• #1

Introvertiert mit Extrovertiert. Kann das funktionieren?

Guten Abend Foristen,

ich bin in einer frischen Beziehung.
Soweit ist alles gut, es gibt allerdings eine Sache, die mich unterschwellig unter Druck setzt:
Er hat einen großen Freundeskreis, in dem ständig Geburtstage oder andere Anlässe für Feiern sind, stattfinden.
Ich bin extrem (!) introvertiert, was heißt, dass für mich Menschen, die nicht zu meinem vertrautesten Kreis gehören, energieraubend sind. Meine beste Freundin sowie mein Partner können ständig bei mir sein, wohingegen Small Talk, belanglose oberflächliche Gespräche mit Bekannten sowie das Kennenlernen von neuen Leuten, für mich richtig anstrengend sind.
Ich bin ein Menschenfreund, nicht falsch verstehen. Ich bin kein Miesepeter. Ich kann tatsächlich gut mit Menschen auskommen. Aber wenn ich weiß, dass Samstag-Abend ein Geburtstag ist, dann habe ich bereits die ganze Woche ein flaues Gefühl im Magen. Und wenn ich auf dem Geburtstag bin, wünschte ich, ich wäre zuhause.

Wir haben nun 2x etwas mit seinen Freunden gemacht (unter anderem Silvester, habe ich ihm zu Liebe gemacht). Ich hab mich gut mit ihnen verstanden, er meinte auch, dass sie sich sehr für ihn freuen, dass wir uns gefunden haben.
Dennoch graut es mir vor der Vorstellung, ständig was mit ihnen zu machen. Es liegt nicht an den Leuten, sondern daran, dass ich einfach am liebsten alleine bin.
Ich bin mit meinem Job sehr eingespannt und die wenige freie Zeit, nutze ich entweder gern mit mir alleine (ich brauche das einfach) oder mit meinem Partner. Der Gedanke das von dieser knappen freien Zeit noch was für die Besuche bei und von seinen Freunden drauf geht, schnürt mir das die Luft ab.
(Beispiel: Freitagabend mit meinen Freunden, Samstagabend mit seinen Freunden, Montag bis Freitag wieder arbeiten... das fühlte sich an, wie ein verlorenes Wochenende, nicht wie ein gelebtes WE, wie es andere vielleicht sehen würden)

Er braucht hingegen gar keine Zeit alleine. Er verbringt seine Freizeit ausschließlich mit anderen Leuten.

Habt ihr Erfahrung mit einer solchen Konstellation? Meint ihr, sowas kann gut gehen? Irgendwelche Tipps, Anregungen, ... ?
Ich werde versuchen, mich daran zu gewöhnen, hin und wieder mitzugehen, aber ich fände 1x/Monat seine Freunde treffen schon eine Leistung von mir.

Wie wichtig findet ihr es, dass Paare bei Festivitäten gemeinsam anwesend sind? Würdet ihr euch im Stich gelassen fühlen, oder mich einfach unendlich langweilig finden, wenn ihr auf einer Party seid, während ich zuhause sitze und einfach Nichts tue?

Ich bin keine Couchpotato - unternehme gern und viel, aber am Liebsten halt alleine oder mit ihm alleine.
 
  • #2
Liebe Physikerin,

nachdem ich mich bei deinem anderen Thread vorhin sehr gefreut habe, dass die Unken alle unrecht hatten und ihr euch auf eure ganz eigene Art gefunden habt ;), habe ich das hier entdeckt.

Und es ist wie im anderen Thread auch. Es nutzt dir überhaupt nichts, wenn dir hier jemand schreibt, dass er das völlig ok findet, wenn sein Partner/ seine Partnerin allein mit Freunden was macht und man selbst allein zu Hause bleibt. Oder auch das Gegenteil. Davon weißt du nicht, wie dein Partner das findet.

Also rede mit ihm. Teil ihm deine Bedürfnisse / Wünsche mit und höre ihm zu, was seine Bedürfnisse / Wünsche in der Hinsicht sind. Und dann findet einen Kompromiss, mit dem ihr leben könnt und wollt. Immer mitgehen, weil er das vielleicht normal und toll findet, ist ebenso wenig eine Lösung wie nie. Ihr werdet euch da doch wohl auf ein Zwischending einigen können?

Ich kann das mit dem "verlorenen Wochenende" übrigens total nachvollziehen, geht mir ähnlich. Mein Partner ist zwar nicht so introvertiert wie ich, verbringt seine freie Zeit aber zu meinem Glück auch am liebsten mit mir (oder auch mal allein).
 
  • #3
Hallo Physikerin,
puh, das wär für mich eine immense Hürde für eine gute Partnerschaft.
Ich stelle es mir schwierig vor, wenn dein Freund entweder allein zu seinen Freunden geht oder er dir zu liebe drauf verzichtet.
Auf der anderen Seite kann ich mir denken, für dich ist es extrem schwer, wenn du nur ihm zu liebe mit gehst, weil solche Treffen dich anstrengen.
Verstehe mich nicht falsch. Ich denke, in einer funktionierenden Partnerschaft kann jeder auch seine Freiräume haben. Das ist sogar wichtig und förderlich. Wenn die Vorstellungen von Freizeitaktivitäten aber so sehr auseinander gehen, wird es auf dauer schwierig.
Wird es vielleicht für dich einfacher, wenn du seine Freunde besser kennst? Es also auch deine Freunde werden?
 
  • #4
Im Grunde sieht das so aus:
Wenn ihr euch darauf einigen könnt, dass er alleine mit seinen Freunden was auch immer unternimmt, du solange allein sein darfst und kannst und nur bei besonderen Anlässen dabei bist - dann kann es klappen.
Ansonsten muss dir klar sein: Er braucht seine Freunde wie du deine Zeit alleine. Ihr werdet diesen Unterschied ganz einfach gegenseitig akzeptieren müssen.
 
  • #5
Versucht, einen Kompromiss zu machen. So wie andere Mal am Meer Urlaub machen und im nächsten Jahr in die Berge fahren, solltest du ab und an ihm zu liebe mitgehen. Du hast ja selbst schon geschrieben "hin und wieder mitgehen". Sollte doch zu machen sein.
 
  • #6
Hallo @Physikerin ,

an sich finde ich es positiv für ein Paar, wenn nicht beide sehr extrovertiert oder beide sehr introvertiert sind. Ich finde, das sorgt für einen guten Ausgleich.

So extrem, wie du den Unterschied zwischen euch in dieser Hinsicht schilderst, könnte ich mir aber schon vorstellen, dass das zum Problem zwischen euch wird. Z.B., wenn es für ihn zu einem gelungenen Wochenende gehört, jeden Abend was im größeren Kreis zu unternehmen, und Ihr dann quasi gar keine (für beide gute) Zeit zusammen hättet, weil Ihr entweder getrennt was unternehmt oder jeweils einer nicht wirklich Spaß hat.

Dein Post klingt aber herrlich unaufgeregt und unzickig, vielleicht findet Ihr also trotzdem eine Lösung? Was sagt er denn dazu?

Ich selber bin an sich eher extrovertiert, allerdings gerade freitagabends oft so "leergesabbelt" von der Woche (ich bin Lehrerin), dass ich zwar gerne mit mehreren Leuten ausgehen, aber bitte um Himmels Willen keine Gespräche führen will ;) . Ich verbringe aber auch ausgesprochen gern einen Abend allein daheim (besonders ganz (!) allein, ohne Kind und ohne Partner).

Ich erwarte von meinem Partner nicht, immer mitzukommen, wenn ich was mit anderen Leuten unternehme (würde mich sogar nerven, wenn ich mich zB mit meinen Freundinnen treffen würde und er säße immer daneben; umgekehrt kann er auch gern weggehen, wenn ich nicht mitkomme), aber wenn die Vorstellungen in dem Bereich so divergieren würden wie bei euch, würde es mich im Lauf der Zeit wohl schon stören.

Alles Gute für dich!
 
M

morslucis

Gast
  • #7
Lieben @Physikerin,
in gewisser Weise wirst du da irgendwie durch müssen - In Deiner Geschwindigkeit!
Es ist ja auch wichtig fürs Kennenlernen und Vertrauen fassen dass ihr euch gegenseitig "eure Welt" zeigt.
Aber du kannst ja von vornherein klar kommunizieren, dass dich das sehr anstrengt, und du deswegen nicht immer und überall mitkommen kannst, willst und wirst. Auch deine Bedürfnisse haben ihre Berechtigung. Du musst es aber eben auch ihm genau so klarmachen, wie du es hier formuliert hast. Das ist dann auch nicht verletztend oder falsch zu verstehen.
Falsch verstehen könnte man aber ein "Och nee, nicht schon wieder!"

Ich würde es auch sowieso nicht übertreiben mit der engen Einbindung in das gegenseitige Umfeld, weil ihr euch damit auch viele Erwartungen "einkauft", die euch an der freien Entwicklung euer Beziehung behindern. Ihr seid ja jetzt erst recht frisch zusammen, das kann ja auch noch "scheitern".

Ich finde es schön, auf lockere und unverkrampfte Art die Menschen kennenzulernen, die meiner Partnerin wichtig sind, weil ich dann auch eine Vorstellung habe von wem sie da redet, wenn sie von ihnen redet. Ich will aber trotzdem nicht nach wenigen Wochen in ihre Familie und Freundeskreis integriert sein, als wären wir seit 10 Jahren verheiratet.

m34, auch ziemlich introvertiert.
 
  • #8
Schwierig. Es heisst ja, Gegensätze würden sich anziehen, aber tatsächlich halten Beziehungen länger und sind glücklicher, wenn die Partner sich ähnlich sind.

Ich persönlich erwarte von meinem Partner schon, dass er mich an Feiern und sonstige Einladungen begleitet. Käme er nur hin und wieder mir zuliebe mit, würde mich das mit der Zeit stören. Aber ich bin auch nicht jedes Wochenende mit Freunden unterwegs.

Rede mit ihm darüber. Erkläre es ihm genauso wie uns hier. Vielleicht hat er Verständnis und ihr könnt euch einigen, wie oft du mitgehst bzw. zu welchen Anlässen. Du musst ja bestimmt nicht jedes Wochenende dabei sein bzw. könnte er auch mal ein Wochenende nur mit dir verbringen. Ohne Kompromisse kommt keine Beziehung aus.

Ich denke, dass erst die Zeit zeigt, ob es längerfristig klappt. Denn zu Beginn einer Beziehung ist man meist zu viel mehr Kompromissen bereit als später. Aber wenn ihr euch liebt, ist es einen Versuch wert.
 
  • #9
Ja, liebe FS, ich kenne diese Situation. Als Studentin war ich mit einem sehr jovialen, extrovertierten Mann zusammen, dem noch dazu die Aussenwirkung ungeheuer wichtig war. Und ich bin eher introvertiert, zwar nicht so extrem wie du, aber doch. Dazu kam, dass er Schweizer war und wenn ich bei ihm in der Schweiz war, litt ich immer bei den ganzen Partys, weil ich als Österreicherin echt Verständnis-Probleme hatte. Zu einem Grossteil ist die Beziehung auch an dieser Diskrepanz gescheitert. Doch ich möchte dich nicht entmutigen, denn im Grunde genommen scheiterte es nicht an den Temperamentsunterschieden, sondern an seiner Intoleranz. Er konnte und wollte nicht akzeptieren, dass ich in Gesellschaft zurückhaltender agiere, er wollte, dass ich genau so strahle und glänze wie er, und nahm es mir richtig übel, dass ich das nicht konnte.

Was ich damit sagen will, ist, es kommt darauf an, wie ihr mit euren Unterschieden umgeht. Wie sehr ihr den Anderen in seiner Andersartigkeit akzeptiert, wie sehr ihr euch um Kompromisse bemüht. Wenn ihr jedes Wochenende Freitag und Samstag Leute trefft, geht das für dich nicht. Aber nur einmal im Monat Leute zu treffen, wird ihm zu wenig sein. Ihr müsst einen Mittelweg finden, mit dem beide leben können. Vielleicht erschöpfen dich die Treffen mit seinen Freunden ja auch weniger, wenn du sie besser kennst.

Auf jeden Fall wird euch diese Problematik schon einige Beziehungsarbeit kosten, da mache ich dir nichts vor. Aber mit dem richtigen Willen findet man einen Weg.
 
  • #10
Hallo Physikerin,
ich verstehe Dein Problem aus der Tiefe meiner Seele heraus, denn ich bin hochsensibel und richtig introvertiert. Ich kriege innerlich die Krise, wenn ich nicht regelmäßig Zeit für mich alleine oder nur mit der engsten Familie habe. Und ich habe Jahre (!) gebraucht, bis ich mein Anderssein akzeptiert hatte. Es ermüdet mich, wenn andere Leute ständig quatschen oder einer davon ein unangenehm dröhnendes Lachen hat oder einfach nur Schwachsinn geredet wird etc...

Kannst Du Dir vorstellen, dass ich als Studienrätin und Sozialpädagogin arbeite? Wahnsinn, oder? Mir hilft die Hochsensibilität sehr im Umgang mit den Jugendlichen, aber die ersten paar Jahre im Beruf war es wirklich richtig übel anstrengend. Es hat mich regelrecht ausgesaugt, wenn ich den ganzen Tag mit meiner Energie die Energie in meinen Klassen regulieren musste. Irgendwann hatte ich aber den Dreh raus, wie ich meine Energie schütze. Für mich persönlich bedeutet dies, einen ganz regelmäßigen Tagesrhythmus zu haben, viel in der Natur und im Grünen zu sein (ich habe Pferde) und im Unterricht ganz authentisch zu mir zu stehen; außerdem habe ich nur ein dreiviertel Deputat.

Was kann ich Dir also empfehlen: Finde Deinen ureigenen Rhythmus und zieh den durch. Bleib z.B. nicht extra für Deinen Partner wach, wenn dies gegen Deinen Rhythmus wäre. Überleg Dir, ob Du eine volle Stelle wirklich brauchst, und zwar bevor Du zusammenklappst. Geh viel im Wald spazieren....und, vor allem, sag das Deinem Freund genauso, wie Du es uns gesagt hast. Je früher, desto besser. Je früher Dein Freund versteht, dass Du anders bist, desto weniger besteht die Gefahr, dass er sich gewisser Privilegien beraubt fühlt, wenn Du nicht mehr so oft zu seinen Freunden mitgehst. Außerdem geh mit ihm auf die Website von "16personalities" (bitte sehr um Freischaltung, es ist wirklich wichtig) und macht dort den Persönlichkeitstest. Dann sieht und versteht er viel besser, wie Du tickst. Er lernt sich selbst dann auch besser kennen. Auch wird dort die Extraversion versus Introversion angezeigt, sodass er es wirklich schwarz auf weiß sieht, dass Du ihm keinen Quatsch erzählst. Ich bin zum Beispiel "Logician" mit einem Introversionsgrad von 90.

Alles Gute, w, 37 J.
 
  • #11
Man kann sich zwar paar Jahre lang anpassen und selbstaufopfern, aber irgendwann schleicht man stillschweigend aus diesem Verhältnis und spielt "unfair". Man ist unathentisch und betrügt sich selbst und andere!

Ich würde das nicht mitmachen. Das hat nichts mit Introvertiertheit zu tun, sondern einfach, dass auch ich mich energetisch ausgesaugt fühle, wenn Menschen oberflächlich über belangloses Zeug reden (Frauen über Kosmetik, schmutzige Socken und über ihre Männer daheim herziehen und Männer nur belanglose Barsprüche reißen). Das ist schon intellektuell sehr schwierig und beklemmend für mich, weil ich mich mit schwierigeren "Philosophien" im Leben befasse. Ich würde meinem Partner erklären, dass ich meine Zeit mit hochwertigeren Sache verbringe.
Z.B. intellektuelle Bücher lesen oder meinem schwiergien Job in dem ich sehr hohe Ziele habe. Das lässt eine Party am Wochenende nicht zu. Wenn man höhere Ziele hat, dann meidet man auch gewisse Leute, die einen schräg zuquatschen.

Dein Partner muss dich als Individuum respektieren und dass du kein Mitläufer seiner Familiengeschehnisse bist.

Er braucht hingegen gar keine Zeit alleine. Er verbringt seine Freizeit ausschließlich mit anderen Leuten.
Schlecht für einen Mann! Also sicher einer, der zu nichts Höherem kommt um keine höhere Ziele erreicht.
Das wäre kein Partner für mich, der gerne in der Gruppe mitläuft und kein Interesse und Neugier auf ein eigenes Leben hat und mal was alleine erforschen will. Also ein fettes Minuspunkt für deinen Freund! Ein Mann ist für mich nur ein richtiger Mann, wenn er alleine, ohne seine "Herde" stehen und agieren kann.

Wenn er so toll wäre, dass ich mit ihm zusammensein muss, dann würde ich höflich diese Veranstaltungen ablehnen.
Mein Partner würde aber schnell rausfinden, dass mir ein intellektuelles Buch mehr gibt und ich viel Zeit zum eigenen "philosophieren" brauche und er da hinterher hinkt. Manchmal wirkt das etwas elitär, aber zumindest echt. Ich käme nie auf die Idee mich in die Runde zu setzen, und über Dünnpfiff mit Leuten zu reden, die sonst nichts im Kopf haben. Von solchen Leuten kann man sich doch nicht weiterentwickeln!
Insofern hätte ich mit deinem Partner womöglich nur eine Affäre.

Meint ihr, sowas kann gut gehen? Irgendwelche Tipps, Anregungen, ... ?
Wie gesagt, in paar Jahren merkst du, dass du dich selbst betrügt hast.

Ich werde versuchen, mich daran zu gewöhnen, hin und wieder mitzugehen, aber ich fände 1x/Monat seine Freunde treffen schon eine Leistung von mir.
Du gibst dich selbst auf, tust etwas im zum Gefallen und unterdrückst deine eigenen Bedürfnisse, anstatt klare Bedürfnisse zu vertreten. So leben Frauen unerfüllt und deklarieren sich später als Opfer ihrer Beziehung.
 
  • #12
Das ist extrem. Ich bin "eher introvertiert", aber mit Tendenzen zur Ambiversion, da ich z. B. nicht mehr schüchtern bin, mich auch durchsetzen kann, initiativ werde. Meine Batterien kann ich jedoch auch nur allein oder mit den Vertrautesten zusammen aufladen, drei meiner fünf Kinder sind ebenso veranlagt. So lieb ich sie habe, meine älteste Tochter mag es deutlich quirliger- schon das ist manchmal für mich anstrengend, meinem Partner zu anstrengend.

Während der Partnersuche hatte ich einen ebenfalls introvertierten Mann, der auch klar seine eigenen Rückzugszeiten braucht, explizit als solchen gesucht und gefunden. Trotzdem ist mein Liebster öfter in seinem großen Freundeskreis unterwegs- ohne mich, weil ich das gar nicht brauche.
Wenn dein Freund nicht darauf besteht, alles mit dir zusammen zu unternehmen, könntet ihr vermutlich auch Kompromisse für eure Freizeit finden.

Bist du dir sicher, dass er als Physiker, der in seinem Alter noch keine feste Freundin hatte, extrovertiert ist? Das kann ich mir fast nicht vorstellen, aber dazu gibt es Tests. Mich hat einmal ein introvertierter Informatiker auf die Homepage des österreichischen Psychologen Alfred Gessl aufmerksam gemacht. Verschiedene kostenlose Tests, die an die Big Five (MBTI- System) angelehnt sind, finden sich dort, aber auch Beschreibungen zu Paarkombinationen. Ich fand es super spannend- aber unvollständig. Denn Mischtypen, Ambivalente, werden nicht berücksichtigt, geschweige denn Beschreibungen zu prozentualen Misch- Ausprägungen. Die gibt es in der Realität jedoch zu jeder einzelnen Charaktereigenschaft, deshalb bleiben diese Übersichten leider schablonenhaft.

Ausschlaggebend für euch beide- und nur um eure Empfindungen geht es-, wäre:
- wie sehr genießt er eure Zweier- Zeit? Vermisst er da noch andere Menschen?
- wie sehr respektiert er deine Rückzugswünsche? Akzeptiert er es, weiterhin hauptsächlich allein mit seinen Kumpels loszuziehen?
- hättest du beim Zusammenziehen einen eigenen Rückzugsraum, auch tabu für seine Freunde?
 
  • #13
Wie wichtig findet ihr es, dass Paare bei Festivitäten gemeinsam anwesend sind?

Naja, wenigstens hin und wieder solltest du schon mitgehen. Schon alleine weil du damit deine Liebe und Anteilnahme an seinem Leben zeigst. Er wird ja wissen, dass du sowas nicht so gerne machst. Er wird dann im umgekehrten Fall hoffentlich auch tolerant sein, wenn du eben nicht mit kommen willst.
Würdet ihr euch im Stich gelassen fühlen, oder mich einfach unendlich langweilig finden, wenn ihr auf einer Party seid, während ich zuhause sitze und einfach Nichts tue?
Nein. Umgekehrt. Es gibt nichts Öderes als ständig auf Parties zu gehen.

Was zieht dich eigentlich an deinem Freund an? Ist da nach der ersten Verliebtheit noch genügend Substanz da? Der eine ist gerne für sich und hängt seinen Gedanken nach, der andere versucht genau das zu vermeiden. Könnte schwierig werden.
 
  • #14
Ich verstehe dich gut, weil ich selber so eine bin. Ich glaube nicht, dass es auf Dauer gut läuft. Er kann gar nicht allein sein. Wenn er dir zuliebe seine Aktivitäten einschränkt, dann wird er dauernd an dir kleben, was dich früher oder später in den Wahnsinn treibt. Ich habe paar solche Freundinen und meine Schwester ist so- dauernd auf Achse. Für mich sehr anstrengend . Mit meiner Schwester habe ich wenig Kontakt, die Freundschaft funktioniert, weil die Freundinen auch was mit anderen machen, ich komme nur ab und zu mit. Wenn dir die Paarzeit reicht, lass ihn alleine weggehen und nutze die Zeit zum Auftanken. Wenn er dauernd weg ist, so dass ihr wenig zusammen seid und wenn, dann ist jemand immer dabei- da sehe ich schwarz.
 
  • #15
Ihr seid beide jeweils genau das andere Extrem. Er geht gern total oft weg und Du bist gern total oft allein. Ob das gut gehen kann, liegt an der Toleranz, also ob ihn stört, dass er mit den Freunden allein weggeht und ob er damit klarkommt, falls die Freunde das komisch finden, als seien sie Dir nicht gut genug als Gesellschaft.

Geht er denn freitags mit zu Deinen Leuten?

Wie wichtig findet ihr es, dass Paare bei Festivitäten gemeinsam anwesend sind?
Kommt drauf an. Der Geburtstag des besten Freundes, von wichtigen Leuten oder von irgendwem in der Familie ist schon so wichtig, dass der Partner üblicherweise mit sollte. Aber vielleicht sind das so viele Kumpels, dass es gar nicht auffällt, wenn MAL einer ohne Partnerin kommt. Die entscheidende Frage ist, wie Dein Partner das sieht. Wenn er erst mitkriegt, dass Dir diese Treffen nichts geben, fühlt er sich auch nicht mehr wohl, wenn Du nur seinetwegen mitgehst und er die ganze Zeit denkt "jetzt wär sie lieber woanders".

Für mich hängt alles von der Sichtweise Deines Partners ab. Denn ja: Es ist wenig gemeinsame Zeit, die ihr habt. Und er kommt in ein Dilemma, wenn er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen will, indem er a) was mit Dir unternimmt und b) dabei seine Freunde sieht und ihm beides wichtig ist.

Will er mit Dir am Sa auch mal allein was mit Dir machen oder denkt er immer nur an die nächste Party mit den Freunden? So einen kannte ich auch, da ging die Frau jedes WE mit, um überhaupt Zeit mit ihm zu haben. Mir ihr allein was unternehmen - das war nichts für ihn, zu langweilig.

ich fände 1x/Monat seine Freunde treffen schon eine Leistung von mir.
Du schreibst zwar, es läge nicht an den Leuten, aber ich denke, das stimmt nicht. Kannst Du dem geselligen Beisammensein und mal nichts Hochintellektuelles reden gar nichts abgewinnen? Ich glaube, es liegt schon auch daran, oder? Die haben nicht die Themen, die Dich interessieren. Neue Leute als solche interessieren Dich auch nicht, also eventuell neue Freunde finden. Weggehen ist auch nicht Dein Ding, also sich aufbrezeln, zeigen und in neidischen Blicken baden.
Aber wenn ich weiß, dass Samstag-Abend ein Geburtstag ist, dann habe ich bereits die ganze Woche ein flaues Gefühl im Magen.
Hast Du Angst vor anderen Menschen, die Du nicht kennst? Oder ist es das Gefühl, dass Du etwas machen musst, das Du nicht willst? Klingt für mich, als ob Du zum einen unsicher ggü Menschen bist und zum anderen Dein Leben nicht mit für Dich langweiligen Leuten vergeuden willst.
 
  • #16
Ein bisschen introvertiert und ein bisschen extrovertiert mag noch zu handeln sein - eure extrem gegensätzlichen Vorstellungen von allem was eure freie Zeit angeht, werden kaum glücklich unter einen Hut zu bringen sein.
Ich würde hier lieber die Reißleine ziehen, so lange ihr noch nicht tiefer in eurer Verbindung steckt.
 
  • #17
Den Tipp habe ich jetzt vergessen zu schreiben, hier kommt er:
Taste Dich vor. Wenn Du vorschlägst, am Sa mal irgendwas zu machen mit Deinem Partner, guck, wie er reagiert. Wenn er sagt "oh toll, da nehmen wir x und seine Partnerin und y und seine Partnerin auch mit, dann wird es lustig", müsstest Du das Thema "sollen wir nicht mal zu zweit was machen" anschneiden. Dann kommt vermutlich "wieso, magst du die nicht" und dann musst Du plausibel erklären, dass Du die supernett findest und, warum Pärchenaktivitäten am schönsten sind, wenn man sie allein macht. Ob er das versteht, steht auf einem anderen Blatt.

Wenn Du samstags mit ihm allein was unternehmen willst, musst Du mE aktiv werden und Vorschläge machen. Das ist anders, als wenn Du sagst, Du willst Sa auch mal mit ihm allein was machen, und ER das raussuchen soll. Das wäre nur Meckern und Ausdrücken, dass Du nicht zu den Freunden willst, statt dass Du was gefunden hast, was Spannender für Dich im Zusammensein mit ihm erscheint, als schon wieder mit denselben Leuten am Tisch zu sitzen, zu labern, zu essen und Alkohol zu trinken. Ich denke, der Unterschied ist ersichtlich.

Wie gesagt, es hängt von ihm ab, ob er seine Leute wichtiger findet oder die Partnerschaft. Wenn er alles den Samstagstreffen mit den Freunden unterordnet und Dir lieber für Deine vorgeschlagenen Sa-Aktivitäten absagt, als dass er ne Party mit ihnen sausen lässt (was vielleicht auch schwer geht, wenn sie alle seine besten Freunde sind und komisch gucken, wenn er ausgerechnet ihren Geburtstag cancelt für irgendwas, das er ja "immer noch" allein mit Dir machen kann), wirst Du mit müssen, wenn Du den Sa-Abend mit ihm verbringen willst. Wenn Du gern auch mal allein bist, brauchst Du sein Verständnis, dass er das nicht komisch findet und als Ablehnung deutet. Manche Menschen können mit ihrem Partner auch nicht reden oder lustig sein, die brauchen andere Leute dazu. Speziell bei Männern ist mir das aufgefallen. Manche können sich auch überhaupt nicht vorstellen, dass man gut allein sein kann. Für die ist das deprimierend und je mehr Leute, umso besser.
 
  • #18
Du sprichst mir aus der Seele. So geht's mir auch, nur dass ich meine freie Zeit nicht mal mit einem Partner teilen "muss". Sogar Telefonate mit Schwester, Tante, alte Kollegin sind mir ein Druck. Ich will alleine sein. Ich möchte dann nicht mehr sprechen, weil ich beruflich den anderen Teil leben muss.Ich fürchte, bei dir geht das nicht lange gut. Sprich mit ihm. Da gebe ich @Tom26 Recht.
Bei mir habe ich den Verdacht, dass ich ausgebrannt bin. Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute.
 
  • #19
Liebe Physikerin,
ich kann Dich sehr gut verstehen. Und auch, dass Du in einem Forum fragst, weil sich da ja unterschiedliche Menschen tummeln.

Was meine eigene Erfahrung dazu ist: Es gibt Menschen, die tanken Energie oder verarbeiten einen heftigen Job-Tag in Form von Aktivitäten. Ich kenne viele Menschen, die in den kleinsten freien Zeiträumen da noch eine Sportstunde reindrängen, dort noch ein Ausgehen mit Freunden, usw. Mir wird schwummerig wenn ich das höre :)

Und dann gibt es Menschen, die eine andere Form brauchen, nämlich Ruhe (was nicht langweilig heisst! Ich bin nämlich auch so wie Du gestrickt). Den Kopf beruhigen, körperliche und geistige Entspannung in Form von weniger Aktivitäten.

Es wäre hier also sicherlich gut wenn Du das Deinem Partner mitteilst, was Deine Bedürfnisse sind. Das wäre ehrlich und authentisch. Das solltest Du Dir Wert sein.

Denn (und das ist wirklich nur meine Meinung+eigene Erfahrung! Bitte nicht als das Maß der Dinge nehmen!) wenn Du das nicht machst, wird Dir irgendwann die Luft ausgehen.

Ich hatte das nämlich auch. Ich habe 3 Jahre durchgehalten, gegen Ende dieser Beziehung mit diesem Mann war ich komplett ausgelaugt und leer.
Ich hab damals mitgemacht so wie Du, weil ich mal lernen wollte "wie es die anderen machen". Ich wollte so sein wie er, indem ich auch nach einem Bürotag sofort in seinen Aktivitätsmodus folgte.

Heute würde ich das nie wieder tun. Ich fühlte mich noch lange nach dieser "Beziehung" sehr leer.

Alles Gute
Blütenblatt
 
  • #20
Hi,
Ich habe seit 10 Jahren die gleiche Konstellation, nur dass ich der extravertierte Part bin. Es geht, aber ich leide schon immer mal wieder darunter, dass ich mein Bedürfnis nicht ausleben kann. Wenn ich zu oft ("oft" ist für beide Seiten sehr verschieden) weggehe, beschwert er sich, dass er mehr Paarzeit möchte. Nach Hause Leute einladen ist sehr selten möglich, und wenn dann schließt er sich in einem anderen Zimmer ein, damit er seine Ruhe hat.
Ich denke, es wird bei euch auch Konflikte geben, die ersten Jahre machte mein Partner viele Sachen aus Liebe mit, fie fch bis heute eigentlich für selbstverständlich halte.
Aber wie gesagt, machbar ist vieles, wenn man sich als Paar entsprechend fokussiert auf die Bedürfnisse von beiden, und wenn man kompromissbereit ist. Lass ihm seine Freiheiten, und halte du selbst deine Auszeiten von Freunden ein, und habt gemeinsame Hobbys und Ziele, dann klappt das schon. Es gibt ja noch andere Parameter in der Beziehung, und wenn die stimmen, ist das viel wert (schon mal von den Big Five gehört?).
w34
 
L

Lionne69

Gast
  • #21
Nicht jede*r Extrovertierte lebt nur im Außen, genauso wenig wie Introvertierte nur im Innen leben - und schon gar nicht ist die eine oder die andere Art wertiger.
Es ist nur eine Art mit der Welt und mit sich umzugehen, man hört anders, man hat andere Perspektiven, bekommt Denkanstöße aus anderen Quellen, etc. Wirkliche Puristen gibt es kaum.
Schließlich benötigt ein Mensch die Interaktionen mit dem Außen, für Spiegelungen, Denkanstöße und das weitere soziale Feedback.
Es geht immer nur um wieviel Außen und in welcher Form.

Mich würde mein Bekanntenkreis sicher als extrovertiert bezeichnen, aber ich lebe beide Seiten. Ich brauche meine Rückzüge - entweder Zuhause oder draußen in der Natur, Stille, Innehalten, Muße. Und dann wieder Trubel und Action, die Balance zwischen Beidem.

Wenn Ihr Kompromisse findet, kann es Euch bereichern - Du bringst die Ruhe, die Stabilität, das Innehalten mit, und er nimmt Dich mit ins Außen und zeigt Dir wieder eine andere Vielfalt.

Extrovertiert mit Oberflächlichkeit gleich zu setzen ist oberflächlich.
Und wie immer gleich nach Trennung schreien, ebenso.

Liebe Physikerin, bitte meine Zusatzfrage nicht falsch verstehen, ich möchte Dir persönlich nichts unterstellen.
Nur beim Wort "extrem", das ja eine Wertung durch Dich selbst beinhaltet, frage ich, ob Du diesbezüglich selbst mit Dir zufrieden bist.
Wenn Du nicht so ganz mit Deiner Art zufrieden bist, könntest Du durchaus mal nach den Gründen forschen und vielleicht ein paar Nuancen korrigieren, immer so, wie Du Dich wohlfühlst.

Meine persönliche Erfahrung mit einem introvertierten Partner - schwierig wurde es für mich, weil er durch seine Reaktionen alle Geselligkeiten boykottierte.
Ich hatte in einem Jahr mehr Einladungen in meinem neuen Zuhause, als vorher mit ihm im alten Haus in 10 Jahren. Und das brauche ich definitiv, mir gibt es viel, wenn sich hier bei mir liebe Menschen treffen, sich wohl fühlen, und ich feiere gerne.
Er nahm mir aber mit seinem Ausdruck, seinen ganzen Kommentaren und seinem unmissverständlichen Verhalten immer mehr die Freude daran - am Schluss bekam ich Panikattacken alleine bei der Vorstellung Gäste zu haben. Aber dies ist nun eine extreme Geschichte.
Zum Thema Feiern, dieses Jahr werde ich es krachen lassen, mit vielen, vielen Gästen - vor 10 Jahren hieß es seinerseits lapidar, braucht es das, und er ging dann ins Büro ...

Was es braucht, damit es bei so gegensätzlichen Persönlichkeiten funktioniert, ist das Verständnis für die Andersartigkeit, die gegenseitige Wertschätzung - und nicht die Abwertung des Verhaltens und der Vorlieben des Anderen, die Pflege der Gemeinsamkeiten und ein wertschätzendes Aufeinander zu gehen.

Du klingst sehr reflektiert, also redet einfach miteinander - es wird.

Alles Gute.

W,49
 
  • #22
Liebe FS,

ich bin mir gar nicht einmal so sicher, ob das alles mit intro- oder extravertiert zusammenhängt. Ich habe z.B. eine Kollegin, die ist introvertiert und hat auch einen riesigen Freundeskreis und sie scheint rastlos zu sein.
Sicher, dass dein Freund extravertiert ist? Es könnte auch sein, dass er unausgeglichen ist oder vor etwas wegrennt, es aber selbst so nicht sieht.

Wenn dein Freund ständig unterwegs sein möchte und viele Menschen um sich herum braucht, dann wird es sicherlich eine Herausforderung für euch in der Gestaltung des Alltags. Wichtig ist jedoch, dass du deine Bedürfnisse wahrnimmst und ihm auch mitteilst. Verbiege dich bitte nicht und mach ihm zuliebe alles mit. Das rächt sich früher oder später. Was wäre, wenn ihr am Wochenende einen gemeinsamen Tag verbringt und einen Tag Freunde besucht (abwechseln deine und dann seine). Muss es Freitag und Samstag sein? Lass ihn doch sonst alleine abends ausgehen oder geh einfach früher nach Hause. Es gibt viele Lösungsmöglichkeiten.

Bei mir verhält es sich komplizierter als bei dir...mal bin ich eher im Außen und möchte ständig unter Leute, dann gibt es aber wieder Phasen in den ich viel für mich sein möchte. Dieses hin und her ist für Außenstehende manchmal verwirrend und für meine Exfreunde war es das auch.

Eine Freundin von mir ist introvertiert und hat auch einen introvertierten Freund. Beide unternehmen am Wochenende wenig und dann auch nur tagsüber. Sind beide eher für sich und sie hat nur wenige gute Freunde. Diese Kombi passt also. ich habe jedoch gelesen, dass es gut ist, wenn einer der beiden mehr Richtung extravertiert neigt. Denn der Introvertierte braucht es manchmal mitgezogen zu werden.

Bei euch beiden wird das also nur funktionieren, wenn ihr euch gegenseitig respektiert und schätzt für die Eigenarten des Anderen. Vor allem ER sollte tolerant sein und dir Auszeiten zu Hause (zur Regeneration) zugestehen. Falls er insgeheim aber denkt, er könnte dich verändern und dich zwingt immer mit seinen Freunden bei Unternehmungen dabei zu sein, wirst du nur leiden und er dennoch unzufrieden-du bist ja dann nicht in Stimmung und man sieht dir das an. Beide sollten sich nicht verbiegen, sondern immer aufeinander zugehen. Für dich gilt es auch immer wieder mal deine Komfortzone zu verlassen, sodass es noch zumutbar ist.
 
  • #23
Er braucht hingegen gar keine Zeit alleine. Er verbringt seine Freizeit ausschließlich mit anderen Leuten.
Und sonst hat er keine Hobbys? Ich könnte in dieser Konstellation nicht leben, gehöre nämlich ebenfalls zu den Menschen, die ausgedehnte Phasen der Selbstgenügsamkeit brauchen und sich, wenn sie permanent von anderen angesprochen werden, fremdbestimmt und unfrei fühlen. Wann liest Du ein Buch? Wann schaust Du Dir einen Film an, der Deinem Partner nicht gefällt? Wann genießt Du die Ruhe einer Waldlichtung oder eines Aussichtsfelsens? Das alles findet nicht mehr statt, wenn Dein Partner Dich stattdessen ständig nur zu seinen anspruchslosen Treffen mit Freunden schleppt. Nein, ich könnte so nicht leben.

Versuche ihm abzuringen, daß Du etwas anderes tust, während er seine Freunde trifft. Fang mit einem Buch an, das Du lesen mußt, warum auch immer. Laß Dir was einfallen.
 
  • #24
Dein Problem kommt mir sehr Bekannt vor. Ich war 15 Jahre mit einem Mann der meinem Charakter entgegengesetzt ist zusammen. Rückblickend würde ich uns raten, mehr darüber zu sprechen. Akzeptanz ist das Zauberwort. Eine Weile konnten wir Kompromisse machen. Die waren vor allem eines: Faul! Niemand hat sich wohl gefühlt, wenn er dem anderen zu liebe entgegen seiner Strukturen gelebt hat. Das hat (zu nächst) unmerklich unsere Beziehung belastet. Am Anfang lässt man es den anderen mit unter auch nicht spüren. Irgendwann ist über die Frage: was habe ich nicht alles für dich getan und geopfert, ein erbitterter Stellungskrieg ausgebrochen. Wenn jeder so sein darf wie er nun mal ist, ist nichts ein Problem. Frage nicht im Forum, nach Meinungen. Sprich mit deinem Partner. Erkläre ihm, ehrlich und so unpersönlich wie möglich dass du dich unwohl fühlst und das es für dich viel Überwindung kostet seinen geselligen Lebensstil zu teilen. Wenn du Glück hast, ist es für ihn völlig in Ordnung. Dann hast du einen der wenigen Menschen ergattert, die ihren Selbstwert nicht daran fest machen müssen ob der Partner für sie über den eigenen Schatten springt. Wenn du Pech hast reagiert er gekränkt und nimmt deine konterkarierten Bedürfnisse persönlich. DANN habt ihr ein Problem für das ich leider keine gangbare Lösung weis. Ich würde jedenfalls nie wieder blauäugig in eine Beziehung gehen, in der mein Partner von mir erwartet, das ich Wieder meiner eigentlichen Natur und Bedürfnisse handeln muss, damit er mir glaubt das ich ihn liebe. Ich würde von Anfang an, so lange es noch sachlich geht darüber sprechen.
 
  • #25
Danke euch schon mal.

Falls sich das Thema nicht ergibt, werde ich es nicht direkt bei ihm ansprechen, dafür sind wir meiner Meinung nach zu kurz zusammen. Und es sind ja auch nur Gedanken - zu einem Problem kam es da bislang noch nicht.
Ich denke in den ersten Monate muss man sich einfach noch richtig kennenlernen und aufeinander einspielen. Er hat keine Beziehungserfahrung, ich schon, aber die ist Jahre her (wir sind 31). Wir haben uns Beide ein gutes Single-Leben eingerichtet, das uns auch ohne Partner erfüllt. Dessen sind wir uns bewusst. Wir wollen aber Beide in die gleiche Richtung gehen und natürlich ändern sich unser beider Leben dadurch und das wollen wir ja auch.

Inspirationmaster schreibt von "nicht kompatibel". Ja, das könnte es gut treffen. Das ist ein wenig mein Gedanke, aber davon überzeugt bin ich noch nicht. Ich denke, es sind eher Ausnahmefälle in denen der Übergang in eine zweisame Beziehung aus jahrelangem Single-Leben komplett fließend verläuft.

Ich denke, Kompromisse sind schon wichtig in einer Beziehung und dass man Dinge auch dem Partner zu Liebe tun sollte. Grundsätzlich bin ich aber auch der festen Überzeugung, dass man sich selbst am glücklichsten stellen muss und sich zu verstellen niemals eine Lösung ist. Nur wenn man selbst erfüllt ist, kann eine gute Partnerschaft funktionieren. Und dann fallen einem auch Kompromisse leichter. Deshalb käme es für mich auch nicht in Frage, mehrmals monatlich (wenn es jeden Monat so sein sollte), was mit seinen Leuten zu unternehmen. Das würde mich in der Tat unglücklich machen (und wozu dann eine Beziehung führen, wenn es einen unglücklich macht). Wenn das für ihn zu problematisch sein sollte, passt es einfach zu wenig.

Bis jetzt läuft ja alles gut. Ich bin gespannt, ob es sich für ihn zu einem Problem entwickelt. (Für mich persönlich ist es kein Problem, wenn er häufiger was ohne mich macht, weil ich nicht 24/7 aufeinander hocken muss.)

@Serenissima, danke, ja die ersten Treffen haben mir tatsächlich Kopfzerbrechen bereitet, was aber letztendlich daran lag, dass wir beide nicht voneinander wussten, ob mehr dahinter steckt (im Gegensatz zu Online-Dasing, wo die Absichten ja klar sind) und wir beide sehr unsicher in Beziehungsdingen sind. Es fühlt sich fast an wie eine erste Jugendliebe, in der man sich langsam rantastet.
 
  • #26
Liebe FS,
das war in meiner letzten Beziehung genau mein Thema...
Erstmal: Ich denke, solche Unterschiede können in einer Partnerschaft durchaus ausgeglichen werden unter der Voraussetzung, dass beide den anderen verstehen (so gut das geht) und ihn so annehmen, ohne ihn ändern zu wollen. Anders geht es nicht. Das bedeutet oft Kompromisse. Meine Eltern sind so: Meine Mutter braucht ständig Input, Leute um sich herum, "Futter". Mein Vater sitzt am liebsten daheim und liest. Sie sind seit fast 45 Jahren glücklich verheiratet. Meine Mutter macht viel allein, geht auf Radtour mit ihrer Clique für zwei Wochen, auf Vernissagen, ins Theater. Mein Vater geht ab und zu mal mit. Sie haben aber auch gemeinsame alte gute Freunde aus Studienzeiten, mit denen sie gemeinsam Zeit verbringen, und außerdem passen sonst die Lebensvorstellungen, Hobbys, Berufe, alles zusammen. Das ist der Ausgleich (auch wenn es durchaus mal Streit gab aufgrund der Unterschiede). Ich kenne mehrere Paare, bei denen das so ist. Stets ist es so, dass beide über die Art des anderen mit Bewunderung sprechen. Sie schätzen seine Extraversion/Introversion für die Vorteile, die dies mit sich bringt, und vernachlässigen in ihrer Wahrnehmung die Nachteile.

Ich kenne auch Paare, bei denen das nicht funktioniert, wo besonders der Extrovertierte den anderen ständig ändern will und unzufrieden ist, dass der andere nicht gleichermaßen mitzieht, während der ruhigere Partner sich ständig gestresst fühlt und gezwungen, sozial zu interagieren. Meine letzte Beziehung ist daran kaputtgegangen. Er war ein Mittelpunktsmensch sondergleichen; auch noch ein ziemlicher Angeber. Je mehr Leute, desto besser - mir ein Graus. Wir konnten uns auf Dauer einfach nicht so respektieren, wie wir beide waren, und da auch andere Dinge nicht passten, waren wir irgendwann nur noch genervt. Mein jetziger Partner ist wie ich sehr introvertiert und es ist für mich der Himmel. Wir gehen auf eine Party (einmal im halben Jahr...), sagen uns vorher schon, wir bleiben höchstens zwei Stunden; wenn wir nach einer Stunde das Gefühl haben, unser Energielevel sinkt ins Bodenlose, verabschieden wir uns und verbringen den Rest des Abends daheim mit Buch, Serie oder ruhigem Zweiergespräch.

Fazit: Es ist möglich, aber nur, wenn alles andere passt, beide kompromissbereit sind (du ihn dann eben mit seinen Freunden gehen lässt) und man den anderen dafür schätzt, dass er anders ist.

w, 35
 
  • #27
Ihr seid unterschiedlich und müsst das akzeptieren. So wie Du Deine Zeit alleine brauchst, braucht er die Zeit mit den Freunden.
Du solltest mit ihm über Deine Wünsche sprechen. Vielleicht könnt ihr einen Kompromiss finden, dass Du z.B. nur bei bestimmten Anlässen dabei bist.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es schwierig ist. Für mich gab es 4 Termine, die man als Paar zusammen verbringt, Geburtstage, Weihnachten, Silvester, Ostern. Für mich gehört dazu, dass bei diesen Feiern auch Familie bzw. Freunde dabei sind.
Dazu kommen dann wichtige Feiern in der Familie und dem Freundeskreis.
Mich hat gestört, wenn er nicht mitgekommen ist.

Wahrscheinlich fliessen die unterschiedlichen Vorstellungen auch in die Urlaubsplanung usw. ein, Stichwort: Gruppenurlaub.

Vielleicht schafft ihr es, einen Kompromiss zu finden.
 
  • #28
Hallo, mir ging es gleich wie dir, ich war 3 Jahre mit einen extrem extrovertierten Mann zusammen. Ich versuchte mich dauernd zu verbiegen, nur um ihm zu gefallen. Ging zu allen möglichen Feiern mit, um am Ende mit meinen Freund zu streiten , weil ich mit niemanden geredet habe bzw. mir alles zu anstrengend war. Wenn dein Freund auch so extrem extrovertiert ist, wie mein Ex wird das auf Dauer wahrscheinlich zu Streit und Stress führen. Bei uns war das der Trennungsgrund.
Ich für meinen Teil bin jetzt froh, einen Partner zu haben der ähnlich tickt wie ich und auch viel Zeit für sich selbst braucht.
Wenn beide kompromissbereit sind, kann es bestimmt funktionieren, jedoch werdet ihr im Alltag bei Kleinigkeiten sicher merken, wie verschieden ihr seid..Jeder von euch geht mit anderen Menschen komplett anders um, das wird vielleicht nicht einfach.
Ich wünsch es euch, dass ihr einen Mittelweg findet und du, du selbst bleiben kannst.
 
C

Charline

Gast
  • #29
Ich bin ebenfalls ein introvertierter Typ.
Aber wenn ich weiß, dass Samstag-Abend ein Geburtstag ist, dann habe ich bereits die ganze Woche ein flaues Gefühl im Magen. Und wenn ich auf dem Geburtstag bin, wünschte ich, ich wäre zuhause.
Das geht mir exakt genau so.
Daher weiß ich, dass ein Partner, der einen großen Freundeskreis hat und gerne viel feiert, auf Dauer nichts für mich ist. Ständig ihm zu Liebe mitgehen, wäre mir zu anstrengend. Bei meiner letzten Beziehung wurde genau das auch zum Problem. Mein Freund wollte überall als Paar hin. Ich wollte lieber zu Hause bleiben, weil mir die ständige Feierei, wo immer das gleiche geredet wird, nicht liegt. Es stresst mich nur. Wir passten eben nicht zusammen.
 
  • #30
Er hat einen großen Freundeskreis, in dem ständig Geburtstage oder andere Anlässe für Feiern sind, stattfinden.
Ich bin extrem (!) introvertiert, was heißt, dass für mich Menschen, die nicht zu meinem vertrautesten Kreis gehören, energieraubend sind.

Klingt für mich schwierig, eine Beziehung zu einer Partnerin mit Deiner Denkweise kann ich mir nicht vorstellen. Die Antwort auf Deine Frage kann nur er geben. Im Grunde müsstest Du Dich ja mit ihm darauf verständigen, dass er weiter wie ein Single seine Freizeit verbringt oder aber, dass er auf seine Freundschaften teilweise verzichtet und seine Zeit mit Dir verbringt. Ein vernünftiger Mensch wird sich kaum darauf einlassen. Natürlich verändert man sein Freizeitverhalten in einer Partnerschaft, aber Deine Sichtweise finde ich sehr extrem.
Also: fragen, ob das für ihn akzeptabel ist.
 
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