• #1

Finden Streithähne zueinander, wenn sie sich auch anziehend finden?

Hallo, liebe Mitstreiter,

eine Bekannte von mir ist mit früher einem Mann zusammen gewesen, von dem sie sagt, dass sie ihn anfangs absolut nicht leiden konnte. Die beiden haben sich wohl auch gefetzt im Freundeskreis.
Nun muss es ja nicht immer sein, dass man sich nicht leiden kann, aber anscheinend gibt es das schon mal, dass zwar Anziehung da ist, aber man sich trotzdem vor Beziehungsfindung auch streitend begegnet und dem anderen die Zähne zeigt.

Kennt ihr sowas auch oder sind das Einzelfälle?
Ich frage das, weil ich lieber Harmonie mag und wenn ich jemanden anziehend finde, mich nicht gern mit ihm streiten will. Ich würde es tun (heute, früher nicht), weil ich nicht mehr runterschlucke, wenn mir was nicht passt. Aber es ist eben ungewiss, was dann passiert, also ob der andere sich abwendet. Auf der anderen Seite vielleicht ein guter Test, ob man in der Beziehung auftretende Konflikte lösen kann bzw. überhaupt zusammen passt? Denn wenn man daraufhin wegrennt, war die Sympathie vielleicht nicht sonderlich groß.

Wie seht ihr das?

Danke schon mal für eure Beiträge :)
 
  • #2
Ich kenne das aus Hollywoodfilmen, aber nicht dem wirklichen Leben.... Jemand der mir zuerst unsympatisch war, wurde später nie attraktiver....
Vielleicht ist die geschilderte Situation eher ein Konkurrenzkampf, ein sich aneinander reiben? Auch das wäre für mich keine gute Basis - ich denke, es gibt viele Beziehungen, wo der eine dem anderen nicht wirklich seine Erfolge gönnen kann, und das ist vermutlich das, was aus der Sache dann üblicherweise rauskommt.
Ich halte Harmonie, dem anderen wohlgesinnt sein, für unerläßlich.
 
  • #3
eine Bekannte von mir ist mit früher einem Mann zusammen gewesen, von dem sie sagt, dass sie ihn anfangs absolut nicht leiden konnte. Die beiden haben sich wohl auch gefetzt im Freundeskreis.
Das kommt sehr häufig vor. Ich schätze, die meisten Paare konnten sich anfangs nicht leiden. Kamen und blieben aber sehr lange zusammen. Manche sogar ihr ganzes weiteres Leben lang.

Eine Frau sagte, dass der Streit mit ihrem Mann deswegen wichtig ist, weil die Versöhnung danach so schön für sie sei.
Für Andere scheint der Streit, dass sie überhaupt noch in der Beziehung vom Partner beachtet werden ?

Ich kannte ein Paar, dass sich fast jeden Tag stritt. In einem Ausmaß, dass man die Polizei holen würde. Man kann es nicht mit ansehen. Aber die wollen so streiten - Beide. Das ist der Kick in ihrer Beziehung. Obwohl die Frau deswegen ihren ganzen Freundeskreis verlor.

Einmal: Sich anziehend finden, obwohl sie sich nicht leiden können.
Oder: Sich anziehend finden, UND den Streit miteinander. Also ein gewolltes leiden, was sie auch anziehend finden.

Nein, man muß nicht Alles verstehen können.

Meine These: Die sexuelle Anziehung scheint wichtiger zu sein, als die persönliche.

Manchmal habe ich den Eindruck, man muß die Frau schlecht behandeln, damit sie Einen anziehend finden kann. Und Harmonie für diese Leute .... langweilig ?
 
  • #4
Kommt darauf an, worüber sie sich streiten und auf was die Ablehnung beruht.

Angenommen beide fühlten sich von Anfang von einander angezogen, waren aber jeweils zu schüchtern und die schüchterne Arte wurde als Arroganz oder Desinteresse interpretiert, dann kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es eine schöne Beziehung werden kann, sobald sie nicht mehr schüchtern und gehemmt sind.
 
G

Ga_ui

  • #5
Es gibt Menschen, insbesondere Männer mit Minderwertigkeitskomplexen, die brauchen ständig Streit. Solche Männer liefern sich lieber einen Wettkampf mit einer Frau, als eine Liebesbeziehung zu führen. Sie sehen die Frau aber auch nicht all vollständige Partnerin, die es zu beschützen gilt, sondern immer irgendwie als Konkurrenzperson. Sie versuchen ständig ihre Überlegenheit zu demonstrieren, und den Partner klein zu machen, um sich selber besser zu fühlen. Meiner Ansicht nach fängt das schon im Kleinen mit kleinen Sticheleien am Esstisch an!

Für mich wäre so etwas nichts. Es ist anstrengend und macht auch keinen Spaß.
 
  • #6
Kennt ihr sowas auch oder sind das Einzelfälle?
Ich frage das, weil ich lieber Harmonie mag und wenn ich jemanden anziehend finde, mich nicht gern mit ihm streiten will. Ich würde es tun (heute, früher nicht), weil ich nicht mehr runterschlucke, wenn mir was nicht passt. Aber es ist eben ungewiss, was dann passiert, also ob der andere sich abwendet. Auf der anderen Seite vielleicht ein guter Test, ob man in der Beziehung auftretende Konflikte lösen kann bzw. überhaupt zusammen passt? Denn wenn man daraufhin wegrennt, war die Sympathie vielleicht nicht sonderlich groß.
Früher hätte ich auch alles runtergeschluckt aber ich habe festgestellt, dass das nicht gut ist und weil meine Bedürfnisse und Wünsche auf der Strecke bleiben. Ich hatte Angst zu streiten bzw. meine Wünsche und Anliegen zu erstreiten und ebenfalls geltend zu machen aus Angst der Mann würde sich von mir abwenden.

Nicht nur das eine Partnerin die sich alles gefallen lässt verliert in den Augen des Mannes ihrer Persönlichkeit, ihr Format und sie verliert auch den Respekt. Sie ist nur wie eine graue Maus.

Ich hatte mehr als ein Jahr bis etwa Mitte Juni eine Beziehung mit einem Mann mit welchem mich auch gestritten habe und zwar respektvoll niemals unter der Gürtellinie (manchmal viel auch ein unangebrachtes Wort aber wir hatten uns immer versöhnt und wieder gelacht) aber ich habe auch meine Wünsche und Bedürfnisse angemeldet und auch manchmal meinen Unmut zum Ausdruck gebracht. Er möchte eine Familie gründen und das ist mit mir nicht möglich aber ich fragte ihn vor paar Tagen, ob er gerne mit mir ein Kind hätte, wenn das möglich wäre und er sagte ja. Das fand ich schön und eine Bestätigung, dass er mich offenbar immer noch sehr gern hat.

Bei ihm habe ich festgestellt aber auch bei jemand anderem, dass Männer es sogar gerne haben, wenn die Frau sie herausfordert und nicht zu allem ja und amen sagt, wenn sie ihnen die Stirn bietet und gleich stark wie sie versucht, ihre Position zu vertreten.

Männer bewundern das, ich glaube sie bewundern starke Frauen und langweilen sich bei anderen, die sie wie eine Knetmasse in ihren Händen formen können. Es sind glaube ich viel mehr diese Frauen, welche am Ende verlassen werden als die durchsetzungsfähigeren!
 
  • #7
Ach ich hab so einen Fall im Bekanntenkreis: Beide trafen sich im Studium und lernten zusammen. Er half ihr mit Männern anzubandeln und sie ihm beim Anbandeln mit Frauen. Beide hielten sich "für zu verschieden" für eine Beziehung.

Nun sind sie 20 Jahre ein Paar, glücklich verheiratet, arbeiten zusammen und haben zwei Kinder.
 
  • #8
Eine Freundin von mir ist mit ihrem beruflichen Erzfeind zusammengekommen. Sie haben sich bis aufs Blut beharkt. Dann waren sie in einer Angelegenheit zusammen in demselben Hotel. Als sie sich abends an der Bar begegnet sind, hat er sie jovial eingeladen. Sie hat sich hinreißen lassen, ihm von persönlichen Sorgen vorzuklagen. Er hat sie tröstend in die Arme genommen usw. Heute sind sie das harmonischste Paar, das mir je begegnet ist.
 
  • #9
Ich denke, die sexuelle Anziehung ist nicht zu unterschätzen.
Ich kenne einige Frauen, welche anfangs, weil sie für den Mann schwärmten, die Tendenzen des Mannes nicht wahrgenommen haben oder falsch eingeschätzt haben. Teilweise kenne ich Frauen, welche dachten, ihren Mann "erziehen" oder ihm seine "unpassenden" Eigenschaften abtrainieren können.
Ich persönlich denke, in einer Beziehungsanbahnung zu streiten, ist keine gute Basis und die Beziehung hält auf Dauer nicht.
Die Beziehungsanbahnung verstehe ich wie berufliche Probezeit. Ich zeige meine beste Seite und glänze mit meinen Qualitäten, um den Kandidaten für mich einzunehmen. Gleichfalls schaue ich bei ihm nach Gemeinsamkeiten und verstärkt nach Unterschieden.
Nun ist es so, dass ich Streit ebenfalls nicht mag und im Streit zeigt sich die häßliche Seite. Meistens streite ich, um meine eigenen Wohlfühlgrenzen zu verteidigen. Dafür muss mein Gegenüber meine Grenzen überschritten haben, ignoriert oder diese austesten wollen. In diesen Fällen lasse ich es nicht mehr zu, dass sich aus dem Kontakt eine Beziehung entwickelt. Gleiches verhält es sich bei Menschen, welche mir im Vorfeld unangenehm aufgefallen sind. Wenn ich die Person nicht leiden kann, wird sie es kaum schaffen, dass ich meine vorgefertigte Meinung revidiere.
Ich gehöre zur Fraktion die ersten 6 Monate Beziehungsanbahnung: ein Himmel voller Geigen, Harmonie pur, vor allem kein Streit.
Natürlich kann man in dieser Zeit vor allem RUHIG miteinander diskutieren und seinen eigenen Standpunkt vertreten, jedoch so, dass man nicht in Streit gerät.
Aber das Leben hat viele Facetten und Farben und letztlich legt jeder für sich persönlich selbst fest, wie er von seinem Umfeld gesehen werden will und wann man sich in einer festen Beziehung wähnt.
 
  • #10
Ich hatte tatsächlich mal ein kurzes Verhältnis mit einem Mann, mit dem ich bei unserer allerersten Begegnung ziemlich aneinandergeraten war. Dass sowas häufiger vorkommt, kann ich mir durchaus vorstellen. Denn Streit ist eine Form von Auseinandersetzung. Von intensiver Auseinandersetzung.

Bei einem Streit zeigt man sich - mit seinen Einstellungen, Bedürfnissen, Emotionen. Man erfährt so u.U. in einer halben Stunde mehr übereinander, als wenn man jahrelang nett Konversation miteinander macht und aus Angst vor echter Auseindersetzung nur ungefährliche Themen anschneidet. Deshalb können Konflikte Menschen einander näherbringen.

Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit - das sagte oder schrieb mal irgendjemand. Ich denke, dass da viel wahres dran ist. Ebenso wie an dem Sprichwort, dass Hass und Liebe dicht beieinander liegen können. Intensive Emotionen jedweder Art sind ein guter Nährboden für Verliebtheit. Es gibt ja auch Studien, in denen festgestellt wurde, dass man sich in aufregenden Situationen (z.B. beim Bungee-Jumping) leichter verliebt. Wenn man sich über jemanden aufregt, ist das auch eine intensive Emotion - man ist einander dann zumindest nicht egal;-)

Allerdings - ob Beziehungen, sie so zustande kommen, dann auch tragfähig sind? Das bezweifle ich eher. Man kann sich sicher heftig verlieben in jemanden, den man anfangs ätzend fand - aber wenn die verliebtheitsbedingte Umnachtung vorbei ist, treten die Gründe, aus denen man sich ätzend fand, wieder klar zutage. Und ich denke, dass es in solchen Beziehungen häufig darum geht, aneinander zu wachsen; sich durch die Auseinandersetzung mit den eigenen Schattenseiten weiterzuentwickeln. Ist dies erreicht, fehlt der Beziehung die Grundlage. Warst du es nicht, liebe void, die hier kürzlich geschrieben hat, dass Beziehungen oft aus dem (unbewussten) Bedürfnis nach Weiterentwicklung heraus entstehen und auseinandergehen, wenn diese stattgefunden hat?
 
  • #11
Bei diesem Mann, mit dem ich damals kurz was hatte, war ich nach kurzer Zeit auch sehr genervt von seiner streitsüchtigen Art ... ich würde sagen, der anfängliche Konflikt sorgte dafür, dass von Anfang an ein gewisser Pepp in unserer Beziehung war. Das hat u.U. die sexuelle Anziehung beflügelt. Aber zueinander gepasst haben wir nicht.
 
  • #12
Vielen Dank für eure Beiträge. Es gibt ja doch einige interessante Geschichten zu diesem Thema.

Warst du es nicht, liebe void, die hier kürzlich geschrieben hat, dass Beziehungen oft aus dem (unbewussten) Bedürfnis nach Weiterentwicklung heraus entstehen und auseinandergehen, wenn diese stattgefunden hat?
Ja, war ich. Ich hab zwar viele Entwicklungsschritte ohne Streit gemacht, aber in meiner Beziehung war die Angst da, völlig für meine Bedürfnisse einzutreten, weil ich Angst hatte, verlassen zu werden, d.h. ich habe deswegen keinen Streit riskiert. So könnte ich keine Beziehung mehr führen, mit der ganzen Anpassung, meine ich. Das wird mein nächster Entwicklungsschritt sein, auch mal Streit zu riskieren und auszuhalten, ob die Beziehung danach noch existiert. (natürlich ohne streitsüchig zu werden, mir geht es nur darum, mich nicht mehr so anzupassen, weil ich festgestellt habe, dass ich das nicht kann und dann lieber Beziehungen vermeide. Statt zu vermeiden, könnte man es ja auch erst mal riskieren.)

Man erfährt so u.U. in einer halben Stunde mehr übereinander, als wenn man jahrelang nett Konversation miteinander macht und aus Angst vor echter Auseindersetzung nur ungefährliche Themen anschneidet.
Das finde ich genau auf den Punkt gebracht. Ich denke, wenn man in einer Phase aneinander gerät, in der man noch nicht zusammen ist und somit noch nichts riskiert wird, sieht man auch am besten, dass man Vertrauen haben kann in die Zuneigung des anderen, wenn er "noch da" ist nach der Auseinandersetzung. Das Verhalten des anderen in Konfliktsituationen zu kennen, ist ja auch enorm wichtig, wird aber in vielen Beziehungen gar nicht vorm Zusammenfinden gekannt.

Und ich denke auch, dass Liebe und Gleichgültigkeit sich ausschließen. Dass Liebe und Hass dicht nebeneinander liegen, hätte ich früher verneint, heute nicht mehr. Allerdings bin ich mir noch nicht schlüssig, ob diese Liebe dann nicht in dem Moment Bedürfigkeit ist, die nicht gestillt wird, das Sehen der eigenen Machtlosigkeit, dass man vom geliebten Menschen niemals kriegen wird, was man emotional will, weil er in diesem Punkt einfach anders gestrickt ist.
Wenn es zu viel Streit ist, sehe ich das auch so, dass es zu stressig wird. Aber es gibt ja unterschiedliche Charaktere, für den einen ist ein Streit (zumindest in bestimmten Bereichen) ein Aphrodisiakum, für den anderen ein Lustkiller.
 
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  • #13
Nachtrag

das Sehen der eigenen Machtlosigkeit, dass man vom geliebten Menschen niemals kriegen wird, was man emotional will, weil er in diesem Punkt einfach anders gestrickt ist.
Ich meine nicht "niemals", denn der Mensch könnte es lernen, wenn man sagt, was man braucht, und er es dann in diesen Momenten geben will. Aber erstmal kommt es nicht von allein bzw. sogar genau das Gegenteil, was Hass erzeugt. Z.B. wenn jemand das Bedürfnis hat, umsorgt zu werden, und genau das den anderen dazu bringt, sich umklammert zu fühlen. Wenn der Erste dann dem Zweiten die Sicherheit geben kann, dass er nicht umklammert wird, sondern dass es nur um einen kurzen Moment des Sich-Drauf-Einlassens handelt und man danach wieder eigenständig ist, kann der Zweite vielleicht in diesen Momenten den Impuls, wegrennen zu wollen, in sich bearbeiten und weiß, er wird hier nicht dauerhaft in einen emotionalen "Du-musst-dich-kümmern-Sumpf" gezogen.

Schwierig wird es nur dann, wenn der Erste ausgerechnet immer dann umsorgt werden will, wenn der Zweite sich gesagt hat "so, jetzt mach ich mal was nur für mich". Dann aktivieren die sich immer gegenseitig in dieser Sache und einer von beiden - der, der nachgibt - wird auf jeden Fall unbefriedigt sein. Außerdem fangen sie vielleicht an, einander zu unterstellen, dass der eine den anderen manipuliert. Das gibt es zwar auch, aber manchmal ist es so, dass der eine nur denkt "heut Abend machen wird es uns gemütlich", und der andere ausgerechnet da später kommen will, weil er spontan irgendwas anderes geplant hat.
 
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  • #14
Ich finde es sehr wichtig auch miteinander streiten zu können. Ich wünsche mir zwar auch eine harmonische Beziehung, aber auf Augenhöhe. Wenn es also unterschiedliche Positionen gibt, dann muss das ausgetragen werden. Sogar notfalls in einem Streit münden, denn dann ist echte Leidenschaft im Spiel. Ich stimme der Ansicht nicht zu, dass solch eine Beziehung schlechte Chancen hat. Vertrauen ist doch das Wichtigste und dafür braucht es Ehrlichkeit. Wichtig ist, dass man immer wieder zusammen findet und nicht einer immer nachgibt.
 
  • #15
Wichtig ist, dass man immer wieder zusammen findet und nicht einer immer nachgibt.
Das wird praktisch nur ganz selten so sein. Viele Menschen wollen auch gar nicht nachgeben; schon aus Prinzip nicht, sondern lassen lieber alles scheitern, bevor zu Zugeständnisse machen. .

Deswegen funktionieren Partnerschaften nach dem Motto "Unterschiede ziehen sich an" i.d.R. nicht. Das ist auch statistisch erwiesen.