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  • #1

Eine Beziehung - einer glaubt an Gott, der andere nicht

Wie bewertet ihr solche Partnerschaften grundsätzlich?
Kommt so etwas für euch in Frage? Wenn nein, warum nicht?

Hattet ihr bereits eine Beziehung in solch' einer Konstellation?
Wenn ja, welche Probleme gab es dadurch? Wie habt ihr diese Probleme gemeistert?
Wie seid ihr aufeinander zu- und eingegangen?

Oder ist sogar früher oder später eure Beziehung daran gescheitert?
Würde für euch so etwas aufgrunddessen dann nicht mehr in Frage kommen?
 
  • #2
Ich persönlich bin nicht gläubig und könnte mit einem gläubigen Menschen auch keine Partnerschaft führen. Wir wären in all unseren Ansichten und Wertvorstellungen viel zu unterschiedlich.

Ich kann mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, warum und wie man im 21. Jahrhundert noch an übernatürliche Wesen und all den Mumpitz glauben kann. Also für mich ist das unfassbar anachronistisch und vernunftbefreit.

Gläubige Menschen schließe ich als Partner aus. Es passt auch einfach beiderseitig nicht.
 
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  • #3
Ich bin gläubig, katholisch. Und praktiziere mein Glaube teilweise auch. Ich wünsche mir eher einen Partner , welcher auch an Gott glaubt. Wenn er jedoch nicht ganz so praktizierend ist, wi ich ... kann ich damit umgehen. Doch mit einer sehr ablehnenden, untoleranten Atheisten kann käme ich wohl nicht zurecht!

w30
 
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  • #4
Ich war 20 Jahre lang - bis zu seinem Tode - mit meinem Mann sehr glücklich beisammen.

ER Atheist - ICH gläubig (nicht religiös).

Wir haben uns geliebt und hatten bis auf den Glauben gemeinsame ethische Werte und Lebenseinstellungen und Prioritäten im Leben.Somit hatten wir damit nie ein Problem, weil weder er noch ich in irgendeiner Weise borniert war.Im Gegenteil hatten wir sogar inspirative Gespräch und einen sehr guten, "erwachsenen" Austausch dadurch...

w 42
 
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  • #5
Es spielt für mich keine Rolle ob mein Partner gläubig ist oder nicht. Ich gehöre einer Konfession an, renne aber deswegen trotzdem nicht in die Kirche.

Ich würde den Glauben eines anderen auch nicht als Mumpitz bezeichnen, wenn sein Glauben einen Stellenwert in seinem Leben hat warum nicht. Solange er nicht versucht mich zu missionieren kein Problem.

Ich denke die Möglichkeit einen Partner zu finden ist heute schon schwierig genug, da muss man sich mit seinen No-Go`s nicht noch selber im Weg stehen. Ich brauche keinen Partner der alle meine Ansichten teilt, die grobe Richtung muss stimmen, das reicht.

w45
 
  • #6
Ich bin auch vollkommen atheistisch eingestellt. Jeder Glaube oder Aberglaube ist mir fremd. Aber wenn jemand moderat und "im stillen Kämmerlein" an "etwas" glaubt - und das weit ab von Esoterik, Parapsychologie oder ähnlichem Blödsinn - dann kann ich das eventuell akzeptieren. Ich denke hier an allgemeine Denkweisen in Richtung "es muss doch ein steuerndes Element irgendwo vorhanden sein" im Sinne von eher philosophischen Überlegungen.

Unverständlich sind mir Religion und Aberglaube sowie jede Form von Esoterik und so weiter. Es ist einfach Nonsens und gäbe keine Basis für angeregte Gespräche. Daher eine Partnerschaft mit einem halbwegs stark Gläubigen oder Vertreter eines esoterischen Aberglaubens: nein danke!
 
  • #7
Ich hab das hinter mir, wurde dabei, wie ich gern erzählt hab, vom Atheisten immerhin zum Agnostiker "den halben Weg" bekehrt. Problem im Alltag war es keines, für mich jedenfalls nicht, über sie kann ich nur spekulieren. Auf ein potentielles Problem könnte es es imho trotzdem hinweisen, weil doch sehr unterschiedliche Wertesysteme dahinter stehen und die können sich auch außerhalb religiöser Aspekte massiv auf die Beziehung auswirken. Ich wäre heute vorsichtig und in sofern weniger tolerant, als ich mal war, wenn auch vielleicht nicht so kategorisch wie Frederika.
 
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  • #8
Ich glaube an Gott, auch wenn mein Bild nichts mit dem vom "Mann mit Rauschebart" gemeinsam hat, sondern eher abstrakt ist. Meine Spiritualität ist ein Teil von mir, weshalb ich einen spirituellen Partner den Vorzug geben würde gegenüber einem der sagt "ich glaube nur an das, was ich sehe."
Allerdings gehört es für mich dazu mich mit Meinungen auseinanderzusetzen, die mir nicht gefallen, zum Beispiel Meinungen von Wissenschaftlern, die Nahtoderlebnisse und andere Phänomene als ausschließlich neuro-chemisch-biologische Mechanismen erklären bzw zu erklären versuchen. Ich schreibe "versuchen", denn wissen ob es Gott und/oder ein Jenseits gibt kann bisher noch kein Mensch. Selbst einige Physiker sehen es mittlerweile durch die Quantenphysik als wahrscheinlich oder zumindest möglich an, dass es ein Jenseits gibt.
Ein nicht gläubiger Partner wäre für mich ok, solange er dafür offen wäre sich mit Meinungen und Sichtweisen zu befassen, die ihm erst einmal fremd sind (ablehnen kann er sie anschließend ja immer noch). Ein Partner, der jedoch von vorneherein sagt "jeder Mensch, der an ein Leben nach dem Tod oder Gott glaubt, hat nicht alle", käme als Partner für mich nicht infrage. Diskussionen mit unterschiedlichen Meinungen sind für mich ok (und teilweise inspirierend), aber "von oben herab" belächelt zu werden als spirituelle Spinnerin wäre nicht so dolle...
w,33
 
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  • #9
Ich bin selber lutherisch gläubig und nehme z.B. an einem Hauskreis teil. Es gibt auch schon unter Gläubigen sehr starke Unterschiede, wie sie glauben und ihren Glauben ausüben, so dass es in dieser Hinsicht trotz gemeinsamen Glaubens nicht klappen kann, wenn beide sehr unterschiedlich glauben z.B. lutherisch ./. Pfingstler o.ä..

Wie schwierig wird es dann erst werden, wenn ein Partner seinen Glauben ernst nimmt und der andere redet dauernd als Atheist dagegen. So etwas kann funktionieren aber ich würde solch eine Partnerschaft nicht forcieren und suche daher auch gezielt nach einer gleichdenkenden Partnerin.

Frederika denkt da zwar von der anderen Seite aber unsere Grundeinstellungen zu solch einer Partnerschaft sind da denn auch gleich.

m51
 
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  • #10
warum und wie man im 21. Jahrhundert noch an übernatürliche Wesen und all den Mumpitz glauben kann. Also für mich ist das unfassbar anachronistisch und vernunftbefreit.

Umgekehrt. Es ist vernunftbefreit, die faszinierend wohlorganisierte Welt, die uns umgibt, für ein bloßes Zufallsprodukt zu halten. Oder es für selbstverständlich zu halten, daß der Anblick einer Blume uns erfreut, obwohl sie doch nur ein Lockapparat für bestäubende Insekten ist.

Natürlich steckt hinter alledem eine kosmische Intelligenz, die unser Erkenntnisapparat bestenfalls erahnen kann. Mit einer Frau, die solche Gedanken für Mumpitz hält, könnte ich als Partnerin nicht allzu viel anfangen.

Meinetwegen kann sie gerne in eine Kirche gehen, wenn sie sich dem höheren Wesen dort näher fühlt. Ich steige dazu lieber auf einen Berg.
 
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  • #11
Ich bin gläubig und praktiziere meine Religion.
Mein Mann ist evangelisch getauft und erzogen, auch konfirmiert, jetzt aber kein Mitglied der Kirche oder einer anderen Religionsgemeinschaft mehr. Er sagt, er lebe nach christlichen Maßstäben, und das stimmt.

Ich könnte mit keinem Menschen zusammen sein, der dezidierter Atheist ist oder jede Art von Religiosität ablehnt, und/oder der mich an meiner Religionsausübung hindert.
 
  • #12
Zunächst - ich glaube an Gott.

Ob eine Partnerschaft mit einer Nicht- oder Andersgläubigen in Frage käme, kann ich nicht pauschal beantworten, dazu ist die Bandbreite des Nicht-an-Gott-Glaubens und daraus resultierender Lebenshaltungen einfach zu riesig. Das gegenseitige Maß an Toleranz, Respekt und Achtung wäre wohl entscheidend.

Leben ist Dynamik. Menschen finden im Laufe ihres Lebens zum Glauben, andere verlieren ihn. Auch Kinder können in Glaubensfragen andere Wege als die ihre Eltern gehen.

Für mich wäre das jedenfalls kein Grund, daraufhin eine Trennung aus prinzipiellen Erwägungen zu vollziehen.
 
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  • #13
Bin gläubig, könnte mit Agnostiker leben, nicht aber mit Atheisten, die sind einfach dumm und überheblich
 
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  • #14
Das käme für mich sehr darauf an. Müsste ich mir ständig anhören, was für ein "Mumpitz" meine Religion ist, dann würde da schon mal keine Beziehung entstehen.
Wir hätten ständig Scherereien und nutzlose Diskussionen in einem Bereich, in dem man übereinstimmen sollte.
Ebensowenig käme ich mich religiösen Fanatikern und sehr konservativen Christen zurecht.

Am Besten funktioniert eine Beziehung für mich mit Menschen, die ein ähnliches Gottesbild haben wie ich und der Kirche gegenüber ähnlich kritisch eingestellt sind. Mir ist eine gewisse Toleranz in diesem Bereich sehr wichtig.

Ich war mal mit jemandem zusammen, der zwar meinen Glauben zähneknirschend akzeptieren konnte, aber doch in regelmäßigen Abständen gegen alles christliche geschossen hat.

Ich bin auch Atheisten recht offen gegenüber eingestellt und hätte mir mit einem ebenso offenen Menschen auch eine Beziehung vorstellen können, aber sobald jemand etwas, das mir viel bedeutet, ständig angreifen und kleinreden muss, ist eine Beziehung unmöglich.
Das aber gilt nicht nur für den Glaubensbereich sondern auch für alle anderen Bereiche, in denen für mich als Person relevante Werte und Einstellungen eine Rolle spielen.
Ich will keinen Krieg führen sondern eine Beziehung.

w30
 
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  • #15
Ich bin eine Ex-Katholikin, weil ich als Kind so getauft wurde. Ich hatte nie was mit Glauben am Hut, bin aus der Kirche ausgetreten. Ein gläubiger Mensch wäre für ein No-Go.
Zu leicht könnte ich ihm auf den Schlips treten.
Ich glaube nur an eines-an mich.
 
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  • #16
Ich persönlich bin nicht gläubig und könnte mit einem gläubigen Menschen auch keine Partnerschaft führen. Wir wären in all unseren Ansichten und Wertvorstellungen viel zu unterschiedlich.

Ich kann mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, warum und wie man im 21. Jahrhundert noch an übernatürliche Wesen und all den Mumpitz glauben kann. Also für mich ist das unfassbar anachronistisch und vernunftbefreit.

Gläubige Menschen schließe ich als Partner aus. Es passt auch einfach beiderseitig nicht.

Liebe Frederika, wenn du glaubst, gläubige und nicht gläubige Menschen passen nicht zusammen, dann irrst du dich gewaltig. Du als Verfechterin von Moral und Anstand hälst dich doch sicher an die Zehn Gebote - also z.B. nicht ehebrechen, stehlen, morden? Siehst du, so weit bist du von einem Christen gar nicht entfernt, auch wenn es dir gar nicht bewusst bist bzw. es leugnest.
 
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  • #17
Ich lebe als Atheist seit 10 Jahren mit einer Christin.
Es geht gut, die Frage ist inwiefern man den Glauben des anderen akzeptiert und wie der Glaube gepflegt wird. Es ist klar, dass es Tage gibt wo meine Frau in die Kirche geht ( Ostern, Pfingsten, Erntedank etc) und es gibt einen Tage wo ich mitgehe ( hl. Abend ).
Ansonsten steht dieses Thema nicht im täglichen Leben.
Mein Bruder ist mit einer Katholikin verheiratet und dass ist schon mit mehr Einschränkungen behaftet. Regelmäßiger Besuch der Messe ist ein Muss und dass schlägt bis ins tägliche Leben.
Ein prinzipielles Ausschließen halte ich für arrogant, warum soll auch in der heutigen Zeit nicht jemand an etwas glauben wo er sich hinwenden kann, auc wenn keine Person dahinter steht.
Ich sehe es als Akzeptanz den anderen gegenüber.
 
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  • #18
Ich kann mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, warum und wie man im 21. Jahrhundert noch an übernatürliche Wesen und all den Mumpitz glauben kann. Also für mich ist das unfassbar anachronistisch und vernunftbefreit.

Gut, du kannst es dir nicht vorstellen, das wissen wir.
ICH kann mir nicht vorstellen, wie Menschen im 21. Jhd. so intolerant sein können und sofort verurteilen, was sie selbst nicht kennen.
Ich selbst bin nicht religiös und ich glaube, ich hätte auch Probleme, wenn ein Mann sehr religiös wäre. Aber ich würde es akzeptieren, wenn er akzeptiert, dass ich damit nichts am Hut habe.
Allerdings akzeptiere ich auch, wenn es Menschen in meinem Umfeld gibt, die religös sind und denen ihre Religion hilft, in ihrem Leben zurecht zu kommen. Sie finden trost und Unterstützung und ich maße mir nicht an, besser zu sein, weil ich eine andere Lebensform lebe.
 
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  • #19
Missionarische Atheisten finde ich auch immer sehr borniert. Jesus-Freaks, evangelikale, Esoteriker brauche ich auch nicht. Als Naturwissenschaftler kann ich auch nichts mit Wundern anfangen. Aber so in Richtung Gott-der-Philosophen oder Deismus oder so ein Spinoza-Pantheismus darf es schon gehen. Jedenfalls sind mir Frauen, die ihren zukünftigen Kindern kein Christkind gönnen, ein bisschen suspekt.
 
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  • #20
Hier der FS. Danke erstmal an alle Beiträge soweit.

@#1 - Frederika, Ich kann deine Einstellung absolut verstehen.

Aber wie es ein anderer Beitragsschreiber bereits schreibt. Die gesamte, moderne westliche Welt ist durch das Juden-/Christentum stark geprägt worden.

Vieler unserer gesetzlichen Normen werden und wurden durch diese Religionen geprägt. Daher gehe ich mal stark davon aus, dass deine grundsätzlichen Wertvorstellungen garnicht mal so stark von denen eines Gottgläubigen abweichen.

Du wirkst sehr verstandesorientiert, versuchst vieles sachlich, nüchtern naturwissenschaftlich zu erklären und verstehen.

Aber noch sind uns ja auch die Naturwissenschaftler die Antworten auf die Fragen nach der "Weltformel", die die gesamte Entstehungsgeschichte und Zusammenhänge des Universums erklärbar macht, schuldig.

Ist da nicht der Glaube an die Nichtexistenz eines Gottes (naturwissenschaftliche Erklärung für unser aller Sein) als genauso gleichwertig anzusehen wie der Glaube an die Existenz eines Gottes?

Hast du dir dahingehend mal Gedanken gemacht, oder bleibst du selbst dann bei deiner Einstellung gegenüber einem Gläubigen?
 
  • #21
Vieler unserer gesetzlichen Normen werden und wurden durch diese Religionen geprägt. Daher gehe ich mal stark davon aus, dass deine grundsätzlichen Wertvorstellungen gar nicht mal so stark von denen eines Gottgläubigen abweichen.
Das stimmt, viele Moralvorstellungen und sittlichen Ansichten harmonieren durchaus, allerdings sind doch viele Aspekte, die mit dem Glauben zu tun haben, unvereinbar mit vernunftorientiertem, naturwissenschaftlichen Denken.

In der Praxis des bundesdeutschen Alltags fügen sich hiesige Atheisten und Christen problemlos und ohne akute Kontroversen in das Gesamtbild ein und können zusammen agieren und im wesentlichen gemeinsame Wertvorstellungen von Gerechtigkeit, Würde und Anstand vertreten.

Aber noch sind uns ja auch die Naturwissenschaftler die Antworten auf die Fragen nach der "Weltformel", die die gesamte Entstehungsgeschichte und Zusammenhänge des Universums erklärbar macht, schuldig.
Es geht ja auch nicht darum, schon jetzt alles erklären und verstehen zu können, sondern um die Einsicht, dass alles auf Naturgesetzen beruht. Die Menschheit wird wohl niemals wirklich alles erklären und verstehen, aber es ist doch keine Lösung, das jeweils noch Unerklärliche durch einen willkürlichen Glauben zu ersetzen.
 
  • #22
Ist da nicht der Glaube an die Nichtexistenz eines Gottes (naturwissenschaftliche Erklärung für unser aller Sein) als genauso gleichwertig anzusehen wie der Glaube an die Existenz eines Gottes?
Naturwissenschaftler glauben nicht an die Nichtexistenz, sie glauben gar nicht, auch nicht an die Existenz einer irgendwie gearteten Gottheit oder übernatürlicher Mächte. Das ist ein wesentlicher Unterschied, den man sprachlich nicht verwässern darf.

Die zentrale Frage muss doch sein: Was rechtfertigt den Glauben, was macht das Objekt des Glaubens wahrscheinlich, also im wahrsten Sinne des Wortes glaubhaft und glaubwürdig.

Glaubst Du an das "unsichtbare lila Einhorn" (invisible pink unicorn)? Bis eben vielleicht nicht. Aber jetzt nach der Frage glaubst Du aktiv, dass es das nicht gibt? Ist Dein Nichtglauben jetzt gleichwertig mit dem Glauben an unsichtbare Einhörner? Eins wie das andere? Wohl kaum, denn die Behauptung ist abstrus, nichts, aber auch gar nichts, spricht für die Existenz von unsichtbaren lila Einhörnern. Auch für "um die Erde kreisende Teekessel, die alle Gedanken steuern" spricht gar nichts. Aber jetzt, wo ich das Thema aufbringe, hat jeder einen Glauben dazu: Ja oder nein. Ist das jetzt gleichwertig? Wohl auch kaum. (Beide Beispiele sind bekannte atheistische Diskussionsgrundlagen.)

Naturwissenschaftler beobachten in erster Linie die Natur. Sie machen Experimente und bestätigen oder widerlegen ihre Theorien und während Widerspruch eindeutig ist, ist Übereinstimmung nur solange gut, bis weitere Experimente die Theorie verfeinern oder sie doch widerlegen. Auch wenn es für Laien manchmal so klingt, naturwissenschaftliche Kenntnisse und Erkenntnisse, Einsichten und Wissen, sind flüchtig, lebendig, jederzeit revidierbar und erweiterbar. Naturwissenschaft hinterfragt sich permanent selbst. Die Naturwissenschaft will die Naturgesetze verstehen, will Voraussagen treffen. Wir messen uns stets an der Beobachtung und der Realität. Genau das unterscheidet Naturwissenschaft zentral von Glaubensvorstellungen aller Art, insbesondere an übernatürliche Mächte.
 
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  • #23
Was hat denn bitteschön die Naturwissenschaft mit (nicht-)vorhandener Religiosität zu tun? Das sind doch zwei vollkommen verschiedene Baustellen.

Die Naturwissenschaft erforscht die Phänomene um uns herum, aber sie fragt doch nicht nach ihrer Sinnhaftigkeit. Ganz davon abgesehen sollte jedem guten Naturwissenschaftler die Begrenztheit der eigenen Herangehensweise bewusst sein, und über diese Grenzen kann die Naturwissenschaft nicht hinaus, da sie dafür die falschen Fragen stellt. Alles andere wäre Hybris.
Also: meinetwegen kann man Atheist sein, bitteschön. Aber man sollte sich dann auch im Klaren darüber sein, dass man genau wie Gottgläubige auch nur ein Glaubender ist.
 
  • #24
Aber noch sind uns ja auch die Naturwissenschaftler die Antworten auf die Fragen nach der "Weltformel", die die gesamte Entstehungsgeschichte und Zusammenhänge des Universums erklärbar macht, schuldig.

Seriöse Naturwissenschaft verspricht keine Antworten auf Fragen, sie sucht nur danach. Insofern kann sie auch keine Antworten "schuldig" sein, sie kann im Idealfall nur welche liefern.

Ist da nicht der Glaube an die Nichtexistenz eines Gottes (naturwissenschaftliche Erklärung für unser aller Sein) als genauso gleichwertig anzusehen wie der Glaube an die Existenz eines Gottes?

Da sind mindestens zwei Dinge miteinander vermengt, die im Grunde wenig miteinander zu tun haben.
Atheismus und Theismus sind im Grunde nur zwei Seiten der gleichen Medaille, beide beruhen auf "Glauben" (die eine auf dem an die Existenz und die andere auf dem an die Nicht-Existenz irgendeiner göttlichen Entität)) und keine der beiden Seiten kann ihren jeweiligen Glauben irgendwie belegen. Insofern sind mir als naturwissenschaftlich geprägtem Menschen beide Seiten in etwa gleich suspekt.
Das hat mit der Vorstellung der prinzipiellen Erklärbarkeit allen Seins zunächst mal nicht viel zu tun, diese Frage ist im Zweifel völlig unabhängig von der nach der Existenz oder Nichtexistenz von "Gott".

Ich für meinen Teil weiß schlicht nicht, ob es "Gott" gibt oder nicht und für mein Leben ist diese Frage auch herzlich egal, weil "Gott", existent oder nicht, keine Bedeutung für mein Leben hat (pragmatischer Agnostizismus). Diese Welt folgt naturwissenschaftlichen Regeln --- die, und nicht irgendein Glaube, bestimmen meine Umwelt und damit mein Leben.

Jemand der das grundlegend anders sieht, wer glaubt in jedem Sonnenstrahl und jeder Blüte eine göttliche Kraft oder in jedem menschlichen Leid den Beleg für die Nichtexistenz einer solchen erkennen zu können käme für mich als Partnerin nur schwerlich in Frage.

Im Grunde entbehrt das nicht einer gewissen Ironie: Die beiden extremen Glaubenspositionen -- Atheismus und Theismus --- sind im Zweifel kompatibler miteinander als die agnostische Zwischenposition, weil letztere eine Position des Zweifels ist und Zweifel und Glaube einander ausschließen.
 
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  • #25
Also: meinetwegen kann man Atheist sein, bitteschön. Aber man sollte sich dann auch im Klaren darüber sein, dass man genau wie Gottgläubige auch nur ein Glaubender ist.

Genau darum, weil ich nicht einmal so viel Glauben aufbringe, um Atheist zu sein, bin ich Agnostikerin...mit gläubigen Menschen jedweder Couleur kann ich befreundet sein, als Partner scheiden sie jedoch für mich aus. Obwohl ich mit ihnen in ethischen Fragen häufig zu übereinstimmenden Ergebnissen finde, sind die Unterschiede im Denken einfach zu groß als Basis für eine gelingende Partnerschaft.

w 46
 
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  • #26
Diese Welt folgt naturwissenschaftlichen Regeln --- die, und nicht irgendein Glaube, bestimmen meine Umwelt und damit mein Leben [...] wer glaubt in jedem Sonnenstrahl und jeder Blüte eine göttliche Kraft...

Nicht in der Blüte an sich, denn die ist nur ein Instrument, um bestäubende Insekten anzulocken. Aber was wäre das für eine traurige Welt, in der ich nicht dankbar sein dürfte, daß sie zugleich auch mein Herz erfreut? Ich wünsche mir eine Partnerin, die das ähnlich sieht.
 
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  • #27
"Die beiden extremen Glaubenspositionen -- Atheismus und Theismus --- sind im Zweifel kompatibler miteinander als die agnostische Zwischenposition, weil letztere eine Position des Zweifels ist und Zweifel und Glaube einander ausschließen."

Aus der Theorie heraus betrachtet mag man dir womöglich zustimmen.
Aber praktisch? Die reine Möglichkeit der Existenz eines Gottes bestreitet der Atheist, nicht aber der Agnostiker. So steht der Agnostiker dem Gläubigen im alltäglichen Leben näher als der (missionarische) Atheist.

Viele Christen, die ich kenne, durchlaufen immer wieder Phasen des Zweifels, Phasen der Unsicherheit - auch über lange Jahre. Andere sind Agnostiker und durchlaufen Phasen des Glaubens.
Oft gehen Zweifel und Glaube Hand in Hand, nicht aber zwei unterschiedliche RIchtungen des Glaubens.

Allerdings ist deine Darstellung eines Gläubigen zumindest in der heutigen Zeit auch ziemlich übertrieben dargestellt. Es gibt, obwohl es teilweise offenbar nicht wahrgenommen wird, jede Menge Christen, die nicht in jeder Blüte irgendetwas Göttliches sehen, die ihren Glauben leben, die sich Zweifel erlauben, die sich erlauben, die Kirche zu kritisieren.

Es ist sehr schade, dass im Forum in dieser Hinsicht oft wenig differenziert wird (auch in anderen Threads) und alle Gläubigen in einen Topf geworfen werden, ungeachtet ihrer Ansichten und Persönlichkeiten.

w30
 
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  • #28
An FS
Selbstverständlich können Atheist und Gläubiger zusammen eine Partnerschaft führen. Besonders hier zeigt sich der Charakter, die Intelligenz, auch der emotionale IQ.
Nur Menschen, die charakterschwach, nicht besonders intelligent und wenig einfühlsam sind, schließen eine solche Verbindung kategorisch aus. im Übrigen finde ich es verachtenswert, dass solche Menschen andere aufgrund ihrer andersartigen Überzeugung verurteilen – wie auch hier bei einigen Posterinnen.
Wer andere Menschen mit unterschiedlichen Anschauungen respektieren und tolerieren kann und ihnen seine eigenen Überzeugungen nicht auf erzwingen möchte, kann mit eben einem solchen Menschen gut zusammen leben.
 
  • #29
Ich habe von Naturwissenschaften leider gar keine Ahnung; ich bin Geisteswissenschaftlerin. Dennoch schließe ich mich in Glaubensfragen den Naturwissenschaften an. Ich glaube nicht an die Existenz einer "höheren Macht". Nur weil ich - und sicher viele andere auch - zu dämlich bin, um naturwissenschaftliche Phänomene erklären zu können, wäre es zu simpel, einfach eine Gottheit zu erfinden, um meiner Unwissenheit einen Namen zu geben. Es ist geistige Faulheit, für all das, was ich mir nicht erklären kann, eine Gottheit zu erfinden. Ein Gott würde als Lückenbüßer all das erklären können, wozu ich nicht imstande bin. All das Unbekannte, noch nicht Erforschte, vielleicht nie Erklärbare in einen Topf zu schmeißen und zu sagen, dass sei ein Gotte oder eine Allmacht, die das erschaffen habe, ist mir zu simpel.
Aber die Bibel als Literatur - und hier taucht meine geisteswissenschaftlicher Bildung auf - ist hochinteressant. Selten hat Literatur die Menschen so bewegt wie die Bibel, der Koran u.ä. religiöse Literatur. Die Mythen, Legenden und Erzählungen in der Bibel sind aus literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkten lesenswert. Aber sie werden mich nie dazu bewegen, an den Inhalt zu glauben. Diese Distanz bewahre ich mir.
Einen Partner, der sehr gläubig ist, könnte ich nicht ernst nehmen.
 
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  • #30
Naturwissenschaftler glauben nicht an die Nichtexistenz, sie glauben gar nicht, auch nicht an die Existenz einer irgendwie gearteten Gottheit

"Der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaften macht atheistisch, aber auf dem Boden des Bechers wartet Gott."
Werner Heisenberg

Naturwissenschaftler sind da unterschiedlich. Ich kenne persönlich welche, die gläubig oder religiös sind. Also bitte nicht verallgemeinern!
 
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