• #1

Die Pille danach – Verschreibungspflicht ja oder nein?

Momentan wird die Verschreibung der „Pille danach“ von der katholischen Kirche diskutiert. Das Notfallpräparat, das bis zu 72 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden kann ist in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern wie Schweden oder Frankreich nur gegen Rezept erhältlich. Das soll sich nun ändern. In diesem Zusammenhang ist die Frage, ab wann man von schützenswerten ungeborenen Leben sprechen kann interessant. Experten vermuten, dass durch den rezeptlosen Erwerb die Anzahl der Abtreibungen vor allem bei sehr jungen Frauen gesenkt werden kann. Wie stehen Sie dazu? Sind Sie für oder gegen eine Rezeptpflicht?
 
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Gast

  • #2
Ich bin gegen eine Rezeptpflicht.
 
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  • #3
Ich bin für die Rezeptpflicht.
Wir sind ja nicht im Schlaraffenland, wo jeder tun und lassen kann, was er will.
 
  • #5
Ich auch. Je früher, schneller und unkomplizierter im Fall des Falles gehandelt werden kann, desto besser.

Ich finde dabei die Frage, ab wann man von "schützenswertem ungeborenem Leben" sprechen kann, völlig irrelevant, sogar irreführend und die Betroffenen verunsichernd. Der Begriff spielt hier noch keine Rolle, er wurde bei der Diskussion um die Abtreibungs-Gesetze lang und breit diskutiert. Hier handelt es sich medizinisch aber (noch) nicht um eine Abtreibung. Es wird ein möglicherweise befruchtete Eizelle daran gehindert, sich einzunisten. Siehe z.B. hier: http://www.spiegel.de/gesundheit/sex/warum-die-pille-danach-keine-abtreibung-ist-a-879632.html
 
  • #6
Ich bin für die Rezeptpflicht.
Wir sind ja nicht im Schlaraffenland, wo jeder tun und lassen kann, was er will.
Doch, de fakto sind wir das. Wir Menschen entscheiden in demokratischen Diskussionen, was wir aufgrund ethischer Prinzipien erlauben wollen, die ebenfalls durch demokratische und gesellschaftlische Prozesse entstehen. Da bereits eine Abtreibung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt als akzeptabel beschlossen wurde, ist alles davor selbstverständlich ok. Auch wenn es dem Einzelnen aufgrund individueller Moralvorstellungen (die dann sicher nicht demokratische legitimiert sind) nicht passt.
 
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  • #7
Bin auch gegen eine Rezeptpflicht.
Gast Nr. 4 hat bereits alles erklärt.
In England gibts die "Pille danach" in fast jedem Supermarkt zu kaufen - wie ein Kondom!
 
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  • #8
Die Pille danach ist kein Verhütungsmittel!
Also: Rezeptpflicht!
 
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  • #9
Ich bin gegen die Rezeptpflicht.

w/50
 
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  • #10
Ich bin für die Rezeptpflicht. Nicht aus moralischen Bedenken, sondern aus gesundheitlichen.
Wenn die Anwendung dokumentiert wird sind eventuelle Nebenwirkungen besser feststellbar.
Möglicherweise auch sehr viel später nach der Anwendung. Die Daten könnten anonymisiert erfasst und möglicherweise statistisch ausgewertet werden. M.
 
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  • #11
Da bereits eine Abtreibung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt als akzeptabel beschlossen wurde, ist alles davor selbstverständlich ok.
Ich habe mir meine Meinung zu diesem Thema noch nicht gebildet. Ich warne aber vor diesem Denkfehler. Abtreibung ist bei uns nicht legal, sie ist lediglich straffrei. Das ist ein kleiner aber feiner Unterschied. Im Übrigen gibt es Abtreibungen auch nicht einfach so beim Apotheker (oder vielleicht analog zur Pille danach bei irgendeinem Arzt beim Hausbesuch), das macht man unter ärztlicher Begleitung in einer Klinik. Also bitte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.


In England gibts die "Pille danach" in fast jedem Supermarkt zu kaufen - wie ein Kondom!
Es sollte uns bei der Diskussion auch herzlich wenig interessieren, was es alles in England gibt oder nicht gibt.

m,31
 
  • #12
... Abtreibung ist bei uns nicht legal, sie ist lediglich straffrei. Das ist ein kleiner aber feiner Unterschied...
m,31
...auf den es aber kein bisschen ankommt! Wir sprechen nicht von Abtreibung, wir sprechen von der "Pille danach", die sogar nach Erkenntnis der - mit mir nicht immer einigen - katholischen Kirche keine Abtreibng darstellt, vgl. z.B. http://www.dw.de/kardinal-meisner-sagt-ja-zur-pille-danach/a-16547672

Im Übrigen käme es auch nicht auf den Unterschied an, wenn wir über Abtreibung sprächen: Sie ist gesellschaftlich in dern bekannten Grenzen akzeptiert. Punkt. Der Rest sind imho Haarspaltereien.

Ich halte es übrigens für polemisch und sehr durchschaubar, die Diskussion über die Pille danach durch eine Verknüpfung zur Abtreibung in eine Richtung schieben zu wollen, die ihr nicht gerecht wird. Wir sind hier doch nicht im Schlaraffenland und jeder kann tun, was er will.... . . .
 
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  • #13
Ich bin für die Rezeptpflicht - weil die Pille danach definitiv kein Verhütungsmittel sondern eher ein "Notfallmedikament" ist. Das Wissen, diese einfach so in der Apotheke kaufen zu können, wird viele davon abhalten, regelmäßig zu verhüten - und sie werden es einfach "drauf ankommen lassen" - verstärkt wohl auch sehr junge Menschen, die ihre ersten sexuellen Erfahrungen machen. Das ist sicherlich nicht wünschenswert.

Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, wie viel einfacher hierdurch auch noch die Folgen von Missbrauch ect. verschleiert werden könnten, da es ja niemand erfährt, wenn man die Pillen einfach so kaufen und verabreichen kann.

Sich die Pille danach durch einen Arzt verschreiben lassen zu müssen - und sich damit einem aufklärenden Gespräch über Verhütung zu stellen - hat in meinen Augen nur Vor- und keine Nachteile.
w (52)
 
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Gast

  • #15
Die Rezeptpflicht soll definitiv erhalten bleiben!
1. Schutz vor Missbrauch des Medikamentes
2. neues Verhütungsmittel: Der Anschein soll nicht erweckt werden, dass eine Frau jetzt einfach mal die Pille-danach schnell in der Apotheke ums Eck kaufen kann, wenn sie und ihr Freund mal gerade kein Verhütungsmittel griffbereit hatten
3. starke Nebenwirkungen können auftreten

w
 
  • #16
Keine Rezeptpflicht! Für das Selbstbestimmungsrecht der Frau!

Selbstverständlich muss darauf hingewiesen werden, dass sich das Medikament nicht zur regelmäßigen Anwendung eignet. Aber da rechne ich wirklich optimistisch mit der Klugheit der Menschen. Es gibt etliche nicht verschreibungspflichtige Medikamente, bei denen im Grunde allen Anwendern bekannt ist, dass man sie nicht wie Drops zu sich nehmen darf (z. B. ASS).

Eine Abtreibung ist für die meisten Frauen ein traumatisierender und auch nicht ganz ungefährlicher Eingriff. Alles was hilft die Abtreibungszahlen zu reduzieren ist zu begrüßen!
 
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  • #17
Die Abschaffung der Rezeptpflicht für die Pille danach hört sich im ersten Moment vernünftig an. Somit können unerwünschte Schwangerschaften verhindert werden und das ganz unkompliziert.
Das Problem ist, dass die "Pille danach" wie alles, was zunächst verschreibungspflichtig war und plötzlich frei verfügbar ist, immer auch missbraucht wird.
Ich glaube nicht, dass ungewollte Schwangerschaften damit reduziert werden können. Wer vorher mit Verhütung verantwortungslos umgegangen ist, wird es durch die rezeptfreie "Pille danach" erst recht tun. Warum sich noch die Monatspille besorgen, wenn es jetz auch immer und jederzeit die "Pille danach" gibt.
Gerade bei sozial schlechter gestellten Gesellschaftschichten sehe ich bei dieser Problematik große Gefahren. Es ist bekannt, dass dort die meisten Kinder geboren werden. Viele Personen, die zu diesem Klientel gehören, nehmen Verhütung sowieso schon auf die leichte Schulter. Des Weiteren werden Schwangerschaften oft gar nicht rechtzeitig bemerkt. Außerdem vertragen viele Frauen die "Pille danach" gar nicht, bekommen Magenprobleme bis hin zu Erbrechen.
Wie gesagt, im ersten Moment hört sich die Idee der rezeptfreien "Pille danach" gut an. Ich finde die ganze Sache jedoch sehr bedenklich. Die Monatspille bzw. andere dauerhafte Verhütungsmittel sind dann doch die bessere Alternative.
 
G

Gast

  • #18
Keine Rezeptpflicht! Für das Selbstbestimmungsrecht der Frau!
Das hat reichlich wenig mit dem Selbstbestimmungsrecht einer Frau zu tun. Eine Frau kann auch mit Rezeptpflicht vollkommen selbstbestimmt zum Arzt gehen. Und im Normalfall wird ein Arzt auch die Verschreibung nicht verweigern.

Es geht bei rezeptpflichtigen Medikamenten nur darum das ein Arzt die Hintergründe erfährt (wird das Medikament wirklich benötigt, wurde dieses bereits schon mal eingesetzt, deutlicher Hinweis auf andere Verhütungsmethoden etc.) und auf gesundheitliche Risiken und Nebenwirkungen hinweist.
 
  • #19
Ich bin für die Rezeptpflicht - weil die Pille danach definitiv kein Verhütungsmittel sondern eher ein "Notfallmedikament" ist. Das Wissen, diese einfach so in der Apotheke kaufen zu können, wird viele davon abhalten, regelmäßig zu verhüten - und sie werden es einfach "drauf ankommen lassen" - verstärkt wohl auch sehr junge Menschen, die ihre ersten sexuellen Erfahrungen machen...
w (52)
Ein ernstzunehmender Punkt! Ich möchte dem entgegen halten, dass viel junge Menschen, die ihre ersten sexuellen Erfahrungen machen, kaum Zugang zu Ärzten haben, um sich rezeptpflichtge Verhütungsmittel oder "Notfallmedikamente" zu beschaffen. Das ist mit der Pille ohne Wissen der Eltern schon schwierig, und im Notfall vielleicht noch mehr. "Mama ich hab da ein Problem und es muss schnell gehen und stell jetzt bittebitte keine Fragen aber ich muss zum Frauenarzt und zwar sofort". Hmmm. Also auch und gerade weil die Pille danach ein Notnagel ist, sollte sie in deisme Notfall auch einfahce erhältlich sein.
 
  • #20
Eine Frau kann auch mit Rezeptpflicht vollkommen selbstbestimmt zum Arzt gehen.
Es ist doch keine echte Selbstbestimmung, wenn frau einen Umweg über den Arzt machen muss. Das Verschreiben des Medikaments hängt dann doch vom Goodwill des Arztes ab! Und je nach politischer Situation und Machtverhältnissen kann das sehr ungünstig sein. Das kann sich sicherlich jeder ausmalen!

Eine ähnliche Problematik haben wir ja auch bei der Abtreibung. Die ja immer noch im Strafgesetzbuch steht und Frauen erst nach Zwangsberatung gestattet ist.

Es ist doch eine uralte feministische Debatte und dazu gibt's zig historische Arbeiten: nämlich über die sehr unschöne und problematische Rolle von Medizin und Juristerei bei der Unterdrückung der Frau...
 
G

Gast

  • #21
Ich sage: Nein!

Als ich einmal einen Sexunfall hatte, wußte ich absolut gar nicht was zu tun ist im Notfall, wohin ich mich wenden soll, dass man direkt zum Arzt gehen soll, wie das alles vor sich geht. Es war ein ewiges hin- und herspringen, die Ärztin hat mich am Telefon sogar abgewimmelt und gemeint, ich soll das mal in paar Wochen mit nem Schwangerschaftstest kommen - hätte ich darauf gehört, wäre ich längst schwanger geworden. Mit anderen Worten: man wird überall schlecht beraten. Ich als Erwachsener weiß mir zwar zu helfen, aber ich will nicht wissen, was ein junges Mädchen in so einer Lage getan hätte!
 
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Gast

  • #22
Ein ernstzunehmender Punkt! Ich möchte dem entgegen halten, dass viel junge Menschen, die ihre ersten sexuellen Erfahrungen machen, kaum Zugang zu Ärzten haben, um sich rezeptpflichtge Verhütungsmittel oder "Notfallmedikamente" zu beschaffen. Das ist mit der Pille ohne Wissen der Eltern schon schwierig, und im Notfall vielleicht noch mehr. "Mama ich hab da ein Problem und es muss schnell gehen und stell jetzt bittebitte keine Fragen aber ich muss zum Frauenarzt und zwar sofort". Hmmm. Also auch und gerade weil die Pille danach ein Notnagel ist, sollte sie in deisme Notfall auch einfahce erhältlich sein.
Dennoch bin ich der Meinung, dass die Ausgabe irgendwie kontrolliert werden sollte. Dieses Medikament ist ja nicht rezeptpflichtig weil man Frauen ärgern will sondern weil die Einnahme mit Risiken verbunden ist. Natürlich würden "die meißten Frauen" der heutigen Zeit sorgsam mit diesem Notnagel umgehen, aber wenn eine Überdosierung von einem starken Medikament durch einen unkontrollierten Verkauf ermöglicht wird halte ich das für sehr bedenklich.
Gerade bei jungen Frauen kann man nicht davon ausgehen, dass sie in einer Notsituation einen sorgsamen Umgang mit Medikamenten pflegen. Es würde nicht lange brauchen bis ein junges verzweifeltes Mädchen auf die Idee kommt mehrere Tabletten zu schlucken um eine bereits eingetretene Schwangerschaft abzubrechen- man braucht ja nur von einer Verkaufsstelle zur nächsten laufen. Ich bin kein Mediziner, aber ich gehe nicht davon aus, dass man viele Pillen braucht um eine bedenkliche Überdosis zu erreichen.

Schon heute wird mit Medikamenten viel zu sorglos umgegangen. Mal ehrlich: Wie viele lesen sich bei nicht rezeptpflichtigen Medikamenten die Beipackzettel gewissenhaft durch? Im allgemeinen geht man davon aus, dass Medikamente ohne Rezeptpflicht unbedenklich sind. Darum ist der Medikamentenverbrauch im allgemeinen auch der reine Wahnsinn- hach wie schön, für was es nicht alles ein Pillchen gibt.
Heute mag noch jedem bewusst sein, dass die Pille danach ein Notnagel ist, aber was ist in 10,15 Jahren? Dann ist es eines von vielen nicht rezeptpflichtigen und somit harmlosen Mittelchen.
 
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Gast

  • #23
Ich bin für die Rezeptpflicht, um jeden Missbrauch auszuschliessen.Bei bereits vorliegender Schwangerschaft führt die "Pille danach" i.d.R. zum Abort.Dafür ist sie jedoch nicht gedacht, sondern soll eine Schwangerschaft verhindern.Ich bin Medizinerin auf der gynäk. Station eines KH, und Frauen, die diese Pille haben möchten, müssen erst eine Urinprobe abgeben, die auf eine Schwangerschaft untersucht wird und sich danach noch schallen lassen, um eine vorhandene SS auszuschliessen.Erst danach gibt es das Rezept, das in einer Apotheke eingelöst werden muss.Wir hatten bereits Frauen in der Notaufnahme, die des nachts eine angebliche Kondom-Panne simuliert haben, um an die "Pille danach" zu kommen, stellten sich jedoch teilweise als Ü12.SSW heraus.
 
G

Gast

  • #24
Ich bin für die Rezeptpflicht - weil die Pille danach definitiv kein Verhütungsmittel sondern eher ein "Notfallmedikament" ist. Das Wissen, diese einfach so in der Apotheke kaufen zu können, wird viele davon abhalten, regelmäßig zu verhüten - und sie werden es einfach "drauf ankommen lassen" - verstärkt wohl auch sehr junge Menschen, die ihre ersten sexuellen Erfahrungen machen. Das ist sicherlich nicht wünschenswert.

Sich die Pille danach durch einen Arzt verschreiben lassen zu müssen - und sich damit einem aufklärenden Gespräch über Verhütung zu stellen - hat in meinen Augen nur Vor- und keine Nachteile.
w (52)
Vorrangig geht es erst einmal um
a) Erfahrung mit der Anwendung (wie viel hinreichend sicheres Wissen gibt es denn hinsichtlich Nebenwirkungen, Interaktionen, ...)
b) Arzneimittelsicherheit
c) Möglichkeiten missbräuchlicher oder sonstwie unangemessener Anwendung
Das alles ist im Arzneimittelrecht umfassend geregelt.

M50
 
  • #25
@ #22
Die Argumente klingen überzeugend.
Aber wer verhindert, daß die Pille nicht für die beste Freundin (in der 13.SW bestimmt ist.
Deiner Argumentation folgend müsste man konsequent unter ärztlicher Aufsicht verabreichen.

Grundsätzlich wünsche ich mir für eine derartige Diskussion fachlich fundierte Argumente. Die Einleitung des Threads mit "Experten vermuten..." ist schon fragwürdig. Welche Experten und auf welcher Basis?
 
M

Mooseba

  • #26
Ich bin eigentlich für die Rezeptpflicht. Aber elendig lange beim Arzt warte und sich von dem blöde Fragen gefallen zu lassen, nur weil es mit dem Gummi schief ging, muss auch nicht sein. Andererseits: Wenn es wirklich eine Vergewaltigung war, ist der Arzt keine schlechte Adresse. Viele Frauen würden vor lauter Scham den Arzt umgehen, behaupte ich jetzt mal ahnungslos.
 
G

Gast

  • #27
Es ist doch keine echte Selbstbestimmung, wenn frau einen Umweg über den Arzt machen muss. Das Verschreiben des Medikaments hängt dann doch vom Goodwill des Arztes ab! Und je nach politischer Situation und Machtverhältnissen kann das sehr ungünstig sein. Das kann sich sicherlich jeder ausmalen!.
Das liegt in der Natur der Sache bei ALLEN verschreibungspflichtigen Medikamenten. Warum sollte das bei der "Pille danach", die nicht zu unterschätzende Nebenwirkungen hat, anders sein?
Oder forderst du jetzt die "echte" Selbstbestimmung der Patienten bei allen Medikamenten? Dann brauchen wir natürlich gar keine Rezepte mehr.

Eine ähnliche Problematik haben wir ja auch bei der Abtreibung. Die ja immer noch im Strafgesetzbuch steht und Frauen erst nach Zwangsberatung gestattet ist.
Ja, und diese Zwangsberatung hat auch seinen guten Grund. Eine Abtreibung ist ein sowohl physisch als auch psychisch nicht zu unterschätzender Eingriff. Es gibt Frauen die selbst Jahrzehnte nach einer Abtreibung noch Selbstzweifel plagen. Daher sollten Frauen diesen Schritt sorgsam überdenken um nach entsprechender Beratung sich dann eben BEWUSST zu entscheiden.

Es ist doch eine uralte feministische Debatte und dazu gibt's zig historische Arbeiten: nämlich über die sehr unschöne und problematische Rolle von Medizin und Juristerei bei der Unterdrückung der Frau..
Heisst das jetzt etwa dass du die rezeptpflichtige Verschreibung dieser Pille als Unterdrückung der Frau ansiehst? Wenn dem so ist ... tut mir leid, aber diesem deinem Gedankengang kann ich leider nicht folgen.
 
G

Gast

  • #28
#22 @24 Das ist natürlich richtig, dass generell noch die Option besteht, die "beste Freundin" vorzuschicken, um an die "Pille danach", bzw. das Rezept für diese "Pille" zu gelangen (es sind übrigens mehrere Tabletten, die über einen Zeitraum von mehrere Stunden eingenommen werden müssen, nicht nur eine Tablette).Vor einigen Wochen hatten wir des nachts auch zwei Damen, die gemeinsam kamen, das war genau so ein Fall...

Die Dame für die das Rezept ausgestellt werden sollte, legte auch ihre KK-Karte vor, verschwand auch auf der Toilette und gab ihre Urinprobe ab, streikte jedoch als sie sich einer gynakologischen Untersuchung und dem Ultraschall unterziehen sollte.Es kam auf dem KH-Flur zum Streit, und es stellte sich dann heraus, dass es sich bei dieser Dame um die "beste Freundin" handelte, die das Medikament für die andere besorgen sollte!

@25 Zumindst bei uns im KH werden den Frauen, die das Rezept haben möchten, keine "blöden Fragen" gestellt.Wie es beim niedergelassenen Arzt ausschaut, vermag ich nicht zu beurteilen.Die gynäkologische Station im KH ist ja keine "Schwangerschaftberatung" (und das Medikament soll ja auch eine SSW verhindern).Gefragt werden lediglich medizinisch relevante Fragen.
 
  • #29
@26;
Mir ist klar, dass meine Position nicht mehrheitsfähig ist. Die meisten Menschen empfinden es als normal (sie akzeptieren es als Norm), dass Ärzte für sie entscheiden und ihnen auch Behandlungen/Medikamente vorenthalten können oder sogar aufzwingen können (mit Hilfe der Juristen).

Ich fordere selbstverständlich nicht, dass sich plötzlich alles ändern soll, hin zu einem ganz liberalen System.

Mir ist wichtig, daran zu erinnern, dass es sich um Machtverhältnisse (Frau ist Bittstellerin, Arzt gewährt/ oder auch nicht) handelt! Die zu kritisieren und hoffentlich auch zu ändern sind.
Frauen haben sich seit den späten 60er Jahren viel Autonomie zurückerobert (Frauengesundheitszentren, feministische Frauengesundheitsforschung etc.), die fast ausschließliche männliche Gynäkologen (in Einheit mit einer patriarchalen Gesellschaft) ihnen vorenthielten.
Auch heute liegt noch einiges im Argen.
Selbstverständlich hast Du Recht, dass eine Beratung vor einer Abtreibung sinnvoll ist.
Problematisch finde ich aber, dass man meint den Frauen das exakt (den Rahmen) vorschreiben zu müssen. Und richtig schlimm ist die Tatsache, dass Abtreibung strafbewehrt ist. Aber das nur am Rande, da es ja hier um die Abtreibungspille geht.
Erinnerst Du Dich noch als Anfang der 90er Jahre die Mifegyne in Deutschland nicht eingeführt werden konnte? Kirchen und Ärzte liefen Sturm. Und auch heute noch mutet man den Frauen eher eine Abtreibung durch Absaugen zu, als ihnen mit einer medikamentösen Abtreibung zu helfen!

Zusammenfassend: ich wünsche mir für alle Menschen/Patienten eine größere Souveränität und Autonomie ggü. der Medizin, weil das System Medizin-Ärzte-Krankenhaus eben nicht von reinster Güte und Freundlichkeit ist. Beide Systeme (Patienten und Medizin) sind auf einen Interessenausgleich angewiesen! Nicht nur Medizin ist heilsam, sondern auch Kritik und Kommunikation!
 
G

Gast

  • #30
Mein Bauch gehört mir! Gegen Verschreibungspflicht natürlich!