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Gast

  • #1

Gibt es einen neuen Anfang?

Im letzten Februar habe ich meinen jetztigen Freund kennengelernt. Es war alles sehr schön und ich dachte, dass ich endlich einen Mann gefunden habe, der zu mir passt und der mich respektiert. Nach knapp zwei Monaten hat sich seine Ex-Freundin (sie waren letztes Jahr zusammen) das Leben genommen. Sie war wegen Depressionen in ärztlicher Behandlung, aber niemand konnte ihr helfen. Er ist in eine Trauer gefallen. Wir haben uns zwei Monate lang fast nicht gesehen. Am letzten Samstag haben wir uns ausgesprochen, er will mit mir zusammen bleiben aber braucht noch Zeit, um das ganze zu verarbeiten. Ich möchte das auch, doch ich weiss ehrlich gesagt nicht ob ich das kann und habe Angst, immer eh nur die zweite Wahl zu sein. Wäre froh um hilfreiche Tipps die mir helfen, die richtige Entscheidung zu fällen.
Danke
w, 37
 
  • #2
Wenn die Exfreundin noch so präsent ist, wird es sehr schwierig, daraus eine erfüllende und vollwertige Beziehung aufzubauen. Mir würde diese Präsenz einer Ex auch sehr schwerfallen und ich würde unter solche Bedingungen wohl keine Beziehung wollen.

Gerade in der Kennenlernphase sucht man doch Verliebtheit, Leichtigkeit, Unbeschwretheit und schrittweises Aufbauen von Nähe, Vertrauen und Zweisamkeit. All das ist unter solchen Bedingungen nicht möglich. Ich befürchte, das wird in der Bilanz mehr Kummer und Sorgen als Freude bringen.
 
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Gast

  • #3
Ich denke nicht das du zweite Wahl bist. Wenn seine Ex unter Depressionen litt, gehe ich mal davon aus das er sich getrennt hat und über sie hinweg war. Natürlich ist es ein Schock wenn sich ein Mensch der einem so nahe gestanden hat das Leben nimmt und das ihn das nicht kalt lässt spricht eher für ihn als Persönlichkeit als gegen seine Gefühle gegenüber dir. Er wird sich vielleicht auch selbst ein paar unberechtigte Vorwürfe machen und darüber nachdenken was er hätte tun können um das zu verhindern. Gib ihm Zeit, die Nr. 2 bist du deshalb nicht.
 
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Gast

  • #4
Liebe Frederika
Danke für diese Antwort. Ich tue mich einfach sehr schwer mit einer Entscheidung. Er gibt mir zu verstehen, dass er mit dieser Frau nie richtig abschliessen konnte (wegen ihrer Krankheit) und er macht sich auch Vorwürfe. Auf der anderen Seite sagte er, er wolle es mit mir langsam angehen und mit mir zusammen bleiben. Ich finde, irgendwie sollten wir es doch schaffen, neu anzufangen oder ist zuviel kaputt? Ich war vorher so lange alleine und habe mich so nach einer neuen Beziehung gesehnt und habe jetzt Angst, dass ich ewig alleine bleibe.... Aber mir ist schon klar, dass die Gefahr verletzt zu werden, in meiner Sitation sehr gross ist. Vielen Dank für alle weiteren Antworten
FS
 
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Gast

  • #5
Liebe FS

Ich möchte hier Frederika widersprechen.
Logisch ist Leichtigkeit und Unbeschwertheit schöner.
Aber manchmal ist es gerade die Krise, der gemeinsame Kampf etc., welcher Menschen zusammen schweisst.
Ausserdem hatte sich dieser Mann schon vorher von seiner Freundin getrennt. Und der Grund ist nachvollziehbar.
Jeder andere Mann hat ja auch schon eine Ex...warum siehst Du Dich dort denn nicht als 2.Wahl?...Weil Du diese anderen nicht kennen gelernt. Dieses Argument zieht also nicht.

Wenn einem/r Ex so etwas Trauriges passiert, auch wenn man keine Beziehung mehr hat, so geht es doch jedem empfindsamen Menschen sehr nahe. Das beweist, dass dieser Mann sein Herz am rechten Fleck hat.
Also sehe ich keinen Grund diese sich anbahnende, neue Beziehung abzuwürgen. Im Gegenteil. Geht das Ganze langsam an und vielleicht - hoffentlich - folgen die heiteren Zeiten später :)
Viel Glück
(m44)
 
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Gast

  • #6
Ich persönlich möchte Dir Mut machen, Deinem Freund beizustehen. Es war zwar seine Ex-Freundin, doch wenn ein Mensch stirbt, der einem nahe ist oder nahe war, ist man einfach betroffen. Zudem kann ich mir vorstellen, dass er sich bezüglich des Selbstmordes viele Gedanken über die Vergangenheit und evtl. auch Vorwürfe macht, auch wenn er genau weiß, dass er nicht Schuld ist.

Klar, stellt man sich eine "junge" Liebe anders vor (mit Verliebtheit, Leichtigkeit, ... wie es #1 beschreibt). Doch das Leben spielt manchmal anders. Gerade in solch einer schwierigen Zeit ist es für Deinen Freund wichtig, dass er jemanden hat, der ihm zuhören kann, der einfach nur da ist. Es kann ja auch sein, dass Euch gerade diese Situation besonders zusammenschweißt. Es ist schön und wünschenswert, wenn eine Beziehung auch schwierige Zeiten aushalten kann.Und wenn sich die Trauer wieder in Lebensfreude wandelt, könnt Ihr immer noch Eure Verliebtheit ausleben.

Ich möchte Dir mal zwei Beispiele aus meinem eigenen Leben nennen:
Vor ein paar Monaten starb die Mutter meines Partners. Wir wollten uns eigentlich treffen, dann schrieb er mir vom Tod und meinte, es wäre besser, wenn wir uns nicht treffen. Ich hatte Verständnis dafür und bot ihm an, ich könnte trotzdem kommen und einfach nur da sein. So hatten wir uns dann doch getroffen. Der Tag verlief natürlich ganz anders als ursprünglich gedacht, doch ihm tat es gut, abgelenkt zu sein, über den Tod, über seine Mutter, ... zu reden.

Vor 10 Jahren starb meine Tochter am Plötzlichen Kindstod. Die Trauer war unermesslich groß und ist sie teilweise bis heute noch. Doch zum Glück durfte ich nochmals zwei wunderbare Mädchen zur Welt bringen. Meine beiden "Folgekinder" waren nie und nimmer Ersatz. Ich liebe sie und weiß, sie sind eigenständige Personen. (Leider hat die Ehe diese Krise nicht ausgehalten.)
Ich will Dir damit sagen, dass es nicht sein muss, dass Du nur die zweite Wahl bist. Wenn er Dich liebt und schätzt, wird er sicher nur froh sein, Dich zu haben.

Ich wünsche Dir bzw. Euch beiden alles Gute und sehr viel Kraft, diese schwierige Zeit durchzustehen.
w41
 
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Gast

  • #7
So wie ich deine Frage verstehe, wart ihr schon ein Paar, bevor sich seine Exfreundin das Leben genommen hat. Ich denke es ist weniger das Problem, dass er sich nicht neu verlieben kann, bzw. wohl auch schon neu verliebt hat. Wenn sie sich nach der Trennung das Leben genommen hat, macht er sich jetzt wahrscheinlich große Vorwürfe, am Tod seiner Ex schuldig zu sein und hat jetzt Angst vor einer neuen Beziehung

m51
 
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Gast

  • #8
@Frederika - Eine "Ex" ist doch nicht nur ein Gegenstand, eine "Nummer", etwas was man gefälligst vergessen hat, wenn man neue Gefühle entwickelt.
Meine Güte, die Frau ist TOT!
Wenn du erfährst, ein Mann, den du mal geliebt hast, der dich einen Teil deines Lebensweges begleitet hat, der hat sich das Leben genommen, zuckst du dann nur eiskalt mit den Schultern, weil - es ist ja eh Vergangenheit?!
Wenn ich deine Kommentare hier teilweise lese frage ich mich immer wieder, wie eiskalt und abgebrüht du wohl sein magst!

@FS - Ich würde ihm die Zeit lassen die er braucht um das zu verarbeiten.
Das hat doch nichts mit eurer Liebe zu tun.
Trotzdem hat er diese Frau (früher) auch einmal geliebt.
Ich finde es normal, daß er den plötzlichen Tod einer ehemaligen Partnerin betrauert und dieses auch verarbeiten muß.
Stell dir vor, ihr wärt nach ein paar Jahren Beziehung getrennt, du stirbst plötzlich und unerwartet, und er würde nur die Schultern zucken und es wäre ihm egal...

Ich habe mit meinen Ex-Beziehungen durchweg abgeschlossen, da ist auch keiner mehr "präsent".
Trotzdem waren sie einmal Teil meines Lebens, ich habe diese Männer einst geliebt, und würde ich erfahren, daß einer von ihnen (womöglich auch noch in verhältnismäßig jungen Jahren) Selbstmord begehen würde, dann würde mich das auch sehr treffen und ich würde mir Zeit nehmen wollen das zu verstehen und zu verarbeiten.

Sei froh, daß er sich die Zeit zum Verarbeiten nimmt und diese Trauer nicht in sich reinfrißt, bzw. sie verdrängt indem er diese negativen Gefühle jetzt mit neuen, positiven (Verliebtheits-)gefühlen überlagert.
Unsere Seele läßt sich nicht "austricksen", man kann allenfalls eine Weile "verdrängen".
Irgendwann würde es doch wieder in ihm hoch kommen, und bis dahin eure Beziehung unterschwellig belasten.

Er ist ehrlich zu dir, sagt er braucht Zeit zum Trauern und Abschließen.

Wenn es bei euch Liebe ist, dann wird er danach auch befreit auf dich zugehen, und einer unbelasteten Beziehung steht dann nichts mehr im Wege.

Zeigst du jetzt Verständnis und gibst ihm diese Zeit, ohne Drängen oder Vorwürfen, so wird er dich dafür sicher um so mehr lieben.

w/42
 
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Gast

  • #9
Wieso siehst Du Dich als zweite Wahl? Er trauert doch nicht wegen der Trennung, sondern wegen ihres Todes. Steh ihm einfach bei, wenn er Dir wichtig ist, und alles Weitere wird sich zeigen.
 
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Gast

  • #10
Liebe Frederika
Danke für diese Antwort. Ich tue mich einfach sehr schwer mit einer Entscheidung. Er gibt mir zu verstehen, dass er mit dieser Frau nie richtig abschliessen konnte (wegen ihrer Krankheit) und er macht sich auch Vorwürfe. Auf der anderen Seite sagte er, er wolle es mit mir langsam angehen und mit mir zusammen bleiben. Ich finde, irgendwie sollten wir es doch schaffen, neu anzufangen oder ist zuviel kaputt? Ich war vorher so lange alleine und habe mich so nach einer neuen Beziehung gesehnt und habe jetzt Angst, dass ich ewig alleine bleibe.... Aber mir ist schon klar, dass die Gefahr verletzt zu werden, in meiner Sitation sehr gross ist. Vielen Dank für alle weiteren Antworten
FS

Liebe FS, ist es wirklich Liebe oder nur die Angst vor der erneuten Einsamkeit? Bist du dir als "Trostfrau" genug?
 
  • #11
ab Februar Beziehung, im April ist es passiert. Ich denke, Du mußt trennen in Zuneigung einerseits und in die Selbstvorwürfe andererseits: er geht alles durch was war und sucht verzweifelt nach etwas was er hätte besser machen können.

Nun gibts zwei Wege: Erstens er findet etwas, dann zieht es ihn runter, oder er findet nichts, dann sucht er solange, bis er etwas findet. Dabei ist für ihn nicht wichtig, daß die Ärzte ihr nicht helfen können, maßgebend ist für ihn seine persönliche Vorstellung nach Maßgabe seiner Erinnerungen und die verändern sich durch den vorstehenden Prozeß. Dabei kommt natürlich die Frage der Trennung hinzu, insbesondere wird er es hinterfragen, wenn er von ihr genug hatte und sich getrennt hatte und sie so allein gelassen hat.

Versuch mal das Problem von dieser Seite anzugehen (also daß Du mit ihm redest und an seine Zweifel rankommst), ich denke, wenn er ein ehrlicher solider Typ ist, steht das im Vordergrund.
 
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