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Gast

  • #1

Gewalt in der Erziehung - Meinungen dazu?

Wie wertet ihr es heute, dass Eure Eltern Euch schlugen?
Wie groß ist die Gefahr, dieses Muster zu übernehmen?

Im Nachbarthread mit den Problemkindern an Grundschulen kam mehrmals die Diskussion darüber auf, was für Nachwirkungen es hat, dass man als Kind von den Eltern geschlagen wurde.

Die Meinungen darüber gingen auseinander:

Dies war bei mir (Jahrgang 1980) auch noch so und hat mir aus heutiger Sicht in keiner Weise geschadet
Ich (Jahrgang '86) wurde ebenfalls geschlagen und mir hat es sehr geschadet. Kinder zu schlagen ist ein Zeichen von Unfähigkeit und eigener Schwäche. Manchmal auch eines von Sadismus.
Wie steht Ihr dazu? Hat es Euch "geschadet"?
Welche Motivation können Eltern haben zu schlagen? Wann und warum habt ihr es selbst getan?
 
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Gast

  • #2
In meiner Kindheit waren Schläge ganz normal

Dies war bei mir (Jahrgang 1980) auch noch so und hat mir aus heutiger Sicht in keiner Weise geschadet. Es gab hier und dort mal Ohrfeigen (auch in aller Öffentlichkeit, ohne dass sich jemand daran gestört hätte), Hausarrest oder ähnliche Unannehmlichkeiten. Ich kann mich noch sehr gut an das Theater erinnern, das es gab, als ich in der Grundschule mal eine Fünf mit nach Hause brachte. Ein Jahr später war ich dann eines von gerade einmal drei Kindern aus unserer Klasse, die auf's Gymnasium durften und wiederum das einzige von diesen drei Kindern, welches bis zum Abitur durchgehalten hat.

Die heutigen "Erziehungs"methoden (bei denen z.B. mit Kindern alles ausdiskutiert wird, Kinder zur Belohnung für Selbstverständlichkeiten übermäßig mit materiellen Dingen überhäuft werden etc.) sind in ihrer Wirksamkeit sehr fragwürdig.
Auch trauen sich viele Eltern gar nicht mehr, eine härtere Gangart zu fahren, da aufgrund unklarer, schwammiger Gesetzeslage seit dem Jahr 2000 ("entwürdigende" Erziehungsmaßnahmen sind seither gem. § 1631 Abs. 2 BGB verboten) eine ständige Angst vor dem Jugendamt herrscht und die Kinder teilweise selbst mit der Einschaltung desselben drohen (bei Bekannten so erlebt).
Hier sollte dringend wieder ein gesellschaftliches Umdenken einsetzen.

m33
 
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  • #3
An körperliche Züchtigung im Kindesalter kann ich mich nur 1 x erinnern. Die seelische Misshandlung war bei mir viel schlimmer. Die ging bis ich Erwachsene war, nur durch Kontaktabbruch konnte ich mich dieser Misshandlung entziehen, weil meine Mutter ihr Verhalten aufgrund ihrer Störung nicht reflektieren und daher auch nicht ändern kann.

w 51
 
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  • #4
Vielleicht sollte man erst einmal definieren, was schlagen bedeutet!
Natürlich ist jede Art von körperlicher, aber auch psychischer Gewalt gegen Kinder induskutabel, einfach, weil Kinder immer unterlegen sind und sich nicht wehren können.

Aber es ist ein Unterschied, ob man zur Strafe wirklich Schläge, also den Hintern versohlt bekommt, oder ob im Chaos einem Elternteil die Hutschnur platzt und man das Kind einfach packt und gegen seinen Willen anzieht, nach Hause schleppt oder es ins Bett packt - unsanft!
Auch das ist Gewalt, aber meines Erachtens menschlich.
Wer mal 2 kreischende und schreiende überdrehte 4jährige nach Hause bringen wollte oder zum Zähneputzen bewegen wollte, während die überhaupt nicht mehr zugänglich für irgendetwas sind, weiß, was ich meine.
Da nützt es dann nichts, es "spielerisch" zu versuchen oder "konsequent" oder "auf Augenhöhe", weil die sich dann ein Ei drauf backen.

Ich lehne Gewalt ab, kenne aber keine Eltern, die nicht auch mal energischer waren und ihre körperliche Überlegenheit genutzt haben.
Schläge, wohl möglich sogar ins Gesicht gehen gar nicht!
Ich habe meine Kinder auch schon, wenn das Chaos überhand nahm, schimpfend ins Bett gepackt oder sie an der Hand genommen und mitgezerrt, obwohl sie schrien und sich auf den Boden schmissen. In der Regel reden wir dann aber in einer ruhigeren Minute wieder drüber.

Mir hat es nicht geschadet, dass ich mal eine geknallt bekam, aber das passierte sehr selten. Bei uns ging das Ganze eher unterschwellig über psychische Gewalt, die viel schlimmer sein kann als eine Ohrfeige.
Wenn ich eine Ohrfeige bekam, hab ich mich gefreut, wenn man so richtig schön die Handabdrücke gesehen hat. Dann bin ich wieder nach unten zu meinen Eltern und hab ihnen ihr "Werk" vor Augen geführt und sie hatten ein mächtig schlechtes Gewissen. Sekundärer Krankheitsgewinn!
Aber wenn meine Mutter den ganzen Tag nichts mit mir geredet hatte oder ich abends nicht mitessen durfte, empfand ich das weit schlimmer. Liebesentzug geht gar nicht!

Unser früherer Nachbar hat seinem Sohn ständig gesagt, dass er ein Versager ist und nichts kann und das er das wohl von seiner blöden Mutter hätte (wohl bemerkt ist er studiert und aus der sog. besseren Gesellschaft). Finde ich auch schlimmer als ne Backpfeife.
Trotzdem schlag ich meine Kinder nicht, nur manchmal geht der sanfte Weg eben nicht so ganz.
 
  • #5
Kinder mit 1-3 Jahren haben bisweilen die gleiche kognitive Fähigkeit wie ein grosser Hund.. Dementsprechend hat das "Ausdiskutieren" in diesen Jahren in etwa den gleichen Wert wie das "ausdiskutieren" mit einem Hund... der Hund merkt zwar DASS jemand mit ihm spricht, aber weder was der will noch ob es gut oder schlecht war...
 
  • #6
Bei uns war die Ohrfeige auch noch üblich. Ich habe das immer als sehr erniedrigend empfunden und habe meine Kinder nicht ein einziges Mal geschlagen. Ich weiß nicht, ob die Schläge mir geschadet haben, aber haben sie mir genutzt. Schlagen ist ein Zeichen von Schwäche. w52
 
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  • #7
@Gast [mod: 1]: Doch, es hat Ihnen geschadet, und zwar massiv. Sie haben jedoch resigniert und diese Mißhandlungen Ihrer Eltern als "normal" für sich adaptiert, da Sie Ihre Eltern sonst in Frage stellen müssten, was Sie sich selbst nicht gestatten.
Haben Sie schon einmal vom "Stockholm-Syndrom" gehört? Kommt zwar aus einer ganz anderen Ecke - trifft aber auf Sie zu. Ihre Verletzungen sind immer noch vorhanden, und ja, es hat Ihnen geschadet, vor aller Leute Augen von Ihren Eltern geschlagen und gedemütigt worden zu sein.
Ihr Gehirn dreht es nur ins Positive um - eine Strategie, um heil durchs Leben zu kommen...
 
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  • #8
Kinder mit 1-3 Jahren haben bisweilen die gleiche kognitive Fähigkeit wie ein grosser Hund.. Dementsprechend hat das "Ausdiskutieren" in diesen Jahren in etwa den gleichen Wert wie das "ausdiskutieren" mit einem Hund... der Hund merkt zwar DASS jemand mit ihm spricht, aber weder was der will noch ob es gut oder schlecht war...

Haha, na das erzähl mal meinem 3jährigen - der hat manchmal bessere Argumente als ein Erwachsener! :)
 
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Gast

  • #10
Ich (w25) habe bis ich 14 war auch den Hintern versohlt bekommen oder mal eine Ohrfeige kassiert.
Das ist vielleicht 2x im Jahr vorgekommen, also bin ich definitiv kein Kind gewesen das ständig verprügelt worden wäre oder ähnliches. Als Demütigung in dem Sinne habe ich das nie wahrgenommen.
Dennoch bin ich sehr wohl der Ansicht, dass es mir nicht geschadet hat, denn im Nachhinein muss ich selbst zugegeben dass mir Moralpredigten oder Strafen wie Hausarrest oftmals gepflegt am Allerwertesten vorbeigegangen sind. Nach jeder Ohrfeige wusste ich dann aber wie ich mich zu benehmen habe und habe dementsprechend gehandelt. Trotz allem habe ich meinen Opa und meine Mutter sehr geliebt und denke auch nicht dass ich irgendwelche Schäden davongetragen habe. Ich führe ein normales Leben ohne Depressionen, Bindungsprobleme oder sonstige Defizite.
 
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  • #11
Ja, mir hat es geschadet, vor allem in der eigenen Psyche und Persönlichkeitsentwicklung! Der Vater war immer sehr aggressiv und wenn ich nicht still und stocksteif wie ein Soldat am Tisch saß, während andere Kinder normal spielten, gabs einen gewaltvollen Ohrenzieher ohne Grund, der WEH TAT, die Mutter war dagegen eine Furie und schrie und keuchte wie eine schnaufende Kuh, wenn ihr was nicht passte, z.B. wenn ich nur zwei Schritte alleine zum Spielplatz lief oder wenn ich in normalem Ton meine (ganz vernünftige) eigene Meinung vertrat, die zufälligerweise nicht mit ihrem perversen Weltbild zusammenpasste. Entwicklung war in meinem Elternhaus nicht möglich, nur Zerstörung, Bloßstellung, und Leid. Die Kombination der Erziehung meiner Eltern war so komisch verschieden und zusammen so brutal.

Resultat: ich hatte mein Leben lang Angst vor anderen Menschen, war in der Schule immer zurückhaltendender, verklemmter, ruhiger und wurde deswegen auch gemobbt.
Ich kann mich heute noch schlecht wehren oder Nein sagen. Ich leide lieber, als irgendwo anzuecken.
Heute kann ich deswegen schlecht meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche formulieren, weil mir das im Elternhaus verobten wurde. Wenn ich an Männern gerate, dann nur an extrem dominate Persönlichkeiten, die mich aufgrund meiner Sensibilität ausnutzen und ich gerade wieder in die Abhängigkeitsfalle.

Ich will gar keine Kinder, weil ich Angst habe und schlecht einschätzen kann, welche Auswirkungen das auf die Erziehung hätte. Für mich geht Vernunft vor - oder vielleicht ist das auch eine Auswirkung meiner Erziehung? Angst, Zweifel, Selbstzweifel, Wünsche zurückstecken,... Mit Schlägen produziert man Verlierertypen.

Man will doch starke, selbstbewusste Kinder heranziehen, die in der Welt mal was zu sagen haben und sich durchsetzen können, also sollte man diese nicht schlagen und unterdrücken!
Ich sehe mich dagegen als Verlierer. Gesunde Beziehungen aufbauen ist für mich nicht möglich. Berufskollgegen und Freudschaften meide ich. Ich habe Depressionen und Panikattacken. Das schlägt sich auch auf die Gesundheit nieder. Kinderseelen sind sehr empfindlich und hier kann man alles zerstören und viel fürs gesamte Leben prägen.

Für mich sind Kinder Personen mit eigenem Recht und dazu gehört auch, sich körperlich nicht an ihnen zu vergrefein. Oder schlägt dein Chef dich auch mal saftig ins Gesicht, wenn du zu spät zur Arbeit kommst und er üble Laune hat? Wohl nicht oder?

Man sieht auch bei den älteren Menschen, die früher geschlagen worden sind, welche verbitterten Persönlichkeiten das heute sind, die ihre verkorkste, raue Einstellung immer noch an die Jüngeren weiter geben. Schau dir nur mal die Kriegsgenerationen an, was die oft erzählen.

w
 
  • #12
Ich wurde als Kind ebenfalls geschlagen, und zwar in zwei verschiedenen Arten von Situationen:

Zum einen wurde ich gelegentlich geschlagen, wenn ich nicht gespurt habe. Da gab es eine klare Ansage, wie ich mich verhalten soll und eine ebenso klare Androhung der Konsequenz bei Fehlverhalten. Wenn ich an diese Situationen zurückdenke, dann glaube ich nicht, dass mir das geschadet hat.

Zum anderen gab es die Tage, an denen ich ohne für mich nachvollziehbaren Anlass verprügelt wurde. Im Nachhinein weiß ich, dass das pure Überforderung und Anspannung aus unterschiedlichsten Gründen war, so dass der kleinste Mucks von uns Kindern zu einem völligen Ausrasten führte. Diese Prügel haben mir ganz sicher geschadet und vor allem das Eltern-Kind-Verhältnis gestört.
 
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Gast

  • #13
Die wenigen Male während meiner Kindheit (ich glaube 4 mal), die ich etwas auf den Allerwertesten bekam, habe ich nicht als Demütigung empfunden - es war dann wirklich verdient. Das habe ich schon damals akzeptiert und geschadet hat es mir in keiner Weise.

In Situationen, in denen es möglich ist, lasse ich mich auf eine Diskussion mit meinen Kindern ein, erkläre mich und höre zu und übernehme auch Anregungen, wenn sie besser als meine sind.

Es gibt aber definitiv Situationen, in denen es nichts zu diskutieren gibt, in denen ich die Entscheidungen treffe. Meine Kinder kennen von vorn herein die Konsequenzen, wenn sie da bockig sind/quer schießen.

Schläge gibt es keine, meine Kinder wissen bei bestimmten Verhaltensweisen genau, was folgt. Das wird vorher im gemeinsamen Gespräch beschlossen und dann auch wirklich umgesetzt (und nicht je nach Laune).

Ich respektiere meinen Nachwuchs, auf Augenhöhe miteinander umgehend geht allerdings nicht so ganz - denn ich habe nunmal die größere Lebenserfahrung, den Überblick und sie müssen da erst hinein wachsen. Dabei helfe ich ihnen gerne.


Als viel schlimmer empfand ich, was eigentlich heute noch gang und gäbe ist: wenn man sich tollpatschig anstellt, etwas noch nicht so kann, die Erwachsenen so miteinander reden zu hören, nicht direkt an mich gerichtet aber hörbar für mich: 'das ist nicht ihr Ding' (oder so ähnlich).
So Manches hab ich allein deswegen ein ganzes Leben lang nie wieder ausprobiert. Das hat sich wirklich eingebrannt, mir geschadet.
 
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Gast

  • #14
Ich worde als Kind auch geschlagen und habe mich, inzwischen Vater einer kleinen Tochter, mal etwas mit Kindererziehung beschäfftigt!
Kinder sind doch keine assozialen Halbaffen, denen man alles über Schläge beibringen muss, doch so haben das manche Eltern auch damals gesehen.
Sein Kind zu schlagen ist immer ein Ausdruck von Schwäche und demütigend für das Kind ist es auch. Schlägt man seinen besten Freund? Nein tut man nicht.
Ich und meine Frau halten nichts davon, unser Kind zu schlagen, auch wenn sie uns noch so sehr auf die Palme bringt. Es würde keinen erzieherischen Effekt haben, ich denke eher das Gegenteil. Weshalb waren wir, zumindest ich, nach der Ohrfeige ruhig? Weil wir es verstanden haben? Nein wir hatten keine Lust auf weitere Schläge und was evtl. unsere Eltern als Respekt interpretiert haben war eher Angst!
m33
 
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Mooseba

  • #15
Geschlagen wurde ich von meinem Vater - nicht oft, aber wenn, dann heftig. Das erste Mal war ich noch sehr klein: drei oder vier Jahre alt. Es war stets eine brutale Demütigung. So ich habe schnell gelernt, nicht nur Respekt, sondern auch Angst vor meinem Vater zu haben. Somit hat es mir sehr geschadet. Seelische Demütigungen gab es sicher auch so einige, obwohl grundsätzlich so mancher Druck hilfreich und es gut war, dass viel Wert auf Disziplin bei uns gelegt wurde - aber es wurden meiner Ansicht eben auch Grenzen überschritten. Ermutigung gab es selten, desto öfter aber Ermahnungen und etwas Apokalyptik.

Körperliche Gewalt gegen Kinder ist eine feige Menschenrechtsverletzung. Selbstverständlich gibt es einen Machtunterschied zwischen Eltern und Kindern und das ist auch grundsätzlich gut so. Aber Gewalt ist ein Machtmissbrauch.

(m,31)
 
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Gast

  • #16
Meine Eltern haben uns nur mit Liebe erzogen.
Gewalt habe ich erst in meiner ehe erfahren, konnte damit nicht umgehen, redete mir jahrelang alles positiv, brach vollkommen zusammen.
Wieder waren meine Eltern da, wie eine Mauer stützten sie mich.
Sie gaben mir wieder Kraft und meinen Selbstwert.
Heute bin ich stärker denn je.
Ich war nicht so toll wie sie, ich habe zugelassen dass er meinen Kindern weh tat, für sie war die seelische Gewalt schlimmer als die körperliche.
Ich kann mir das niemals verzeihen, anstatt mich zu mauern hätte ich meine Kinder schützen müssen.
Zur Trennung bewegten mich die Kinder.
Mein Ex hatte die schwarze Erziehung bekommen und auch Gewalt, bewußt oder unbewußte Gewalt gibt man weiter.
w42
 
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Gast

  • #17
Du möchtest Meinunge hören...Wie wäre es denn mal mit ein paar Erfahrungen aus der Realität? In der Realtiät wurden sowohl unsere Eltern auch unsere Großeltern mit Schlägen erzogen. Deshalb sind das ja auch alle gewaltgeschädigte Psychopahten geworden :Das Problem mit Pedagogen ist das gleiche, wie mit Unternehmensberatern: Sie wissen zwar wie es geht, können es aber selbst nicht. Deshalb sind Kinder von Pedagogen auch nicht weniger "gestört" als der Rest der Kinder, sondern eher häufiger. Das Problem mit unserer "Expertendiktatur" wird offensichtlich, wenn man etwas älter wird, denn die Meinung der Experten ändert sich nicht selten innerhalb von 30 Jahren ins genaue Gegenteil.
Vieleicht müssen wir ab 2030 sogar wieder die Kinder schlagen, damit sie mit 40 endlich ausziehen, aus sem Hotel Mama...
 
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Gast

  • #18
Ich wurde von meinen Eltern regelmäßig geschlagen und von meinem Vater verprügelt und fand das schon damals erbärmlich. Ich habe mich für meine Eltern geschämt. Ich habe aber auch nicht verstanden, warum das Umfeld, das das mitbekommen hat, dazu geschwiegen hat.

Meine Tochter liebe ich über alles und kann nicht verstehen, was in Eltern vorgeht, die so ein kleines hilfloses Baby bekommen und großziehen nach ihren Vorstellungen und das Kind irgendwann schlagen. Ich für mich hätte das Gefühl, ich würde mich selbst schlagen, weil ich ja verantwortlich dafür bin, wie das Kind sich entwickelt.

Meine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern sind auch durch Kriegserfahrungen geprägt und haben extreme Gewalt erlebt. Aber die Kriege sind seit langem vorbei und irgendwann muss auch mal Schluss sein mit der Gewalt.

m, 41
 
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Gast

  • #19
Wie steht Ihr dazu? Hat es Euch "geschadet"?
Welche Motivation können Eltern haben zu schlagen? Wann und warum habt ihr es selbst getan?
Ich glaube, Eltern schlagen aus Frust. Über die Kinder oder allgemein. Mir hat es insofern geschadet, als ich es wharscheinlich selbst so machen würde. Hätte ich Kinder, hätte ich mich denen gegenüber vielleicht genauso wenig im Griff wie meine Mutter früher. Es beschädigt auch den Glauben an Recht und Unrecht. Schließlich ist Kinder schlagen ja erlaubt. Jedenfalls erlebt man es sol
 
  • #20
Hmm, schadet es? Sicher bei dem einen oder anderen, aber wohl auch nicht bei jedem. Sonst müssten ja alle Menschen vor unserer Generation völlig neben sich sein. Schließlich war es bis in die 60ziger Jahre eine anerkannte Methode zur Kindererziehung. Ist auch ein Unterschied ob man 2 oder 10 Kinder hat. Mit zehn Kurzen kannst Du nicht alles ausdiskutieren...Und wenn der Vater sich praktisch nicht an der Kindererziehung beteiligt, weiß er auch nicht, wie er mit einem quengelndem Kind umgehen muss, ist schnell überfordert.

Da ich eben auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hab und dazu noch aus einer kinderreichen Familie stamme, gabs natürlich auch mal den Hintern versohlt (muss aber zugeben dass ich es mir auch immer verdient hatte...), niemals ins Gesicht. Wir sind alle liebesfähige anständige Menschen und Eltern geworden. Und wir haben alle unsere Kinder NICHT geschlagen.

Aber alles ausdiskutiert hab ich auch nicht, Kinder brauchen auch Grenzen. Und manchmal ist einfach auch mal gut, dann wird der Kurze halt auch gegen seinen Willen und ohne seine Einsicht am Hosenbund genommen und ins Bett gesteckt. Bisher kann ich auf die beiden stolz sein.

Welche Motivation können Eltern haben zu schlagen?
In aller Regel einfach Hilflosigkeit, weil sie keinen anderen Weg mehr kennen.
 
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  • #21
Naja, wenn man sich die so anhört, die geschlagen wurden und das nicht weiter hinterfragen, dann kann man schon annehmen, es hätte ihnen doch geschadet. Schaden ist relativ. Die Gewaltfreiheit verändert auch die Menschen im Lande, ich finde zum Positiven. Die Obrigkeitshörigkeit, die unter früheren Generationen üblich war, ist ein Negativbeispiel, wo Erziehung hinführen kann.

Ob es einem Kind schadet hängt allerdings auch davon ab, wie üblich es ist, daher kann man früher und heute nicht so einfach vergleichen. Wenn vielen Kindern das Gleiche wiederfährt, können sie sich im Geiste verbünden und erleben nicht so eni Gefühl der Demütigung wie dann, wenn sie das Gefühl haben, das einzige Kind zu sein, dass in der Art von seinen Eltern behandelt wird. Letzteres kann zu großem Schaden führen.
 
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  • #22
Ich (m - 54) bin auch geschlagen worden, aber niemals von meinen Eltern, sondern von meinen Lehrern. Das fand ich erbärmlich, meine Eltern auch. - Deshalb habe ich zurück geschlagen. Wunden sind bei mir keine geblieben...
 
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Gast

  • #23
Bei mir (Jg 55) ist es ähnlich wie #10 es beschreibt. Es waren keine Schläge, sondern massivste Misshandlungen (so zuschlagen, dass ich umfiel, zusammentreten.....) und später übelste Demütigungen in der Öffentlichkeit, überwiegend sexistisch motiviert. Nach wie vor unfassbar ist, dass Erwachsene zugesehen und nicht eingegriffen haben. Es hat mich in meiner Würde als Mensch beschädigt. Solche Verletzungen heilen nie.
Ja, es hat mir geschadet. Wie soll man solche Eltern lieben? Wie sollte ich eine positive Identität als Frau entwickeln. Geht nicht.

Man hat die Wahl. Ich habe so viel Misshandlungen und Entwertungen erlebt und weil ich weiß, wie sich das anfühlt, habe ich mich so nie verhalten. Man muss nicht das erlernte Schlechte nachmachen und es legitimieren, dass es einem nicht geschadet hat. Wer weiß, wie sich die Verletzungen anfühlen, hat jeden Grund der Welt, das nicht zu wiederholen.
 
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  • #24
Es ist übelst erschreckend, wie viele hier, sogar die eigens erlangten Schläge als harmlos abtun.

Wo ist der Unterschied, ob ein Kind oder ein Erwachsener geschlagen wird, ausser im Abhängigkeitsverhältnis und dem klaren Kräfteunterschied????

Schläge fallen da, wo Geist versagt! Und das in dieser Elite hier...

Ich wurde als Kind nicht geschlagen und würde mein Kind auch niemals schlagen!!! Es ist inzwischen fast erwachsen!

Keiner, auch ich nicht, verurteilt eine einmalige Ohrfeige, ein Knuffen oder Zerren - aber doch nicht mehrmals jährlich!!! Vielleicht einmal in 5 Jahren!

Das Thema passt durchaus auch in Beziehungen, da wäre Züchtigung ja auch manchmal nötig, weil man das Verhalten des anderen als unerzogen empfindet. Dafür gibt es zum Glück ganz klare Gesetze, die das als Straftat ausweisen.

Es geht ohne, das reicht als Begründung für ein Handeln ohne Schläge, sowohl physische wie auch psychische.
 
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  • #25
Ich wurde regelmäßig von meinen Eltern als Bestrafung geschlagen, wenn ich nicht zu 100% nach ihren Vorstellungen funktioniert habe, und ich habe sie seit ich denken kann dafür verachtet.
Man ist gerade als kleines Kind hilflos ausgeliefert der Willkür solcher Eltern.

Infolge dessen kann ich meine Eltern bis heute nicht lieben, das Verhältnis ist von meiner Seite her distanziert geblieben. Meine Eltern erfahren so gut wie nichts über mein Leben, meine Träume, meine Gefühle, was mich bewegt. Nur das Nötigste. Menschen die mich so verletzt und gedemütigt haben, als ich ihnen hilflos ausgeliefert war, können für mich niemals im Leben zu Vertrauenspersonen werden.

Wir haben nur selten Kontakt, nur gelegentliche Pflichtbesuche, ich fühle mich heute wohler ohne meine Eltern in meinem Leben.
Das haben sie sich selber zuzuschreiben.

Einem Menschen, den man liebt, fügt man keine körperliche Gewalt zu!

w, 44
 
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Gast

  • #26
Das Thema passt durchaus auch in Beziehungen, da wäre Züchtigung ja auch manchmal nötig, weil man das Verhalten des anderen als unerzogen empfindet.

Ja, es ist in der Tat grotesk, wenn ich daran denke, dass meine mich regelmäßig schlagende Mutter stets über Männer geschimpft hat, die ihre eigene Frau schlagen, wie assozial diese doch wären...

Ich selber fand immer, eine Mutter die ihr Kind schlägt ist tausendmal schlimmer als ein Mann der eine Frau schlägt. Denn im Gegensatz zu dem Kind hat eine erwachsene Frau die Möglichkeit zu gehen, das Kind dagegen ist den Eltern gegenüber hilflos ausgeliefert.

Das hätte ich mir jedoch mal erlauben sollen laut auszusprechen - sie hätte mich zur Strafe wohl totgeprügelt. Heute sind meine Eltern alleine, ihre Kinder habe sie mit ihrer "Erziehung" dazu gebracht ihnen den Rücken zu kehren, als sie erwachsen waren und endlich die Möglichkeit hatten dieses Haus der Gewalt ("nur" gegen die Kinder) zu verlassen.

Wer meint sein Kind mit Gewalt dazu bringen zu müssen zu "funktionieren", weil es der bequemste Weg ist (Angst vor weiterem Schmerz macht narürlich recht schnell gefügig), sollte sich schon klar sein darüber, dass er im Alter ziemlich sicher alleine sein wird.

Ich kann nicht nachvollziehen, was es Eltern gibt Kinder großzuziehen, die Angst vor ihnen haben anstatt sie zu lieben.
 
  • #27
Die Schläge in meiner Kindheit (60er Jahre) haben mir sehr geschadet. Es hat psychische Auswirkungen mein ganzes Leben lang. Man schlägt oder prügelt nicht auf Wehrlose ein.

Als Kind ist man schutzlos ausgeliefert. z.B. der (mein) Vater prügelt das Kind durch, als Mittel der Bestrafung. Die Mutter greift nicht dagegen ein.

Mein Vater konnte sehr jähzornig sein. Einmal bin ich deswegen vor ihm aus dem Haus geflüchtet.

Ich habe dann jeden Körperkontakt mit meinen Eltern vermieden. Denn ich erlebte entweder Gewalt oder Gefühllosigkeit. Es fällt Einem schwer, seine Peiniger oder dessen Unterstützer noch zu lieben.

Aber schon als Baby (noch keine Schläge) fühlte ich mich bei meinem Vater nicht wohl.
Da war die "Gewalt", daß man mich als Baby stundenlang alleine im Bett ließ.
Die Nachbarn wunderten sich, warum aus unserer Wohnung das Baby so lange schrie.

Im staatl. Kinderheim (70er Jahre) bekam ich(12) auch Schläge. Von den Lehrern die nachmittags die Schüler betreuten.
Diese Ohrfeigen waren so heftig, daß ich einmal mitsamt Stuhl auf den Boden fiel. Nur weil ich es wagte, eine Frage zu stellen.

Ab 12 J. wurde die Gewalt von meinen Eltern nicht mehr körperlich, sondern verbal und psychisch.

Es ist schwerer, als Junge und als Mann aufzuwachsen, ohne männliche Vorbilder. Wenn man m.o.w. nur schlechte Beispiele erlebt.

Erst in seinem künstlichen Koma im Krankenhaus konnte ich meinen Vater wieder anfassen. Weil ich sicher sein konnte, daß er mir nichts tun kann.

Man muß kein Kind schlagen !!! Auch nicht für die Erziehung. Niemals ! Es gibt keinen Grund dafür.
Auch kein Klapps auf den Po. Weil dies das Kind auch als Gewalt empfindet.
Ich habe und werde nie ein Kind schlagen.

(Außer als gleichaltriges Kind, um sich zu verteidigen)
(Außer man würd vom Kind so massiv körperlich angegriffen, daß man sich selber verteidigen muß.)

Seitdem fühle ich mich unwohl, wenn ich von Männern angefasst werde. Das Hände schütteln geht gerade noch. Auch zu meiner Mutter habe ich kein volles Vertrauen.
Nur zu meinem Stiefsohn (12) habe ich Vertrauen, und wir Beide umarmen uns immer gerne.
(Wir sind zusammen, seit er 9 Monate alt war.)

Wenn ich irgendwo sehen würde, daß Jemand sein Kind prügelt, würde ich sofort dagegen einschreiten. Auch wenn es sein leibliches Kind wäre.

Als Eltern hat man m.E. kein moralisches Recht, seine Kinder zu schlagen oder gar zu prügeln (außer zur Selbstverteidigung)

Ich hoffe, daß dieses Posting deutlich macht, wie schlimm es für betroffene Kinder werden kann.
 
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  • #28
Ich (w, 29) bin der Meinung, dass ein Klaps oder ne Ohrfeige noch keinem geschadet haben. Alles andere ist weichgespültes, antiautoritäres Sozialromantikgesülze. Kinder dürfen sich nicht alles erlauben, sondern brauchen klare Grenzen.
 
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Gast

  • #29
Kinder mit 1-3 Jahren haben bisweilen die gleiche kognitive Fähigkeit wie ein grosser Hund.. Dementsprechend hat das "Ausdiskutieren" in diesen Jahren in etwa den gleichen Wert wie das "ausdiskutieren" mit einem Hund... der Hund merkt zwar DASS jemand mit ihm spricht, aber weder was der will noch ob es gut oder schlecht war...

Soll das eine Verteidigung von Schlagen sein, oder wie ist das zu verstehen? Auch gegenüber einem Hund wendet man keine körperliche Gewalt an. Im übrigen finde ich auch, dass man mit Kleinkindern etwas "ausdiskutieren" kann. Man kann es ihnen erklären, und sie verstehen es oft. Nicht nur Ausnahmen. Das mit der hundigen Fähigkeit stimmt so auch nicht. Man kann sich an das Alter mit drei und die Gedanken sogar teilweise bewusst erinnern, wie kann man das mit einem Hund vergleichen.
 
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Gast

  • #30
Ich (w, 29) bin der Meinung, dass ein Klaps oder ne Ohrfeige noch keinem geschadet haben. Alles andere ist weichgespültes, antiautoritäres Sozialromantikgesülze. Kinder dürfen sich nicht alles erlauben, sondern brauchen klare Grenzen.

Klare Grenzen haben nichts mit körperlicher Gewalt zu tun. Und weichgespült ist es auch nicht, davon abzusehen. Man schlägt ja auch keinen Erwachsenen.

Sehr erhellend ist dazu Gast # 25, der beschreibt, dass die Mutter über Männer, die Frauen schlagen, schimpfte, und selbst ihre Kinder schlug.

Es ist einfach dumm, grob davon auszugehen, dass Kinder Schläge zum Grenzen setzen bräuchten, ohne es anders probiert zu haben. Auch für die Ergebnisse sind solche Menschen doch blind und taub. Wenn das gewaltfrei erzogene Kind nämlich viel netter und besser erzogen ist. Dann erklären die schlagenden Eltern das so, dass ihr Kind "genetisch bedingt" schlechter sei als die anderen.

Solche Menschen sind einfach resistent gegenüber jedem vernünftigen Argument. Und man fragt sich, wenn ihre geschlagenen Kinder dann doch nicht so gut geraten, und selbst aggressiv werden, warum sie dann immer noch nicht darüber nachdenken, ob sie nicht vielleicht doch falsch liegen.
 
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Es sind keine weiteren Antworten möglich.
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