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Gast

  • #1

In welchem Alter wird aus Romantik Kalkül?

Hallo EP-Gemeinde.

Ich bin 35 Jahre alt, seit knapp drei Jahren geschieden und seit ein paar Monaten in Kopf und Herz frei genug, um meinen Alttag wieder mit jemandem teilen zu wollen. Unsere Beziehung begann im Teenageralter, wir heirateten mit Anfang 20.

Nun stelle ich fest, daß die Beziehungsanbahnung mit Mitte 30 noch viel, viel anders aussieht als früher in jüngsten Jahren. Natürlich bin auch ich erwachsen geworden, natürlich bin auch nicht kein verträumter Mensch mit rosa Brille mehr. Trotzdem gehen mir die frühere Unbeschwertheit, Neugierde, Freude und Voruteilsfreiheit viel mehr ab als ich es jemals gedacht hätte. Es wirkt "unser uns Erwachsenen" alles so sachlich, vernunftorientiert, kühl, emotionslos und unromantisch.

Das hier soll kein Klagelied werden, und aus diesem Grund verschweige ich auch mein Geschlecht. Was mich allerdings interessiert: In welchem Altersbereich hat sich bei Euch und Ihnen das Bild von einer schönen, warmen, unvoreingenommenen Liebe gewandelt hin zu "er oder sie muß so oder so sein und nicht anders"?

Ich bin gespannt auf Eure und Ihre Erfahrungen!
 
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Gast

  • #2
Nach der ungewollten Scheidung - da hat man über einen längeren Zeitraum erlebt wie Kalkül und Berechnung beim weiblichenGeschlecht funktionieren. Seitdem bin ich zwar nicht berechnend, rechne aber mit diesem Verhalten beim gegenüber.

Traurig, aber das ist wie wenn man schonmal auf dem Zebrastreifen zusammen gefahren wurde. Man glaubt man nicht daß die anderen verkehrsteiulnehmer die Verkehrsregeln beachten. In Frankreich wo ich lebe ist das besonders wahr. In der Liebe und im Straßenverkehr.

m
 
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Gast

  • #3
Nach der gescheiterten Ehe! Wir hatten zwar eine friedliche Trennung, aber ich bin desillusioniert und angeknackst beim Thema "Partner fürs Leben".
Ich laufe nicht total frustriert durch die Welt - aber ich habe durchaus viel mehr Bedenken als mit 20...

Gruß, w31
 
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Gast

  • #4
Ich bin in einer ähnlichen Situation wie du (10 Jahre Beziehung seit dem 19. Lebensjahr und dann Trennung) aber ich muss sagen, ich find das Flirten um die 30 klasse. Es war alles neu auch für mich, man geht wirklich am Anfang noch mehr wie ein Teenager an das Kennenlernen aber man gewöhnt sich auch schnell um. Während ich mit 17 in irgendeiner schäbigen Disko rumhängen und Ekelbier trinken musste, trifft man sich jetzt zu gemeinsamen Ausflügen, Sport, Abendveranstaltungen und Restauranterkundungstouren. Während früher der nervige Freundeskreis ständig präsent war, hat man jetzt viel mehr zeit für sich oder Zweisamkeit mit dem einzelnen Partner. Während früher für alles das Geld fehlte, ist es heute kein Problem mal 3 Tage übers Wochenende nach Madeira zu fliegen, weil mans kann. Also ich find das Daten um die 30 super.

Was die Menschen angeht, die man da trifft, das erfordert etwas Gewöhnung das stimmt. Einige haben lange Jahre schlechter Beziehungen hinter sich oder ein langes Singledasein und wissen gar nicht, das es mit einem Mann auch angenehm sein kann. Andere sind vergraben unter Vorurteilen, die findet man unter dem Haufen aber auch nicht mehr wieder. Wieder andere sind gemein und zynisch geworden, die sollte man besser gleich umgehen.
Dass die Frauen mit 30 sich nicht mehr nur von schönen Augen beeindrucken lassen, stimmt auch nicht. Das geht schon noch aber man geht einfach vernünftiger an die Sache heran. Auch mit dem Ziel um eine längere Partnerschaft aufzubauen. Die beziehungsanbahnung ist also konstruktiver geworden und nicht mehr so animalisch. Während man mit 17, 3-Tagesbeziehungen geführt hat, suchen die Menschen jetzt viel ernsthafter.

Ich glaube dein Problem könnte ein anderes sein. Wenn man den Eindruck hat, dass andere Menschen kalt und emotionslos sind, liegt das meistens daran weil man selbst im Moment etwas verletzlicher ist. Ich habe das selbst gemerkt, gerade wenn man 10 jahre und mehr mit einem Menschen gemeinsam durchs Leben geht, ist man danach doch erstmal einsam und irgendwie etwas ausgeliefert. Und das ist ganz normal. Ich denke du solltest mit dem Dating ruhig anfangen aber bewerte die anderen Menschen nicht, sondern nimm sie so wie sie sind. Wer ernsthafte Partnerschaftsabsichten hat wird eigentlich nie kalt, kalkuliert und lieblos; man kann sich das Gefühl sich zu verlieben auch bis ins hohe Alter bewahren, davon bin ich fest überzeugt. Allen Kummer und Sorgen, den einem andere bereiten, fängt meiner Meinung nach immer zu erst bei einem Selbst an. Erst wenn man mit sich selbst wirklich im Reinen ist, dann zeigt man auch nicht mit dem Finger auf andere Leute und sagt: die sind so und so. Die sind einem dann nämlich größtenteils egal und man sucht sich nur noch die Leute, die einem gut tun.

Gruß,m30
 
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Gast

  • #5
Gar nicht. Romantik brennt in allen Menschen, jeder will einen Seelenpartner haben oder finden und mit diesen Sehnsüchten werden auf dem Markt jährlich Millionen umgesetzt in verschiedenen Art und Weisen. Es gibt nur keiner zu nach einer Verletzung oder Enttäuschung, denn das macht verletzlich. Frauen flüchten sich danach in Liebesromane und Männer in Pornos. So beseitigt man seine Defizite im Leben und vor allem seine Wut und seine Frust. Je stärker die Leute Wut und Resignation spüren, desto eher sind sie emotionale Romantiker.
 
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Gast

  • #6
Das ist keine Frage des Alters, sondern der persönlichen Lebenssituation UND Lebenserfahrungen ODER des persönlichen Wertesystems. Es gibt Menschen, die sind befreit von romantischen Gefühlen. Bei denen läuft die Partnerwahl schon in ganz jungen Jahren über Kalkül und das ändert sich nicht.

Ich (w, 50+) gehöre zu der ersten Kategorie, die das hatten und weitgehend verloren haben. Das war mit Mitte 40 der Fall, nach der Scheidung. Es war keine Frage des Alters, sondern der Lebenssituation.
Ich hatte viel schlechte Beziehungserfahrung (zu lange in der Ehe geblieben), habe mich aber sehr intensiv mit meiner Persönlichkeit, der falschen Partnerwahl sowie den Ursachen dafür auseinander gesetzt und welche Bedingungen ich brauche, damit es eine Chance hat, zu gelingen.

Wer so kopfgesteuert rangeht, hat einen guten Schutzmechanismus vor Fehlerwiederholung, es macht die Partnersuche zäh, weil die Gefühle in Deckung bleiben. Die Männer haben die Flucht ergriffen, vermutlich waren sie auf das schnelle Sexabenteuer aus und das ist nicht mein Ding.

Nach 5 frustrierenden Jahren habe ich erkannt, dass ich mir mit meinem Hintergrund und Vorstellungen auf den Füßen stehe und die Partnersuche aufgegeben. 2 Jahre später passierte das Glück einfach so.
Er entsprach in drei Punktenmeinen NoGos: Klinikarzt, Fernbeziehung, bayrischen Pampa. In allen anderen Punkten übererfüllt er meine Wünsche: er liest Bücher und, nicht zu fassen: er möchte mit seiner Partnerin reden, er ist empathisch, kein Selbstdarsteller und auf eine sehr stille und intelligente Art humorvoll, dazu attraktiv, groß, sportlich - besser geht nicht.
Ich lag als Notfallpatientin vor ihm, in einer sehr schwierigen Situation, sollte eigentlich andere Gedanken haben aber war hin und weg. Wochenlang hatte ich täglich mit ihm zu tun und konnte, meine Gefühle gut tarnen, war eher abweisend, auf mich fokussiert.
Wochen nach der Entlassung mailte er mich an, erkundigte sich nach meinem Befinden. Dann hatte er einen Kongress in Hamburg, und noch ein Kongress ... und Hamburg-WE usw. Es dauerte bis ich es riskierte. Ich habe es nicht einen Tag bereut. Nach 5 Jahren sind die Gefühle füreinander nicht abgeflaut, wir leben Fern-Beziehung und sind uns einig: ich unterkühltes Nordlicht gehe, wenn das Berufsleben für mich zuende ist in seine bayrische Heimat. Wenn die Gefühle stimmen, stellt Du alles auf den Kopf.

Fazit: wer grundsätzlich fähig ist zu lieben, der kann dieses Kalkül aufgeben wenn der Richtige kommt, der direkt ins Herz durchmarschiert. Und ja, meine Gefühle waren keinen Deut anders, als mit 18 - ich habe sie nur nicht so mutig ausgelebt. In 2 Stunden kommt er und ich sitze hier mit Herzflattern wie ein Teenie.

Viele Menschen geben gute Partnerschaftsoptionen viel zu früh auf, hetzen zum nächsten weiter und drehen sich immer schneller im Dating-Karussell, häufen Frusterlebnisse an, statt sich die Zeit zu nehmen, die man mit einer umfangreichen Lebenserfahrung braucht.
 
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Gast

  • #7
Liebe(r) FS,

Deinem Text entnehme ich, daß Du jetzt rationaler an das Thema Partnersuche herangehst, um Dich zukünftig zu schützen. Weil Du unangenehme Erfahrungen in Deiner Beziehung/Ehe gemacht hast. Ich persönlich hatte mit 20 weitaus weniger Selbstvertrauen, war "kopflastiger" und wenig entspannt. Durch schwere Zeiten / Krisen bin ich viel gelassener geworden und habe klarere Vorstellungen vom Leben und auch vom Partner. Ich weiß jetzt, was ich will, welche Vorstellungen ich vom Leben habe und was mir an einem Partner wichtig ist. Sehe dies aber ausschließlich positiv und möchte mit der 20-Jährigen keineswegs mehr tauschen :). Daher: beschäftige Dich mit positiven Dingen, finde zu Dir zurück und habe Spaß im Leben, dann kommt Deine Unbeschwertheit zurück. Die "schöne, warme, unvoreingenommene Liebe" kannst Du in DIR wiederfinden, der passende Partner kommt dann ganz automatisch.

Alles Liebe !
 
  • #8
Ich habe mir mit Mitte 40 und drei gescheiterten langen Beziehungen noch immer mein kindlich naives, offenes Herz bewahrt. Bin allerdings sehr viel verletzlicher geworden. Auch vertraue ich nicht mehr so schnell. Ich lerne leider auch sehr viele auf sich selbst bezogene und mit Problemen beladende Männer kennen. Die sind halt auch "nur" die Summe ihrer Erfahrungen und misstrauischer geworden. Von denen nehme ich meist schnell Abstand. Schau den Menschen in die Augen und achte auf Ihr Lächeln. Das ist ein guter Anfang zu schauen, ob da Wärme und eine gewisse Leichtigkeit vorhanden sind.
 
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Gast

  • #9
Deine Frage ist der Wunsch, eine Art Gebrauchsanweisung zu erstellen. Was für eine Frage, in welchem Alter wann was passiert …

Die Antwort fällt so unterschiedlich aus, wie wir Menschen auch unterschiedlich sind: der eine ist mit 17 romantisch (danach nicht mehr), der andere ist mit 17 bis 28 romantisch (danach nicht mehr), die nächsten sind nie romantisch (oder werden es mit 43 erstmals), es gibt welche, die verlieben sich mit 74 zum ersten Mal "richtig" (andere meinen, sie seien verliebt) usw. usf.

Romantik, Verliebtsein, Liebe … all das lässt sich nicht im Kalender vormerken. w
 
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Gast

  • #10
Lieber FS,

ich denke, das passiert meist bei den meisten mitte 20. Die ersten längeren Beziehungerfahrungen sind gesammelt, es geht an Familienplanung. Man(n) merkt schnell, dass der Geldbeutel entscheidend bei der Partnersuche ist. Mann möchte ja auch die Hübscheste....

Frau merkt, dass das Leben ganz schön teuer sein kann - dann noch Kinder; hier muss mindestens ein Manager oder Banker her. Frau will sich ja dann auch mal was gönnen...

Mir ist bewusst, dass es durchaus deutlich überzeichnet ist, aber seien wir ehrlich, es ist was dran. Für Romantik ist bei sowas doch gar kein Platz mehr ;)

m26
 
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Gast

  • #11
Aus Kalkül habe ich noch nie mein Herz verloren. Was soll ich mit einer Frau, der ich mich aus Kalkül annähere? Sex - vielleicht. Ansonsten eher langweilig. Und Sex allein war mir noch nie Argument genug, weil ich mich da nie elendig chancenlos gesehen habe (trotz nicht weniger "verpaßter Gelegenheiten"). Aber wer will schon mit jeder?
 
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Gast

  • #12
Liebe W

gar nicht setz ich mich mit Kalkül zwischen Gefühl und gesunden Sachverstand.

Romantik: Der Begriff ist etwas abgegrabscht in den Medien.

Was meinst du genau ?
Dass zwei sich immer wieder in bestimmten Situationen ineinander verlieben obwohl sie doch schon Jahre zusammen leben ? Das gibt es !! Sie verlieben sich aber dann mit Grund ! Beim ersten Mal war's eben nur das Aussehen und die Macht der Präsenz. Beim reifen wiederholten Verlieben wird es dann qualitativ hochwertiger: "Du bist der beste Mensch der mir je begegnet " usw.

Dass alles so abläuft wie in einem Julia Roberts-Richard-Gere-Filmchen ist hingegen eher unwahrscheinlich.

Die Kalkül-Freaks wollen ihr Ergebnis immer antizipierend kontrollieren, d.h. etwas Bestimmtes durch Beziehung erreichen. Klassiker: Mein Status, mein Haus, Mein Auto, usw., usw.
Der Partner ist Statusträger. Für Romantiker(innen) soll der eine "die Welt" werden. Das ist auch ein bisschen viel verlangt, oder ? Ich denke du bist eben nicht mehr das unbeschriebene Blatt daher denkst du die Romantik wäre weg und ihr taxiert euch nur noch ab. In Wahrheit kommt die Romantik in späteren Jahren aber bloss verzögert und dann mit der Wucht einer Handgranate.