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Gast

  • #1

Irrationale Angst vor 1:1-Nähe

Hi, bin seit langer Zeit Single und auch nicht wirklich aktiv auf der Suche. Nicht im privaten Umfeld und auch nicht online, obwohl ich mal darüber nachgedacht habe. Ich denke aber, für mich in meinem Alter (29) ist es jetzt ohnehin zu spät ist. Mein Problem: Ich habe irrationale Angst vor Nähe. Das hat mir in den vergangenen Jahren auch immer mal wieder Gelegenheiten verbaut. Vollkommen seltsam ist bei mir, dass ich vor Publikum oder Gruppen (in der Spitze einmal vor 1.000 Menschen) in der Vergangenheit ohne Probleme auch längere Zeit sehr klar und deutlich reden konnte (da ich mich nicht auf einzelne Personen einlassen muss), in der Kommunikation 1:1 aber deutliche Schwierigkeiten und Ängste habe - was natürlich gerade bei der Partnersuche nicht so doll ist. Wie kann man das ändern?
 
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Gast

  • #2
Entweder therapieren oder resignieren.
Wenn du tatsächlich ein Bedürfnis nach einer Partnerschaft hast und nicht nur der gesellschaftlichen Konvention genüge tun willst, würde ich zu ersterem raten.
Das Leben wird reicher, wenn man nicht nur die Mutter in der 1:1-Nähe erlebt hat.
 
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Gast

  • #3
Du hast ein Problem - ich vermute Bindungsängste! Ich empfehle Dir folgende Lektüre: "Jein" von Stefanie Stahl - Bindungsängste erkennen und bewältigen. Mit Hilfe dieses Buches könntest Du bereits eine Selbstdiagnose wagen, den Ursachen auf den Grund gehen und ggf. mit Hilfe einer Therapie eine Verhaltensänderung einleiten. Viel Glück.
 
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Gast

  • #4
von FS: Sind "Bindungsängste" denn eine anerkannte Krankheit? Muss man dafür zum Psycho-Doc? Habe ich schon ein wenig Hemmungen vor...
 
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Gast

  • #5
Hier geht es nicht im entferntesten um Bindungsängste (#2 + #3), dazu kommt es doch wie in der Frage zu lesen ist, nicht mal ansatzweise. Es kommt ja nicht mal zur Kommunikation mit dem anderen (oder gleichen?) Geschlecht.-

Und, weiter, erst mal dazu: "für mich in meinem Alter (29) ist es jetzt ohnehin zu spät ist."
Es ist kurz vor Erreichen der statistischen Lebenserwartung fast zu spät. Gleichgültig ob FS
m oder w ist.

Mit 40 Jahren währe es spät. Aber jetzt ist es nicht zu spät. Es ist aber eine zügigere Beschleunigung und Aufholjagt in der Entwicklung sinnvoll. Und ich denke, statt da lange herum zu hampeln kann es nicht schaden mal proffessionellen Rat zu holen. Angefangen beim Hausarzt. Der kann evtl. Hilfe empfehlen.
Gleichzeitig sehe ich die Anmeldung bei einer Onlinepartnerbörse als sinnvoll an.
Und hier aktiv werden und nach kurzer Kontaktaufnahme unbedingt Dates im RL anstreben.

Und das alles nicht in 8 Wochen, sondern möglichst bald. Hier gibt es meiner Meinung nach nur eines. Die Flucht nach vorne. M 54J
 
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  • #6
Liebe(r) FS

Ja. Damit gehst Du lieber zum Psychotherapeuten.
Du bist noch gar nicht so alt.
Aber wenn Du nichts unternimmst, wirst Du es vielleicht in zehen Jahren sehr bereuen (was ich nicht hoffe).
Fass Dir ans Herz.
Wünsche Dir viel Erfolg dabei und viel Glück
(m45)
 
  • #7
Fr was soll es denn in deinem jungen Alter schon zu spät sein? Da redest du dir aber schön was ein.
Du solltest vor allem die 1:1 Kommunikation üben in dem du dich ganz viel in so eine Situation bringst und übst, übst, übst. Dann gewinnst du Sicherheit und Routine. Wenn du eine Erklärung für deine Bindungsängste suchst um diese besser verarbeiten zu können, dann bieten sich ein paar Stunden beim Therapeuten an. Das ist nichts schlimmes und du übst.
 
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Gast

  • #8
Ich empfehle Dir dringend ein Erstgespräch bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten. Als Psychotherapeut möchte ich hier keine Ferndiagnose abgeben, aber sicher hast Du eine Angststörung, welche im unbehandelten Zustand zu einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung führen kann.
Vielleicht sind neben dem Erstgespräch auch weitere Termine (in der Regel reichen zwei bis fünf) hilfreich, um das weitere Vorgehen mit dem Psychotherapeuten zu entwickeln und die Frage einer weiteren Zusammenarbeit zu klären.

Wahrscheinlich kommt in Deinem Fall eine Kombination aus analytischer Einzelpsychotherapie
und tiefenpsychologischer fundierte Psychotherapie zur Anwendung. Realistisch musst Du mit 150 bis 200 Stunden Therapie rechnen.

Eine solche Psychotherapie ist nicht einfach, denn Du musst es schaffen, eine vertrauensvolle Bindung zum Psychotherapeuten herzustellen. Das ist auch der Grund, weshalb viele Klienten eine solche Therapie (leider) abbrechen.

Mit der von Dir geschilderten Angst fällt es Dir sicher auch schwer, normale, vertrauensvolle Freundschaften einzugehen und zu pflegen. Auch dies wird Dir nach einer erfolgreichen Therapie möglich sein.

Dein Leben wird durch eine erfolgreiche Therapie sehr viel Qualität gewinnen, denn es ist wunderbar, sich binden zu können und anderen Menschen zu vertrauen, auch wenn man grundsätzlich mit Enttäuschungen rechnen muss. Aber Du kannst durch die Psychotherapie die Angst davor verlieren. Ich würde mir wünschen, dass Du den Mut dazu hast. Grüße, B.
 
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Gast

  • #9
Ich darf mir erlauben - als einfacher Küchenpsychologe - dem Beitrag von Nr. 7 zu widersprechen:
Nicht jedes Verhalten, das nicht "ganz normal" ist, ist zugleich auch krank. Gern möchte ich Dir empfehlen, auf eine Psychotherapie zu verzichten, es denn, Du verspürst das Bedürfnis danach. Angst vor Nähe kann auch heißen: Da ist jemand sehr sensibel und weiß um die Verletzlichkeit von Menschen (in Bezug auf sich selbst und auf den anderen). So gedeutet, haben wir es hier viel eher mit einer gnadenhaften Begabung, denn mit einer Störung zu tun. Zudem: Von vielen Schauspielern weiß man, dass sie überaus schüchtern sind, aber vor großem Publikum spielen können. Und Schauspieler sind in aller Regel sehr sensible Menschen. - Also: Schau auf das Besondere, das Dich ausmacht! Du bist offensichtlich besonders begabt, aber keineswegs psychisch krank!