Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
G

Gast

  • #1

Depressiver Mann. Kann dann eine Beziehung funktionieren?

Ich hab da ein Problem, ich habe seit ungefähr einem Monat Kontakt mit einem Mann, der schon von Anfang an, seit unserem Kontakt depressiv war, in der ersten Zeit unseres Kennenlernens war er auch schon in Behandlung deswegen. Er war auch am Anfang nett, zuvorkommend, man hätte meinen können, dass er gar keine Depressionen hat.

Bis zum ersten Treffen. Danach war er total abweisend und wusste auf einmal nicht mehr, was er wollte und konnte nicht mehr mit mir reden. An einem Tag ist er ganz normal und auf einmal geht es ihm wieder nicht gut, seit er zu Hause ist geht es ihm wieder sehr schlecht. Ich weiß nicht, ob ich an etwas festhalte, was sowieso keine Chance hat, aber ich liebe diesen Mann.

Hat das alles eine Chance und er hat gerade nur eine Phase. Kann ich ihm alles glauben, was er mir sagt?

Oder ist ein depressiver Mensch so ehrlich und sagt einem, wenn etwas zu Ende ist und er nicht mehr an uns glaubt?
 
G

Gast

  • #2
Nach einem Mont liebst du diesen Mann???
Ich bin mir sicher, dass du in 2-3 Monaten schreiben wirst:
"Ich kann nicht mehr. Soll ich ihn endlich verlassen?"

Ich bin sprachlos, was eine Verliebtheit für Auswirkungen hat.........

Fazit:

Nein! Eine Beziehung unter diesen Sternen kann nicht funktionieren. Du wirst sie alleine am Leben halten, bis die Kräfte, Lebensfreude und auch die "Liebe" dich verlassen haben.....
 
G

Gast

  • #3
Was Du beschreibst, hört sich nach einer bipolaren Störung an (früher nannte man das manisch-depressiv). Sein Verhalten ist absolut typisch für diese Erkrankung.

Du sagst, Du liebst ihn - o.k. Natürlich kann eine Liebe zu einem depressiven Menschen möglich sein, und er kann Dich auch lieben. Aber es ist nicht leicht und kann die Kraft des "Gesunden" schnell aufzehren (ich spreche aus Erfahrung).

Es sollte Dir bewußt sein, dass Du mit einer Krankheit leben mußt. Der eine Mensch hat Diabetes, der andere zu hohen Blutdruck, und wieder ein anderer leidet eben unter Depressionen.
Du darfst nur bitte nicht eine Sekunde lang glauben, dass Du ihn "durch Deine Liebe heilen kannst". Es gibt Möglichkeiten, mit der Krankheit zu leben, aber Du mußt Dich intensiv damit auseinandersetzen und Dich informieren.

Bei einem Diabetiker gibt es z.B. Anzeichen, wenn der Blutzuckerspiegel sinkt. Dann mußt Du schnell Traubenzucker zuführen oder eine Insulinspritze setzen können. Bei einem Depressiven sind es andere, verdecktere Anzeichen. Die Hilfe ist etwas komplizierter - mit einem stimmungsaufhellendem Orangenöl oder Johanniskrauttee wirst Du sicher nichts erreichen, eher mit entsprechenden Verhaltensweisen oder Lithium-Präparaten. Ein depressiver Mensch sollte in Behandlung sein und auch medikamentös eingestellt sein. w46
 
G

Gast

  • #4
Depressiver Mann. Kann dann eine Beziehung funktionieren?
Nein,er wird sich immer zrückziehen.TUE dir den Gefallen, lass ihn los. Gerade diese Männer ziehen mit ihrer (eigenen) Art..ihrem (eigenen) Verhalten Frauen..in den Bann. Kann dir nur aus eigener Erfahrung Raten...lass ihn los so schnell als kannst.
W/53
 
G

Gast

  • #5
Ich denke, da unterschätzt Du leider Deine Fähigkeiten, FS. Wenn er schon anfangs so depressiv ist und nicht weiss, was er will, wird sich das leider wie ein roter Faden durchziehen. Ausserdem ist es noch sehr früh, schon von Liebe nach einem Monat zu sprechen. Es wird viel Kummer und Leid auf Dich zukommen und Du wirst immer der aktive Part sein, um die "Beziehung" am Laufen zu halten, das wird Dich kräftemässig total auffressen.

Überleg Dir diesen Schritt sehr gründlich. Ich würde Dir davon abraten.

w
 
G

Gast

  • #6
Ja, Du hältst hier an etwas fest, was bestimmt keine Chance hat! Ein depresssiver Mensch wird Dich mit hinunterziehen, bis Du selber nicht mehr kannst. Wie alt bist Du? Ich nehme an, noch sehr jung, denn sonst wüsstest Du, dass ein Depressiver in seiner Situation nicht fähig ist tiefe Gefühle für einen Partner zu haben.
 
G

Gast

  • #7
Schätzchen, ich glaub Du verwechselst da was! Nach einem Monat und ein paar Treffen, kann man einen Menschen nicht lieben, weil man ihn noch gar nicht kennt!

Unabhängig davon würde ich mich nicht von jemanden abwenden, weil er Depressionen hat. Ich würde schauen, wie ich mit dieser Situation am besten zurecht komme, wie weit ich es tragen kann und es mich nicht belastet. Wenn ich aber merke, dass ich selber daran kaputt gehe, weil er in den depressiven Phasen nichts mehr an sich ran lässt/lassen kann, dann würde ich darüber nach denken, mich von diesem Mann zu distanzieren.
 
G

Gast

  • #8
Ich bin selbst depressiv, führe aber seit 10 Jahren eine gute Ehe. Klar für meine Frau ist das manchmal sehr belastend, vor allem wenn ich so antriebslos bin, dass buchstäblich nichts mehr läuft. Ich leide dann mehr darunter, meine Frau herunterzuziehen als an meiner Krankheit. Es wird zwar immer wieder behauptet, Depressionen seien heilbar: Sie sind es nicht, wie ich am eigenen Leib und durch Beobachtung anderer gesehen habe. Nach jahrelangem Doc-Hopping habe ich es aufgegeben, weitere Therapieversuche zu unternehmen. Man muss sich halt, so gut es geht, damit arrangieren.
 
G

Gast

  • #9
Er war auch am Anfang nett zuvorkommend man hätte meinen können dass er gar keine Depressionen hat.
Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, es wird nicht funktionieren bzw. wird es dich viele Nerven kosten. Auch ich hatte Depressionen. Man hat Phasen in denen es einem gut geht. Dann lernt man jemand kennen und es folgt wieder eine Depressionsphase. Das liegt nicht an dem neuen Partner sondern an der Krankheit. In der Phase kann man keine Gefühle zeigen, weil man nichts empfindet. Nach dieser Phase geht es wieder besser und man weiß auch wieder was man fühlt. Auslöser dieser Phase war bei mir die Trennung. Ich habe es inzwischen überwunden.

Wenn dein Partner diese Phase überwinden kann, sehe ich für euch Hoffnung. Andernfalls wird es sehr schwer.

Viel Glück.
 
G

Gast

  • #10
Genau mit dieser Frage "durfte" ich mich auch beschäftigen ... Die schon in einem anderen Gastbeitrag angesprochene Bezeichnung "bipolare Störung", die immer wieder fühlbare Ambivalenz (Pendelausschlag mal grosse Nähe herstellen - mal grösstmögliche Distanz schaffen) ... Nach meiner Erfahrung entsteht hier keine innere Verbundenheit und Verlässlichkeit. Selbst - so war es bei mir - der Versuch, eine Freunschaft gemeinsam zu entwickeln, wackelt und "die Herumeierei" hält an;=). Der Mann, den ich kennenlernte, ist in Therapie .... Die Frage ist immer, was will er selbst dort über sich erfahren? Mein Bekannter leidet zudem noch an einer Liebe, von der er sich emotinal nicht verabschiedet. Ich würde mich weiter umschauen und bei ihm auf null stellen Und: "Ich liebe ihn" nach einem Monat? Sorry, aber wie geht das? Alles, alles Gute
 
G

Gast

  • #11
Ich kann dir nur abraten, dich weiter mit dem Mann einzulassen. Ich hatte ein paar Monate eine Beziehung zu einem Mann, der depressiv war. Er hat mir die Krankheit zunächst verschwiegen, so dass ich seine Stimmungsschankungen und zeitweise Kälte mir gegenüber anfangs nicht einordnen konnte.

Als mir das ganze Ausmaß der Erkrankung klar wurde (er hat seit 20 Jahren immer mal wieder Schübe, Therapien brachten nichts, er ist diesbezüglich auch nicht mehr bereit), habe ich mich getrennt, weil keine normale Beziehung möglich war. Ich habe unter seinen Anfälle gelitten und fühlte mich selbst immer schlechter. Helfen konnte ich ihm nicht.

Informiere dich mal auf Fachseiten im Internet über die Krankheit. Dort wirst du auch Berichte von vielen Betroffenen finden. Leider rutscht der Partner eines Depressiven in die Rolle desjenigen, der viel ertragen muss und sich ständig zurücknimmt und aufopfert, viele werden selbst mit der Zeit psychisch krank. Überleg dir gut, ob es dir das wert ist. Nach einem Monat dürften die Gefühle noch nicht so tief sein, dass es schwer ist, sich zu trennen.
 
G

Gast

  • #12
Natürlich kann man einen Menschen schon nach kurzer Zeit lieben, das empfindet doch jeder anders.
Ich habe beruflich mit depressiven Menschen zu tun. Auch diese Menschen haben natürlich Beziehungen und sehnen sich oft sehr danach. Ich rate dir Geduld zu haben, sofern du das möchtest und kannst. Sei offen mit ihm, gib ihm das Gefühl, daß er dir vertrauen kann. Und schau auch bitte auf dich selbst, auf deine Bedürfnisse. Es wäre natürlich gut, wenn er eine Therapie macht. Das muß aber von ihm selbst ausgehen. Wenn er selbst nicht bereit ist, sein Leben zu verändern, kannst du leider auch nichts tun.
w34
 
G

Gast

  • #13
Natürlich kann man einen Menschen schon nach kurzer Zeit lieben, das empfindet doch jeder anders.
Ich habe beruflich mit depressiven Menschen zu tun. Auch diese Menschen haben natürlich Beziehungen und sehnen sich oft sehr danach. Ich rate dir Geduld zu haben, sofern du das möchtest und kannst. Sei offen mit ihm, gib ihm das Gefühl, daß er dir vertrauen kann. Und schau auch bitte auf dich selbst, auf deine Bedürfnisse. Es wäre natürlich gut, wenn er eine Therapie macht. Das muß aber von ihm selbst ausgehen. Wenn er selbst nicht bereit ist, sein Leben zu verändern, kannst du leider auch nichts tun.
w34
Wenn Du schon beruflich mit Depressiven zu tun hast, solltest du auch wissen, dass eine solche Krankheit unheilbar ist. Verstehe nicht, wie Du der FS so etwas anraten kannst! Schlussendlich büsst dann nämlich die FS einen grossen Teil ihrer Freude am Leben ein und nicht Du!
 
G

Gast

  • #14
Wenn Du schon beruflich mit Depressiven zu tun hast, solltest du auch wissen, dass eine solche Krankheit unheilbar ist. Verstehe nicht, wie Du der FS so etwas anraten kannst! Schlussendlich büsst dann nämlich die FS einen grossen Teil ihrer Freude am Leben ein und nicht Du!
Depressionen sind sehr wohl heilbar. Aber ich kann auch nur zu einer Beziehung mit einem Depressiven Mann abraten. Die Balance stimmt nicht und es besteht eine sehr große Gefahr, dass Frau auch depressiv und Co-abhängig wird.

w
 
G

Gast

  • #15
Depressionen sind sehr wohl heilbar. Aber ich kann auch nur zu einer Beziehung mit einem Depressiven Mann abraten. Die Balance stimmt nicht und es besteht eine sehr große Gefahr, dass Frau auch depressiv und Co-abhängig wird.

w
Absolut richtig und treffend Formuliert...FS überleg DIR gut auf was DU dich einlässt...kann mich hier nur anschließen...Co-abhängig - es dauert Jahre aus den Teufelskreis rauszukommen.
 
G

Gast

  • #16
Der Mann ist vermutlich manisch-depressiv. Informiere dich erstmal reichlich über das Thema. Eine Depression kommt nicht von irgendwoher. Vermutliche Ursache, gescheitere Beziehung und Hinterherträumerei.
Eine echte Depression ist zudem praktisch unheilbar.
 
G

Gast

  • #17
Ich habe auf meiner Partnersuche einige psychisch erkrankte Männer getroffen.

Mit einem hatte ich Telefonkontakt. Er erzählte mir schon im ersten Gespräch, dass er unter Burnout leide und zwei Suizidversuche hinter sich hat. Trotz seiner Einschränkungen stellte er an eine potentielle Partnerin unglaublich hohe Ansprüche.

Ein anderer Mann hatte jahrelang eine Alkoholikerin zur Freundin, die sein Leben zur Hölle machte. Dennoch hat er den Absprung lange nicht geschafft.

Ein weiterer Mann, mit dem ich mich einige Male traf, litt unter extremen Stimmungsschwankungen. Er wirkte bei den persönlichen Treffen sehr freundlich, schrieb dann aber aus heiterem Himmel beleidigend wirkende SMS. Dann wieder folgten Selbstvorwürfe.

Da ich selbst beruflich mit psychisch erkrankten Menschen arbeite, wäre keiner der Männer als Partner für mich in Frage gekommen. Ich könnte das nicht rund um die Uhr aushalten.

w
 
G

Gast

  • #18
So baut man Vorurteile auf und raubt Depressiven das, was sie wirklich am allermeisten benötigen: Liebe, Verständnis und soziale Kontakte. Aber vielleicht ist ja allein schön das Verb
"benötigen" ein Punkt, an dem jeder "normale" Mensch wegrennt, weils plötzlich enorm anstrengend wird, hat Pandoras Büchse sich mal geöffnet.

Viele von Euch diskutieren so, als ob niemand, der Depressiv ist, ein Partner hat.
Tatsächlich haben viele der Betroffenen Partner, nur die, bei denen es bekannt ist, die finden einfach niemanden, der sich mit ihnen einlassen möchte, weil es vielleicht etwas schwieriger ist als bei sogenannten "Normalos". Und warum sollten Menschen mit Depressionen nicht auch ihre Ideen haben, wie sie sich ihren Partner wünschen und was ihnen wichtig ist? Unsere Vorstellungen und Ansprüche haben wir alle und nicht selten werden "Macken" durch positive und gute Eigenschaften wieder wettgemacht. Aber wozu sollte man sich die Mühe machen, das herauszufinden? "Deppen" braucht halt keiner, und die muss darum halt auch keiner wertschätzen. Sonst ist die Wertschätzung plötzlich alle, die man sich für die wirklich tollen, wichtigen, glammigen Freunde doch aufheben muss....

Wenn Ihr so diskutiert solltet Ihr euch mal überlegen, was das mit dieser Gesellschaft macht, Menschen einfach Liebe vorzuenthalten, indem man so über sie redet.

Und wieso sollte man das Tabu Depression eigentlich weiterhin unter den Tisch kehren?
Damit man nicht ausgegrenzt wird, wie es hier üblich ist, sobald das mal bekannt ist?
Also sollte man lieber lügen als Betroffener, um bloß nicht aufzufallen, um sich nicht ins Aus zu schießen.
 
G

Gast

  • #19
Depressionen sind heilbar, aber bis dahin ist der Weg steinig und hart.
Und vorallem man braucht viel Kraft und Geduld.
Ich habe das Selbe vor einigen Jahren erlebt. Das Ende war nicht gut für mich, denn ich wurde auch depressiv!
Auch in meiner jetzigen Beziehung läuft es nicht besonders gut. Ich liebe den Mann so sehr aber er ist seit einigen Monaten sehr depressiv. Das nimmt mir die Energie weg und ich habe ständig schlechte Laune. Langsam langsam komme ich mit dem ganzen nicht mehr klar und ich glaube ich muss mich von ihm trennen bevor es noch schlimmer wird.
So ist es halt, es ist traurig aber wahr!
 
G

Gast

  • #20
Tja, die eigentlich Frage, ob ein depressiver Partner ein Beziehung mitgestalten kann, verschiebt sich nach meinem Eindruck ein wenig ... wichtig ist doch neben anderen emotionalen Ausbildungen, schlicht und ergreifend das Einfühlsvermögen ... Das gelingt mir aber doch nur, wenn ich nicht pausenlos mit mir beschäftigt bin. Die Teilhabe am "Betroffenheitskult" (eh angesagt) hindert in meinen Augen einen Menschen, Verantwortung für die Auswirkung seiner Handlungen auf einen anderen Menschen zu übernehmen. Wie auch immer, liebe Fragestellerin wünsche Dir Glück und liebe
 
G

Gast

  • #21
zu #17 (ich bin #10):
Hier haben einige ihre Erfahrungen geschildert, die sie mit depressiven Partnern gemacht haben. Es geht also nicht um Vorurteile, sondern um Realität. Klar wünscht sich jeder Mensch, auch die, die psychisch oder körperlich krank sind, Liebe und eine Partnerschaft. Das ist auch verständlich.

Trotzdem hat jeder gesunde Mensch das Recht, sich frei zu entscheiden, ob er sich dauerhaft in eine schwierige Partnerschaft mit einem kranken Menschen begeben möchte, an der er am Ende möglicherweise selbst psychisch kaputt geht. Eine psychische Erkrankung ist mehr als eine "Macke". Ich habe Menschen kennen gelernt, die durch eine Ehe-Hölle mit psychisch Kranken gegangen sind und am Ende selbst in der Klinik gelandet sind.

So leid es mir für jeden psychisch Kranken tut, er kann schließlich nichts für seine Erkrankung, aber ich bin froh, dass ich aus meiner Beziehung schnell den Absprung geschafft habe.
 
  • #22
Männer haben den Dreh schon seit Jahren raus: "Meine Frau/Freundin ist depressiv deswegen kann ich mich nicht trennen". "Meine Ex-Frau/Freundin war depressiv, du ähnelst ihr, ich will das nicht nochmal, deswegen trenne ich mich von dir." U. s. w.
Frauen erliegen seit Jahren´immer wieder demselben Hoffnungsschimmer/Helferkomplex: "Mein Mann/Freund ist depressiv, ich kann ihn jetzt nicht verlassen." "Mein Ex-Mann/Freund war depressiv, ich habe es viel zulange mitgemacht."

Beide haben nicht begriffen, worum es geht: Ob und wer depressiv ist, wird nicht vom Partner mit dessen eigenen (Un-)befindlichkeiten diagnostiziert oder von irgendwelchen Bekannten, die eventuell ihre eigenen Beweggründe haben, eine solche Diagnose zu verbreiten. Wer sich nicht wohl fühlt, ist selber dafür verantwortlich, sich den richtigen Fachmann zu suchen, wenn der Leidensdruck wirklich gross genug ist.
 
  • #23
Möchte mich insbesondere dem letzten Absatz von jomi1087 anschliessen. Bei allem Verständnis für Depressionen (kenne mich damit wahrlich aus) und und und ... Fakt ist doch, dass der andere Mensch in dieser Gangart nicht vorkommt. Damit meine ich expliziert weder Kinder noch Jugendliche, die auf unsere Fürsorge, unseren Schutz angewiesen sind ... Nein, bei allen Erkrankungen liegt doch ein Mangel an Empathie vor ... Sich kleiner fühlen, als der Mensch de facto ist ... "Die Made im Meerrettich weiss nicht, wie gut das Leben im reifen, fruchtigen Apfel schmeckt". Selbst dies ist bei näherem Kennenlernen verständlich. Gleichwohl, irgendwann kommt der Zeitpunkt der Entscheidung, will ich weiter "flüchten" oder bei mir bleiben und mein Leben ergreifen und begreifen;=).
 
  • #24
Ich weiß nicht, ob ich an etwas festhalte was sowieso keine chance hat, aber ich liebe diesen Mann.
Woran machst Du es fest, dass Du diesen Mann liebst bzw. Dich in ihn verleibt hast? Hat er z.B. eine angenehme Stimme, kann gut erzählen, gut kochen, hast Du ein Kribbeln im Bauch usw.?

Sein wechselhaftes Verhalten würde mich abschrecken, auch wenn ich wüßte, dass er krank (Depression) ist und dahinter keine Methode steckt. Ich möchte Dir nicht zu nahetreten, aber könnte es sein, dass Du ihn "liebst", weil Du glaubst ihm helfen zu können? Zumindest ich möchte in einer Beziehung nicht die Rolle der "Krankenschwester" übernehmen - das bedeutet nicht, dass ich einem geliebten Partner, der im Laufe der Beziehung schwer krank wird usw. nicht in jeder Hinsicht beistehen und helfen würde, sofern ich es könnte.
 
G

Gast

  • #25
Zuerst gäbe es doch ein paar wichtige Fragen zu klären: Ist der Mann schon lange depressiv? Gibt es einen Auslöser? Was für eine Therapie macht er? Nimmt er Medikamente und wenn ja, welche? Ist er überhaupt bereit, sich mit seiner Krankheit zu beschäftigen und auseinander zu setzen? Ist er offen für verschiedene Therapieformen? Ich denke da auch an alternative Heilmethoden...Und Du, kannst Du Dich abgrenzen? Was die Stimmungsschwankungen angeht, google doch mal "Hochsensibilität".
Depressionen sind zum Teil heilbar, je nach Länge, Schwere und Auslöser. Meine Tante hat sich das Leben genommen, mein Expartner ist nach 3 Jahren "Burnout" wieder topfit und ohne Medikamente.
Fazit: Eure Beziehung hat definitiv eine Chance, je nach Ausgangslage. Und Liebe hilft mit beim Genesen, dabei meine ich wirkliche Liebe und nicht Mitleid, schlechtes Gewissen usw.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
G

Gast

  • #26
(Teil 1)
Hallo
Ich bin ein wenig spät mit meiner Anmerkung, ich weiss.
Ob man nach einem Monat von Liebe sprechen kann? Keine Ahnung, dafür müsste man erst mal klar definieren können, was Liebe genau ist und ab wann man von Liebe sprechen kann.
Ich selber liebe auch einen Mann mit bipolarer Störung und das seit drei Jahren. Bei uns war von Anfang an eine riesen Vertrautheit da, bei ihm fand ich das erste Mal meine wirkliche innere Ruhe. Wir verstanden uns von Anfang an blind und konnten über alles, wirklich über alles, sprechen. Es war auch immer eine ungeheure Nähe da. Von seiner Krankheit erfuhr ich schon beim dritten Treffen. Wir hatten dann eine wunderschöne erste Zeit, je mehr Gefühle aber dann ins Spiel kamen, desto schwieriger wurde die Situation. Solange ein Kontakt zu einer Person unverbindlich ist, geht es relativ gut, sobald aber eine gewisse Verbindlichkeit kommt, oder er merkt, dass ihm jemand zu wichtig wird, legt er sich sofort einen Panzer zu und es geht überhaupt nichts mehr. Es folgten dann Phasen, wo er sich monatelang nicht mehr gemeldet hat, etc. Ich habe mich damals intensiv mit der Krankheit befasst und konnte nicht verstehen, wie Leute sagen können, man solle beim Kontakt mit Depressiven bitte sofort das Weite suchen. Schliesslich können die Leute ja nichts für ihre Situation und ihre Krankheit und gerade diese Menschen haben es doch umso mehr verdient, dass man sie nicht im Stich lässt.
Jetzt, drei Jahre später, kann ich die Meinungen aber verstehen. Ich bin jetzt am genau gleichen Punkt wie vor 3 Jahren. Mal geht es ein halbes Jahr immer mehr bergauf, man sieht sich immer öfter, er spricht von Beziehung, möchte meine Familie, etc. kennen lernen, spricht von zusammenziehen und im nächsten Moment meldet er sich nicht mehr, ich höre Monate nichts, er beleidigt mich usw. Dann kommt irgendwann der Punkt, an dem ich resigniere. An dem Punkt meldet er sich wieder, bemüht sich und alles fängt wieder von vorne an. Das schlimme ist, ich kann nicht sauer auf ihn sein, egal wie viel Mist er baut, denn ich weiss, dass es nicht mit Absicht ist und ich sehe, wie stark er selber darunter leidet. Je länger ich ihn kenne, desto weniger komme ich von ihm los, gleichzeitig habe ich aber auch immer weniger Nerven und Geduld. Alles worauf ich mich freue, macht er zunichte. Auch nach drei Jahren ist es nicht möglich, gemeinsam mal Urlaub zu planen oder so. Ich lebe eigentlich als wäre ich Single und trotzdem gibt es ein Mann in meinem Leben. Es ist sehr oft einsam, trist und man ist eifersüchtig auf die, die eine "intakte" Beziehung führen. Trotzdem kommt man aus dem Ganzen nicht raus.
Heute bereue ich es, mich damals darauf eingelassen zu haben und nicht zu gehen, als gefühlsmässig noch nicht eine so grosse Bindung da war. Denn jetzt sind Gefühle für ihn da (die ich selber nicht verstehe), die es mir nicht ermöglichen, mich auf einen anderen Mann einzulassen. Gleichzeitig weiss ich aber auch, dass es so nicht weitergehen kann.
 
G

Gast

  • #27
(Teil 2)
Ich bin jetzt 28 und wünsche mir eine Partnerschaft mit Zukunftspotential. Ein Partner, der auch für mich da ist, der Interesse an mir und meinen Themen hat, mit mir vielleicht mal eine längere Reise plant, und sich vorstellen kann irgendwann mit mir eine Familie zu haben.
Irgendwo ist noch die Hoffnung, dass es mit dem Mann mit der Bipolaren Störung irgendwann klappt, aber was ist, wenn nicht? Wenn ich in weiteren drei Jahren mit dem gleichen Scherbenhaufen da stehe? Was ist dann?
Dazu kommt die schwierige Situation im privaten Umfeld. Familie, Verwandte, etc. die ständig fragen, warum ich nie einen Partner mitbringe. Festtage, die alle mit dem Partner verbringen und ich, obwohl ich jemanden habe, trotzdem immer einsam verbringe. Ferien, die ich mit Freunden, statt mit dem Partner plane. Das ist für mich ein zusätzlicher sehr belastender Punkt, der mir stark zu schaffen macht.

Fazit:
Ich wäre froh ich hätte damals auf die Ratschläge gehört und mich von ihm distanziert, als es mir emotional noch möglich war. Es ist so, dass man für Menschen da sein soll, die diese Krankheit haben, ich glaube aber auch, dass vor allem Menschen sein sollten, die keine tieferen Gefühle für diese Person haben (nur freundschaftliche). Diese können sich besser distanzieren, nehmen Stimmungsschwankungen weniger persönlich und haben selbst auch viel geringere Erwartungen an den Depressiven. Und dadurch, dass sich diese Person vom Verhalten nicht stressen lässt, geht es auch dem Depressiven besser, denn für ihn ist es eine grosse Belastung zu sehen, dass es jemand nahestehendem wegen ihm schlecht geht.
 
G

Gast

  • #28
Ich mach's ganz, ganz kurz. Subjektiv: NEIN. Ich habe es zwei Mal durch.

Die gute Nachricht ist aber, dass Depression nicht gleich Depression ist. Der Umgang damit hat viel mit der Persönlichkeit des Betroffenen zu tun: manche Erkrankten setzen sich proaktiv damit auseinander, tun etwas für sich, suchen Hilfe, beziehen den Partner ein.

Andere aber tun nichts von alledem, schliessen sich regelrecht in der Krankheit ein, der Partner wird aus allem ausgeschlossen und gerät nicht selten zusammen mit dem Depressiven in die Isolation.

Natürlich gilt erstmal, zum Partner zu stehen. Aber man braucht sehr viel Abgrenzungsvermögen, um nicht selbst krank zu werden und vor allem zu sehen, wann man selbst überfordert ist und den Weg nicht mehr weiter mitgehen kann.
 
G

Gast

  • #29
Ich stecke mittendrin,
mein Ehemann hat letztes Jahr ein Selbstmordversuch hinter sich. Ich habe ihn zum Glück rechtzeitig im Schlafzimmer vorgefunden. Seitdem lebe ich mit der Angst, das es wieder passiert und die Erkrankung ist jeden Tag präsent. Man stellt sich in allem komplett um. Und mir fällt auf das man sich selber dadurch in den Hintergrund stellt. Und heute ist meine Angst wieder sehr stark vertreten. Mein Mann hat wieder eine schlechte Phase wie vor einem Jahr. Er ist aber dieses mal auf mich zu und bat mich ihn in die Klinik zu fahren.
Meine Gedanken sind verstärkt, schaffe ich es stark zu sein ohne daran selber zu zerbrechen? Da ja unser Sohn, 6 Jahre alt, uns auch braucht. Ich weis es nicht und ich weis auch nicht ob die Gefühle ausreichen. Der Vorfall hat zu viel unsere Balance und unsere zwischenmenschliche Beziehung kaputt gemacht.
Ich werde intensiv darüber nach denken und wahrscheinlich den Weg der Trennung gehen, auch wenn es weh tun wird. Da ich sonst mich selber verliere!!!
 
G

Gast

  • #30
Ich bin durch Zufall hier drauf gestoßen und es hat mich sehr berührt.
Vor einem Jahr habe ich einen Mann kennengelernt. Es geht mir ganz genauso, wie hier viele schreiben. Wir haben zwei Wochen himmelhochjauchzende Wochen und dann wieder zwei in absoluten Tiefs mit Funkstille voller Ablehnung seinerseits. Wenn ich soweit bin, dass ich sage, es hat so einfach keinen Sinn, kommt er zurück, die Sonne geht auf, es tut ihm alles leid und ich denke, wir versuchen es, ja wir schaffen es, und dann kommt das nächste Tief. Ohne Grund, es kann innerhalb von ein paar Stunden wechseln. Mit jedem Mal merke ich, dass ich ein wenig verliere. Er ist wegen der Depressionen in Behandlung, Auslöser war seine Scheidung, es ist wohl besser geworden, aber für mich als Normalo nicht wirklich. Planungen sind unmöglich. Er hat einen gemeinsam geplanten Urlaub zwei Stunden vor der Abfahrt rüde abgesagt. Zuerst war ich wegen seiner Art in Tiefphasen sehr verletzt, ich habe den Grund bei mir gesucht, war selbst verzweifelt. Es gibt keinen fassbaren Grund, nichts was ich tun kann. Heute weiß ich, dass seine Depressionen der Grund dafür sind, aber auch heute weiß ich immer noch nicht, wie ich mich wirklich verhalten soll. Ich weiß, er will es ja selbst nicht und fühlt sich selbst sehr schlecht dabei. Ich habe Angst um ihn, tu mir schwer ihn gerade in den schwierigen Phasen zu lassen. Andererseits habe ich auch eine Verantwortung mir selbst und vor allem meiner Kinder gegenüber.
Ich weiß nicht, ob diese Beziehung wirklich eine Chance hat. Aber ich will ihn auch nicht verlassen. Ich fühle mich zerrissen und hilflos. In meiner allerersten Beziehung habe ich ähnliches schon einmal erlebt, damals mit schlechtem Ausgang (mittlerweile bin ich schon ein halbes Jahrhundert alt). Ich weiß, dass ich viel Kraft habe, aber wie weit wird sie reichen? Weit genug? Wieso kann es nicht einfach locker und fröhlich sein? Ich fühl mich mit Euch allen verbunden. Lasst uns um unsere Liebe kämpfen so weit es geht. Aber so traurig es ist, wenn es nicht mehr geht, lasst uns uns selbst nicht vergessen, es hilft niemandem mit unter zu gehen.
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.