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  • #31
Es ist schwierig. Dass er sein Problem zugibt, ist ein ganz gutes Zeichen. Einsicht ist schließlich der erste Weg zur Besserung. Aber da raus zu kommen ist eine andere Sache. Wie schon gesagt wurde, Alkoholismus ist eine Sucht, ein krankhaftes Verlangen nach Alkohol. Ich persönlich denke, dass da nur ein Profi helfen kann. Lass Dich nicht drauf ein, bitte ihn, sich Hilfe zu besorgen. Wenn er das tut und Du siehst, dass er das durchzieht und ernst meint und Du gerne an seiner Seite sein willst, dann kannst Du Dich immernoch auf ihn einlassen.
 
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  • #32
Baärbel beschreibt sehr treffend ein möglisches Problemszenario in einer länger andauernden Beziehung mit einem Alkoholiker: "Er säuft, weil es Probleme gibt und du bist doppelt Schuld: weil du ihn nicht vom Trinken abhalten kannst und weil du ihm Probleme bereitest."
Ganz genauso läuft es!! Ich hatte diese Erfahrung. Nie mehr wieder!
Willst du so etwas, liebe FS? Ich kann es mir nicht vorstellen. Beende die Beziehung, eh es für dich zu spät ist.
 
  • #33
Er hat eine Sucht, die nur er aktiv bekämpfen kann. Eine Beziehung mag da als stabilisierendes Element durchaus hilfreich sein, aber wenn er eine Beziehung im Grunde schon zur Voraussetzung für eine eigene aktive Auseinandersetzung mit seiner Sucht macht, dann läuft etwas grundlegend falsch. Es scheint fast so, also wolle er Dich quasi als Parnterin engagieren um seinen Kampf gegen seine Sucht zu führen.
Und das kann nicht funktionieren, er selbst muss kämpfen, er selbst muss, ggf. mit professioneller Hilfe, lernen sich "Trinkbedingungen", im Wesentlichen wohl schlichte Enthaltsamkeit, zu diktieren.
Das ist korrekt. Niemand kann ihm die Verantwortung für sein Leben bzw. für sein Suchtverhalten nehmen - auch eine Partnerin nicht. Doch was die "Trinkbedingungen" betrifft, so nutzt sogar eine Suchttherapie nicht, wenn man den Ursachen seines Alkoholismus nicht auf den Grund geht.

Sehr häufig ist das Suchtverhalten bzw. die entstandene Sucht nur ein Symptom einer anderen seelischen Erkrankung: Angststörung oder einer leichten bis mittelschweren Depression. Hat der alkoholabhängige Mensch in einer stationären oder ambulanten Behandlung es geschafft seine Sucht zu überwinden, so ist die Angstsstörung oder die Depression geblieben.

Liebe FS aus einem Vortrag über Alkoholismus weiss ich, dass diese Suchtkrankheit selten eine primäre Krankheit ist, sondern sehr häufig in Co-Morbidität mit anderen seelischen Störungen auftritt, wie auch - neben den oben erwähnten - bei der narzisstischen oder borderline Persönlichkeitsstörung. Behandelt man nur die vordergründige Erkrankung so sind Rückfälle schon vorprogrammiert. Man muss die zu Grunde liegende psychische Erkrankung mitbehandeln. Die Alkoholiker trinken ja deswegen, weil sie damit ihre Ängste beruhigen wollen oder ihre depressive Verstimmung verbessern wollen. Das ist was dir liebe FS sehr bewusst sein muss. Über den Versuch seine Ängste mit massivem Alkoholkonsum zu behandeln, schrieb der französische Kardiolge Olivier Ameisen seine Autobiographie mit dem Titel "Das Ende meiner Sucht".

Eine reine Suchttherapie ähnelt einer fiebersenkenden medikamentösen Therapie bei einem Patienten mit Pneumonie. Lässt man das Antibiotikum weg, so hat man die Ursache der Lungenentzündung nicht beseitigt/bekämpft. Das Fieber kommt wieder.
 
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  • #34
Hier die FS

Zunächst: Euch allen ganz lieben Dank für die vielen hilfreichen, sachlichen und teilweise besorgten Antworten, die ich hier in so kurzer Zeit bekommen habe. Ich bin beeindruckt und berührt. Insbesondere danke denen, die ihre eigenen Erfahrungen hier eingebracht haben und aus deren Text mich die "erlebte Erkenntnis" so unmittelbar anspricht.

Praktisch alle, die eine Beziehung mit einem Alkoholiker geführt hatten, warnen nicht überhörbar. Für mich die wichtigsten Rückmeldungen waren
- ich kann eh nichts tun, die beste Hilfe ist ein Nein zur Beziehung mit dem Hinweis, er soll sich professionelle Hilfe holen
- er muss von sich aus und nicht meinetwegen sein Alkoholproblem los werden wollen
- mein größtes Risiko ist, dass er mich instrumentalisiert und ich in eine Falle gerate, "schuld bin, emotional abhängig, sein Problem verstärkende Verhaltensweisen zeige" und am Ende nach einem mehr oder weniger langen Leidensweg mich nur noch frage, wie ich aus dem Problem heraus komme.
- er hat vermutlich nicht nur ein Alkoholproblem mit Missbrauch, sondern steckt vermutlich schon in einer Sucht, einzige Option: null Alkohol, dass sollte eine Fachkraft diagnostizieren.
- sein Alkoholproblem verdeckt vermutlich ein tieferes Problem, dem er sich erstmal stellen muss
- es ist ein gutes Zeichen, dass er sein Problem zugibt, trotzdem sind alle bis hier benannten Faktoren relevant
- bei den benannten Organisationen gibt es kompetente Hilfe
- für den Fall einer Beziehung zu ihm muss ich davon ausgehen, dass das Thema Alkohol bestimmend ist
- für ihn ist eine Beziehung mit mir ein "Rettungsring", den er zu erreichen sucht, auch gut möglich, dass eine Beziehung zu mir ihn stabilisiert um sein Alkohol-Problem in den Griff zu bekommen und er sich unter unwahrscheinlichen Umständen etwas von mir sagen lässt, wenn er noch nicht süchtig ist
 
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  • #35
hier nochmal die FS

Besonders nahe gegangen ist mir @ 15. Es tut mir sehr leid, dass Du selbst betroffen bist. Du kennst das Problem von der betroffenen Seite und hast schon bei meiner ersten Anfrage sofort gewusst, was da läuft. Besonders Deine Einschätzungen haben mir sehr geholfen. Du hast einen neuen Freund gefunden und weißt, dass das Dein Problem auch nicht löst. Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du die Kraft findest, dem Alkohol den Kampf anzusagen und dass Du gewinnst. Ich schicke Dir alle meine guten Gedanken deswegen.

Bäärbel, bei Deinem Kommentar musste ich gerade raus lachen - die Position als Leibgarde ist zu besetzen, mit der Aussicht, immer schuld zu sein. Und ob ich wirklich keinen anderen Mann finde.
Ja, das ist wirklich ein Problem, ich date hier seit über einem halben Jahr fröhlich vor mich hin, mit geschätzen 10-12 Realkontakten, teilweise mit mehreren dates pro Kontakt. Es ist wie ein neues Hobby. "Wir" gehen zum Essen, Wandern, Skifahren, ins Kino, ins Theater, in die Oper, ins Cafe, aufs Stadtfest, besuchen Kulturdenkmäler, usw. Die Mehrheit der gedateten Herren hätte gerne mit mir eine Beziehung angefangen.
Und was passiert? Ausgerechnet bei dem Mann, der beim 1. date fast in den Teich fällt und bei dem sich beim 2. date rausstellt, dass er definitiv ein Alkoholproblem hat, schlägt mein Herz schneller. Kann mir das jemand erklären??? Das könnte was richtig Großes werden. Ich habe einen heiden Respekt vor ihm, er hat nichts beschönigt, nichts bagatellisiert, nicht versucht, die Ereignisse in seinem Leben als Erklärung vorzuschieben sondern von selbst gesagt, dass nichts davon eine Entschuldigung für den Alkoholmissbrauch ist. Was soll ich sagen. Der Mann hat Format, mitsamt seinem Alkoholproblem, erbringt eine riesen Arbeitsleistung, geht mit Menschen freundlich um. Ich kann nur sagen Hut ab.
Ich sehe die Chance, dass es funktionieren könnte und bin sehr traurig, weil meine Entscheidung gefallen ist - gegen eine Beziehung mit ihm.

Um das in aller Klarheit für mich zu entscheiden habt ihr mir wirklich sehr geholfen. Danke dafür.
Euch allen alles Gute.

Die FS, w 54

PS am nächsten Samstag habe ich schon ein Antidot - das nächste 1. date. "Wir" gehen einen Dom besichtigen, vielleicht gibts ja Hilfe von oben....:))
 
  • #36
Das könnte was richtig Großes werden. Ich habe einen heiden Respekt vor ihm, er hat nichts beschönigt, nichts bagatellisiert, nicht versucht, die Ereignisse in seinem Leben als Erklärung vorzuschieben sondern von selbst gesagt, dass nichts davon eine Entschuldigung für den Alkoholmissbrauch ist. Was soll ich sagen. Der Mann hat Format, mitsamt seinem Alkoholproblem, erbringt eine riesen Arbeitsleistung, geht mit Menschen freundlich um. Ich kann nur sagen Hut ab.
Ich sehe die Chance, dass es funktionieren könnte und bin sehr traurig,
Genau diese Art ist es, mit der sie sich ihr Sicherheitsnetz aufbauen. So beginnt Co-Abhängigkeit, aus der man nicht mehr (oder nur sehr schwer) wieder heraus findet, je nachdem, wie lange man sich das einredet.

Man kann/darf einem Süchtigen nur das glauben, was er auch direkt und ohne Umschweife durch Eigeninitiative unter Beweis stellt, also selbst in die Offenive zu seiner Sucht geht. Man kann sie in ihren Vorhaben betärken, aber man darf ihnen niemals die 'Arbeit' und Verantwortung abnehmen.

Es ist gut, wie du dich entschieden hast. Leider bin ich aber von deinen Worten nicht wirklich überzeugt. Ich wünsche dir, dass du stark bleiben kannst. Glaube mir, auch ich weiß genau, wovon ich rede.
 
  • #37
Hut ab, ziehs durch, auch wenn es dir schwer fällt!
 
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  • #38
Ich wünsche Dir auch das Du stark bleibst!!! Bin gerade aus so einer Beziehung, 21/2 Jahre hat es gedauert, heraus. Ich war selbst so abhängig von ihm, weil er so grossartig war, dass ich jetzt nach über einem Jahr mich immer noch nicht verlieben kann, und immer noch leide. Wut, Enttäusschung, es ist gruselig! Ich kann nur den Rat geben: Lass es, und schau gleichzeitig auf Dich! WARUM hast du so einen Mann gesucht, warum haut gerade er dich um! Es ist absolut wichtig dies zu wissen, meiner war auch nur ein Itüpfelchen, die letzten Männer waren auch alles Männer, bei denen ich keine reale Nähe zulassen musste, ihnen allen musste 'geholfen' werden. Der Alkoholiker war lediglich die Exstremstform bei der ich aufwachte. Die ganzen 2 Jahren habe ich fieberhaft überlegt ob es nicht einen Weg gibt, wie ich helfen kann, und ob nicht doch irgendwas geht, ich tausende von Menschen befragt... bis ich gemerkt habe ich muss gehen und MEIN Problem lösen...
 
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