• #61
Du hast dich auf ihre Kosten erhöht. Ich denke, so was legt man nicht einfach ab, einfach weil man es so lange gemacht, nicht weil man einen schlechten Charakter hätte. Ich glaube dir dass du wirklich an dir gearbeitet hast. Trotzdem hätte ich Angst an Stelle deiner Frau, dass es wieder passieren könnte. Was nun die Zukunft mit deiner Frau angeht, habe ich mich schon geäußert.
Was mir noch einfiel, wie ist denn das Verhältnis zu deinem Bruder.
Ich könnte mir vorstellen, dass ihr nicht so besonders innigen Kontakt habt. Ihr habt unterschiedliche Rollen eingenommen. Er hat vielleicht versucht, sich Zuhause unterzuordnen, um der Aggression aus dem Weg zu gehen und sicherlich glaubt er, er ist nix wert, kann nix, schuldig etc. Du bist dann eher der Macher und hast andere abgewertet, und hast geglaubt dein Innenleben nicht weiter beachten zu müssen, im Gegenteil, vielleicht alles was mit Schwäche zu tun hat, verachtet. Das ist nur eine mögliche Vorstellung.
Wenn es denn so ist, dann lade deinen Bruder zu dir ein und ihr könnt euch vielleicht gegenseitig helfen. Du zeigst ihm wie es in dir aussieht, dass du manches falsch gemacht hast und dass er nicht schuldig ist an eurer Familienkonstellation. Dadurch kannst du lernen, echte Nähe zuzulassen und dein Bruder merkt vielleicht, hey er ist nicht der Vollversager, auch sein Bruder hat Schwächen und es gibt noch ein Leben jenseits des Gefängnisses der eigenen inneren Angst. Da ich weder dich noch deinen Bruder kenne, ist das natürlich alles ins Blaue gesprochen, aber es könnte vielleicht eine Chance für euch beide sein, voneinander zu lernen.
 
  • #62
....Meine Form war grob, dass ich sie ab und an runtergemacht habe - nicht oft (in Form von monatlich), aber immer wieder mal. Und ich habe ihren Freundeskreis schlecht gemacht, um mich ins bessere Licht zu rücken, ihre Leistung abgewertet bzw. nicht gewürdigt.

Ah, diese Gespräche fehlen Dir. In Deinem Alter musst Du schon echt was hermachen, wenn eine neue Frau sich das von Dir bieten lassen soll - ganz geringe Chancen.

Ok, jetzt wird es klarer - das habe ich mit meinem Exmann auch durch. Ich habe mich lange Zeit weggeduckt, es über mich ergehen lassen, um nicht immer Konflikte zu haben, resp. nicht vor anderen Menschen. Ich habe mich zunehmend von anderen Menschen zurgezogen, um den Peinlichkeitsfaktor nicht zu erleben, dass ich so einen A***** von Partner habe und auch nicht den tiefen Schmerz, den mir diese Abwertungen verursacht haben.

Ihr wart ja lange zusammen. Irgendwann hat sich so eine Wut auf den Partner angesammelt, dass es zusammen nicht mehr geht - erst recht nicht, wenn man ein Weilchen getrennt ist. In der Zeit hat sie ja das Kontrastprogramm erlebt, wie wunderschön es ohne Dich ist, nicht regelmäßig platt gemacht zu werden, nur damit der Herr Zwerg (geistig und charakterlich) sich groß fühlt.

Bei Deiner Ex ist es ein mehrfacher Konflikt:
- sie hat all die Kränkungen erfahren, die jede Frau erfährt, wenn ein Narzisst sie in den Dreck treten muss, um sich selber zu erhöhen.
- sie ist vom Fach und hat an Deiner Seite nicht nur heftig einstecken müssen, sondern auch erleben müssen, dass sie eine berufliche Null ist. Eine gute Psychotherapeutin hätte Dich früh durchschaut und Jahre früher von Dir getrennt oder Dir entsprechend geantwortet und Dich zerlegt. Da hat sie also gleich doppelt versagt.
- sie ist eine kluge, qualifizierte Frau und hat sich von Dir klein machen lassen, als wäre sie Lieschen Müller. Das ist eine narzisstische Kränkung bei ihr und verursacht bei Frauen über 40 Unversoehnlichkeit. Das ist vergleichbar mit dem, was hier immer als Downdatingssyndrom von Frauen beschreiben wird: einmal und nie wieder.

Fazit: schaff' Fakten, die der Situation entsprechen und befrei' euch beide aus dem Deadlock: reich' die Scheidung ein, als Zeichen für einen getrennten Neuanfang für euch beide.
 
  • #63
Ich möchte hier einfach mal einen anderen Blickwinkel hinein bringen.

Ein Kind wächst in enem belastenden Elternhaus auf.
Es fehlen die Erfahrung, (Ur)Liebe, bedingungslose Akzeptanz, Urvertrauen.
Dafür entstehen Erfahrungen wie Ur - Angst, Misstrauen.
Das Kind lernt damit zuklar zu kommen, Kinder sind anpassungsfähig, sie müssen ja eine Überlebensstrategie entwickeln.
Perfektionismus, Funktionieren, Lieb sein, sich selbst klein machen, für alles schuldig fühlen.
Das hinterlässt tiefe Spuren, im Selbstwert, im Selbstbewusstsein, und im Umgang mit Gefühlen.
Viele solcher Kinder haben es später schwer, angemessen mit Gefühlen umzugehen, von Freude, bis zu Angst, Wut.
Bestimmte Gefühle unterdrückt man über Jahrzehnte, erlaubt sie sich nicht.
Ich lernte, nie Angst zu zeigen, ich hatte nie Angst. Angst ist Schwäche macht angreifbar, das ist gefährlich. Bis ich vor 3Jahren entdeckte, wieviel ganz tiefe Angst in mir verschlossen war.

Dieser ungesunde Umgang mit Gefühlen wirkt sich auch bei der Bewältigung von Stresssituationen aus.
Es kommt eine Situation, die einem (über -) fordert, an Grenzen bringt, und in einem entsteht ein undefinierter Gefühlscocktail, der unerklärlich ist und sehr mächtig ist, kaum mehr zu beherrschen. Ein Cocktail aus diesen alten Gefühlen und den neuen aktuellen Gefühlen.
Und dann sucht sich der Mensch einen Blitzableiter, greift zu Alkohol, anderen Drogen, wird aggressiv, evtl. auch zu sich selbst. Bis zu körperlichem, sexuellen und psychischen Missbrauch.
(Mein Vater hat zugeschlagen, euphemistisch ausgedrückt, ich war sein Blitzableiter).
Oder der Mensch greift verbal an, putzt den anderen, der zwar in diesem Moment ein Auslöser ist, aber nicht ursächlich ist, herunter. Macht ihn klein, erniedrigt ihn.
In unterschiedlichen Dimensionen, bei manchen Menschen geschehen diese Reaktionen regelmäßig, bei anderen nur in Extremsituationen.

Deswegen geschieht es oft, nicht zwangsläufig, und nicht in gleichen Maß, dass aus Opfern spätere Täter werden.
Mein Vater ist kriegstraumatisiert, jetzt dement, (re-)erlebt er immer wieder die Bombardierungen, die er als 5/6jähriger erlebte; und seine Mutter schlug zu, mit allem was greifbar war, zerschlug Kochlöffel an ihm. Muster, die sich wiederholen.

Wenn man diese Kausalitäten versteht, lernt, diese Gefühle zu erkennen, sich diese Gefühle zugesteht, anders kanalisiert in Stresssituationen, dann gelingen auch die notwendigen Änderungen der Verhaltensmuster.

Das geht nur nicht ohne Therapie, man braucht ja erst den Zugang zu den Gefühlen, die einen am Ende in ihrer Art und Intensität erschrecken, teilweise schwer auszuhalten sind, es kann teilweise unerträglich sein.
Dann beginnt der Weg, einen völlig neuen Umgang mit Gefühlen an sich, mit sich selbst, der eigenen Persönlichkeit zu lernen.

Und endlich zu begreifen, man hat eine Daseinsberechtigung, man ist wert geliebt zu werden, man hätte es auch als Kind verdient gehabt.
 
  • #64

Liebe @Lionne, ich stimme dir uneingeschränkt zu, aber es sind nur ganz wenige bereit, eine Therapie zu machen, oder zu erkennen, überhaupt eine zu benötigen. Auch das hat seine Gründe. Einem Therapeuten vertrauen zu können, sich zu öffnen und auf den Dreck einzulassen, das vermag nicht jeder zu wollen und zu können. Manchmal ist es sogar besser für die Seele, bestimmte Dinge nicht mehr zu öffnen und ein anderes Problem heraufzubeschwören, wie ich es bei einer Kollegin mal über einen sehr langen Zeitraum beobachten durfte. Sie wurde zur Alkoholikerin, um mit dem, was in der Therapie aufgebrochen wurde, fertig zu werden. Auch gute Psychologen sind nicht allwissend und wissen nicht im Vorhinein, was alles bei einem Patienten hochgeholt werden kann und stoßen an ihre Grenzen. Das Handwerkszeug, um das ohne Flasche zu können, hatte meine Kollegin nicht ausreichend bekommen. Sie hat diese Therapie später bitter bereut.
Ich bin sicher, dass es nur sehr wenige, wirklich gute Therapien gibt, die bei so schwerwiegenden Traumatas wirklich nützlich sind. Vorab abschätzen zu können, was sich alles zeigen könnte, wird nicht klappen. Die Geister die man ruft, heißt es so schön und da ist was dran.
Ich denke oft, es wäre förderlicher, unsere antrainierten Überlebensstrategien zu verändern, ohne Aufwühlen der Vergangenheit, die Frage ist wie.
Die Aussage einer Foristin in meinem Thread, schon in der Schule Stunden dafür einzubauen, wo man über das Leben lernt, wären förderlich. Lebensschulen, Elternschulen , Beziehungsschulen, wären vielleicht auch ein guter Anfang. Dort, wo man lernt, sich selber soweit regenerieren zu können, dass man sich und andere nicht mehr schädigt. Zu lernen und zu erfahren, dass man als Mensch, ohne Leistung gewürdigt, geliebt und in der Gesellschaft getragen wird, wo man lernt, Menschen zu würdigen, zu respektieren, zu lieben und zu tragen so wie es @ Void in meinem Thread so wunderbar beschrieb.
 
  • #65
Ich habe für mich gelernt, dass alles, was im Verborgenen schlummert, ein Eigenleben entwickelt, und das dann durchaus sehr destruktiv und effektiv.
Man kann auch leider tatsächlich nicht abschätzen, was zu Tage kommt, manchmal sind es noch ganz andere zusätzliche Themata, ganz verdrängt und ins Unterbewusstsein gerutscht.

Trotzdem ist meine Meinung, dass es ohne Bewusst werden, Realisieren und Ausräumen der Schubladen der Abschluss nicht klappt. Vor allem klappt dann auch nicht die Veränderung der Denk- und Verhaltensmuster, weil man gar nicht weiß, warum man so denkt und handelt.
Ich für mich musste die Ursachen wissen, um die Symptomatik zu heilen oder zumindest abzumildern.

Aber Pia, Du hast recht, es kann Momente geben, da wird das, was man entdeckt, absolut unerträglich - und dann kann der beste Therapeut dies nicht auffangen.
Oder die Hilfesysteme versagen, auch das passiert.

Außerdem gibt es keine allgemein wirksame Methodik in Therapien - wenn ich mit Imaginationen arbeite, viel Reflektion, viel schriftlicher Auseinandersetzung, geht dies bei anderen nicht.
Bei anderen braucht es anderes, und dazu kommt die Notwendigkeit, dass es persönlich harmonieren muss.
Und es gibt viel zu wenig gute, spezialisierte Traumatherapeuten.
Voids Ansatz ist gut, stehe ich voll zu, nur wird es, weil es einfach keine ideale Welt gibt, auch weiterhin Ungerechtigkeiten, Verletzungen, Vernachlässigungen, etc. geben.
Es als Therapieersatz zu nehmen, bei den Kindern, die schädliche negative Erfahrungen schon gemacht haben, wäre ein falscher Weg, ich nehme aber an, dass Void sich auch nicht so verstanden wissen will.
Ein Fach Sozialkompetenzen, Kommunikation, Ressourcen, etc. wäre ganz sicher allerdings notwendig, für alle Kinder.

Lieber Cho Oyu, sorry, wenn sich hier gerade Dein Thread mit Pias Thread vermischt - aber das liegt vielleicht daran, dass Du auch in Deiner Frage und den Ergänzungsposts Deinen ganz persönlichen Hintergrund mit hinein gebracht hast. Der gehört sicherlich dazu, führt nun allerdings zu solchen Exkursen, ich hoffe, dass sie für Dich auch von Interesse sind.
 
  • #66
Eine Therapie ist kein Spaziergang. Verletzte Anteile wollen gesehen und angenommen werden. Wenn der Therapeut überfordert ist, ist es Zeit diesen zu Wechseln oder ein anderes Verfahren zu wählen.
zb zunächst ein stabilisierendes, ressorcenorientiertes.
Abgespaltene Anteile sind trotzdem da und führen ihr Leben im Untergrund weiter, wenn sie nicht beachtet und integriert werden.
Selbst wenn Glaubenssätze verändert werden, werden zunächst die alten, die ja ihre Ursachen der Vergangenheiter haben angeschaut.
Das Wundermittel gibt es nicht. Ansonsten würde es ja reichen, jeden Morgen ein paar positive Affirmationen zu sprechen und alles ist gut. Die Verhaltenstherapie versucht ja, mit mehr oder weniger Erfolg, einfach Verhaltensmuster zu ändern. Wer also nicht in der Vergangenheit wühlen möchte, für den gibt es Möglichkeiten.
Dazu kommt bei einer Therapie der Aufbau einer Beziehung zum Therapeuten. Vertrauen etc. können erlernt werden. Das lässt sich durch kein Selbsthilfeverfahren ersetzen.
 
  • #67
... oh ja ich plädiere seit langem für ein Fach - übergreifend " Kommunikation" genannt. Da sollte dann alles zwischenmenschliche rein, was wir für´s normale Leben brauchen...Leider wird die Wichtigkeit bis heute nicht erkannt. Wir beschäftigen uns in der Oberstufe alle mit Integral und Differentialrechnung, der Umwandlung von Adinosindiphosphat in Adinosintriphosphat etc. pp. Eine gute Bildung ist wichtig. Auch in Mathe, Bio, Geschichte...Aber mir fehlt das "Lebenslernen". Es wäre noch zu definieren, was dort alles gelehrt werden soll. Bitte mindestens 2 h / Woche.
... und oh ja auch die Bereitschaft zur Therapie muss da sein. Bei mir hat es lange gedauert, bis ich so weit war. Manche sehen die Notwendigkeit nicht. Das ich mich weiter mit mir beschäftige hilft mir auch - ihr seid da ganz stark beteiligt.
Leider kenne ich deutlcih mehr Leute, die nicht hinschauen wollen, als umgekehrt. Die Angst was da aufkommen würde, lähmt wohl die meisten. Und auch die Angst vor möglichen Folgen. Das ist alles ist verständlich. Ich bin überzeugt, wenn wir bereits das Lebensfach hätten, gäbe es weniger Probleme...
 
  • #68
Liebe @Lionne,
...vorab, dass es in Schulen Unterrichtsstunden für Kinder geben sollte, wo sie lernen können, wie Leben geht, wo man ansetzen könnte und auch müsste, kam nicht von Void, sondern einer anderen Posterin. Sorry für meine Schusseligkeit im Satzbau.
Ich halte aber auch unser Schulsystem für überholt und nicht mehr zeitgemäß, aber das ist ein anderes Thema.

Dazu kommt bei einer Therapie der Aufbau einer Beziehung zum Therapeuten. Vertrauen etc. können erlernt werden. Das lässt sich durch kein Selbsthilfeverfahren ersetzen.

....ich habe da andere Erfahrungen gemacht, als ich als junge Frau das Thema *Mutter* in Angriff nehmen wollte. In der zweiten Sitzung sollte ich mich gleich nackt ausziehen und mit zwei großen, mit Sand gefüllten Behältern, diese hin- und herschwingen und singen, ich fahre nach Amerika. Ich habe stattdessen das Weite gesucht. Der zweite Therapeut forderte von mir schon in der ersten Sitzung das Auflisten meiner sexuellen Vorlieben, auch da habe ich das Weite gesucht. Zu meinem Glück, denn ich habe wutgeladen für mich entschieden, es selber in die Hand zu nehmen und mir andere Wege gesucht. Natürlich reichten keine bloßen Affirmationen, positives Denken und dergleichen mehr. Ich bin auch nicht auf dem esoterischen Weg rumgestolpert, bin der Klangmeditation verfallen und habe in spiritistischen Sitzungen Geister beschwört.... Es war auch ein langer Weg, dennoch für mich das Beste.

Vertrauen zu einem Therapeuten aufbauen zu können, würde bei mir nie mehr gehen.
Klar weiß ich, dass das nicht auf alle Therapeuten zutrifft und es auch sehr gute gibt, aber ich habe gelernt, mich besser auf mich selber zu verlassen, was mir zugute kam.

Es sind Gedanken, Erfahrungen, die ich habe, ein anderer hat andere. Was für den einen gut ist, das ist für den anderen nicht bekömmlich. Ich möchte mich da auch nicht so weit aus dem Fenster lehnen.
Oftmals beeindrucken mich Menschen, die sich aus ihrem Schlamassel ganz allein rausgeholt haben.
Die Natur birgt jede Menge Möglichkeiten, um das zu können. Schon deshalb, weil sie sich erhalten will. Ich habe für mich entdeckt, dass der erste Schritt ein *ich will* ist. Nur wollen bringt nicht wirklich den Erfolg. Dieses *ich will* ist anders und birgt in sich schon den Erfolg.
 
  • #69
Mag sein, dass früher anders an Therapie rangegangen wurde und sich dort auch das autoritärere System der damaligen Zeit widergespiegelt hat.
Und ja auch heutzutage gibt es Therapeuten, die ihre Macht missbrauchen können, so wie auch Jugendgruppenleiter, Lehrer , Pfarrer, Ärzte, Chefs etc. Daraus abzuleiten, dass Therapie grundsätzlich gefährlich ist, nun ja.
Grundsätzlich ist es immer gut, auf das eigene Gefühl zu hören und unbehagliche Dinge sein zulassen.
Und ich finde zb Klangschalenmeditation super.
Und natürlich ist der eigene Wille zur Heilung wichtig, denn Therapeuten etc. sind nur Wegbegleiter, können aber Impulse setzen, wenn man sich darauf einlassen kann.
Und wenn man für sich daraus schließt, dass alles was man alleine geschafft hat, als höherwertiger anzusehen ist, als Menschen, die sich Hilfe geholt haben, und das als schwächer zu sehen ist, so kann man diese Schlüsse natürlich für sich so ziehen und auch so über sich und andere urteilen.
 
  • #70
Und wenn man für sich daraus schließt, dass alles was man alleine geschafft hat, als höherwertiger anzusehen ist, als Menschen, die sich Hilfe geholt haben, und das als schwächer zu sehen ist, so kann man diese Schlüsse natürlich für sich so ziehen und auch so über sich und andere urteilen.

Liebe @Pfauenauge, so habe ich das ganz gewiss nicht gemeint, wenn es so rüber gekommen ist, dann tut es mir leid.
Jeder muss selber seinen Weg finden und ist ihm überlassen, welchen Weg er geht. Das Ergebnis ist entscheidend.
*Die Klangschalenmeditation* habe ich tatsächlich sehr ironisch verpackt. Es gab tatsächlich eine Zeit, wo Möchtegerngurus wie Pilze aus dem Boden schossen, sich als spiritueller Heiler und Führer der Menschen annahmen, um sie zu heilen. Leider ging es nur um die Füllung ihres Portomonaies. Wieviel Menschen verkaspert und betrogen wurden, ist mir nicht entgangen.
Mein krebskranker Mann hat tausende von DM in den Sand gesetzt und sich veräppeln lassen mit diesen Methoden, die erfolgversprechend als Allheilmittel verkauft wurden. Er weilt aber im Himmel, statt als Geheilter auf unserem Erdboden.
 
  • #71
Ich hätte es nie alleine geschafft, viele Themen waren zu tief verdrängt,
viele Anteile zu sehr im Verborgenen.

Aber ich habe sehr aufwändig nach dem für mich passenden Therapeuten gesucht.
Gewechselt, als ich die Diagnose wusste, und ich wusste, was ich konkret brauchte.

Beim letzten notwendigen Wechsel suchte ich im Radius von 60 km, hatte nach Internetrecherche eine Liste mit ca. 40 potentiell möglichen Therapeuten, und diese alle angemailt bzw. angerufen.
Ergab 12 Termine, davon wahrgenommen 9 (die neunte war es), 6 sagten mir nach dem Gespräch ab, 2 ich, von den 6 kamen mir 4 zuvor.

Einerseits geht es klar ums Fachliche, andererseits ums Vertrauen.
Und wenn ich das nicht bedingungslos entwickeln kann, geht für mich Therapie nicht.
Ich habe bei probatorischen Sitzungen zwar nicht so etwas wie Pia erlebt, dass geht ja absolut nicht, aber auch total fertig machendes. 3 Therapeuten haben mich verbal richtig angegriffen und verurteilt, beim Ersttermin.

Trotzdem, ich hatte mit meinen beiden letzten Therapeuten richtig Glück, menschlich und fachlich.
Ein anderer brachte mir am Anfang zumindest die notwendigen Impulse und half erstmal beim Erfassen der Thematik.

Ohne dieses Vertrauen ginge gar nichts, und ohne ihr Einlassen auf mich, meine Art zu denken, wie ich selbst an mir arbeite, welche Ressourcen ich nutze.

Nur liegt viel auch an einem selbst, am eigenen Engagement, am Veränderungswillen, an der Bereitschaft, Neues auszuprobieren - und ob ich in die Stunde gehe und einfach rede, oder mit einem Ziel, einer speziellen Fragestellung.
Ersteres ist zwar auch nett, aber letzteres ist notwendig, wenn sich etwas ändern soll.
Ich habe in einer Phase nach den Sitzungen seitenweise Texte verfasst, zu Details meiner Geschichte, zu Gefühlsleben, zu Situationen, ganz unterschiedlich. Es sind über 100 Seiten Text entstanden. Mich sortiert, und diese dann vor der nächsten Stunde meinem Therapeuten gemailt, er hat sie gelesen, und an diesen Punkten ging es dann weiter.
Womit ich arbeite, Imaginationen, Innere Anteile, Innere(s) Kind(er), mit Hypnotherapie - nicht mit Hypnose gleich zu setzen, EMDR, NLP, Affirmationen, viel Entspannung, Natur / Bewegung als Ressource. Klangschale, Musiktherapie hat mir zu gewissen Zeiten viel gebracht zum Entspannen, auch QiGong.
Was ich meide - und ich weiß warum, bin hier wieder bestätigt worden - sind Kreise, die sich mit Aufstellungen befassen, mir wurde mehrfach dringendst abgeraten, und ich habe bei einigen die negativen Folgen gesehen.

Heute gehe ich Walken oder auf den Berg, was eine Weile nicht mehr ging, sitze am Wasser, vergesse Zeit, liebe das Wort Müßiggang, und lasse Gedanken fließen.
Und ganz wichtig, ich suche und schaffe mir schöne Momente, genieße ganz bewusst, sauge diese auf.
Mein Reservoir für die anderen Momente.

Wichtig ist, nicht aufzugeben.
Es ist wirklich (fast) alles möglich.
Immer wieder meine Affirmation - das Leben ist schön.
 
  • #72
Therapie können sinnvoll sein - oder auch nicht. Zunächst mal muss ja die Bereitschaft da sein. Ärzte lassen sich weniger operieren als der Durchschnitt. Es wäre mal interessant zu wissen, ob Therapeuten auch weniger zum anderen Therapeuten gehen als die breite Masse. Eine Therapie kann ja zunächst nur dann sinnvoll sein, wenn der Betroffene bereits ist, sich wirklich helfen zu lassen. Und dann kommt es doch auch auf die schwere an, wie lange diese dauert. Therapeuten begleiten ja letztlich "nur". Hilfe zur Selbsthilfe. Es stellt sich doch dann jedem die Frage, inwieweit man ohne fremde Hilfe weiterkommt. Es gibt Leute, die erkennen ihr Grundproblem in ganz wenigen Sitzungen, andere werden ein Leben lang begleitet. Mein Bruder ist mit seinen Angstzuständen, wie bereits oben geschrieben, seit ca. 30 Jahren immer wieder in Behandlung. Meine Grundtendenzen und wo diese herrühren, habe ich sehr schnell erkannt und ich bleibe daran mit dem Deal, dass ich jederzeit wiederkommen kann. Dank einer sehr offenen Kommunikation mit einem Teil meines Umfeldes und mit Euch halfen und helfen mir auf meinem Weg. Und das muss eben jeder Mensch für sich alleine entscheiden. Auch die Diskussion im Nachbarthread hilft mir.
Sie hilft mir sicherlich nicht im Hinblick auf meine Frau. Das hat auch nichts mit Therapie zu tun.
Und letztendlich gib es unendlich viele Möglichkeiten an Probleme heranzugehen. Ob hier Klangschalenmeditation oder Geister beschwören (das wäre so gar nichts für mich) oder Sport, oder oder. Jeder Mensch der bereit ist, wird vermutlich auch seinen eigenen Weg finden. Schade ist nur, wenn die betroffenen Personen den Anspruch haben, der Therapeut könnte mit ein paar Sitzungen helfen. Wenn es bis dahin nicht das gewünschte Ergebnis erzielt wurde, geben sie auf.

@Lionne 69 - alles gut

M 47
 
  • #73
Es gibt kein Allheilmittel und ein Therapeut/Arzt der egal in welcher Richtung, der so etwas verspricht, arbeitet unseriös.
Genauso würde ich auch nicht alle Verfahren in einen Topf werfen.
Zur Meditation gibt es mittlerweile neurowissenschaftliche Untersuchungen, das hat mit Geisterbeschwörungen zb nichts zu tun. Meditation sollte zu sich selbst führen und nicht zu einem Guru.
Missbrauchen lässt sich alles.
Selbstverantwortung bleibt immer.
Und jeder reagiert anders, auch abhängig von den mitgebrachten Anagen und der Familiendynamik. Dein Bruder hat offensichtlich eine Angststörung entwickelt, du hingegen nach deiner Aussage nach abwertendes Verhalten. Dass dein Bruder seid 30 Jahren in Therapie ist und sich nicht viel ändert, kann sehr viele Einflüsse haben, der Therapeut an sich, das Verfahren, sein Umfeld, seine eigene Bereitschaft. Abnehmen kann einem keiner was und auch eine Therapie muss nicht immer funktionieren wie auch alle anderen Methoden, wie schon oben erwähnt.
Dem einen hilft Sport, der andere macht Qigong oder beides. Wichtig ist bei sich zu bleiben und nicht blind zu folgen.
 
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