• #1

Erst wollte er – jetzt ich. Und nun?

Liebes Forum, ich brauche Rat! Ich habe vor 2 Jahren einen Mann kennen gelernt und er hat sich sofort in mich verliebt. Damals war ich mitten in einer heftigen Trennung und musste das alles erstmal verarbeiten, was Neues war mir nicht möglich. Ich hatte auch Angst davor, weil er eher unsicher in Beziehungen ist. All das habe ich ehrlich gesagt. Es hat sich eine enge Freundschaft entwickelt, mit täglichem Schreiben, gemeinsamen Hobbys und Reisen.

Es hat gedauert, aber es geht mir nun gut und mir ist klar geworden, dass ich mir keinen besseren Mann vorstellen kann. Er hat darauf erst zögerlich reagiert aus Sorge, ich könnte es nicht ernst meinen und weil er in den letzten Monaten damit abgeschlossen hat, dass aus uns noch ein Paar wird. Er hat es sich aber doch schnell anders überlegt, wir kamen zusammen und er meinte, dass es sich richtig anfühlt, er sich unglaublich zu mir hingezogen fühlt und mit mir zusammen bleiben will. Nach nur 3 Wochen hat er plötzlich Schluss gemacht, weil ihm Leidenschaft und tiefe Gefühle fehlen und er es sinnlos findet, zu warten, bis er sich verliebt. Die Freundschaft hat er erst auch in Frage gestellt, dann doch wieder nicht.

Das ist für mich ein echter Hammer! Ich will nicht verlieren, was uns verbindet und frage mich, ob es da noch eine Chance gibt und überhaupt, was das soll! Er war lange offen dafür, dass mehr daraus wird, wieso macht man dann nach kürzester Zeit einen Rückzieher? Wieso erst ja, dann plötzlich nein? Warum blieb er in dieser so vertrauten Freundschaft, neben der ein anderer enger Kontakt kaum Platz gehabt hätte? Eine andere gedatet hat er nicht.
Klar, man kann mir vorwerfen, nicht früher auf den Zug aufgesprungen zu sein. Aber persönliche Entwicklung kann man ja nicht erzwingen.

Wie schätzt ihr als Außenstehende die Situation ein? Hat jemand ähnliche Erfahrungen?
 
  • #2
Lass ihn laufen.
Man sagt ja, wenn jmd so lange und so heftig um liebe "kämpft" gehts oft mehr um Ego, eine bestimmte Person zu "erobern". Das hat er geschafft. Nun ist ihm langweilig, weil die leide! nschaft fehlt.
Es ging nicht um Dich.
Lass den Kontakt sein und sag ihm abschließend er solle sich klar werden was er will, bevor er Dich wieder kontaktiert.
 
  • #3
Ganz einfach - er ist momentan auf der Achterbahn.
Überleg mal - für dich heisst die Entwicklung von der Freundschaft zur Liebe. Für ihn von Liebe zu Freundschaft und wieder zurück.
Er hat über die Jahre abgeschlossen, du hast langsam entwickelt.

Was du tun kannst? Mit ihm reden und ihm Zeit geben, zeigen, dass du verstehst, dass er einen Schritt mehr hat. Langsam - auch wenn das hier einige Menschen nicht mögen.
Viel Glück
 
  • #4
Liebe FS,
wie schade. Aber letztendlich weiß man erst, ob eine Beziehung geht, wenn man sie hat. Erträumen kann man sich vieles, aber ob die intime Nähe dann das ist, was man sich vorgestellt hat, wird erst bei der Umsetzung deutlich. Ich glaube, er findet das genauso schade wie du.
 
  • #5
Wir lesen solche Geschichten hier ständig: Mann umwirbt Frau. Sie will erst nicht so recht, aber er bleibt dran oder zumindest als "guter Freund" auf der Wartebank. Dann verliebt sie sich doch noch und zack! sind plötzlich seine Gefühle weg.

Warum? Weil er, typisch Bindungsvermeider, die Frau nur so lange interessant fand, wie sie unerreichbar war. Und seine Vorliebe fürs Unerreichbare hätte die Frau schon daran erkennen können, dass er ihr ewig hinterher rennt, statt nach der 1. Abfuhr aufzugeben. So machen das nämlich Menschen, die wirklich bindungswillig und -fähig sind: sie akzeptieren ein "Nein". Sicherlich erstmal schweren Herzens, aber sie beißen sich nicht ewig die Zähne aus an jemandem, der nicht will.

Aber Frauen fallen immer wieder auf solche "treuen Verehrer" rein; lassen sich in Beziehungen hineinquatschen, -schmeicheln, -manipulieren, weil ihnen von allen Seiten eingeimpft wird: "Ein Mann, der kämpft/auf dich wartet, meint es ernst mit dir!"; vielleicht auch, weil sie aufgrund von Selbstwertdefiziten stark darauf anspringen, wenn ihnen jemand das Gefühl vermittelt, gewollt zu werden.

Ich halte es für gut möglich, dass der Mann früher oder später wieder bei dir ankommt und um eine zweite Chance bittet. Auch das ist typisch für Bindungsvermeider: ihre "Gefühle" kommen zurück, sobald die Trennung ausgesprochen ist, denn dann ist der/die Andere ja wieder unerreichbar und somit spannend.

Lass dich bloß nicht darauf ein! Und in der Zukunft lass lieber die Finger von solchen Geschichten, wo beide erstmal monate- oder gar jahrelang nicht dasselbe wollen. Es geht meist nicht gut aus.

Alles Liebe!
 
  • #6
@Nelke12
Die Sexualität passt nicht zwischen Euch als Paar. Das hat er dir offen und ehrlich mitgeteilt nach einer 3-wöchigen Testphase. Ihm fehlt die Leidenschaft und das Gefühl im Bett. Hat er mehr Erfahrung als du oder woran kann es liegen? Wie aktiv bist du sexuell? Wie wichtig ist dir Nähe? Hat es dir mit ihm Spass gemacht? Gibt es spezielle Vorlieben, die du nicht erfüllst? War es ihm quantitativ zu wenig Sex? Vergleicht er dich mit einer Anderen, z.B. einer Ex-Freundin oder einer Parrallel-Freundin? Ist er wirklich Single?! Männer schwindeln da leider sehr oft!!! Wenn sie nicht (mehr) wollen, haben sie in der Regel eine Andere...
 
  • #7
Du gibst die Antwort darauf selbst:
Aber persönliche Entwicklung kann man ja nicht erzwingen.
Wenn er es nicht fühlt, fühlt er es nicht und das lässt sich auch nicht ändern. Ich vermute, dass ihr euch durch die enge Freundschaft schon zu nahe wart und dadurch das Prickeln am Anfang fehlt.

Habt ihr als Freunde sehr viel Zeit miteinander verbracht? Habt ihr schon über Gott und die Welt geredet und wisst alles voneinander? Vielleicht auch mal auf der Couch ein bisschen aneinander angelehnt gesessen, auf Reisen schonmal platonisch in einem Bett geschlafen? Zusammen in der Sauna/Therme gewesen? Oder euch schnell voreinander umgezogen, ist ja egal, man kennt sich schließlich?

In diesem Fall fehlt die Neugierde auf das Unbekannte, die zum Anfang einer Beziehung gehört. Ihr kennt euch, seid wie ein langjähriges Paar. Das kann durchaus funktionieren, wenn man es OK findet, direkt die große Vertrautheit zu genießen und die Sturm-und-Drang-Phase zu überspringen.

Ich vermute, dass es diese Situation ist, die er meint, wenn er sagt, dass ihm die Leidenschaft fehlt.
 
  • #8
Danke für eure Antworten! Die Überlegungen gehen in unterschiedliche Richtungen und könnten doch fast alle passen. Ich versuche, auf einige einzugehen.

# 3: So habe ich das noch nicht gesehen. Einerseits denke ich, du hast recht und ich war zu wenig verständnisvoll. Aber ich habe ehrlich gesagt schlechte Erfahrungen mit Männern, die nicht klar haben, was sie wollen, da war zuviel Verständnis eher kontraproduktiv. Dazu kommt: ich bin ein langsamer Mensch. Er nicht. Er war sofort in mich verknallt. Vielleicht kann und will er es nur so.

# 7: Genau so war das. Für mich war klar, dass wir jetzt nicht wie Fremde sein werden, aber man lernt sich ja doch nochmal anders kennen als Paar. Ich mag vertraute Nähe, wenn man sich kennt und kann darauf gut Leidenschaft und Liebe aufbauen. Er braucht vielleicht was anderes. Oder er hatte die Nase einfach voll von meinem Rumeiern. Er ist ja nicht erst in der Sekunde innerlich abgesprungen, als ich wollte, wenn ich ihn richtig verstanden habe.

Die Theorien über die Bindungsvermeider kenne ich und tatsächlich war das, was mich zusätzlich zögerlich gemacht hat - ich hatte Angst, in diese Falle zu tappen, weil ich dachte, Anzeichen zu entdecken. ABER ich finde mit solchen Zuschreibungen sollte man aufpassen, das ist oft die bequemste Art, selbst keine Verantwortung übernehmen zu müssen. In diesem Fall war ja erst mal ich die Unwillige, eine klare Grenze gesetzt hat keiner. Letztendlich kann es ja so sein, dass meine Angst vor dem Bindungsvermeider dazu geführt hat, dass die Bindung vermieden wurde :/

Jetzt, wo ich darüber nachdenke frage ich mich, ob ich vielleicht eher mein eigenes Verhalten reflektieren sollte...
 
  • #9
# 3: So habe ich das noch nicht gesehen. Einerseits denke ich, du hast recht und ich war zu wenig verständnisvoll. Aber ich habe ehrlich gesagt schlechte Erfahrungen mit Männern, die nicht klar haben, was sie wollen, da war zuviel Verständnis eher kontraproduktiv. Dazu kommt: ich bin ein langsamer Mensch. Er nicht. Er war sofort in mich verknallt. Vielleicht kann und will er es nur so.
Naja, er wusste ja, was er wollte - und hat es nicht bekommen. Sich also arrangiert - er hätte ja den Kontakt auch einschlafen lassen können. Kaum hat er sich abgefunden, änderst du die Realitäten wieder ab. Und er muss nun damit klarkommen, dass es eben nicht sofort wieder so ist wie zu dem Zeitpunkt, als er dich kennen gelernt hat.
Verständnis - naja, ein bissel. In jedem Falle den Kontakt nicht einschlafen lassen, denn er ist kein Schlechter.Auch du darfst mal über eine Hürde springen....
 
  • #10
Jetzt, wo ich darüber nachdenke frage ich mich, ob ich vielleicht eher mein eigenes Verhalten reflektieren sollte...

Es braucht doch manchmal eine alte Liebe zu verdauen. Und jeder macht das in seiner Geschwindigkeit. Was genau möchtest du da reflektieren? Wer sagt,dass es anders gelaufen wäre, wenn du dich gleich auf ihn eingelassen hättest? Es ist ja auch durchaus möglich, dass er sich in seinen Gefühlen zu dir getäuscht hat und ihm das jetzt erst klar wurde.
 
  • #12
Hallo,

nachdem ich meine letzte Nachricht noch einmal durchgelesen habe, hab ich mich tatsächlich genau das auch gefragt, ChaosTheory. Bzw. habe ich alles nochmal reflektiert und bin da angelangt, dass ich einiges natürlich rückwirkend hätte besser machen können, aber in dem Moment ging es nun mal einfach nicht. Natürlich weiß man auch nicht, ob es damals nicht auch innerhalb kürzester Zeit vorbei gewesen wäre.

@Tom 26: Du beschreibst das aus seiner Perspektive sehr gut, finde ich. Nur, wie sollte mein Verständnis genau aussehen? Mir war schon klar, dass das alles für ihn seltsam sein muss und ich hab mir in dieser kurzen Beziehungsphase Mühe gegeben. Aber er war es ja, nicht ich, der es beendet hat. Was also könnte ich überhaupt machen, um Verständnis zu zeigen - außer es zu akzeptieren? Ich gebe zu, auf seine Zweifel habe ich mit ziemlicher Entrüstung reagiert, was aber auch ein wenig den äußeren Umständen in dem Moment geschuldet war.
 
  • #13
Hallo, ich wollte euch mal erzählen, wie es weiter ging. Kurz gesagt: chaotisch. Wir hatten eine tolle Aussprache (danke Tom26). Sind aber bei „Freundschaft“ verblieben und wollten alles erstmal sacken lassen. Dann folgte ein Hin und Her. Er wollte Abstand, dann doch nicht. Ich war verunsichert, weil ich einige seiner Aussagen und Verhaltensweisen so verstanden habe, dass er „mehr“ will, er aber doch immer wieder blockiert hat. Dann habe ich leider etwas gedrängelt. Letztendlich ist er explodiert, ich solle endlich kapieren, dass er nichts von mir will. Er hat mich gelöscht, blockiert, wieder entblockiert, etc. Ich hab dann gesagt, so will ich auch nicht mehr, und wir haben eine Kontaktpause vereinbart. Nach 1 Woche fragt er nach meiner Woche, als wäre nichts passiert...

Ich bin erschöpft und sauer. Wenn jemand nichts will, kann er sich so verhalten und nicht immer wieder Nähe suchen und mir dann vorwerfen, dass ich es als Annäherung verstehe. Nun bricht er wieder die Kontaktpause...

Was ist bloß los mit dem Mann? Kann man nach so einem Chaos zu einer „platonischen Freundschaft“ zurück kehren?
 
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