• #31
Aussagen wie "Du bist dick", "deine Kochkünste haben mich dick gemacht", "du stinkst",...es wäre ein "scheiß Tag" gewesen.
Ich denke auch, dass solche Bemerkungen auch im Spaß ein Zeichen von verloren gegangenem Respekt sind, den man nur schwer zurückerlangt.

Denn, wenn man sich beleidigt zeigt, es ignoriert oder auch sachlich anspricht, gewinnt man idR keine Augenhöhe, sondern man zeigt sich eher schwach und verletzt bzw. man betrachtet sich in einer Opferposition, womit man dem Gegenüber auf unterbewusster Ebene kommuniziert, dass dieser Macht über einen hat und man nur auf seine Einsicht aus Mitleid hofft.

So funktioniert Augenhöhe aber nicht. Egal wie sehr der Gegenüber einen mag, er wird idR auf unterbewusster Ebene schleichend den Respekt/Augenhöhe verlieren, wenn man die Augenhöhe nicht selber bewahrt. Als Spaß getarnte Abwertungen sind oft nur die Folge davon. Wer zB häufig selbstoffenbarrend unsichere Selbstbestätigungsabfragen stellt ("Wie fandest Du meinen Geburtstag?","Findest Du mich zu dick?"..), zeigt sich schwach/unsicher und gibt dem Gegenüber die Macht, einem auch spaßig weh tun zu können, wenn er nicht die erwünschte Antwort gibt.

Augenhöhe gewinnt man idR nicht durch Ansprechen/Herbeireden und erst recht nicht durch Drama zurück, womit man seine schwache verletzliche Position erst recht weiter zementiert. Respekt kommt nicht quasi aus dem Nix heraus zurück, sondern man muss sich die Augenhöhe auf unterbewussten Ebenen erarbeiten, indem man sich selber NICHT in die Opferposition begibt bzw. man selber auf robuste Art Grenzen vermittelt.

Wenn er also zB mitteilt, dass er den Geburtstag scheiße fand, dann lacht man freundlich, umarmt ihn und sagt lachend spaßig neckend "Also ich fand es schön! Und meinen kleinen Miesepeter habe ich irgendwie trotzdem lieb!".

Superwichtig beim Necken ist, dass der Gegenüber trotz des im Spaß getarnten Vorwurfs spürt, dass man ihm trotzdem weiter wohlgesonnen ist und der Vorwurf daher kein Drama darstellt. Und so hat man dann alleine durch Sprache und wohlgesonnene Art und Weise seine Grenzen gesetzt, ohne sich dabei in eine schwache Opferposition zu begeben. Man hat vielmehr die entspannte robuste Position übernommen und plötzlich erscheint der Gegenüber in einer weinerlich schwachen und unterlegenden Opferposition. Und dann wechselt man einfach wie selbstverständlich das Thema ("Wollen wir zusammen joggen gehen?") und entlässt den Gegenüber auch schnell wieder aus seiner unterlegenden Buhmannposition bzw. seiner Sackgasse.

Und da ein Gegenüber idR nur ungerne unterlegen sein möchte, lernt er so auf eine noch relativ wohlgesonnene Art die Grenze bzw. dass er seine (spaßigen) Respektlosigkeiten vielleicht besser unterlassen sollte, wenn er nicht als kleiner weinerlicher Miesepeter ähnlich spaßig respektlos veralbert werden und seine Augenhöhe selber verlieren möchte.
 
  • #33
Egal wie sehr der Gegenüber einen mag, er wird idR auf unterbewusster Ebene schleichend den Respekt/Augenhöhe verlieren, wenn man die Augenhöhe nicht selber bewahrt
Dem möchte ich energisch widersprechen.
Es gibt genug Menschen, die anderen aus sich selbst heraus respektvoll begegnen, die ihr Verhalten und ihre Gefühlslage reflektieren. Einfach weil sie bewusst eine Idealvorstellung von Beziehung und Kommunikation kultivieren.

Da bekommen diese unterbewussten Prozesse keine Macht bzw. erkenne ich, wenn ich entsprechende Gefühle entwickle und steuere gegen (wenn ich sage „du stinkst“ ist das im Übrigen sehr bewusst und gezielt).
 
  • #34
Danke @xyz74, finde deinen ganzen Beitrag super und habe es auch mehrfach gelesen.

Es gibt genug Menschen, die anderen aus sich selbst heraus respektvoll begegnen, die ihr Verhalten und ihre Gefühlslage reflektieren.
Sehr richtig! Manchmal gewinne ich den Eindruck dass die Schuld für die Respektlosigkeit demjenigen gegeben wird, der sie erfährt. Im Grunde ist es aber der Angreifer, der ein Charakterdefizit hat. Viele Menschen hätten täglich die Gelegenheit andere respektlos zu behandeln oder könnten ihre Überlegenheit ausnutzen, tun es aber nicht. Reine Charaktersache. Es gibt ein paar gute Mittel wie man dagegen ankommen kann. Das macht aber für mich nur in Situationen Sinn, in denen ich so schnell nicht weg kann oder die zufällig passieren (auf der Arbeit, beim Einkaufen etc). Da macht es Sinn dem anderen zu signalisieren "nicht mit mir", allerdings würde ich mir den Kampf in einer Partnerschaft nicht antun sondern lieber jemanden suchen, der es nicht nötig hat andere klein zu machen.
 
  • #35
Ob er ein Narzisst ist oder ein Hitzkopf, völlig egal! Die Beziehung hört sich schrecklich an. Die Verliebtheitsphase bekommst du nicht zurück, es wird also nicht wieder wie früher.
Ich hoffe, Du hast die Kraft dich zu trennen !
 
  • #36
Es gibt genug Menschen, die anderen aus sich selbst heraus respektvoll begegnen...
Da bekommen diese unterbewussten Prozesse keine Macht bzw. erkenne ich, wenn ich entsprechende Gefühle entwickle und steuere gegen (wenn ich sage „du stinkst“ ist das im Übrigen sehr bewusst und gezielt).
Uns fehlt da nur leider ziemlich der Gesamtzusammenhang, in der solche Äußerung gefallen ist. Wenn jemand z.B. selber die ganze Zeit sich unsicher zeigt und es selber ständig selber zum Thema macht, ob man vielleicht stinken würde, ständig den Gegenüber danach unsicher fragt, weil er von ihm die Bestätigung für ein Nichtstinken benötigt, dann fordert man es quasi selber heraus, dass man in diesem Bereich mit dem Thema aufgezogen und geneckt wird. Vielleicht auch, weil der Gegenüber einem mit dem Necken auch klarzumachen versucht, dass die Nachfragen nerven und solche Nachfragen auch überhaupt nichts bringen, wenn man ohnehin nur blumige Einhorn-Antworten geben darf.

Egal, wie sehr man dann auch aus sich heraus Menschen mit Respekt begegnet, wenn ein Gegenüber ständig unsicher schwach Selbstbestätigungsabfragen stellt und es ständig selber zum Thema macht, dann wird irgendwann nahezu jeder die natürliche Achtung und Hemmschwelle verlieren bzw. dann auch Dinge sagen, die man ansonsten nicht sagen würde, wenn man noch Respekt vor dem Gegenüber hättte. Der Grundrespekt, sich zurückzuhalten, weil es im Normal für einen auch unwichtig ist, ist dann jedoch verloren gegangen, weil der Gegenüber sich nicht so verhält, als dass man ihn noch auf Augenhöhe betrachten könnte.

Wir wissen ja nicht, ob der Respektverlust (spaßiges Abwertungen) bei der FS aus heiterem Himmel kam. In den meisten Fällen kommt das aber nicht aus heiterem Himmel, sondern es hat sich dahin entwickelt. Und wie bei allen Beziehungsentwicklungen kann man eine Menge dazu beitragen, wohin sich anfängliche Liebe/Respekt/Augenhöhe hin entwickelt. Und wenn wie bei einer Liebesbeziehung Respekt anfänglich ja vorhanden war, weil man sich idR ja ansonsten gar nicht aufeinander einlassen würde und der Respekt erst nachträglich verloren geht, dann passiert das idR, weil man selber die Augenhöhe nicht bewahrt und sich unterworfen hat, so dass der Gegenüber dann auch irgendwie keine Notwendigkeit von Augenhöhe mehr erkennen kann.

Natürlich kann man es sich auch einfach machen und sich das so erklären, dass der Gegenüber eigentlich schon immer ein Arsch war und nun plötzlich nach langem Kennenlernen sein wahres Ich zum Vorschein kam. Aber wie die Anfangszeit zeigte, können sich offenbar auch Arschlöcher respektvoll verhalten, solange sie das für erforderlich hielten. Die Frage ist dann, warum sie den Respekt verloren haben, weil das wie gesagt selten aus heiterem Himmel heraus passiert.
 
  • #37
Egal, wie sehr man dann auch aus sich heraus Menschen mit Respekt begegnet, wenn ein Gegenüber ständig unsicher schwach Selbstbestätigungsabfragen stellt und es ständig selber zum Thema macht, dann wird irgendwann nahezu jeder die natürliche Achtung und Hemmschwelle verlieren bzw. dann auch Dinge sagen, die man ansonsten nicht sagen würde, wenn man noch Respekt vor dem Gegenüber hättte. Der Grundrespekt, sich zurückzuhalten, weil es im Normal für einen auch unwichtig ist, ist dann jedoch verloren gegangen, weil der Gegenüber sich nicht so verhält, als dass man ihn noch auf Augenhöhe betrachten könnte.

Wir wissen ja nicht, ob der Respektverlust (spaßiges Abwertungen) bei der FS aus heiterem Himmel kam. In den meisten Fällen kommt das aber nicht aus heiterem Himmel, sondern es hat sich dahin entwickelt. Und wie bei allen Beziehungsentwicklungen kann man eine Menge dazu beitragen, wohin sich anfängliche Liebe/Respekt/Augenhöhe hin entwickelt. Und wenn wie bei einer Liebesbeziehung Respekt anfänglich ja vorhanden war, weil man sich idR ja ansonsten gar nicht aufeinander einlassen würde und der Respekt erst nachträglich verloren geht, dann passiert das idR, weil man selber die Augenhöhe nicht bewahrt und sich unterworfen hat, so dass der Gegenüber dann auch irgendwie keine Notwendigkeit von Augenhöhe mehr erkennen kann.

Natürlich kann man es sich auch einfach machen und sich das so erklären, dass der Gegenüber eigentlich schon immer ein Arsch war und nun plötzlich nach langem Kennenlernen sein wahres Ich zum Vorschein kam. Aber wie die Anfangszeit zeigte, können sich offenbar auch Arschlöcher respektvoll verhalten, solange sie das für erforderlich hielten. Die Frage ist dann, warum sie den Respekt verloren haben, weil das wie gesagt selten aus heiterem Himmel heraus passiert
Niemand "verliert" seinen Respekt, so wie man seine glatte Haut verliert oder einen Gegenstand.
Der Freund der ist andern Menschen gegenüber sicherlich immernoch respektvoll.
Ich finde, Respekt sollte IMMER gezeigt werden. Und wenn ich mit jemandem zusammenlebe ERST RECHT.
An anderer Stelle hier im Forum schrieb mal jemand euphemistisch sinngemäß von kleinen Respektlosigkeiten im Beziehungsalltag (genaue Formulierung weiß ich leider nicht mehr). Ich glaube, tatsächlich wird sowas mehrheitlich als "normal" angesehen. Als "so ist Beziehung eben".
Auch wenn das für einige wieder übertrieben hart klingen mag: Nein, es ist eine Form von Gewalt. Und gehört geachtet. Von Anfang an und auch im Kleinen.
Wenn es Ausmaße wie bei der FS angenommen hat, dann müsste entweder sofort grundlegend was geändert werden oder die Beziehung muss beendet werden.
 
  • #38
Niemand "verliert" seinen Respekt, so wie man seine glatte Haut verliert oder einen Gegenstand.
Der Freund der ist andern Menschen gegenüber sicherlich immernoch respektvoll.
Ich finde, Respekt sollte IMMER gezeigt werden. Und wenn ich mit jemandem zusammenlebe ERST RECHT.
An anderer Stelle hier im Forum schrieb mal jemand euphemistisch sinngemäß von kleinen Respektlosigkeiten im Beziehungsalltag (genaue Formulierung weiß ich leider nicht mehr). Ich glaube, tatsächlich wird sowas mehrheitlich als "normal" angesehen. Als "so ist Beziehung eben".
Echt? Kann ich mir gar nicht so recht vorstellen.. aber ich kann mich momentan auch nicht daran erinnern, wer dazu was geschrieben hat.
Auch wenn das für einige wieder übertrieben hart klingen mag: Nein, es ist eine Form von Gewalt. Und gehört geachtet. Von Anfang an und auch im Kleinen.
Ich würde es zwar nicht Gewalt nennen, aber unterm Strich ist es egal, wie man es nennt, ich finde sowas auch total daneben.
Wenn es Ausmaße wie bei der FS angenommen hat, dann müsste entweder sofort grundlegend was geändert werden oder die Beziehung muss beendet werden.
 
  • #39
Echt? Kann ich mir gar nicht so recht vorstellen.. aber ich kann mich momentan auch nicht daran erinnern, wer dazu was geschrieben hat.

Ich würde es zwar nicht Gewalt nennen, aber unterm Strich ist es egal, wie man es nennt, ich finde sowas auch total daneben.

Es gibt auch emotionale Gewalt. Für mich ist es emotionale Gewalt, wenn persönliche Grenzen nicht geachtet werden.

Dazu gehört aber auch, dass diese Grenzen überhaupt gesetzt werden. Dann ist auch Respekt und im besten Fall Augenhöhe möglich.

Liebe FS pass gut auf Dich auf und achte auf deine Grenzen. Es sollte Dich niemand schlecht behandeln. Schon gar nicht, der eigene Partner. Das ist wirklich total daneben.
 
  • #40
Es gibt auch emotionale Gewalt. Für mich ist es emotionale Gewalt, wenn persönliche Grenzen nicht geachtet werden.
Ja, natürlich und es kommt auf die "Qualität" der "kleinen" Respektlosigkeiten an, ob ich die emotionale Gewalt nennen würde. Unterm Strich für mich in einer Beziehung aber ein "NoGo", egal, wie man es nennt.
Dazu gehört aber auch, dass diese Grenzen überhaupt gesetzt werden. Dann ist auch Respekt und im besten Fall Augenhöhe möglich.
Stimmt auch, im Normalfall (wie auch immer man den definiert) sind Menschen aber so rücksichtsvoll, nicht absichtlich Grenzen auszutesten, da muss ich nicht ständig welche setzen oder erklären. Anders, wenn es unsichtbare Grenzen aus Verletzungen oder schlechten Erfahrungen sind, die nicht jeder kennt, die können schon mal unabsichtlich übertreten werden, im besten Fall redet man dann aber darüber (wenn sich der andere dessen bewusst ist, woher seine Grenze, etwas außerhalb der Norm, überhaupt kommt).
Liebe FS pass gut auf Dich auf und achte auf deine Grenzen. Es sollte Dich niemand schlecht behandeln. Schon gar nicht, der eigene Partner. Das ist wirklich total daneben.
Dem schließe ich mich uneingeschränkt an!
 
  • #42
Liebe FS,

ich war in der Vergangenheit auch sehr leidensfähig, aus meinen schmerzlichen Erfahrungen kann ich dir nur ans Herz legen dich zu distanzieren von ihm, das wird nicht besser wenn er erst den Respekt verloren hat, das kann nicht rückgängig gemacht werden, verabschiede dich von dem Wunsch dass ER sich wieder so verhält wie am Anfang, das wird nicht passieren auch wenn er sich bemühen würde. Aber Liebe bedeutet auch zu verzeihen und das hat er nicht, stattdessen triezt er dich und verletzt dich mit Absicht, er ist kein erwachsener Mann, sein inneres Kind geht mit ihm durch. Weißt du woher er diese Frau kennt bei der er übernachtet? Ich denke er ist auch zu mehr fähig um dich zu verletzen.

Ich kann auch nur raten zu gehen und zwar so früh wie möglich, spätestens wenn er zu der Frau fährt kannst du ihm die Sachen vor die Tür stellen. In der Zwischenzeit versuche dich abzugrenzen, mach dein Ding aber nicht mehr seines mit (Wäsche, Kochen, putzen, Freunde treffen).

Oder du erziehst ihn so wie es für dich passt, dazu gehört als erstes dass er dir verzeiht und sich entsprechend für sein absichtlich verletzendes Verhalten entschuldigt. Sei dir mehr wert als Frau! Ja, du hast einen Fehler gemacht aber du hast dich doch sicher entschuldigt oder? Eine Beziehung hält so was aus, aber sein Verhalten ist nicht zu dulden. Entweder hört es auf weil er geht oder es ändert weil du es nicht mehr aushältst. Sag ihm das klar.

Viel Kraft!
 
  • #43
Ich finde, Respekt sollte IMMER gezeigt werden. ...ist eine Form von Gewalt. Und gehört geachtet.
Wie gesagt, man kann es sich einfach machen und seine Grenzen setzen, indem man die Ursachen alleine nur beim Gegenüber sucht und dessen Verhalten als Gewalt zu ächten versucht. Anziehung/Respekt erarbeitet man sich so aber kaum, da der Gegenüber weinerliches Grenzensetzen und seine Ächtung auch nicht als respektvoll ihm gegenüber empfinden wird und daher vermutlich mehr dazu motiviert wird, einen dann auch zu ächten (> gegenseitige Negativspirale).

Respektloses Verhalten entwickelt sich oft gegenseitig, auch wenn man aufgrund unterschiedlicher subjektiver Bewertungen sein eigenes Verhalten selber gar nicht als respektlos bewertet.

Meine Freundin bewertet es zB als respektlos ihr gegenüber, wenn ich am WE mit Jogginghose herumlaufe. Jemand, dem Kleidung wichtig ist, empfindet das Nichteinhalten des aus seiner Sicht Selbstverständlichen als respektloses Verhalten. Kleidung anderer zu kritisieren, Erwartungshaltungen in Bezug auf dessen Kleidung zu haben und unbequemere Kleidung vorschreiben zu wollen, wirkt aber auch respektlos.

Respekt ist eben keine eindimensionale Einbahnstraße, sondern entwickelt sich gegenseitig. Und da jeder andere Sichtweisen hat, kann man die Sichtweise des Gegenübers vielleicht nur schwer nachvollziehen bzw. sieht man sieht die eigene Respektlosigkeit nicht. So empfindet der Kritiker der Jogginghose seine Kritik nicht als respektlos, sondern als angemessene Reaktion auf die Jogginghose. Genauso wie der Jogginghosenträger die Jogginghose nicht als respektlos empfindet, aber die Kritik daran.

Verhalten entwickelt sich selten aus heiterem Himmel, sondern weil man auf Verhalten anderer reagiert, auch wenn diese es subjektiv anders bewerten.

Wenn meine Freundin nun anfangen würde, meine Jogginghose vorwurfsvoll als respektlose Form von "Gewalt" ihr gegenüber "ächten" zu wollen, dann würde sie mit ihrer Negativreaktion kaum eine Positivreaktion bei mir bewirken können. Im Gegenteil, da ich ja nicht die Jogginghose, sondern ihre Reaktion als respektlos empfinden würde, würde mich das eher dazu motivieren, analog zu ihrer Bewertung ihre respektlosen Vorhaltungen dann genauso als "Gewalt" mir gegenüber zu "ächten" (>Negativspirale).

Würde sie hingegen einfach sympathisch entspannt lachend erklären, dass sie sich nie hätte vorstellen können, mal einen Typen in Jogginghose lieb haben zu können, da sie das eigentlich abturnend findet und würde sie mir stattdessen positives Feedback geben, wenn ich an anderen Tagen mal Kleidung trage, die ihr gut an mir gefallen, dann vermittelt sie mir auf wertschätzende Art und ohne Erwartungshaltungen ihre Ansichten, was mich viel eher dazu motivieren würde, mich sehr gerne auch ihr gegenüber wertschätzend verhalten zu wollen bzw. ihr gerne auch gefallen zu wollen und nicht mittels Jogginghose abzuturnen.
 
  • #44
Wenn meine Freundin nun anfangen würde, meine Jogginghose vorwurfsvoll als respektlose Form von "Gewalt" ihr gegenüber "ächten" zu wollen, dann würde sie mit ihrer Negativreaktion kaum eine Positivreaktion bei mir bewirken können
Das will ich doch hoffen.
Im Gegenteil, da ich ja nicht die Jogginghose, sondern ihre Reaktion als respektlos empfinden würde, würde mich das eher dazu motivieren, analog zu ihrer Bewertung ihre respektlosen Vorhaltungen dann genauso als "Gewalt" mir gegenüber zu "ächten" (>Negativspirale).
Da geht aber doch einiges durcheinander: eine Grenze zu setzen ist nicht dasselbe wie sich respektlos verhalten man kann eben respektvoll eine Grenze setzen oder nicht respektvoll.
Respekt ist eben keine eindimensionale Einbahnstraße, sondern entwickelt sich gegenseitig
Nein. Es ist doch total einfach vorstellbar, dass einer den anderen höchst beschimpft und der andere immer respektvoll bleibt. Übersteigt das deine Vorstellungskraft?
Ich kenne nie auf die Idee zu denken, jemand müsste sich Respekt erarbeiten. Respekt geht für mich mehr in Richtung von Würde. Die hat auch jeder und jeder in gleichem Maß, heutzutage ist eben keine mehr würdiger als der andere. Deswegen muss auch keiner mit mir Respekt behandelt werden.

Verliert nach deiner Meinung derjenige, der Fehlverhalten an den Tag legt, damit das Recht, respektvoll behandelt zu werden? Verstehe ich das richtig?
 
  • #45
Verliert...derjenige, der...damit das Recht, respektvoll behandelt zu werden? Verstehe ich das richtig?

Nein, es geht nicht darum, ein angebliches Recht zu verlieren. Es geht darum, dass man an der Entwicklung mit beteiligt ist.

So merkwürdig es klingen mag, aber Respektlosigkeiten gehören sogar zum Kennenlernen dazu, damit Vertrauen/Respekt wachsen kann. So kenne ich das jedenfalls insb. bei guten Männerfreundschaften, dass man sich quasi ständig in "Spaßgefechten" auch die derbsten Dinge an den Kopf knallt und den Gegenüber an seinen Schwächen aufzieht, ohne dass man sich das irgendwie übel nimmt. Es wird damit quasi die Robustigkeit der Freundschaft trainiert und es wächst Achtung und Vertrauen, wenn der Gegenüber damit entspannt zurechtkommt und sich auf Augenhöhe verhalten kann.

Besteht hingegen die Gefahr, dass der Gegenüber die Spaßangriffe einem Übel nimmt, weil er einem letztlich nicht vertraut und böse Hintergedanken für möglich hält, dann erweist sich die Freundschaft als weniger robust und es wächst kein Respekt/Vertrauen.

Das erfolgt aber idR nicht bewusst. Es plant idR keiner bewusst, die Freundschaft mittels Spaßangriffen/Necken testen zu wollen oder den Gegenüber unterwerfen zu wollen. Auch entscheidet man idR nicht bewusst, ob sein Respekt/Achtung/Vertauen wächst oder verloren geht oder welchen Konsequenzen daraus entstehen. Es entwickelt sich einfach.

..dass einer den anderen höchst beschimpft und der andere immer respektvoll bleibt. Übersteigt das deine Vorstellungskraft?

Genau das findet sogar oft statt und trotzdem lenkt man auch da das Verhalten des Gegenübers mit. Das habe ich früher auch lange nicht nachvollziehen können, warum insbesondere gegenüber den besonders Netten die Menschen so wenig Respekt/Achtung entwickeln bzw. wieder verlieren. Aber, man entwickelt halt idR wenig Achtung gegenüber Menschen, die alles mit sich machen lassen und die selbst dann noch nett bedürftig und unterwürfig um Zuneigung betteln, wenn sie umgekehrt (und sei es in Spaßangriffen) getreten werden. Solche Menschen verhalten sich nicht auf Augenhöhe, so dass der Gegenüber keine Notwendigkeit entwickelt, sich auch um ihn bemühen zu müssen.

Es entsteht hier ein Augenhöhen-Ungleichgewicht und es wächst wenig Achtung. Daraus entstehen dann oft die bloßen Friedzones, wo man den Netten durchaus mag, ihn aber letztlich nicht auf Augenhöhe respektiert und auch wieder aussortiert, wenn er sich mal nicht mehr nützlich unterwerfen sollte.

Gerade das ist der schmale Grat, dass man sich einerseits Respekt nicht durch unterwürfige Freundlichkeit erbetteln kann und der Gegenüber dann sogar Achtung verlieren wird, wenn man sich nicht Augenhöhe verhält, aber andererseits auch dann kein freundschaftlicher Respekt wächst, wenn man seine Grenzen bzw. Eigeninteressen nicht auf sympathische Art auf Augenhöhe vermittelt bekommt.
 
  • #46
Es wird damit quasi die Robustigkeit der Freundschaft trainiert und es wächst Achtung und Vertrauen, wenn der Gegenüber damit entspannt zurechtkommt und sich auf Augenhöhe verhalten kann.
Ich bin zwar kein Mann, aber ich kenne sowas auch, das habe ich aber nur mit meiner besten Freundin machen können oder wollen, wir hatten da eine Wellenlänge. Das geht aber nicht mit allen und das muss es auch nicht. Meine anderen langjährigen Freundinnen wären deshalb weder eingeschnappt noch sonstwas, es gäbe mit ihnen nur nicht diesen Schlagabtausch, der das Ganze ja erst witzig gemacht - aber eben speziell für uns beide, weil man da ein eingespieltes Team war.

Man kann und muss nicht mit jedem rumfrotzeln, das geht nur bei einer bestimmten gemeinsamen Basis, die 100% klarstellt, dass davon nichts ernstgemeint ist, auch nicht ein kleiner Kern. Das lässt sich mit begrenzten Zeichen etwas schlecht darstellen. Vielleicht am Beispiel "Ossi/Wessi" - gegenseitiges Aufziehen mit Vorurteilen ist nur dann nicht respektlos, wenn beide Parteien wissen, dass auf beiden Seiten alles vertreten ist von Idiot bis absolutem Sympathieträger, dann bleibt ein Witz ein Witz und niemand fühlt sich gekränkt oder beleidigt, das kann man auch auf alle anderen Konstellationen "Mann/Frau", "Inländer/Ausländer" und eben auch persönliche Dinge ausweiten.
Besteht hingegen die Gefahr, dass der Gegenüber die Spaßangriffe einem Übel nimmt, weil er einem letztlich nicht vertraut und böse Hintergedanken für möglich hält, dann erweist sich die Freundschaft als weniger robust und es wächst kein Respekt/Vertrauen.
Siehe oben, ich würde solche "Spaßangriffe" nicht mit jedem machen, nicht alle haben dieselbe Art von Humor, das muss nicht zwingend an mangelndem Vertrauen liegen, kann aber oder daran, dass es auch Leute gibt, die sich permanent angegriffen fühlen, die würde ich aber auch meiden, da ständig das Gefühl von Glatteis mitschwingt.
Das erfolgt aber idR nicht bewusst. Es plant idR keiner bewusst, die Freundschaft mittels Spaßangriffen/Necken testen zu wollen ode...
Da ist schon was dran, aber wie gesagt, man sollte auch soviel Feingefühl besitzen, um zu merken, wer kann damit und wer nicht.

Aber solche Dinge, wie die TE berichtet, gehen gar nicht, egal wie sich der andere verhalten hat. Verliere ich vor einem Partner den Respekt, gehe ich. Ich hab das zu oft zu Hause erlebt, wie widerlich sowas ist und das möchte ich niemals in einer Partnerschaft haben. Da ist nämlich keine gemeinsame Basis, da ist nur Boshaftigkeit.
 
  • #47
@xyz74: klar, das alles, was du unter #45 schreibst, gibt es, aber es hat nach meinem Verständnis absolut gar nichts mit Respekt zu tun. Bestimmte Männerfreundschaften, in denen beide super gut miteinander frotzeln können, sind ja nicht deswegen so gut, weil beide respektvoller oder gerade weniger respektvoll mit einander umgehen als andere Freunde.
Vor meinem besten männlichen Freund habe ich nicht mehr Respekt als vor meiner mir fast unbekannten Nachbarin.
Es geht darum, dass man an der Entwicklung mit beteiligt ist.
Man ist an der Entwicklung eines (freundschaftlichen) Verhältnisses beteiligt, natürlich. Man gestaltet jedes Verhältnis, jede Beziehung mit einem anderen Menschen mit. Und irgendwie hängt sowieso alles mit allem zusammen.
Auch entscheidet man idR nicht bewusst, ob sein Respekt/Achtung/Vertauen wächst oder verloren geht oder welchen Konsequenzen daraus entstehen
Respekt, Achtung und Vertrauen sind völlig unterschiedliche Dinge für mich; für dich scheinen sie irgendwie eng zusammen zu gehören.
Ich kann z.B. jemandem aufgrund meiner Erfahrung mit ihm nicht (mehr) vertrauen, ihm aber sehr respektvoll begegnen. Ich kann auch vor jemandem jede Achtung verloren haben aber ihm trotzdem vertrauen (in dem Sinne, dass ich überzeugt bin, er tut was er sagt).
Anscheinend sind dein und mein Konzept von Respekt grundverschieden.
 
  • #48
Vor meinem besten männlichen Freund habe ich nicht mehr Respekt als vor meiner mir fast unbekannten Nachbarin.

Ich würde Respekt jetzt mal als eine Form von Wertschätzung und Achtung definieren, also der eigenen Bereitschaft, bei seinen eigenen Handlungen auch auf den anderen zu "achten" und eben im Rahmen der Verfolgung seiner Eigeninteressen auch "wertschätzend" zu berücksichtigen.

Und da habe ich sicher (und ziemlich sicher Du auch nicht) nicht gegenüber jedem Menschen den gleichen Grad von Respekt.

Wenn ich z.B. eine Frau date, dann achte ich vielleicht dabei auf ihre Gefühle und Interessen, aber kaum bzw. erheblich weniger bis gar nicht auf die Gefühle und Interessen ihres Expartners, der vielleicht immer noch in sie verliebt ist und ihn total schmerzt, dass ich mich jetzt mir ihr treffe.

Und auch bei meinem Nachbar, von dem ich vielleicht das Gefühl habe, dass er ebenfalls auf diese Frau ein Auge geworfen hat und möglicherweise es auch ätzend findet, wenn nicht er, sondern ich diese Frau date, werde ich bei meinen Handlungen vielleicht schon etwas mehr berücksichtigen, aber gleichwohl werden meine Eigeninteressen idR den Vorrang bekommen und ich werde kaum aufgrund der möglichen Gefühle meines Nachbarn auf das Date verzichten und es in Kauf nehmen, dass das meinen Nachbarn schmerzen könnte. Wenn ich aber wüsste, dass mein bester Kumpel sich in diese Frau verliebt hat und vielleicht auch schon am daten mit ihr ist, dann würde ich die Gefühle meines besten Kumpels erheblich stärker respektieren und bei der Verfolgung meiner Eigeninteressen im Blick behalten und auch erheblich eher bereit sein, hier auf die Verfolgung meiner Eigeninteressen auch mal zu verzichten.

Das bedeutet aber nicht, dass ich ich mich meinem besten Kumpel (seinen Gefühlen/Interessen/..) vollständig unterwerfen würde. Bei der Verfolgung meiner Eigeninteressen respektiere ich ihn und seine Gefühle nur stärker als die meines Nachbarn oder noch weiter entfernten Menschen und wäge daher stärker ab, ob mir meine Eigeninteressen oder die Gefühle des anderen wichtiger erscheinen.
 
  • #49
Ich würde Respekt jetzt mal als eine Form von Wertschätzung und Achtung definieren, also der eigenen Bereitschaft, bei seinen eigenen Handlungen auch auf den anderen zu "achten" und eben im Rahmen der Verfolgung seiner Eigeninteressen auch "wertschätzend" zu berücksichtigen.

Und da habe ich sicher (und ziemlich sicher Du auch nicht) nicht gegenüber jedem Menschen den gleichen Grad von Respekt
Ich verstehe alles, was du schreibst, und würde wahrscheinlich ganz ähnlich handeln und denken in den von dir beschriebenen Beispielen.
Nur würde ich das nie unter den Begriff "Respekt" fassen.
Respekt und das Verfolgen von Eigeninteressen sind für mich nicht im geringsten gegensätzlich.
Wenn man den Ex-Partner der Frau, die man datet überhaupt nicht kennt, dann hat man mit ihm auch überhaupt kein persönliches Verhältnis, in dem überhaupt irgendwie Respekt gezeigt werden konnte; nach meinem Verständnis passt daher schon der Begriff überhaupt nicht auf dieses Beispiel.
 
  • #50
Hi,

zu dem "Respekt" Thema: ich sehe in unserer Gesellschaft eine Tendenz, denjenigen, dem kein Respekt entgegengebracht, oder der gemobbt wird, zum Schuldigen zu erklären, weil es ihm/ihr passiert..

Ich sehe das anders. Es reicht, wenn EINER von zweien sich daneben benimmt, um die Beziehung zu crashen.

Ich halte auch GARNICHTS davon, dass man Respekt verdient oder nicht verdient hat. Es gibt halt Menschen, die haben Schwierigkeiten, in gewissen Situationen Grenzen zu setzen. Als Missbrauchsopfer, kann ich vielleicht im Sexuellen Bereich schlecht grenzen setzen, weil ich einfriere, wenn jemand übergriffig wird.
Wurde ich als Kind gemobbt, kann ich vielleicht keine Grenzen setzen, wenn jemand mich verbal angreift, weil ich plötzlich wieder zum kleinen wertlosen Etwas werde.

Jeder hat Wunden und Schwächen. Blinde Flecke.
Respekt ist eine Charaktereigenschaft. Die habe ich oder ich habe sie nicht. Und sie zeichnet sich dadurch aus, dass ich eine Kellnerin oder einen Obdachlosen ebensogut behandle, wie einen Millionär oder ein Model, auch und gerade, weil erstere vielleicht angreifbarer sind!!
Weil es Menschen sind. Weil sie Würde haben.

Zur FS: ich würde gehen. Ich hätte seine Frechheiten nicht geduldet. Er ist noch ein Kind. Das wird bestimmt nicht besser.
tut mir leid, dass Du auf sein Gesülze am Anfang hereingefallen bist, vielleicht sehnst Du Dich nach Heirat und Familie, und hast deshalb nicht genau hingeschaut.
Der Typ ist unmöglich.

Und wenn Dein Vertrauensbruch ihn stört, soll er entweder gehen, oder das Gespräch suchen. DAS wäre Respekt.
Aber das kann er halt nicht.

Alles Gute, Melange
 
  • #51
Besteht hingegen die Gefahr, dass der Gegenüber die Spaßangriffe einem Übel nimmt, weil er einem letztlich nicht vertraut und böse Hintergedanken für möglich hält, dann erweist sich die Freundschaft als weniger robust und es wächst kein Respekt/Vertrauen
Ziemlich treffend beschrieben - auf eine intuitive Art und Weise

Nehmen wir mal an, dass jemand jetzt einen wunden Punkt bei einem trifft und aus dem neckischen Gerangel, plötzlich ein Kampf wird, bei dem beide Parteien ihr zuvor gewonnes Vertrauen ineinander verlieren. Wie ließe sich das aus deiner Sicht wieder herstellen?
 
  • #52
Ich hab mal die vielen Kommentare ignoriert. Der Mensch braucht vielleicht eine Weile, um sich zu trennen und von einigen Dingen Abstand zu gewinnen. Man gewöhnt sich an den Partner und blendet unglückliche Momente gerne aus.
Betrachte es doch mal so:
Die verliebte Phase, wo man noch nicht man selbst ist dauert ca 1-1,5 Jahre. Danach verschwindet das verliebt sein und wahre Charakterzüge bleiben übrig. Am Anfang geht es ums gefallen und dann irgendwann um andere Dinge und ob du mit dieser Person dein Leben verbringen willst und kannst. Könnt ihr Kompromisse schließen und verzeihen? Die Verliebtheit kommt nicht mehr zurück also bist du nur noch aus Gewohnheit mit ihm zusammen, weil es die einfachste Alternative ist? Du musst dir bewusst werden, ob du daran arbeiten willst und dein Partner auch. Eine Beziehung ist in irgendeiner Form immer Arbeit und die Entscheidung bei einander zu bleiben und durch dick und dünn zu gehen. Du musst dir irgendwie darüber im Klaren werden, ob es sich lohnt zu arbeiten und Gespräche suchen. Distanziere dich doch erstmal. Unternimm was, bisschen Selfecare. Ignoriere den Streit und warte bis dein Partner auf ein neutrales Level zum Gespräch kommt.
 
  • #53
Hier mal ein Update nach ein paar Monaten.

Wir sind immer noch zusammen und er lebt hier bei mir. An der Situation unserer Beziehung hat sich nicht viel verändert.

Er war jetzt für zwei Wochen im Ausland im Urlaub mit seiner Familie und schrieb mir da die süßesten und liebsten Mails, er würde mich lieben und ich wäre sein ein und alles.

Als er vor ein paar Tagen zurückkam ging es sehr schnell wieder mit seinen Alltagsstreitereien los. Sexualität und körperliche Nähe haben wir kaum und wenn dann nur wenn er will.

Beleidigungen und Erniedrigungen kommen auch immer wieder, erst vorhin nach dem Einkaufen an der Ampel. Ich wartete, weil ich wusste, dass die Ampel wieder schnell auf rot schaltet und er meinte dann: "Da hätten wir locker noch rüberkönnen, du bist ein Opfer!"

Wenn er sich in Rage redet und sich aufregt, kommt auch schon mal ein "Ich hasse dich". Ich frage mich, wozu ich das noch mitmache?

Ich koche für uns beide, aber wir essen getrennt voneinander, er an seinem Schreibtisch und ich in meinem Büro, das geht seit Wochen so.

Telefonieren tut er jeden Tag stundenlang mit einer Freundin. Das geht gleich morgens los und dann immer wieder bis tief in die Nacht. Mit der spricht er mehr als mit mir über den ganzen Tag.

Ich denke auch schon über Trennung nach und der Gedanke ruft auch keine Probleme in mir hervor, ich wäre dann wieder alleine und würde mich auch gut damit fühlen, ich habe keine Angst davor, alleine zu sein - ich war vor ihm glücklich über zehn Jahre Single.

Rausschmeißen kann ich ihn aber nicht so schnell. Er ist zwar hier nicht im Mietvertrag eingesetzt, aber ich will ihn nicht auf die Straße setzen. Eine Wohnung findet er möglicherweise wegen einem alten Schufaeintrag nicht so schnell, obwohl er jetzt sehr viel Geld verdient seit ein paar Jahren.

Ich habe immer noch das Gefühl, es könnte irgendwie besser werden, aber ich weiß nicht, was ich tun soll oder wie ich das am besten durchziehen soll. Habt ihr Ideen und Vorschläge?
 
  • #54
Du hast bereits im Juni einige gute Antworten bekommen.

Der Mann respektiert dich nicht mehr. Er wird das nie mehr tun.

Er weiß, dass er dir alles an den Kopf knallen kann. Drum tut er das auch.

Bau ein neues Schloß ein, setz seine Sachen vor die Tür. Wenn er kommt, kann er die mitnehmen.

Er wird schimpfen und schreien, dich als "Opfer" und "fett" bezeichnen. Aber das kennst du ja schon zur Genüge.

Soll der Mann bei der Frau unterkommen, mit der er stundenlang telefoniert.

Leider wirst du diese Ratschläge aber nicht befolgen.

Weil er dir dann leid tut - obwohl er scheiße zu dir ist.

Nur: Dann ist dir leider nicht zu helfen. Dann wirst du noch ein paar Jahre leiden müssen - bis du zum seelischen Wrack geworden bist.
 
  • #55
Ich habe immer noch das Gefühl, es könnte irgendwie besser werden
Du versaust dir dein Leben, wenn du noch länger an dieser toten Beziehung hängst.
Wozu dieses Mitleid?
Eure Wege werden sich zwangsläufig trennen und es wird egal sein, was ihr je geteilt habt.
Sag ihm einfach, er soll innerhalb der nächsten Woche ausziehen.
 
A

Asja

Gast
  • #56
Klar, er wartet bis Du Dich trennst, damit Du dann auch daran "schuld" bist.
Der Typ ist ja voll psycho, trenne Dich so schnell als möglich. Du wirst sonst als seelisches Wrack enden und in der Klapsmühle.


Natürlich weiß er ganz genau was er tut - er will Dich los werden, aber daran nicht "schuld" sein. So klopft er Dich eben mürbe. Ein richtiger Fiesling!

ErwinM, 53
Liebe FS,

lies dir das nochmal durch! Kurz und prägnant auf den Punkt gebracht. Mehr braucht man eigentlich nicht schreiben.

Die anderen Ausführungen sind natürlich genauso hilfreich und gut. Aber ich glaube bei einer richtigen Persönlichkeitsstörung geht es nicht um Respekt oder Augenhöhe. Denn das wird man in solchen kranken Konstellationen sowieso nie erreichen. Egal was man tut oder nicht tut.

Ich würde die nächsten Schritte auch vorsichtig planen...
 
  • #57
Wir haben sehr viele Gemeinsamkeiten und er hat sich schon zu Beginn der Beziehung viel Mühe gegeben, mir Geschenke gemacht, jeden Tag intensiv Kontakt zu mir gehalten, Liebesbekundungen, emotionale Tiefe, es war einfach wunderschön.
Das ist zu schön um wahr zu sein, da muss doch bald etwas kommen, was nicht mehr so schön ist …
Im Februar zog er dann zu mir. Er hat seine gewohnte Heimatstadt verlassen, um 400km weg zu ziehen, obwohl er die Stadt, in der ich Lebe nicht mag, er sagt sogar er "hasse" diese Stadt, er käme nur wegen mir hier her.
Hört sich nicht so gut an, denn eines Tages wird er nicht mehr in einer Stadt wohnen wollen, die er "hasst", egal wie schön es mit euch ist.
Auch zum Einzug war alles perfekt. Wir haben uns weiterhin gut verstanden, der Alltag war wunderschön und wir erlebten tolle Dinge. Wir haben uns dann auch verlobt. Kurz darauf kam der Eklat.
Aha!
Dachte ich mir doch, dass da noch was kommt …
Ich habe ein Geheimnis einer seiner Freundinnen ausgeplappert, was er mir im Vertrauen erzählte. Das ganze wurde aber hinterhältig von einer Dame "abgehört", die auch mit dieser Freundin bekannt war und das brühwarm weitererzählte, dass ich das Geheimnis ausplauderte.
Tja, ein Geheimnis hättest du auf keinen Fall ausplaudern dürfen. Das ist auf jeden Fall tragisch, wie eine Story aus der griechischen Mythologie und die gingen nie gut aus.
Er fiel aus allen Wolken und war wie ausgewechselt. Er schlief in dieser Nacht im Wohnzimmer, … Er legte aber in der Nacht des Streites den Verlobungsring ab und trägt ihn seither nicht mehr. Langsam begann er sich in den letzten Wochen zu verändern …
Hoffentlich lernst du daraus, dass man ein Geheimnis, das einem anvertraut wird, nie und nimmer ausplaudern darf.
 
  • #58
Es kommen Aussagen wie "Du bist dick", "deine Kochkünste haben mich dick gemacht", "du stinkst", "geh weg" … als wolle er was "überspielen". … Man kann mit ihm auch nicht reden, bei ernsten Themen oder wenn es um unsere Beziehung geht, weicht er aus oder schweigt.
@Chicka66
Es fällt mir schwer dir das zu sagen, aber er ist dabei sich abzunabeln und die Stadt, die er hasst und dich zu verlassen.
Er hat den Ring abgelegt und nicht wieder getragen. Er überlegt nur noch, wie er es dir am besten sagen soll, dass eure Verlobung für ihn Geschichte ist und du auch bald.
Ob es daran liegt, dass du dieses Geheimnis nicht für dich behalten konntest oder ob du ihm letztlich zu dick bist und ihm stinkst, - der Drops ist gelutscht. Verlobung hin, Verlobung her.
Und ganz ehrlich, ein Mann, der solche Dinge zu mir sagen würde, wie dein Ex-Verlobter zu dir, der würde mich nur noch von hinten sehen, - nämlich dann, wenn ich für immer tschüss sage.
 
  • #59
Weil du dich an ein paar Krümeln festhältst, die er dir hin und wieder zuwirft.
So, wie diesen hier:

schrieb mir da die süßesten und liebsten Mails, er würde mich lieben und ich wäre sein ein und alles.
Oder diesen:

Sexualität und körperliche Nähe haben wir kaum und wenn dann nur wenn er will.
Er dosiert das vermutlich so geschickt, dass er dich und deine Gefühle genau unter Kontrolle hat.
Daher das " ich liebe dich", während er viele Kilometer weit weg in Urlaub ist. Du könntest ja sonst auf den Gedanken kommen, dass du ihn und seine Respektlosigkeit gar nicht vermisst.

Rausschmeißen kann ich ihn aber nicht so schnell. Er ist zwar hier nicht im Mietvertrag eingesetzt, aber ich will ihn nicht auf die Straße setzen. Eine Wohnung findet er möglicherweise wegen einem alten Schufaeintrag nicht so schnell, obwohl er jetzt sehr viel Geld verdient seit ein paar Jahren.
Du kannst, wenn du willst. Irgendein Hotelzimmer oder Ferienwohnung wird er fürs erste schon finden. Er ist schon "groß", kann nach Unterkünften googeln, telefonieren, und wenn er Hunger hat, geht er ins nächste Restaurant. Oder heim zu Mutti, wenn alle Stricke reissen.

Ich koche für uns beide, aber wir essen getrennt voneinander, er an seinem
Ohne Worte :rolleyes:

Ich habe immer noch das Gefühl, es könnte irgendwie besser werden
Wird es nicht. Du wurdest von Prinzessin zu Fussabtreter degradiert. Sowas ist nicht reversibel.
 
  • #60
Sexualität und körperliche Nähe haben wir kaum und wenn dann nur wenn er will. … Beleidigungen und Erniedrigungen kommen auch immer wieder … Ich koche für uns beide, aber wir essen getrennt voneinander, er an seinem Schreibtisch und ich in meinem Büro,
@Chicka66
Das geht doch alles gar nicht.
Wie lange willst du dir das noch antun?
Telefonieren tut er jeden Tag stundenlang mit einer Freundin. Das geht gleich morgens los und dann immer wieder bis tief in die Nacht. Mit der spricht er mehr als mit mir über den ganzen Tag. … Wenn er sich in Rage redet und sich aufregt, kommt auch schon mal ein "Ich hasse dich". Ich frage mich, wozu ich das noch mitmache?
Das frage ich mich auch …

… ich habe keine Angst davor, alleine zu sein - ich war vor ihm glücklich über zehn Jahre Single. …
Dann verstehe ich erst recht nicht, wieso du das mitmachst.
Ich habe immer noch das Gefühl, es könnte irgendwie besser werden, aber ich weiß nicht, was ich tun soll
Vielleicht musst du dir erst einmal darüber klar werden, dass es nicht mehr besser werden wird, weil er eine Hemmschwelle überschritten hat und das nicht rückgängig zu machen ist.
Es wird nicht besser, sondern eher schlimmer - für DICH.
Rausschmeißen kann ich ihn aber nicht so schnell. Er ist zwar hier nicht im Mietvertrag eingesetzt, aber ich will ihn nicht auf die Straße setzen. Eine Wohnung findet er möglicherweise wegen einem alten Schufaeintrag nicht so schnell, obwohl er jetzt sehr viel Geld verdient seit ein paar Jahren.
Dann hast du hier den Grund, warum er bei dir bleibt.

Er kann nirgendwo anders hin. Unabhängig davon wieviel Geld er jetzt verdient, solange er einen schlechten Schufaeintrag hat, bekommt er nicht nur keine Wohnung, sondern hat auch jede Menge anderer Nachteile.

Muss er mit einem schlechten Schufaeintrag nicht noch Zahlungen an irgendwelche Gläubiger leisten oder von seinem Geld alles abgeben zur Begleichung seiner Schulden, bis auf einen geringen Selbstbehalt?

Du kannst jedenfalls davon ausgehen, dass er bei dir wohnen bleibt, wie die Made im Speck lebt, keinen Cent für Nebenkosten etc. bezahlen wird, bis seine Schufa wieder in Ordnung ist. Aber dann ist er weg.

Vielleicht liebt er die Frau, mit der er Tag und Nacht telefoniert und kann bloß aus irgendwelchen Gründen nicht mit ihr zusammen wohnen. Zur Zeit jedenfalls.

Willst du dich tatsächlich weiter be- und ausnutzen lassen?
Hast du keine Bedenken, dass du aufgrund der explodierenden Energiekosten seinetwegen später doppelt so hohe Nebenkosten aufbringen musst?

Da heißt es oft, manche Frauen wären berechnend. Wie man sieht, stehen manche Männer ihnen da in nichts nach. Tsss …
 
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