• #1

Genervt von zerstrittener Familie

Liebes Forum,

Es geht um meine Familie mütterlicherseits. Letzte Woche ist mein Opa verstorben. Da der und meine Mutter seit meiner Geburt keinen Kontakt miteinander pflegten, kann ich nicht behaupten, ihn gekannte zu haben. Über den Grund des Kontaktabbruchs spricht keine Mutter nicht, sie hat aber auch nie schlecht über ihn gesprochen.
Neben meiner Mutter hatte er noch drei weitere Töchter und einen Sohn. Ich hatte mein Leben lang lediglich Kontakt zu einer meiner Tanten und ihren Töchtern.

Nun zum eigentlichen Thema: In der letzten Woche habe ich Dinge über meine Familie erfahren, die ich zum Teil lieber nicht gewusst hätte.
Mein Opa litt bereits seit Jahren an Lungenkrebs. In den letzten 20 Jahren hatte er überhaupt keinen Kontakt zu seinen 4 Töchtern. Die letzten zehn Jahre lebte mein Onkel mit ihm und zwei Hunden in einer 2-Zimmer-Wohnung und war nirgendwo. Da er keine Krankenversicherung hatte/hat, arbeitslos war/ist, keine gültigen Papiere hatte/hat und demnach keine Sozialhilfe in Anspruch nehmen konnte/kann, lebten beide zusammen von der kleinen Rente meines Opas. Beide dürften mittlerweile mittelhoch verschuldet sein.
Zwei meiner Tanten (die selbst von Hartz 4 leben) lehnen es strickt ab, sich um die Beerdigung etc. zu kümmern und wären vermutlich auch nicht in der Lage dazu. Meine Mutter (lebt 500km vom Rest der Familie entfernt) ist seit seinem Tod ständig am Weinen und möchte sich nicht wirklich mit Ihren Schwestern verständigen. Die letzte verbleibende Tante kümmert sich im Alleingang um Beerdigung und ihren gescheiterten Bruder. Sie fühlt sich mit allem überfordert und allein gelassen, weshalb ich (so gut es telefonisch geht) versuche sie organisatorisch zu unterstützen (ich habe sie selbst das letzte mal als Kind gesehen). Für's erste habe ich alle darüber informiert, was sie bzgl. der Erbausschlagung zu beachten haben und habe Termine beim Amtsgericht vereinbart, um noch schlimmeres zu vermeiden.

Das ganze fühlt sich wie eine schlechte Folge "Mitten im Leben" an und ich weiß derzeit nicht, worin ich meine Rolle darin sehen soll. Ich möchte irgendwie helfen (schließlich ist das auch meine Familie), renne aber gegen eine Wand aus Stur- und Unwissenheit und möchte auch nicht aufdringlich wirken.

Habt ihr einen Rat für mich?

Ich lebe 700km mit meinem Freund zusammen, dem ich diese Familiengeschichte eigentlich nicht zumuten möchte.
 
  • #2
Deinem Freund möchtest du die Familiengeschichte nicht zumuten?
Du merkst aber schon, dass das die Fortsetzung des Dramas aus unbekannten Familiendramen, Kontaktabbrüchen und so weiter wird?
Die ganze Geschichte klingt unendlich traurig und verfahren. Ich halte es für unmöglich, dass du jetzt plötzlich durch dein Erscheinen die Vergangenheit klären und lösen kannst.
Ich würde mich heraushalten soweit es nur irgendwie geht und nur Kontakt mit Familienmitgliedern haben, wenn der positiv ist.
 
G

Gast

  • #3
Liebe FS, Dir alles gute - jetzt und die nächste Zeit. Du hast das allerwichtigste schon getan - Erbausschlagung organisiert. Recherchiere noch die Anschrift eines sozialpsychiatrischen Dienstes, schick diese deinem Onkel - dann soll er sich dort telefonichsch melden. Ende Dann hör mit allem auf. Die Wand aus Sturheit und Unwissenheit ist potentiell geeignet Dich zu zerstören. Dir nochmals alles Gute - und wenn Du Schuldgefühle bekomemn solltest - die können auch ohne Schuld auftauchten - mache ein paar Termine mit einem Psychologen damit du nicht abschmierst.
w
 
  • #4
Hilf deiner Tante bei der Beerdigung.
Hilf deiner Mutter beim Ausschlagen des Erbes und schlage dann du aus, denn du kommst auch irgendwann dran, wenn alle ausschlagen.
Und dann gehe zur Tagesordnung über.
Hänge dir doch nicht solche Leute an Bein, ihr teilt gewisse Gene und sonst nichts.

w 48
 
  • #5
Du kannst da nicht mehr als jetzt schon helfen. Ich rate dir auch strikt ab, deine Mutter dazu bewegen zu wollen. Ich glaube auch nicht, das du gegen eine Wand aus Unwissenheit rennst, die wissen schon genau warum sie weg sind, sondern das du das du besser wirklich nicht wissen willst warum sich alle vier(!) Töchter abgewandt haben und nur der Mann überbleibt, der aber anscheinend voll gescheitert ist. Eigentlich sollte der Bruder sich dann auch alleine drum kümmern können. Der Hass muss schon ziemlich groß sein. Wenn man weiß, das da Erbe besser ausgeschlagen wird, muss es aber auch Informationen und Kontakt gegeben haben. Da du deine Tante unterstützt ist sie auch nicht völlig alleine gelassen. Komm bitte nicht auf die Idee auch noch deinem Onkel helfen zu wollen. Im Grunde wäre das alles eh unter den 5 "Kindern" zu tun. w48
 
G

Gast

  • #6
Das ist wirklich heftig. Ich finde es toll, dass Du Deine Tante unterstützt. Anscheinend ist da einiges im Argen bei der Familie. Vielleicht kommt auch noch das eine oder andere ans Licht.
Einen wirklich hilfreichen Rat habe ich leider nicht. Ich wünsche Dir nur viel Kraft, das durchzustehen!

w, 45
 
  • #7
Was die Erbausschlagung angeht so würd ich nicht nur an die Frist denken sondern auch mal zu einem Fachanwalt gehen, denn es sind zwei Punkte:

a) was wenn doch Nachlaß da ist ?

und

b) was ist wenn das Amt sich meldet und versucht, das an den verstorbenen Opa Geld gezahlt hat bei dem Nachwuchs zu holen ? Es ist zu prüfen ob hier eine Erbausschlagung was ändert.
 
G

Gast

  • #8
Liebe FS,
Du hast alles getan, was Du tun konntest - verhindert, dass noch andere in den Schuldensumpf gezogen werden.
Wenn die Elterngeneration zerstritten und zerrüttet ist, dann ist es nicht Sache der Kinder, deren Leben wieder in Ordnung zu bringen. Das Klügste ist es, weit wegzugehen und sich ein eigenes neues Leben aufzubauen. Das hast Du getan und Du solltest, nachdem mit dem Amtsgericht alles geklärt ist, auch wieder auf Abstand gehen.
Was willst Du Deine Beziehung mit Stress und Schamgefühlen wegen so einer chaotischen Familie belasten.

Im Endeffekt müsstest Du Dich noch nichtmal um die Beerdigung kümmern, für sowas gibt es Ämter, die sich um ein Schlichtbegräbnis kümmern und dann versuchen die Kosten von zahlungsfähigen Verwandten zurückzubekommen. Ebenso ermittelt das Amtsgericht die Erben.

Auch Dein Onkel fällt in die soziale Hängematte, die unser Staat für alle spannt. Wenn er bisher kein Hartz 4 bezogen hat, wird ihm in Zukunft wohl nichts anderes übrig bleiben, wenn er nicht obdachlos werden will. Für mich klingt es so, als würde Dein Onkel ohnehin keine 2 Legeosteine im Leben aufeinander bringen. Dafür gibt es sozialpsychiatrische Dienste, die ihm all das abnehmen, ihm zur Not einen Amtsvormund besorgen, welcher sich um Ausstellung von Papieren, Anträge für Sozialhilfe oder Hartz 4 sowie Krankenversicherung kümmert. Wenn Du selber berufstätig bist und weit weg wohnst, kannst Du ihn nicht an die Hand nehmen und das alles für ihn erledigen.

Ich würde mich auch durch den Tod eines Großvatern nicht animiert fühlen, mit einem Mal versuchen aus einem jahrzehnte alten Familientrümmerhaufen versuchen eine heile Welt zu schmieden, sondern den bisherigen Abstand einhalten. Behalt den Kontakt zu Deiner Mutter und zu Deiner Tante wie er vorher war und lass' die anderen entfernten Verwandten ihr Leben weiterleben. Sie sind erwachsen und selber verantwortlich für das was sie tun und was sie unterlassen. Du musst nicht als Reserveeinheit auftauchen und Dinge in Ordnung bringen.
 
  • #9
Oh diese Situationen kenne ich nur zu gut aus meiner eigenen Familie. Keiner redet mit irgendjemanden und wenn Katastrophen passieren, muss das alles irgendwie geregelt werden. Dass du so hilfst wie du es tust finde ich Klasse. Dass meine Großmutter damals gestorben ist habe ich nur durch meine Cousine erfahren und ich wurde von der Beerdigung ausgeschlossen. Wenn sie es mir nicht gesagt hätte, weiß ich nicht, ob ich es bis heute wüsste. Kümmer dich so wie es möglich ist, aber überfordere dich nicht selber, das schadet nur dir. Ich habe mich in meiner Familie engagiert und es wurde immer mehr und mehr und mehr verlangt.... bis ich fast am Boden lag und irgendwo zwischen Depressionen und Burnout lag... und es hat niemanden interessiert. Ich habe genau den falschen Menschen in meinem Leben vertraut ... dafür könnte ich mir noch heute in den A.... treten. Mit einigen Leuten rede ich heute noch, aber Gefühle sind da nicht mehr vorhanden, ich rede mit ihnen weil ich Anstand habe, mehr nicht ... Also wie geschrieben es ist gut und wichtig wenn du dich kümmerst, aber mache das Notwendigste und wenn das alles durch ist lebe wieder dein Leben. Deinen Freund solltest du involvieren. Er muss dich mit deiner Vergangenheit nehmen und sollte das alles wissen. Irgendwann kommt man ja ohnehin auf derartige Themen zu sprechen. Und nur wenn er dich mit deiner Vergangenheit nimmt kann das Zukunft haben. Alle Gute :)
 
  • #10
Diese ganzen Baustellen seit zig Jahren kann niemals deine Aufgabe sein. Mutter, Tante helfen Ende!
 
  • #11
Ja - nicht soviel Helfer-Syndrom entwickeln.

Man kann nicht für Alle da sein, und nicht Alles leisten. Die FS hat bereits alles gemacht, was sie konnte. Es ist weit her geholt, sich um Leute zu kümmern, die man kaum kennt. Auch wenn es Verwandte sind.

Es ist schwer, sich abzugrenzen, auch sich selbst gegenüber abzugrenzen, aber es ist wichtig.

Wichtig ist, dass Jemand vor Ort sich um die Organisation und Abwicklung des Nachlasses und der Formalitäten kümmert.
Wenn Keiner der direkten Angehörigen für die Beerdigung zahlen kann, dann zahlt der Staat.
Die zwei Hunde kann das Tierheim aufnehmen, und dort weiter vermittelt werden. Das ist ziemlich formlos, aber vorher dort anrufen.

Wenn die Familie zerstritten ist, dann ist das deren Problem.
Man kann Niemanden zwingen, der nicht will.
Wenn man selber Kontakt aufnehmen möchte, kann man das selber versuchen. Egal wie der Rest der Familie ist.
(m,53)
 
G

Gast

  • #12
Was die Erbausschlagung angeht so würd ich nicht nur an die Frist denken sondern auch mal zu einem Fachanwalt gehen, denn es sind zwei Punkte:

a) was wenn doch Nachlaß da ist ?

und

b) was ist wenn das Amt sich meldet und versucht, das an den verstorbenen Opa Geld gezahlt hat bei dem Nachwuchs zu holen ? Es ist zu prüfen ob hier eine Erbaussc6hlagung was ändert.
Ist das Erbe ausgeschlagen, fallen sämtliche Verpflichtungen, bis auf die Bestattungskosten, weg. Mein Bruder und ich schlugen das Erbe meines Vaters aus, wie auch alle übrigen Anverwandten. Wir mussten uns nichtmal mehr um die Wohnungsauflösung kümmern. Das vorhandene Vermögen war geringer als die noch offenen Verbindlichkeiten.
Du, liebe FS hast getan was Du konntest. Für das kaputte Leben Deiner restlichen Familie bist Du weder verantwortlich noch kannst Du es richten.
 
  • #13
"Stummer Krieg" bedeutet auch, irgendwann ist das Fass voll und die Bombe geht hoch. Ich würde mich da nicht wohl fühlen, denn am Ende geht es noch gegen mich.

Ich finde den Vorschlag mit dem Hotel auch gut. Und ich würde tagsüber mit meinem Mann außer Haus etwas dort unternehmen. Du willst ja auch bisschen was sehen, wenn du in England bist und nicht nur in der dunklen Bude hocken und den ganzen Tag reden und Kaffee und Kuchen haben. Da würde ich am Tisch einschlafen.
 
  • #14
Oh diese Situationen kenne ich nur zu gut aus meiner eigenen Familie. Keiner redet mit irgendjemanden und wenn Katastrophen passieren, muss das alles irgendwie geregelt werden. Dass du so hilfst wie du es tust finde ich Klasse. Dass meine Großmutter damals gestorben ist habe ich nur durch meine Cousine erfahren und ich wurde von der Beerdigung ausgeschlossen. Wenn sie es mir nicht gesagt hätte, weiß ich nicht, ob ich es bis heute wüsste. Kümmer dich so wie es möglich ist, aber überfordere dich nicht selber, das schadet nur dir. Ich habe mich in meiner Familie engagiert und es wurde immer mehr und mehr und mehr verlangt bis ich fast am Boden lag und irgendwo zwischen Depressionen und Burnout lag und es hat niemanden interessiert.
 
  • #15
"Stummer Krieg" bedeutet auch, irgendwann ist das Fass voll und die Bombe geht hoch. Ich würde mich da nicht wohl fühlen, denn am Ende geht es noch gegen mich.

Du merkst jetzt aber schon, dass das die Fortsetzung des Dramas aus unbekannten Familiendramen, Kontaktabbrüchen und so weiter wird.
 
  • #16
Was du bisher gemacht hast, ist so voll in Ordnung und du solltest es damit belassen.
Auffällig, der einzige Sohn lebte mit seinem Vater in gemeinsamen Haushalt, weil er alleine nicht lebensfähig war. Die vier Töchter sind anscheinend regelrecht vom Elternhaus geflohen und suchen untereinander auch nicht übermäßig Kontakt. Viele Möglichkeiten stehen als Begründung dafür nicht zur Verfügung. Wenn es um Gewalt der Eltern gegen die Kinder/strenges Elternhaus geht, halten mehrheitlich die Kinder zusammen und geben sich gegenseitig Schutz und Beistand und halten auch im Erwachsenenalter untereinander Kontakt.
Eine Möglichkeit des Zerwürfnisses wäre, dass der Vater die Familie sitzen gelassen und in ein finanzielles Desaster gestürzt hat, in dem dann jeder ums Überleben kämpfen musste oder aber, dass Töchter sexuellen Übergriffen des Vaters oder des Bruders ausgesetzt waren und deshalb aus dem Elternhaus flohen.

Was bringt es, in der Vergangenheit herumzustochern?
Wenn dich ernsthaft interessiert, die Hintergründe des familiären Zerwürfnisses zu hinterfragen, würde ich in erster Linie mit meiner Mutter das Gespräch suchen und dann mit der Tante, die bis jetzt auch Engagement an den Tag gelegt hat.