• #1

Gefühle nach Schicksalsschlag gespalten

Hallo,
ich bin Mitte 20 und bei mir wurde vor 3 Monaten eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert und ich war eine lange Zeit im Krankenhaus.
Davor habe ich meinen Partner wirklich sehr geliebt und er war auch immer für mich da und nimmt viel Rücksicht, da man mit mir momentan nicht viel anfangen kann.
Doch seit der Erkrankung spüre ich einen kontinuierlichen Rückgang meiner Gefühle und ich weiß nicht wieso.
Einerseits spüre ich noch Liebe für ihn, aber andererseits habe ich das Gefühl ich brauche Zeit für mich und er ist mir im "Weg".
Ich empfinde es als ungerecht ihn so " hinzuhalten " und ihm auf einer Weise die Liebe zu entziehen, daher weiß ich, dass es richtig wäre die Beziehung zu beenden.
Ich hoffe aber, dass das nur eine Phase ist und meine Gefühle jetzt nur durch den Schock der Krankheit überlagert wird.
Ich weiß nicht was ich tun soll,daher wäre es sehr nett, wenn ich einige objektive Meinungen bekommen könnte.
Vielen Dank
 
  • #2
Liebe FS, ein Schicksalsschlag wie eine Krankheit kann dazu führen, dass man sein bisheriges Leben radikal überdenkt und auf einmal andere Prioritäten hat. Für mich klingt es so, als ob die Beziehung für dich doch nicht tragfähig genug ist für einen Alltag mit solchen Belastungen. Ist er dafür der Richtige? Dass Gefühle durch Krankheit überlagert werden, das glaub ich nicht, aber dass sie verschwinden können, sehr wohl.
 
  • #3
Vielen Dank für deine Antwort.
Das mit dem Prioritäten über denken ist richtig.
Nur wieso spüre ich manchmal noch die Liebe und manchmal überhaupt nicht mehr und ich gehe immer mehr auf Distanz.
 
  • #4
Natürlich bist du ambivalent im Moment. Dich hat eine lebensverändernde Situation getroffen, ihn nicht. Deine Gefühle sind aber richtig und gut für dich. Zeit für dich brauchst du auf jeden Fall, um dich neu zu orientieren - als Mensch, der von einer Krankheit betroffen ist. Vielleicht passt der bisherige Partner nicht mehr? Auf jeden Fall bist du jetzt derjeniger, dessen Leben sich radikal verändert hat, und das solltest du für dich auch so sehen. Alles Liebe!
 
G

Gast

Gast
  • #5
Du bist sehr mit dir selbst beschäftigt, du machst viel durch, dein Leben verändert sich. Ich kenne das von mir auch, es gibt Phasen, wo ich niemanden gebrauchen kann und alleine am glücklichsten bin.

Allerdings würde ich mir gut überlegen ihn, der zu dir hält und für dich da ist, gehen zu lassen. Mag sein, dass Gefühle manchmal schwinden, aber wahre Liebe kann zusammenhalten, vielleicht wirst du bald noch froh sein ihn zu haben.

Meine Gedanken dazu, alles Gute!
 
  • #6
Noch ein Nachsatz: sei ganz offen mit ihm und sage ihm deine Bedenken und momentane Gefühlslage. Dann kann er sich deklarieren, und es ist auch nur fair, ihm diese Chance zu geben.
 
G

Gast

Gast
  • #7
Hallo, liebe FS,
du schreibst nicht welche Autoimmunerkr. du hast, aber es ist ein Schockzustand in dem du dich möglicherweise befindest. Da ich selbst eine AI habe kann ich dich verstehen. Ich musste meine ganze Ernährung umstellen und war plötzlich ein komplett ander Mensch. Zudem ging es hormonell auf und ab. Auch dies kann deine sexuellen Bedürfnisse verändern. Lass dir mehr Zeit und hole dir psychologische Hilfe. Es gibt auch gute Selbsthilfegruppen, mir hat es sehr geholfen.
Ich wünsche dir alles Gute!
 
G

Gast

Gast
  • #8
Ich glaube auch, dass Du Dich in einer Art Schockzustand befindest. Man ist dann total mit sich selbst beschäftigt und kann nicht mehr emotional auf andere reagieren. So war das bei mir jedenfalls. Ich war wegen zwei Ereignissen in der Kindheit, darunter der Tod meiner Oma, die mir damals der liebste Mensch war, jahrelang wie eingefroren.
Freunde konnten mit mir nichts mehr anfangen, und da sie selber auch Probleme hatten und meine Eltern nicht auf mich in dieser Hinsicht reagierten, musste ich das selber mit mir regeln.
Gib Dir selber Zeit und bitte ihn, dass er Dir sagt, wenn er leidet unter diesem Zustand. Du musst diese Beziehung nicht beenden, "nur" weil Du Dich zurückziehen willst. Dein Freund möchte vielleicht weiter für Dich da sein, auch wenn Du nicht viel geben kannst. Rede mit ihm darüber, damit er nicht vor einer Wand steht. Vielleicht hat er auch Verständnis und will nicht von selber gehen. Dann wirst Du Zeit für Dich haben und die Beziehung wird nur etwas loser.
Ich denke, wenn Du nicht mehr diese Verpflichtung im Hinterkopf hast, dass Du in der Beziehung was geben MUSST, dann kommt das irgendwann von selber wieder, dass Du es willst, falls Du Deinen Partner liebst. Und dabei bedenke, dass Dein Partner dieses Geben vielleicht derzeit gar nicht einfordert, weil er Verständnis hat. Und er möchte trotzdem mit Dir zusammen sein.
 
  • #9
Liebe FS,
mein Bruder hat vor 2 Monaten die Diagnose MS erhalten, die Befunde deuten auf eine der "bösartigen" Varianten hin. Er ist Arzt und meinte, dass es im Durchschnitt bis zu 6 Monate dauern kann, bis der Schicksalsschlag vom Patienten (also auch ihm selbst) in seinen ganzen Ausmaßen verstanden wurde und eine mentale Neuausrichtung erfolgt: Mit der Krankheit leben.

Lasse dir doch Zeit, dein schlechtes Gewissen dem Partner gegenüber würde ich unbedingt in einer Selbsthilfegruppe oder begleitenden Therapie besprechen, bevor du Entscheidungen triffst. Dein phasenweises Schwinden von Gefühlen könnte auch eine Schutzreaktion der Psyche sein.
Ich wünsche dir sehr viel Kraft.
w
 
  • #10
Vielen Dank für all eure lieben Antworten!

Ich habe gestern mit ihm gesprochen und ihm auch gesagt,dass ich nicht möchte, dass er darunter leidet.
Unter meiner Krankheit und meinem Rückzug von ihm.

Er zeigt mir viel Verständnis und wir haben besprochen, dass wir es ein wenig loser machen.
Das wir uns erstmals nur am Wochenende sehen und wir dann schöne Sachen unternehmen,um wieder glückliche Momente zu sammeln,denn die kamen definitiv zu kurz.

Ich möchte nicht genau schreiben was es ist,aber so weit,es ist etwas systemisches.

An manchen Tagen kann ich gut damit umgehen, an anderen weniger.
Ich bemühe mich um psychologische Hilfe, aber leider gibt es lange Wartezeiten. Ich vertraue aber auch auf mich, dass ich es schaffe,diese Tatsache zu akzeptieren und damit zu leben und das so gut es geht.
Wie einige von euch auch gesagt haben, es braucht Zeit.

Vielen Dank
 
  • #11
Liebe FS, mal abgesehen von dem Schockzustand vermute ich, dass Du tief in Dir Angst hast verlassen zu werden und sozusagen aus einem emotionalen Sicherheitsreflex heraus schon selbst ( mit gespaltenen Gefühlen) innerlich auf Abstand gehst...
 
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