• #151
Natürlich nicht. Ich meinte, dass diese Menschen einen auf andere Weise auf die Schwachstellen "hinweisen", einfach weil sie so sind, wie sie sind und man selbst sieht, dass man nicht so ist. Das ist auch nicht mit bösen Gedanken verbunden, bei mir zumindest nicht, ich versuch mir, ne Scheibe abzuschneiden, denn es hat ja mit mir was zu tun, wenn ich irgendwas an anderen entdecke, was ich selbst gern hätte UND auch haben könnte. Meine Schwachstelle ist ja nichts, was sowieso nicht mit mir zu tun hat. Außer einer ist ein Generalist in der Missgunst.

Es trifft halt "besser" in den wunden Punkt als ne gehässige Bemerkung. Die kann ich meist abfedern mit dem Gedanken, dass die gehässige Person gerade selbst ein Minderwertigkeitsproblem hat und mir deswegen auch eins einreden will.
 
  • #152
Das ist so, keine Frage. Deswegen meide ich solche Menschen. Die Frau mit der Po-Bemerkung hat es mE absichtlich gemacht, also die "einfach mal die Klappe halten"-Aufforderung läuft ja gerade bei solchen Aktionen ins Leere. Wenn man sich nur seinen Teil denken kann und nicht was offensichtliches sagt, ist es ja nur ein Fettnapf, wenn man doch den Mund nicht hält. Aber Gehässigkeiten sind ja keine verbalen plumpen Ungeschicklichkeiten, sondern genau auf den Punkt gesetzt.

Anstatt sich selber seinen eigenen Problemen zu stellen oder sich in Schlagfertigkeit zu üben oder auch sich einfach ein dickes Fell anzutrainieren, heult die Mehrheit heute rum, wie böse doch die Welt sei. Und alles und jeder soll sich gefälligst bei dieser Person entschuldigen.
Hm... ist mir nur in einem anderen Forum, in dem ich mal war aufgefallen. Da durfte man aber auch nicht Wahrheiten aussprechen, wenn dem anderen dadurch "sein gutes Gefühl" kaputtgemacht wurde. (Z.B. eine Frau gern weiter glauben wollte, dass der Typ, der nie anrief, sie liebte). Selbst, wenn man von sich selbst eine Erfahrung geschrieben hätte, wär das für irgendwen störend gewesen und deswegen sollte man es nicht schreiben.

Ansonsten begegnen mir doch wenige Mimosenmenschen. Das von Dir beschriebene Verhalten kenne ich eigentlich nur von manchen Erwachsenen, als ich noch Kind war. Eigentlich ein Wunder, dass man als Kind so eine Macht hatte, einen viel älteren Menschen tödlich beleidigen zu können mit ... nichts.

Neid und Respekt oder gar Bewunderung müsste man sich aber verdienen.
Respekt nicht, das andere schon. Das andere ist interessant. Ich habe mich früher in der Schule z.B. auch kleingemacht, um nicht Angriffen ausgesetzt zu sehen. Ebenso bei manchen "Freundinnen". Es ist mir zweimal passiert, dass mir eine Freundschaft aufgekündigt wurde, weil ich in einem Wettbewerb gewonnen hatte, von dem ich gar nichts wusste (einmal ging es um einen Mann, ein anderes Mal um den Studienabschluss).
Andere jammern über eine Bemerkung, wittern überall Übergriffe, Sexismus, Beleidigungen e
Bist Du denn sicher, dass Du Sexismus erkennen würdest? Ich hab ziemlich lange dafür gebraucht, Sexismus auch gegen Frauen überhaupt zu erkennen, weil er so alltäglich ist.
Also ich wäre vorsichtig, den anderen vorschreiben zu wollen, wann sie meinen, Sexismus oder Übergriff erlebt zu haben. Für mich selbst kann ich sagen, dass ich auf eine Entschuldigung in dieser Hinsicht gar keinen Wert lege, insbesondere, wenn es Blabla ist und kein Umdenken stattgefunden hat.
 
  • #153
Also ich wäre vorsichtig, den anderen vorschreiben zu wollen, wann sie meinen, Sexismus oder Übergriff erlebt zu haben. Für mich selbst kann ich sagen, dass ich auf eine Entschuldigung in dieser Hinsicht gar keinen Wert lege, insbesondere, wenn es Blabla ist und kein Umdenken stattgefunden hat.
Du siehst es ganz anders als ich - ich will doch niemandem vorschreiben, was er oder sie meint, erlebt zu haben.
Ich sehe allerdings eines: sehr viele Leute sehen sich gerne als Opfer. Suhlen sich mit Wonne im kleinsten Unglück. Verurteilen gerne jeden, der anders denkt. Merken dabei nicht einmal, dass sie selbst alle möglichen Menschen angreifen. Natürlich ist es schlimm, wenn man selbst persönlich angegangen wird - macht man dies allerdings bei anderen, ist es vollkommen ok. Nennt dies jemand Doppelmoral, dann ist dieser natürlich aufgrund der eigentlichen "politischen Korrektheit" ein ganz schlimmer Finger. Übergriffig sind immer nur die anderen. Und nicht umsonst gibts doch den Tag des "Mimimi".
Würde sich jeder einfach mal klar machen, dass das, was er oder sie fühlt, erlebt, meint zu fühlen oder was auch auch immer nur die subjektive Wahrnehmung des Tatbestandes ist, alle anderen Beteiligten eine ganz eigene, wiederum subjektive und durchaus unterschiedliche Wahrnehmung haben, diese Sicht der Dinge deren Recht und deren Persönlichkeit spiegelt, dann wäre viel gewonnen. Beleidigt rumjammern ist einfach, seine eigenen Aufgaben zu erledigen nicht immer. Seine eigenen Fehler zu sehen, kann weh tun. Sich in der Opferrolle einzurichten ist da wesentlich bequemer.
Mein persönlicher Eindruck ist der, dass die Menschen, die wirklich Schlechtes erleben mussten, diese Opferrolle gar nicht annehmen wollen. Und lieber etwas machen, um nicht als Opfer wahrgenommen zu werden. Während diejenigen, deren schlimmstes Erlebnis war, dass der Bruder ihnen die Gummibärle weggefressen hat, ihre Opferhaltung mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen. Und jeden versuchen, anzugreifen, der ihnen diesen Spiegel vorhält.
 
  • #154
Ich verstehe nicht, was du damit sagen willst. Ich hatte vor einigen Monate beruflich Kontakt mit einer Frau, in meinem Alter, umwerfend schön, fachlich wahnsinnig gut, menschlich sehr liebenswürdig und witzig. Ich bin mit meinem Aussehen ganz zufrieden und recht selbstbewusst, was meine beruflichen Qualitäten angeht. Neben ihr fühlte ich mich aber wie ein Bauerntrampel und ein Provinzler und musste mir sagen, Mensch, die Frau ist dir deutlich überlegen.

Die Frau ist nicht schön, klug und nett, um in meinen Wunden zu wühlen und mich zu triezen. Sind meine miesen Gefühle aus deiner Sicht Verletzungen, die sie mir zugefügt hat? Muss sie sich dafür entschuldigen? Dann wird das Leben echt kompliziert...
Du verstehst es nicht, weil du keine Selbstwertproblematik hast und auch noch nicht gezwungen warst, dich mit der Persönlichkeitsstruktur solcher Menschen auseinanderzusetzen.

Mir hat mal eine reflektierte narzisstische Persönlichkeit erklärt, dass sie es - im Gegensatz zu dir - nicht ertragen könne, sich jemanden unterlegen zu fühlen. Deswegen konzentriere sie sich in solchen Fällen auf die Fehler und Makel der Person.
Du hast nichts gelernt, bist 54 und findest keinen Job. Nicht mal Blättchen austragen, nicht mal kellnern, dich will einfach niemand mehr. du rutschst sozial ab, kannst dir nicht mal mehr deine kleine Wohnung in mieser Lage leisten, erst recht keinen Urlaub, keine Klamotten, kein Essengehen, keinen 12-Ender, keine Rostlaube.
Du bist komplett weg von Fenster, was deine Chancen auf dem Partnerschaftsmarkt anbelangt und dann erzählst du einem Freund, dass du dich hier bei EP anmelden willst, um eine Frau zu finden.
Das ist der gleiche, der dir vor kurzem vom 12-Ender-Hirsch abgeraten hat und nun rät er dir davon ab, hier zu bezahlen, weil du dir das nicht leisten kannst und ohnehin null Chancen hast.
Nun...fühlst du es ? Die Schmach, die Verletzung ?
Nein ? Hm...dann bist du tot.
Menschen mit schlechtem Selbstwert können sich nicht vorstellen, dass jemand, der Selbstwert hat, sich also nicht allein über Materielles und Äußerlichkeiten oder die Anzahl potentieller Partner definiert, im obigen Beispiel keine Schmach empfindet.

Sie müssen immer härter und härter zutreten. Besitzt der nun grün und blau Geschlagene dann die Frechheit, nur den Kopf zu schütteln und sich zu fragen, was das denn für armselige Kreaturen sind, die so etwas nötig haben, macht das was mit einem, der Unterlegenheitsgefühle nicht ertragen kann, eine Domse oder ein Sadist ist.

Dann muss operative Psychologie angewandt werden, denn damit kriegt man jeden klein. Die zersetzte Person weiß irgendwann nicht mehr wo oben und wo unten ist und macht Fehler über Fehler.

Jetzt ist das Ziel erreicht. Man muss nicht mehr sagen, ich will die Person nicht, die macht mir ein schlechtes Gefühl. Man hat nun einen objektiven Grund, die Person nicht zu wollen.
 
  • #155
Als ich sehr jung war, hatte ich eine Phase, wo ich sehr schnell sehr viel zugenommen hatte. Ich bin unter 170 cm und wog über 65 Kilo. Also doch mind. 10 Kilo Übergewicht. Im 1. Semester besuchte mich einmal meine Tante im Studentenwohnheim und wir kochten zusammen und sie sagte: Hmm erzähl mal, hast du einen Freund? ich: ne, noch nicht. Sie: So wie es aussieht, wirst du auch erst keinen bekommen.
Wenn man mal schlank war, kratzt einen das gar nicht, ist meine Erfahrung. Dann ist so eine Bemerkung in der Tat hilfreich, dass einer, der einen lange nicht gesehen hat oder neu kennenlernt, anmerkt, dass man beleibt ist, weil man selbst immer noch meint, wie früher zu sein.
Das ist aber ein anderes Beispiel, als wenn jemand schon immer dick/stämmig war und dauernd darauf hingewiesen wurde.

Auch Dein zweites Beispiel finde ich nicht in der Kategorie "Gemeinheiten, die einer absichtlich sagt".
Du unterscheidest nicht zwischen "Bemerkungen, die einer für sich macht", "Bemerkungen, die einer hilfreich machen will", "Bemerkungen, die einer macht, weil er verletzen will, weil er ein Minderwertigkeit-Selbstwertproblem hat". Es gibt das aber alles.

Ich hätte auch sagen können, nein meine Tante ist nur neidisch, will mich fertig machen, oder der Prof. will mir nur den Mut wegnehmen.
Also wenn Deine Tante nicht schon immer ein gehässiges Aas war - wie solltest Du darauf kommen, dass sie Dich nur fertig machen will? Ich finde die Verpackung ihrer Botschaft nicht sonderlich gut, weil auch dicke Frauen Partner haben, die sie lieben. Also sie basht schon gegen alle Beleibteren, wenn auch indirekt und sie unterstellt Männern Oberflächlichkeit.
Aber ansonsten scheint sie es ja einfach angemerkt zu haben, dass Du zugelegt hast.
Der Prof hat mE auf den Putz gehauen, wie das gern mal gemacht wird. Ich kenne solche Ansagen auch, hat mich zwar auch anfangs geängstigt, hat sich hinterher auch als Blödsinn rausgestellt, weil, wenn 80% richtig gut sind, gehen die doch ALLE mit einem Abschluss, es sei denn, man hat einen, der UNBEDINGT sieben will. Der zieht die Schrauben immer weiter an bis ins Unsachliche und von der Fachlichkeit weit Entferte, bis er seine 10% hat und der Rest rausfällt, und wenn es mangels netter Arschkriecherei sein sollte.

Vielleicht ist Dir nie ein gehässiger Mensch begegnet. Aber es gibt sie, die Bemerkungen nur machen, um zu verletzen. Hat aber mit Entschuldigung nichts zu tun, weil die sich natürlich nicht entschuldigen. War ja mit Absicht. Und genau das zu empfinden, dass Dir gerade absichtlich wehgetan werden soll, ist der Punkt.
 
  • #156
Du zitierst meine Beschreibung eines Menschen, der sozial abrutscht in einer Weise, die mich Schmach empfinden ließe und ich fragte @Tom26 , ob er in solcher Situation immer noch glücklich und zufrieden wäre.
Dazu sagst du:
Menschen mit schlechtem Selbstwert können sich nicht vorstellen, dass jemand, der Selbstwert hat, sich also nicht allein über Materielles und Äußerlichkeiten oder die Anzahl potentieller Partner definiert, im obigen Beispiel keine Schmach empfindet.

Sie müssen immer härter und härter zutreten. Besitzt der nun grün und blau Geschlagene dann die Frechheit, nur den Kopf zu schütteln und sich zu fragen, was das denn für armselige Kreaturen sind, die so etwas nötig haben, macht das was mit einem, der Unterlegenheitsgefühle nicht ertragen kann, eine Domse oder ein Sadist ist.

Zunächst hast du natürlich recht, ich bin ein Mensch mit sehr geringem Selbstwertgefühl, davon habe ich ja schon oft erzählt.
Mal sehen, ob ich mich in deiner Beschreibung von mir wiederfinde.
Über die Anzahl meiner Partner definiere ich mich sicher nicht.
Materielles ? Joa, das schon eher. Damit kompensiere ich sicher ein wenig meine Komplexe, die ich bezüglich meines Äußeren habe, hier also der echte Treffer.
Bei mir ist es aber vor allem die Bildung, das ist die Äußerlichkeit, die mir besonders wichtig ist.
Also ja, ich bin so wie du es beschreibst.
Und ja, offenbar kann ich mir nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die sich in der von mir beschriebenen Situation rundum glücklich fühlen.

Ja, ich habe oft davon erzählt, eine Domse zu sein.
Du liest hier offenbar aufmerksam mit.
Aber nicht so aufmerksam, dass du gelesen hättest, dass ich mein Domsensein als Nischenprodukt auslebe, dass ich eine der ganz wenigen bin, die keine Freude daran haben, ihren Partner zu demütigen oder zu schlagen, sondern dass ich es liebe, der 'Chef' zu sein. Die Ansagen zu machen, die Entscheidungen zu treffen, die Schwierigkeiten für ihn aus dem Weg zu räumen, ihn 'Kleiner' zu nennen ( was alle Subs lieben ).

In deinem zweiten Absatz finde ich mich nicht wieder.
Außer der Bemerkung, dass ich Unterlegenheitsgefühle nicht ertragen kann. Ja, beim Thema Bildung trifft das auf mich zu, bei allen anderen aber nicht.
Ich bin sicher, dass ich keinen Drang habe, andere Menschen zu verletzen und zu demütigen.
Die hier diskutierte Gehässigkeit ist mir fremd, vielmehr empfinde ich den Drang, das Opfer des Gehässigen zu verteidigen.
Auch empfinde ich es nicht als Frechheit, wenn jemand so souverän ist, dass Gehässigkeiten an ihm abprallen, ich kann es einfach nicht glauben.

Ich werde nochmal eine Weile über deinen Schluss nachdenken, aber ich glaube nicht wirklich, dass ich deswegen eine Domse geworden bin, weil jemand nicht zugänglich für meine Gehässigkeiten war.
( Boah, ich hoffe, ich tue dir nicht Unrecht, indem ich dich vollkommen falsch verstanden habe. )

w 50
 
T

Toi et moi

Gast
  • #157
@void, du hast recht, meine Tante meinte es nicht böse aber darum geht es m. E. gar nicht. Sie hat eine Prognose abgegeben wie die alte Frauen gerne so machen. Diese Prognose hat mich sehr gekränkt, gerade, weil sie von ihr kam. Das habe ich bis heute nicht vergessen aber diese hat mir auch geholfen mich kritischer zu betrachten. Heute 30 Jahre später sind ihre Kinder und Enkelkinder inklusive sie selbst übergewichtig, ich habe wiederum immer noch Kleidergröße 34 und jedes Mal wenn wir uns sehen, freue ich mich innerlich (zeige ich es natürlich nicht) wie sie mir neidisch sagt, wie dünn ich bin. Siehst du? Im Endeffekt, wenn wir ehrlich sind, suchen viele Menschen sehr oft Schwachstellen bei Anderen und nehmen es als Angriffspunkt um sich Überlegenheit zu schaffen. Das begegne ich Tagtäglich aber ich lass mir dadurch den Mut nicht wegnehmen. Ich denke, das ärgert solche Leute am meisten, wenn sie sehen, dass ihre dämliche kleinliche Aussagen absolut keine Wirkung haben.
 
  • #158
Und genau das zu empfinden, dass Dir gerade absichtlich wehgetan werden soll, ist der Punkt.
Als ich eines Morgens zur Arbeit kam, schaute mich meine Vorgesetzte ganz mitleidig an, sagte "Oooh" (du Arme) und ging weiter.
Dieses Spiel wiederholten mehrere Kollegen.
Das verletzende war nicht das zur Schau getragene Mitleid, sondern die Tatsache, dass sie offensichtlich zusammen gesessen hatten und sich abgesprochen, was sie als nächstes mit mir veranstalten.

Anderes Beispiel: Ich saß auf der Arbeit, die Tür wurde aufgerissen, ein Mann, dem bildlich gesprochen der Speichel aus den Lefzen lief, stürmte auf mich zu und wollte mir an die Wäsche.

Ich sprang auf und muss so entsetzt geguckt haben, dass der Mann sofort stoppte.

Jetzt werden die meetoo-Gegner sagen, "Was hat sie denn? Ist doch gar nichts passiert!"

So habe ich mich auch verhalten. Ich habe es überspielt und so getan, als wäre nichts.

Für das merkwürdige Verhalten des Mannes gibt es aber nur eine Erklärung: Die hatten den geschickt, mir auf den Hals gehetzt. Er dachte, ich warte auf ihn.

Das Verletzende die Erkenntnis, es mit einem Menschenschlag zu tun zu haben, der 1. so etwas macht und 2. das auch noch lustig findet.

Und die Frage, was das für Leute sind, die sich mit diesem Menschenschlag gemein machen und ins gleiche Horn stoßen.

Hat ja schon mal so gut geklappt.
 
  • #159
Für das merkwürdige Verhalten des Mannes gibt es aber nur eine Erklärung: Die hatten den geschickt, mir auf den Hals gehetzt. Er dachte, ich warte auf ihn.

Das Verletzende die Erkenntnis, es mit einem Menschenschlag zu tun zu haben, der 1. so etwas macht und 2. das auch noch lustig findet.
Also sorry, aber ....
- denke ich als Mann, evtl. durch Aussagen weiterer Personen, dass eine Frau mich erwartet. dann suche ich sie natürlich auf. Sage Hallo statt Guten Tag, lächle sie an, versuche einen Flirt zu beginnen .... aber stürze doch nicht sabbernd auf sie los. Diese Schilderung kommt mir ein wenig unrealistisch vor. Mag ich diese Frau wirklich, dann verberge ich meine Enttäuschung vielleicht nur sehr schlecht. Aber das hat mit metoo in meinen Augen wenig zu tun. Sondern eher mit Mobbing .... nicht nur dir, sondern auch dem Mann gegenüber.
Und - da ich ja der Zankapfel zu sein scheine - nein, ich nehme @frei ihre Frage nicht übel. Auch nicht ihre Art, wie sie die Frage gestellt hat. Sondern bewundere eher, wie genau sie formuliert, wie gut sie mich kennt - vom Schreiben hier.
Meine Antwort - natürlich wäre ich mit einer solchen Situation nicht glücklich. Dennoch wäre ich glücklich, weil ich nämlich noch Freunde habe. Also würde ich versuchen, mit der Hilfe meiner Freunde, die Misere zu beheben. Nein, auch an mir prallt nicht alles ab. Aber vielleicht habe ich einfach die Gabe, wieder aufstehen zu wollen und zu können. Das (versteckte) Gute zu finden. Und zur Not aus einer 1% Chance irgendetwas zu machen. Für Menschen wie mich ist es schwierig zu verstehen, wenn andere eine 10 % Chance einfach wegwerfen. Das stimmt sicher. Und ganz sicher stimmt es, dass Menschen, die kämpfen können und wollen, auch eher einen Schmerz verdrängen können. Und wollen. Aus einer Demütigung einen Ansporn machen. Eine Narbe als Warnung sehen.
Vielleicht haben sowohl frei als auch ich andere Dinge in uns als du, @Raissa - dafür hast du Charaktermerkmale, die wir beide nicht haben. Vielleicht bist du einfacher zu verletzen und schwieriger zu versöhnen als ich. Vielleicht habe ich aber auch einfach die Sensoren nicht, die du hast. Vielleicht brauche ich deshalb eher wenige Entschuldigungen. Weil ich mir gar nicht so viele Gedanken mache wie du. Wahrscheinlich habe ich es einfacher - dafür kennst du dich viel besser als ich mich. Jeder hat seine Stärken und Schwächen - und danach handelt er. Bestimmt handeln auch nicht alle deine Kollegen aus Bösartigkeit, sondern einige aus Angst, selber an deine Position zu kommen. Kein Trost für dich - sondern deine 10 % Chance .
 
T

Toi et moi

Gast
  • #160
Ich finde die Diskussionen in diesem Thread wirklich toll und es zeigt wie unterschiedlich unsere Wahrnehmung über die Erlebnisse sind. Wenn ein Mann sabbernd in mein Büro kommen würde, würde ich es auch überspielen und so tun, als ob ich es nicht gemerkt hätte aber innerlich würde mich so etwas ehrlich gesagt freuen. Das bedeutet doch, dass ich so attraktiv bin, dass er sich nicht mal bei der Arbeit unter Kontrolle hat. Ich würde echt nur darüber lachen und mehr nicht. @Raissa dagegen denkt, die Kollegen wollten sie ärgern. Vielleicht ist es auch richtig. Aber warum tun sie das, was ist deren Intention und wie kann @Raissa den Spieß umdrehen. So würde ich denken. Ich würde versuchen herauszufinden, warum und dann eine Strategie ausdenke, aus der Miesere rauszukommen, auch wenn es nur darum geht auf den Tisch zu hauen und sagen, dass es so nicht geht.
 
T

Toi et moi

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  • #161
Ich habe in der letzten Zeit sehr oft über Perspektivenwechsel nachgedacht. Es ist manchmal sehr schwierig die Perspektiven zu ändern, wenn man niemals in einer anderen Situation war. Ich könnte es zwar versuchen aber ich wäre blind, weil mir einfach die Erfahrung fehlt. Dafür zwei Beispiele:
1- Ich habe hier öfters erzählt, dass mein Mann mich betrog. Wir trennten uns und ich war am Boden zerstört. Irgendwie konnte ich gar nicht verstehen, warum er mir es angetan hatte. Mir fehlte einfach seine Perspektive und egal, was ich tat, ich blickte einfach nicht durch, konnte ihn nicht verstehen und war sehr verletzt, verbittert, sauer, unheimlich traurig. Ich wechselte im Beruf auf Vollzeit und merkte, was für ein rauer Wind plötzlich wehte. Sicher, ich verdiente mehr Geld aber ich musste auch mehr liefern, es folgten viele Schulungen, Prüfungen etc. und ich müsste sehr viel auf der Autobahn rumfahren, Morgens sehr lange im Stau stehen, oder im Zug unterwegs sein. Immer Stress haben. Diese Fahrerei war echt schwer für mich und ich fühlte mich sehr einsam und in diesem Augenblick konnte ich ihn zum ersten Mal verstehen. Was mir nach zwei Wochen zu viel war, musste er Jahrelang machen. Ich weiß noch, dass ich auf der Autobahn rechts abbog und hielt auf einer Raststätte an und heulte bitterlich. Ich verstand zum ersten Mal wie einsam er war. Ich wusste es bis dahin nicht aber erst da ist es mir klar geworden und ab da konnte ich ihn verstehen, seine Motive nachvollziehen und ihm verzeihen, obwohl er bis heute sich nie bei mir entschuldigt hat aber ich hatte wieder meinen Frieden mit mir selbst und es war sehr viel Wert.
2- Auch diese Geschichte habe ich oft erzählt..... Ich habe nach der Trennung jemanden kennengelernt und es entwickelte sich in meinen Augen einen freundschaftlichen Dialog. Er schrieb einmal, dass es ihm sehr gut täte, er so etwas nie mit einer Frau hatte und er bei sich eine Veränderung spüre. Auch er ist jemand mit sehr viel Verantwortung im Beruf, er muss bestimmt sehr oft knall hart sein, nicht nachgeben, sich gegen anderen Männern im Beruf beweisen und es tat ihm gut mit jemandem über sein Leben zu sprechen. Ich wünschte es wäre dabei geblieben aber ich wollte ihn sehen und unsere Begegnung lief nicht gut und ab da habe ich nach und nach ihn verloren. Hätte ich es einfach bei dem Schreibkontakt gelassen, hätte ich ihm helfen können aber ich war selbstsüchtig und wollte ihn unbedingt in meinem Leben haben. Es hilft zwar keine Entschuldigung und im Grunde habe ich auch nichts getan aber mir fehlte einfach auch in dieser Geschichte seine Perspektive und die Erfahrung und deshalb tat ich ihm unabsichtlich weh.
Fazit: ? Hm, schwierig. Ja, Perspektivenwechsel konnte manchmal helfen die Anderen besser zu verstehen. Es dauert vielleicht manchmal länger bis man die Andere Seite verstanden hat aber besser zu Spät als nie :).
 
  • #162
Wenn ein Mann sabbernd in mein Büro kommen würde, würde ich es auch überspielen und so tun, als ob ich es nicht gemerkt hätte aber innerlich würde mich so etwas ehrlich gesagt freuen.
Ich bin mir nahezu sicher, wenn deine Zimmertür aufgerissen würde und ein dir nahezu unbekannter Mann auf dich zustürzte, würdest auch du dich nicht freuen.
Abseits von allem, was der selektiven Wahrnehmung geschuldet sein kann, bekommt man in so einer Situation zumindest mal einen Riesenschreck.
Ich finde die Diskussionen in diesem Thread wirklich toll und es zeigt wie unterschiedlich unsere Wahrnehmung über die Erlebnisse sind.

Das Schöne am Austausch ist ja, dass er hilft, auch andere Blickwinkel einzunehmen. So kann ich mir jetzt vorstellen, dass es gar nicht um mich ging, sondern ich nur der Kollateralschaden war. Vielleicht haben sie ihm ja gesagt, seine Frau warte für ein besonderes Schäferstündchen in meinem Zimmer auf ihn. Kann schon sein. Dann hätte er abrupt gestoppt, weil er erkannt hat, dass ich eine ganz andere bin.

Und wenn ich es mir genau überlege, hatte es objektiv betrachtet durchaus eine gewisse Situationskomik, als ihm ein Licht aufging. Der musste sich übrigens auch nicht entschuldigen, das Nonverbale war Entschuldigung genug.

Aber warum tun sie das, was ist deren Intention und wie kann @Raissa den Spieß umdrehen. So würde ich denken

Ich hatte darüber vor einiger Zeit geschrieben, aber es wurde gelöscht. Also decken wir das Mäntelchen des Schweigens darüber.

eine Strategie ausdenke, aus der Miesere rauszukommen, auch wenn es nur darum geht auf den Tisch zu hauen und sagen, dass es so nicht geht.
Wie Noor schon anschnitt, ich habe das große Privileg einen seriösen Arbeitgeber zu haben, der seine Beschäftigten schützt.

Es ist erstaunlich, wie gut es bei der Verarbeitung hilft, einfach mal zu verbalisieren. Über die Überfallaktion kann ich jetzt tatsächlich schon lachen.

Wenn aber manche meinen, die gewonnen Informationen, was einen am meisten verletzt hat, benutzen zu müssen, um noch mal zielgenau Eukalyptus in die Wunden zu gießen, zeigt das nur wes Geistes Kind sie sind.

Dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn man ihnen einfach mal die Maske vom Gesicht reißt. Hätte ich damals auch machen sollen. Da hatte ich noch Skrupel und - haha - Mitleid.
 
  • #163
Es ist alles schön und gut.
Natürlich hilft der Perspektivwechsel, das Verstehen.
Aber macht dies meine Verletzung ungeschehen? Der arme Mensch konnte nicht anders, weil....

Irgendwie kommt es mir bei dieser Debatte langsam vor, als ob man für Täter Verständnis haben müsste, und das Opfer muss ja nur verstehen und kann dann vergeben. Wofür es auch nicht die Bitte um eine Entschuldigung benötigt. Die ist, weil das Opfer ja Verständnis hat, obsolet.

Die Bitte um Entschuldigung - Vergebung wäre mir das liebere Wort - bei einem unbeabsichtigten Schaden, verbal / non verbal, nicht wirklich wichtig. Wichtig ist, dem anderen tut es erkennbar leid, und er möchte das auch nicht wiederholen.
Bei absichtlichen, bewussten Schäden - kann man doch darauf verzichten.

Und ehrlich, mir ist dann die Motivlage egal, ob da ein anderer Mensch seine Minderwertigkeitskomplexe an mir abarbeiten will, seinen Frust, oder irgendwelche früheren negativen Prägungen.
Es hilft vielleicht für das Verständnis, aber der-/ diejenige handelt immer noch eigenverantwortlich.
Und ich habe genauso das Recht mich verletzt zu fühlen, mich adäquat zu wehren, Grenzen zu setzen.
Ich muss es nicht schlucken.

Manche Kommentare hier klingen für mich wie die Verhöhnung von Opfern.
Nimm es doch einfach gelassen, streife es ab, es ist irrelevant, etc.
Aber vielleicht bin ich da eher alttestamentarisch unterwegs, wobei ich an Kharma glaube und die ausgleichende Gerechtigkeit. Die andere Wange halte ich nicht hin.

Ich kann vergeben, aber das Verhältnis zu so jemanden ist dann allerhöchstens nur noch ein sachliches und distanziertes. Wiederholungen brauche ich nicht.

Ich rede nicht von den unabsichtlichen Missgeschicken, Fehlern, wir sind Menschen, diese passieren.
Dann steht man dazu, hat das Standing, und Haken darunter. Wiederholung vermeiden
Mobbing, Gewalt, oder auch diese freundlichen weiblichen Kommentare / Hinweise - in Fürsorge getarnt - ist eine andere Liga.

Nein, und ich brauche keine Bitte um Entschuldigung von meinem Vater, vergeben habe ich ihm, weil ich seine eigene Geschichte kenne. Verzeihen, entschuldigen? Will ich nicht, weil ich für mich dann meine Verletzungen nicht anerkennen würde.
Ich habe so meinem Weg, meinen Frieden damit gefunden.
Denn nicht nur er zählt, sondern auch ich, und so habe ich die Balance gefunden.
 
T

Toi et moi

Gast
  • #164
@Raissa, ich gebe dir recht. Wenn es wirklich so war, wie du es beschreibst, hätte ich auch einen Schreck gekriegt. Obwohl es mir, ehrlich gesagt, sehr schwer fällt zu glauben, dass er die Tür aufriss um sich auf dich zu stürzen. Aber ich war auch nicht dabei.
 
  • #165
Ich habe in der letzten Zeit sehr oft über Perspektivenwechsel nachgedacht. Es ist manchmal sehr schwierig die Perspektiven zu ändern, wenn man niemals in einer anderen Situation war. ...
Dafür zwei Beispiele:
....
Ich habe auch ein Beispiel.

Ich habe schon oft vom Vater meiner Tochter erzählt, der sein ganzes Leben im Bett verbracht, nie für Geld gearbeitet und erst von seinen Eltern, dann vom Staat ( Bafög ), dann von mir, dann von seiner Krankenkasse und dann wieder vom Staat ( Sozialhilfe ) bis jetzt gelebt hat.
Niemals etwas im Haushalt gemacht hat oder etwas Sinnvolles im Zusammenhang mit dem Kind.
Von dem ich mich getrennt habe, weil ich das nicht ertrug.
Der danach erst bei seinen Eltern im Bett lag und danach in einer Sozialwohnung, die der Staat bezahlte.
Die Wohnung war verwahrlost, er selbst auch.
Er hat oft tagelang nicht geduscht und nichts gegessen, weil nichts da war.
Er hat das Bett nur verlassen, um aufs Klo zu gehen.

Ich habe ihm immer unterstellt, ein Gammler zu sein, er selbst sagte, er habe Depressionen.

Dann hatte ich selbst mal einen Norovirus und lag 10 Tage lang im Bett. Ich duschte nicht, ich aß nichts, ich verließ das Bett nur, um aufs Klo zu gehen ( das allerdings oft ) und auch ich machte im Bett gar nichts, nicht mal lesen, nur an die Decke sehen und warten und leiden.
Ich wollte mich auch nicht unterhalten und keinen Besuch bekommen.
Da habe ich an ihn gedacht und eine kleine Ahnung davon bekommen, wie es ihm geht, wie er sich fühlt.

...was natürlich kein Grund ist, ihm weiter Obdach zu gewähren, aber es hilft, die unglaubliche Wut ein bisschen zu dämpfen.

Mir hat übrigens noch etwas anderes sehr geholfen, ihm vielleicht doch zu glauben, dass er krank ist: Jemand hat mich mal gefragt, ob ich wirklich denke, dass jemand so ein Leben freiwillig wählt.
Boing ! Das trifft's. Natürlich nicht.
Wenn er immer schön gemampft und im Park rumgesessen hätte oder mit Seinesgleichen geplaudert, hätte man sich vorstellen können, dass er dieses Leben haben möchte, aber so ganz sicher nicht.

Ja, Perspektivwechsel, das ist gut.

Ich will mit dem Mann trotzdem nichts zu tun haben und du mit deinem untreuen Ex-Mann sicher auch nicht, aber das Verstehen bringt uns dem Frieden mit der Situation näher.

w 50
 
T

Toi et moi

Gast
  • #166
@Lionne69, bei einer absichtlichen Schädigung bin vollkommen deiner Meinung. Bei einer absichtlichen Schädigung sind wir aber m. E. in einer anderen Kategorie, es handelt sich dann eben um einen Straftat. Mir geht es um tagtägliche zwischenmenschliche Miteinander. Da entstehen m. E. sehr oft unabsichtlich Kränkungen. Ich denke nicht, dass mein Vater absichtlich mich nicht so liebt wie meinen Bruder. Er liebt mich eben weniger aber genug. Oder Mein Mann absichtlich mir wehtun wollte. Ich glaube es nicht. Ich möchte es einfach nicht glauben. Da hilft einfach den anderen zu verstehen um zu verzeihen, um den Frieden zu finden und um loslassen zu können.
 
  • #167
Liebe @Lionne69

Was Du meinst, versteh ich genau. Ich denke, die scheinbare Aufforderung, es dem Täter nicht krumm zu nehmen, ist anders gemeint, macht aber einen zu schnellen Sprung.
Ich seh das so: Verletzung geschieht, Verletzter leidet. Verletzter bekommt keine Bitte um Verzeihung. Wenn er drüber redet, heißt es "du bist ne Mimose", "stell dich nicht so an". Aber die Verletzung ist DA. Er fühlt sich unverstanden und abgewertet, weil er aufgefordert wird, seine Verletzung als nichtig anzusehen - heißt ja übersetzt: Es macht doch nichts, wenn dich einer verletzt. Dann erfährt er, wie der Verletzende so sein kann und "versteht" zumindest, wieso der so verbal um sich schlägt. Dadurch bekommt der Verletzende selbst eine Verletzung und damit ist er auch "beschädigt". Meine Erfahrung ist, dass ich denjenigen dann auch als genauso machtlos sehe, wie ich mich gefühlt habe nach der Verletzung.
Das macht meine Verletzung nicht ungeschehen und entschuldigt gar nichts, aber es macht, dass ich das besser loslassen kann. Der andere ist wie ein Tier, das ohne Verstand und Empathie um sich beißt, weil es ne Wunde hat, und nicht der perfekte Machtinhaber, der sich Menschen aussucht, die er für so nichtig hält, dass es ihm egal ist, wie er sie verletzt.

Was aber ganz oft passiert ist, dass Menschen, die verletzt wurden, aufgefordert werden, das ganze einfach so abzuhaken, ohne dass sie genügend wütend auf den anderen sein durften und sich sozusagen "sattgewütet" haben. Eine Verletzung mit dem Verstand zu "bearbeiten", gelingt meiner Erfahrung nach erst, wenn man sein eigenes Gefühl vorher mal wertgeschätzt hat, was nach der Verletzung in einem war. Dh. man hat es gerade nicht übergangen, ignoriert oder mit Arroganz auf den Verletzer reagiert (also sich weiter geärgert, aber versucht, den anderen als niedrig anzusehen, so dass er einen nicht mehr verletzen kann). Man war wütend und hat gelitten und man hat es "verarbeitet", also mit Verstand am Ende den Schluss gezogen, dass es beim Verletzer nur um seine eigene Wunde ging. Das nächste Mal, wenn von dem etwas kommt, das mich verletzen soll, kann ich dann abwinken und sagen, seine Dämonen leiten ihn gerade wieder, es hat nichts mit mir zu tun. Und natürlich gebe ich Kontra oder geh weg, wenn er mir zu nah tritt, denn ich bin kein Fußabtreter für die Probleme anderer. Aber ich leide nicht mehr innerlich daran, dass er gerade bei mir meinte, seinen Frust loszuwerden.
 
  • #168
Und ehrlich, mir ist dann die Motivlage egal, ob da ein anderer Mensch seine Minderwertigkeitskomplexe an mir abarbeiten will, seinen Frust, oder irgendwelche früheren negativen Prägungen.
Es hilft vielleicht für das Verständnis, aber der-/ diejenige handelt immer noch eigenverantwortlich.
Und ich habe genauso das Recht mich verletzt zu fühlen, mich adäquat zu wehren, Grenzen zu setzen.
Ich muss es nicht schlucken.
Absolut das ist was auch ich mit meinen Worten ausdrücken wollte.Danke @Lionne69 ,
nein denn ich bin kein Treteimer wo man mit den Füssen drauf steigt und seinen eigenen Müll abläd.
Und wenn andere meinen, dass sie das schlucken sollten bitte. Ich behandle andere nicht so, also erwarte ich das selbige auch. Das hat doch nix mit eingeschnappt zu tun. Ich tue auchdann nicht beleidigt, sondern ich fühle mich eventuell beleidigt und reagiere dann halt auf meine Art und Weise. So einfach ist das.
m47
 

Laleila

Cilia
  • #169
Und ich habe genauso das Recht mich verletzt zu fühlen,

Natürlich hat man das Recht sich verletzt zu fühlen.
Nur, was bringt das? Außer Leid.

Ich spreche nicht davon Verletzungen zu schlucken. Man kann sie auch ablehnen. Sich nicht verletzt fühlen und dennoch seine Grenzen aufzeigen.
Den Verletzenden in seiner Motivlage zu verstehen hilft dabei. Ganz ohne dieses Verständnis dafür einzusetzen sein Verhalten zu entschuldigen.

Ich will mich nicht verletzt fühlen, weil dies kein gutes Gefühl ist, daher betrachte ich böse Worte etc. als Verletzungsangebot und ein Angebot kann ich ablehnen.

Mensche die mich wirklich mögen verletzen mich nicht absichtlich. Falls ihre Worte, Gesten oder Handlungen bei mir dennoch als Verletzungsangebot ankommt, bin ich daran interessiert die Situation aufzuklären. Das geht auch am besten wenn man die verletzten Gefühle ablehnt.

Na und Menschen die mich nicht mögen, können mich gar nicht verletzen, dafür sind sie mir zu gleichgültig.
 
  • #170
Ich will mich nicht verletzt fühlen, weil dies kein gutes Gefühl ist, daher betrachte ich böse Worte etc. als Verletzungsangebot und ein Angebot kann ich ablehnen.
Liebe @Laleila , aber jetzt mal unter uns. Das funktioniert doch nicht einfach so. Was ich "will" juckt mein Empfinden in dem Moment herzlich wenig. Der Wunsch so denken und handeln zu können mag Vieleicht da sein, aber ob sich dieser einfach so umsetzen lässt bezweifle ich stark.
Mensche die mich wirklich mögen verletzen mich nicht absichtlich.
Um die geht es auch gar nicht. denn da gebe ich dir Recht. Diese Menschen haben dieses Bedürfniss zumindest bei mir nicht.
Ich bin da uach etwas empfindlich vielleicht, mag sein. Ich hatte hier glaube ich bereits mal erwähnt das einer meiner besten Freunde schon seit unserer Schulzeit Schwul ist. In der Schule wurde er genau von diesen Menschen städig fertig gemacht. Und fertig machen hieß dort was es aussagt. Ich habe mir das schon damals nicht einfach nur angesehen, sondern mich solange für ihn gekloppt bis auch der letzte es verstanden hatte. Und auch ich habe das ein oder andere mal dafür das ich ihn verteidigte, schwere Prügel bekommen.
Aber da ich damals schon ein dummer Junge war bin ich immer wieder hin und irgendwann haben es auch die verstanden. Weil sich immer mehr unbeteiligte für meinen Freund einsetzten. Das hat mich sehr geprägt, wenn es darum geht irgendwelchen Fratzen zu zeigen das ich nicht bereit bin der Treteimer für ihre eigenen Problem zu sein.
Und ich würde es heute immer wieder genau so tun.
Ich habe in meinem Leben so viele Sprücheklopfer erlebt, welche am Ende die Pure Angst in den Augen stehen hatten. Wie viele ihrer Spielbälle vorher vor ihnen.
m47
 

Laleila

Cilia
  • #171
Liebe @Laleila , aber jetzt mal unter uns. Das funktioniert doch nicht einfach so. Was ich "will" juckt mein Empfinden in dem Moment herzlich wenig.
Es funktioniert nicht "einfach so", das stimmt. Aber es funktioniert mit viel Übung, Reflektion und selbskontrolle.
Es gibt noch immer, seltene Momente, in denen mein Gefühl schneller anspringt als mir lieb ist.
Mitterlweile kann ich, nach dem ersten "Stich" im Bauch, allerdings meinen Verstand sehr schnell entgegen stellen, reagieren, ansprechen, um aus dem schmerzhaften Stich keine Verletzung entstehen zu lassen.

Bei mir funktioniert dies mittlerweile seit Jahren.
 
  • #172
Bestimmt handeln auch nicht alle(...) aus Bösartigkeit, sondern einige aus Angst, selber an deine Position zu kommen. Kein Trost für dich - sondern deine 10 % Chance .
Das ist ebenso völlig klar, wie es klar sein sollte, dass die ehrliche Empörung über bestimmte Leute kein Angriff gegen eine ganze Bevölkerungsgruppe oder gegen eine ganze Branche ist.

Ich möchte nicht, dass jemand seine Existenz riskiert, um Gerechtigkeit walten zu lassen und verlangen würde ich das schon gleich gar nicht.

Aber gut, dass hier mal festgehalten ist, mit welchen Methoden vorgegangen wird und weshalb das Konstrukt so lange aufrecht erhalten bleiben konnte.
 
  • #173
Ich möchte nicht, dass jemand seine Existenz riskiert, um Gerechtigkeit walten zu lassen und verlangen würde ich das schon gleich gar nicht.
Du hast nicht verstanden, was ich dir sagen wollte. Obs an mir oder dir liegt - wahrscheinlich an beiden.
Nein, Gerechtigkeit ist ein abstraktes Ziel, das nie erreicht werden wird. Und auch in meinen Augen nicht erstrebenswert ist.
Nein, wenn du dir klar machst, wo die Sollbruchstelle in der Phalanx der Gegner ist, kannst du genau diese attackieren. Wer Angst hat, hat noch mehr Angst, dass jemand, der es kann dir hilft. Und er selber dann dem Löwen zum Frass vorgeworfen wird. Also pick dir die Ängstlichen raus und mach ihnen noch mehr Angst. Fangen die erst zu Tratschen an, dann ist die Mauer gegen dich am Einstürzen.
Du brauchst keine wie auch immer geartete Entschuldigung, denn die bringt dir nichts.
 
N

Nordlicht444

Gast
  • #174
Aber die Verletzung ist DA. Er fühlt sich unverstanden und abgewertet, weil er aufgefordert wird, seine Verletzung als nichtig anzusehen - heißt ja übersetzt: Es macht doch nichts, wenn dich einer verletzt.

Wenn mir jemand früher erzählt hat, dass ihn jemand verletzt hat, habe ich immer versucht, dem anderen sofort zu erklären, warum derjenige sich so verhalten hat, damit das Opfer Verständnis für den Täter bekommt und ihm so leichter vergeben kann. Genauso habe ich selbst für andere Menschen immer sehr viel Verständnis gehabt (jedoch nicht für mich bzw. meine Verletzungen in mich hineingefressen).

Ich musste lernen, dass jemand, der von einer Verletzung erzählt, auch selbst Verständnis möchte und damit eine Anerkennung seiner Verletzung. Gleichzeitig erkannte ich, dass ich mehr Verständnis für mich selbst und meine Gefühle brauche.
 
  • #175
Ich möchte dich davor warnen, dein durchaus nachvollziehbares Problem mit Begriffen wie "normal" und daraus folgend "falsch" bzw. "richtig" anzugehen
Das war eigentlich der hinterste Hintergrund der Frage - ist um Verzeihung bitten das, was kommen müsste, denn woher sonst sollte der andere wissen, dass es demjenigen wirklich leidtut, er das Problem begriffen hat und es nicht nach Möglichkeit noch mal vorkommt.

Aber es ging eher nicht um einen Partner, auch wenn man es natürlich sofort auf den übertragen könnte. Vielleicht kam im Laufe des Threads der Partner auch noch ins Spiel, der sich bei mir auch nie zu entschuldigen versuchte bei bestimmten Dingen. Ist aber schon lange ein Ex.

Viele Männer neigen dazu, eher Taten als Worte sprechen zu lassen, wenn es um Gefühle geht. Aus ihrer Sicht wären dann die Worte "flach"
Wenn es NUR Worte sind, ist es ja auch flach oder schlimmer noch Blabla. Aber wenn es NUR Taten sind, weiß man nicht, ob klargeworden ist, dass nicht einer einfach nur sauer ist, sondern verletzt. Einfach was Nettes zu tun, ist ja was ganz anderes, als sich damit auseinanderzusetzen, wie das, was passierte, sich auf die Gefühlswelt des anderen auswirkte.
das von dir vermisste "Ich liebe dich" ist in ihren Augen (und Ohren) floskelhaft und abgedroschen.
Von meinem Ex hab ich das zu Hauf gehört. Um den ging es dabei nicht. Die, um die es ging, sind tatsächlich emotional verarmt und eingefroren. Es ist wirkliche Unfähigkeit, die ich verorte bei ihrem eigenen Verhältnis zu ihrer Familie. Es gibt zu viel Nichtgesagtes, so viel Gefälledenken, was einem zusteht und was nicht (z.B. eine Entschuldigung zu einem Kind), so viel Unkenntnis auch von psychologischen Zusammenhängen (was bewirkt, dass man ein Kind auch noch abstraft dafür, dass es was nicht verarbeiten kann), eigenem Verhalten und dessen Wirkung, Unwissen über Traumaverarbeitung, dann auch die alten Erziehungsansichten, wie man Kinder behandeln sollte usw..

Ich danke Dir für den Beitrag, aber er betrifft eher nicht mein Problem, weil es eher allgemein um die Frage ging, ob es auch funktioniert, wenn einer nichts sagt. Ich bin immer noch nicht zu einem 100%igen Ergebnis gekommen.
ABER: Wozu hat man die Sprache, wenn man sie nur benutzt, um zu kritisieren, zu nörgeln, für Vorwürfe, Sticheleien, Reingrätschen, wenn sich einer anscheinend "zu wohl" fühlt? Das ist auch alles Ausdruck der Gefühlswelt des Menschen. Wenn da nie was Positives rauskommt außer vielleicht herablassendes Lob alle Jubeljahre, woher soll der andere ahnen, ob noch was Positives da ist? Ich meine, wer das eine sagt, müsste auch das andere können, wenn Emotionen frei fließen können. Daher mein Schluss, dass diese Menschen eingefroren sind. Warum auch immer, sicher nicht, weil sie das so wollten. Aber sie tragen es unreflektiert weiter und verletzen.
 
  • #176
Anderen kann ich Fehler schnell verzeihen, wenn ich keine mutwillige und böswillige Absicht hinter ihrem Verhalten, oder ihren Aussagen erkenne. Auch nonverbal reicht mir eine nette Geste und dann Schwamm drüber.

Ich bin da auch sehr nachsichtig.

Ich musste aber auch lernen, Grenzen zu setzen und zwischen versehentlichem 'auf die Füsse treten' und böswilligen Absichten zu unterscheiden und ein Gefühl dafür zu bekommen.

Eine menschliche Schwäche, ein gemachter Fehler, ein Ausrutscher etc... halte ich in den meisten Fällen für verzeihlich und bin da auch nicht nachtragend.

Aber ein Mensch, der mich mutwillig und mit bösen und egoistischen Absichten verletzt, der mich instrumentalisiert hat, beleidigt, mich für seine Zwecke ausnutzte, weil ich zu naiv und unerfahren war, dass zu erkennen, braucht sich bei mir auch nicht mehr zu entschuldigen.
Das hat sich dann für mich erledigt und da gibt es auch keine Worte oder Taten mehr, die das noch richten könnten.

Alle Menschen, die mir mit ihrem Verhalten, ihren Intentionen und vor Allem: mit Absicht und aus purer Bosheit im Leben mal Schaden zugefügt haben, sind bei mir so lange ich lebe unten durch!

Was aus all diesen Menschen wird, ist mir heute gleichgültig.

Ich habe mehr als 30 Jahre zu viel toleriert und geglaubt, dass ich für jeden Verständnis haben und nachsichtig sein müsse. Ich war viel zu gutmütig und viel zu nachgiebig, wenn es um charakterliche Defizite bei anderen ging.
Die nehme ich heute nicht mehr hin und ich will auch keine Ausreden, Rechtfertigungen etc... mehr hören.
Es interessiert nicht mehr.

Ich habe auch kein Problem damit, mich zu entschuldigen, wenn ich etwas falsch gemacht habe, oder über das Ziel mal hinausschiesse. Das kann jedem passieren.
 
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