulso auch so eine Nachricht zu übrbringen und ihn aufzufangen.
Wenn auch du körperlich und psychisch oder psychosomatisch krank wirst nützt das dir und deinem Kind nichts. Du musst die unweibliche Entscheidung treffen, dich zuallererst um deine eigeen Gesundheit zu kümmern. Erst danach kann der Kontakt zu deinem Ehemann entweder weiterlaufen oder die Ehe beendet werden.
Dir viel Kraft. Such dir ggf. für dich eine Gesprächspartnerin - also nicht eine Freundin, es geht alles von der Telefonseelsorge über dieses Forum bis zu einer Psychologin.
 
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