• #1

In Extremsituation schneller verliebt?

Der Bremer Literaturpreis ging an den Autor Wolf Haas für seinen Roman "Verteidigung der Missionarsstellung". Der Autor schreibt hier über seine Einstellung zu Frauen und den Moment, in dem er sich verliebt. So möchte er beispielsweise gar nicht den Namen der Damen wissen, weil das in seinen Augen dem Kennenlernen den geheimnisvollen Reiz nimmt.
Der Protagonist ist auf Reisen und verliebt sich komischerweise immer in Katastrohpensituationen: Genau dann, wenn eine Seuche wie Rinderwahnsinn oder Schweinepest ausbricht.

Glauben Sie, dass man sich in Extremsituationen schneller verliebt? Was könnten Gründe dafür sein?
 
  • #2
Gefahrensituation -> Adrenalin -> Aufregung und Spannung -> Menschen in der Nähe werden intensiver wahrgenommen und ihnen wird fälschlicher weise diese Spannung zugeschrieben.
 
  • #3
Wie @1 schon sagt Adrenalin. Das tödlichste für eine Beziehung sind Wellnesswochenenden, lieber gemeinsam Achterbahn fahren. w51
 
  • #4
Uralter Feldversuch:

Das Experiment der quietschenden Brücke

1974 veröffentlichten die amerikanischen Psychologen Donald Dutton und Art Aron in der Zeitschrift „Journal of Personality and Social Psychology“ ein Experiment, das sie auf zwei Fußgängerbrücken über dem Capilano Canyon in North Vancouver durchgeführt hatten. Dutton und Aron wollten herausfinden, ob die Attraktivität einer Frau höher eingeschätzt wird, wenn sie ihr in einem Furcht erregenden Moment begegnen. Eine der Brücken war eine wacklige, 1,50m schmale Hängebrücke etwa 70m über Felsbrocken, die im Sturm schwankte. Die andere Brücke war breiter, stabiler und in geringerer Höhe über dem Fluss. Die Forscher ließen Männer über eine der beiden Brücken gehen, in deren Mitte jeweils eine hübsche junge Frau stand, die Teil des Forscherteams war. Die Schönheit füllte mit den Männern einen Fragebogen aus und gab ihnen ihre persönliche Telefonnummer, falls sie noch Fragen hätten.

Spontane Anziehung durch physische Gefahr

Viele Männer, welche die lange, instabile Hängebrücke überquerten, fühlten sich von der Interviewerin so angezogen, dass sie mit der attraktiven Frau telefonischen Kontakt herstellten. Von den Männern, welche die solide Brücke überquerten, rief sie kaum jemand an. Die Anwesenheit anderer Menschen kann uns in bedrohlichen Lebenssituationen Halt geben und unsere Angst reduzieren. Wir finden diese Menschen dadurch attraktiver. Spontane Anziehung hängt offensichtlich mit der physischen Auswirkung von Gefahr zusammen. Das bedeutet, dass gefährliche Situationen die Adrenalinproduktion anregen.

Adrenalin macht liebevoller

Da Adrenalin eng mit den „Liebeshormonen“ Dopamin und Noradrenalin verwandt ist, versetzten uns bedrohliche Situationen in einen emotional empfänglicheren Zustand. Zudem ist Gefahr heutzutage eher ungewöhnlich und dieses exotische Gefühl ist aufregend und gibt uns einen „Kick“. Wir fühlen uns in solchen Momenten leichter zu jemandem hingezogen, mit dem wir die Gefahr teilen. Denn der spontane Erregungstransfer führte beim Brückenexperiment dazu, dass die Männer auf dem Weg waren, die Frau zu idealisieren und sich in sie zu verlieben. Es passiert immer wieder, dass das Unfallopfer sich Hals über Kopf in den Retter verliebt, der eigentlich gar nicht ihr Typ ist, wiederum andere lernen sich im Warterbereich der Intensivstation kennen, als sie um das Leben ihrer Lieben bangten. Gemeinsame schlimmer Erlebnisse können Fremde zusammenführen.


Aus dem Experiment von Dutton und Aron können wir lernen, dass berauschende gemeinsame Erfahrungen, die romantische Liebe anregen können. Verschiedenen Studien zufolge sind Paare, die gerne neue, spannende Erfahrungen sammeln, zufriedener mit sich selbst und mit ihrer Partnerschaft.
 
  • #5
Beim gegenseitigen Kennenlernen geht es darum, Attraktivität durch Gefühle zu erzeugen. Auch negative Gefühle wie Angst oder Wut erzeugen Energie, diese negativen Emotionen können sich dann in positive Gefühle umwandeln.

Das Stockholm-Syndrom ist ein weiteres Beispiel aus der Psychologie, bei dem sich z.B. ein Entführungsopfer oder Geisel in ihren Entführer verlieben kann.
 
G

Gast

Gast
  • #6
Nicht nur beim Verlieben, sondern auch, beim sich-gegenseitig-halten in der Beziehung. Ohne Spannung und Aktion ist jedes Verhältnis eines Tages tot oder wie bei Tante Emma unterm Küchentisch. Nicht das, was ein modernes junges geistig aktives Paar sich wünscht.

Auch in einer Partnerschaft gehört es dazu, mal etwas Spannendes zu machen. Und sei mal wieder gemeinsam tanzen zu gehen. Nur daheim vorm Fernseher sitzen, hat nichts mit Aufregung zu tun.
Das machen senil denkende Menschen für mich. Und eines Tages geht die Beziehung traurigerweise kaputt.
 
  • #7
Je extremer, und je schwieriger die Liebe, desto inniger kommt man zusammen ?

Wieviel Paare fanden während eines Krieges zueinander ?

50er Jahre: Zwei junge Leute fanden sich als Nachbarn, und dann als Liebespaar.
Aber ihre Eltern waren dagegen, bei Denen sie wohnten.
Also flüchteten sie gemeinsam nach Schottland, und heirateten dort. Denn sie waren in Dtl. zu jung zum heiraten, ohne Einwilligung der Eltern der Braut. (Quelle: Von ihnen im TV - 50 J. später)
Die Spannung, die Aufregung, der Kampf gegen ihre Eltern, die Flucht etc. = die Würze in ihrer
Beziehung ?
 
G

Gast

Gast
  • #8
Weil man in solchen Situationen an den Tod denkt und Verlieben ein Reflex ist, sich an das Leben zu klammern. Eine Methode des Unterbewusstseins, dem Tod zu trotzen.
 
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