• #31
Hallo FS,

mich habe nicht alle Beiträge hier gelesen, daher könnte dies jetzt doppelt sein...

„butterfly888- Nochmal zur psychologischen Methode: kognitive Verhaltenstherapie und Psychoanalyse können da m.M. nach NICHT helfen. Achtet unbedingt darauf, zu einem körperorientiert arbeitenden Therapeuten zu gehen. Denn mit Veränderung der Denkmuster kommt sie nicht weiter. Hier geht es um ein tief in den Körper eingetretenes Trauma. Kontakt, Resonanz, Empathie, langsame Titration. So ein Therapeut wäre hilfreich. Bei einem Sexualtherapeut müsstet Ihr auch hinterfragen, ob er sich auch mit Entwicklungstraumata auskennt (wenn nicht, dann weiter suchen).“

Dies sehe ich auch so - und es könnte auch die Methode -EFT - Emotional Freedom Technique- sehr gute Dienste leisten, da sie auch körperorientiert ist und der sehr große Vorteil ist, dass sie leicht erlernbar und auch ohne Wiederholung der Geschichte anwendbar ist, daher ist das Retraumatisierungsrisiko sehr gering.

Natürlich ist bei jeder Methode das Einfühlungsvermögen des Therapeuten (m/w) von höchster Wichtigkeit - daher auch die Basis - Erfahrung mit Trauma (am besten hier auch spezialisiert auf Sexualität)

ggf sucht ihr erst einmal zusammen eine Methode, die sie anspricht und könnt dann ja überlegen, wie sie weiter vorgehen möchte.

Ermutige sie weiterhin dabei sich hier Hilfe zu suchen, daran wird sie nicht vorbeikommen, meiner (eigenen) Erfahrung nach...

Vermittle ihr klar, dass sie es selber entscheiden und Nochmal zur psychologischen Methode: kognitive Verhaltenstherapie und Psychoanalyse können da m.M. nach NICHT helfen. Achtet unbedingt darauf, zu einem körperorientiert arbeitenden Therapeuten zu gehen. Denn mit Veränderung der Denkmuster kommt sie nicht weiter. Hier geht es um ein tief in den Körper eingetretenes Trauma. Kontakt, Resonanz, Empathie, langsame Titration. So ein Therapeut wäre hilfreich. Bei einem Sexualtherapeut müsstet Ihr auch hinterfragen, ob er sich auch mit Entwicklungstraumata auskennt (wenn nicht, dann weiter suchen). kann, in welchem Tempo sie vorgeht und wen sie wählt.

Ich würde ihr aber auch klar machen, dass du dir nicht länger ihre Selbstverletzungen mit anschaust. Du hast auch Grenzen. Sie muss ihre ja erst neu finden.

Alles Gute für Euch!

w/48
 
  • #32
So-leider konnte ich eine doppelte Kopie im letzten Abschnitt nicht korrigieren-daher:

vorletzten Abschnitt bitte ignorieren ....

Vermittle ihr klar, dass sie es selber entscheiden und kontrollieren kann, Wen sie wählt und in welchem Tempo sie vorgehen will.
 
  • #33
Lieber FS, deine Freundin scheint sehr verschlossen zu sein, zumindest was Körperliches angeht. Ich frage mich als Frau z.B., wie sie zu ihrem Körper steht und ob sie mit sich wenigstens einigermaßen im Einklang ist. Nicht jeder und jede muss z.B. den Saunagang mögen, ich würde aber mal drauf tippen, deine Freundin würde das nicht mögen. Und dann käme für mich die nächste Frage, nutzt sie öffentliche Bäder oder wäre ihr diese Art der "öffentlich gezeigten Intimität" schon zu viel? Worauf ich hinaus will, ist die Frage, wie selbstbestimmt und frei sie sich trotz der gemachten, schrecklichen Erfahrung in ihrem Leben und im Alltag bewegen kann. Dass sie dir als Freund nicht sagen kann, wann ihr der Sex Schmerzen bereitet wirkt nicht frei und selbstbestimmt. Möglicherweise - und spätestens hier muss ich anmerken, dass ich nur Laiin und keine Psychologin bin - liegem die Probleme also weitaus tiefer und betreffen weitaus mehr Bereiche ihres Lebens, als sich hier möglicherweise zeigt. Damit wäre dann aber auch der Gang zu e. Therapeuten/in (vielleicht wäre für sie weiblich auch angenehmer) der erste Schritt (und nicht schon die Sexualtherapie). Hat sie denn die Vergewaltigungen schon durch eine Therapie aufgearbeitet? Inzwischen gibt es da übrigens deutlich zahlreichere Möglichkeiten als die Tiefenpsychologie (und das Herumkramen in der Vergangenheit der Patienten). Vielleicht entdeckt deine Freundin bei ner Therapie oder auch über den Austausch mit anderen Betroffenen (z.B. Selbsthilfegruppe) ja, dass sie sich ihr Leben - beeinträchtigt durch ihre kindlichen Erfahrungen und daraus abgeleiteter negativen Verhaltensweisen in ihrem Denken und alltäglichen Handeln - unnötig schwer macht bzw. die notwendige Auseinandersetzung mit bestimmten Themen "einfach" vermeidet (nur hat das dann evt. kurzftmristig geringe Kosten, langfristig gesehen aber immense zur Folge, z.B. ein sehr eingeschränktes Sexualleben und eine fehlende Verbindung dazu, was sie selbst will und wie man sich und seinen Körper "pflegt", im nicht-hygienischen Sinne natürlich).
 
  • #34
Danke! Ich bin erschrocken über soviele geistigen Tiefflug einiger Beiträge hier, deren Verfasser wohl nichts anderes zu tun haben, als ihre intolerante Sicht noch provokant zur Schau zu stellen.

Na, Du bist mir aber auch nicht gerade der Überflieger. Schon Deine Frage im Titel ist doch ein totaler Tiefflug. Du kommst hier in ein öffentliches Forum und was bitte erwartest Du?

Ich muss dazu sagen, dass es nur ein Zeichen gibt, dass es mir signalisiert: Sie wird SEHR klammernd, sucht sehr viel Nähe und drückt sich dann äußerst fest an mich. Sie will dann die körperliche Nähe versuchen mit der emotionalen zu verbinden.
Allerdings kommt das sehr selten vor. Dann habe ich die Position, abzubrechen. Aber eben, dies kommt nicht häufig vor.
Es ist also kein Problem, was regelmäßig auftritt bzw. sich nur selten zeigt.


Dann leg doch mal die Karten auf den Tisch, wie lange seit Ihr überhaupt zusammen? Wo sie doch schon etliche andere Beziehungen hatte.

Ich muss dazu sagen, dass es nur ein Zeichen gibt, dass es mir signalisiert: Sie wird SEHR klammernd, sucht sehr viel Nähe und drückt sich dann äußerst fest an mich. Sie will dann die körperliche Nähe versuchen mit der emotionalen zu verbinden.
Allerdings kommt das sehr selten vor. Dann habe ich die Position, abzubrechen. Aber eben, dies kommt nicht häufig vor.
Es ist also kein Problem, was regelmäßig auftritt bzw. sich nur selten zeigt.
Genau, sag doch mal über welchen Zeitraum reden wir hier? Zweimal im Jahr? Oder einmal im Monat oder vielleicht doch jede Woche?

Du redest Dich hier immer wieder um Kopf und Kragen, erzähl mal wirklich wie lange seit Ihr zusammen?

w/36
 
  • #35
Aber letztlich will ich keinen "Methoden-Streit" anzetteln. Die Persönlichkeit ist das Wichtigste. Und jede Therapie kann auch unerwünschte Nebenwirkungen haben.

Ich muss leider widersprechen. Kognitive Verhaltenstherapie alleine ist hochgradig ungeeignet für eine Traumatherapie! Dazu muss man verstehen, was durch ein Trauma im Körper passiert. Denn ein Trauma ist keine rein psychische Erkrankung, die sich im Neokortex abspielt und die sich daher auch nicht über Einüben neuer Denk- und Verhaltensweisen des selbigen heilen lässt!

Sondern ein Trauma hat das Nervensystem tiefgreifend verändert. Daher muss es auch auf dieser Ebene durch eine körperorientierte Therapie, vorrangig mit Fokus auf Entwicklungstrauma, therapiert werden.

Eine reine kognitive Therapie kann ein Trauma sogar verschlimmern! Weil der Klient dann noch größere Schuld-/Schamgefühle entwickelt, in noch mehr Fatalismus driftet, wenn er realisiert, dass der Verhaltenstherapeut ihm trotz langdauernder Therapie NICHT helfen konnte!

Ein empathischer, erfahrener Therapeut ist essentiell. Das Risiko von, wie Du es nennst, Nebenwirkungen kann durch einen ECHTEN Profi in der Traumatherapie reduziert werden. Sanftes Vorgehen. Z.B. Titration.

Am Anfang geht es sowieso v.a. erst mal darum, Vertrauen zwischen Patient und Therapeut aufzubauen. Es wird nach den inneren Ressourcen des Patienten gesucht, die ihn schützen. Erst wenn dahingehend eine Stabilisierung erfolgt ist, beginnt der Therapeut, vorsichtig am Traumamaterial zu arbeiten.

Ein Grund, warum Traumatisierte Bedenken gegenüber einer Therapie haben, ist oft, dass sie bereits mehrere Therapieversuche und lange Odysseen hinter sich haben, die nichts gebracht haben, wo sie auf Unverständnis gestoßen sind, die kontraproduktiv waren (z.B. weil es die falsche Methode war).

Ich schreibe nicht gerne über mich. Aber ich weiß relativ viel über Traumatherapie und welche Fehler ein Betroffener vermeiden sollte.

Wiederholt kann ich dem FS nur raten, nach den Stichworten zu googeln, die ich genannt habe. z.B. Entwicklungstrauma, Titration, NARM. Über diesen Weg kannst Du, lieber FS, den passenden Profi finden. Wobei der persönliche Faktor ganz oben mit auf der Auswahlliste stehen sollte. Rede mit Deiner Freundin darüber, dass sie sich ein bisschen einliest zu diesen Methoden. Vielleicht gewinnt sie in die Beschreibungen dort Vertrauen und öffnet sich für eine Therapie.
 
  • #36
@stopthebreak
Ich würde deiner Freundin Anfängerreitstunden an der Longe empfehlen, um selbstsicherer und aktiver zu werden. Das funktioniert! Und dann soll sie bitte vor dem Sex 1h Ausdauersport an der frischen Luft machen, also Joggen, Radfahren oder Nordic Walking. Anschließend 1h in ein heißes dampfendes Vollbad mit Dr. Jentschura Basenbad. Und sie soll auf eine ausgewogene Ernährung für Sportler mit viel Magnesium achten. Dann wird sich das mit den Schmerzen schnell auflösen.
Und natürlich musst du sie ordentlich erregen und heiß machen, bevor du eindringst und ihr Sex habt. Da hast du den Bogen noch nicht raus. Kreatives Vor-Spiel ist gefragt! Dirty Talking, Spiele, Zärtlichkeiten und was eben funktioniert. Ihr Kopfkino muss angeregt werden. Streng dich an.
Generell muss ich leider sagen, dass Eure Körperchemie nicht so gut passt. Ihr bräuchte beide andere Sexpartner. Es passt nicht im Bett bei Euch.
Wenn du ihr beim Sex ins Gesicht schaust, solltest du sehen, ob sie Schmerzen hat. Hält sie die Luft an, verzieht sie das Gesicht oder stöhnt sie und ist entspannt? Ist sie nicht aktiv, dann dominierst du zu stark und prescht zu gefühllos vor. Ich vermute, du bist recht unerfahren und weißt zu wenig über weibliche Sexualität. Und klar, mit Anfang 20 ist sie noch viel zu jung, um einen Orgasmus nach dem anderen zu haben... Starte bei Null und errege sie erst einmal richtig, bevor du irgendwelche Bettakrobatik einforderst von einer 20-Jährigen. Und ja, ich vermisse bei Euch Liebe und Leidenschaft.
 
  • #37
Danke! Ich bin erschrocken über soviele geistigen Tiefflug einiger Beiträge hier, deren Verfasser wohl nichts anderes zu tun haben, als ihre intolerante Sicht noch provokant zur Schau zu stellen
Na das ist jetzt aber auch nicht nett. Die Foristen, die Dir antworten, mögen nicht Deine Meinung vertreten, machen sich aber dennoch Gedanken. Ansonsten, wenn Dir das hier teilweise geistig zu niedrig ist, würde ich Dir empfehlen- was unisono nahezu alle raten - dass Ihr/sie sich in professionelle Hände begibt.
Wärest Du mein Sohn, würde ich Dir den geistig ganz simplen Rat geben: Andere Mütter haben auch schöne Töchter.
W,55
 
  • #38
@Blume94 Ich sehe das auch so wie @Aries man sollte viel vorsichtiger miteinander sein.
Wenn er Spaß hat heißt das noch lange nicht, dass sie genauso Spaß hat und nach dem was oben geschrieben steht, gefällt es ihr nicht und die kann alleine nichts daran ändern.

Ich achte sehr darauf, dass sie einen aktiven Part inne hat und vor Allem, dass sie selbst kontrollieren kann, was geschieht. Viele Vorstöße kommen von ihr. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie Schmerzen hat. Die Aussage war übrigens pauschal getroffen, dass sie nichts sagen WÜRDE, SOLLTE sie Schmerzen haben.

Ich würde ihr aber auch klar machen, dass du dir nicht länger ihre Selbstverletzungen mit anschaust. Du hast auch Grenzen. Sie muss ihre ja erst neu finden.
Das Problem hierbei beginnt damit, dass sie allein ist, wenn sie das macht. Und ich das danach nicht immer mitbekomme, weil nicht alles sichtbare Spuren hinterlässt und sie nur sehr selten darüber spricht.

deine Freundin scheint sehr verschlossen zu sein, zumindest was Körperliches angeht. Ich frage mich als Frau z.B., wie sie zu ihrem Körper steht und ob sie mit sich wenigstens einigermaßen im Einklang ist
Mit ihrem Körper ist sie soweit okay. Einige Stellen, die sie nicht mag, aber alles in allem ist sie damit im Einklang und hat auch keine Probleme, sich zu zeigen oder sich körperbetont zu kleiden.

Wir sind seit einem halben Jahr zusammen, kennen uns schon deutlich länger und auch sehr vertraut.
 
  • #39
@stopthebreak
Und natürlich musst du sie ordentlich erregen und heiß machen, bevor du eindringst und ihr Sex habt. Da hast du den Bogen noch nicht raus. Kreatives Vor-Spiel ist gefragt! Dirty Talking, Spiele, Zärtlichkeiten und was eben funktioniert. Ihr Kopfkino muss angeregt werden. Streng dich an.
Generell muss ich leider sagen, dass Eure Körperchemie nicht so gut passt. Ihr bräuchte beide andere Sexpartner. Es passt nicht im Bett bei Euch.
Wenn du ihr beim Sex ins Gesicht schaust, solltest du sehen, ob sie Schmerzen hat. Hält sie die Luft an, verzieht sie das Gesicht oder stöhnt sie und ist entspannt? Ist sie nicht aktiv, dann dominierst du zu stark und prescht zu gefühllos vor. Ich vermute, du bist recht unerfahren und weißt zu wenig über weibliche Sexualität. Und klar, mit Anfang 20 ist sie noch viel zu jung, um einen Orgasmus nach dem anderen zu haben... Starte bei Null und errege sie erst einmal richtig, bevor du irgendwelche Bettakrobatik einforderst von einer 20-Jährigen. Und ja, ich vermisse bei Euch Liebe und Leidenschaft.
Liebe und Leidenschaft gibt es bei uns sicherlich genug, würde ich sagen.
Der Sex ist nicht einfach "Klamotten weg und los geht's".
Weder sie noch ich sind unerfahren, das "Vorspiel" ist meist recht ausgedehnt und sehr erregend. Ich kann sicherlich einschätzen, dass es für sie, ebenso beim Sex, ziemlich erregend ist. Ihre Bewegungen, ihre Mimik und Laute kann ich sicher gut einschätzen und interpretieren. Allerdings, und hier ist das Problem verankert, hat sie es gelernt, Dinge zu überspielen. Dh, sollte es zwischendurch nicht besonders gut sein, lässt sie es sich nicht anmerken.
Ich fordere übrigens NICHTS ein. Wir führen, so bin ich bemüht, ein gleichgestelltes Sexleben und ich bin NICHT der, der die Dinge einfordert. Im Gegenteil versuche ich sie eher davon abzubringen, (gerade verzweifelt) Dinge wiederholt zu versuchen.
 
  • #40
Na das ist jetzt aber auch nicht nett. Die Foristen, die Dir antworten, mögen nicht Deine Meinung vertreten, machen sich aber dennoch Gedanken.
W,55
Die Meisten sicher, dafür danke ich auch herzlich. Allerdings gibt es hier wohl vereinzelt Menschen, die nur eine dumme Aussage geben wollen. Beispiel: "Wer sich nicht helfen lassen will hat Pech gehabt", so die Kurzform.
Wärest Du mein Sohn, würde ich Dir den geistig ganz simplen Rat geben: Andere Mütter haben auch schöne Töchter.
W,55

Oder aber, ich versuche mein Möglichstes, meiner Freundin zur Seite zu stehen und ihr Mut zu machen statt deshalb gleich die Flucht in etwas Leichtes zu suchen.

Nochmals zur allgemeinen Aufklärung: Hier geht es nicht darum, dass ich den Sex besser machen will oder Ähnliches.
Mir geht es darum, für sie einen Weg zu finden, dass es für sie angenehmener & entspannt wird, und dass sie auf lange Sicht ein gutes Sexleben für sich selbst führen kann.
Ich fordere von ihr nichts ein, erwarte nichts, sondern achte darauf, dass es ihr gut geht.
Beispielsweise WILL SIE immer wieder versuchen, vor mir (auch wenn ich nur sehr passiv bin oder mich im Raum aufhalte) sich selbst zu befriedigen. Davon will sie sich dann auch nicht abbringen lassen und frustriert sich selbst damit, weil es dann nicht funktioniert. Ich glaube sagen zu können, dass es sehr rücksichtsvoll bin und versuche, jeden Fehler zu vermeiden, der sie in eine Drucksituation bringen kann.

Der Titel ist übrigens etwas fehlerhaft.. Das "Entsteht" sollte weg. Keine Ahnung, wieso das da steht, sollte nicht so sein.
 
  • #41
Hi,

als Betroffene geb ich hier mal meinen Senf dazu: ich habe auch bereits als Kleinkind Übergriffe von Seiten des Vaters erlebt.

Es hat bei mir Jahre! gedauert, bis ich meine Sexualität entdeckt habe. Wie ich zuverlässig zum Orgasmus komme, habe ich erst mit Anfang dreissigern entdeckt.

Allerdings habe ich im Austausch mit anderen Frauen gemerkt, dass auch nicht missbrauchte Frauen in dem Bereich oft sehr große Probleme haben. Und gerade junge Mädchen einfach nicht wissen, was sie wollen oder brauchen in dem Bereich. Oft hat dann nur der Mann den Orgasmus, und sie gibt sich zufrieden. Ich wundere mich heute noch, dass mein erster Freund garkeinen Ehrgeiz hatte, mich zum kommen zu bringen. Er kam und fertig. Und der wollte mich sogar heiraten. Unfassbar!

Heute komme ich blitzschnell. Selbst oder mit Partner. Ich weiss inzwischen einfach wo meine Knöpfe sind.

Der Missbrauch hat allerdings noch andere Folgen, die mich noch beschäftigen: einmal grosse Schwierigkeiten, einem Mann wirklich zu vertrauen. Ich habe auch bis jetzt keine Familie obwohl fast alle Partner mich heiraten wollten. Also sich fallenlassen geht sexuell, aber es gibt im emotionalen Bereich Hürden. Auch SM hat schon eine Rolle gespielt insofern als ich zweimal Partner hatte mit sadistischen Zügen. Da habe ich wohl was aufarbeiten wollen was meinen Vater angeht. Im sexuellen Bereich habe ich da allerdings nie experimentiert u habe das auch nicht vor.

Als Tip für Deine Freundin: rückblickend hat sich meine Sexualität und Zärtlichkeit etc erst entwickelt, als ich den Schmerz über den Verrat des Missbrauchs zugelassen habe. Ich glaube, mit jedem Mal drüber weinen hat sich da ein Türchen geöffnet. Vorher war ich "dicht", wie versteinert und damit natürlich auch nur begrenzt lustbereit :)
Das hat sich gedreht, im Gegenteil. Heute bin ich meiner Sexualität mehr bewusst als viele und kaum ein Ex wollte mich da loslassen. Heute melden sich manchmal noch welche, weil vor allem das körperliche mit mir so schön war. Ich kann da sehr geniessen. Also gib Deine Freundin da nicht auf. Aber es braucht Geduld. Sowas zu heilen dauert Jahrzehnte. Es war die größte Herausforderung meines Lebens. Und das sage ich trotz knapp überlebter Krebskrankheit und der Tatsache, dass ich mit 21 ohne Eltern dastand und mein Medizinstudium alleine finanzieren musste.

Im Vergleich zum Ueberleben der emotionalen Missbrauchsfolgen waren diese Dinge ein Spaziergang!

Ich habe daher hohen Respekt vor jeder Frau, Mann die das erlebt und trotzdem nicht aufgibt und versucht, trotz dieses unendlichen Misstrauens, der Verwirrung und Verletzungen wieder emotional und körperlich zu lieben. Diese Menschen sind echte Helden.

Heute bewundern mich viele wegen meiner Kraft, Klarheit und Stärke.
Aber damit wurde ich nicht geboren.
Hätte ich sie nicht entwickelt, hätte ich nicht überlebt. So einfach ist das.
 
  • #42
Danke für das Feedback, liebe Merretich.

Tut mir zuerst Leid, dass dir so etwas wiederfahren ist!
Zu deinem Beitrag:
Allerdings habe ich im Austausch mit anderen Frauen gemerkt, dass auch nicht missbrauchte Frauen in dem Bereich oft sehr große Probleme haben. Und gerade junge Mädchen einfach nicht wissen, was sie wollen oder brauchen in dem Bereich.
Ja, mir ist es schon sehr klar, dass Frauen auch gern im Generellen damit Probleme haben. Sie sieht das aber anders. Sie hält es für "normal", beim Sex zu kommen und lässt sich von dieser Meinung nicht abbringen. Stattdessen frustriert sie sich selbst damit.

Oft hat dann nur der Mann den Orgasmus, und sie gibt sich zufrieden. Ich wundere mich heute noch, dass mein erster Freund garkeinen Ehrgeiz hatte, mich zum kommen zu bringen. Er kam und fertig.
Das haben wir von Anfang an besprochen. Der Fokus liegt NICHT beim Orgasmus, sondern beim Akt selbst, betont auf Nähe, Emotionalität und ein gutes Gefühl. Ich lasse mich von ihr führen und achte drauf, wenn ihr gerade etwas nicht gefällt. "Normale" Berührungen möchte sie selbst, leitet mich oder legt Hand an. Aber auch hier nicht aufs Kommen fokussiert. Hier lasse ich ihr komplett die Kontrolle.

Als Tip für Deine Freundin: rückblickend hat sich meine Sexualität und Zärtlichkeit etc erst entwickelt, als ich den Schmerz über den Verrat des Missbrauchs zugelassen habe; ... Also gib Deine Freundin da nicht auf. Aber es braucht Geduld. Sowas zu heilen dauert Jahrzehnte.
Ich gebe sie nicht auf und bin bereit, alles zu investieren, was es ihr leichter macht.
Das grundlegende Problem hierbei ist, dass sie wiederholt selbst versucht, Hand anzulegen (wenn ich da bin, sie WILL das so und will sich davon nicht ansatzweise abbringen lassen). Und das will sie immer wieder, bis sie erneut frustriert ist und einen Rückschlag erleidet. Meine Vorschläge, das sexuelle langsamer anzugehen oder etwa ausser Acht zu lassen tut sie ab, sie will darauf nicht verzichten und es versuchen.
Ein großer Faktor ist, dass sie sich zumindest alleine zwar so gut wie immer zum Orgasmus bringt, dies aber gemischte Gefühle mit sich bringt. Jedes Mal, wenn sie einen Orgasmus hat oder aber sich gut beim Sex/ SB fühlt, hat sie immer das Gefühl, dass ihr Großvater "einen Sieg" davon trägt, sie auf ganzer Linie versagt und verliert. Sie sieht sich nicht als Opfer, sondern als Schuldige in dieser Lage.
Es ist kompliziert. Sie erzählt wenig am Stück, Nachfragen akzeptiert sie, aber antwortet nicht immer drauf (was okay ist!). Therapien kommen für sie weitere nicht in Frage, da sie die Hoffnung aufgegeben hat. Gleichzeitig setzt sie sich selbst unter Druck, da es "doch klappen muss". Und zwar recht schnell, sie will keinen langen Weg gehen bzw kann sich dem nicht stellen..
 
  • #43
Ich würde deiner Freundin Anfängerreitstunden an der Longe empfehlen, um selbstsicherer und aktiver zu werden.

Eine tolle Idee. Ich kann ergänzend empfehlen, gemeinsam das Wort "Sex" zu tanzen und Mate-Tee-Aufgüsse und gut riechende Räucherkerzen zu kaufen.

Ich kann nur sprachlos den Kopf schütteln angesichts der hier mehrfach geäußerten Küchentischpsychologie. Mir erscheint das ein Fall für Fachleute und die wenigen, die sich damit auszukennen scheinen, sehen das ja auch irgendwie als Therapiefall.

...sie will keinen langen Weg gehen bzw kann sich dem nicht stellen..

Ich bin überzeugt, es gibt hier keine Abkürzung, so traurig und schlimm das ist. Und sorry, ich finde toll, dass Du sie unterstützt. Das würde nicht jeder Partner tun. Aber auch Du könntest Dich damit überfordern...
 
  • #44
Danke für das Feedback, liebe Merretich.

Tut mir zuerst Leid, dass dir so etwas wiederfahren ist!
Zu deinem Beitrag:

Ja, mir ist es schon sehr klar, dass Frauen auch gern im Generellen damit Probleme haben. Sie sieht das aber anders. Sie hält es für "normal", beDas grundlegende Problem hierbei ist, dass sie wie will keinen langen Weg gehen bzw kann sich dem nicht stellen..

Dass sich Betroffene schuldig fühlen ist die Regel. Genau das führt ja oft dazu, dass diese Menschen sich chronisch selbst " bestrafen" durch alles mögliche (80% der Prostituierten wurden als Kind missbraucht) und oft auch privat und beruflich von einer missbräuchlichen Situation in die nächste taumeln. Weil ihr Gefühl für ihre Grenzen und die Fähigkeit, diese zu verteidigen, futsch sind.

Selbsthilfegruppen sind übrigens gut. Einfach weil die anderen genau wissen, wovon man spricht. Die Normalbevölkerung duckt sich bei dem Thema ja gerne weg bzw reagiert falsch weil es ein Tabu ist und nur wenige wissen, um was es hier geht.
Auch erfahrene Therapeuten sind mit dem Thema oft überfordert.
Da muss man tatsächlich aufpassen. Das kann es auch verschlimmern.

Was mir sehr geholfen hat ist Bewegung: Sport, Yoga, Tanzen, Schwimmen, Wandern, Radfahren, Inlinen.. Ich hab da nix ausgelassen. Auch Sauna. All das führt auf "nicht bedrohliche" Art zu koerperlichem Genuss. Das ist Gold wert! Und hilfreicher als jede Gesprächstherapie.

Was dich angeht, so musst Du nicht viel "machen". Schon garnicht versuchen, sie überreden, " hinzusehen". Betroffene spueren sehr genau, dass das eine Bombe ist, die vorsichtig! und ohne neuerliche Gewalt entschärft werden muss. Man braucht ja noch Energie für Arbeit, Beziehung, etc. Und wenn man so ein Thema ausgraebt, kann es einem den Boden komplett wegziehen.

Ihr macht das ja bereits sehr gut: sie hat Dir davon erzählt. Offensichtlich vertraut sie Dir. Du gehst auf sie ein. Es ist bestimmt gut, wenn Du Dich versicherst, fragst, was sie will statt einfach zu "machen".
Du brauchst halt Geduld, Vertrauen und Rücksichtnahme. Damit ermöglichst Du ihr, neue! gesunde sexuelle Erfahrungen zu machen, die das alte allmählich " überschreiben". Das bewirkt mehr Heilung als immer im alten Dreck zu stochern.
Vielleicht hilfst Du ihr auch, wenn Du das Ganze nicht zu ernst nimmst bzw dramatisierst. Das musst Du ja nicht sagen. Aber wenn Du bei dem Thema gelassen, zuversichtlich, loyal und geduldig bist, wird das abfärben auf sie.
Und ist besser, als wenn Du versuchst, "therapeutisch" zu werden oder "zu investieren". Nur sie! kann das lösen. Aber Du kannst sie begleiten.

Alles Gute Euch vom Meerrettich
 
  • #45
Es wurde ja schon mehrfach darauf hingewiesen, dass Deine Freundin ziemlich sicher unter einer posttraumatischen Störung aufgrund des Missbrauchs in der Kindheit leidet. Ich kann mir gut vorstellen, dass es bei ihr eine Kombination aus Schocktrauma und Entwicklungstrauma ist und diese wirken sich nicht nur auf das Sexualleben aus sondern führen oft auch noch zu negativen Auswirkungen in anderen Lebensbereichen. Wenn Deine Freundin schon schlechte Erfahrungen mit Therapien gemacht hat (z.B. weil durch das Erzählen des Erlebten Flashbacks ausgelöst wurden) oder einfach Angst vor einer Therapie hat, dann versucht doch niederschwelliger einzusteigen, um bei ihr die Bereitschaft für eine Therapie zu schaffen, denn ich denke am Ende wird sie dieses Trauma nicht ohne eine Traumatherapie integrieren und damit bewältigen können. Ich habe zwei Vorschläge für den niederschwelligen Einstieg:
Erstens empfehle ich Euch das Buch "The body keeps the score - Mind, Brain an Body in the Transformation of Trauma" von Bessel van der Kolk, einem führenden Neuropsychologen, der erklärt wie es zum Trauma kommt und welche Behandlungsmethoden es gibt. Da kann Deine Freundin erst mal in der neutralen Beobachterposition bleiben und lernt trotzdem viel für sie wichtiges. Es gibt das Buch auch in deutscher Übersetzung "Verkörperter Schrecken: Traumaspuren in Gehirn, Geist und Körper und wie man sie heilen kann", es ist aber teurer (36 Euro statt 14 Euro), aber manche Stadtbibliotheken haben das Buch auch zum Ausleihen.
Zweitens möchte ich Euch die Blogs von zwei Traumatherapeutinnen ans Herz legen die regelmäßig kostenlose Podcasts zu verschiedenen Aspekten von Trauma bereit stellen. Beide vermeiden in den Podcasts Trigger, also Aussagen die bei Zuhörern Flashbacks auslösen können, und beide arbeiten körperorientiert, da solche Trauma im Nervensystem und in bestimmten Hirnarealen gespeichert sind und durch eine reine Gesprächstherapie nicht aufgelöst werden können. Es handelt sich hier bei nicht um Pseudowissenschaft oder ähnliches, die neurobiologischen Veränderungen können heute mittels MRT und anderer Verfahren sichtbar gemacht werden. Ich lese die Blogs beider Therapeutinnen regelmäßig und ich empfehle sie hier beide, weil sie von ihrer Persönlichkeit sehr unterschiedlich sind. Es handelt sich um Dami Charf, die in diesem Podcast die Grundlagen von Trauma erklärt (http://traumaheilung.de/entwicklungstrauma/), und um Verena König, die in diesem Podcast beschriebt was ein Trauma ausmacht und was das Nervensystem damit zu tun hat (https://www.verenakoenig.de/blog-und-podcast/105-blogeintrag-52). Die nachfolgenden Podcasts #50 und #51 führen diesen Podcast inhaltlich fort.
Ich nenne diese beiden Therapeutinnen, weil ich ihre Blogs schon eine Weile verfolge und für seriös halte, aber es gibt sicherlich auch noch andere gute Seiten zum Thema. Ich hoffe die Nennung der Links verstößt hier nicht gegen die Forumsregeln und sie werden gepostet.
 
  • #46
dann versucht doch niederschwelliger einzusteigen, um bei ihr die Bereitschaft für eine Therapie zu schaffen, denn ich denke am Ende wird sie dieses Trauma nicht ohne eine Traumatherapie integrieren und damit bewältigen können. Ic

Das ist ein guter Vorschlag, und ich bin voll dabei, dass es bei Traumata (unabhängig welcher Art) ohne Therapie nicht funktionieren wird. Besonders wenn es um Entwicklungstraunata geht. Irgendwann holt es einen ein, und dann noch in ganz anderen Dimensionen.

Danke Batmann für die Links, und den Buchtipp - von diesem Autor habe ich auch ein sehr umfangreiches Fachbuch.
Das - und wenn paar weitere Fachbücher haben mir geholfen, zu verstehen, und mit dem Verstehen ging es dann weiter.
Wichtig war für mich, die Erkenntnis, man ist nicht alleine, und die Reaktionen, die man hat - z.B. Dissoziationen - sind etwas reales, ein benennbares Symptom.

Selbsthilfegruppen wären auch eine Option, oder sich mal bei einem Traumahilfezentrum informieren...

Nur eines muss man sich bewusst machen, es dauert Jahre - und es bleiben Sensibilitäten. Also braucht es Geduld, und man muss lernen, mit sich selbst achtsam und fürsorglich umzugehen.

W,50
 
  • #47
Und einfach fallen lassen?
Das ist ein schlechter Tip.
Die Frau kann froh sein an einen solchen jungen Mann geraten zu sein und nicht eines der vielen Arschlöcher erwischt zu haben, die ihre Schwäche für sich ausnutzen und sich mit ihr ein neues Haustier halten würden.
Sie vertraut ihm und das scheinbar zu Recht. Ihm liegt viel an der Frau und möchte ihr gerne helfen.
Natürlich soll er nicht versuchen sie zu Therapieren, aber er soll ihr vetrauen zu ihm nutzen, sie in die Richtung Therapie zu bewegen.
Ihr das Gefühl geben, dass er es mit ihr zusammen macht, sie unterstützt und mitgeht, weil sie ihm viel bedeutet.
ER kann sie nicht Theraopieren, dass weiß er, aber er kann das Rädchen sein, was dem Zug hilft, in die richtige Richtung zu rollen.

m49
 
  • #48
Danke für die weiterhin nutzvollen Beiträge!

Ich bin überzeugt, es gibt hier keine Abkürzung, so traurig und schlimm das ist. Und sorry, ich finde toll, dass Du sie unterstützt. Das würde nicht jeder Partner tun. Aber auch Du könntest Dich damit überfordern...
Das weiß ich, aber ich versuche stark, die Balance zu halten. Das ist nun auch nicht allgegenwärtiges Thema, sondern zeigt sich eben immer wieder auf. Wir fokussieren beide das Thema bewusst nicht und ich lasse ihr die Initiative, wenn es sich drum drehen soll. Ich möchte das nicht ansprechen sondern ihr die freie Entscheidung ausschließlich überlassen.

Danke BatmanB für die Links, werde ich reinschauen!

Das ist ein guter Vorschlag, und ich bin voll dabei, dass es bei Traumata (unabhängig welcher Art) ohne Therapie nicht funktionieren wird. Besonders wenn es um Entwicklungstraunata geht. Irgendwann holt es einen ein, und dann noch in ganz anderen Dimensionen.

Selbsthilfegruppen wären auch eine Option, oder sich mal bei einem Traumahilfezentrum informieren...

Nur eines muss man sich bewusst machen, es dauert Jahre - und es bleiben Sensibilitäten. Also braucht es Geduld, und man muss lernen, mit sich selbst achtsam und fürsorglich umzugehen.
W,50

Selbsthilfegruppen schließt sie aus, ebenso wie Therapien..
Es dauert lange, dem bin ich mir bewusst.

Und
Natürlich soll er nicht versuchen sie zu Therapieren, aber er soll ihr vetrauen zu ihm nutzen, sie in die Richtung Therapie zu bewegen.
Ihr das Gefühl geben, dass er es mit ihr zusammen macht, sie unterstützt und mitgeht, weil sie ihm viel bedeutet.
ER kann sie nicht Theraopieren, dass weiß er, aber er kann das Rädchen sein, was dem Zug hilft, in die richtige Richtung zu rollen.
m49

Genau DAS ist das Ziel: Ihr zu helfen, in die richtige Richtung zu gehen.
Dass ich sie weder selbst therapieren noch zur Therapie schicken kann, sollte wohl jedem klar sein. Es geht aber für mich eher drum, ihr zur Seite zu stehen und ihr die nötige Basis zu geben, dass sie sich soweit sicher fühlt, eine eventuelle Therapie machen zu können mit dem Wissen, dass sie jemand begleitet und unterstützt.
 
  • #49
Wir fokussieren beide das Thema bewusst nicht und ich lasse ihr die Initiative, wenn es sich drum drehen soll. Ich möchte das nicht ansprechen sondern ihr die freie Entscheidung ausschließlich überlassen.

Ich bin da ehrlich zwiegespalten. Es geht hier auch um Dein Leben. Natürlich ist es völlig richtig, sie nicht unter Druck zu setzen. Auf der anderen Seite wirst auch Du Dein Leben mit einer Menge Probleme verbringen, wenn sie das Thema nicht ernsthaft angeht. Du kannst natürlich die freie Entscheidung ihr überlassen. Damit überlässt Du ihr aber auch die freie Entscheidung, wie Dein Leben verläuft. Das würde ich nur tun, wenn Du sicher bist, dass das für Dich bedeutungslos ist.

Und um noch eine ehrliche Bemerkung draufzusetzen: ich denke, dass Beziehungen mit Frauen, die so schwerwiegende Probleme haben, problematisch sind. Man sollte sich als junger Mensch schon genau überlegen, ob man sich das antun will, gerade, wenn man irgendwann vielleicht auch Familie plant. Du bist jung, Du hast das ganze Leben vor Dir. Es ist Deine freie Entscheidung, ob Du sie mitschleppen kannst und möchtest. Und diese Entscheidung solltest Du frei von gefühlten Verpflichtungen oder Mitleid treffen. Es ist ohne Zweifel sehr beachtenswert von Dir, wenn Du es tust. Aber Du hast eben auch eine Verpflichtung für Dein eigenes Leben und es davor zu schützen, Dich zu überheben.
 
  • #50
Oder aber, ich versuche mein Möglichstes, meiner Freundin zur Seite zu stehen und ihr Mut zu machen statt deshalb gleich die Flucht in etwas Leichtes zu suchen.

Wie sieht denn allgemein eure Beziehung aus? Ist sie größtenteils locker und leicht oder dominiert dieses Thema euren Beziehungsalltag? Wenn ja, weshalb gehst du in dieser kümmernden Rolle auf? Magst du vielleicht unbewußt diese Schieflage?

Wenn sie von sich selbst aus keine Therapie machen will, dann solltest du auch dein Rumdoktern runterfahren und dieses Thema nicht fortwährend aufs Tapet bringen. Dann sei einfach der "Berg" neben ihr, der da ist. Vielleicht braucht sie auch noch mehr Zeit und Vertrauen?

Aber wenn ich ehrlich bin, finde ich das mit dem Selbstverletzen nicht akzeptabel. Entweder macht der Partner dann eine Therapie, wo das aufgearbeitet wird, oder ich würde mich verabschieden. Das ist ja unerträglich. Der Partner verletzt sich, will nichts daran ändern und man selbst schaut zu.
 
  • #51
Die Beschäftigung mit Büchern über diese Themen finde ich auch empfehlenswert. Vielleicht empfindet sie Erwartungsdruck vom Therapeuten, einfach schon, weil sie dorthin geht und weiß, er soll/will ihr helfen und es hat schon mal nicht geklappt, also kam sowas wie ein Beweis, dass ihr nicht zu helfen sei.
Einen richtigen Therapeuten zu finden, also nicht nur von der Fachrichtung, sondern auch einen fähigen, dann rausfinden, wie man sich mit ihm fühlt und ihm vertrauen und das Bedürfnis zu haben, über das zu reden, was passiert ist, muss ja alles zusammenkommen, damit es für sie funktionieren kann.

Vielleicht ist das genau das Richtige: Bücher und andere Angebote, die es "sowieso" gibt, also wo sie nichts dazu tun muss, als sich allein damit zu befassen, wo sie nicht bewertet wird oder genau zu der verabredeten Zeit darüber reden sollte, sonst vergeht erst wieder Zeit. Sie kann es konsumieren und drüber nachdenken, niemand erwartet ihre Antwort.

Ich fänd ein Drängen zu einer Therapie und die Aussage, es ginge NUR damit, auch falsch. Das wird sie schon selbst so sehen, wenn sie so weit ist und es braucht. Vielleicht bewirkt jede Erwähnung dieser Sache nur noch mehr Abwehr wg. Erfolgsdruck.

Wie ist das für Dich, wenn sie sich vor Dir befriedigen will? Musst nicht drauf antworten, aber ich frage mich, ob sie das nur macht, weil sie denkt, das sei toll für einen Mann. Also sie will Dir irgendwie Sexualität "geben". Hättest Du überhaupt eine Entscheidungsmöglichkeit, auch mal "nein danke" zu sagen? Wirst Du vielleicht von ihr in die Rolle des ehemaligen Missbrauchers gesteckt?

Es geht aber für mich eher drum, ihr zur Seite zu stehen und ihr die nötige Basis zu geben, dass sie sich soweit sicher fühlt, eine eventuelle Therapie machen zu können mit dem Wissen, dass sie jemand begleitet und unterstützt.
Lass das lieber mit diesem Fokus auf die Therapie. Sie hat dazu (erstmal) "nein" gesagt.

Jedes Mal, wenn sie einen Orgasmus hat oder aber sich gut beim Sex/ SB fühlt, hat sie immer das Gefühl, dass ihr Großvater "einen Sieg" davon trägt, sie auf ganzer Linie versagt und verliert. Sie sieht sich nicht als Opfer, sondern als Schuldige in dieser Lage.
Weil er sich drüber gefreut hat, wenn sie vor ihm einen Orgasmus bekommen hat, oder wie versteht man das?

Was allgemeines:
Sich schuldig fühlen kann auch bedeuten, sich vom Leben, Gott, Schicksal mit etwas bestraft zu fühlen, was anderen nicht passiert ist. Kinder geben immer sich die Schuld, wenn ihnen von denen, die sie schützen sollen, was Schlechtes angetan wird. Denn wären sie nicht schlecht, wäre der Mensch ja gut zu ihnen.
 
  • #52
Du bist jung, Du hast das ganze Leben vor Dir. Es ist Deine freie Entscheidung, ob Du sie mitschleppen kannst und möchtest.
Ich bin da ganz bei @Lebens_Lust und sehe Deinen Beistand etwas kritischer.
Wenn ja, weshalb gehst du in dieser kümmernden Rolle auf? Magst du vielleicht unbewußt diese Schieflage?
Das habe ich mich auch gefragt.
Vielleicht kann ich ein wenig hierzu ausholen. Meine Mutter hat als Kind die Bombardierung Dresdens erlebt oder besser überlebt, ihre 2 Jahre ältere Schwester ist dabei umgekommen, ihre Mutter ( meine Oma) wurde später von russischen Soldaten vergewaltigt und meine Mutter war als Kind dabei. Meine Mutter war ein zutiefst traumatisiertes Kriegskind bis zu ihrem Tod- wie soviele. Therapien gab es damals nicht. Mein Vater hat den Krieg - soweit überhaupt möglich- relativ unbeschadet überstanden. Seine Familie lebte auf dem Land, Bombardierungen waren weit weg und an die US Soldaten erinnerte er sich nur, dass sie ihn mit Schokolade beschenkt haben. Meine Eltern waren bis zum Tod meiner Mutter 50 Jahre verheiratet - ich glaube auch glücklich. Aber trotzdem gab es da etwas was uns allen das Leben schwer machte - meine Kindheit und auch die Partnerschaft meiner Eltern. Die Zusammenhänge habe ich erst viel später verstanden. Aber bei meiner Mutter fehlte die Leichtigkeit des Seins, da gab es nie Freude über Sonnenschein oder Vogelgezwitscher. Da gab es eigentlich fast nie Freude über irgendetwas. Mein Vater ist ja seit dem Tod meiner Mutter wieder neu verbandelt. Und bei dieser Frau glaube ich, erfährt er die Leichtigkeit des Seins - erstmalig.
Ich weiß nicht, ob man Kriegserfahrungen und sexuellen Missbrauch miteinander vergleichen kann. Aber ich glaube schon. Weder meine Mutter noch Deine Freundin können was für ihre schrecklichen Erfahrungen. Was ich damit sagen will - es ist ein hartes Los, auch oder gerade für denjenigen, der mit dem Traumatisierten lebt. Ne, also für mich persönlich nein. Aber das ist ja nicht die Frage.
W,55
 
  • #53
Ich bin da ganz bei @Lebens_Lust und sehe Deinen Beistand etwas kritischer.

Das habe ich mich auch gefragt.
Vielleicht kann ich ein wenig hierzu ausholen. Meine Mutter hat als Kind die Bombardierung Dresdens erlebt oder besser überlebt, ihre 2 Jahre ältere Schwester ist dabei umgekommen, ihre Mutter ( meine Oma) wurde später von russischen Soldaten vergewaltigt und meine Mutter war als Kind dabei. Meine Mutter war ein zutiefst traumatisiertes Kriegskind bis zu ihrem Tod- wie soviele. Therapien gab es damals nicht. Mein Vater hat den Krieg - soweit überhaupt möglich- relativ unbeschadet überstanden. Seine Familie lebte auf dem Land, Bombardierungen waren weit weg und an die US Soldaten erinnerte er sich nur, dass sie ihn mit Schokolade beschenkt haben. Meine Eltern waren bis zum Tod meiner Mutter 50 Jahre verheiratet - ich glaube auch glücklich. Aber trotzdem gab es da etwas was uns allen das Leben schwer machte - meine Kindheit und auch die Partnerschaft meiner Eltern. Die Zusbe ich, erfährin. Aber das ist ja nicht die Frage.
W,55

...diesen Post möchte ich noch ergänzen: mir wird oft gesagt, wie erstaunlich heiter, lebensfroh und glücklich ich bin. Mehrfach wurde mir gesagt, dass man mich darum beneidet. Natürlich vornehmlich von Leuten, die keine Ahnung von meiner Vergangenheit haben.

Das liegt schlicht daran, dass ich soviel Dreck hatte, dass ich wesentlich bewusster lebe als die meisten. Mit viel Sport, Natur, Sonne etc. Drecksschleudern wie Fernseher oder negative Menschen kommen mir nicht ins Haus.

Auch DAS kann die Folge von Traumatisierung sein.
Allerdings sagst Du selbst, Deine Mutter hat es verdrängt. Wenn ich mich aber auf den tiefsten Schmerz einlasse, den es gibt, empfinde ich auch Glück, Freude und Lust viel tiefer. Vorher sind traumatisierte Menschen versteinert. Man kann ja nicht nur die schlechteren Gefuehle abspalten. Trauma führt zur Abspaltung aller;! Gefühle.
Bis man es auflöst.
Und das dauert Jahre und ist knallharte Arbeit in kleinen Schritten, die einem keiner bezahlt.
Einzig mit dem Ziel, wieder fühlen zu dürfen, so wie alle anderen auch.

Es ist also nicht die Frage, ob jemand traumatisiert ist.
Es ist die Frage, wie er und auch die Gesellschaft damit umgeht.
Es gibt in der Psychologie sogar den Begriff des "posttraumatischen Wachstums". Wie nach schwerer Krankheit, das Immunsystem besser funktioniert als bei jenen die nie krank waren.
So empfinde ich es bei mir.
Ich empfinde mich..trotz allem..als Glückskind. Und ich weiss, dass ich für die Menschen in meiner Umgebung und meine Patienten eine Bereicherung bin. Weil ich eine Tiefe habe entwickeln müssen, nach der viele suchen :)
 
  • #54
@Silly

Nachtrag zu Deiner Geschichte: dass es bis heute keine Gedenkstätte, Feiertag, Kranzniederlegung oder klare verurteilende Worte zB von Bundespräsidenten zur Durchvergewaltigung grosser Teile der weiblichen Bevölkerung im Krieg gibt, zeigt ganz deutlich, wo wie als Gesellschaft auch heute! noch stehen bzgl des Themas.
Wenn ich überlege, wieviel wir im Geschichtsunterricht zu KZs gelesen, diskutiert und Filme geschaut haben.. zu Recht...und im Vergleich war die sexuelle Gewalt und das systematische "brechen" der Frauen.. auch durch deutsche im Ausland.. keinen Satz wert?!
Es ist null aufgearbeitet.
Ich habe auch entsprechende Erlebnisse mit alten Frauen im Studium gehabt: während die Kriegsheimkehrer bemitleidet wurden, es bis heute Feiertage fuer Gefallene Soldaten, Kränze, Kniefaelle etc gibt...
All das gibt und gab es bis heute nie fuer die Frauen, denen man das kostbarste was sie haben, ihre Seele, ihre Empfindsamkeit und ihre Sexualität geraubt hat, nie. Es war und ist kein Thema.
Und an Deiner Geschichte sieht man, dass es natürlich auch etwas mit den Folgegenerationen gemacht hat.
Und zwar massiv.
 
  • #55
Und an Deiner Geschichte sieht man, dass es natürlich auch etwas mit den Folgegenerationen gemacht hat.
Und zwar massiv.
Ja leider. Ich habe die Bücher über die vergessene Generation, die Kinder der Kriegskinder und die Kriegsenkelkinder verschlungen wie ein Junkie, der jahrelang auf Entzug war. Die ganze Dramatik Flucht, Vertreibung und einhergehende Vergewaltigungen wurde meines Wissens erst wirklich publik mit Günter Grass' Novelle Im Krebsgang über den Untergang der Gustloff. Auch bei mir in der Familie wurde über die Bombardierung Dresdens gesprochen, aber nie über die Vergewaltigungen. Davon habe ich erst Ende der 90iger Jahre erfahren. Ich rede leider auch nie darüber. Meine 15 jährige Tochter hat sich schon sehr früh für den zweiten Weltkrieg interessiert (m.E. zu früh). Von den Bombardierungem hat sie schon in früher Kindheit von ihrer Oma erfahren, von ihrem Opa väterlicherseits sehr früh über seine für ihn traumatische Vertreibung. Hier wurde auch die Mutter meines Ex Mannes als ganz junges Mädchen vergewaltigt. Von den Vergewaltigungen weder mütterlicher noch väterlicherseits weiss meine Tochter nichts. Aber ich habe mich auch schon gefragt in welcher Generation der Spuk ein Ende hat. Vielleicht nehme ich diesen thread zum Anlass...
Ansonsten liebe @Merretich fand ich schon Deinen ersten post zu diesem thread ganz toll. Ich hatte schon früher gelesen, dass Du als Kind missbraucht wurdest. Und bei Deinen posts habe ich oft gedacht, dass man es vielleicht doch schaffen kann sich von einem Trauma zu lösen oder es zumindest anzunehmen. Meiner Mutter war dies leider nie vergönnt. Wie gesagt, ich rede da nie drüber, aber es war mir ein Bedürfnis meinen Satz "Andere Mütter haben auch schöne Töchter" näher zu erläutern. Und so einfach ist es natürlich nicht. Dem FS und seiner Freundin wünsche ich dahingehend nur das Beste.
W,55
 
  • #56
Das Problem deiner Partnerin gleicht meinem und ich denke, dass du dir über folgendes nicht im Klaren bist: Die Art der Selbstbefriedigung, die deine Partnerin nutzt(sich Schmerzen zufügen, nicht aufhören können, usw.) kann sogar körperlich schädlich sein, vor allem, wenn dabei gelegentlich Blut fließt. Da du leider nicht sehr konkret bist, kann ich das Ausmaß nicht einschätzen. Es wäre in diesem Zusammenhang wichtig therapeutisch abzuklären, ob bei ihr Borderline vorliegt, da viele Missbrauchsopfer sich bei der Selbstbefriedigung Schmerzen zufügen und dies häufig erst infolge starker Infektionen zur Sprache kommt, was durch eine entsprechende Behandlung definitiv vermeidbar wäre. Die Tatsache, dass sie primär bei der Selbstbefriedigung einen Orgasmus hat, eben, wenn du nicht direkt daran beteiligt bist, ist eine normale Verhaltensweise nach sexuellem Missbrauch. Sie hat Angst sich fallen zu lassen. Während sie zum Höhepunkt kommt, hat sie das Gefühl absolut ausgeliefert zu sein. Der Moment ist, wie die meisten von uns bestätigen würden, ein sehr überwältigender. Eben ein nicht kontrollierbarer. Man kann leider nicht ausschließen, dass sie den Orgasmus vielleicht sogar unterdrückt.

Ich möchte dir nicht zu nahe treten oder dich enttäuschen, aber ohne eine Sexualtherapeutin wird es schwierig diese Thematik selbst anzugehen. Es kann durchaus sein, dass sie durch den Missbrauch, der wohl körperlich sehr schmerzhaft gewesen sein wird, folglich auf den Schmerz beim Geschlechtsverkehr angewiesen ist und das auch zukünftig bleiben wird. Denn der Missbrauch war ihre erste und prägendste Sexualerfahrung. Eine Sexualtherapeutin würde sicherlich auch ihre Neigung infrage stellen. Wenn sie unter der devoten Rolle, die sie unbewusst oder auch bewusst einnimmt, leidet, muss definitiv etwas geändert werden. Sollte sie jedoch die Rolle annehmen, ohne darunter zu leiden, wirst du dies als ihre Neigung akzeptieren müssen.

Falls die Möglichkeit besteht, dass sie sich während des Sex nonverbal äußert, da es eben verbal nicht möglich ist, aufgrund der Überzeugung, dass man nichts untersagen darf oder aus Scham, sollte die Möglichkeit genutzt werden, dass sie dich z.B. kneift und du durch dieses Zeichen ein Stopp vermittelt bekommst. Das kann ihr mehr Sicherheit geben.

Die Tatsache, dass ihr überhaupt Sex habt und diesen meistens genießen könnt, ist aber mehr als positiv zu bewerten(mit Hinblick auf ihr Trauma) , auch, wenn viele dies nicht zu schätzen wissen. Während depressiver Phasen, die nach Missbrauch nicht selten sind, solltet ihr den Sex durch Kuscheln ersetzen.

Ich wünsche euch viel Erfolg für die Zukunft :)
 
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