• #1

Heimarbeit als wichtiger Bestandteil der Familienförderung?

Yahoo-Chefin Marissa Meyer ruft sämtliche Mitarbeiter wieder zurück in die Konzernzentrale. Homeoffice ist erstmal gecancelt. Ist das ein Rückschritt im Bezug auf Familienfreundlichkeit – wie wirkt diese Maßnahme und die Tatsache, dass sie ausgerechnet von einer frischgebackenen Mama kommt auf Sie? Welche Rolle spielt Heimarbeit in diesem Zusammenhang für die Familienförderung?
 
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Gast

  • #2
Vielleicht hat Marissa Meyer es ausprobiert und festgestellt, dass sie nicht arbeiten kann, wenn zuhause die kleinen Kinder rumwuseln?

Grundsätzlich ist Homeworking eine gute Idee, schont die Umwelt, Fahrkosten und das eigene Zeitbudget - bezahlte moderne Technik dafür gibt es reichlich. In der Praxis klappt es leider nicht - da fehlt den Homeworking-Kollegen der Fairessfaktor.
Ich habe regelmässig mehrere Kollegen/Kolleginnen im Homeworking. Wenn sie zuhause arbeiten, leisten sie im Vergleich zur im Büro verbrauchten Zeit ca. 1/3. Wenn das Gehalt der Leistungsmenge angepasst wird und dementsprechend offene Stellen besetzt werden, spricht nichts dagegen Heimarbeit anzubieten. In der Realität wird ihr nicht geleisteter Teil allerdings über das gesamte Team verteilt, ohne das Personal aufzustocken. Entsprechend hoch ist die Grollquote bei den betroffenen Kollegen, sie ständig im Mehrleistungsbereich sind.
Das ist keine Vermutung, sondern wiederholt festgestellte Tatsache (Kollege ist im Teamchat angemeldet, aber die Antwort kommt 3 Std später - war wohl einkaufen, im Kiga ..., die Auszeit wird aber nicht gebucht)

Weiteres Problem: man bekommt kaum noch das ganze Team zusammen. Die Homeworkingkollegen bekommen viele Entwicklungen nicht mit und fallen damit für viele Aufgaben aus, weil sie nicht Bescheid wissen oder eben nicht im geforderten Maß präsent sind, für Abstimmungen mit anderen Organistaionseinheiten. Folge: die oben besschriebenen Präsenzkollegen müssen immer die Hammerprojekte mit der hohen Arbeitsdichte machen, was aber keinerlei Auswirkungen auf das Gehalt hat - macht ganz viel Unfrieden.

Frau Meyer ist eine kluge engagierte Frau - die sieht sowas und reagiert, denn mit einer verstimmten Mannschaft kann man keine guten Ergebnisse erzielen.
 
G

Gast

  • #3
Ich sehe das wie Gast 1. Auf Wunsch habe ich auch zweimal dem Wunsch von ohnehin nur geringfügig beschäftigten Frauen nachgegeben und sie Arbeit zu Hause erledigen lassen. Nachdem ich einmal verzweifelt einem dringend benötigten Text hinterher telefoniert hatte und kurz darauf die Mitarbeiterin durch Zufall im Café mit einer anderen Frau gesehen habe, habe ich mich darauf nicht mehr eingelassen. Bei Heimarbeit kommt meines Erachtens zu schnell das "Ich-bin-Hausfrau-und-habe-Zeit-Gefühl" auf. Außerdem ist längst erwiesen, dass Kinder in frühzeitiger professioneller Betreuung sich sozial und intellektuell besser entwickeln als die Kinder, die zulange allein von den Eltern erzogen worden sind. Ich denke, nach dem ersten Lebensjahr sollten Frauen, die wirklich bereit sind, zu arbeiten (vor denen ich ausdrücklich Hochachtung habe), die Betreuungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen und ihre Arbeit tun. Das ist auch verantwortungsbewusster gegenüber dem Kind, das eine stabile finanzielle Grundlage von beiden Elternteilen hat und Pflichtbewusstsein erlebt.
 
  • #4
Für mich ist Heimarbeit das Non Plus Ultra, anders ginge es mit den Kindern gar nicht. Zum Glück kann mir dabei niemand reinreden, da ich selbstständig bin.
Die oben geschilderten Erfahrungen sind heftig, und ich zweifle sie nicht an. Allerdings leiden unter den Konsequenzen diejenigen (meist Frauen), die die Arbeit selbstdiszipliniert durchziehen. Auch davon kenne ich einige. Hoffentlich macht die Aktion von Marissa Meyer nicht Schule, das wäre tatsächlich eine Katastrophe für viele Familien.
 
G

Gast

  • #5
Es besteht offensichtlich ein enormer Unterschied, ob eine Mutti oder Nicht-Mutti ein Homeoffice betreibt. Ich bin Nicht-Mutti und habe während meiner Homeoffice-Zeit meine Arbeit stets zeitnah geliefert, war 7 Tage die Woche (teils zu nachtschlafener Zeit) abrufbereit. Feste Arbeitszeiten gab es nicht, wenn Arbeit da war, hatte ich parat zu stehen ... was für mich bei diesem Arbeitsmodell auch selbstverständlich ist. Für mich hat sich der Einsatz gelohnt, inzwischen wurde meine geringfügige Beschäftigung in eine Halbtagsstelle umgewandelt. Ich finde es schade, wenn pflichtbewussten Arbeitnehmern (dazu zählt sicher auch die ein oder andere Mutti) solche Chancen genommen werden, nur weil einige lieber shoppen, statt arbeiten.
 
  • #6
Nach meiner Trennung mit zwei Kindern 3J und 8 Wochen war es nur durch Telearbeit möglich Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Was wirklich fehlt ist die Kommunikation. Ich habe so bald es möglich war, wieder mehr Stunden im Büro verbracht, auch weil ich nicht mehr so viel arbeiten wollte. Als Telearbeiterin hat man ständig ein schlechtes Gewissen und arbeitet eher zu viel als zu wenig. In meiner jetzigen Vorgesetztenfunktion achte ich darauf, dass der Anteil der Telearbeiter nicht zu groß wird. Meine Telemitarbeiter haben aber auch nur 10-20 Stunden Telearbeit, so dass sie noch oft genug im Büro sind und auch weiterhin eine gute Kommunikation stattfinden kann. Man muß wohl unterscheiden zwischen Voll- und Teilzeittelearbeit. w51
 
G

Gast

  • #7
Ich glaube nicht, dass die Erfahrungen von 1 und 2 typisch sind. Sie sind schon gar kein Grund Heimarbeit grundsätzlich abzuschaffen. Mit der gleichen Begründung könnte man auch die Entgeldfortzahlung im Krankheitsfall abschaffen. Es gibt ja schließlich auch immer wieder welche, die blaumachen....

Ich kenne einige, die sogar besser von zu Hause aus arbeiten. Ich jedenfalls kann mich dort besser konzentrieren als im Büro. Zwar werde ich dort manchmal vom Kind "gestört", aber eben nur davon. Allerdings arbeite ich meist nur abends zu Hause und bin bis 15 Uhr im Büro. Ich leiste genauso viel wie ohne Kind, nur halt zu anderen Zeiten. Dadurch, dass ich trotzdem viel im Büro bin und auch mit in die Kantine gehe, bekomme ich alles mit was so läuft. Ich denke, die Mischung machts. NUR zu Hause ist sicher nicht gut. Aber mit Kind kann man meines Erachtens nur dann Vollzeit arbeiten, wenn ein Teil der Arbeit zu Hause erledigt wird. w 41
 
  • #8
Dass Frauen "multitasking"- fähig sind, ist ein sich hartnäckig haltendes Gerücht.

Beruf und sich gleichzeitig um kleine Kinder kümmern schafft kaum eine Frau, denn natürlich lenken spielende und quengelnde Kinder ab! Die verringerte Arbeitsleistung (30 Prozent), die #1 beschreibt, glaube ich deshalb aufs Wort.

Betriebskindergärten wären für mich immer noch die bessere Lösung.
 
  • #9
Ich hatte früher auch mal für mich gedacht, daß das die optimale Lösung wäre, leider ist dem nicht so. Zum arbeiten komme ich (selbständig) eigentlich fast nur, wenn mein Kind nicht da ist. Oder abends, wenn es schläft. Abends bin ich dafür neuerdings oft auch mal einfach schlapp und mag nicht mehr.
Von zuhause aus zu arbeiten birgt zwei Risiken: entweder zu viel arbeiten oder zu wenig. Entweder man läßt sich zuhause zu leicht ablenken oder man neigt dazu, die Nächte durchzumachen. Habe beides schon durch.
Bei der Heimarbeit fehlt auch ganz essentiell die Kommunikation mit den Kollegen. Viele Dinge lassen sich auf der persönlichen Ebene viel schneller und besser klären.

Ich bin neuerdings eher für eine klare zeitliche und räumliche Trennung. So fällt einem das Umschalten zwischen Beruf und Privat auch einfacher. Ich halte die Erfahrungsberichte von #1 auch für glaubwürdig.
 
G

Gast

  • #10
arbeite auch 50% in Telearbeit vom Homeoffice. undsere Dienstverinbarung schreibt vor, dass die Kinder in der Zeit woanders betreut werden, muss Frau nachweisen (Kita- Vertrag, Tagesmuttervertrag, Ogagata- Vertrag), sonst wird es nicht genehmigt.
alles eine Frage der Arbeitseinstellung. Seinige Kommentare hören sich für mich sehr nach Neid an. Wer keine Lust hat, quatscht im Büro in der Teeküche, liest Zeitung online etc.
Arbeitsergebnisse sind messbar......
Pure Anwesenheit bei gleichzeitiger geistiger Abwesenheit ist auch nicht als Arbeitszeit zu werten.
Leiste in Telearbeit eher mehr als im Büro, da ich das Privileg nicht verlieren möchte.