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  • #1

Ich habe Vorbehalte gegen ihren Job

Ich habe eine attraktive Frau kennengelernt, die als "Boulevardjournalistin" arbeitet, also bei einem Promi-Klatschmagazin. Ich kann dieser Branche gar nichts abgewinnen, für mich ist das auch kein Journalismus, sondern oberflächliches, voyeuristisches Ausschlachten der Privatangelegenheiten anderer. Die meisten "Promi-Journalisten", die man durch die Medien so kennt, wirken ja auch total zickig und affektiert. Sie ist zum Glück nicht so, zumindest habe ich bisher nicht den Eindruck.
Ich kann aber nicht nachvollziehen, wie jemand mit einem Journalismusstudium sein Geld damit verdienen kann, Artikel über die Figur von Britney Spears oder das Privatleben von Lothar Matthäus zu schreiben. Ich meine, der gesellschaftliche Nutzen davon ist doch gleich null!
Ich habe sie auch schon gefragt, ob sie nicht lieber für eine Tageszeitung oder einen Nachrichtensender arbeiten möchte, aber sie sagt, dass sie diese ganze Promi-und Glamourwelt schon immer interessiert hat und sie damit gutes Geld verdient.
Ich befürchte jedoch, dass diese ganze Branche doch eines Tages auf sie abfärbt, auch wenn man jetzt vielleicht noch nichts davon merkt.
 
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  • #2
Ja, und was willst Du tun? Sie dazu zwingen, was anderes zu machen? Ich fürchte, wenn Du mit ihrem Job nicht klarkommst, ist das einfach Dein Problem. Und was heißt hier gesellschaftlicher Nutzen gleich null? Anscheinend lesen massenhaft Leute den Klatsch, also werden sie sich wohl halbwegs unterhalten fühlen.
 
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  • #3
Du solltest Deine Partnerin in ihrer Karriere unterstützen anstatt sie zu untergraben.

Mit welcher Berechtigung meinst Du sie moralisieren zu dürfen ?

Sie ist sehr erfolgreich in einem kreativen, lebendigen Job, den nur wenigen überhaupt ansatzweise erreichen und Du möchtest, dass sie stattdessen Lokalberichte über den örtlichen Taubenzüchterverein schreibt.

Du hast Vorurteile dieser "Welt" gegenüber, die sich aus einem sehr rigiden, unreflektierten sozialen Kontext nähren. ("Es ist unanständig, wenn ..." / "Was sollen die Nachbarn sagen")

Du solltest stolz auf sie und ihre enormen Fähigkeiten sein. Ich glaube übrigens, dass die Promis sich oft über die Berichterstattung amüsieren bzw. sie für ihre Zwecke benutzen, das heisst, das Ganze nicht halb so ernst nehmen wie Du.

Und wenn sie Schlagersängerin wäre, würde sie alle Liebe der Welt verdienen.

Was machst Du eigentlich beruflich und hast Du je darüber nachgedacht, ob Du damit anderen - zum Beispiel Drittweltländern - mit Deinem Tun direkt und/ oder indirekt Schaden zufügst?

Selbst die höchsten aller Würdenträger dürfen kritisiert werden.

Aber wenn Du sie liebst, dann solltest Du für sie da sein, statt gegen sie zu gehen.

Ich muss ehrlich sagen, dass mich Deine Frage, die Du vermutlich hinter ihrem Rücken in einem bezeichnenden Forum zu fragen stellst, anwidert.
 
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  • #4
Was ist denn Dein Beruf?

Man kann von der Yellow Press halten was man will, aber in Deutschland ist ja noch relativ verhalten und dezent. Ein Job bei einer Tageszeitung ist z.B viel stressiger, als bei einem Wochenblatt.

Ich finde Dich ehrlich gesagt übermäßig kritisch. Meistens sind die Leute, die näher an den Promis dran sind wesentlich gelassener und unbeeindruckter von dieser ganzen Glitzerwelt, da sie auch hinter die Kulissen gucken können. Eine Freundin von mir ist schon seit Jahren Boulevardjournalistin und auf sie hat ganz sicher gar nichts abgefärbt.

Sei doch lieber froh, Deine Freundin hat einen Job der ihr gefällt und der außerdem noch gut bezahlt ist. Das heute wahrlich nicht jeder von sich behaupten. Und die Einladung zu der einen oder anderen Kino- oder Theaterpremiere ist echt ganz nett.

Kann es sein, dass Du Angst hast neben der Promi-Welt nicht bestehen zu können?
 
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  • #5
Das ganze ist wie vieles auf der Welt ein großer Zirkus und gleichzeitig ein Wirtschaftsfaktor der, wie bereits geschrieben, auf Gegenseitigkeit beruht. Ein Spiel könnte man auch sagen und eigentlich völlig unwichtig für den Lauf der Welt. Manche mögen es, manche nicht. Mich würde ihr Beruf nicht stören, auch wenn es wichtiges gibt. m42.
 
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  • #6
Als Journalistin kann sie froh sein, einen festen Job zu haben. Sie verkauft was andere haben wollen, das tun viele Menschen. Sie kann professionell Schreiben, daher identifiziert sie sich nicht mit jedem Satz. Schreiben für Geld ist viel rationaler als der Laie denkt. Ich halte deine Sorge für unbegründet.
 
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  • #7
Lieber FS,
Deine Bedenken kann ich ohne weiteres nachvollziehen. Obwohl ich keine Ahnung von Journalismus habe, kenne ich einige der von Deiner Freundin mitproduzierten Produkte und reagiere darauf ähnlich, wie Du.
Was Partnerschaften angeht, ist es für mich wichtig, dass der Partner, egal, was er tut, das mit Hingabe und Leidenschaft beginnt. Die Vorstellung, voller Inbrunst über Lothar Matthäus`Figur zu recherchieren und zu berichten, würde mich bei meinem befremden, es sei denn, er könnte mir diesen Reiz nachvollziehbar erklären.
 
  • #8
Der Job umfasst natürlich nicht nur die berufliche Tätigkeit, sondern auch Ansichten und Wertvorstellungen, Talente und Interesse und Lebensstil.

Wenn Boulevardjournalismus nun partout nicht Dein Fall ist, dann werdet Ihr beide nicht harmonieren. Schade, aber besser rechtzeitig in der frühen Kennenlernphase erkennen, als wertvolle Zeit zu verplempern.

Ihr beide passt einfach nicht zusammen und fertig. Deine Abneigung gegen Boulevardthemen ist extrem und sehr deutlich spürbar und das hat so einfach keinen Zweck.
 
  • #9
Ich habe mal eine lose Freundin gehabt, die in die Modebranche (Journalismus) abgedriftet ist. Sie wurde zunehmend skurriler und hat den Mist irgendwann selbst geglaubt. Es wurde mir unerträglich, das Gesülze von überteuren Schuhen, Handtaschen und Make-up anhören zu müssen. Wir haben uns schrittweise komplett entfernt. Und das war nur der lockere Freundeskreis!
 
  • #10
Anderes Beispiel: Eine Menge gut ausgebildeter Filmregisseure drehen unsägliche Seifenopern, um die Familie zu ernähren. Wie findest du es, wenn so eine Frau ihrem Mann sagt, das fände sie moralisch nicht so toll, er solle doch lieber sein Geld mit hochklassigen Spielfilmen verdienen? Blauäugig und naiv wahrscheinlich.

Die Jobs im seriösen, anspruchsvollen Journalismus sind hart umkämpft, ernähren in D zwei Hand voll Leute richtig und sonst sind sie überwiegend schlecht bezahlt. Außerdem sind sie ... langweilig. Die großen Zeiten, da Printmedien wirklich interessante, weltbewegende Dinge veröffentlicht haben, sind vorbei. Die Zeitungen veröffentlichen jede Menge PR-Texte im redaktionellen Teil, auch wenn öffentich kaum darüber geredet wird. So werden dramatische gesunkene Anzeigeneinnahmen ausgeglichen.

Deine Freundin hat sich für die Unterhaltungssparte im Printbereich entschieden. Die Profis im Boulevardjournalismus wissen, was sie tun und welches Produkt sie herstellen. Hast du denn das Gefühl, ihr Job färbt allzu sehr auf sie und ihr Wesen ab?

Klatsch über Prominente macht diese erst zu Prominenten. Boulevardmedien und Promis bedingen einander und helfen sich bei ihren Jobs.

Würdest du es ok. finden, wenn ein Partner am Arztberuf rumnörgelt? Weil so viele üpberflüssige Rezepte ausgeschrieben werden? - Teilweise sogar an Tablettensüchtige. Und Leute die krankfeiern wollen, bekommen ihre Krankschereibung... Eigentlich unmöglich oder?

Entspann dich. Ich gehe mal davon aus, daß die Frau ihren Beruf schon ein paar Jahre macht und nicht als Neuling fasziniert über jeden Blödsinn ist.
 
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  • #11
Im Gegensatz zu erstaunlich vielen anderen kann ich deine Bedenken gut verstehen.
Sehr schwer könnte ich mir vorstellen, einen Partner zu haben, der sich beruflich mit so einem Quark auseinandersetzt.
Du wirst deine Freundin nicht ändern können. Wenn ihr der Job gefällt - bitte sehr. Ich wollte ihn nicht machen, ich bin froh, einen Partner zu haben, der sich beruflich mit richtigen und wichtigen Sachen beschäftigt und nicht mit so einem Mist.
Take it or leave it. Du musst entscheiden, ob du mit so jemandem glücklich wirst. Ändern wirst du nichts.
 
  • #12
Sei froh, dass sie einen Job hat. Ist doch egal was für einen, ihr werdet doch noch andere Gesprächsthemen haben als Beruf.
 
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  • #13
Ich käme damit auch nicht klar. Notfalls würde ich mich trennen. Es sei denn, sie sie sehe diesen Beruf nur als Übergangsphase um zu einem "seriösen Blatt" zu wechseln. Diese Berufe nehme ich halt nicht ernst, genauso wie andere zum Beispiel von einem BWL Studium behaupten, man könne das nicht ernst nehmen.
 
  • #14
Es geht hier um die frühe Kennenlernphase, wenn ich die Frage richtig verstanden habe. Da ist es verständlich, dass man skeptisch reagiert bei Fokussierung auf ein dermaßen dämlichen Bereich des Journalismus.

Welcher Royal mit wem flirtet, welche Schauspielerin sich mit wem gestritten hat oder welcher Prominente pleite ist, ist für Menschen mit realem Lebensinhalt völlig belanglos. Wer auf solche Details steht, wäre mir schon sehr suspekt.
 
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