• #61
Leider rutschen viele Menschen immer wieder in die gleiche Situation, weil sie ihren Anteil nicht sehen möchten. Und das liegt auch daran, dass sie nicht in der Lage sind, das für sich zu bearbeiten. Eine Ausprägung davon sind Frauen, die dann beim nächsten Mann kein Vertrauen mehr aufbauen können. Oder die einen generellen Männerhass entwickeln.
Oder ihren Anteil nicht sehen können. Mit ca. 50 hatte ich ein Flashback, wo ich einen kurzen Auschnitt aus einem Vorfall aus meiner Kindheit sah. Das Gefühl war schon immer da, aber total vage. Ich hatte es als Fantasie abgetan. Gedacht mein Wille ist nicht gross genug, ich bin falsch. Erst jetzt konnte ich endlich einige meiner Verhaltensweisen verstehen. Und letztendlich auch ändern mit einer Therapie.
Wie hätte ich meinen Anteil bearbeiten können, ohne das Wissen davon?
Ein zweiter Punkt ist, dass es viel Mut braucht, zu erkennen, dass die z.B. die eigene Mutter manipulierend war, es in vielem gut für sich gemeint hat und nicht gut für das Kind. Das ist so, wie wenn das ganze Fundament, wo man drauf gebaut hat, einstürzt.
 
  • #62
Da kann ich woh leider auch mitreden.
Im Nachhinein fällt einem auf, wie absurd das ist, und es ist fast erleichternd zu lesen, dass hier Leser geschockt sind.
Ein paar Episoden meines Freundes (7 Jahre Hölle):

- er zwang mich von Anfang an, zur selben Zeit wie er zu Bett zu gehen. Manchmal machte er einfach den Fernseher aus, wenn ich noch schauen wollte. Es handelte sich nicht um Sexy-time, sondern Schlafenszeit
- Er bestand auch auf Sex und regelmässige Praktiken die ich nicht mochte
- Meine Wäsche durfte ich nicht mit seiner waschen, da meine dreckig sei
- Einmal hab ich im Hotel meine Tage nachts bekommen und das Laken beschmutzt, er zwang mich ein ENTSCHULDIGUNGSSCHREIBEN an das Hotel zu verfassen (und 50 Euro trinkged zu geben)
- Er und seine Mutter verbaten mir zu essen, weil ich eh schon zu dick sei
- Meine Freunde und Familie sind natürlich alle scheisse, meine Hobbys dumm und regelmässig hat er sich so daneben benommen, dass wir früher gehen mussten
-trotzdem musste er überall dabei sein und mich kontrollieren

und das nur als Auszug..,,tja, warum macht man das mit? Weil man jung und naiv ist. Ich weiss noch, wie mir ein Mann mal kurz nach der Trennung sagte, er fände mich hübsch, da bin ich in Tränen ausgebrochen, weil ich das nicht glauben konnte..

Da ich die Familie meines Freundes kannte, weiss ich klar, dass die definitiv einen Schaden hatten…und es ist Wahnsinn aber selbst 5 Jahre später kontaktiert er mich noch und fragt wie es geht…und meine Freunde die ihn kannten, sagten allen ernstes: “aber eigentlich doch nett, was er da schreibt”!…so war sein Aussenbild…
Es tut mir leid, wenn ich so etwas lese und ich hoffe, dass das in deinem Leben einmalig bleiben wird.
Gott sei Dank habe ich solche Erlebnisse nie gehabt.
Ich denke, man ist vielleicht auch anfälliger für solche Menschen, wenn man nicht zu einem sehr selbstbewussten Menschen erzogen wurde und sich eventuell als Ausgleich zu Kindheitserlebnissen nach Anerkennung sehnt. Dann ist man vielleicht bereit, viel zu ertragen.
Ich kann es mir für mich zwar nicht vorstellen, glaube aber, dass es so etwas öfters als gedacht gibt.
Ich wünsche Dir alles Liebe; und dass dich nie mehr wieder so ein übergriffiger Mensch auch nur einen Jota von deinem eigenen Weg abbringt!!!!
 
  • #63
Ein anderer hat lediglich die Macht, die man ihm gibt. Zumindest im Nachhinein hättest du dich doch jederzeit trennen können. Du hast es nicht getan.

Passender wäre die Frage, weshalb lassen es so viele zu, jemanden so viel Macht über sein eigenes Leben zu geben?
Das ist wirklich zynisch, Laubsk: sei froh, dass du selbst nie in einer solchen Situation gesteckt hast, da gibt es - ohne Hilfe von Außen - viel zu oft keine Möglichkeiten, sich wirksam zu wehren. Das ist dann häufig eine Frage des Alters der Betroffenen und damit der Erfahrung.

Auch ich habe diese schlimme Art der Unterdrückung in sehr jungen Jahren mit meinem ersten Mann erlebt. Heute mag ich wirklich tough sein, aber damals konnte ich mich kaum wehren. Erst kürzlich fing ich hemmungslos an zu weinen, als die Rede darauf kam ... verarbeitet? Offensichtlich noch immer nicht restlos. Schlimm genug.

Und auch hier muss ich @Aries zustimmen:
es gibt aber auch die umgekehrte Variante. Dunkelziffer noch viel höher.
Wobei sich ein Mann uU noch schwerer damit tut, die auf ihn ausgeübte Gewalt einzugestehen. Hier in Berlin gibt es, analog zu den Frauenhäusern, inzwischen zwei »Männerhäuser«, traurig genug.

Ich wünsche dir, lieber @Laubsk, nicht unbedingt eigene Erfahrungen auf diesem Feld - aber ein bisschen Verständnis für die Nöte der Betroffenen stünde dir gut!
 
  • #64
Das ist wirklich zynisch, Laubsk: sei froh, dass du selbst nie in einer solchen Situation gesteckt hast, da gibt es - ohne Hilfe von Außen - viel zu oft keine Möglichkeiten, sich wirksam zu wehren. Das ist dann häufig eine Frage des Alters der Betroffenen und damit der Erfahrung.

Auch ich habe diese schlimme Art der Unterdrückung in sehr jungen Jahren mit meinem ersten Mann erlebt. Heute mag ich wirklich tough sein, aber damals konnte ich mich kaum wehren. Erst kürzlich fing ich hemmungslos an zu weinen, als die Rede darauf kam ... verarbeitet? Offensichtlich noch immer nicht restlos. Schlimm genug.

Und auch hier muss ich @Aries zustimmen:

Wobei sich ein Mann uU noch schwerer damit tut, die auf ihn ausgeübte Gewalt einzugestehen. Hier in Berlin gibt es, analog zu den Frauenhäusern, inzwischen zwei »Männerhäuser«, traurig genug.

Ich wünsche dir, lieber @Laubsk, nicht unbedingt eigene Erfahrungen auf diesem Feld - aber ein bisschen Verständnis für die Nöte der Betroffenen stünde dir gut!
Hm, ich denke, Laubsk hat das nicht so gemeint, wie du es verstanden hast, die Frage muss gestellt werden: warum tut sich jemand das an? Und nur dann kann man den Teufelskreis durchbrechen. Das bedeutet nicht: das Opfer ist schuld, aber es bedeutet auch nicht ausschließlich: der Täter ist schuld. Es braucht 2 Menschen für so ein Desaster. Wenn du erkennst warum du das hast mit dir machen lassen kannst du den Kreislauf durchbrechen. Ist im Übrigen bei allen Dingen des Lebens so. Man hat immer einen Anteil, ganz ohne Schuld. Übrigens hat eine Bekannte früher in Berlin im Frauenhaus gearbeitet. Sie ist dann in die IT gewechselt weil sie diesen ewigen Kreislauf von : er schlägt mich, ich verlasse ihn, ich gehe zurück, er schlägt mich usw nicht mehr ertragen konnte. Ich kann es verstehen.
 
  • #65
Ein anderer hat lediglich die Macht, die man ihm gibt.
Das stimmt, aber wenn man von Kind an gelernt hat, dass man keine Macht hat, dass es keine Grenzen gibt, die andere respektieren müssten, dann weiß mancher zum einen gar nicht, dass er welche haben darf und zum anderen, dass er sie auch verteidigen kann. Gelernt wurde: Du musst es zulassen, alle Menschen sind so und dürfen das, wenn du mit ihnen in Beziehung stehst.
Es muss einem ja auch erstmal auffallen, dass es einem total schlecht damit geht, und man muss entscheiden, dass man das nicht mehr aushalten will. Dh. Alleinsein ist besser als das. Wenn man lernen musste, sowas auszuhalten, gibt es hier einen langen Atem.

aber es gibt Opfer, auch häuslicher Gewalt, die dies eben nicht in der Kindheit vorgespiegelt bekommen haben und die dennoch bleiben.
Und da ist mir die Erklärung, der Andere manipuliert schleichend, zu wenig.
Das seh ich auch nicht als gute Begründung an. Irgendwas ist doch dann mit dem Selbstwert nicht ok, wenn man das zulässt, wenn man seinen eigenen Schmerz nicht so wichtig nimmt dafür, noch in der Beziehung bleiben zu können. Vielleicht hängt es auch sehr davon ab, was man mit "Beziehunghaben" verbindet. Also Ansehen z.B.. Die schlechte Meinung über Singles hält sich ja hartnäckig (übrig geblieben, komisch, kompliziert, verbittert, ...).

Wenn eine Frau einen Mann schlägt, könnte ich mir auch vorstellen, dass er das nicht ernst nimmt. Mal davon abgesehen, dass er gelernt haben könnte, dass ein Junge nicht weint, aber auch Frauen nicht zurückschlägt. Und dann ist er mit einer Frau zusammen, die nach den Monaten des Verliebtseins zeigt, dass sie auch ganz andere Seiten hat.
Und er hatte ja nun auch eine Mutterperson, die ihm ihren Willen aufdrücken konnte für Liebe, denn als Kind war er ja nunmal auch machtlos gegen die Mutter, aber sollte vielleicht schon der kleine Mann sein und hat versucht, zu beschützen und sich zu kümmern.
Es ist vielleicht auch ein großes Schamgefühl dabei, wenn man das zu seinem Thema macht: Partnerin ist gewalttätig, ich halte es nicht mehr aus.
Wenn Frauen das Opfer männlicher Gewalt sind, ist das viel einfacher vor der Gesellschaft, weil es ja sowieso ein öffentliches Thema geworden ist.
 
  • #66
Ich finde auch, dass Selbstwertgefühl nur selten echt ist bei den Leuten. Sie ziehen ihre Karriere dazu heran oder was sie sich aufgebaut haben oder dass sie eine Familie haben. Und dafür lassen sie sich herabwürdigend behandeln, damit ihnen das nicht wegbricht. Bzw. wenn sie das nicht erreicht haben, was sie für ihr Ego gebraucht hätten oder es wieder weggenommen wurde, dann lassen sie sich herabwürdigend behandeln, denn ihrer Meinung nach haben sie es nicht anders verdient.

Es gibt doch das geflügelte Wort vom Scheitern, wichtigste Phase des Lebens und dem draus Lernen usw.. Wer nie gescheitert ist, musste nie hinterfragen, ob er wirklichen Selbstwert hat. Er kann als was gelten nur durch Attribute wie Geld, Haus, Ehe, Kinder. Ich würde sagen, ob er Selbstwertgefühl hat, zeigt sich darin, ob er anderen Menschen, die das nicht haben, was er für sein Ego braucht, wirklich ohne "Gefälledenken" begegnen kann. Denn wenn nicht, wertet er sich auf mit diesen Attributen und andere ab.
 
  • #67
Zur Klarstellung, ich gehe bei der Diskussion hier nicht von Victim Blaming aus.
Der Grat ist aber schmal, wenn man immer unterstellt, dass das Opfer sowieso einen entsprechenden Hintergrund haben musste.

Manipulatives Verhalten kann bewusst sein, muss es nicht.
Oft ist es unbewusst, es ist für die Person normales Handeln.
Im Extremeren, zur Symptomatik eines Narzissten gehört Manipulation.

Manipulation hat Abstufungen. Jede Diskussion hat bereits manipulative Elemente, man möchte andere überzeugen.
Werbung ist Manipulation.
Kindererziehung ist streng genommen manipulativ.
Es kommt auf das Ausmaß an.
Meine Mutter hattte, wenn es schwierig wurde, gerne Migräne 😉. Manipulativ.
Bei Kindern z. B. oft verschwiegen manipulative Eltern v. allem hier Mütter. Viele Kindheitstraumata basieren darauf.

Es ist definitiv schwierig, von Tätern /Opfern zu reden. Den einen ist nicht bewusst, dass sie Unrecht tun, den anderen nicht bewusst, dass sie Unrecht erleiden. Deswegen sind es trotzdem Täter bzw. Opfer, aber genau deswegen ist psychische Gewalt auch schwerer zu umreissen. "Gott spielen" = Allmacht = maximale Überhöhung = Erniedrigung des Anderen = psychische Gewalt. Wie schon dargestellt.
Faust ins Gesicht ist eindeutig.
Den Chef des Partners anrufen, sich einmischen? Handykontrolle? Ab wann übergriffig, ab wann Gewalt?

Gesunder Menschenverstand hilft leider nicht zur Einsicht. Meist ist es der Leidensdruck, der Einsicht bringt.

Wichtig ist Sensibilität. Wichtig ist es, das eigene Verhalten zu prüfen. Respekt, Akzeptanz des anderen.
Ein Nein stehen lassen, Grenzen respektieren.
Wie gut gemeint auch selten tatsächlich gut ist.

M, 56
 
  • #68
Wie hätte ich meinen Anteil bearbeiten können, ohne das Wissen davon?
Deswegen halte ich "Schuld" für sprachlich schlecht. Aber Du hast Deinen Anteil, ohne Wertung. Und es ist eben nicht nur der Mann, der wiederum seinen Anteil hat. Auch da zunächst ohne Wertung.
Ich bin überzeugt, so wie Du "ohne Wissen" da hinein rutschst, machen auch die Männer das oft nicht bewusst und geplant, was hier als "Manipulation" dargestellt ist. Auch da besteht ein Anteil und selbstverständlich hat der Mann genauso die Aufgabe, sich das anzusehen. Auch wenn das für ihn natürlich eine andere Perspektive ist und auch, wenn ihn das nicht "entschuldigt".
Ein zweiter Punkt ist, dass es viel Mut braucht, zu erkennen, dass die z.B. die eigene Mutter manipulierend war, es in vielem gut für sich gemeint hat und nicht gut für das Kind. Das ist so, wie wenn das ganze Fundament, wo man drauf gebaut hat, einstürzt.
Kenne ich. Der schlagende Mann, der das von seinem Vater nicht anders kennt, muss sich ja auch eingestehen, dass er da etwas falsch macht.

Und nochmal: ich möchte weder den Täter entlasten, noch das Opfer beschuldigen, sondern einfach den übergeordneten Aspekt beschreiben. Aus meiner Sicht müssten sich beide ihrem Anteil stellen. Leider sehen die Täter diese Notwendigkeit selten, aber für die Opfer ist es auch einfacher, das beim Täter abzuladen...
 
  • #69
Ja, vielleicht war mein Beitrag etwas "kalt". Es war nicht meine Absicht, denjenigen, die so etwas erlebt haben, ein schlechtes Gefühl zu geben. Aber das Verharren in der Täter-Opfer-Sicht bringt wenig. Auch wenn die meisten, die in soetwas reinrutschen, primär mal Opfer (in ihrer Kindheit) waren. Es geht doch darum sich klarzumachen, was die Muster und Dynamiken sind, als Erwachsener wieder in soetwas reinzurutschen. Ohne sich das bewußt zu machen, kann man das nie durchbrechen.
 
  • #70
Und nochmal: ich möchte weder den Täter entlasten, noch das Opfer beschuldigen, sondern einfach den übergeordneten Aspekt beschreiben. Aus meiner Sicht müssten sich beide ihrem Anteil stellen. Leider sehen die Täter diese Notwendigkeit selten, aber für die Opfer ist es auch einfacher, das beim Täter abzuladen...
Wie Du das jetzt beschreibst, kann ich gut zustimmen. Ich für meinen Teil brauchte die Akzeptanz von mir selber, dass ich Opfer war. Um dann in einem weiteren schmerzhaften Schritt auch meine Seite als Täterin, nicht unbedingt im gleichen Konflikt, anzuschauen.
Ich glaube, das ist notwendig, um die Verantwortung für sich selber zu übernehmen.
 
  • #71
Ja, vielleicht war mein Beitrag etwas "kalt". Es war nicht meine Absicht, denjenigen, die so etwas erlebt haben, ein schlechtes Gefühl zu geben.
Finde ich gut, dass Du das noch mal schreibst. Viele alte Wunden bleiben wohl ein Leben lang etwas schmerzhaft, wenn auch vernarbt, und somit verschlossen.
Es geht doch darum sich klarzumachen, was die Muster und Dynamiken sind, als Erwachsener wieder in soetwas reinzurutschen. Ohne sich das bewußt zu machen, kann man das nie durchbrechen.
Ich finde das Thema ganz gut, auch für die, die hier anonym mitlesen und sich vielleicht wiedererkennen.
Es gibt doch diesen alten Spruch: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.
Für viele Opfer dann allerdings noch der Zwischenschritt: Problemsituation bearbeiten... dann kann man erkennen und bannen.
w46
 
  • #72
Das schlimme ist ja nun auch, dass die Opfer leiden, in Therapie gehen, derweil die Täter sich keiner Schuld bewusst sind und das nächste Opfer aufgreifen…dabei gäbe es bei ihnen bestimmt eine Menge zu therapieren, denn in meinen Beziehungen handelten sie mit Sicherheit aus Angst vor Kontroll- und Liebesverlust.
Ja da ist so. Leider. Und Täter waren oft auch Opfer. Sie geben dann aber leider das, was sie in ihrer Ursprungsfamilie "gelernt" haben leider wieder weiter an die eigenen Kinder. Wenn keine Therapie erfolgte. Besonders Männer sehen sich oft in der Rolle, eine Therapie gar nicht nötig zu haben.

Sie durften zwar in der eigenen Ursprungsfamilie "nicht fühlen, was wahr ist", geben das dann aber an die eigene Söhne und Töchter weiter. Indem sie dann denen "verbieten" "zu fühlen, was wahr ist". Oder der eigen Frau, vielleicht auch. Weil Abhängigkeiten bestehen. Und Systeme wiederholt werden. Ein ewiger kranker Kreislauf.
w46
 
  • #73
Gott gespielt habe ich nicht, aber als ich ein Teenager war, hatte ich eine Beziehung mit einem, der viel log. Er sei angeblich tagsüber auf der Uni, hieß es, und habe dies und jenes in seinen jungen Jahren erreicht. Als die Geschichte aufflog, wollte ich ihn dabei unterstützen, wenigstens den Quali zu bekommen und eine Ausbildung zu beginnen. In einer Partnerschaft, fand ich auch damals, muss man sich gegenseitig unterstützen und inspirieren.

Aus anfänglichen Bemühungen wurden allerdings irgendwann Vorwürfe. Wir stritten uns immer heftiger, blieben dennoch zusammen, weil er bei mir mit seinem Charakter und seiner Intelligenz punktete. Irgendwann fand ich mich damit ab, dass er nichts aus sich machen wird. Innerlich schloss ich ihn aber für die Familiengründung aus.

Rückblickend kann ich sagen, dass mich eher gestört hatte, dass er trotz Taschengeld nicht mal alle paar Monate mit mir ins Kino gehen oder sich mit meinen Freunden treffen wollte, während sich alle anderen in meinem Umfeld darüber echauffierten, dass eine Gymnasiastin / Studentin mit einem Arbeitslosen ohne Schulabschluss zusammen ist.

Übrigens hat er sein Leben nach unserer Trennung in die Hand genommen. Er heiratete und wurde Vater, als ich mich fragte, ob ich ewig allein bleiben muss, und mir überlegte, wo ich im Alter 20 Katzen halten kann. Er fand einen Job und kaufte eine Eigentumswohnung.

w, 35
 
Top