• #1

Hat mein Partner kalte Füsse bekommen?

Hallo zusammen.
Ich weiss im Moment nicht, wo mein Kopf steht...
Vor knapp 3 1/2 Jahren habe ich meinen Partner kennengelernt.
1 Jahr danach zusammen gezogen und 6 Monate den Antrag erhalten. Ich war überglücklich.
Bevor ich den Antrag bekommen habe, wurden bei ihm erste Symptome eines Burnots festgestellt. Er wurde krankgeschrieben und ging danach wieder arbeiten. Einige Monate kam das totale Burnout... Klinik, Psychologen usw.
Für mich war immer klar, das stehen wir durch gemeinsam.
In der Zeit habe ich ein Studium begonnen, habe die Hochzeit organisiert, den Hund und Haushalt gemanagt. Nebenbei war ich seine Krankenschwester, Organisatorin für alles und beruflich habe ich viel zu tun- ich bin eine Vorgesetzte.
Er verlor seinen Job und sitzt nun Zuhause und meint, er mache natürlich den Haushalt. Wenn ich nach Hause komme, habe ich das Gefühl, eine Bombe hat eingeschlagen. Er ist noch immer in einem Tiefpunkt, obwohl er als 'gehelt' gilt.
Unsere Beziehung hat sich total verändert.
Ich bin froh, wenn ich ihm nicht mehr zu nahe komme und im Bett läuft wenn es hoch kommt nach 2 Wochen noch etwas.

Seit 3 Monaten mache ich mir Gedanken, ob ich ihn noch liebe und ob es die richtige Entscheidung ist- den er braucht mich und man soll ja zusammen auch durch schlechte Zeiten.
Seit einem Monat ist es richtig akut für mich.

Dann kam die Krönung- ich habe einen Mann kennengelernt, der mich verwirrt, bei dem ich extrem nervös werde und ich das Gefühl habe- wieso habe ich den nie davor kennengelernt?
Er kennt meine Bedenken und möchte den Kontakt halten, da es ihm gleich geht..
Gelaufen ist bis jetzt nichts, da für mich Treue sehr wichtig ist.

Nun weiss ich nicht- habe ich einfach Panik? Möchte ich die Beziehung noch? Kann ich mit den psychischen Problemen umgehen? Wieso habe ich diese Gefühle für einen anderen Mann, welche ich bei meinem Zuküftigen auch bei Beginn nie so extrem hatte?
Meine Zeit rennt und in 2 Monaten sollte ich überglücklich vor dem Altar stehen...
Hat jemand einige gute Worte für mich?
 
  • #2
Sag ab.
Ganz schnell.
Je länger du wartest, desto schwieriger wird es.
Vielleicht kommst du finanziell noch mit einem blauen Auge davon und kannst mit wenig Storno-Gebühren viel zurückgeben.

Heiraten ? In dieser Situation ? Auf welcher Grundlage ?
Mitleid ? Ehrencodex ?
Sei froh, dass das alles nicht nach der Hochzeit passiert ist, vor allem, dass ihr noch keine gemeinsamen Kinder habt.

Ich werde meinen Kindsvater niemals gänzlich los, das gemeinsame Kind kettet mich unauflösbar an ihn.
Nachdem meine Tochter nun 23 Jahre alt ist und meine Beziehung zu dem Mann vor fast ebenso langer Zeit endete und wie nicht mal verheiratet haben, steht jetzt aktuell im Raum, dass ich einen nicht vollkommen irrelevanten Betrag monatlich an ihn zahlen muss. Ich prüfe gerade sehr intensiv, da raus zu kommen.
Ich könnte in die Tischkante beißen.
Dieser Mann hat niemals auch nur das Geringste beigetragen und immer nur gepennt, gekifft und Gitarre gespielt und nun muss ich bezahlen, grrrrr !

Mach dich vom Acker, so schnell du kannst !
Die kalten Füße hätte ich, aber sowas von eiskalten !

w 50
 
  • #3
In der Tat eine verzwickte Situation. Grundsätzlich sehe ich hier zwei Probleme:

Du hast dich erstens nicht ausreichend von der Krankheit deines Mannes abgrenzen können - was durchaus leichter gesagt als getan ist. Ich habe selber einen ähnlichen Fall in meinem näheren Umfeld.

Zweitens ist eure Beziehung gerade in einem Umbruch, da euer Beziehungssystem im Luhmann'schen Sinne einen Eindringling erhalten hat. Und nein, damit meine ich nicht den neuen Mann, sondern vorranig die Krankheit.

Wenn du deine Beziehung aufrechterhalten möchtest, dann solltest du zu aller erst die funkelnde Liebschaft mit dem neuen Mann beenden. Auch hier war ich schon einmal in so eine SItuation und kann aus Erfahrung sprechen, dass dies kurz über lang nie gut ausgeht.
Dann solltest du offen mit deinem Partner sprechen - möglicherweise lieber mit professioneller Hilfe, da gerade psychisch vorbelastete Personen schwierig rational argumentieren können.

Und die etwas härtere Variante:

Was sagt das über die aktuelle Verfassung deiner Beziehung aus, 2 Monate vor deiner Hochzeit, wenn du hilfesuchend dich an dieses Forum wendest?
Wenn du deinen Partner und die Beziehung willst, werde stabil mit deinem Mann, beende die Zweigleisigkeit (berührt ist dein Herz schon), und findet euch neu in eurem System.

Tischlampe
 
  • #4
Die Frage müsste doch eher heissen, ob Du kalte Füsse bekommen hast. Ja, scheint so. Dein Partner ist im Grunde genommen kein Partner mehr, sondern eher eine Langzeitbaustelle oder gar ein psychischer Pflegefall. Du bist zur Versorgerin, zur Mami mutiert. Und als Mami hat man kein sexuelles Verlangen nach seinem "Kind", sprich: Eure Rollen haben sich verschoben und zwar drastisch.

Da, wo Du glaubtest, Du kannst durchstarten, da hat es auch schon geendet, das gemeinsame Beziehungsleben. Übrig geblieben ist ein mehr oder weniger lebensuntüchtiger psychosozialer Pflegefall, der Dich aussaugt und kaum was zum gemeinsamen Zusammenleben beiträgt. Er macht den Haushalt....... Vermutlich kannst Du froh sein, wenn er sich noch selbst die Zähne putzt. Und ich könnte wetten, dass das auch noch im Argen liegt.....

Wie Du jetzt aus dieser Nummer wieder rauskommst: nur durch klare Worte und Handeln. Ich glaube übrigens nicht, dass er sich groß ändern wird. Du kannst nur für Dich entscheiden, ob Du das so weitertreiben möchtest. Viel Glück.
 
  • #5
Meine Zeit rennt und in 2 Monaten sollte ich überglücklich vor dem Altar stehen...

Ich kann nicht schreiben was du machen sollst. Ich schreibe was ich machen würde. Ich würde die Hochzeit absagen und mich von deinem Verlobten trennen.

Mit der Heirat bindest du dich noch enger als bisher an einen Dauerpflegefall, Es ist nicht abzusehen, dass sein Zustand irgendwann besser wird. Allerdings ist abzusehen, dass du ihm wesentliche Teile deines Lebensglücks opfern wirst wenn du bei ihm bleibst. Wird es z.B. möglich sein mit ihm eine Familie zu gründen? Wahrscheinlich weniger. Dagegen ist die Wahrscheinlichkeit, dass dich die Beziehung mit ihm ebenfalls krank macht nicht gering.

Also sag die Hochzeit sofort ab und trenn dich zeitnah von ihm. Der andere Mann spielt dabei nur eine sekundäre Rolle. Ich sehe aber auch kein Problem wenn du dich auf ihn enger einlässt, nach dem du die Hochzeit abgesagt hast und vielleicht nach dem du dich auch räumlich getrennt hast. Letzteres sehe ich aber nicht so eng. Es ist halt netter.

In diesem Zusammenhang, wer bezahlt Eure Wohnung, wer ist der vertragliche Mieter bzw. Eigentümer? Schick ihn zu seinen Eltern, wenn du die Wohnung alleine bezahlst.

Du bist nicht verantwortlich für sein Leiden. Ihr habt nicht lang genug gesund zusammen gelebt. Für dich gibt es keine lebenslange Schuld ihm gegenüber. Er muss sich selbst retten.
 
  • #6
Und insbesondere, lerne dich abzugrenzen. Dein Mann braucht dich, ja. Und natürlich steht man in Beziehungen auch schwierigere Zeiten durch - wahre jedoch immer dein Selbst, bleibe in deinem Tanzbereich. Dein Mann hat schon alle Zähne - du bist seine Frau, die stärkt und stützt, ohne sich selbst aufzugeben - nicht seine Krankenschwester, nicht seine Therapeutin, nicht sein Seelenheil.
 
  • #7
Hallo TE

Nein, Du kriegst kalte Füße. Passiert etlichen kurz vor der Hochzeit, dass sie plötzlich so etwas erleben. Ich hab nur davon gehört, kenne es selber nicht.

Wenn Dein Partner aber noch solche Tiefpunkte hat, würde ich im Moment nicht heiraten, sondern die Hochzeit verschieben. Er ist krank, da sollte doch jeder für Verständnis haben.
 
  • #8
Liebe Anho,

vermutlich interessiert Dich der andere Mann, weil er ganz anders ist als Dein Partner und Du Dich sehr entkräftet hast in den letzten Monaten. Dein Partner fällt ja im Moment total aus und Du hast die Organisation und Verantwortung für alles übernommen, wie anscheinend auch schon im Beruf. Ich denke, wenn es zu viel wird, merkst Du es vielleicht auch nicht, dass Du kürzer treten solltest, weil Du Dich auch nicht aus der Verantwortung stehlen willst und weißt, dass andere auf Dich bauen und sicher auch angewiesen sind. Und weil Du leider von einmal gefassten Plänen keinen Abstand mehr nehmen willst.

Was den anderen Mann angeht: Wenn ich von mir ausgehe - ich war mal in einer ähnlichen Situation, auch wenn die Gegebenheiten ganz anders waren -, dann denke ich, dass Du Dir ganz dringend jemanden wünschst, der Dir selbst mal Halt geben kann, der als Mensch funktioniert ohne Probleme. Und danach sieht der andere Mann wohl aus. Und ich bin sicher, Du siehst ihn durch eine rosa Brille und der Mensch ist nicht wirklich ein traumhafter Partner. Wenn es wie bei mir ist, ist er auch ein ganzes Stück älter, gelassener und souveräner, so dass Du Dir denkst, bei seiner Stärke könntest Du endlich auch mal abschalten, statt bei allem wie eine Mutter oder eine Chefin zu agieren.

Was ich nicht verstehe ist, dass Du die Hochzeit vorbereitet hast. Ich meine, Dein Partner war ziemlich aus dem Leben gefallen mit seinem Burn Out. Du bist ne Vorgesetzte, hast ein Studium begonnen, die Hochzeit organisiert und den Mann versorgt und irgendwie "gepflegt". Der Mann hat kein körperliches Leiden, sondern er seelisches. Da frage ich mich, wie das gehen soll, dass er die Hochzeitsfeier unbeschwert und glücklich erlebt. Ich meine, es sollten doch BEIDE was davon haben und nicht nur einer endlich den Ring am Finger. Ich finde schon, dass Du da ziemlich über Deinen Partner weggewalzt bist, tut mir leid. Wenn ich BO hätte, arbeitslos geworden wäre, depressiv wäre, würde ich die Hochzeit auf keinen Fall genießen können und fänd das schon recht unsensibel, wenn mein Partner das alles plant ohne mich, den Tag nun hinter sich bringen will, weil er sich das so in den Kopf gesetzt hat, und ich das alles ganz anders erleben muss, weil ich gerade eigene Probleme wälze. Klar, ihr werdet einen Termin haben für die Hochzeit (oder hast Du den gemacht, als Dein Partner schon krank war?), aber den kann man ja absagen und warten, bis der Partner wieder so weit ist, dass er selbst auch wieder mit beiden Beinen im Leben steht und was von der Hochzeit hat. Falls Dein Partner immer wieder gesagt haben sollte, dass er auch unbedingt heiraten will, nehm ich das zurück. Hätte aber trotzdem gewartet.

Die Frage in Deiner Überschrift versteh ich nicht. Eigentlich bist es doch Du, die kalte Füße hat?
 
  • #9
Ich weiß, dass ich hier gleich lesen werde, dass hier im Forum immer vorschnell geraten wird, sich einem professionellen Psychotherapeuten oder Analytiker anzuvertrauen, aber ich mache das immer nur, wenn ich von großem Leidensdruck lese.
Dir entgleitet gerade alles : Du hast die Hochzeit geplant, Verwandtschaft und Freunde sind eingeladen, dein Zukünftiger ist keinesfalls geheilt und kriegt sein Leben nicht auf die Reihe. Du zweifelst an deiner Liebe, überlegst, wie oder ob du die Hochzeit platzen lässt, weil dir das eine Nummer zu groß ist oder ob du den anderen Mann noch aus der Birne bekommst, denn du hast dich auch noch verknallt. Gleichzeitig hast du große Ansprüche an dich und deine moralische Integrität ... Wenn das keine Situation ist, in der du dir nicht selbst mal Profihilfe gönnen darfst...

Ich würde dir deshalb dazu raten, weil du, wenn du dich an depressive Partner bindest, vermutlich auch dazu neigst, (in Krisen und auch sonst) nicht gut mit dir selbst umzugehen. Alle Energie wird darauf verwendet, den Partner zu umkreisen, und die eigenen Bedürfnisse kommen zu kurz, bis sich die Psyche dann wehrt. Bei dir ist es (noch) kein Burnout, sondern du hast dich erst einmal "nur" fremd verliebt. Ich glaube aber nicht, dass dieser Mann DER Mann für dich ist, sondern er ist der Katalysator, um deine seelische Notlage mit Gewalt zu verändern. Liebe ist frei, und du musst frei sein, um zu lieben. Das bist du nicht, wenn in zwei Monaten geheiratet wird, und du dich im Gedanken an das Fest fühlst wie ein falscher Fuffziger. Du bist weder frei für den einen, noch den anderen. Denn du selbst bist in dir gefangen.

Vielleicht helfen dir die Beiträge hier im Forum - aber es muss dir kein Zacken aus der Krone fallen, wenn du dir selbst professionelle Hilfe suchst - auch wenn du bisher in der Rolle der Retterin warst.
 
  • #10
Und welcher Partner hat grad kalte Füße, ich seh nur kalte Frauenfüsse.

Überglücklich vorm Altar? Weil es ein schönes Fest ist?
Für mich steht zumindest nicht mehr das selbe Paar vor dem Ja-Wort, welches sich damals den Antrag gemacht hat.

Und im Moment scheint nicht mal die Liebe der Hochzeit beizuwohnen.

Kurze Panik ein zwei Tage vorher ok aber so eindeutige Probleme?
 
  • #11
Die Überschrift verwirrt mich. Es geht ja eher darum, dass du kalte Füsse bekommst, oder?

Ist auch irgendwo verständlich, da sich eure Beziehung extrem verändert hat durch seine Krankheit.

Warum habt ihr die Hochzeitsplanung nicht erst mal aufgeschoben? Wolltest du es unbedingt durchziehen? Jemand mit burn-out ist ja nicht belastbar, und dann soviel Extra-Stress?

An deiner Stelle würde ich mir unabhängig von dem neuen Mann überlegen, ob ich die Beziehung noch will und dann danach handeln.
 
  • #12
Klingt ja eher so, als hättest du kalte Füsse bekommen?!

Zur Klarstellung der Krankheit: Burn out, Depressionen etc hat man lebenslang. Es gibt kein Rückweg. Es gibt Verbesserungsphasen, es kann zeitweise oder Jahre ganz verschwinden, aber man bleibt anfällig dafür. Burn out kann sich bis zur Besserung erst mal 10 Jahre hinziehen. Also nichts, das über Nacht weg geht. Es hat erst angefangen bei ihm.

Dein Partner soll den Job ändern, sein Leben auf den Kopf stellen, vielleicht den Kontakt zu Freunden und Familie beenden, die ihm nicht gut tun. Offenbar läuft da einiges schief in seinem Leben und er hat es zu spät erkannt.

Vergiss das mit dem neuen Mann! Du bist treu, bald verheiratet (und für dieses Glück bist allein du verantwortlich!) und er versteht deine Lage, weil er selbst vergeben ist und mit dir nie was ernstes anfangen würde, außer einer Affäre, er sagt es dir bloß nicht! Affäremänner habe keine Scham, die gut laufende Beziehung der Frau kaputt zu machen. Du bist ja schließlich selbst für dich verantwortlich, also pass besser auf dich auf und wer dir den Kopf so verdreht!


Klingt, als habt ihr euch auseinandergelebt und könnt - wie viele Paare - nicht darüber kommunizieren. Dein Partner ist überfordert, hat Stress und in vielen Faktoren unzufrieden mit seinem Leben. Sein Leben wäre einfacher, wenn er einen Ausweg aus seinen Problemen hätten. Offenbar weißt du wenig darüber.
Warum beschäftigst du dich also so wenig mit deinem Mann? Warum jammerst du nur, anstatt seine Probleme zu erkennen?
Warum hilfst du ihm nicht, einen lockeren Job zu bekommen, wo er sich besser aufgehoben fühlt? Warum überdenkt ihr nicht mal euren Freundeskreis? Warum hilfst du deinem Freund nicht, mal was neues im Leben anzupacken und zu wagen? Warum macht ihr nicht mal beides was neues zusammen?
Du stehst wie ein Zuschauer daneben und lästerst wie so viele. Anpacken, helfen, was machen, aktiv werden, kreativ sein, Ideen schmieden, den Partner unterstützen in seinen Ideen, das kannst du nicht. Wie so viele.
 
  • #13
Wieso wollt ihr heiraten ? Damit tust Du niemandem einen Gefallen.

Er ist nun seit einiger Zeit seinen Job los und die Beziehung läuft gerade schlecht. Wieso will der Idiot überhaupt heiraten ?

Man heiratet in bester Verfassung und nicht am Tiefpunkt des Lebens.
 
  • #14
Dass du »kalte Füße« bekommen hast, verstehe ich sehr gut. Gleichzeitig solltest du bedenken, dass diese vielleicht (auch) deiner recht großen Belastung - Partner krank, Job fordernd, Studium, Hochzeit vorbereiten usw. - geschuldet sind.

Du solltest ehrlich zu deinem Freund sein, ihm vorschlagen, die Hochzeit auf unbestimmte Zeit (aber mindestens 1 Jahr) zu verschieben. Ihm anbieten, dass ihr danach neu und zusammen überlegt, ob ihr weiterhin heiraten möchtet. Pfeife auf mögliche Empörungen in deinem Umfeld: es geht um DEIN Glück!

Du wirst sehen, dass du dich mit diesem Aufschub gleich viel leichter fühlst, gleichzeitig kannst du noch eine Weile prüfen, ob du wirklich eine Ehe mit diesem Mann eingehen willst. Denn nach der Eheschließung kannst du nicht mehr so einfach einen Rückzug machen, du würdest viele Jahre unterhaltspflichtig sein - zumindest so lange, bis er wieder arbeitsfähig ist - falls er dieses Ziel je wieder erreicht. Einmal abgesehen davon, dass eine spätere Trennung, bei möglicherweise fortgeschrittener Erkrankung deines Mannes, dir ein noch schlechteres Gewissen einbrocken dürfte, als du das heute schon hast. Eventuell würde ich vorerst ausziehen, damit auch dein Freund prüfen kann, wie er alleine zurecht kommt.

Dass du ausgerechnet jetzt deinem scheinbaren Traummann begegnet bist, wundert mich nicht: es geht dir nicht gut, du stehst unter Zeitdruck, es tut so gut, mit einem belastbaren und liebenswerten anderen Menschen zusammen zu sein. Genieße das, doch baue nicht auf eine neue, stabile Beziehung. Wenn du irgendwann wirklich frei bist, wird sich die auch finden. Vielleicht mit genau diesem Mann, vielleicht mit einem anderen.
 
  • #15
Ein Punkt, kurz und knapp, verschiebe zumindest die Hochzeit.

Das andere -
Er ist nicht geheilt, sonst ginge es ihm nicht so wie es ihm geht.
Das sind langwierige Prozesse, Burnout ist ein Symptom, keine Ursache. Also muss erst die Ursache gefunden werden, und dann die geeignete Therapie.
Ganz geheilt wird es nie geben, es bleiben Spuren und eine verminderte Leistungsfähigkeit, Stressresistenz. Der Burnout hat irreversible Verknüpfungen geschaffen.

Wie der Verlauf sich allerdings gestaltet, liegt vor allem auch am Patienten selbst - nimmt man die Therapie an, probiert man Methoden, schaut, auch wenn es manchmal hart ist, nach Lösungen, lernt Wege, damit positiv umzugehen (das geht- und dann sind die Langzeitfolgen auch bei weitem geringer).
Oder setzt man sich in die Ecke und wartet auf den Retter, und dazwischen jammert man?
Alle Stufen schon gesehen, auch inkl. Flucht in den Alkohol, gerade bei Männern, was das Ganze noch verstärkt.

Du kannst zwar als Partnerin unterstützen, aber es ist nicht einfach und vor allem braucht es zwar Verständnis, aber auch eine klare Ansage, wo die eigenen Grenzen sind. Die Verantwortung für ihn darf niemand anderes übernehmen. Ein ganz schwieriger Spagat, der mE nur (evtl.) gelingt mit professioneller Unterstützung. D.h für ihn intensive Einzeltherapie und kombiniert mit Paartherapie.
Wenn Du diesen Weg probieren willst, informiere Dich, es gibt die diversen Foren, es gibt Fachliteratur, und es gibt Beratungsstellen, Psychotherapeuten.

Ansonsten, ganz hart, trenne Dich, ziehe einen Schlussstrich.
Was ihm nicht hilft, ist wenn Du die Mama und die Kümmerin machst - dann richtet er sich ein.

Frage Dich, was Du möchtest, was Du leisten kannst, sei ganz ehrlich mit Dir selbst, und dann entsprechend konsequent.
 
  • #16
Liebe FS,
Du stellst die falsche Frage, nicht Dein Partner hat kalte Füße bekommen, sondern Du und das zu Recht, denn es lauert eine Lebenskatastrophe auf Dich.
Sag' die aktuell geplante Hochzeit sofort ab und überlegt euch zusammen, wie es weitergeht, was passieren muss, damit Hochzeit zwischen Euch wieder ein Thema werden kann.

Mit der Ehe gehst Du Verpflichtungen ein, die wenn es richtig dumm läuft, Du nie wieder im Leben los wirst. Dein Partner ist krank und arbeitslos.
Jetzt bildet ihr eine Bedarfsgemeinschaft und vermutlich gekommt er noch ALG1. Wenn ihr geheiratet habt, bist Du ihm gegenüber unterhaltspflichtig.
Auch wenn die Ehe scheitert und Du Dich scheiden lässt, bleibst Du nachehelich unterhaltspflichtig, wenn Dein Exmann aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kann. Du hast eine gute Ausbildung, verdienst gut - da lässt der Sozialstaat Dich nicht mehr aus der Pflicht.
Wenn Du jetzt die Hochzeitslawine nicht stoppst, kann dieses Versäumnis den Rest Deines Lebens negativ beeinflussen.

Es gibt kein Burnout als behandlungsbeduerftige Krankheit, höchstens eine Erschöpfungsdepression. Es dauert Jahre, bis man da raus kommt und nicht immer gelingt das.
Jeder gute Behandler sagt dem Depressiven, dass er in einer Depression keine schwerwiegenden Entscheidungen treffen soll. Daher sollte er eigentlich die Hochzeitslawine stoppen. Daran hat er natürlich kein Interesse, garantiert die Ehe ihm doch lebenslanges Gammlertum - sage ich so, weil Du sagst, er sei laut Arzt gesund.

Wahrscheinlich ist es gut für ihn, wenn Du die Sache stoppst und den Wechsel zu einem anderen Mann vollziehst, denn es wird ihn aus seinem Sofakoma wecken.
Wenn er noch krank ist, wird er gezwungen, sich in Behandlung zu begeben, um sein Leben zu ändern - mit Deiner Überversorgung gelingt ihm das nicht.
Hat er sich bequem in einer Pseudokrankheit eingerichtet, wird er durch die neuen Fakten aus seinem Dornröschenschlag erweckt.
Fährst Du den Hätschelkurs weiter wie bisher und heiratest ihn, wird sich nichts ändern - Du kannst weiterhin jeden Tag nach der Arbeit den Bombenschaden beseitigen.

Ihr kennt euch 3,5 Jahre und einen großen Teil der Zeit war mit ihm keine Beziehung zu führen, sondern er war ein sozialer Pflegefall. Da ist es ok zu sagen "es reicht, meine Energie ist aufgebraucht, ich will ein anderes Leben".
 
  • #17
In der Zeit habe ich ein Studium begonnen, habe die Hochzeit organisiert, den Hund und Haushalt gemanagt. Nebenbei war ich seine Krankenschwester, Organisatorin für alles und beruflich habe ich viel zu tun- ich bin eine Vorgesetzte.
Das ist Coabhängig. Du bist nicht seine Mutter. Oft so dass ein Partner den schwachen Part repräsentiert, während der andere übertriebn viele Verantwortung für den anderen übernimmt, sich selbst dabei aber vergisst. Ich würde die Hochzeit absagen. Dann deinem Partner reinen Wein enschenken. dass du einen anderen Mann kennengelernt hast, dass du an eurer Beziehung zweifelst. Wenn der Partner nicht völlig blind ist, wird er eure Entfernung auch spüren. Und kann es passieren , dass er noch tiefer in der Resignation versinkt oder das sich etwas ändert. du hast nichts mehr zu verlieren. Deshalb würde ich die Karten auf den Tisch. Ich denke dein Partner sollte auch wissen, was in dir vorgeht, da gehst ja nicht um eine neue Haarfarbe. Und dann erst mal schauen was passiert...
 
  • #18
Sag ab.
Ganz schnell.
Je länger du wartest, desto schwieriger wird es.
Vielleicht kommst du finanziell noch mit einem blauen Auge davon und kannst mit wenig Storno-Gebühren viel zurückgeben.
Ach komm Frau frei, sei nicht so böse. Nicht jeder muss so ein Kerl sein wie dein ex. Aber verstehe natürlich deinen Anlass zu dieser Aussage. Ja ja meine liebe, wir haben alle unser Päckchen zu tragen. Ich habe das ja auch.

Zu dir liebe FS, glaubst du nicht auch das ihr erst mal die Hochzeit hättet verschieben sollen, einzig allein aus dem Grund um einem Mann der es eh schon an den Nerven hat, den Hochzeitssstress erst mal zu ersparen bis er wieder gesund ist.
Ich verstehe dich schon und deine Ängste aber wie wäre es, mal vorher dem Kopf etwas einzuschalten.
Jetzt ist der neue Kerl greifbar und du springst zur nächsten Blüte.
Schön kalt zu lesen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #19
Du musst Dich aus der Schuld- bzw. Verantwortungsrolle befreien. Man kann phasenweise einen Partner unterstützen, aber eine Beziehung ist nicht dazu da, Dich zu zerstören. Wenn Dein Freund mal wirklich einen Burnout hat. Vielleicht ist er auch ein fauler Parasit und macht es sich gerade in Deinen Schuldgefühlen gemütlich. Gleich, was es ist. Es ist Dein Leben, Dein Freund hat sein Leben auf die Reihe bekommen, bevor Ihr Euch kennengelernt habt. Ob da nun ein anderer Typ ist oder nicht, spielt keine Rolle. Mit dem anderen wäre ich jedenfalls außerordentlich vorsichtig. Solche "Rettungsanker" können sich leicht als Fata Morgana erweisen. Regle erstmal Dein Beziehungsproblem, sag die Hochzeit ab, rette Deine Haut. Wahrscheinlich kriegt Dein Freund sein Leben prima auf die Reihe, wenn Du weg bist und er auf einmal gezwungen ist, auf eigenen Beinen zu stehen.

Im Buch von Monika Celik über narzisstische Beziehungen ist übrigens ein Fallbeispiel eines Mannes, der Deinem Kandidaten sehr ähnelt!
 
  • #20
Liebe FS,
solltest du heiraten, musst du im Fall einer Trennung unterhalt zahlen, da dein Mann arbeitslos ist. Das bedeutet, eine Jetzt falsche Lösung kann dich lange verfolgen.

Ich würde die Heirat eindeutig verschieben mit der Begründung, dein Partner soll erst gesund werden und sich und sein Leben stabilisieren. Ob du dann dich trennen willst oder nicht, kannst du später entscheiden.

Es liest sich vielleicht kalt, jedoch kann einem Menschen nicht geholfen werden, wenn er es selbst nicht will. Dein Freund scheint in Selbstmitleid zu versinken. Das ist doch keine gute Basis. Er soll sich professionelle Hilfe holen und Du musst aufhören Krankenschwester zu sein.

Der andere Mann ist nur ein Symptom der aktuellen Unzufriedenheit. Erstmal musst du deine Situation klären und dich unabhängig von anderen Menschen, Männern, für oder gegen die Beziehung dich entscheiden.
 
  • #21
1 Jahr danach zusammen gezogen und 6 Monate den Antrag erhalten. Ich war überglücklich.

Du warst überglücklich. Und da seid ihr nicht erst drei Wochen zusammen gewesen. Also war es wirklich dieser Mensch. Was ist passiert? Er ist krank geworden. Da meldet sich bei den Elite-Frauen sofort die größte Angst, die sie umtreibt, die Angst für irgendetwas zahlen zu müssen.

Ja, die Umstände schauen wirklich nicht rosig aus. Aber du hast diesen Menschen geliebt, du warst glücklich mit ihm. Du wolltest mit ihm alt werden. Die Krankheit hat er sich nicht ausgesucht. Allein aus Treue zu mir selbst, würde ich den Menschen nicht so schnell fallen lassen. D.h. nicht dass man sich aufopfern muss, oder sehenden Auges ins Unglück laufen muss.

Die Hochzeit würde ich jetzt auch abblasen. Ich würde genau die Perspektiven ausloten, wie die Zukunft mit dem "ausgebrannten" Partner ausschauen kann. Ist die Liebe nur verschüttet oder ist sie schon gestorben?

Klar, der andere Mann reizt dich. Ganz einfach weil er ein Mann ist. Nicht krank, nicht bedürftig. Aber vielleicht spricht er dich auch nur an, weil du ihn als Sprungbrett aus deiner misslichen Lage ansiehst?
 
  • #22
Ich empfinde es sehr falsch, dass du weiterhin die Heirat geplant hast. Eine Depression oder Burn-out ist eine Krankheit. Wie stark das dein Verlobter hat, kann ich natürlich nicht diagnostizieren, aber sehr viele Menschen die das durch gemacht haben, verändern sich und sind danach in diesem Punkt weniger belastbar.
Die Suizidrate ist nicht umsonst relativ hoch. Liebe ES, ich empfinde es so unempathisch von dir, diesen Mann, zu seiner womöglich schlimmsten Lebensphase heiraten zu wollen.
Sein nicht aufräumen, hat ganz viel mit der Krankheit zutun. Es ist einfach nicht die Zeit für heiraten und dein Fremdflirten ist echt nicht fair. Trennen und dann sich anderen Männern hingeben, okay. Doch diesen Mann wolltest du heiraten, in guten und schlechten Zeiten, hältst du ja jetzt kaum noch ein. Meine Freundin hat auch ein Burnout gehabt. Sie war eine andere. Klein, ängstlich, fade, leblos und Sie hatte so eine toxische Aura, dass man manchmal selbst richtig fertig nach dem Besuch war. Ihr Mann hat aber zu ihr gehalten. Nicht sein Leben ihrer Krankheit unterworfen, sondern weiterhin sein Ding gemacht und Sie ermuntert mitzukommem oder dies und das auszuprobieren. Es war so eine Qual für diese Frau, mal hat Sie es für ihn geschafft und mal ist sie kläglich gescheitert. Die sonst so starke,lustige Frau war so zart und schüchtern. Nach über einem Jahr fing langen Besserung an und auch jetzt noch (Burnout ca 4 her) passt Sie ungemein auf, dass Sie achtsam mit sich umgeht und hat nicht mehr ihre vorherige Stärke.
Du bekommst so viel zurück, wenn du einen Menschen in einer schweren Zeit begleitest. Dennoch muss es von Herzen kommen. Wenn du es nicht willst und nicht mehr kannst, dann geh, doch so respektvoll wie möglich und dann gehört es sich nicht, mit dem anderen Mann etwas anzufangen.
Eine Mutti, Therapeutin, Lebensplanerin brauch er nicht. Seine Verlobte brauch er, die ihr Leben lebt und ihm signalisiert, dass er immer willkommen ist, mitzumachen. Zu viel Hilfestellung und Abnehmen der Probleme schafft das unausweichliche Ausruhen darauf. Unabsichtlich.
 
  • #23
Ach komm Frau frei, sei nicht so böse. Nicht jeder muss so ein Kerl sein wie dein ex.
Nee, natürlich nicht, die allerwenigsten sind solche Kerle wie mein Ex, aber dieser hier dürfte einer der wenigen sein.

Schwanger wird man schneller, als man vor dem Traualtar steht, bei mir dauerte es genau zwei Wochen und da kann ( und sollte ) man mir Blödheit unterstellen, dass ich mich habe von einem unbekannten Mann schwängern lassen, was mich für den Rest meines Lebens an ihn fesselt.
Aber die FS wäre noch einen Grad blöder, wenn sie sich durch die Hochzeit fesseln ließe, denn sie WEISS ja, wie es um ihn steht, während ich es nicht wusste.
In diesen zwei Wochen war er nämlich ein Wahnsinns-Typ, weil in einer manischen Phase. Damals wusste ich nichts von diesem Krankheitsbild, während die FS sich sicher ausgiebig kundig macht.
Sie würde also sehenden Auges ins Verderben laufen.

Wenn ich hier schon ab und zu von meinem Ex erzählt bzw. mich ausgek***t habe, gab es immer ein paar Leute, die gesagt haben 'selbst schuld, hättest du doch wissen können' oder 'wie kann man sich nur nach so kurzer Zeit schwängern lassen ?'
Tja, die haben vollumfänglich recht.
Wenn die FS den Mann heiratet, ist es das gleiche, dann ist sie selbst schuld.

w 50
 
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