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Heute live um 18 Uhr: Expertenchat zur Unterhaltsrechtsreform mit Susanne Pfuhlmann-Riggert

Liebe Leser, heute um 18 Uhr ist es endlich soweit: Frau Susanne Pfuhlmann-Riggert, Fachanwältin für Familienrecht gibt steht uns als Experte zum Thema Unterhaltsrecht Rede und Antwort. Unterhaltsrecht - ein komplexes Feld. Umständliche, lange Paragraphen, Reformen, Tabellen machen es einem nicht gerade leicht, sich umfangreich zu informieren und die bestmögliche Lösung für sich selbst herauszufinden. Alle die Rat suchen können jetzt ihre Fragen zu diesem Thema stellen. Wie beim letzten Chat wird der Thread nun schon eine halbe Stunde vor offiziellem Beginn eröffnet, um unserem Chatgast ein möglich breites Spektrum an Leserfragen zu präsentieren
 
  • #2
Meine Tochter ist momentan in einem schwierigen Alter. Wir streiten uns oft, seit sie wieder mehr Kontakt zu ihrem Vater hat. Der hat Ihr nämlich vor kurzem in den Kopf gesetzt, dass er jetzt, wo er weniger Gehalt bekommt und nicht mehr allen Unterhaltspflichten nachkommen könnte, ihr der Unterhalt zu steht und nicht mir.
 
  • #3
So nun geht es auch schon los ;) Bitte beachten Sie, dass dies ein moderierter Chat ist. Das heißt: Die Fragen müssen von uns freigeschaltet werden. Leider ist es unvermeidlich, dass innerhalb einer Stunde nur ein Teil der Fragen zum Zug kommt. Wir bitten dafür um Verständnis. Um den laufenden Chat zu verfolgen, klicken Sie bitte regelmäßig auf "Aktualisieren". Und damit begrüße ich nun unseren Gast, der live mitchattet. Guten Abend, Frau Susanne Pfuhlmann-Riggert!
 
  • #4
Was hat sich jetzt konkret geändert in bezug auf Unterhalt? Ist das diesbezügliche Recht restriktiver geworden und in welchen Punkten?
 
  • #5
Guten Abend, Frau Koppers, ich freue mich auf den Chat und bin gespannt auf die ersten Fragen!
 
  • #6
Das neue Unterhaltsrecht betrifft in erster Linie den Ehegattenunterhalt. Ja, es ist restriktiver, und zwar für die, die Unterhalt haben wollen. Es wird jetzt die Eigenverantwortung nach dem Scheitern der Ehe betont. Es besteht auch für Ehegatten, die gemeinsame Kindern betreut haben oder noch betreuen, eine Pflicht zu arbeiten, wenn das Kind mindestens drei Jahre alt ist. Außerdem kann die Zahlung von Unterhalt zeitlich befristet werden, Beispiel: 3 Jahre ab Rechtskraft der Scheidung. Außerdem kann der Anspruch "abgeschmolzen" werden, Beispiel: Im ersten Jahr 300 EUR, im zweiten 200 EUR usw. Dagegen kann man sich nur verteidigen, wenn man (frau) ehebedingte Nachteile geltend machen kann.
 
  • #7
Hat sich nur der Ehegattenunterhalt geändert oder ist auch der Kindesunterhalt modernisiert? Ist der Kindesunterhalt immer noch schwarz/weiß oder entspricht er auch moderneren Formen wie nicht gleichförmigem und nicht statischem Wechselmodell?
 
  • #8
Beim Kindesunterhalt hat sich nur die Düsseldorfer Tabelle ab 01.01.2010 geändert mit deutlich höheren Bedarfsbeträgen für die Kinder.
Das Wechselmodell ist ein spezieller Fall, der unterhaltsrechtlich viele Probleme macht. Dazu gibt es nichts Neues, es muss immer auf den Einzelfall geschaut werden.
Meine Meinuung ist: Finger weg vom Wechselmodell, es ist oft nicht gut für die Kinder und eine Ausweichlösung für Eltern, die sich nicht einigen können, wo die Kinder nach der Trennung sein sollen.
 
  • #9
Meine kleine Tochter geht jetzt in den Kindergarten. Sind die Kosten dafür grundsätzlich von beiden Elternteilen zu tragen,? (habe gehört, dass diese bis zu einer bestimmten Höhe im Unterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle enthalten, so dass lediglich der darüber hinaus gehende Betrag gemeinsam zu tragen ist)? Erfolgt die Berechnung des Anteils nach dem Brutto- oder nach dem Nettoeinkommen?
 
  • #10
Wenn Ihre Tochter noch minderjährig ist, steht Ihnen als dem betreuenden Elternteil der Unterhalt zu. Unterhaltspflichtige haben oft ein Problem damit, ob das Geld auch dort ankommt, wo es hingehört, nämlich zur Deckung der Bedürfnisse des Kindes verwendet wird.
Hier hilft manchmal ein sog. Kinderkonto, auf dem der Unterhalt eingeht und von dem der Bedarf des Kindes finanziert wird. Das kann man dann jederzeit offenlegen und damit zeigen, wo das Geld geblieben ist.
 
  • #11
Der Vater meiner 12 jährige Tochter zahlt nicht den Unterhalt für sie. Jetzt überlege ich eine Abänderunsgsklage zu bemühen. Über einige Ecken habe ich gehört, dass es ihm jetzt finanziell schlechter geht.
Das ist aber halt nur ein Gerücht, aber welche Auswirkungen hätte dies auf meine Unterhaltsansprüche, sollte er wirklich weniger verdienen als vorher?
Lieben Dank.
 
  • #12
Der BGH hat seine Rechtsprechung dazu geändert und sagt jetzt, dass Kindergartengebühren Mehrbedarf des Kindes sind, also nicht in den Tabellenbeträgen enthalten.
Dieser Mehrbedarf ist - wenn beide Eltern Einkommen haben - im Verhältnis ihrer Einkommen zueinander zu decken. Dabei wird (immer beim Unterhalt) vom Netto ausgegangen.
 
  • #13
Unterhalt kann immer nur in der Höhe verlangt, in der der Unterhaltsverpflichtete leistungsfähig ist, also zahlen kann. Wenn er sein Einkommen nicht mutwillig verschlechtert hat, ist der Maßstab das aktuelle Einkommen.
Das Risiko, dass der Unterhalt weniger wird, wenn Sie eine Abänderung nach oben anstreben, besteht aber nur, wenn er dann auch eine Abänderung beantragt, nämlich nach unten.
 
  • #14
Ich bin Unterhaltspflichtig für 2 Kinder, Alter 12 und 2 Jahre alt.
Meine neue Lebensgefährtin und Mutter meiner zweijährigen Tochter und ich möchten Heiraten. Durch die Heirat ändert sich mein Nettoverdienst, der ja Berechnungsgrundlage für die Höhe der Unterhaltszahlungen. Frage nun muss ich jetzt mehr Unterhalt zahlen?
 
  • #15
Habe mich 2007 nach 2 Jahren Ehe von meiner Frau getrennt. Dieser „Ehe“ ist ein Kind entstanden, wofür ich auch Unterhalt zahle. Sie hat nun auch noch mit einem anderen Mann ein kurzes Intermezzo mit einem Kind gehabt und bekommt auch nun auch von diesem Unterhalt. Soviel zu Vorgeschichte. Meine Exfrau musste aber nun ALG2 beantragen und ich bekam Post von der Agentur, die meine finanzielle Lage überprüfen will.
Musste bis dato keinen Unterhalt für meine EX zahlen, aufgrund der Geburt des anderen Kindes, aber kann es passieren, dass ich jetzt ihr Leben mitfinanzieren muss?
(PS. Mit meinem Nachfolger war sie nie verheiratet).
 
  • #16
Die Vorteile der Steuerklasse drei kommen allen drei Kindern zugute - Kindesunterhalt ist immer nach der tatsächlichen Leistungsfähigkeit zu zahlen. Allerdings könnte Ihre neue Ehefrau auch unterhaltsberechtigt werden, wenn sie wegen Kinderbetreuung nicht oder nur teilweise arbeiten kann.Das wirkt sich aber rechnerisch auf den Kindesunterhalt nicht aus, weil die Kinder vorrangig sind; Ihre künftige Frau kann nur noch an dem beteiligt werden, was übrig ist.
Kompliziert, sorry! Hier würde ich mich lieber noch mal konkret anwaltlich beraten lassen an Ihrer Stelle!
 
  • #17
Ich habe mich vor zwei Jahren von meinem Ehemann nach 30 Jahren der Zweisamkeit getrennt. Bei uns war es gang und gebe, dass ich mich um die Erziehung der Kinder und den Haushalt kümmere, sprich ich war nicht berufstätig, also Hausfrau. Bisher hat er mir regelmäßig Unterhalt bezahlt, nun meinte er aber vor kurzem, dass er mir zum Glück nicht mein Leben lang meinen „Luxus“ bezahlen müsste (wir haben zur Zeit ein sehr angespanntes Verhältnis und streiten viel wegen Geld).Daraufhin habe ich ein wenig recherchiert und gelesen, dass es eine neue Klausel gibt. Kann er sich aus seinen Pflichten rauswinden?
W50
 
  • #18
Ich habe eine ziemlich allgemeine Frage, wer ist der eigentliche Gewinner dieser Reform.
Also Kinder werden bevorzugt vor dem ehemaligen Partner. Aber kommt im Endeffekt mehr für die Kinder raus?
 
  • #19
Ich unterstelle, dass sie von Ihrer Frau nicht nur getrennt, sondern auch geschieden sind.
Ihre Unterhaltspflicht kommt dennoch in Betracht, weil Ihrer Ex ein gemeinsames Kind betreut. Es kann sein, dass sie deswegen nicht oder nur teilzeit arbeiten kann. Das hängt davon ab, wie das Kind untergebracht ist (Kindergarten, Schule, Ganztagsbetreuung etc.). Die Tatsache, dass noch ein weiteres Kind da ist, muss dabei allerdings ausgeblendet werden. Es muss also gefragt werden, ob sie nur wegen Ihres gemeinsamen Kindes unterhaltsbedürftig ist.
Falls sich die Frage nicht ohnehin durch Offenlegung Ihres Einkommens erledigt,weil Sie nicht herangezogen werden können, sollten Sie sich anwaltlich beraten lassen.
 
  • #20
Hier verweise ich auf meine Antwort zur ersten Frage und ergänze:

Je länger eine Ehe gedauert hat und vor allem wenn sie dazu geführt, dass Sie sich durch eigene Erwerbstätigkeit nicht unterhalten können, bleibt er in der Verpflichtung. Das sieht in Ihrem Fall ganz so aus.
 
  • #21
Im Prinzip ja.
Trotzdem würde ich eher sagen: die - in der Regel - unterhaltsverplfichteten Männer sind die Gewinner, die Frauen sind die Verlierer.
Es wird viel Falsches über die Unterhaltsreform erzählt und oft trauen sich die Frauen gar nicht mehr, ihre Ansprüche, die sich trotzdem immer noch haben, zu verfolgen.

Umso wichtiger ist ein Chat wie dieser hier heute Abend!
 
  • #22
Liebe Leser, die Zeit ist nun um. Wir bedauern, dass wir wie immer nur einen Teil Ihrer Fragen berücksichtigen konnten. Ich hoffe, Sie fanden es dennoch genauso interessant wie wir. Wir bedanken uns bei Frau Susanne Pfuhlmann-Riggert für die spannende Diskussion. Und vor allem bedanken wir uns natürlich bei Ihnen allen. Schön, dass Sie dabei waren; schauen Sie auch beim nächsten Chat wieder vorbei! Schönen Abend!
 
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