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Gast

  • #1

Intuition vs. sorgfältiges Prüfen bei der Partnerwahl

Bisher habe ich meine Partner immer rein intuitiv gewählt. Die Anziehung und die Kommunikation sowie die wichtigsten Features stimmten. Nach sehr kurzer Zeit, 2-3 Dates, war klar, dass wir eine Beziehung probieren wollten. Nie habe ich sie minutiös geprüft, absichtlich warten lassen o.ä., und es wurden trotzdem - oder gerade deswegen?- glückliche mehrjährige Verbindungen daraus.

Leider scheint diese Strategie nicht mehr aufzugehen.
Die gewohnte magische Anziehung ohne etwas voneinander zu wissen führt mich zwar immer noch mit schlafwandlerischer Sicherheit zu Seelenverwandten, doch gibt es nun regelmäßig einen triftigen Grund, warum sie nicht meine Partner werden können.
Da ich allmählich anfange darunter zu leiden, Gefühle zu entwickeln, um nachher deren Sinnlosigkeit festzustellen, frage ich Euch:

Wie schafft Ihr es, mögliche Partner erst rational abzuchecken, bevor Ihr Gefühle entwickelt?
Kann das die Methode der Wahl sein, indem man bewusst den intuitiv sicheren Griff mit verbundenen Gefühlsstürmen abstellt? Oder muss beides auf dem Weg zum "Richtigen", dem man das lebenslange Versprechen zu geben bereit ist, stimmen? Denn das konnte ich bisher -ebenfalls intuitiv- keinem der Herren geben...
 
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Voland

  • #2
Meine Partnerwahl lief und läuft auch so ab wie bei der FS. Hauptsächlich intuitiv. Ich vertraue meinem Bauchgefühl und habe bis jetzt noch kein Fiasko erlitten, sondern eine sehr lange und einige halblange erfüllende Beziehungen erlebt.

Eine völlig rationale Art, etwas "abzuchecken" wäre mir fremd; ehrlich gesagt missfällt mir bereits das Wort abchecken erheblich. Jedoch, so ganz ohne Ratio geht es bei mir dann doch nicht. Zwar teste ich nicht und mag auch nicht gern getestet zu werden. Einige "Resultate" werden jedoch ganz ohne Test frei Haus geliefert. Und außerdem, rein unbewusst denke ich, läuft bei mir doch auch leise ein Testprogramm im Hintergrund mit, das seine Resultate einfach in meine Intuition einspeist.

Würden meine Erfahrungen schlecht sein oder sich schlechte häufen, dann würde ich wirklich rationaler werden. So aber genieße ich ein Kennenlernen und Verliebtsein und bremse mich sowenig wie möglich dabei.
 
G

Gast

  • #3
Liebe FS

So wie du schreibst, bist du offenbar auch schon etwas älter wie ich (m49) und hast natürlich eine gewisse Lebenserfahrung. Mit zunehmenden Alter kannst du dich immer mehr auf deine Intuition bzw. dein Bauchgefühl verlassen. Bei der Partnerwahl geht es ja nicht um eine Geschäftsbeziehung und daher halte ich ein minutiöses Abchecken für das Schlimmste, was man machen kann. Dazu noch womöglich mit einer Checkliste, wie ich das gerade bei einem Auto mache, das ich für einen Kollegen teste.

Wenn du auf einen Punkt triffst, bei dem du sagst, das ist für dich der Beziehungskiller, dann war es definitiv nicht der Richtige. Echte Liebe (nicht Verliebtheit, da ist man blind...) ist bedingungslos und man nimmt den Anderen so wie er ist mit allen seinen positivien und negativen Seiten. Wenn du nun aber immer mehr auf solche Kandidaten triffst, dann ist das ein Zeichen, dass dein Bauchgefühl besser geworden ist. Denn du entdeckst die No Gos bereits bevor eine Beziehung beginnt. Früher hast du Beziehungen angefangen, die dann irgendwann auseinander gingen...da hast du es dann halt später gemerkt.
 
G

Gast

  • #4
Ja, der Feinabgleich ist ein wichtiges Stichwort! Er findet schon statt, und ich erinnere mich genau an die betreffenden Gedanken, nur habe ich dem zu wenig Bedeutung beigemessen, wie mir nun aufgeht.
Dazu kommt der Erfahrungswert, mit der Wahl der "Lebensabschnittsgefährten" eine grandiose Bereicherung erlebt zu haben, die nicht hätte besser sein können. Es war immer die erste Wahl - für ein Weile.
So dachte ich, würde ich nun auch wieder zum Ziel kommen ;)
Zwei der Männer war mit dieser Sichtweise nicht zufrieden - sie wollten die perfekte Frau zum Heiraten finden. Einer hat zumindest eine viel besser passende Partnerin gefunden. Für ihn freue ich mich aufrichtig, und er ist mir als Freund erhalten geblieben. Beim anderen weiß ich nicht, ob er erfolgreich war.
Ein weiterer wollte mich als Nebenfrau.
Der vierte zeigte Interesse, bis ich anderweitig erfuhr, dass er in einer festen Beziehung ist.

Alle hatten auch Seiten, die mir suspekt waren - und ich hätte es gemäß meines bewährten Credos eben auf einen Versuch ankommen lassen, zumindest mit den Ungebundenen. Das Elend, drittes Rad am Wagen zu sein, tue ich mir und den anderen Beteiligten nicht an.

Nun, ich meine auch, dass ich weiter meine Intuition lebendig halten will. Nichts geht über den intuitiv richtigen Griff mit dem einhergehenden Gefühlsfeuerwerk. Nur werde ich ein bisschen zurückhaltender sein, was Konkretisierungen betrifft. Wenn es sein soll, hat man diese Probleme nämlich gar nicht. Das passt ein Puzzleteil der Kennenlernens mühelos ins andere.

Mit hochgesetzten Idealen wie "Mann für´s Leben" oder "Traumprinz" stehe ich von jeher auf Kriegsfuß.
Ich hätte einfach gerne auf unbestimmte Dauer einen unkomplizierten, netten, vertrauenswürdigen Mann und ein geistiges Komplement an meiner Seite...

Es scheint wirklich schwierig heute, um die 40 herum.

Vielen Dank aber für Eure erwärmenden und erhellenden Worte :)

Die FS
 
G

Gast

  • #5
Liebe FS,
die Ursache Deiner Probleme liegt schlicht und einfach in der Tatsache, dass Du älter geworden bist und die tollsten Männer in festen Händen sind. Du hast nicht mehr die breite Auswahl.
Ich glaube auch nicht, dass Du mit gründlicher prüfen erfolgreicher sein wirst. Die Menschen denen Du begegnest sind ja auch älter, erfahrener, vorsichtiger, abwägender geworden, oft auch schwer enttäuscht und daher nicht mehr so bereit, sich ganz einzulassen. Zu guter Letzt sind sie in Seminaren kommunikationstrainiert, sowie Ratgebergestählt, d.h. geübt darin, Dir Deine Wunschbilder vorzuzaubern. Diese kannst Du erst in der Realität überprüfen, d.h. Du musst es versuchen, Dich einlassen.
Du kannst das große Los ziehen oder eben enttäuscht werden. Wenn Du nichts machst, kannst Du kein großes Los ziehen, wirst aber auch nicht enttäuscht.
Nach vielen Nieten im Onlineleben, habe ich es aufgegeben, das große Los zu suchen und werde auch nicht mehr enttäuscht. Du musst halt sehen, wieviel Frust und Enttäuschung Du vertragen kannst.
 
  • #6
Ich würde mich gerne auf meine Intuition verlassen ...allerdings hat das noch nie wirklich funktioniert. :(
 
G

Gast

  • #7
Wie schafft Ihr es, mögliche Partner erst rational abzuchecken, bevor Ihr Gefühle entwickelt?
Gar nicht. Weil es in dieser Reihenfolge nämlich nicht geht. Gefühle lassen sich nicht terminieren, sie kommen wann sie wollen, manchmal zu früh und manchmal überhaupt nicht. Insbesondere fragen sie nicht danach, ob Du denjenigen auf Herz und Nieren geprüft hast.

Was allerdings funktioniert ist: denjenigen oder diejenige möglichst frühzeitig an Orte mitnehmen, die charakterschwachen Menschen nicht liegen. In die Natur etwa. Wer mit Dir ausgedehnt wandert und ein Auge hat für die verborgenen Schönheiten der Natur, der kann eigentlich kein schlechter Mensch sein. Oder Du gehst mit ihm an einen Aussichtspunkt hoch über der Stadt: wenn er nach 10 Minuten wegläuft und was anderes tun will, vergiß ihn. (m)
 
G

Gast

  • #8
Dazu kommt der Erfahrungswert, mit der Wahl der "Lebensabschnittsgefährten" eine grandiose Bereicherung erlebt zu haben, die nicht hätte besser sein können. Es war immer die erste Wahl - für ein Weile.
...
Mit hochgesetzten Idealen wie "Mann für´s Leben" oder "Traumprinz" stehe ich von jeher auf Kriegsfuß.
Ich hätte einfach gerne auf unbestimmte Dauer einen unkomplizierten, netten, vertrauenswürdigen Mann und ein geistiges Komplement an meiner Seite...
Das könnte mit den Jahren immer schwieriger werden. Vielleicht stößt (u.a.) ja auch das Konzept "Lebensabschnittsgefährten" irgendwann an seine (natürlichen?) Grenzen?

Aber: Ich unterscheide gleich dreifach: Herz (Gefühl), Intuition (gefühltes, erlerntes Wissen) und Verstand. Und doch - wenn alle drei passen, was für ein Glück, warum dann nur für einen Lebensabschnitt?
 
G

Gast

  • #9
Ja, warum einen Mann nur für einen Lebensabschnitt? Gute Frage. Im Nachhinein betrachtet wurden Unterschiede, die man anfangs tolerieren konnte, mit den Jahren und der Entwicklung beider Partner plötzlich untragbar. Das hatte auch nichts mit mangelndem Aufeinanderzugehen oder An-der-Beziehung-arbeiten zu tun, sondern das stand unausweichlich im Raum.
Sagen wir, Herz, Intuition und Verstand sagten immer zu einem gewissen hohen Prozentsatz ja zu den Partnern. Ich habe aber noch nicht erlebt, wie beispielsweise eine Freundin, die kürzlich geheiratet hat: bei allen Exfreunden störte sie immer ein winziges Detail, bei ihrem Mann hingegen überhaupt nichts.

"Abchecken" finde ich auch nach wie vor grauenhaft. Das werde ich so nie handhaben. Ich spreche über Themen, die mir wichtig sind und höre dann ja, was derjenige dazu zu sagen hat. Die Idee mit den Unternehmungen als Charaktertest ist so charmant wie erprobt. Natürlich werden alle subtil auf ihre Genussfähigkeit, Humor, intellektuellen Scharfsinn, emotionale Großzügigkeit, Toleranz, Zuverlässigkeit und (sorry!) Notgeilheit getestet ;)

Und ja, ich werde weiterhin meine Gefühle ausleben, egal wieviel Prozent passen. Nicht auszudenken, welche Gespräche mir entgehen würden, nur weil ich erst abchecken muss, ob er heiratstauglich ist. No way!

Die FS