• #1

Ende einer Beziehung am Arbeitsplatz

ich habe eine lange sehr komplizierte Beziehung mit meinem Chef hinter mir.
Nun hat er sie beendet und schon nach einer Woche eine neue Beziehung mit einer Kollegin begonnen.
Da ich schon Mitte 50 bin und eine für die Geschäftsführung tätig bin, habe ich nun das Dilemma, dass ich eigentlich nicht kündigen kann, das es keinen vergleichbaren Job für mich gibt.
Auf der anderen Seite ist die Situation wirklich schwer für mich zu ertragen.
Hat jemand schon eine vergleichbare Situation erlebt?
 
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  • #2
Ich bin der Meinung, bevor man eine Beziehung am Arbeitsplatz eingeht muss man sich bewusst machen, dass man im Falle einer Trennung immer mit dem Arbeitskollegen/Chef weiter zu tun hat und eben auch die Möglichkeit besteht, dass er sich eine andere sucht. Ich würde in dem Fall professionell bleiben und alles Private komplett raus halten und auch auf keine privaten Gespräche eingehen. Dir bleibt unterm Strich nur die Möglichkeit es entweder auszuhalten oder zu gehen.
 
  • #3
Ja.
So ähnlich habe ich es auch einmal erlebt, es war eine Tortur. Nur war ich jünger und habe dann zügig den Job gewechselt (das stand allerdings aus anderen Gründen sowieso an).
Du hast eine schwierige Entscheidung zu treffen und dafür wünsche ich Dir viel Kraft! Wenn das geht, versuche die Situation für Dich hinzubekommen. Es gibt ja auch Paare, die gemeinsam eine Firma aufbauen und nach der Trennung im Privaten trotzdem als geschäftliches Team weiter zusammenarbeiten. Zuallerst hilft es wohl, ganz ehrlich zu sich selbst zu sein. Wäre eine große Existenzangst bzw eine weitaus schlechtere Stelle nicht das größere Übel, auf längere Sicht gesehen?
Beeinträchtigt es Deine Arbeit? Behandelt Dich Dein Chef nun anders? Weiß sonst jemand in der Firma davon? Das sind alles wichtige Faktoren. Wenn es "nur" um Deinen seelischen Schmerz geht, ist das schlimm genug, alles zusammen aber wäre kaum zu stemmen.
Meine Erfahrung : gerade wenn die Emotionen sehr stark und bedrückend sind, bemühe ich mich, ganz pragmatisch zu denken. Manchmal bleibt einem im Leben nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, also zwischen kleinerem und größerem Übel. Wenn Du diese Phase durchstehst, gibt es Dir viel neues Selbstvertrauen!
Alles Gute für Dich..ich spüre, Du schaffst das.
 
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  • #4
Das ist wirklich eine schlimme Situation für Dich. Ich habe es so nicht erlebt, aber ich war schon verliebt in eine Chefsperson. Er reagierte auch sehr darauf, verhielt sich wirklich sehr liebenswürdig, solange ich nicht zu nah kam. (dann war ihm plötzlich doch bewusst, dass er verheiratet ist und all das Verhalten vorher gar keine Bedeutung hat)

Ich finde es unerträglich, unter solchen Umständen so tun zu müssen, als sei nichts, und dann auch noch vernünftig zu arbeiten. Ich bin auch ein Mensch, der dann viel Abstand braucht.
Du hast nicht geschrieben, ob Du den Mann noch liebst, ich gehe aber davon aus. Es kann sich jemand ja noch so blöde verhalten, wenn man Liebe für ihn empfindet, muss man damit fertig werden, dass sie nicht dazu führt, dass man glücklich damit wird. Für mich war diese Erkenntnis wichtig, um mir nicht ein Gefühl verbieten zu müssen. Das hätte viel mehr weh getan als das Anerkennen und mich damit abzufinden, dass meine Liebe keine Konsequenzen haben wird.
Irgendwann sieht man dann nicht mehr das Bild von dem Mann, das man im Kopf und im Herzen hat, sondern versteht, wie er ist. Dann tut auch sein Verhalten nicht mehr weh, weil man erkannt hat, dass es nicht so gemeint ist, wie man es interpretiert.

Du hast nicht geschrieben, wie lange ihr zusammen wart, ob die Beziehung offiziell war und ob sie so angefangen hat, dass Deinetwegen eine andere Frau verlassen wurde. Ich finde sowas wichtig dafür, sich in Bezug auf "nun hat er die große ewig währende Liebe und ich muss das mit ansehen" klarzuwerden, dass das nur eigenes Kopfkino ist, um sich zu quälen. Die Realität sieht auch anders aus, wenn man den Schrecken betrachtet, und nicht in Bezug auf die Rosa-Wolken-Welt.
 
  • #5
Arbeit und Privates sollte immer getrennt werden. Ein Verhältnis mit dem Chef ist eh schon schräg. Was genau hast Du Dir davon erhofft?
Das ist von Anfang an mit Problemen behaftet -selbst, wenn man sich privat nur mal streitet. Sei souverän und erledige einfach Deine Arbeit und gesteh Dir eben den Fehler auch ein.
 
N

nachdenkliche

  • #6
Eine Beziehung zum Arbeitskollegen, in Deinem Falle sogar zum Chef ist immer problematisch. Ich würde sogar sagen, einer muss den Arbeitsplatz wechseln, wenn man offiziell ein Paar ist. Das tut nie gut. Nun ist das aber zu spät...
Warum kannst Du "eigentlich" nicht kündigen? Ansonsten ist es wirklich sehr schwer für Dich. Du musst absolut neutral sein und Dich aufs berufliche beschränken. Kannst Du ihm irgendwie räumlich aus dem Wege gehen?
Kannst Du Dich intern versetzen lassen? Mich würde mal interessieren, wie es Deinem Ex, bzw Chef damit geht?
Ich kann verstehen, dass es so für Dich schwer ist, damit abzuschließen.
Hat er die Beziehung beendet?
 
P

Provence

  • #7
@Apfelwein sieht das völlig richtig: eine Affäre am Arbeitsplatz ist nie besonders klug - du weißt das aber selbst.
Versuche, dich innerhalb der Firma versetzen zu lassen, damit du nicht mehr unmittelbar mit deinem ehemaligen Lover arbeiten musst. Falls das nicht geht, solltest du dich nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen - manchmal gelingt das auch, wenn frau Mitte 50 ist. Es ist ja immer eine Frage der Qualifikation und der (hoffentlich günstigen) Nachfrage in deinem Wohnumfeld. Versuche es wenigstens, ich habe in diesem Alter auch noch einmal einen Jobwechsel vorgenommen und war damit mehr als zufrieden.

Falls das alles nicht geht, solltest du möglichst professionell bleiben, auch das empfiehlt Apfelwein genau richtig. Der Schmerz wird nachlassen und irgendwann kannst du deinen Chef ganz neutral sehen - mit etwas Glück und ohne rosarote Brille vielleicht sogar so, wie er wirklich ist: als einen verantwortungslosen, oberflächlichen und überhaupt nicht mehr anziehenden Mann.
 
  • #8
Ich denke, das große Risiko eines Verhältnis mit dem Chef einzugehen, darf man nur, wenn man sich der Folgen beim Ende bewußt ist. Was hast du erwartet?
Du bekommst nur die Rechnung für dein Verhalten präsentiert, du hast dich recht unklug in eine schlechte Situation begeben. Das war deine Entscheidung. Mit den Konsequenzen zu leben, ist eben etwas, was Erwachsene dann tun müssen.
 
  • #9
Vielen Dank für Eure Stellungnahmen und Einschätzungen.
Die Besziehung dauerte mit Unterbrechungen fast 10 Jahre.
Es war jedem in der Firma bekannt, dass wir ein Paar waren.
Da wir nur 20 Personen in der Firma sind und ich direkt für die Geschäftsleitung (also für ihn)arbeite, kann ich ihm auch nicht aus dem Weg gehen.
Ich schaue schon seit längerer Zeit nach einem vergleichbaren Arbeitsplatz, da ich immer Angst für so einem Ende hatte.
Nur leider ist meine Tätigkeit so spezialisiert und es gibt keinen
ähnlichen Arbeitsplatz trotz aller Qualifikationen.
Die beiden anderen Geschäftsführer stehen zu mir.
Das Ende der Beziehung hätte ich professionell aushalten können.
die große Verletzung ist der Austausch nach nur einer Woche.
Ich komme mir vor wie in einer Teenie Geschichte - und die Mitarbeiterin, mit der er nun eine Beziehung hat, steht mir eigentlich nahe - soweit einem ein Kollege nahe stehen kann.
Natürlich ist mir klar, dass ich diese präkere Situation vor 10 Jahren selbst herbeigeführt habe. Aber gegen seine Gefühle und das Gefühl von Liebe kann man kaum etwas machen.
Da er sehr stark unter Depressionen leitet habe ich immer versucht - egal wie schwierig die Situation war- seine Persönlichkeit zu stärken.
 
  • #10
Ein Verhältnis mit dem Chef ist eh schon schräg.
Ich würde dies nicht so einseitig betrachten. Wenn es "schräg" ist, dann auch das Verhalten vom Chef der FS. Da kommt wieder der Spruch aus USA mit den "NEVER….Company" ins Spiel.
Eventuell bin ich auch nur zu pragmatisch, aber jemand aus der eigenen Firma war für mich schon immer außerhalb des Beuteschemas und als Chef war eine Untergebene erst recht ein Unding. Jetzt kommen wahrscheinlich wieder diejenigen, die dann vom Traumpartner sprechen. Einen Traumpartner gibt es für mich nicht in der Realität, sondern nur in den Träumen wie ja das Wort TRAUMpartner schon sagt.

So gesehen hat der Chef genauso viel Mitschuld wie die FS. Es ist halt wie im richtigen Leben. Am Ende gibt es immer min. 2 Schuldige und nicht nur einen.
 
M

Meeresrauschen

  • #11
Klingt wie ein Horrorfilm oder Alptraum. Kannst du nicht deinen Ex bitten dir bei der Suche nach einer neuen Stelle behilflich zu sein? Ihr wart immerhin 10 J. zusammen und du hast sicher viel für die Firma getan und ohne dich wäre er sicher nicht so erfolgreich! Jetzt ist aber die Belastung für dich unerträglich. Ihn mit der Anderen zu sehen und dies dazu noch täglich auf der Arbeit, wird die Qualität deiner Arbeit auch einschränken. Das könnte der Firma schaden. Auch für seine Neue ist doch die Lage auch sicher unangenehm...ich würde jedenfalls nicht mit der Ex meines Chefs in derselben Firma so eng zusammearbeiten wollen. Für mich klingt das auch alles noch sehr frisch, er hat sich gerade von dir getrennt und schon eine Neue...warte mal ab, ob das wirklich Bestand hat.
Ich rate dir aber zu einem Arbeitsplatzwechsel, er soll dir ein gutes Zeugnis schreiben und dir helfen, was Neues zu finden. Als Chef hat er doch sicher genug Kontakte und Möglichkeiten, dir dabei zu helfen.
 
  • #12
Da ich schon Mitte 50 bin und eine für die Geschäftsführung tätig bin, habe ich nun das Dilemma, dass ich eigentlich nicht kündigen kann, das es keinen vergleichbaren Job für mich gibt.
Im neuen Job fängt sie in der Probezeit neu an und sie wäre nicht die erste Frau, die bei so einem Konstrukt (entsorgte Ex-Geliebte) innerhalb einer Männerseilschaft auch gleich ihre berufliche Existenz verliert (Probezeit nicht überstanden) und dann. die letzten 10 Jahre auf deutlich niedrigerem Niveau leben muss, mit weitreichenden Folgen für die Altersversorgung.

Mit Mitte 50 würde ich den Job nur wechseln, wenn die Situation psychisch unerträglich für mich wäre, d.h. Entscheidung: Geld oder krank.
Dann würde ich aber dem Mann nicht vertrauen, sondern mich selber um einen neuen Arbeitsplatz bemühen. Das ist sicherer. Der Mann ist psychisch instabil und fängt direkt mit der Kollegin was an (ganz schlechter Stil in so einem Kleinunternehmen) - da sollte man mit Vertrauen in das Gute des Menschen sehr zurückhaltend sein und sich lieber auf sich selber verlassen.
Wer in so einer Minifirma eine Affäre mit dem Chef eingeht, geht auch ein hohes Risiko um die eigene berufliche Existenz ein.

Aber gegen seine Gefühle und das Gefühl von Liebe kann man kaum etwas machen.
Doch kann man, aber Du wolltest nicht - das ist ein großer Unterschied.
Niemand ist seinen Gefühlen willenlos ausgeliefert. Es sind nur Gefühle. Man entscheidet, ob man sie auslebt, erst Rahmenbedingungen verändert oder verzichtet, weil hohes Risiko. Du hast Dich fürs spontane Ausleben entschieden, nun kommt die späte Rechnung.

In der Situation wäre es sinnvoll gewesen, sich erst einen anderen Job zu suchen und dann die Beziehung zu beginnen - nützt jetzt aber nichts mehr. Jetzt bleibt nur noch: aushalten oder gehen.
 
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