• #31
Selbständigkeit ist wirklich kein Zuckerschlecken, also ich kann jeden verstehen, der Angst davor hat
Hier treffen 2 Dinge aufeinander

- die Höhe der Investition
und
- die Suche vieler Handwerksbetriebe nach einem Nachfolger.

Corona ist sicher nicht hilfreich.

Daher auch meine Anregung, mit Finanzierungs - / Beteiligungs - / Pachtmodellen die Attraktivität des Angebots zu steigern. Dies muss allerdings auch dokumentiert werden. Was das Zünglein an der Waage sein könnte - ein relativ entspannter Wohnungsmarkt.

Hier muss quer gedacht werden. Je attraktiver das Gesamtpaket, umso höher die Chancen.
 
  • #32
Es gab laut meiner Eltern mal Gespräche mit einem studierten Meister. Er hätte es evtl gemacht, aber seine Ehefrau mit den Kindern war nicht einverstanden. Sie wollte nicht dorthin ziehen, zudem war es ihr finanziell zu riskant. Sie wollte ihren Mann lieber im Angestelltenverhältnis einer größeren Firma. Schließlich hat er dann abgesagt, weil die Familie vor geht.
Ja, es gab mal...ja es war einmal, so fängt jedes Märchen an, 🤗 die Realität sieht jedoch nüchtern ganz anders aus, der Betrieb ist unrentabel zum Übernehmen und zu teuer um zu kaufen, ganz einfach, die Köder reichen nicht aus, um die Fische im Gewässer zu fangen!
 
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  • #33
Bei uns in der Umgebung sind alle grossen Firmen ausserhalb der Stadt, teilweise 40 km entfernt.
Es wäre schon eine Stadt erreichbar, von wo man pendeln kann. Aber eben keine Millionenstadt wie München, sondern eher eine Kleinstadt. Ein Mitarbeiter wohnt auch dort.
Der Betrieb ist nicht rentabel, wenn man trotz vorhandener Arbeit keinen 2. Meister anstellen (schreibst Du oben selber) und für die Betriebsübernahme vorbereiten kann.
Mein Vater würde einen Meister anstellen. Leider hat dieser nach 1 Jahr gekündigt, da er mit der Arbeit in einer kleinen Firma nicht zufrieden war. Der nächste hatte ständig verschlafen und war unzuverlässig. Dann hat es meinem Vater gereicht.
Die Schwierigkeit der Nachfolgersuche zeigt doch, dass ihr richtig entschieden habt, was anderes woanders zumachen.
Das tut gut zu hören. Sieht mein Vater bestimmt anders... manchmal wünschte ich, ich hätte Eltern die ganz normale Angestellte sind und schon in Rente wären :(
Haben sie gehofft, dass du dir einen solchen zum Ehemann nimmst?
Früher schon. Aber selbst wenn, alle meine Partner haben bisher immer gesagt: Sie haben ihren gelernten Beruf und das mit der Firma meiner Eltern ist meine Sache! Zudem habe ich einen guten Job und möchte mich nicht von einem Mann abhängig machen, ich denke, die Zeiten sind vorbei.
Welche Möglichkeiten bietet das Gebäude denn an.
Vieles ist renoviert, aber eben nicht alles.
 
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  • #34
Oder sind sie tatsächlich auf das Geld aus dem Verkauf oder der Weiterführung des Unternehmens angewiesen?
Nein, sie haben eingezahlt und haben auch ein eigenes abbezahltes Haus dort im Ort.
Daher auch meine Anregung, mit Finanzierungs - / Beteiligungs - / Pachtmodellen die Attraktivität des Angebots zu steigern.
Die Unternehmensberater haben meinen Eltern viele Modelle vorgestellt, vom Vollverkauf bis zur Pacht bis zum eingestellten Geschäftsführer und so suchen sie auch. Leider fand sich bisher niemand, man würde aber genügend Angestellte finden.
 
  • #35
Deine Eltern sollten sich nach 4 Jahren vergeblichen Suchens damit abfinden, dass es keinen anzupassenden Preis gibt, sondern Betriebsstillegung = Totalverlust wenn sie in Rente wollen. Das solltest Du ihnen deutlich sagen.
Totalverlust hört sich so negativ an, weil "Verlust" drinsteckt. Man könnte einen geordneten Ausstieg vorbereiten und durchführen, also natürlich nicht von heute auf morgen schließen, sondern den Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich rechtzeitig neu zu orientieren, und nicht den gesamten Betrieb, aber Teile davon verkaufen, also je nach Art des Betriebs Werkzeug und Geräte an andere (Betriebe/Meisterschüler etc.) verkaufen. Dann könnten deine Eltern ohne große Verluste die Sache einfach stilvoll beenden und glücklich ihr ja gut abgesichertes Renterdasein und ihre neue Freiheit und Freizeit in ihrem Haus genießen. Dann geht es ihnen gut, es geht auch Kindern gut und ihr seid alle diese drückende Last und Verantwortung los. Ich finde, das wäre durchaus eine Option.

Euch allen muss klar sein, dass ihr euch die vermeintliche Pflicht ganz allein selbst auferlegt. Ihr schuldet einander nichts, ihr schuldet euren Ahnen nichts. Vielleicht würde es deiner Familie auch helfen und viele Konflikte lösen, endlich den "Fluch" dieses Familienunternehmens los zu sein, vielleicht ist es Zeit für was Neues.
w26
 
  • #36
Der Betrieb ist nicht rentabel, wenn man trotz vorhandener Arbeit keinen 2. Meister anstellen (schreibst Du oben selber) und für die Betriebsübernahme vorbereiten kann.
Man würde schon wieder einen Meister finden und auch bezahlen können. ABER: Alle wollen lediglich einen Angestelltenvertrag. Sobald das Thema mit der Möglichkeit der Betriebsübernahne kommt, suchen die lieber eine größere Firma, da es mehr Sicherheit bietet.
 
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  • #39
Der Job ist körperlich anstrengend und meine Eltern können das nicht mehr ewig durchhalten.
Ein Jahr warten .... und dann die Schlussoffensive.
Momentan weiss keiner so genau, wo die Wirtschaft im Herbst stehen wird.
Du liest ja selbst, was welcher Konzern an gewaltigen Zahlen von Arbeitsplätzen einsparen will. Noch ein paar unkluge Wahlen .... und vielleicht ist euer Betrieb bald wieder begehrt.
Zur Not einen jungen Arbeiter für die körperlich belastenden Arbeiten einstellen .....

Ich verstehe deine Eltern, ein traditionsreiches Unternehmen will man nicht einfach sterben lassen. Zumal es sich ja rechnet. Momentan wollen viele in grosse Firmen - mal sehen, ob sie in einem halben Jahr noch so denken.
Ich wünsche euch eine baldige Lösung. Denn diese unausgesprochenen Vorwürfe und Selbstvorwürfe können einer Familie ganz schön zusetzen.
 
  • #41
Ich denke, dieses Problem haben ganz viele Leute auf dem Land.
Von Ärzten hört man das z.B. Da lassen sich die Gemeinden viel einfallen, um den Nachteil des Standorts auszugleichen, z.B. kostenloses Wohnen oder so.
Von Landwirten hört man das auch immer wieder, sie finden keinen Nachfolger oder der Sohn, der es machen würde, findet keine Frau.
Die kleinen Kneipen und Läden in den Dörfern müssen alle zu machen, manchmal findet sich ein Förderverein, der an zwei Vormittagen pro Woche mit Ehrenamtlern den Tante-Emma-Laden betreibt. Und wenn es richtig rührige Leute sind, schenken sie zu dieser Zeit noch Kaffee aus und verkaufen Kuchen, den andere Ehrenamtler fortlaufend spenden. Die Miete bezahlen sie aus der Gemeindekasse und wenn sie dann noch Hermes und DHL mit anbieten, halten sie sich ein paar Jahre über Wasser und haben solange immerhin die Dorfgemeinschaft gepflegt.

Damit erledigt sich auch die Idee, aus der Werkstatt ein Café zu machen. Ich denke, sowas klappt nur, wenn der Ort touristisch sehr reizvoll ist und dann von den Wochenend-Sommer-Einnahmen leben kann.

Du sagst wiederholt, dass sich der Betrieb rechnet aber ganz offenbar doch nicht soweit, dass jemand das Unternehmensrisiko eingehen würde. Vielleicht machen sich deine Eltern da was vor.
Du sagst, das Anwesen sei renoviert ? Was bedeutet das ? Ist es eine alte Schreinerei mit Fachwerkgebäuden, die sich um einen Hof mit Kopfsteinpflaster gruppieren und alles ist tiptop nach heutigem Standard gedämmt und auf gutem Stand, was die Gebäudetechnik betrifft ? Oder sieht es da eher altbacken aus ?
Wie reizvoll ist die Gegend ?
Könnte dort jemand wohnen wollen ?

Falls es ein Mischgebiet ist und auf dem Gelände auch eine Wohnnutzung genehmigt ist, könnte das vielleicht ein Weg sein, etwas Geld durch einen Verkauf zu erlösen.
In strukturschwachen und landschaftlich reizlosen Gegenden ist das aber auch nicht viel.
Ein Kumpel meines Freunds hat 150.000 € geerbt und sucht nun eine Hofreite zum Wohnen und Schrauben und Unterstellen von Oldtimern. Er hat Angebote im finsteren Odenwald und auch in Nordosthessen, also je 100 km vom Rhein-Main-Gebiet entfernt, da gibt es viel in dieser Art für 10.000 - 40.000 €. Mit Grundstück.
Und sogar diese Angebote bleiben monate-, nein jahrelang bestehen.

Ich fürchte nach deinen Beschreibungen, dass deine Eltern unrealistische Vorstellungen vom Wert ihres Besitzes haben, so wie viele Leute, die ihr Geschirr oder ihre Teppiche oder Gemälde sehr wertvoll finden und mit dem hohen Anschaffungspreis argumentieren, dabei aber nicht berücksichtigen, dass den Wert einer Sache immer nur darstellt, was dir jemand dafür zu geben bereit ist und das kann unter Umständen schmerzlich gering sein.

Dazu noch zwei Detailfragen:
Gibt es dort schnelles Internet ?
Wie ist die Klientel deiner Eltern ? So alt wie sie oder sind es junge Leute, die sich von der Firma das Dach decken oder die Wasserleitungen erneuern lassen oder was auch immer es ist ?

w 53
 
  • #42
In Deutschland sieht es mit dem Drang zur Selbständigkeit schon seit einigen Jahren bitter aus. Deshalb ist das leider völlig nachvollziehbar, dass es schwer ist, einen Handwerksbetrieb zu verkaufen. Ich finde das auch sehr schade, das ist aber nicht in deiner Verantwortung. Natürlich tut dir das leid, aber du hast dafür ja keine Lösung. Und du musst vor allem auch dein Leben leben. Wenn deine Eltern schon mehrfach beraten wurden und es gibt keine Lösung, so muss man sich wohl der Realität stellen. Manches hat ein Ende. Traurig, dass sich kein Nachfolger findet!
 
  • #43
Deinen Eltern können wohl deshalb nicht "in Rente", weil sie keine Rente haben. Will sagen, sie als Selbständige haben nichts für die Altersvorsorge getan.

Das ist das Problem und nicht Deine andere Berufswahl.

Da bleibt nur weiter arbeiten oder die Grundsicherung im Alter, wenn sich nicht doch noch ein Aufkäufer findet.

Ich halte es deshalb für sinnvoll, gesetzlich die Selbständigen zur Altersvorsorge zu zwingen. Wo das Einkommen als Selbständiger nicht zur Altersvorsorge reicht, ist das Modell nicht tragfähig und sollte auch so behandelt werden.

Zwei meiner Exen leben so als selbständige von der Hand in den Mund. Rate mal, wer heiraten wollte?
 
  • #44
Er war mit der Arbeit nicht zufrieden und wollte lieber wieder in eine größere Firma.
Na ja, das Thema ist schwierig. Ich hatte gerade heute ein Vorstellungsgespräch. Eine skurrile Erfahrung...
Wenn man einen Lakaien sucht, findet man keinen Nachfolger...
Hat mein Vater, es wurde dort auch gefragt bzw inseriert. Leider möchten die Absolventen lieber in eine große Firma, sich nicht selbstständig machen oder gehen danach noch studieren.
Oder sie möchten einen modernen, gut aufgestellten Betrieb?
Das Inserat ist seit ca 4 Jahren auf verschiedenen online Plattformen zu finden, alles mit Unterstützung einer Unternehmensberatung. Leider ergab sich auch nach 4 Jahren nichts.
Woran ist es gescheitert? Tote Branche? Hoher Ablösepreis, weil es ja ein traditionsreiches Unternehmen ist?
Bezogen auf einen Mann für Dich - Hauptsache, er führt den Betrieb fort? Nicht ernsthaft, oder?
Zweitens möchte ich mich nicht komplett von einem Mann abhängig machen. Eine Bekannte hat das so gemacht.
Entschuldigung, aber das möchtest Du jetzt nicht wirklich verknüpfen, oder?
Ich halte es deshalb für sinnvoll, gesetzlich die Selbständigen zur Altersvorsorge zu zwingen. Wo das Einkommen als Selbständiger nicht zur Altersvorsorge reicht, ist das Modell nicht tragfähig und sollte auch so behandelt werden.
Sehe ich auch so. Erstmal das Haus verkaufen, wenn man nicht vorgesorgt hat. Und nicht vererben und parallel Mindestvorsorge beziehen.
 
  • #45
Deinen Eltern können wohl deshalb nicht "in Rente", weil sie keine Rente haben. Will sagen, sie als Selbständige haben nichts für die Altersvorsorge getan.
Nein, das stimmt so nicht. Meine Eltern haben beide schon immer eingezahlt und privat vorgesorgt. Sie haben einen guten Rentenanspruch. Zudem ist ihr privates großes Haus mit Garten schon längst abbezahlt.
Bezogen auf einen Mann für Dich - Hauptsache, er führt den Betrieb fort? Nicht ernsthaft, oder?
Nein, bezogen auf den Verkaufspreis. Ihnen ist vor allem wichtig, dass der Betrieb gut fortgeführt wird und nicht, möglichst viel Geld dafür zu bekommen. Das hat nichts mit einem Mann zu tun.
Oder sie möchten einen modernen, gut aufgestellten Betrieb?
Ja, das ist gut möglich. Es wurde vieles renoviert und modernisiert, aber alles topmodern ist natürlich nicht.
 
  • #46
Naja, ich will dir und deiner Familie nicht zu nahe treten, aber nach meiner Erfahrung klaffen da Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung häufig deutlich auseinander. Wenn der Betrieb so profitabel und der Rest der Konditionen gut wäre, würde sich schon ein Nachfolger finden. Mindestens aber der Standort stimmt schon nicht, wie du selbst sagst.

Ein Bekannter von mir ist als Unternehmensberater tätig. Seit Jahren führen die mit dem Unternehmerverband Informationsveranstaltungen zur Nachfolgeplanung durch. Deine Eltern sind schon sehr spät dran. Das Thema muss man rechtzeitig angehen und idealerweise selbst einen Nachfolger aufbauen. Zu hoffen, dass jemand sich einkauft, bleibt häufig eine Wunschvorstellung.
Mein ehemaliger Chef hätte wohl seine Kanzlei an mich verkauft, wenn wir uns besser verstanden hätten. Allerdings weiß ich, welche utopischen Preisvorstellungen er gehabt hätte. Nicht annähernd hätte das etwas mit der Realität zu tun. In Rente gehen kann er nicht, da zu wenig für das Alter vorgesorgt, also arbeitet er wohl bis es in die Kiste geht.

Man sollte sich nichts vormachen. Die Mehrheit der jungen Leute will nicht irgendwo auf's Land weit ab vom Schuss. Klar sitzen viele Unternehmen vor den Toren der Stadt in Gewerbegebieten, aber auch die leben davon, dass man dort gut hinkommt und nicht Ewigkeiten fahren muss. Die beste Lösung wäre gewesen, einen Nachfolger aus den eigenen Mitarbeitern aufzubauen. Das haben deine Eltern verpasst. Wenn sich keiner findet, bleibt ihnen also wohl nichts anderes übrig, als das Unternehmen ordnungsgemäß zu liquidieren.
Dein Problem sollte das nicht sein. Der Zug ist abgefahren, als ihr einen anderen Ausbildungsweg gewählt habt. Wenn ihr wieder einmal Diskussionen darüber führt, mache ihnen klar, dass das Problem selbst verschuldet ist. Den Schuh würde ich mir nicht anziehen und selbstverständlich heiratest du auch keinen Handwerker nur weil es deine Eltern in den Kram passt.

W35
 
  • #47
Deinen Eltern können wohl deshalb nicht "in Rente", weil sie keine Rente haben. Will sagen, sie als Selbständige haben nichts für die Altersvorsorge getan.

Das ist das Problem und nicht Deine andere Berufswahl.

Da bleibt nur weiter arbeiten oder die Grundsicherung im Alter, wenn sich nicht doch noch ein Aufkäufer findet.

Ich halte es deshalb für sinnvoll, gesetzlich die Selbständigen zur Altersvorsorge zu zwingen. Wo das Einkommen als Selbständiger nicht zur Altersvorsorge reicht, ist das Modell nicht tragfähig und sollte auch so behandelt werden.

Zwei meiner Exen leben so als selbständige von der Hand in den Mund. Rate mal, wer heiraten wollte?
Sie hat schon geschrieben, dass die Altersversorgung der Eltern dabei kein Thema ist. Ich bin selbständig und habe nicht in die gesetzliche Rente eingezahlt, das ist jedem selbst überlassen. Da gibt es deutlich bessere Alternativen.
 
  • #49
alles ist tiptop nach heutigem Standard gedämmt und auf gutem Stand, was die Gebäudetechnik betrifft ? Oder sieht es da eher altbacken aus ?
Wie reizvoll ist die Gegend ?
Könnte dort jemand wohnen wollen ?
Nein, es ist sicher ein altes Gebäude. Es wurde aber regelmäßig investiert, sprich mal neue Fenster, mal Dach renoviert, regelmäßig gestrichen, neue Geräte usw.

Der Ort selbst ist klein aber schön. Für junge Leute eher nichts, eher für Familien. Tourismus gibt es dort kaum bis wenig. Ich denke im Ort selbst will man als Zugezogener nicht wohnen, aber die umliegenden Kleinstädte sind für Zugezogene attraktiver und auch schön zum Leben.

Natürlich gibt es schnelles Internet, der Zug fährt allerdings nur stündlich.
 
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  • #52
Was bitte hast diese Frage bei EP zu tun?!?! Hat weder mit Partner, noch mit Beziehung noch mit Daten zu tun?!?!
Anm. der Mod:
Was soll diese ständige Kritik gegen die Moderation?
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #53
Ich halte es deshalb für sinnvoll, gesetzlich die Selbständigen zur Altersvorsorge zu zwingen. Wo das Einkommen als Selbständiger nicht zur Altersvorsorge reicht, ist das Modell nicht tragfähig und sollte auch so behandelt werden.
So ist es ja mit der Krankenversicherungspflicht passiert und diese Lektion wird aus Corona hinsichtlich der verpflichtenden auskömmlichen Altersversorgung und für sonstige Einkommensausfallgründe hoffentlich auch gezogen.

Meine Eltern haben beide schon immer eingezahlt und privat vorgesorgt. Sie haben einen guten Rentenanspruch. Zudem ist ihr privates großes Haus mit Garten schon längst abbezahlt.
Dann gibt es auch keinen Grund, nicht in Rente gehen zu können. Es gibt halt nur kein Zusatzvermögen aus einem Betriebsverkauf.
Du hast jeden Grund, Dich klar zu positionieren und das Ganze nicht als Dein Problem zu sehen, zumal es nichts Neues ist, sondern sich seit Jahren allmählich zuspitzt.
In den nächsten 8 Jahren wird das noch schlimmer weil mehr Betriebe auf den Markt kommen als in den vergangenen 20 Jahren.

Totalverlust hört sich so negativ an, weil "Verlust" drinsteckt.
Die Eltern scheinen ja recht beratungsresistent zu sein, denn sie hätten vormehr als 10 Jahren sehen müssen, dass die Töchter durch ihre Berufswahl raus waren aus dem Thema.
Da ist es ausgesprochen sinnvoll, Klartext mit ihnen zu reden - zumal nicht stimmt, dasss sie nicht in Rente gehen können.

Will die FS als Gesprächspartnerin ernst genommen werden, muss sie aufzeigen, dass sie das sieht.

Man könnte einen geordneten Ausstieg vorbereiten und durchführen, also natürlich nicht von heute auf morgen schließen, sondern den Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich rechtzeitig neu zu orientieren, und nicht den gesamten Betrieb, aber Teile davon verkaufen, also je nach Art des Betriebs Werkzeug und Geräte an andere (Betriebe/Meisterschüler etc.) verkaufen.
Wie soll das bei einem Kleinbetrieb funktionieren? Wenn man Werkzeuge verkauft, kann man Aufträge nicht mehr annehmen, d.h. muss sich bei einem Kleinbetrieb sofort von Personal trennen und steht dann selber mit noch mehr Arbeit da.

Die Eltern haben einen Nachfolger unter den MA gesucht und keiner will die Verantwortung und Arbeitsbelastung. Damit haben sie ihrer AG-Verantwortung Genüge getan. Ein kluger AN sieht was läuft und sucht sich rechtzeitig einen neuen Job - die anderen begreifen es eh erst, wenn sie die Kündigung in der Hand haben.
Auch das sind Gründe, warum harmoniesüchtige Menschen Selbstständigkeit scheuen.
 
  • #54
Die beste Lösung wäre gewesen, einen Nachfolger aus den eigenen Mitarbeitern aufzubauen. Das haben deine Eltern verpasst.
Das finde ich auch, dass das eine gute Möglichkeit gewesen wäre. Das haben sie über die Jahre auch versucht. Aber bei jedem guten Mitarbeiter kam irgendwas dazwischen.

Meister: Wollte zur Freundin in eine andere Stadt, da diese dort ein Haus geerbt hatte.

Meister aus der Umgebung: Hat in einem ca 2 Stunden entfernten Großbetrieb ein Angebot bekommen und gewechselt, da er nicht sein Leben lang im selben Betrieb hocken wollte.

Azubi: Wollte nach der Meisterprüfung wieder ins Heimatbundesland, da dort die ganze Familie war. Hat dort eine gute Anstellung gefunden und wollte wieder zu den Eltern.

Meister: Ging mit 55 in Frührente, da er Rückenprobleme hatte.

Azubi: Hatte nach der Ausbildung genug von körperliche stressiger Arbeit und hat die Branche gewechselt. Wollte nicht noch den Meister machen, obwohl die Firma ihn unterstützt hätte.

Junger Meister: Hat nach einem Jahr gekündigt, wollte lieber in ein größeres Unternehmen.

Geselle: Wollte sich auf Grund von Privatschulden durch Scheidung nicht selbstständig machen und auch keine Meisterprüfung ablegen.

Es wurde ja schon seit Jahren versucht, aber alle guten Leute wollten es nicht machen :( und viele Azubis wollten dann erstmal lieber studieren und haben mittlerweile einen ganz anderen Job. Es ist ja kein Geheimnis, dass viele junge Menschen lieber studieren als im Handwerk zu bleiben.
 
A

*a_n_s_i_n*

Gast
  • #55
Was bitte hast diese Frage bei EP zu tun?!?! Hat weder mit Partner, noch mit Beziehung noch mit Daten zu tun?!?!

Aber es hat ja nun schon irgendwie mit Familie zu tun, und unter dieser Rubrik steht der Thread ja auch...


A pro pos Moderation: auch von mir ein Dankeschön für Eure tolle ehrenamtliche Arbeit!

Ich hatte mich schon gewundert, dass das Forum und die Moderation in letzter Zeit sehr viel besser geworden sind... und habe heute Nacht gelesen, dass ein Wechsel stattgefunden hatte. Sehr gute Entscheidung!
 
  • #57
Dann gibt es auch keinen Grund, nicht in Rente gehen zu können. Es gibt halt nur kein Zusatzvermögen aus einem Betriebsverkauf.
Rein rational betrachtet hast du Recht.
Aber: Bei Familienunternehmen gibt es auch einen großen emotionalen Aspekt.

Es geht hier um ein Lebenswerk, etwas das Ururopa Uropa und Opa geschaffen haben und das weitergehen soll. Meine Eltern haben ihre gesamte Lebensenergie da rein gesteckt und den Betrieb weiterentwickelt. Sie haben auf Zeit und Urlaube verzichtet, nur damit alles läuft. Sie hatten kaum für mich Zeit. Soll das alles für die Katz gewesen sein (aus ihrer Sicht)?

Wenn sich ein gutes Nachfolgekonzept findet, dann würden die mit dem Preis sehr sehr weit runtergehen. Einfach damit es weitergeht! Es geht hier nicht vorrangig nur uns Geld.
 
  • #58
So ist es ja mit der Krankenversicherungspflicht passiert und diese Lektion wird aus Corona hinsichtlich der verpflichtenden auskömmlichen Altersversorgung und für sonstige Einkommensausfallgründe hoffentlich auch gezogen.
Das wird interessant, weil sich sehr viele kleine Selbständige, die von Monat zu Monat und "von der Hand in den Mund" leben, dann gar kein Geschäft mehr leisten können (ich denke an die vielen prekären Ein-Mann-Unternehmen). Sinnvoll ist die Vorsorge bestimmt, aber das würde einiges verändern bzw. für ganz viele Insolvenzen und noch weniger Mutige, die den Weg in die Selbständigkeit wagen wollen oder vielmehr können (gerade im ersten Jahr zahlt man meist drauf und macht keine/kaum Gewinne), sorgen, einen großen "Aufräum"-Effekt haben.
Dann gibt es auch keinen Grund, nicht in Rente gehen zu können. Es gibt halt nur kein Zusatzvermögen aus einem Betriebsverkauf.
Genau, es ist, wie oben geschrieben, kein Nicht-Können, sondern vielmehr ein Nicht-Wollen -- keine Not, sondern eine Präferenz.
Wie soll das bei einem Kleinbetrieb funktionieren? Wenn man Werkzeuge verkauft, kann man Aufträge nicht mehr annehmen, d.h. muss sich bei einem Kleinbetrieb sofort von Personal trennen und steht dann selber mit noch mehr Arbeit da.
Ich meinte, dass man die Angestellten informiert und dann langsam keine neuen (großen) Aufträge mehr annimmt, sondern nur noch die bestehenden abarbeitet und beendet. Und dann bekannten/befreundeten Kollegen/Konkurrenten/Händlern/Ausbildungsbetrieben die Maschinen oder das sonstige Inventar vergünstigt anbietet, erstmal seine Kontakte fragt. Was dann noch übrig oder nicht reserviert ist, kommt ins Internet oder wird vor Ort verkauft, ein Ausverkauf. Das dann natürlich schon innerhalb kürzerer Zeit. Aber man könnte ja schon vorher rechtzeitig mal unter Fachkollegen rumfragen, ob Interesse an Teilen des Inventars besteht. So meinte ich das.
A pro pos Moderation: auch von mir ein Dankeschön für Eure tolle ehrenamtliche Arbeit!

Ich hatte mich schon gewundert, dass das Forum und die Moderation in letzter Zeit sehr viel besser geworden sind... und habe heute Nacht gelesen, dass ein Wechsel stattgefunden hatte. Sehr gute Entscheidung!
Ich bin auch total begeistert von der neuen Moderation und deren Freischaltverhalten. Und ich schätze auch sehr die persönlichen, teilweise witzigen Anmerkungen. Chapeau!
w26
 
L

Lionne69

Gast
  • #59
Es wurde ja schon seit Jahren versucht, aber alle guten Leute wollten es nicht machen :( und viele Azubis wollten dann erstmal lieber studieren und haben mittlerweile einen ganz anderen Job. Es ist ja kein Geheimnis, dass viele junge Menschen lieber studieren als im Handwerk zu bleiben.

Liebe MissCosmo,
Es gibt Gründe, warum gute Leute in einen Betrieb nicht einsteigen wollen.
Gründe, die Du nennst, die sicher zutreffen.

Nur sind manche Gründe hier nicht der Hauptgrund.
Ein gut aufgestellter Betrieb mit einer soliden Auftragsstruktur, den man mit angemessenen Aufwand führen kann, der hinsichtlich Gebäude und Technik auf dem aktuellen Stand ist, ist attraktiv.

Ein Betrieb, in dem man gerade so hinkommt, mit viel Fleiß, langen Arbeitszeiten unter der Woche, UND am Wochenende, bei dem gerade mal kleinere Investitionen und Instandhaltungsmaßnahmen gemacht wurden, ist es nicht.

Du wirst der Realität ins Auge schauen müssen.

Rede mit Deiner Schwester, sie betrifft es auch. Bereitet das Gespräch vor mit Euren Eltern.
Sagt ihnen die Realität, die sie nicht sehen wollen.

Mehr als Liquidation ist bei Euch nicht drin. Du hast vieles dazu hier gelesen.
Sie brauchen aber auch nicht mehr zu arbeiten (oder es gibt etwas, was ihr nicht wisst)
Und sagt ihnen deutlich Stopp.

Mein Sohn lernt gerade einen Handwerksberuf, er würde gerne übernehmen - sehr kleiner Betrieb, aber sehr fein. Hier hört der Chef auf, die Gebäude sind toll, er wird das ganze Anwesen verkaufen.
Das kann sich mein Sohn nicht leisten.

Ich finde auch solche Fragen interessant, und nicht jenseits des Forums.
Es geht um Beziehungen - Beziehungen ist nicht nur Partnerschaft.
Wir haben hier oft Threads, wo es um familiäre oder freundschaftliche Beziehungen geht.

Man muss ja einen Thread nicht lesen oder sich beteiligen.

W, 51
 
  • #60
Das dachten wir lange auch. Leider wurden wir eines Besseren belehrt. Gründe sind laut Unternehmensberater folgende:

- Ländliche Lage, für viele unattraktiv
- Junge Leute wollen lieber ein sicheres Angestelltenverhältnis in einer großen Firma als die Unsicherheit der Selbstständigkeit
- Corona: Weniger Leute wollen sich selbstständig machen
- Branche: Relativ klein, daher wenig Auswahl
- Größe der Firma zu klein, um mit Geschäftsführern, Abteilungsleitern usw zu arbeiten. Alle Verantworting bleibt am Chef hängen!
Die Selbständigkeit in DE ist nicht mehr so beliebt wie sie einmal war. Zahlreiche Dinge sprechen dagegen und ich kenne auch niemanden, der sich freiwillig selbständig machen würde - egal in welcher Branche. Es lohnt sich einfach nicht.

Deine Eltern sollten der Tatsache ins Auge blicken, dass sich die Zeiten geändert haben. Haben sie das nicht mitbekommen? Betrieb aufgeben und gut, das ist doch keine Katastrophe, Mensch. Sie haben gut vorgesorgt und sollten froh sein, dass der Betrieb soviel abgeworfen hat! Die jammern auf ordentlich hohem Niveau.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
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