• #1

Häusliche Gewalt gegen Männer

Hallo, liebe Mitschreiber,

gestern war der internationale Tag der Gewalt gegen Frauen, der in einer Nachrichtensendung auf das Thema häusliche Gewalt gegen Frauen lenkte.
Abgesehen davon, dass man gar nicht genug tun kann auf dem Gebiet, kam ich auch zu der Frage, wie es eigentlich umgekehrt aussieht bzgl. häuslicher Gewalt.

Es ist hier nun immer von körperlicher Gewalt die Rede, da Männer nunmal überlegen sind in diesem Punkt. Deswegen will ich die seelische Gewalt hier nicht in den Fokus stellen, bei der sich beide Geschlechter nichts nehmen werden.

Es wird oft von einer großen Dunkelziffer gesprochen, wenn es um körperliche Gewalt gegen Männer geht. Ein Mann schämt sich oder weil er weiß, dass er körperlich überlegen ist und sich jederzeit wehren könnte, tut er die Gewalt gegen sich als Lappalie ab. Jedenfalls hört man kaum "ich bin ein Opfer" von einem Mann, wenn es darum geht. Frauen können sehr wohl prügeln, das zeigen die Kindesmisshandlungsstatistiken. Meiner Ansicht nach würden diese Frauen auch Männer schlagen, wenn sie sich trauen würden.

Ich kenne einen Mann, der mal mit Wunde im Gesicht ankam, von der auch eine kleine Narbe zurückgeblieben ist. Derjenige ist ein sehr lieber, zuvorkommender Mensch, der sich in der Arbeitswelt vor Auseinandersetzungen mit Frauen lieber flüchtet. Ich habe ihn auch schon erlebt, wie er völlig aus dem Konzept geriet, weil seine Frau ihn am Telefon rundmachte. Zudem hat er ein Frauenbild, Frauen nicht auf Augenhöhe zu sehen, dh. u.a. ewig nachsichtiges, beschützendes Verhalten. Ich habe mich gefragt, ob ihm jemand mit einem Gegenstand ins Gesicht geschlagen hatte. Das geht mich nun nichts an, außer dass ich ihn mag, aber ich kam ins Grübeln, ob nicht genau der Gedanke ein falscher sein könnte, weil er sich meines Eindrucks nach niemals an wen wenden würde.
Ich hab keinen Retterkomplex, es ist nur interessehalber, ob man in so einem Fall der Fälle was sagen/tun soll oder nicht und wenn ja, wie das machen, ohne zu beschämen. Bei einem Kind würde ich sofort handeln, aber bei einem erwachsenen Mann? Und genau dieses Nicht-Einmischen ist es aber auch, das Menschen allein lässt, dass sie gar nicht darauf kommen, dass jemand schlecht mit ihnen umgeht oder dass es einen Weg gibt, wie sie aus der Situation kommen.

Habt ihr schonmal von jemandem erfahren, der von seiner Partnerin körperliche Gewalt erfuhr? Habt ihr was gesehen, was danach aussah, und was gesagt oder getan?

Danke für eure Antworten.
 
  • #2
Liebe Void,

Eine Wunde im Gesicht hatte mein Mann auch schon das ein oder andere mal. Einmal ein tiefer Kratzer unsere Katze, ein andermal eine angebrochene Nase von einem stürmischen Zusammenstoß mit unserem Hund und einmal, nachdem er bei Glatteis das Rad mit dem Gesicht bremste. Ich hoffe inniglich seine Kollegen halten mich nicht für gewalttätig. ;-)

Aber ohne das Thema herunterspielen zu wollen, in meinem privaten sozialen Umfeld kenne ich solche Fälle nicht. Allerdings hatte ich durch meine ehrenamtliche Tätigkeit Kontakt zu 3 Männern, welche unter häuslicher Gewalt litten. Tatsächlich kommt es viel seltener vor als Gewalt gegen Frauen (jede 4. Frau erlebt Gewalt in der Partnerschaft somit sind sie zu 90% von dieser Form der Gewalt betroffen), dennoch sind die konkreten Hilfsangebote für betroffene Männer absolut unzureichend.
Meiner Kenntnis nach, gibt es deutschlandweit nur drei Männerhäuser und auch nur 2 (privat organisierte) Männernotrufnummen.
Im Internet oder über die Telefonseelsorge findet man die entsprechenden Hilfsangebote.
 
  • #3
Ich kenne einen Mann, der das erlebt hat.
Allerdings lange, bevor wir uns kennenlernten.

Er sagt, er habe sich nicht wehren können, sich nicht getraut, sie festzuhalten oder so. Weil er so erzogen sei, Frauen nicht mit körperlicher Gewalt zu begegnen.
Also hat sie ihn geschlagen und er hat nur versucht, seinen Kopf und sein Gesicht mit den Armen zu schützen und sonst nichts getan.

Das ging lang, jahrelang.
Und er hat es niemandem erzählt, weil er sich geschämt hat.
Und niemand hat etwas gemerkt.
Wie prügelnde Männer hat es ihr danach immer sehr leid getan.
Und weil sie nach außen sehr lieb zu ihm war, hat niemand auch nur das geringste geahnt.

Ohne besonderen Anlaß, einfach beim tausendsten mal, beim letzten Tropfen, der das Fass hat überlaufen lassen, ist er dann ausgezogen. Und es gab kein Zurück mehr, obwohl sie danach sehr gebettelt und geheult hat und zum tausendsten mal versprochen hat, dass es nie wieder vorkommt.

Kinder haben sie zum Glück nicht.
Sie waren verheiratet.
Er ist jetzt etwa 50 Jahre alt, wie alt sie ist, weiß ich nicht.
Er ist promovierter Physiker, ihren Beruf kenne ich nicht.

Er hat seitdem keine Beziehung mehr, auch nichts kurzes, obwohl das schon Jahre her ist.

Er redet sehr offen darüber, mit vielen Leuten.
Kann sein, dass das seine Art von Aufarbeitung ist.

w 48
 
  • #4
Kenne ich Gott sei Dank nicht, meines Wissens auch keine Gewalt gegen Frauen. Ich denke die Reaktion der Umwelt kann nur die gleiche sein wie bei Frauen: Hilfe anbieten im Sinne von aufmerksam machen auf Institutionen, Selbsthilfegruppen, etc.
Vermutlich wird die Reaktion der misshandelten Männer sehr ähnlich sein wie die der Frauen: Angst, Handlungsunfähigkeit, Kopf in den Sand stecken. Erst wenn diese Lähmung überwunden ist, kann Hilfe oder Eigeninitiative wirklich greifen, vorher nicht.
 
P

Provence

  • #5
»Geschlagene Männer«, ebenso seelisch misshandelte Männer, sind durchaus ein Thema. Es wird weniger in die Öffentlichkeit getragen, weil sich die betroffenen Männer meist schämen. Außerdem ist es weniger »gesellschaftsfähig« (womit ich nicht meine »erlaubt«, falls das hier heraus gelesen wird), als bei Frauen.
Ich erinnere mich an die 70iger und 80iger Jahre, in denen wir alle mehr oder weniger erstaunt registrierten, dass nicht wenig Männer gegenüber ihren Frauen handgreiflich wurden. Zu (unserem) großen Erstaunen fanden diese Übergriffe nicht nur im einfachen Milieu statt, sondern sehr häufig in intellektuellen Kreisen. Ich arbeitete damals ehrenamtlich in Gruppen, die sich für geschlagene Frauen einsetzten.

Inzwischen gibt es auch »Männerhäuser« (in Bln z.B. am Prenzlauer Berg), die meist ausgebucht sind. Ich kenne einige betroffene Männer, die leider berichten, dass sie oft nicht ernst genommen werden (was allerdings auch nicht alle geschlagenen Frauen von sich behaupten können): das Jugendamt und die Polizei glauben eher den (schlagenden) Ehefrauen bzw. Partnerinnen, die vorgaukeln, dass sie die Unterdrückten sind. Oft wird den Vätern das Sorgerecht entzogen oder der Zugang zu ihren Kindern erschwert, weil meist der Kindesmutter geglaubt wird. Ich weiß von einem Fall, wo der Vater mitten in der Nacht - und vor den Augen des Kindes - in Handschellen abgeführt wurde. Weil die Kindesmutter den Notruf mit dem Hinweis betätigt hatte, der Mann sei ihr gegenüber handgreiflich geworden. Dem unschuldigen Mann wurde es nicht einfach gemacht, diese Lüge zu enttarnen. Das Kind war schwer traumatisiert.
 
  • #6
Erstmal finde ich es sehr schön, dass Du Dich damit auseinandersetzt und sensibilisierst.
Erfahrung habe ich nur mit einer geschlagenen Kollegin, wobei es nicht anders, verzeihlicher umgekehrt ist.

Eine Wunde im Gesicht, ist noch kein eindeutiger Hinweis, wenn es dabei bleibt. Nach einem Abflug von der Leiter in meine Glyzine, sah ich sehr verhauen aus.
Aber bleibe aufmerksam, zuckt er wenn man ihm eine Hand auf die Schulter legt?
War er früher beim Sport und auf einmal nicht mehr?
Wie man dann ein solches Gespräch anfängt, dass ist sicher eine Kunst. Und dazu sollte man sich dann, Unterstützung und Wissen einholen
 
  • #7
Vielen Dank für eure Beiträge!

Das Thema "Kinder" ist mir auch schon durch den Kopf gegangen. Wenn eine Frau gewaltätig ist und die Beziehung auseinandergeht, bleiben sie ja im Normalfall trotzdem bei der Mutter, denke ich. Wenn die will, kann sie vermutlich leicht dem Mann erschweren, die Kinder zu sehen. So gesehen, ist die Lage noch mal schlimmer.

Ich denke die Reaktion der Umwelt kann nur die gleiche sein wie bei Frauen: Hilfe anbieten im Sinne von aufmerksam machen auf Institutionen, Selbsthilfegruppen, etc.
Aber dazu müsste man ja erstmal seinen Verdacht offenlegen und wie Laleila schrieb, passiert es ja schonmal, dass man eine Wunde hat. Also man muss ihm zu verstehen geben, dass man ihm zutraut, Opfer zu sein, was ja Scham und Peinlichkeitsgefühl auslösen kann.

Ich hätte mir bei dem beschriebenen Mann auch nichts bei gedacht, wenn ich nicht durch sein auffällig unterwürfiges Verhalten an anderer Stelle stutzig gewesen wäre. (was nun immer noch nichts heißen muss)
Und ich kenne es auch, was Du geschrieben hast, man hat einfach Angst. Ich bin nun nicht geschlagen, aber doch mit dem Tod bedroht worden, falls ich diesen Menschen verlasse, und Gewalt schon mal angedroht, hat er mir auch.
Man versucht tatsächlich, sich zu arrangieren mit der Situation, weil es keinen Ausweg gibt, und wird ein Schatten seiner selbst, weil man sich dauernd anpasst. Ich habe es damals auch niemandem erzählt. Alle meinten, wir würden so gut zusammenpassen, es war immer lustig, wenn wir unter Leuten waren. Ich dachte auch, mir würde es sowieso keiner glauben. Aber es war keine bewusste Entscheidung zu vertuschen, die bewusste Entscheidung war, dass ich den Mann nicht ärgerlich machen darf und die ewigen fruchtlosen Überlegungen, wie ich ohne das aus der Situation rauskommen kann.

Ich denke, dass es für einen Mann noch viel schwerer ist, aus so einer Situation auszubrechen, und ich weiß, wie man anfängt, sich in die Situation zu fügen, weil die Option, die Beziehung aufzulösen, immer weiter in die Ferne rückt. Wenn dann noch Kinder da sind - das ist doch meist auch der Grund, warum Ehen/Beziehungen OHNE Gewalt auch nicht aufgelöst werden, weil man hier auch schon Probleme kriegen kann als Mann.
 
  • #8
Ja, ich habe das am eigenen Leib erfahren. Sie hat sich betrunken, ging auf mich los, zerriss mir den Schlafanzug. War nicht zu beruhigen. Ich habe mich nicht gewehrt, sondern nur geschützt (ich 1,92 sie 1,64, Gewichtsverhältnis ca 2:1).
Als sie immer wilder wurde, versuchte ich mich zurück zu ziehen, floh auf die Toilette. Als ich die Tür schließen wollte, brachte sie noch die Hand dazwischen, ich quetschte ohne es zu wollen ihren rechten Ringfinger.
Ergebnis: sie fuhr zur Polizei und zeigte mich dort wegen Körperverletzung an. Die nahmen ihr Blut ab, sie hatte 1,8 Promille.
Ich bekam eine mehrtägige Platzsperre und wurde dann auch zur Vernehmung (die erste und einzige in meinem Leben) geladen.
Später nahm sie die Anzeige wieder zurück.
 
  • #9
Ich habs auch erlebt, was für eine Furie Frauen werden können. Sie war betrunken und ging auf mich los, allerdings war bei uns das Kräfteverhältnis 3:1, da ich Kraftsport mache. Ich hab sie fixiert, bis sie sich beruhigt hatte (wir waren aber kein Paar oder sonstige verbandelt).
Gewalt gegen Menschen ist für mich die niedrigste Form der Intelligenz und immer ein Ausdruck von Hilflosigkeit. Vieles davon kommt nicht ans Tageslicht was das Erkennen so schwierig macht.
Was in diesem Kontext auch schlimm ist, sind die ganzen Männer die mittlerweile durch das soziale Netz fallen. Ich habe das Gefühl, dass die Zahl der stadtbekannten Herumlungerer und Alkis in den letzten Jahren explodiert ist. Offensichtlich brauchen Männer da mehr Hilfe, weil sie sich schneller aufgeben.

Gruß m32
 
G

Ga_ui

  • #10
Tja, danke dem Christentum für die Geschlechterungerechtigkeit! Das erstreckt sich auch auf alle anderen Lebensbereiche!
Z.B. dass Mädchen schon im Kindesalter sexualisiert werden, wenn man ihnen ein Schminkköfferchen schenkt. Genauso wie Jungs blau zu tragen haben und Mädchen pink.. Es wird in dieser Welt wegen Religionen und Politik nie eine Gleichberechtigung der Geschlechter geben! Warum? Es geht immer nur um Kontrolle und Macht! Auch Männer leiden darunter, eben wie in diesem Fall. Man wird keinem Mann glauben, dass er an Schläge oder Vergewaltigung leidet. Ist ja "lachhaft". Umdenken heißt es hier!
 
  • #11
...
Das Thema "Kinder" ist mir auch schon durch den Kopf gegangen. Wenn eine Frau gewaltätig ist und die Beziehung auseinandergeht, bleiben sie ja im Normalfall trotzdem bei der Mutter, denke ich. Wenn die will, kann sie vermutlich leicht dem Mann erschweren, die Kinder zu sehen.
Oh, wenn Du Dich da mal nicht täuschst. Unabhängig vom Thema Gewalt, bin ich, seit ich selbst "betroffen" bin, aufs Äußerste erstaunt, wie viele Kinder bei ihren Vätern sind und bleiben. So manche Frau sollte sich da nicht zu sehr in falscher Sicherheit wiegen.

Die Zeiten der alten Rollenbilder sind immer öfter vorbei.

Bei dem Thema Gewalt muss ich gestehen, dass sich dies außerhalb meines Seins befindet. Ich habe es nie erlebt und kann es mir nicht vorstellen, egal wer Gewalt ausübt und wer sie erfährt. Ich finde alleine der Gedanke daran schmerzt.

Ich wünsche allen Betroffenen sich aus solchen Situationen lösen zu können.
 
  • #12
Ja ,auch ich kenne einen Mann ,dem sowohl seelsiche als auch körperliche Gewalt von seiner Ehefrau angetan wurde.
Aber es ging ihm ähnlich ,wie im Post von "frei" beschrieben , er war nicht so erzogen , Frauen Gewalt anzutun, er ist eher ein "sanfter Riese". Er hat nur versucht , sich und die Wohnungseinrichtung irgendwie zu schützen ,wenn sie wieder einmal mit Schüsseln und Tellern um sich warf oder einen , zu seinem Schutz, abgeschlossene Tür eintrat.
Inzwischen sind sie geschieden , die Narben werden bleiben , auch wenn nicht sichtbar.
 
  • #13
Ein wesentlicher Aspekt ist aber auch in welchem Alter sich die betroffenen Männer, sich befinden.

In der Generation Ü50 wird kaum ein Mann es zugeben, dass er zu einem Opfer der häuslichen Gewalt wurde. Mit viel Mitleid braucht er da nicht zu hoffen, da höchstwahrscheinlich auch den Frauen über Ü50 dafür das Verständnis fehlt. Von den anderen Männern ganz zu schweigen. Gäbe es hier einen Thread, wo ein Mann mit 58 Opfer der häuslichen Gewalt wurde, dann würde sicherlich wieder die eine oder andere Userin mit ihrem Hohn nicht gerade sparen.

Sollte aber ein Mann schon mit Ü20 ein Opfer der häuslichen Gewalt sein, dann sieht dies ganz anders aus. Diese jüngeren Männer haben keine Angst, dies zu publizieren und auch das eigene soziale Umfeld reagiert darauf ganz anders als bei den Männern Ü50.

Eventuell benötigt man(n) ja für eine breite Publikation noch einmal 50 Jahre. Vor 50 J. wäre kaum eine Frau in die Öffentlichkeit gegangen, wenn sie unter der häuslichen Gewalt leidet und heute ist zum Glück ein ganz normaler Schritt in die Öffentlichkeit.
 
  • #14
In dem von mir beschriebenen Fall blieben die Kinder nach der Trennung/Scheidung beim Vater.
Der Mann ist jetzt so um die 50, hat es aber jahrelang ertragen. Sich Jemandem anvertrauen konnte oder wollte er nicht.
 
  • #15
Die Beiträge machen mich betroffen. Das Thema interessiert mich nicht erst seit gestern. Mir ist vor einigen Jahren mal aufgefallen, dass ich lange ziemlich sexistisch in die andere Richtung gedacht habe (auch bzgl. sexueller Belästigung von Männern durch Frauen, weil ich über meinen eigenen blinden Fleck überrascht war). Eine Geschirr schmeißende Frau ist in Filmen eigentlich eher als temperamentvoll-amüsant dargestellt, Gewalt gegen Männer gibt es per Definition nicht, usw. Ein Mann muss doch nachsichtig mit einer Frau sein, wenn sie einen Anfall kriegt, denn sie ist ja keine wirkliche Gefahr, weil er körperlich überlegen ist.
Was das alles seelisch macht, wird auch kaum beleuchtet. Wobei ich denke, dass es so ist, wie bei den Frauen - man würde so einen gewalttätigen Partner sofort stehenlassen, wenn sich sein Wesen zeigt, wenn man allgemein mit mehr Selbstwertgefühl aufgewachsen wäre. Also ist es eigentlich eine Fortführung des alten "seelischen" Lebens mit Ignorieren der psychischen Verletzung, so wie man es schon kennt.

Ich glaube, Männer schweigen wirklich mehr und finden sich damit ab, allein dazustehen mit dem Problem. Mir fällt auch kaum ein Film ein, der das Thema ernsthaft aufgreift. Meist sind die Frauen die Schwachen. Mag prozentual stimmen, aber das Problem weiblicher Gewalt gegen Männer besteht ja trotzdem und wird selten mal Thema einer künstlerischen Umsetzung.

Man wird keinem Mann glauben, dass er an Schläge oder Vergewaltigung leidet
Ich denke, das wird wirklich schwierig, zumal er als Erwachsener vielleicht wie ein Jammerlappen dasteht, weil sich alles fragt, warum er sich nicht wehrt. Und wie schon Sherlocked schrieb, wird nicht mal die Flucht mit ungewollter Verletzung glaubhaft als Abwehr gesehen. Also der vermutlich schnell gegebene Rat, doch mal zurückzuschlagen, ist nicht umsetzbar, selbst wenn die Männer sich entschließen würden, auch mal eine Frau zu schlagen.

Die Gewalt, die Männer als Kinder erfahren haben, auch durch die Mütter, wird ja auch oft totgeschwiegen. Ich glaube, als Frau hat man es allgemein (nicht in speziellen Fällen) vielleicht leichter, darüber zu reden.
Wie eine Vergewaltigung eines erwachsenen Mannes durch eine Frau geht, kann ich mir nicht vorstellen.

Wäre ja gut, wenn ich mich täusche. Ich habe es nur vermutet.
 
  • #16
Ich (m28) habe in meinen bisherigen zwei längeren Beziehungen Gewalt folgendermaßen erlebt.

Beziehung 1: Wir hatten uns gestritten, so etwas soll ja mal ab und zu in Beziehungen vorkommen. Sie hatte dann ein sexuelles Bedürfnis und obwohl es normalerweise andersherum war, wollte ich ausnahmsweise mal nicht. Daraufhin hat sie mir zweimal mitten ins Gesicht geschlagen. Das fand ich dermaßen demütigend, dass ich mich zurückgezogen habe. Ich habe ihr dann deutlich gemacht, wie ich dabei empfunden habe und dass ich das nicht wiederholt akzeptieren würde. Es ist dann auch tatsächlich nicht mehr vorgekommen.

Aktuelle Beziehung: Es fing alles eher schleichend an. Sie hat einen starken Charakter (den ich an ihr liebe) und ist sehr emotional. Ich hingegen bin sehr nüchtern und rational. Unsere Ecken sind anfangs häufiger mal aneinander geraten. Während ich bei emotionalen Problemen einfach dicht mache und es aussitze, befeuerte sie das enorm. Anfangs schlug sie hauptsächlich auf Muskeln, niemals ins Gesicht. Da ich ihre emotionale Verletztheit sah, war ich auch nicht in der Lage mich adäquat zu wehren. Erst als sie ihre Hand an meinem Schädelknochen verletzte, bin ich aktiv geworden. Ich musste sie schließlich vor sich selbst schützen. ;-) Ich habe dann eine klare Ansage gemacht: Nochmal und sie fliegt raus. Hat gewirkt. Seitdem ist die Beziehung sehr harmonisch.

Ergänzend möchte ich erwähnen, dass ich recht kräftig gebaut und zudem Kampfsportler bin. Ich hätte mich also durchaus auch körperlich zur Wehr setzen können. Allerdings verachte ich Männer, die ihnen körperlich unterlegene Frauen schlagen und wollte mich nie auf dieses Niveau herab begeben.

Die Lösung war beide Male, recht früh Grenzen aufzuzeigen und deutlich zu machen, notfalls die Konsequenzen zu ziehen.
 
  • #17
Ich gebe Void recht. ..Auch eine Ohrfeige ist schon Gewalt. In Filmen wird aber schon suggeriert, dass Frauen die lieben ihrer Verletzung durch eine Ohrfeige ausdruck verleihen.
Sie wird legitim, wenn Frau verzweifelt ist. Genau wie umgekehrt, eine hysterische Frau legitim durch eine Ohrfeige beruhigt wird.
Die Grenzen werden aber schon vorher durch verbale Gewalt durchbrochen.
Diese wird übrigens prozentual mehr von Männern praktiziert. Und hat ihre Verleugnung schon in dem beliebten beiden Sätzen : Du hast mich provoziert. ..Du bist einfach zu empfindlich.
Wie sehr dann die Frauen hier reagieren zeigt : Wir kennen das und...Wir haben schon darüber gesprochen!
Männer sprechen über solche Dinge viel weniger. ..Ein Mann der über Gefühle reden möchte, läuft Gefahr, anstelle von Hilfe, Häme zu ernten.
Frauen finden eher Unterstützung und Anerkennung ihrer Gefühle.
Dennoch gilt für Menschen unter Gewalt, dass sie sich schuldig fühlen und es oft als normal annehmen.
 
  • #18
sehr interessanter Thread !

Aber wie kann man - selbst wenn man von der Gewalt weiß - wirklich helfen ? Egal ob Mann oder Frau ?

Ich bin der Meinung, dass körperlicher Gewalt in einer Beziehung einer Reihe von Respektlosigkeiten, Übergriffigkeit und verbaler Gewalt vorausgeht, die sich die Opfer nur aufgrund mangelndem Selbstwertgefühl gefallen lassen.

Diese wiederum nimmt das Opfer oft gar nicht als solche wahr, weil diese Respektlosigkeit oder sogar auch Gewalt bereits Teil der Kindheit und Erziehung war, das Opfer nimmt sie dann doch eher als normal wahr.

Selbst wenn man versucht, einem Opfer dieses Unnormale aufzuzeigen, fehlt das Gefühl für die eigenen Grenzen, die weit vor der Gewalt überschritten wurden.

Das Opfer sieht auch seine Rolle dabei in einem völlig anderen Licht, hat dabei Ausreden und Rechtfertigungen für sein Festhalten an der Beziehung, die einem Menschen mit gesunden Selbstwertgefühl völlig fremd sind.

Nun frage ich mich, wie man wirklich helfen könnte.

Als Laie kann man niemanden therapieren, der Verweis auf professionelle Hilfe wird oft einfach abgetan, weil die Hemmschwelle dazu, auch noch "öffentlich" darüber zu reden, ein großer Schritt ist.
 
  • #19
Ich kenne einen Mann, ein Kollege, der zu seiner Freundin Hunderte von KM umgezogen ist (nach kürzerer Kennenlernphase, beide Anfang 30). Er hatte immer öfter blaue Flecken an den Armen und sah sehr erschöpft aus, als er schließlich in kleinerer Runde erzählte, dass sich seine neue Liebe als Borderlinerin entpuppte. Mit steigender Nähe wurde sie gleichzeitig immer eifersüchtiger und aggressiver, beschimpfte ihn und schlug ihn (er beschränkte sich darauf, sein Gesicht zu schützen).Wir setzten ihm zu, sich zumindest räumlich zu lösen. Er weihte schließlich ihren Vater ein, die Freundin ist nun in psychiatrischer Behandlung, erst stationär, jetzt ambulant. Den Kontakt hält er immer noch, ob das wegen ihres kleinen Sohnes ist, an dem er hängt und der ihm leid tut, oder da der Vater ihm beruflich durch seinen Status sehr hilft (Protektion, besorgte ihm auch eine luxuriöse Wohnung)und das Ganze ein Deal ist-ist nicht so klar zu trennen.
Gewalt darf NIE sein in einer Beziehung, weder physisch noch psychisch, egal warum, und alle Verharmlosungen sind übel.
Einzige Ausnahme: als Notwehr, oder um Schwächere (zB Kinder) zu schützen.
 
  • #20
Ein Thread, über den ich gerade gestolpert bin, und der wohl leider nicht so viel Resonanz erfahren hat.
Aber vielleicht spiegelt es genau das gesellschaftliche Bild wider. Nur finde ich, dies ist ein sehr wichtiges Thema, höchste Zeit, an einem Mythos zu rütteln.

"Gewalt gegen Männer gibt es nicht. Frauen / Mütter tun das nicht."

Frau ist nicht per se Opfer, es gibt viel mehr Täterinnen als bekannt. Vor allem im Bereich psychischer Gewalt. Und noch größeres Tabu ist sexuelle Gewalt von Müttern an Söhnen - auch die gibt es.

Genau das macht es betroffenen Männern so schwierig, es sich selbst einzugestehen, denn einem "echten Mann" passiert das nicht.
Dann auch noch Hilfe zu suchen? Es gibt kaum Anlaufstellen für misshandelte Männer, wenig männliche Therapeuten.
Und Gewalt ist die ganze Palette - sexuell, physisch, psychisch.

2 reale Geschichten
Mann, 47, 29 Jahre in einer festen Beziehung, massive psychische Misshandlung zunehmend über die Jahre, inzwischen schwer depressiv. Als Kind sexueller Übergriff durch die Mutter und permanente psychische Übergriffigkeit.
Ein intelligenter, körperlich starker Mann.

Frau, 45 - Mutter schlug regelmäßig Vater, Vater dann Tochter. Mutter massiv psychisch misshandelnd, körperlich in den ersten Lebensjahren. Bruder wurde anfänglich bis auf Grundbedürfnisse komplett ignoriert, dann genauso psychisch misshandelt.

Beide Fälle in Akademikerfamilien.
 
  • #20
@Diana11: sorry, aber wenn ich Posts wie deinen lese, wird mir wirklich schlecht.
Das ist doch genau das Thema, um das es hier geht: dass die Frau grundsätzlich als armes, unschuldiges Opfer dargestellt wird und der Mann als Täter. Gewalt gegen Männer wird systematisch verharmlost, genau wie du es hier tust:

Die Anzahl der wirklichen Opfer-Männer dürfte in der Realität verschwindend gering sein. Die einzigen Fälle von "Gewalt gegen Männer" die ich kenne, waren ausschließlich Fälle, in denen die Frauen mit passiv-agressiven, verantwortungslosen, suchtkranken und dauerfremdgehenden oder dauer-blockendenExemplaren lieert waren- und irgendwann ist ihnen dann halt mal der Kragen geplatzt.
Drehen wir doch einfach mal den Spieß um:

"Die einzigen Fälle von "Gewalt gegen Frauen" die ich kenne, waren ausschließlich Fälle, in denen die Männer mit zickigen, unordentlichen, suchtkranken und dauerfremdgehenden oder dauer-luslosen Exemplaren lieert waren- und irgendwann ist ihnen dann halt mal der Kragen geplatzt."

Na, wie klingt das in deinen Ohren? Gruselig? Dann denk doch vielleicht nochmal darüber nach, was du da geschrieben hast.

Warum soll man einen "dauer-blockenden" Mann (was soll das überhaupt heißen - dass er die Frage "Was denkst du gerade?" nicht wunschgemäß beantwortet?) schlagen dürfen, aber eine Frau, die keine Lust auf Sex hat, nicht? Warum soll passiv-aggressives Verhalten von Männern Gewalt rechtfertigen, passiv-aggressives Verhalten von Frauen aber nicht? Wenn man in deinen Augen süchtige Männer schlagen darf, würdest du dann auch eine süchtige Frau verprügeln?

Frauen sind körperlich schwächer und können Männern mit bloßen Händen nicht so leicht schwere Verletzungen zufügen wie umgekehrt - das darf aber keine Legitimation für Frauen sein, denen "mal die Hand ausrutscht". Wer weibliche Gewalt mit "er hatte es nicht anders verdient" rechtfertigt, muss sich fragen lassen, warum man denn nicht auch Frauen schlagen darf, wenn sie "es verdient haben".

Es gibt nur ein Verhalten, dass gewalttätige Reaktionen rechtfertigt - und zwar tätliche Angriffe des Gegenübers, gegen die man sich verteidigen MUSS! Wer sich an Verhaltensweisen des Partners wie Fremdgehen, Süchten, Verantwortungslosigkeit etc. pp stört, der sollte die Beziehung beenden. Wer stattdessen zuschlägt, gehört wegen Körperverletzung angezeigt, ohne wenn und aber und ohne Ansehen des Geschlechts!
 
  • #20
@Diana11: wenn Gewalt in deinen Augen ein absolutes NoGo ist, hättest du dich vielleicht anders ausdrücken sollen. Für mich klingen deine Worte nach einer Verharmlosung weiblicher Gewalt gegen Männer. Du schreibst, die dir bekannten Männer wären sämtlich "passiv-aggressiv", "verantwortungslos", "suchtkrank", "dauerfremdgehend" oder "dauerblockierend" gewesen und den Frauen wäre dann halt der Kragen geplatzt.

Was willst du mit der Aufzählung all dieser "Vergehen" sagen, wenn nicht "Na ja, die Kerle waren irgendwie selbst schuld."?

Warum setzt du "misshandelt" in Bezug auf Männer in Anführungsstriche? Was ist das, wenn nicht Verharmlosung?
Die "klassische" Variante von "rein-bösem Täter und rein-gutem Opfer" ist in den allerwenigsten Fällen gegeben
Was in Beziehungen abläuft, unterliegt immer einer wechselseitigen Dynamik. Zu einer langandauernden Gewaltbeziehung kann es m.E. nur kommen, wenn zwei psychisch labile Charaktere aufeinandertreffen. Da ist aber nicht ein Geschlecht "unschuldiger" als das andere.

und natürlich kann man die Fälle von männlicher Gewalt nicht automatisch mit denen von weiblicher Gewalt gleichsetzen.
Wieso du das meinst, verstehe ich immer noch nicht. Inwiefern ist es nicht gleichzusetzen?

Ich sehe den einzigen Unterschied darin, dass aufgrund der Kräfteverhältnisse eine Frau durch männliche Gewalt eher in Lebensgefahr geraten kann als ein Mann durch weibliche Gewalt. Dadurch haben sicher viele misshandelte Frauen Angst, sich zu trennen - der Mann könnte sich rächen. Warum du aber meinst, ein Mann, der in einer Gewaltbeziehung bleibt, wäre nicht zu bemitleiden, solltest du nochmal genauer erklären. Glaubst du, ein Mann, der, wie in deinem Beispiel, "alleine nichts auf die Reihe bekommt", bleibt aus Faulheit bei einer gewalttätigen Frau? So ein Mann ist nicht einfach bequem, sondern hat ein ernstes psychisches Problem.
 
  • #21
@Diana11

Gilt Deine Aussage auch für Beziehungen, wo Mann Frau misshandelt...

Ein Grundfakt gibt es, es gibt eine/n Täter/in und ein Opfer.
Der Anteil des Opfers - es zu zulassen, warum auch immer.
Aber generell zu sagen, das Opfer hat es schließlich auch provoziert, es gibt immer auch einen Gewaltanteil auf der Opferseite? Wenn das Opfer eine Frau ist, geht hier sehr berechtigt, ein Aufschrei hoch.
Wenn das Opfer ein Mann ist, hat er es provoziert, weil falsch verhalten, falsch gedacht, falsch gefühlt, die Erwartungen der Frau nicht erfüllt... Dann darf Frau natürlich Gewalt ausüben.. (IRONIE)

Diese Einstellung, die Gewalt an Männern negieren, bagatellisieren und dem Opfer am Ende (ganz perfide) unterstellen, selbst gewalttätig zu sein - also selbst Schuld, hat er verdient...
macht es Männern so unendlich schwer, adäquate Hilfe zu suchen.

Auch männliche Opfer haben unser Mitgefühl, Verständnis und Unterstützung verdient. Und unseren Respekt.
 
N

nachdenkliche

  • #22
Ich lehne JEDE Form der Gewalt gegen Männer und Frauen und Kindern ab! Das muss nicht körperliche Gewalt sein! Da haben wir Frauen gegenüber Männern muskel - und kräftemäßig nicht so viel entgegenzusetzen. Ist aber völlig egal. Einen Mann zu schlagen, eine Frau zu schlagen, das finde ich einfach krank.
Man sagt ja, und das ist wohl statistisch erwiesen, dass Frauen eher ihre Kinder schlagen/misshandeln...dafür schäme ich mich so abgrundtief, dass es für mich nur schwer erträglich ist.
Mich macht ja schon das "Anbrüllen" und eine aggressive Art zu reden unglücklich. Aber das ist eine persönliche Schrulle von mir.
 
  • #22
Was ich so mitbekomme, es gibt einen geschlechtsspezifischen Unterschied.

Männer sind viel öfters körperlich und sexuell gewalttätig, das ist dann sichtbar, beweisbar.

Viele Frauen sind perfekt in psychologischer Kriegsführung, untereinander, in Feines - und Bekanntenkreisen.
Diese "Fähigkeit" zeigt sich dann auch bei der Art der Gewalt, gewalttätige Frauen sind dafür viel öfters psychisch gewalttätig - andauernde Herabsetzungen- der bringt ja eh nichts auf die Reihe, etc. Große Palette.
Das nachzuweisen ist viel schwieriger.
Oft sind es dann auch nicht die Einzelvorfälle, aber die diversen Spitzen über den Tag, die Woche, Jahre.