• #1

Homosexualität als Tabuthema im Leistungssport Fußball?

Ich bin selbst schwul und finde auch, dass es den ein oder anderen sehr attraktiven Fußballspieler bei der deutschen Nationalmannschaft gibt. Seltsamerweise gibt es jedoch kaum bekennde homossexuelle Spieler. Warum eigentlich? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das an potentiellen Kandidaten mangeln würde. Vielmehr glaube ich, dass begabte Fußballer, die sich zur Ihrer Sexualität bekennen trozt Begabung nicht weiterkommen. Ich könnte mich auch noch viel besser mit der Mannschaft identifiziren (als ich es ohnehin schon tut als bekennender Podolski "Liebhaber" und Ballack Fan) wenn ich wüsste, sie haben ähnliche Probleme oder Sorgen wie ich. Müsste man hier nicht auch einmal Missionarsarbeit leisten?
 
G

Gast

  • #2
Vor ein oder zwei Wochen wurde im Radio einem Fußballtrainer genau diese Frage gestellt. Seine Antwort war, dass es aufgrund der Zuschauer unmöglich wäre - so traurig wie es ist. Schwarze Spieler bekommen niederschmetternde Zurufe von der Masse (weil sie das für "ach so witzig" halten) um die Gegenmannschaft zu demoralisieren.
Somit wären schwule Spieler diesen Zurufen und Anfeindungen ausgeliefert. Selbstverständlich gibt es schwule Fußballspieler, aber so lange die Gesellschaft weltweit so intollerant ist, leider ein no-go zum SCHUTZ! HEUTE noch werden in der Arbeit und in vielen sozialen Feldern homosexuelle (Frauen wie Männer) ausgegrenzt. So die Dummheit der Masse. Alfons Haider hat in diesem Jahr auch öffentlich gemacht, dass SEINE MUTTER nach seinem Outing in der Öffentlichkeit geschlagen wurde.
Ich selbst habe zwei sehr gute schwule Freunde, dadurch mehrere homosexuelle Bekanntschaften. Man glaube es kaum, dadurch habe ich sogar zwei langjährige Freundinnen "verloren" um die es mir nicht schade ist. Oft denke ich "what the hell".
Missionarsarbeit ist bei einem internationalen Sport aussichtslos lieber Darwin. In Afrika dürfen die Frauen nicht mal kurze Röcke tragen beim Zuschauen, also wehe dem Spieler der sich outet. Zu viele bösartige SAUDUMME Menschen gibt es. Leider. Es ist manchmal zum Verzweifeln.
w.29
 
  • #3
Ja, Homosexualität im Fussball ist Tabu, weil es immer mehr als genug Fans geben wird, die pöbeln würden. Fussball ist eben ein Sport, der gerade auch in unteren Niveauklassen eine sehr hohe Bedeutung hat und gerade jene Fans werden eben auch schnell übergriffig.

Zudem kommt hinzu, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, dass auch heterosexuelle Fussballer nicht so gerne zusammen mit Schwulen duschen und sich umziehen -- denn dabei kommt dann ja eine sexuelle Komponente hinein, die normalerweise eben gerade abwesend ist und Nacktheit entspannt sein lässt. Wenn diese naturgegebenen Neutralität nicht mehr vorhanden wäre, dann wären auch die sehr engen körperlichen Kontakte beim Umarmen, Jubeln, Trösten plötzlich alle vor einem ganz anderen Hintergrund. Dass das normale Fussballer doch deutlich abstoßen würde, kann ich mehr als nachvollziehen.

Vielleicht gibt es aber auch tatsächlich nur extrem wenige schwule Spieler, weil ebendiese schon in der Frühphase der sportlichen Entwicklung von der Homophobie abgeschreckt werden. Viele Schätzungen setzen einfach voraus, dass der Anteil unter Fussballern dem Anteil in der Gesamtbevölkerung entspricht -- das jedoch ist keineswegs sicher. Neben der vorgenannten abschreckenden Wirkung kann es auch sein, dass die doch sehr maskuline Sportart Fussball eben nicht gerade Schwule besonders anzieht, sondern deren Präferenzen eher auf andere, weniger harte, weniger dominante Sportarten fällt.
 
  • #4
In München fand vorletztes Jahr ein tolles Schwulen- und Lesbensportfest statt. Meine Chefin und ihre Freundin waren aktive Teilnehmer. Sie waren begeistert, denn es ging nicht nur um die Zelebration des Homosexuellen, sondern vor allem um sportliche Leistungen. OB Christian Ude eröffnete und besuchte zwischendurch noch einmal das Fest.
http://www.team-muenchen.de/850JahrFeier/sportfestflyer.pdf

Schade, dass die Fußballer noch nicht so weit sind. Die beiden Poster 1 und 2 haben vollkommen recht.
 
G

Gast

  • #5
Anlässlich des Depressions-bedingten Selbstmords von Robert Enke letztes Jahr gab's doch auch Diskussionen darüber, was über Fußballer bekannt sein "darf" und was nicht. Da wurden natürlich Depressionen genannt ("darf nicht"), ebenso auch Homosexualität ("darf natürlich auch nicht"). Die Begründung damals war schlüssig: Solange der Spieler in seinem "Heimatverein" ist, kann der Verein das vielleicht wissen, akzeptieren und damit umgehen, den Spieler auch ggf schützen, aber sobald es darum geht, dass ein Spieler bei einem anderen Verein spielen will, wird's extrem schwierig für ihn, weil sein Marktwert dadurch immens sinkt.

Ich glaube ja, dass Teamkollegen sehr wohl wissen, wenn jemand homosexuell ist. Die cleveren, weltoffenen, sozialen werden damit umgehen können und das erwachsen und vernünftig behandeln, die doofen werden ihrem Kollegen das Leben schwer machen. Das oben genannte Argument mit den Fans stimmt natürlich auch.